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Full text of "Neues Archiv für sächsische Geschichte und Alterthumskunde"

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Neues Archiv 



für 



Sächsisclie Geschichte 

imd 

Alterthumskunde. 



Herausgegeben 



von 



Dr. Hubert Ermisch, 

K. Archivrath. 



Siebenter Band. 



Dresden 1886. 
Wilhelm Baensch Verlagshandlung. 



rrlEGEITY CENTER 



Inhalt. 



Seit«» 

I. Moritz von Sachsen gegen Karl V. 1552. Von Ober- 
lehrer Dr. S. Issleib in Bautzen 1 

n. Zur Entstehungsgeschichte der städtischen und adeligen 
Patronatstellen in den sächsischen Landesschulen unter 
besonderer Berücksichtigung der Freistellen des Geschlechts 
von Schönberg in der Landesschule St. Afra zu Meissen. 
Vom Präsidenten der Oberrechnuugskammer B. v. Schön- 
berg in Dresden ßO 

in. Das Zinnerrecht von Ehrenfriedersdorf, Geyer und Thum. 

Vom Herausgeber 94 

IV. Aus Daniel Naubitzers Autobiographie. Ein Beitrag zur 
Kulturgeschichte des 16. Jahrhunderts. Von Dr. M. 

Baltzer in Danzig 111 

V. Name, Alter und Ursprung der Stadt Sebnitz. Von 
Direktor Fr. Ohnesorge in Sebnitz 118 

VI. Aktenstücke zur Geschichte der Vita Bennonis Misnensis. 

Von Geh. Staats archivar Dr. R. Doebner in Berlin . . 131 
Vn. Kleinere Mittheilungen 145 

1. Ein hussitischer Spion. Von Rathsarchivar Dr. O. 
Richter in Dresden. S. 145. — 2. Zur Geschichte der 
Luxemburger Streitigkeiten. Von Dr. Ludwig Schmidt 
in Dresden. S, 146. — 3. Spuren Meister Arnolds 
von Westfalen. Von Dr. 0. Richter. S. 148. — 

4. Eigenhändige Schriftstücke Luthers und Melanch- 
thons. Von Ai-chivrath Dr. Th. Distel in Dresden. 

5. 150. — 5. Zm- Entstehungsgeschichte des Testa- 
mentes Melchior v. Osses. Von demselben. S. 153. — 

6. Zu den Puuktierbüchern des Kurfüi'sten August. 
Von demselben. S. 154. — 7. Weihnachtsgeschenke 
fiir die Kinder des Kurfüi-sten August. Von dem- 
selben. S. 155. — 8. Zu den Verhandlungen Wallen- 
steins mit den Schweden und Sachsen 1633. Von 
Prof. Dr. Gaedeke in Dresden. S. 156. — 9. Irrthümer 
in den Mandaten vom 7. August 1734 und 16. Sep- 
tember 1746. Von Archivrath Dr. Distel. S. 162. — 
10. Tanz um einen Ochsen. Von demselben. S. 163. 

Literatur 164 



IV Inhalt. 

Seite 

VIII. Ekbert II. Markgraf von Meissen. Von Dr. Paul Rock- 
rohr in Halle 177 

IX. Die Ki-agensche Fehde. Von Prof. Dr. Hermann Knothe 
in Dresden 216 

X. Die Besatzung zu Dresden von der mittelalterlichen bis 
in die neuere Zeit. Von Wirkl. Geh. Kath und Oberhof- 
meister A. von Minckwitz in Dresden 235 

XI. Aus den Papieren des kursäohsischen Generallieutenants 
Haus Georg von Arnim 1631—1634. (GräÜ. Arnimsches 
Familienarchiv zu Boitzenburg). Von Prof. Dr. Arnold 

Gaedeke in Dresden 278 

XII. Die einstigen Malereien in der Augustusburg. Von 

Pfarrer C. Freyer in Schellenberg 297 

Literatur 327 

Register 340 



Besprocliene Schriften. 



Beiträge zur sächsischen Kirchengeschichte. 2. u. 3, Heft (G. 

Müller) 166 

Burkhardt, Stammtafeln der crnestinischen Linien des Hauses 

Sachsen (Ermisch) 327 

Friedrich, Album des Gymnasiums zu Zittau (Knothe). . . . 330 

Knothe. Die Stellung der Gutsunterthanen in der Oberlausitz 

(Ermisch) 328 

Krause, Der Briefw(;chsel des Mutianus Rufus (G. Müller) . . 169 
Lehmann, Dei- polnische Resident Bercnd Lehmann (Ermiscli) . 165 
Mitzschke, Martin Luthei', Naumburg a. d. Saale und die Re- 
formation (G. Müller) 328 

Mothcs, Baugeschichte der St. Marienkirche zu Zwickau (Schu- 
mann) 331 

Richter, Lebenserinnerungen eines deutschen Malers (Schumann) 170 
Schnorr v. Carolsfeld, Briefe aus Italien (Schumaim) .... 333 

Schumann, Barock und Rococo (Alwin Schultz) 164 

Steche, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunst- 
denkmäler des Königreichs Sachsen. Heft VI , VII. 
(Alwin Schultz) 331 

Wustmann, Aus Leipzigs Vergangenheit (Distel) 165 



I. 



Moritz von Sachsen gegen Karl V. 1552'). 



Von 

S. Issleil). 



VV ährend Kaiser Karl V. in Innsbruck verweilte und 
seinen bekannten dynastischen und konziliaren Plänen 
nachhing, den französischen Feindseligkeiten in Italien 
zu begegnen, die Niederlande zu schützen und die Türken 
zurückzuhalten suchte, erhob sich in Deutschland der 
Kriegssturm, welcher den gefangenen Landgrafen Philipp 
von Hessen befreien und die Wohlfahrt der deutschen 
Nation befördern sollte. 

Man ma««' über die Haltung des Kurfürsten Moritz 
von Sachsen im Jahre 1551 und anfangs 1552 verschieden 
urtheilen; nothwendig aber war sie. Seine schwierige 
Lage zwang zur Vorsicht und Täuschung, zu wohl- 
berechneten Schwankungen und zur wohldurchdachten 
Ausnutzung aller Verhältnisse. 

So kam es, dass er zur Zeit der Belagerung Magde- 
burgs als Feldherr des Kaisers und Reiches ein kaiser- 
feindliches Bündnis aufrichtete und dann unmittelbar 
nach der Einnahme dieser Stadt infolge des Lochauer 
Zerwürfnisses und der französischen finanziellen Kargheit 
sich erbot, auf Wunsch des Kaisers nach Innsbruck zu 
kommen. Die kaiserliche Forderung, vorher das Kriegs- 
volk zu bezahlen und zu trennen, gab ihm wiederum 



^) Die Arbeit schliesst sich eng an die in dieser Zeitschrift YI, 
flg. veröffentlichte an. 

Neues Archiv f. S. G. u. A. VII. 1. 2. 1 



2 S. Issleib: 

wegen des herrschenden Geldmangels den besten Vor- 
Avand, seine Reise von Woche zu Woche hinauszuschieben 
und Frankreichs verzögerte EntSchliessungen abzuwarten. 

Dem Kaiser augenscheinlich willfährig traf er gemäss 
der Reichstagsbeschlüsse Anstalten, wie Kurbiandenhurg, 
AVürttemberg und andere Keichsstände, das Konzil zu 
beschicken. Zwei Käthe reisten nach Trient, um sicheres 
Geleit für die Theologen zu erwirken, und diese selbst 
rückten im Januar 1552 bis Nürnl)erg und dann bis 
Augsburg vor, um auf Befehl sclmell weiter ziehen zu 
können. AVährend dann der Kurfürst die Verhand- 
lungen mit Frankreich energisch zu einem Endergebnis 
drängte, bemühte er sich gleichzeitig neben dem kaiser- 
lichen Kriegskommissar von Schwendi und dem Reichs- 
zahlmeister Haller Geld zur Bezahlung des magdebur- 
gischen Kriegsvolkes aufzutreiben"'). 

Ende Januar 1552 wurden die Reiter und die ober- 
ländischeri Knechte um Mühlhausen bezahlt''), aber sofort 
wieder bis Fastnacht in Bestallung und Wartegeld ge- 
nommen; die niederländischen Knechte dirigierte man 
nach Göttingen zu, bezahlte, so weit das Geld reichte, 
und nahm die meisten Hauptleute in Verspruch. Die 
dem Kurfürsten von neuem verpflichteten Reiter und 
Knechte wurden grösstentheils in den kurfürstlichen 
Amtern eingelagert; die übrigen suchte man in die Hände 
des Landgrafen Wilhelm von Hessen zu spielen. Da 
König Ferdinand um die sächsischen Reiter werben liess, 
zeigte der Kurfürst neben Herzog Georg von Mecklen- 
burg Neigung zur Theilnahme am Türkenkriege. 

Auch die Reise nach Innsbruck wurde vorbereitet. 
Am 1. Februar verliess Dr. Franz Kram Dresden, um 
über Nürnberg vorauseilend die kurfürstliche Ankunft 
am kaiserlichen Hofe zu melden und Quartier zu be- 
stellen. Zur selben Zeit'') brachen der Kanzler Dr. Mord- 
eisen und Christof von Carlowitz mit dem Hofmarschall 
und dem Hofgesinde in der Richtung nach Regensburg auf. 



-) Loc. 9152, Magdeburgisclie Belagerung VI, Bl. 150 fiir.; 
vergl. A. von Druffel, Briefe und Akten etc. II, No. 916 ög. 
Indem der Kurfürst 20000 Gulden vorstreckte, kamen allmählich 
gegen 8O00O Gulden zusammen. 

'^j Es gesi hah durch Hans von Diskau und Georg von Altensee 
genannt Wachtmeister. 

■') Loc. v»H5, Einigt'S zur Geschichte, die Befreiung des Land- 
grafen Philipp betreffend 1551, Bl. 92 flg. 



Moritz von Sachsen gegen Karl V. 1552. 3 

Nun erliielt der Kurfürst am 3. Februar — noch in 
Dresden verweilend -=- vom Landgrafen Wilhelm die 
Nachricht über den glücklichen Abschluss der Verhand- 
lungen am französischen Hofe und eine Einladung nach 
Friedewalde. Sofort war er entscldossen^ die kaiserlichen 
Vertröstungen hintanzusetzen, nach Hessen zu kommen 
und die Heinrich U. gemachten Zusagen zu halten. Dem- 
ungeachtet aber zog er, die Reise zum Kaiser gleichsam 
antretend, nach Chemnitz und Hess von da (am 5. Fe- 
bruar) die Räthe Mordeisen und Carlowitz durch Adam 
von Seidlitz'') auffordern, über bedenkliche Reden des 
kaiserlichen Hofmarschalls Böcklin, welche derselbe wider 
Erwarten namentlich in den Seestädten geführt haben 
sollte, fleissig nachzudenken und gute Kundschaft ein- 
zuziehen, wie weit dem kaiserlichen Hofe zu trauen sei 
oder nicht. Um dasselbe thun zu können, wollte er 
selbst kürzere Tagereisen anstellen und mehrere Tage 
später in Landshut mit ihnen zusammentreffen. Darauf 
ritt er mit wenigen Getreuen mehr bei Nacht als bei Tag 
nach Friedewalde in Hessen und verhandelte vom 11. bis 
14. Februar mit dem französischen Bevollmächtigten, mit 
dem Landgrafen Wilhelm, dem Markgrafen Albrecht etc. 

Das war klar, fand in Friedewalde keine Verständigung 
statt, dann setzte der Kurfürst trotz aller Bedenklichkeiten 
die angetretene Reise zum Kaiser fort. So aber kehrte er 
in sein Land zurück. Am 20. Februar befand er sich wie- 
der in Leipzig, Hess in aller Eile einen Landtag berufen, 
hörte des Fürsten von Anhalt Bericht über eine Sendung 
an die Ernestiner und zeigte Mordeisen und Carlowitz 
an, dass ihn wichtige Ursachen, Anzeigen und Warnungen 
zur Rückkehr bewogen hätten''). Von Landshut aus 
sollten sie an den kaiserlichen Hof ziehen, die Gründe, 
weshalb die Reise unterbrochen worden sei, anzeigen und 
um Erledigung des Landgrafen bitten, oder schriftlich 
die Rückkehr rechtfertigen und die Bitte vorbringen. 
Auf alle Fälle sollten sie dringend um die Befreiung des 



**) Loc. 9145, Hessische entledigung I, Bl. 180; Druifel II, 
No. 970. Seidlitz traf die Käthe in Regensbiirg. Lanz, Corre- 
spondenz des Kaisers Karl V. III, 92. 

•') Loc. 9146, Hessische entledigung IV, Bl. 73 flg.; D ruffei 11, 
No. 904, 941, 1000, 1009. Unter anderem sollte gesagt worden sein: 
Käme der Kurfürst zum Ratfzahn (Kaiser), so würde man ihn beim 
Kopfe halten und darnach mit den anderen bald fertig werden. 
Böcklin entschuldigte sich später, und der Rath Hamburgs suchte 
ihn zu rechtfertigen. Loc. 9145 1, Bl. 219 üg.; Druffel H, No. 1321. 

1* 



4 S. Issleib: 

Landgrafen anhalten. In einer Nachschrift wurde em- 
pfohlen; sich schriftlich an den Kaiser und an (iranvella 
zu wenden und dann ungesäumt zurückzukehren'). Auf 
der Heimreise aber sollte Carlowitz den König Maximilian 
aufsuchen, alle Umstände entschuldigen, gehiissige Nach- 
reden entkräften, etAva vorhandenes Misstrauen beseitigen 
und versichern, der Kurfürst werde sich den früheren 
Verabredungen gemäss treu erzeigen^). 

Am 23. Februar hatte der Kurfürst in Dresden eine 
zweistündige Unterredung mit dem Grafen Albrecht 
Schlick, welcher von Berlin aus auf der Heimreise an den 
königlichen Hof begriffen war''). Eingehend auf die um- 
laufenden Kriegsgerüchte gestand der Kurfürst zu, dass er 
Leute in Bestallung und mit etlichen Fürsten ein gewisses 
Einvernehmen habe; aber einen Bund stellte er in Abrede. 
Er wünschte dringliche Verwendung König Ferdinands 
für den gefangenen Landgrafen. Bleibe der Kaiser wie 
bisher unzugänglich, erklärte er, dann müsse er dem 
Landgrafen Brief und Siegel halten und dies durch seine 
Einstellung in Kassel offen an den Tag legen. Schlick 
versprach, innerhalb 14 Tagen bis 3 Wochen eine könig- 
liche Antwort zu übersenden^''). 

Ende Februar erfuhr der Kurfüist, dass der hessische 
Landesausschuss — der Landtag wurde nicht einberu- 
fen -^■'^) — für ein Unternehmen zu Gunsten des gefangenen 
Landesherren vielen guten Willen zeigte^'). Es traf auch 



') Von Landshut aus schrielien Mordeisen und Carlowitz (am 
25. Februar) in ausführlicher Weise an den Kaiser, Lanz 111,92, 105. 
Granvella erwiderte (am 4. März), dass kein Urund zum Misstraaen 
vorhanden sei. Die Erledijjung des Landgrafen hänge nur an der 
persönlichen Ankunft des Kurlürsten und an der Feststellung der 
^Sicherheiten". Die Käthe soUtcui den Kurfürsten zur Ausfahrung 
seiner Reise bewegen. Druffel 11, No. 1053. 
8) Loc. yU5 1, Bl. 197. 

ö) Druffel II, No. 1006 und 1016. Mit Schlick war Böcklin 
in Berlin, No. 994. 

10) Loc. 9145 1, Bl. 164; Druffel II, No. 1018. Die kurfürst- 
lichen lläthe Komerstadt und Ernst von Miltitz redeten mit Schlick 
vertraulich über den Kriegshandel und betheuerten, dass sie weder 
viel noch wenig gewusst hätten, auch nie um Itath getragt worden 
seien. 

") Ranke V, 166 (4. Auflage) nach Rommel I, 547. 

^'^) Die Hessen hielten fiir gerathen, sich des Eichst'eldes und 
Herzog Heinrichs von Braunschweig zu vergewissern. Durch die 
Städte Braunschweitr, Goslar, Lüneburg, Hildesheim etc. sollte dem 
Herzog eine Lrille auf die Nase gesetzt werden, darauf er wider 
Willen sehen und eingehaltener sein müsse. 



Moritz von Sachsen "esren Ivnrl V. 155 



e" 



die längst Yerubieclete^^) und nun für den Torgauer Land- 
tag berechnete scliarfe Einmahnung in Sachsen ein. In 
derselben verwies Landgraf Wilhelm auf die früheren 
Anhalteschreiben und auf die wiederholten Vertröstungen. 
Die kurfürstliche Rückreise schien ihm nicht geeignet, 
die Befreiung des Vaters 7A1 befördern. Ernstlich for- 
derte er daher, der Kurfürst solle sich den 6. März un- 
Aviderruflich in Kassel einstellen, widrigenfalls werde er 
ihn als ehr- und treulosen Mann vor Gott und aller Welt 
beschreien und ausrufen. Eine gleiche Einmahnung wurde 
an den Kurfürsten von Brandenburg gesendet. 

Am 28. Februar trat der sächsische Lan(|^tag in 
Torgau zusammen ^^). Die kurfürstliche „Vorlage" be- 
handelte die Religionsfrage, die L'rungen mit den Erne- 
stinern, die landgräfliche Sache mid die Türkennoth. 

Li betreff der Religionsangelegenheit forderte 
der Kurfürst den Rath der Landstände, ob die bis Augs- 
burg' vorg-erückten Theologen nach Trient ziehen sollten 
oder nicht. Es sei zu erwägen, dass weder die Reassump- 
tion der bisherigen Trientischen Dekrete, noch die Unter- 
werfung des Papstes unter das Konzil, noch die Befreiung 
der Geistliclieu von den Pflichten gegen den Papst wäh- 
rend der Konzilverhandlungen, noch genügendes Geleit 
erlangt worden sei etc. Hinsichthch der Irrungen mit 
den Vettern in Weimar sollten die Stände ihre „Bedenken" 
äussern, denn trotz aller Erbietungen werde ihm der Han- 
del so weitläufig gemacht, dass er kein Ende zu erreichen 
wisse. Die landgräfliche Sache wurde mit grösster 
Ausführlichkeit vom Tage zu Halle an bis zur unter- 
brochenen Reise zum Kaiser behandelt. Am Schlüsse der 
Darlegung erklärte der Kurfürst: abermals eingemahnt 
müsse er sich ehrenhalber einstellen. Herzog Augustus 
sei bereit, während seiner Abwesenheit die Regierung 
und den Schutz des Landes zu übernehmen. Da es in so 
unruhigen Zeiten die Nothdurft erfordere, an eine mög- 
liche Landesbeschwerung zu denken, so sollten die Stände 
berathschlagen, wie jede Gefahr defensive abgewendet 

18) Druffol II, No. 904. 

") Loc. 9355, Handlungen auffm Landtage zu Torgaw, So Mon- 
tag nach Estomihi ("28. Februar) 1552 gehalten. Siehe Falke in 
den Mittheilungen des K. S. Alterthumsvereins XXII, 110 Hg. Der 
Landtag wurde deshalb so schleunig zusammen berufen, damit er 
weder von kaiserlicher noch königlicher Seite beeinflusst werden 
könne. Heinrich von Plauen, Grosskanzler von Böhmen uud Burggraf 
von Meissen, beabsichtigte Agitationen. Druffel II, Xo. 1029, lO.SS. 



6 S. Issleib: 

werden könne. Die Türkennotli stellte der Kurfürst 
für den Sommer in Aussicht und verlangte deshalb Er- 
legung des gemeinen Pfennigs^'') und widerstandsfähige 
Besetzung der Landesfestungen. 

Die Ivandstiinde hielten das zugesendete Geleit des 
Konziles für genügend und baten, die Theologen nach 
Trient ziehen zu lassen; denn fordere sie der Kurfürst 
zurück, dann heisse es, man getraue sich nicht, die Lehre 
auf Grund der heiligen Schrift zu vertheidigen, und die 
Verdannnung der augsburgischen Konfession werde er- 
folgen. Da sich die anderen evangelischen Stände nach 
dem Kurfürsten gerichtet und Gesandte nach Trient ge- 
schickt hätten, so sei es unverantwortlich, wenn durch 
Sachsen die Religion gefährdet und das christliche Werk 
gehindert werde. Sei aber eine Empörung im lieiche zu 
befürchten, dann sollten die Theologen nicht nach Trient 
geschickt und zu Märtyrern gemacht werden; doch sollten 
sie ihre Konfession an das Konzil senden und ihr Nicht- 
erscheinen entsclnddigen. Mit den Hei'zögen von Weimar 
sollte Herzog Augustus die Verhandlungen fortsetzen und 
zu glücklichem Ende führen. Des gefangenen Landgrafen 
wegen sollte der Kurfürst nur im Einverständnisse mit 
dem gleichverpflichteten Kurfürsten von Brandenburg 
handeln. Sie selbst wollten um Aufschub der Einstellung 
in Hessen anhalten und beim Kaiser um Befreiung des 
Landgrafen nachsuchen. Li ernstester Weise warnten sie 
vor Krieg und Gewaltthätigkeit. Weder durch die Hessen 
noch durch Geächtete solle sich der Kurfürst zur Feind- 
seligkeit gegen den Kaiser bewegen lassen^"). Hinsicht- 
lich der Besetzung der Festungen verwiesen sie auf die 
hohen Kosten und warnten vor der Einlagerung von un- 
chriötlichen und zuchtlosen Söldnern. Sie empfahlen 
Vertheidigung der Festungen durch zuverlässige Land- 
sassen mit so viel redlichen Kriegsknechten, dass man 
derselben stets mächtig sein könne. 

Im Laudtagsabschiede (am 9. März) verkündete der 
Kurfürst, dass die letzte Konzilsitzung bereits den 19. März 

1*^) Fünf Gulden vom Tausend. Der Kaiser hatte am 18. Ja- 
nuar 1552 die Erlegung des gemeinen Pfennigs gefordert und einen 
Reichstag nach Ulm auf den 18. März ausgeschrieben. Loc. 10189, 
Kaiserlich angesetzter Tag zu Ulm, VA. 1 und Loc. 9155, Aus- 
schreiben 1552, Bl. 22 flg. 

^ö) Vergleiche Melanchthons Rathschlag und Bedenken an den 
Kurfürsten von der Expedition wider Kaiser Karl V. bei Hort- 
leder II. 5, 2, 1288. 



Moritz von Sachsen fiesen Karl Y. 1552. 7 

stattfinden solle und Reassumption und Unterwerfung des 
Papstes unter das Konzil scliwerlich zu erreichen sei. 
Da die Württemberger und andere schon heimgekehrt 
seien und das Konzil wegen der Kriegsunruhen leicht 
gestört werden könne, so dürfe man die Theologen nicht 
in Gefahr bringen. Sie sollten aber ihre Konfession nach 
Trient schicken und ihre Rückkehr entschuldigen. Die 
Verhandhuig mit den Vettern in Weimar solle fortgesetzt 
werden. In der handgräflichen Sache müsse er trotz der 
Kriegsunruhen seine Ehre bedenken und hoffe, dass der 
Kurfürst von Brandenburg seine Verpflichtung gleichfalls 
beachten werde. Er gestatte Verwendung _ für den 
Schwiegervater beim Kaiser und wolle mit ihnen den 
Aufschub der Einstellung in Kassel zu erreichen suchen. 
Bezüglich der Festungen sei die Sicherheit des Landes 
zu bedenken. Er verlange pünktliche Erlegung der 
Tranksteuer und Bereitschaft zu Ross und Fuss. In seiner 
Abwesenheit wünsche er Gehorsam gegen den Bruder, 
sonst sehe er sich gezwungen, gebührliche Wege einzu- 
schlagen. 

Nun wurden die Theologen zurückgerufen^') und 
eine Deputation an den Kaiser und König Ferdinand 
abgefertigt^*). Bereits am 4. März wandten sich die 
Landstände an Landgraf Wilhelm, warnten vor Krieg 
und baten in betreff der Einstellung um Frist bis nach 
erfolgter Verständigung mit dem Kurfürsten von Branden- 
burg und nach erfolgter Fürbitte beim Kaiser. Allein 
der Landgraf bestand (am 7. März) unwiderruflich auf 



") B r e t s c h n ei d e r, Corpus ReformatorumVII, 91 0, 930 flg., 962. 

^8) Loc. 91 4f), Einiges zur Geschichte, die Befreiung des Land- 
grafen Philipp betreffend, 1551/2, Bl. 27, Loc. 914fi, Hessische ent- 
ledigung IV, Bl. .3, 27, 32, 39. 46, 272 flg.; D ruf fei IF, No. 1118, 
1292, IHIO. Der Kaiser empfing die Gesandten Mitte April in 
Innsbruck. Sie waren beauftragt, um die Befreiung des Landgrafen 
zu bitten und anzuzeigen, dass der Kurfürst sich in Kassel einstellen 
müsse. Herzog Augustus wolle die Regierung übernehmen und sich 
gegen jedermann still und friedlich verhalten. Der Kurfürst sei 
gebeten worden, während seiner Einstellung mit anderen nichts 
gegen den Kaiser zu unternehmen. Geschehe dies, so möge der 
Kaiser mit dem jungen Fürsten, der in fremder Gewalt nach dem 
Willen anderer leiten müsse, gnädige Geduld tragen und seine That 
weder dem Herzog Augnstus, noch der sächsischen Landschaft ent- 
gelten lassen. Zur Ausrüstung des Türkenzuges wollten sie behilf- 
lich sein und hofften, der Kurfürst werde in eigner Person gegen 
die Türken ziehen. Der Kaiser möge eine Sendung an den ge- 
fangenen Landgrafen erlauben um über die Mittel und Bedingungen 
zur Befreiung mit ihm zu reden etc. 



8 S. Issleib: 

der Einstelluno; und erwartete des Kurfürsten unverzüff- 
liehen Aufbruch nach Kassel. Übel zufrieden zeigten 
darauf die Landstände (am 9. März) die Abfertigung- 
vertrauter Personen an den Kaiser und König Ferdinand 
an, erneuerten ihre Bitte vom 4. März und ermahnten 
aufs Höchste, den Kurfürsten während seiner Einstellung 
zu nichts zu bewegen, was gegen den Kaiser gerichtet 
sei und. was seine Person und sein Land gefährden könne "^). 

Kurfürst Joachim von Brandenburg Hess infolge 
der eingetroffenen scharfen hessisclicn tlinmahnung in 
Torgau melden'-''), dass König Ferdinand die baldige 
Befreiung des Landgrafen in Aussicht gestellt habe. Der 
Kurfürst solle nicht durch einen Krieg die landgräfliche 
Gefangenschaft beschwerlicher machen; er wolle darauf 
dringen, dass der Kaiser den Landgrafen freigebe oder 
in seine Hände stelle. Darauf entgegnete Kurfürst Moritz : 
wenn er (Joachim) sich mit Brief und Siegel verpflichte, 
den Landgrafen erledigen oder wenigstens in seine Hände 
bringen zu wollen, so erscheine es für ihn rathsam, die 
Verpflichtung gegen den Kaiser höher als alles andere 
anzuschlagen, sich in keinerlei Weise vom Kurfürsten 
abzusondern und jede Kriegsrüstung zu vermeiden. Um 
des Friedens willen eilte nun Kurfürst Joachim selbst 
nach Torgau "^) und erbot sich, falls ein ..Anstand" von 
6 Wochen bewilligt und sofortige Abrüstung nach er- 
folgter Befreiung des Landgrafen zugesichert werde, zum 
Kaiser oder zum König Ferdinand zu reisen. Kurfürst 
Moritz war gewillt, vom Landgrafen Wilhelm Stillstand 
und Urlaub zu erbitten. Nach Berlin zurückgekehrt, theilte 
dann Joachim (am IL März) laut erhaltener Nachricht 
mit"'-), dass der Kaiser den Kurfürsten INToritz noch in 
Innsbruck erwarte. Wolle er aber die Befreiung des 
Landgrafen mit Gewalt ertrotzen, dann sei der Kaiser 
entschlossen, denselben „in zweien Stücken" zuzuschicken. 
Beharrlich mahnte er vom Kriege ab. 

An den Kaiser hatte sich Kurfürst Moritz bereits am 
1. März gewendet-'^), seine Rückkehr entschuldigt und 

^9) Loc. 7281, Französische Verbumlnisse, Bl. 180; DruffelTI, 
No. 1120. 

-0) Loc. 9145 I, Bl. 203 flg.; Druffel II, No. 1026. Kurfürst 
Joachim erhielt wie Kurfürst JNIoritz eine zweite dringende und 
ehrenrührige Einmahnunc, Lanz III, 148. 

-1) Loc. 9146 IV, Bl. 184; Druffel II, No. 1093, 1115, 1162. 

") Loc. 9145 I, Bl. 211 ; Druffel II, No. 1088 mit Anmerkung. 

"^) Loc. 9146 IV, Bl. 113, 152, 162, Loc 9355, Handlungen auffra 



Moritz von Sachsen gegen Karl V. 1552. 9 

inständig um Befreiung des Schwiegervaters gebeten. 
Darauf erfolgte eine abermalige Einladung nach Inns- 
bruck (8. März). Der Kurfürst sollte sich auf kaiserliche 
Treue und Glauben mehr als auf der Leute Reden und 
Geschrei verlassen und kein INlisstrauen hegen -^). 

Um rasche Verwendung für den Landgrafen gebeten, 
ging König Ferdinand ohne weiteres den Kaiser bittweise 
an und fertigte sofort wieder den zugereisten Grafen 
Schlick nebst Otto von Neideck in Pressburg am 4. März 
nacli Torgau ab, um anzuzeigen, dass er vom Kaiser 
gnädige Antwort erwarte. Da kein Bündnis bestehe, so 
möge der Kurfürst zur Verhütung allen Unheiles mit 
seinen Verwandten wieder abrüsten, Empörung vermeiden, 
geeignete Massregeln gegen die Türken treffen und zum 
Kaiser reisen, der sich gewiss gnädig erzeigen werde. 

Ehe Schlick und Neideck in Torgau eintrafen, hatten 
die sächsischen Landstände neben Herzog Augustus schon 
an König Ferdinand gesendet'"'). Die Instruktionen für 
die sächsischen Abgeordneten und die Beantwortungen 
der königlichen Werbung stimmen im ganzen überein. 
Überall wird die kurfürstliche Rückkehr, die Nothwendig- 
keit der Einstellung in Kassel, die Befreiung des Land- 
grafen, die friedliche Gesinnung Herzog Augustus' und 
die Bereitwilligkeit zur Theilnahme am Türkenkriege 
behandelt. Nach der Einstellung wollte Kurfürst Moritz 
beim jungen Landgrafen um Urlaub anhalten, damit er 
selbst oder der Kurfürst von Brandenburg zum Kaiser 
reisen könne. Falls der Stillstand verweigert werde, 
wünschte er eine Unterredung mit König Maximilian 
oder eine Zusammenkunft Maximilians mit Herzog 
Augustus etc. 

Über die neuesten Verhältnisse am 1. März be- 
nachrichtigt, war Herzog Heinrich von Braunschweig 
bereit'-*^); mit Herzog Augustus gute Nachbarschaft zu 



Landtage zu Torgau etc., Bl. 1.S8, Brief vom 1. März bei Hortleder 
(1645) il, 5, 1, 1283. Brief vom 8. März bei Langenn II, 335. 
Druffel If, No. 1053 und 1088. 

-^) Loc. 9146 IV, Bl. 134; Druffel II, No. 1056, vergleiche 
1060, dann No. 1056, Anmerkung 3 und No. 1111. 

-5) Loc. 9146 IV, Bl. 17, 32, 140- Druffel II, No. 1090, 1095, 
1102, 1111, 1112. Herzog Augustus hob hervor, dass er in keiner 
Praktik und in keinem Bündnisse stehe. 

-6) Loc. 9145 I, Bl. 282 flg., Briefe vom 7. März bis 11. April, 
Loc. 7280, Instructiones 1552, Bl. 90 flg.; Druffel 11, No. 1071, 
1077, 1100, 1114. 



10 S. Issleib: 

halten, zum Kaiser zu senden oder selbst zu ihm zu 
reisen und als Unterhändler zu dienen, auch neben Moritz 
und anderen Fürsten für den gefangenen Landgrafen 
Bürgschaft zu leisten. Vertrauensvoll nahm er das kur- 
fürstliche Erbieten, zwischen ihm und den braunschwei- 
gischen Junkern verhandeln zu wollen, an und bat in- 
ständig, sich durch sie nicht gegen ihn verhetzen zu lassan. 

An Johann Friedrich den Mittleren wurde am 12.März 
die im Februar erbetene „Drangschrift" gesendet'"^). Die- 
selbe behandelte die hessische Verpflichtung, das Ver- 
hältnis zu Frankreich, das Vorhaben der Verbündeten 
und die zeitweilige Übertragung der kurfürstlichen Re- 
gierung an Herzog Augustus. Johann Friedrich sollte, 
sofern ihm an der Befreiung seines Vaters, an der Er- 
haltung der wahren christlichen Religion und der deut- 
schen Freiheit gelegen sei, frei und offen erklären, ob 
er in Person mit zu Felde ziehen, oder Kriegsvolk stellen, 
oder Geld erlegen, oder andere Hilfe gewähren und sich 
mit seinen Landständen gegen Herzog Augustus und die 
kurfürstlichen Unterthanen freundlich erzeigen wolle. 
Als Bundesmitglied sollte er aller Freundschaft, Hilfe, 
Rettung und gütlicher Beilegung der „Irrungen" gewärtig 
sein. Ausserdem wollte der Kurfürst auf Wege denken, 
welche ihm volle Sicherheit garantieren würden. Am 
15. März erwiderte Johann Friedrich, dass er über diese 
hochwichtige Sache mit seinen Landständen in wenigen 
Tagen in Weimar berathen werde. 

Auf den Markgrafen Hans achtete Kurfürst Moritz 
in jener Zeit wenig, doch erlaubte er Herzog Johann 
Albrecht von Mecklenburg, mit ihm auf Grund des 
Lochauer Vertrages zu verhandeln"-'^). Vom Herzog 
Albrecht von Preussen aber verlangte er Beitritt zum 
Bunde und Bundeshilfe'-"). 

Infolge ergangener Sendungen (vom 8. März) ^*^) 
liefen von der Rigierung des Herzogthums Lüneburg 
und von den Ständen des Eichsfeldes friedliche Ver- 
sicherungen ein. Die Seestädte Lübeck, Hamburg, Bremen 
und Lüneburg gaben die Erklärung ab, nicht Gegner 
des Kurfürsten sein zu wollen. Willig nahmen die Städte 

-'') Loc. 9155, Assecurationes etc-, Bl. 10 flg. 
-^) Loc. 7277, Marggraffen Johaniisen lieiulel etc., 1548 — 1553, 
Bl. 37; Druffel II, No. 110,3. 

-") Loc. 9145 I, 320; Druffel II, No. 1147. 
80) Loc. 72«0, Instructiones 1552, Bl. 21, 90 flg. 



Moritz von Saclisen gegen Kavl V. 1552. 11. 

ßraunsclnveig', Goslar, Erfurt etc. den entboteneu kur- 
fürstlichen Schutz an"'^). 

Was Markgraf Albrecht betrifft'^-), so klagte er anfangs 
März wiederholt über grosse Geldnoth und bat den Kur- 
fürsten um 60 000 Gulden. Gleich Wilhelm von Hessen und 
Hans von Heideck trieb er zu raschem Aufbruche und 
schnellem Angriffe. Tadelnd sprach er sich über den 
Herzog von Württemberg aus, welcher durch sein ganzes 
Verhalten das gemeine Werk mehr hindere als fördere '"'). 
Wenig Vertrauen hatte er zu Kurpfalz, zu Bayern, zu 
den rheinischen Erzbischöfen etc. ■^^). Die feindlichste 
Gesinnung hegte er gegen die Bischöfe von Würzburg 
und Bamberg. Weit gemässigter als er waren Kurfürst 
Moritz und Landgraf Wilhelm, beide einig, von den Bi- 
schöfen die in Friedewalde vereinbarte „Versicherung" 
womöglich in Güte zu erlangen'^'^). 

^Nachdem Kurfürst Moi'itz den Landtao; entlassen, 
die wichtigste Korrespondenz erledigt, alle erforderlichen 
Anordnungen in betreff der Landesregierung und der 
Besetzung der Festungen Magdeburg, Wittenberg, Dresden, 
Leipzig, Grimma, Pirna und Zwickau mit seinem Bruder 
Augustus (am 13. März) verabredet •^'^) und eine Kriegs- 
steuer für die Unterhaltung des zur Beschützung des 
Landes verordneten Kriegsvolkes dem Adel^^j und den 
Städten (am 14. März) auferlegt hatte, brach er am 
15. März in Torgau auf, um sich einzustellen, oder in 
Wahrheit, um den Kriegszug gegen den Kaiser zu be- 
ginnen. 

"1) Loc. 9U5 I, bl. .397, 611; D ruf fei II, No. 1100, vergl. 
Mo. 1149. Landgraf Wilhelm suchte sich zur selben Zeit gegen die 
Grafen von der Wetterau und gegen Frankfurt a. Main zu decken. 

^•-) Ebenda Bl. 420 flg., 492,495; Druffel II, No. 1047-1120. 

^^) Herzog Christof war von Friedewalde ans um ein Darlehen 
von 60000 Gulden angegangen worden. Loc. 7281, Französische Ver- 
bnndnisse, Bl. 141 Üü;.;" Druffel II, No. 986, 1004/5, 1047. 

"^) über die vier rheinischen Kurfürsten siehe Loc. 9145 I, 
Bl. 521, 529, Loc. 9146 IV, Bl. 175, 177; Druffel II, No. 1105, 
1145, III, 418. 

"^) Hier sei erwähnt, dass der Bruder des Landgrafen Wilhelm 
am 6. März als Geisel in Basel eintraf, Herzog Christof von Meck- 
lenburg aber erst später anlangte; daher verzögerte sich die 
Lieferung des französischen Geldes. Loc. 7281, Französische Ver- 
bundnisse, Bl. 180, 188, Loc. 9145 1, Bl. 495; Druffel II, No. 1073, 
1101, 1120. 

"•^j Loc. 9155, Besetzung der Festungen im Lande, Bl. 89 flg. 

^'^) Der Adel sollte monatlich die Hälfte des auf 12 Gulden 
berechneten Ritterdienstes erlegen. 



12 P. Issleib: 

In Heirenbreitungen, Salzungen, Schmalkalden und 
Avn.-^tadt'''^) hatte sicli unterdessen das Krieirs volle ver- 
saniraelt, um auf Befehl nach dem Stifte Würzbiirg vor- 
zurücken und den Pass am Maine einzunehmen. "\A^illielm 
von Hessen setzte sich mit seinen Reitern und Knechten 
und dem „Reu'imente" Keifenbergs nach Franken in Be- 
wegung ■"^). Herzf)g Johann Albreclit von jMecklenburg 
rüstete sich zur Reise nach dem Süden, Graf Christof von 
Oldenbui'g war zum Vormarsche aus Niedersaohsen be- 
reit""'), und König Heinrich H. von Frankreicli richtete 
seinen Zug nach dem Rheine. Markgraf Albrecht erölfnete 
das Kriegsgetümmel, indem er an der Spitze von unge- 
fähr 100 Reitern nach Donauwörth eilte und die auf dem 
dortigen Musterplatze zusammengelaufenen Knechte aus- 
einandertrieb "). Alle Welt war voll gespannter Erwartung 
und banger Befürchtung! 

Der Kaiser befand sich damals in der peinlichsten 
Lage. Die Nachricht, der Kurfürst von Sachsen habe 
auf seiner Reise nach Innsbruck König Ferdinand in 
Prag besuchen wollen und sei dann, da derselbe schon 
nach Wien aufgebrochen sei, nach Wasserburg zum 
König IMaximilian und zum Herzog von Bayern geritten 
und gleich darauf zurückgekehrt, versetzte ihn in die 
grösste Aufregung. Er hegte Misstrauen und Argwohn 
gegen den Bruder und Neffen und hatte vorübergehend 
beide im Verdachte, sie seien mit dem Kurfürsten ein- 
verstanden^^). Allein in höchster Noth und verzweifelter 
Finanzlage, ohne „Reichsvorrath", den die Belagerung 
Magdeburgs verzehrt liattC; ohne Kredit und Truppen 
konnte er den Bruder nicht entbehren. Er suchte Rath 
und Beistand, gestattete zur Rettung des Hauses Habs- 
burg schleunige Verhandlung mit den Empörern und 
überliess seiner Einsieht, alle feindlichen Beschuldigungen 
zu widerlegen und die Gegner zu beschwichtigen, zu 
trennen oder hin>aihalten. Hinsichtlich des gefangenen 
Landgrafen wollte er keine Schwierigkeit mehr machen^"'). 



38) Loc. 9145 r, Bl. 467, 509; Druffel II, No. 1089, 1094. 

''") Zugleich befahl er Kassel, Giesseii und Ziegenhain zu be- 
festigen. Ebenda lil. 426; Druffel II, No. 1150. 

•*<*) Mit ihm stand der Kurfürst in Verhandlung. 

") Loc. 9145 I, Bl. 506; Druffel II, No. 1131/2, vergl. 1151. 

'■-) Druffel II, No. 1022, 1124; Lanz III, 97, 107, König 
Maximilian lehnte am 1. März ein Einverständnis mit Moritz ab. 

'^) Schnell wandte er sich an Herzog Albrecht von Bayern 
und Christof von Württemberg, an die vier rheinischen Kurfürsten, 



Moritz von Sachsen gegen Karl V. 1552. 13 

Sobald der Kaisei' Verhandlung bewilligt hatte, be- 
auftragte^^) König Ferdinand den ürosskanzler von Böh- 
men, Heinrich von Plauen, nach Sachsen zu eilen, den Kur- 
fürsten um Einstellung seiner Rüstungen zu ersuchen und 
unter umständen eine Zusammenkunft zu vereinbaren, 
auch Markgraf Albrecht womöglich zur gemeinsamen 
Besprechung einzuladen. 

In grosser Eile reiste Heinrich von Plauen (am 13. März) 
von Prag aus über Pirna und Dresden nach Leipzig^'^), 
wo der Kurfürst eben von Torgau aus eingetroffen war. 
Diejenigen, welche seine Ankunft (am lÖ. März) sehr 
ungern sahen, suchten den Kurfürsten zur schleunigen 
Weiterreise zu bewegen. Allein Kurfürst Moritz hörte 
den Grosskanzler und verabredete mit ihm eine Zusammen- 
kunft mit König Ferdinand, welche den 4, April in Linz 
stattfinden sollte*'^). Stillstand bewilligte er nicht, da 
nach seiner Angabe die Kriegsrüstung nicht in seiner 
Gewalt liege. Jedoch hoffte er nach seiner Einstellung 
den Schwager zu bewegen , dass er Urlaub bewillige, 
Verhandlung gestatte und während derselben sich jeder 
Kriegshandlung enthalte. Er versprach, den Frieden be- 
fördern zu wollen, damit die Macht der Christenheit gegen 
die Türken ziehen könne. König Ferdinand sollte seinen 
Sohn Maximilian als erwünschte Vertrauensperson mit 
nach Linz bringen. Kurfürst Joachim von Brandenburg 



au den Erzbischof von Salzburg etc., um ihre Treue zu erhalten, 
und hottte Markgraf Hans von Küstrin und andere zu gewinnen. 
Druffel II, No. 1067/S, 1070, 1146. 

*^) Am 11. März von Presburg aus. Loc. 9U6 IV, Bl. 168 flg.; 
Druffel II, No. 1024, 1U91, 1109, 1117. 

^■') Loc. 9145 I, Bl. 401, 403 und 9146 IV, Bl. 172 flg.; Druf- 
fel II, Ko. 1107, 1124, 1128/9. Von Landshut nach Dresden zurück- 
gekehrt, überschickte Christof von Carlowitz dem Kurfürsten (am 
15. März) ein Schreil)en König Maximilians und flehte auf das aller- 
unterthänigste und demüthigste, Heinrich von Plauen zu erwarten 
und zu vernehmen. Aut Wunsch des Kurfürsten wollte er selbst 
nach Leipzig kommen. König Maximilian versicherte in seinem 
Briefe treue Freundschaft, doch sollte sich der Kurfürst von Leuten, 
die allein ihren Vortheil suchten, nicht zu weit führen lassen. 

''ö) Heinrich von Plauen konnte Wien als Ort der Zusammen- 
kunft nicht durchsetzen, der Kurfürst schlug Regensburg vor. Als 
Linz vereinbart war, musste der Grosskanzler zugestehen, dem 
Kurtursten bis ßegensburg entgegenkommen zu wollen. Niemand 
hatte geglaubt, dass er so viel erreichen würde. Räte und (Jnter- 
thanen frohlockten und hofl'tcn, noch werde alles wieder gut werden. 
"Weiteres über Heinrich von Plauen siehe bei Druffel II, No. 
1155—1201. 



14 S. Issleib: 

und Markgraf Albrecht wurden zur Linzer Zusammen- 
kunft eing'eladen'*'). — Zu beachten ist, dass Kurfürst 
Moritz zur selben Zeit (am 16, März) den französischen 
Bevollmächtigten ermunterte, König Heinrich II. zum 
raschen Zuge nach dem Rheine anzutreiben^^). 

Dem Kaiser dankte der Kurfürst am 17. März^'*) 
für die in Aussicht gestellte sicliere Befreiung des 
Schwiegervaters und hoffte, dass er die ihm vom Schwager 
vorläufig verweigerte Frist zur Reise nach Innsbruck 
noch für sich oder den Kurfürsten von Brandenburg er- 
langen werde. Um Weiterungen zu vermeiden, sei er 
auf dem Wege, sich im Namen Gottes einzustellen und 
als ehrliebender Fürst seiner Verschreibung, Obligation 
und Verpflichtung naclizukommen. Der Kaiser möge 
ermessen, wie besclnverlich es sei, Gemahl und Kind, 
Land, Leute und getreue Unterthanen zu vei'lassen und 
sich in fremde Hand und Gewalt zu begeben. Nie habe 
er sich vorgenommen, gegen des Reiches Oberhaupt zu 
handeln. Betage ihn der Landgraf, dann wolle er mit 
dem Kurfürsten von Brandenburg nach Innsbruck kommen 
und dann gegen die Türken zu Felde ziehen. 

Am 17. März nachraittaijs 3 Uhr verliess Kurfürst 
Moritz Leipzig'"). In Weissenfeis verabschiedete er sich 
von Seinem Bruder Augustus und zog dann in drei Tagen 
über Weimar ^^), Sehmalkalden''-), Meiningen, Meirich- 
stadt'"') bis Münnerstadt. Da Landgraf Wilhelm noch 
nicht eingetroffen war, ritt er ihm (am 21. März) bis 
Bischoisheim entgegen. Nach seiner Ankunft (am 23.) 
ritt er mit ihm über Münnerstadt nach Schweinfurt und 
nahm die Stadt (am 24.) ein. Während der dortigen 

■") Driiffel II, No. 1133 und 1152; Loc. 9146 IV, Bl. 181. 
Von Halle aus, wo er seinen Sohn Friedrich (am 18. März) als 
Bischof einführte (No. 1110), erklärte Karfürst Joachim, am 4. April 
in Linz sein zu wollen. 

'■') Loc. '.)145 I, Bl. 491, Loc. 7281, Französische Verbundnisse, 
Bl. 17«; Druffol II, No. 1121. 

'") Der B.rief ist Antwort auf das kaiserliche Schreiben vom 
8. März. Lanz III, 128; Langenn II, .338. 

•■") Loc. 9145 I, Bl. 618 und Loc. 8678, Hof- und Haushaltung 
des Chnrfürsten Moritz; Tagebuch Sebottendorfs, Druffel II, 
No. 1214 und III, 356. 

•'■') Hier schrieb er am 19. März an die vier rheinischen Kur- 
fdrstcn wegen der angebotenen Vermittelung, Loc. 9146 IV, Bl. 175 flg. 
Druffel II, No. 1145. • 

'■•-) Druffel II, No. 11Ü.5, S. 280 unten. 

ö") In Melridistadt traf er am 20. März einen Theil seiner 
Reiter und Knechte. 



Moritz von Sachsen gegen Karl V. 1552. 15 

dreitägigen Rast wurden Reiter und Knechte (19 Fähn- 
lein) gemustert und andere dringende Geschäfte erledigt. 

Zunächst vollzog der Kurfürst (am 24. März) früherer 
Verabredung gemäss seine Einstellung in aller Form''^). 
In dem dabei überreichten Schreiben sprach er die Hoff- 
nung aus, dass der Schwager nunmehr jeden Verdacht 
fallen lassen, ihn zu nichts Beschwerlichem drängen und 
die gelindesten und bequemsten Wege zur Befreiung des 
Vaters einschlagen werde. Bestimmten Meldungen nach 
wolle der Kaiser dieselbe nicht weiter hinausschieben und 
habe bereits König Ferdinand Verhandlung überwiesen. 
Der Kurfürst von Brandenburg sei zufolge der in Torgau 
abgegebenen Erklärung bereit, persönlich zum Könige zu 
ziehen. Auch ihm möge gestattet werden, die königlichen 
Gesandten am 1. April in der Gegend von Regensburg 
treffen, die Bedingungen der Verhandlung hören und 
dann unter Umständen mit dem Könige zusammenkommen 
zu können. Als ehrliebender Kurfürst werde er seiner 
Obligation nachsetzen und alle Mühe auf Erlangung eines 
beständigen Friedens verwenden. Man könne um so mehr 
auf ein gutes Ende hoffen, da sich auch die rheinischen 
Kurfürsten zur Verhandlung erboten hätten. Über den 
vom Könige Ferdinand geforderten Stillstand möge sich 
der Landgraf erklären. 

In seiner schriftlichen Erwiderung dankte Landgraf 
Wilhelm für die Einstellung des Kurfürsten und gab zu 
erkennen, dass er durch des Kaisers Verhalten gezwungen 
worden sei, bei in- und ausländischen, doch christlichen 
Potentaten und Fürsten Hilfe zu suchen. Der Kurfürst 
sehe, wie weit die Sache gediehen sei etc. Werde der 
Vater befreit, so sei ihm Verhandlung über die Abrüstung 
recht. Wisse auch der Kurfürst sicher und gewiss, dass 
die Befreiung unverzüglich und ohne Entgelt erfolgen 
solle, so wolle er ihn nicht hindern, zur Verhandlung zu 
ziehen; doch müsse er seine Obligation unverbrüchlich 
halten. Allerdings könne er mit seinen Bundesgenossen 
inzwischen nicht still liegen und feiern, da das Kriegs- 
volk grosse Kosten verursache', er sei jedoch gewillt, 
niemanden ohne Grund zu beschweren'''^). 



^) Dieser Akt verdient besonders hervorgehoben zu werden. 
Der Kurfürst kam damit seiner hallischen Verptiichtung endlich nach 
und rettete Ehre, Treue und Glauben. 

5°) Man erkennt leicht, dass beide Schreiben für den König 
berechnet waren. 



16 S. Issleib: 

Darauf zeigte der Kurfürst König Ferdinand an"^), 
dass er den Landgrafen in Schweinfurt''") getroffen und 
ihm das königliche Anerbieten raitgetheilt liabe. Aus 
der Antwort des Schwagers „und sonst befinde er, dass 
sich derselbe des Vaters langwieriger Gefängnis und anderer 
zugefügter Schädigungen und Bedrängnis halben mit 
in- und ausländischen, doch christlichen Potentaten etwas 
weit eingelassen habe". Indessen sei zu hoffen, dass sich 
der Landgraf billig finden lassen werde. Unter Wahrung 
seiner Obligation wolle er den 10. oder IL April nach 
Linz kommen und bitte den König, bestimmt zu erscheinen, 
sonst seien andere Verwickelungen zu besorgen, üer 
gefangene Schwiegervater möge inzwischen Avenigstens in 
des Königs Hand gestellt werden, um sich mit ihm unter- 
reden zu können. Gott wisse, schloss er, mit welchem 
Herzeleid er die bevorstehende Unruhe erfahren habe! 
Er wünsche nur von seiner Verpflichtung befreit zu werden 
und hoffe dabei auf des Königs gnädige Unterstützung''^). 
Vor seinem Aufbruche aus Schweinfurt versicherte der 
Kurfürst nochmals (am 27. März)"^), nach Linz kommen 
zu wollen; über eine Verspätung von vier bis fünf Tagen 
sollte der König kein Missfallen tragen. 

An den Kaiser schrieb er, dass er nach seiner Ein- 
stellung nur mit grosser Mühe Urlaub zur Zusammenkunft 
mit dem Könige erlangt habe. Weil die kaiserliche Er- 
klärung des gefangenen Landgrafen halben schon an 
König Ferdinand gesendet sei, so habe er nicht um 
Urlaub zur Reise nach Innsbruck angehalten und hoffe, 
Entschuldigung zu finden. Der gefangene Landgraf möge 
an einen Ort gebracht werden, wo man sich mit ilnn 
unterreden könne; denn er habe die meiste Gewalt über 
den Sohn, der sich mit anderen etwas weit eingelassen 
habe, so dass zu befürchten sei, er selbst (MoritzJ werde 
während seiner Einstellung zu Dingen gezwungen, die er 
viel lieber unterliesse. Er wünsche Frieden und Ver- 



f"") Die beiden Schreibon legte er bei. Am 25. März schrieb 
er auch an Heinrich von Plauen, dass er den 7. oder 8. A^iril in 
Kegensburg zu sein gedenke. Druffel II, No. 1171. 

'■'") Nicht in Schnialkalden. Drufi'el II, No. 1155, S. 280 unten. 

''*) Zuletzt theilte er mit, dass er des Königs Aufforderung an 
Markgrafen Albrecht gesendet habe. Dieser traf den 26. März in 
Schweinturt ein. 

i^o) Loc. 91 45 II, Bl. 8, LS (Bl. 8 ist B'erdinauds Schreiben vom 
1. April); Druffel U, No. 1176 und 1198. 



Moritz von Sachsen gegen Karl V, 1552. 17 

Wendung des Kriegsvolkes gegen den Erbfeind des 
christlichen Glaubens^*') etc. 

Von Schweinfurt aus wurde die Einstellung des 
Kurfürsten von Brandenburg noch bis zum 24. April 
vertagt; dafür aber sein Erscheinen in Linz auf das 
Bestimmteste erwartet**'). An Markgraf Hans schrieb 
Kurfürst Moritz^-), dass er „mit ungefiedertem Pfeile im 
Werke sei fortzuziehen und im Namen Gottes seiner 
Bewilligung, wie sich gezieme, nachzusetzen". Zaudern 
nütze nichts, denn wenn die Sache übel ergehe, so werde 
„jeder in gleichem Bade schwitzen und ausgerieben wer- 
den. Der Herr wolle Augen und Herzen verleihen". 
Herzog Albrecht von Bayern '^■^) wurde aufgefordert, die 
Wohlfahrt aller deutschen Stände zu bedenken, sich als 
Freund zu verhalten und womöglich als Unterhändler 
gebrauchen zu lassen; den Bischof von Bamberg ging 
man um (xeld an, und mit Würzburger Gesandten wurde 
über eine Kapitulation verhandelt*^^). 

Da König Heinrich H. von Frankreich sein Aus- 
schreiben**^) an die Stände des heiligen römischen Reiches 
schon seit etlichen Tagen hatte verbreiten lassen, so 
hielten auch die Bundesfürsten nicht mehr zurück, ihr 
gemeinsames Ausschreiben der Öffentlichkeit zu übergeben. 
An dieses schloss sich dann ein Ausschreiben des Mark- 
grafen und eine landgräfliche Verwahrungsschrift gegen 
den Kaiser an. 

Heinrich II. verkündigte, dass er auf göttliche 



*"^) Nach Beseitigung aller Mängel wollte er das Konzil noch 
besuchen lassen. 

öl) Loc. 9146 IV, Bl. 194; Druffel If, No. 1170. 

"'-) Herzog Augustus' Sekretär zu Weissenfeis Simon Rost 
wurde beauftragt, den markgrätlichen Sekretär Johann Füss über 
den Erfolg der englischen Werbung in Merseburg zu hören. 
Druffel ir, No. 11(54. 

«3) Loc. 9145 I, ßl. 520; Druffel II, No. 1169. 

'5^) Loc. 9145 I, Bl. 597 und 9146 IV, Bl. 217 flg., 237; Druf- 
fel II, No. 1135, 1161, 1182; III, No. 1163, S. 365 üg. Würzburg 
verptlichtete sich, den Krieg in jeder Beziehung zu begünstigen und 
60000 fl. zu leihen. Bamberg wollte höchstens etliche Tausend 
Gulden vorstrecken. 

''^') Über das königliche Ausschreiben, datiert Fontainebleau 
am 3. Februar 1552, und über das der Bundesfürsten wurde in 
Friedewalde weitläufig verhandelt. Man vergleiche über die Aus- 
schreiben Loc. 9145 1, Bl. 298, 426, 698, Loc. 9142, Johann Fried- 
richs Custodie und Erledigung etc., Bl. 177; Druffel II, No. 991, 
1106, ll.Sl S. 259, 1142, 1148, 1150, 1159, 1181, 1185, 1187 S. 305, 
1197, 1201, 1203, 1205 und'Lanz III, 155. 

Neues Archiv f. .S. G. u. A. VII. 1. 2. 2 



18 S. Issleib: 

Eiiifjebuno; hin mit deutsclien Fürsten und vortiefflicheu 
Leuten nach viclialtiger Khige über unerträgliche kaiser- 
liche Tyrannei '*''), über Servitut und drohendes Verderben 
ein Bündnis geschlossen habe, und dass er für alle Mühen, 
Gefahren und Unkosten keinen andern Nutzen oder Ge- 
winn als Freiheit der deutschen Nation*''), ewige Dank- 
barkeit und einen unsterblichen Namen suche. Alle 
Stände des Reiches sollten aus der erbärmlichen und be- 
schwerlichen Dienstbarkeit, überdies Herzog Johann 
Friedrich der Altere und Landgraf Philipp von Hessen 
aus ihrer langwierigen, harten und unfürstlichen Haft 
befreit werden. Als allerchristlichstcr König wollte er 
vor allem die Prälaten, Abte und geistlichen Stände in 
Schutz und Schirm nehmen, sofern sie sich gegen ihn 
und seine Bundesverwaudten in gebührlicher und noth- 
dürftiger Weise erklären würden. Feinde, Gegner und 
Anhänger des Kaisers sollten mit Feuer und Schwert 
verfolgt werden. 

Die Bundesfürsten sprachen in ihrem Ausschreiben 
vom Religionsdrucke, von der Gefangenschaft des Land- 
grafen und vom elenden Zustande des Reiches. Mit 
Frankreich und andern Freunden verbündet, wollten sie 
die Befreiung des Landgrafen und Herzog Johann Fried- 
richs suchen und die alte Libertät des geliebten Vater- 
landes retten*''^). Mar kgraf Albrecht wandte sich nur 
an die weltlichen Stände des Reiches, nannte sich Helfer 
der Bundesfürsten und kündigte einen Kampf an gegen 
alles, „was dem heiligen Reiche zuwider sei und allen 
Ständen zu ahnden gebühre". Er klagte über das Konzil, 
über die verkümmerten Reichsfreiheiten und über die 
Krebsschäden der Reichstage, auf denen die Geistlichkeit 
durchweg dominiere. Jeder müsse die t'bel zu beseiti- 
gen helfen. Deutschland solle nicht, wie man erdichte, 
fremden Nationen preisgegeben, sondern von drückender 
Knechtschaft befreit werden. Weil die höchsten und 
vornehmsten Bischöfe und Prälaten meistens die Ursache 
zu beschwerlichen Unterdrückungen und Praktiken im 



*"•) Eine Anzahl Anklagen gegen Kaiser und König wurden 
aufgezählt. 

ö') Deutsche und Franzosen hätten gemeinsamen Ursprung; 
Deutschland sei für die ganze Christenheit eine Vorburg gegen die 
Türken. 

oä) Vergleiche D ruf fei II, No. 1203, Kaiser Karl V. an die 
vier rheinischen Kurfürsten, am 2. Aprit 



Moritz von Sachsen gegen Kail V. 1552. 19 

Reiche gewesen seien, so dürfe es niemand verargen, wenn 
die Fürsten des Reiches die übermässige und unerhxubte 
Gewalt der Geistlichen nothgedrungen schwächen und 
brechen würden. Die Stifter sollten keineswegs ausgerottet 
und dadurch der Adel geschädigt werden; aber Refor- 
mation derselben sei nöthig*'^) etc. Landgraf Wilhelm 
führte in seiner Verwahrungsschrift (vom 9. April) das 
Elend seiner Familie und des hessischen Landes vor, 
gedachte der Tage von Halle, der kurfürstlichen Ver- 
pflichtungen, der Einmalmungen , der Vereinigung mit 
christlichen Potentaten und Fürsten zur Befreiung des 
Vaters und Avid errief die in Halle vollzogene kaiserliche 
Kapitulation''^). 

Am 27. März brachen die Bundesfürsten in Schwein- 
furt auf und rückten über Kitzino;en nach Rotenburo; ob 
der Tauber vor, wo die markgräflichen Reiter und Knechte 
zu den sächsischen und hessischen Heerhaufen stiessen. 
Dann ging der Zug über Dinkelsbühl und Nördlingen. 
Am letzten März wurde Donauwörth ' ') genommen und 
vom frühen Morgen des l. April an Augsburg^-) um- 
lagert. In Oberhausen vollzog der Kurfürst am 4. April 
die Kapitulation, hielt tags darauf mit allen kriegerischen 
Ehren Einzug und nahm beim alten kaiserfeindlichen 
Bürgermeister Herbrot Quartier. Dann sandte er einen 
fröhlichen Gruss in die Heimath an den Bruder'^), an 
die Gemahlin und Schwägerin voll zuversichtlicher Hoff- 
nung^ künftig noch mehr Sieg und Glück mit Hilfe des 
Allmächtigen zu erlangen. 

Es ist wohl möglich, dass die Augsburger, wie ge- 



'^^) fias hiess Kampf des weltlichen Fürstenthums und des 
Adels gegen das Pfaffenthum. 

™; Der Vater rieth am 16. März auf's höchste vom Kriege 
ab. Darauf legte Landgraf Wilhelm am 8. April in Augsburg die 
Gründe dar, welche ihn bewogen hätten das Schwert zu ergreifen, 
und erklärte, dasselbe nur nach erreichter Befreiung des Vaters 
niedei legen zu wollen. Inständig bat er, ihn bis dahin mit Bitten 
und Vorstellungen gnädig zu verschonen. Lanz III, 127; Rommel, 
Philipp der Grossmüthige III, .376. König Ferdinand forderte den 
gefangenen Landgrafen am 1. Ap.il auf, den Sohn zum \Yaffenstill- 
stand zu Gunsten der Verhandlungen zu ermahnen. 

•1) Druffel II, No. 1190/1. 

"■-) Log. 7280, Instructiones etc., El. 60, 7.3, 78 und Loc. 9145 
I, Bl. 618, 642, 647; Druffel II, No. 1195, 1211, 1214/5, 19, 21, 22. 

"3) Augustus ermunterte am 13. April, kecklich fortzufahren, 
flugs auf die Pfaft'en zu klopfen und sich nicht durch gute Worte 
aufhalten zu lassen. Loc. 9145 I, Bl, 613. 

2* 



20 S. Issleib: 

sagt wurde '^), ein geheimes Einverständnis mit den Fürsten 
im voraus gehabt haben; jedenfalls kam den Verbündeten 
zu statten, dass die Stadt seit 1547 den Druck des kaiser- 
lichen Regimentes in religiösen und weltlichen Dingen 
am meisten empfunden hatte. Jetzt fielen wieder alle 
seit dem schmalkaldischen Kriege getroffenen kaiserlichen 
Einrichtungen. In Augsburg wurde klar, dass die 
Bundesfürsten nicht nur auf Befreiung des Landgrafen, 
sondern auch auf völlige Abänderung der damaligen 
kaiserlichen Regierung ausgingen. Gerade die beiden 
jugendlichen Fürsten, Moritz und Albrecht, welche des 
Kaisers Macht in Deutschland so wesentlich gefördert 
hatten, begannen die spanische Herrschaft wieder zu 
brechen. 

Der „Vorstreich" war geglückt. Siegreich stand der 
31jährige sächsische Kurfürst im Mittelpunkte Schwabens 
in der Stadt der deutschen Reichstage, des deutschen 
Grosshandels und des evangelischen Glaubensbekenntnisses. 
Hilflos dagegen sass der Kaiser in Innsbruck, zu Friedens- 
verhandlungen und Bewilligungen geneigt, um die Wogen 
des Sturmes zu brechen und die gefährdete Krone zu 
retten. Alle Mittel versagten, und alle Feinde erhoben 
sich ^% 

Rastlos arbeitete der Kurfürst in Augsburg, weitere 
Anhänger zu gewinnen und dem Kaiser möglichst grossen 
Abbruch zu thun. Eifrig bemühte er sich, Kurpfalz und 
Württemberg in die Bundesgenossenschaft hineinzuzielien 
und suchte am 7. April in Fürstenfelde den Herzog von 
Bayern für das Kriegsunternehmen und für die bevor- 
stehenden Linzer Verhandlungen günstig zu stimmen"^). 
Die rheinischen Kurfürsten sollten vermitteln und die nord- 
deutschen Seestädte offen zum Bunde übertreten. Allein 
hier sei bemerkt: weitreichende Sympathien haben die 
Bundesfürsten in Deutschland nicht gefunden "^}. Die 
Verbindung mit Frankreich erregte doch vielfach Miss- 



'*) Vergleiche Druffel II, No. 1175, 1190; Ranke V, 168 
(4. AuHage). 

""') Der Kaiser fürclitcte überfallen zu werden und plante, sich 
zum Bruder oder nach Italien, Spanien, den Niederlanden zurück- 
zuziehen. Druffel II, No. 1217, 122(), 12.38, 12G9; Lanz ill, 126 flg. 
Über seinen Fluchtversuch am 6. April nach Mitternacht siehe 
Druffel II, No. 1470; Ranke V, 174 (4. Auflage). 

'«) Loc. 9146 IV, Bl. 240; Druffel II, No. 1204, 12.31, 12.32; III, 
No. 132-.', S. .31)4. 

") Vergleiche Liliencron, Historische Volkslieder IV, 693 flg. 



Moritz von Sachsen gegen Karl V. 1552. 21 

trauen und Anstoss. Die meisten Fürsten sassen still 
oder trieben Schaukelpolitik; keiner traute dem andern. 
Mit Recht sagte Markgraf Albrecht: „Wanns wohl ginge, 
wollten sie dabei sein, wanns übel ging, wie die ärgsten 
Feinde verfahren". Des Reiches Trübseligkeit, welche 
die religiösen Kämpfe, die Regierungsweise Karls V., die 
Interessenpolitik der Fürsten imd Stände und die miss- 
lichen sozialen Yerhältnisse geschaffen hatten, trat nackt 
zu Tage. Wie berechtigt war der bittere Vorwurf des 
Kurfürsten Moritz am Tage seines Einzuges in Augsburg, 
dass er „bei Fremden und. Ausländern geneigteren Willen, 
mehr Beifall und Förderung finde, als bei seinen eigenen 
Leuten, die doch billig treulicher zu ihm setzen sollten" '^). 

Nicht pochend auf den Einzelerfolg, sondern die Ge- 
samtlage und den Wechsel des Glückes in Betracht ziehend, 
behielt Kurfürst Moritz die Friedensverhandlungen im 
Auge und stellte trotz Einspruchs des Landgrafen, des Mark- 
grafen und des französischen Bevollmächtigten^^) dem König 
Ferdinand seine sichere Ankunft in Linz von neuem in 
Aussicht. König Heinrich 11.^*^) benachrichtigte er über 
den Erfolg im Oberlande, über die Lage des Kaisers, 
über die weiteren Kriegspläne und über die dem römi- 
schen Könige bewilligte Verhandlung, welche womöglich 
im Beisein des Orators Fresse stattfinden solle. Zu einer 
Sendung nach England erbat er seine Unterstützung^^). 

In Augsburg trafen auch Magister Burkhardt und 
Eberhard von der Thann von Weimar aus ein^'), um 



'8) Im Briefe an Augiistus vom 5. April. Vergleiche Loc. 91 45 
I, Bl. 6-?l, Loc. 10 479, Steuern etc., Bl. 1 tig. ; Druffel II, No. 1275, 
1286. Der sächsische Ritteradel wollte nichts zur Unterhaltung der 
Reiter und Knechte in den Festungen gehen. 

™) Fresse wurde sehr beschwerlich, indem er allzuscharf be- 
tonte, König Heinrich II. gäbe das Geld zum Kriege; Loc. 9145 II, 
Bl. 29 und 9146 IV, Bl. 250; Druffel II, No. 1228, 1231, 1241, 1264, 
S. .368. 

80) Loc. 9145 II, BL 68. 

81) Loc. 9145 I, Bl. 696. England war gewillt, die evangelische 
Lehre zu schützen, nicht aber die Libertät der Deutschen zu unter- 
stützen. 

82) Sie waren am 25. März abgesandt worden. Eberhard von 
der Thann, Amtmann von der Wartburg, hatte früher zu den Ver- 
mittelungsversuchen Herzogs Augustus und des Markgrafen Hans 
hilfreiche Hand geboten; Loc. 9155, Assecuration, Bl. 14 flg., 23, 30. 
Am Tage nach der Ankunft der weimarischen Räthe in Augsburg 
langte auch die vom 29. März datierte Antwort des Herzogs und 
seiner Landstände auf des Kurfürsten „ürangschrift" ein, wonach 
wegen der Wittenberger Kapitulation, wegen der Gefahr für den 



22 S. Issleib: 

zum begonnenen Werke Glück zu wünsclien , Herzog 
Johann Friedrich des Mittleren Neigung- zur Theilnahme 
zu versichern und sein ernstliches Bedauern zum Aus- 
druck zu bringen, dass er sich infolge der Gutachten 
und Rathschläge seiner Theologen und Landstände nicht 
persönlich einlassen könne. Aber der Kurfürst möge 
fortfahren, Gott werde Sieg verleihen. Dem Herzog möge 
er lathen, wie er sich von seiner Verpflichtung gegen den 
Kaiser befreie, wie des Vaters Erledigung, der Eintritt 
in das Bündnis, die Wiedererwerbung der sächsischen 
Gesamtbelehnung und die Ersetzung der verlorenen Lande 
zu erreichen sei etc. 

Kurfürst Moritz erwiderte am IL April in Thann- 
hausen ziemlich kühl und bedauerte, dass die Vettern 
der Bereitwilligkeit Frankreichs und der Bundesfürsten, 
den Vater zu befreien, so wenig entgegenkämen und auch 
die günstige Gelegenheit zur Verhandlung, welche sich 
in Linz darbieten werde, verscherzten. Eberhard von 
der Thann ^•') glaubte darauf, seinen Herrn auffordern 
zu können, den Bundesfürsten näher zu rücken und zur 
Befreiung etwas zu thun. Demuth und Gehorsam gegen 
den Kaiser nütze nichts, und Kurfürst Moritz verlange 
von seinen Vettern, „wollten sie mit geniessen, so sollten 
sie auch mit schiessen". Armutii hindere nicht, man 
möge eben nach Kräften helfen und dem Glücke die 
Thüre öffnen. Den Bundesfürsten sei nicht unbekannt, 
dass der gefangene Vater öfters den Eintritt in das 
Bündnis verboten habe. Kurfürst Moritz habe auch einen 
Artikel aus dem Schreiben einer Person vom kaiserlichen 
Hofe vertraulich vorgelesen, wonach der gefangene Herzog 
beim Kaiser allerlei Ansuchen des Krieges halben thue 
und dadurch ledig zu werden hoffe ^'). Ln Lager herrsche 



gefangenen Vater und Landesfürsten, wegen der Mittellosigkeit und 
Ohnmacht des Herzogs und des Landes jede Mitwirkung am Kriege 
abgelehnt wurde. 

^■') Sclireiben vom LS. April aus Nördlingen, Loc. 9142, Johann 
Friedriclis Custodie und Erledigung etc. 1550 '52, Bl. 119 tig., 177; 
Druffel ir, No. 1287, vergl. No. 1159. 

^') Der Kaiser hatte durch dritte Hand anfragen lassen, was 
man von Johann Friedrich gegen seine Befreiung erwarten könne. 
Zu allem bereit, wollte er am kaiserlichen Hofe bleiben, in kaiser- 
liche Dienste treten, seine Freunde beeinflussen, den Feinden Kitt- 
meister entziehen, die Leute in A^erwirrung setzen und Herzog 
Augustus mit seinem IJruder entzweien etc. Schon hatte er einige 
Rätbe, darunter Erasraus von Minckwitz, aus Weimar zu sich ent- 



Moritz von Sachsen gegen Karl V. 1552. 23 

der Verdaclit, man wolle seine Befreiung- weit melir dem 
Kaiser als den Bundesfürsten verdanken, und dringe daher 
um so ernster auf eine bestimmte Erklärung. Deshalb 
möge der Herzog darauf bedacht sein, dass er sich nicht 
zwischen zwei Stühlen niedersetze und das Gewisse mit 
dem Ungewissen verliere etc. 

Nachdem am 9. April Herzog Johann Albrecht von 
Mecklenburg in Augsburg eingetroffen war, erfolgte am 
10. der Aufbruch nach Ulm*^'*}, und da die Stadt ihre 
Übergabe verweigerte, begann am 12. die Beschiessung. 
Neu bürg ^*^) an der Donau wurde am 13.*^) genommen 
und zur Freude der Unterthanen dem vertriebenen Herzog 
Ottheinrich und nunmehrigen Bundesfürsten wieder ein- 
geräumt. 

An den Verhandlungen mit Ulm, die erfolglos blieben, 
nahm der Kurfürst nicht mehr theil, sondern ritt nach 
Donauwörth, um tags darauf zu Schiff die Reise nach 
Linz fortzusetzen***). In Regensburg begrüsste ihn, wie 
in Leipzig verabredet war, Heinrich von Plauen, und in 
Passau gesellte sich der Bischof und Herzog Albrecht 



boten. König Ferdinand rieth dem Kaiser, Johann Friedrichs Be- 
freiung nicht zu beeilen, sich über sein künftiges Yerhalten hin- 
länglich zu versichern und den Erfolg der Linzer Verhandlungen 
abzuwarten etc. Druffel 11, No. 1221, 1238, 1311,8.409; LanzIII, 163. 

*'^) Vergleiche Druffel II, N'o. 1264, S. 366 Postscriptum. 

«ö) Loc. 8502, Churfürst Moritz' Schriften an Augustus 1546/52, 
Bl. 123. 

*■') An demselben Tage forderte der Kurfürst aus dem Feldlager 
vor Ulm den Markgrafen Hans von Küstrin und Herzog Albrecht von 
Preussen wiederum zur Bundeshilfe auf, Loc. 9145 J, Bl. 332 flg., 
342; Druffel II, No. 1281. 

**) Der französische Orator Presse begleitete ihn nicht. Nur 
mit grosser Mühe hatte sich der Kurfürst den Bundesfürsten ent- 
wunden. Während von ihnen die Reise nach Linz heftig widerrathen 
■wurde, gaben sich König Ferdinand, Herzog Albrecht von Bayern, 
der kaiserliche Gesandte Walter von Hirnheim, der kurbranden- 
burgische Rath Adam Trott, dazu Mordeisen und Carlowitz alle 
Mühe, um die Zusammenkunft in Linz zu stände zu bringen. Car- 
lowitz schrieb am 11. April, er hoffe nicht, dass sich der Kurfürst 
dermassen werde binden lassen, dass er seiner nicht mehr mächtig 
sei und nach anderer Leute Gerede und Gutdünken leben müsse. 
W^äre dies der Fall, so solle es ihm treulich leid thun, die Zeit 
erlebt zu haben, wo sich ein so mächtiger Kurfürst anderen muth- 
willig unterwerfe, denen er billig Mass geben sollte. Vereitelung 
der Zusammenkunft sei erschrecklich, von seinem Oberlehnsherrn 
Geiseln zu fordern, ungebräuchlich' und von der Einwilligung eines 
französischen Gesandten abzuhängen, unglimpflich etc. Loc. 9145 II, 
Bl. 33—64, 9146 IV, Bl. 250 flg.; Druffel II, NTo. 1241—1309. 



24 S. Issleib: 

von Bayern hinzu. Am 18. April, naclnnittags 5 Uhr, 
traf der Kurfürst mit seinen Gefälirten in Linz ein, wurde 
vom Könige Ferdinand und seinen beiden Söhnen, König 
Maximilian und Erzlierzog Ferdinand, am Donauufer 
freundlich empfangen, auf das Schloss geführt und „ganz 
herrlich und wohl traktiert"**^). 

Gleich am andern Tage (19. April) Legannen die 
Verhandlungen, an denen König Ferdinand und seine 
beiden Söhne, Kurfürst Moritz, Herzog Albrecht von Bayern 
und der Bischof von Passau""), ausserdem die kaiserlichen 
Käthe von Rye und Schwendi, vier königliche und mehrere 
kurbrandenburgische Käthe, Mordeisen und Carlowitz 
und der bayerische Rath Hund theilnahmen'*'). 

Kurfürst Moritz forderte Befreiung des Landgrafen 
und Abstellung aller hessischen Beschwerden, Freiheit 
der Religion und der deutschen Nation, Aufrichtung eines 
allgemeinen Friedens, Amnestie für die Theilnehmer am 
Kriegszuge und für die im schmalkaldischcn Kriege Ge- 
ächteten, sowie Begnadigung der vertriebenen braun- 
schweigischen Junker. Die Freilassung des Landgrafen 
sollte umgehend erfolgen und der Religion halben kein 
Reichsstand Gefahr oder Überfall zu besorgen haben, 
sondern gemäss dem Reichstagsabschiede zu Speier 1544 
friedlich leben können. Das Interim sollte fallen und der 
Zwiespalt der Religion durch ein Nationalkonzil oder 
Colloquium beseitigt werden. In den allgemeinen Frieden 
sei Frankreich einzuschliessen, damit die Christenheit zur 
Ruhe komme und ihre Kraft gegen die Türken verwenden 
könne etc. 

König Ferdinand zeigte sich den Forderungen des 
Kurfürsten willfährig, so dass dieser am 23. April seinem 
Bruder Augustus hocherfreut schreiben konnte, er hoffe 
„zu erlangen, was der ganzen Christenheit nützlich und 
allen deutschen Fürsten rühmlich sei, ja was zuvor nie- 
mand vermuthet habe".'''). Indessen die Religionsfrage 
und der geforderte Vertrag mit Frankreich veranlassten 



89) Loc. 9155, Assecuration etc., Bl. 45, 48; Drnffel 11, No. 131.S. 

'*<') Kurfürst Joachim hatte sich Kraukhoits halber entschuldigt. 

"') Von den Abgeordneten Herzogs Augustus und der kur- 
sächsischen Landstände waren Abraham von Einsiedel, Heinrich 
von Ebeleben etc. zugegen. 

»-) Loc. 8502, Churfiirst Moritz' Schriften an Augustus 1546—52, 
Bl. 1.35, vergl. Loc. 9155, Assecuration, Bl. 45, Zeitung aus Linz 
vom 25. April; D ruf fei II, No. 1336. 



Moritz von Sachsen gegen Karl V. 1552. 25 

eine Sendung an den Kaiser^"). Dann erklärte König 
Ferdinand (am 27. April): falls die Bundesfürsten vom 
Kriege ablassen, ihr Bündnis aufgeben, die unterworfenen 
Stände und Städte aller auferlegten Pflichten entledigen 
und das Kriegsvolk beurlauben und vom Zuzüge zum 
französischen Könige abhalten würden ^^), dann sollte der 
Landgraf 14 Tage nach der Abrüstung in Köln auf 
freien Fuss gesetzt werden. Und damit jeder Zweifel 
schwinde, wolle er den Kurfürsten von Sachsen und 
Brandenburg Sicherheit in bester Form geben. Kein 
Stand des Reiches sollte der Religion wegen beschwert 
und auf einem Reichstage sollte berathen werden, ob d'.e 
streitigen Religionsfragen nochmals auf einem Konzile^') 
oder auf einer allgemeinen Reichsversamnilung zu erörtern 
und zu vergleichen seien. Die Beschwerden über die 
kaiserliche Regierung und über die Misssfände im Reiche 
sollten dann auch erwogen und möglichst beseitigt 
werden. Hinsichtlich des allgemeinen Friedens sollte der 
Kurfürst die französischen Friedensbedingungen einfordern, 
überreichen und kaiserliche Antwort entgegennehmen. 
Amnestie wurde bewilligt, aber Hans von Heideck, Reifen- 
berg, Schärtlin etc. sollten sich vor der Befreiung aus 
der Acht verpflichten, nicht gegen Kaiser, König und 
Reich ferner zu dienen. Auch die braunschweigischcn 
Junker sollten zu Gnaden angenommen und mit Herzog 
Heinrich verglichen werden. 

Wie zu erwarten war, machte Kurfürst Moritz allerlei 
Ausstellungen, und da er sich nicht für ermächtigt hielt, 
im Namen seiner Bundesgenossen bindende Erklärungen 
abzugeben, so bat er um eine neue Zusammenkunft, zu 
welcher noch einige Kurfürsten und Fürsten zugezogen 
werden sollten. Die HeraufFührung des gefangenen Land- 
grafen aus den Niederlanden an den königlichen Hof 
sah er für überaus nützlich und förderlich an. 

König Ferdinand wich einem zweiten Verhandlungs- 



^^) Schwendi eilte nach Innsbruck. Ferdirand Hess den Kaiser 
auffordern, möglichst zu rüsten, die Gefahr sei noch nicht gehoben, 
man habe es mit zweideutigen Leuten zu thun. Da Ulm sich so 
gut gehalten habe, solle er alles aufbieten, um Augsburg wieder 
zu gewinnen. Inzwischen wolle er mit dem Kurfürsten und Mark- 
grafen Albrecht verhandeln, Druffel II, No. 1335. 

0^) Der Kaiser erwartete, dass Kurfürst Moritz und Landgraf 
Wilhelm nöthigenfalls ansehnliche Reiterdienste leisten würden. 

ö5) Es wurde zugegeben, dass das Konzil zu Trient die „ge- 
hoffte Frucht" nicht getragen habe. 



">{") S. Issleib: 

tage niclit aus, suclite aber vor allem einen Waffenstill- 
stand zu erlangen, welcher sofort beginnen und bis zur 
Kückkelir der Fürsten in ihre Residenzen dauern sollte. 
Ohne Aveiteres war der Kurfürst gewillt, den zur Ver- 
handlung ziehenden Fürsten schriftliche Versicherung und 
in der Nähe des Feldlagers lebendiges Geleit zu geben, 
auch bis zum 11. oder 12. Mai bei seinen Mitver- 
wandten einen Waftenstillstand von etwa 14 Tagen bis 
3 Woclicn durchzusetzen. Schliesslich einio-te man sich, 
dass die weiteren Verhandlungen den 26, Mai zu Passau 
beginnen sollten. Darauf zeigte König Ferdinand an, 
dass er die vier rheinischen Kurfürsten, den Erzbischof 
von Salzburg, die Bischöfe von Fiichstädt^") und "\A''ürz- 
burg, Markgraf Hans von Küstrin, Herzog Christof von 
Württembei'g, Wilhelm von Jülich, Heinrich von Braun- 
schweig und Pliilii-p von Pommern berufen wolle Die 
Entscheidung über die Herauftuhrung des Landgrafen 
an den königlichen oder kaiserlichen Hof verschob er 
nach Passau, räumte aber kraft kaiserlicher Vollmacht 
ein, dass jeder, welcher mit einem kaiserlichen oder 
königlichen Erlaubnisbriefe vor der Königin ]\Iaria er- 
scheine, den Landgrafen sprechen dürfe'*')- Da inzwischen 
bekannt geworden war, dass König Heinricli H. nicht 
nur ^^'elsch-Brabant und Hennegau '■'^) mit starker Heeres- 
raacht angegrifFt-n, sondern auch in Lothringen Metz, 
Toul und Verdun eingenommen habe und sich nach. Speier, 
Hagenau oder Strassburg wende, so wurde Kurfürst Moritz 
beauftragt, den französischen König von jeder ferneren 
Vergewaltigung und Feindseligkeit abzuhalten. Nach 
längerer mündlicher Verständigung über den Waffen- 
stillstand''''), über das Geleit etc. vereinbarte man am 
30. April den Linzer Abschied ^"^^. 



"•*) Auch der Kardinal von Trient kam in Frage. 

''")Lanz III, 171, 179 und Lanz, Staatspapiere etc. 494. 
Landpruf Pliilipp iiatte am Iti. Ai)iil Köniir FtM'dinaud um IJefreiung 
gebeten und Moritz nebst "Wilhehn vom Kriege abfjemabnt. Ver- 
gleiche Anmerkung 70, dann Loc. 9145 II, Bl. 73; Druf tel II, No. 1320. 

s'^) Loc. 9145 II, Bl. 81 und 110, 850?, Handschreiben Chur- 
fürsten Moritz etc., Bl. 135; Dmlfel H, No. 1315, 1328, 133(5, 1347. 

"") Der Wattenstillstand sollte Verlegung des Lagers grstatten. 
Ürufiel III, No. 1322, S. 411. 

1*^0) Hervorzuheben ist, dass .in Linz Johann Friediich's Be- 
freiung nicht beantragt wurde. — Über die rheinischen Kurfürsten 
und ihren Verbandlungstag zu Oberwesel vom 23. bis 27. April 
vergleiche Druf fei II, No. 1333 und TU, No. 1334, S. 416 flg. 



Moritz von Sachsen gegen Karl V. 1552. 27 

Ehe der König aber die Stadt verliess ^*"), ersuchte 
er am 2. Mai den oefangenen Landgrafen^''-), seinen Sohn 
vom Kriege abzumahnen und zur Annahme des Waflen- 
stillstandes anzuhalten. Gleichzeitig kündigte er ihm die 
Ankunft von vier Gesandten der Kurfürsten von Sachsen 
und Brandenburg, des Landgrafen Wilheha und der 
hessischen Landschaft an und bat die Konigin-Schwester 
Maria, den vier Abgeordneten Zutritt und Unterredung 
vor Zeugen oder allein, zusammen oder einzeln zu ge- 
statten ^"^^). 

Von Linz aus gab Kurfürst Moritz seinem Bruder 
Augustus Befehl ^"^), den Unterhalt für 4400 Knechte aus 
den Ämtern einzutreiben, die Ritterschaft zur Erlegung 
einer monatlichen Kontribution von 4 oder 3 Gulden für ein 
Pferd anzuhalten ■^*''^) und den drei Landesbischöfen für 
den Genuss des Friedens und des Schutzes die Unter- 
haltung von 1000 Knechten aufzuerlegen, ausserdem etliche 
hessische Räthe zu sich zu bescheiden und mit ihnen für 
den Fall der Noth Anordnungen zur gegenseitigen Landes- 
vertheidigung zu treffen^"*'). Zu Gunsten des Leipziger 
Marktes sollte er für die Sichej'heit der Strassen sorgen, 
auf Magdeburg Acht haben, keine Unruhe im Erzstifte 
um sich greifen lassen und den neuen Erzbischof Fried- 
rich von Brandenburg in allen Stücken an ihn verweisen^'''). 
Die Gemahlin benachrichtigte er (am 29. April) ^'*^) von 

^01) Am SO. April gab er Markgraf Albrecht zu erkennen, 
dass ihm der Kaiser jährliche Pension oder Dienstgeld geben und 
zur Abtragung seiner Schulden beisteuern wolle, wenn er vom Kriege 
ablasse und die Irrunt! mit Würzburg beilege. Loc. 9145 II, Bl. 178. 

10-) Lanz III, 187, 188 und Druffel II, No. 1H73. Maria 
sollte Adam Trott mit besonders gnädiger Aufmerksamkeit begegnen. 

103) Kuifürst Moritz beauftragte am 12. Mai von Gundeltingen 
aus Dr. Franz Kram, von Marburg (wo er weilte) nach Mecheln zu 
reisen und zu verhandeln. Landgraf Philipp erfuhr erst jetzt vom 
französischen Bündnisse. 

101) Loc. 8502, Churfürst Moritz' Schriften an Augustus 1546— 
1552, Bl. 127 flg. 

105) Widerspenstige sollte er ohne weiteres gefangen setzen 
und ihre Namen ihm zuschreiben. 

looj Vergleiche Loc. 9U5 I, Bl. 456 und 621, Loc. 7281, Fran- 
zösische Yerbuiidnisse, Bl. 180; Druffel II, 1072, 112(», 1286, 1507. 

10'') Kurfürst Joachim hatte am 18. März die Einführung des 
Sohnes als Erzbischof von Magdeburg in Halle vorgenommen, 
Druffel II, No. 1115 und 1.S40. 

lO'') Loc. 8408, Churfürst Moritzens meistentheils eigenhändige 
Schreiben an seine Gemahlin 1547—53, Bl. 23. Später hatte Agnes 
grosse Lust, nach Süddeutschland zu kommen, aber der Kurfürst 
rieth ab (Bl. 29). 



28 ^' Issleib: 

den LinziT Verhandlung-en und theilte vor allem mit, man 
wolle den Vater befreien und die kaiserliche Regierung 
in Zukunft so anstellen, dass die Deutscken bei der alten 
löbliclien Freiheit gelassen würden und „nicht den Pfaffen 
und den Spaniern unter den Füssen liegen diirften" etc. 
Er hegte „Hoffnung" zu einem ewigen Frieden in Deutsch- 
land und wollte viel lieber daheim sein und gute Tage 
haben, ala in der Irre umherschwärmen etc. In Summa: 
es müsse in zwei Monaten längstens Frieden werden oder 
Deutschland müsse zu Grunde gehen". 

Nach der Rückkehr von Linz nach Augsburg ^''^) 
ersuchte der Kurfürst den König von Frankreich um seine 
Friedensbedingungen. In ausführlicher Weise beleuchtete 
er die vom Könige Ferdinand im Namen des Kaisers 
zu Linz gemachten Zugeständnisse und Zusagen und ge- 
dachte der Folgen, welche die Zurückweisung aller ge- 
botenen Vortheile haben könnte. Dringend ging er den 
König an, die günstige Gelegenheit zum Fiieden nicht zu 
verachten und wohl zu bedenken, dass das Kriegsglück 
unstät und wandelbar sei. Und wenn man den Kaiser 
im Sacke habe, meinte er, so könne man nicht mehr er- 
langen als die Linzer Erbietungen""). An demselben Tage 
forderte er den Markgrafen Albrecht auf"), den Waffen- 
stillstand zu bewilligen, den Tag von Passau zu beschicken 
und nichts gegen Nürnberg und Würzburg vorzunehmen. 
Dann leitete er die Verhandlungen mit den berufenen 
oberdeutschen Städten und Ständen eln^^') und begab 
sich ins Feldlager bei Gundelfingen. 

Dem Kriegsvolke war, wie schon angedeutet wurde, 
die Einnahme Ulms nicht geglückt. Als die Linzer Ver- 
handlungen (am 19. April) begannen, zogen die Truppen 
davon. Mit dem Landgrafen entzweit, schlug Markgraf 
Albrecht die Richtung Geislingen, Ellwangen, Lichtenau, 
Nürnberg ein und begann mit seinen Knechten ein wüstes 
Treiben. Land^^raf Wilhelm rückte im Donaugebiete 
über Ehingen, Obermarchthal, Mengen und Pfullendorf 
nach Stockach vor, nahm hier das von Schaff'hausen 

lo») Loc. 9145 ir, Bl. 180, 184, 191. Das Schreiben ist in Lands- 
hut entworfen und in Augsburg am .3. Mai ausgestellt worden. 

'■"■) Ernstlich erinnerte er an des Königs öffentliches Aus- 
schreiben. Heinrich II. war mit den Linzer Verhandlungen höchst 
unzufrieden und zog Ende Mai aus der Umgegend von Speier zurück. 

"1) Loc 9145 II, Bl. 241. 

"2) Loc. 7280, Instructiones 1552, BL 63 flg.; D ruf fei II, 
No. 1389, 1428. 



Moritz von Sachsen gegen Karl V. 1552. 29 

kommende französische Geld und dio Geiseln in Empfang- 
und marschierte wieder rückwärts über Salmansweiler, 
Ravensburg, Biberach, Laupheim, Leiplieim und bezog 
am 1. Mai das erwähnte Feldlager bei Gundclfingen an 
der Donau ^^■^). 

Hier nun setzte Kurfürst Moritz durc]\, dass der 
Schwager einen vierzehntägigen Waffenstillstand vom 
26. Mai^^^), dem Anfangstermine der Passauer Verhand- 
lungen, an bewilligte. Jede feindliche Massregel gegen 
den Kaiser, den König oder gegen einen Reichsstand 
sollte während dieser Zeit unterbleiben ^^-^), vorausgesetzt, 
dass auch der Kaiser nichts Feindliches unternehmen und 
das Kriegsvolk nicht weiter über das Gebirge heraus- 
führen werde. Walter von Hirnheim, welcher dem Kur- 
fürsten von Linz aus gefolgt war, überbrachte König 
Ferdinand die kurfürstliche und landgräfliche Erklärung"'''). 
Der Beitritt des Markgrafen Albrecht zum Waffenstillstand 
konnte wegen seiner Abwesenheit nicht gewährleistet wer- 
den"'). Am 10. Mai Hessen dann der Kurfürst und der 
Landgraf den vom Könige Ferdinand nach Passau ge- 
ladenen Kurfürsten und Fürsten Handschreiben ^^'^j aus- 
fertigen, in welchen sie völlige Sicherheit durch die vom 
Kriegsvolke besetzten Gebiete versprachen und lebendiges 
Geleit in der Nähe des Lagers anboten. Darauf wandten 
sie sich (am 12. Mai) mit den Truppen südlich über 
Ichenhausen, Babenhausen, Mindelheira, Kauf heuern, Ros- 
hampton nach Füssen, um noch vor Beginn des Waffen- 
stillstandes und der Passauer Verhandlungen die bei Reutte 
angesammelten Knechte auseinander zu treiben, die Ge- 
birgspässe zu sperren und womöglich den Kaiser in Inns- 
bruck zu überfallen. 

Inzwischen war König Ferdinand am 8. Mai in 
Innsbruck eingetroffen, um mit dem Kaiser für Passau 



"3) Loc. 9145 IF, Bl. 110 flg., Loc. 9155, Assecuration etc., 
Bl. 45 flg.; D ruffei If, No. 1H47, 1H65 und das Tagebuch Se hotte n- 
dorfs, abgedruckt bei Druffel III, No. 1085, S. 35ti flg. 

"^) Nicht vom 11. oder 12. Mai an, wie in Linz vorläufig ver- 
abredet war. Am 26. Mai liefen auch die drei ersten Monate des 
Bündnisses mit Frankreich ab. 

ii5j "W'echsel des Lagers war gestattet. 

"ö) Loc. 9145 II, Bl. 2.32-, Drutfel II, No. 1405. 

1") Der Markgraf wollte sich über Friedstaud und Geleit mit 
dem König von Fra^nkreich verständigen. Über seine Haltung siehe 
Loc. 9145 II, Bl. 243 flg. und Loc. 8502, Moritz' Schreiben an Au- 
gustus Bl. 146; Druffel II, No. 1386, 1387, 1390, 1403 u. a. 

"«) Loc. 9145 II, Bl. 202, 219, 223 flg.; Druffel II, No. 1392, 1398. 



30 S. Issleib: 

Rückspraclie zu nelniien. Die gerliifie Aussiclit auf Frieden 
mit den Türken bewofj ihn, die Verständigung mit den 
deutschen Fürsten zu befürworten. Auch der Kaiser 
wünschte die dem Hause Habshurg erwachsene, schwere 
Gefahr zu bestehen und die Empörung zu dämpfen ; aber 
zu einem Vertrage mit fol<>en.schweron Zuireständnissen 
war er trotz aller Mittel- und Hilflosigkeit nicht geneigt. 
Der erste Schrecken, welchen das unerwartete Kriegs- 
getüminel eingejagt liatte, war üb -rwund.'n, und die 
Hoffnung wuchs, das französische Bündnis sprengen, die 
Bundesfürsten entzweien und weiteren Anhanges berauben, 
Geld und Truppen zusammenbringen und der schwierigen 
Lage Herr werden zu können. Nach allen Seiten hatte 
er Unterhandlungen angeknüpft und im gefangenen Herzog 
Johann Friedrich glaubte er eine verwerthbare Waffe 
gegen Kurfürst Moritz zu besitzen. Vorläufig aller- 
dings musste er nothgedrungen die in Linz begonnenen 
Verhandlungen in Passau weiter führen lassen, um Zeit 
zu gewinnen; aber für den Fall der Erfolglosigkeit sollte 
die Acht auf das Haupt des Kurfürsten niederfallen und. 
Johann Friedrich sollte die Exekution vollziehen. Die 
nothigen Schritte erfolgten. 

Während der Anwesenheit König Ferdinands in 
Linsbruck fanden sich eines Tages Granvella und Seid 
beim alten Kurfürsten ein^^'*), zeigten an, dass ihm der 
Kaiser auf Verwendung des römischen Königs, des Prin- 
zen von Spanien, der Königin Maria, der Herzöge von 
Pommern und Cleve Freiheit verspreche, und eröffneten 
weiter: führe der Passauer Tag zum Frieden, so werde 
er sich verpflichten müssen, bei den früheren Verträgen 
und Verbindlichkeiten zu bleiben; komme es aber zu 
keiner Verständigung, dann sei der Ivaiser entschlossen, 
die Acht über Kurfürst Moritz zu verhängen und ihm 
(Johann Friedrich) das Kurfürstenthum und die Kurwürde 
wieder zu übertragen, sofern er die Kurlande auf eigne 
Kosten einnehmen und erobern wolle. Zugleich fragten 
die kaiserlichen Räthe, wie viel Reiter und Knechte er 
mit Hilfe seiner Söhne und Freunde dazu aufbringen 
könne, welchen Anhang er im Lande des Kurfürsten be- 

"") Loc. 9142, Joliaiin Friedriclis Custodie und Erledigung etc., 
lil. 227 tlg. Es verh:indelten noch ausser Granvella und Seid, 
Heinrich von Plauen, Hans lloffmann und der kuiserliche Sekretär 
Uhernburger mit Joliann Friedrich. Vergleiche W. Wenck, Chur- 
liirst Moritz und die Ernestiner etc. in den Forschungen zur deut- 
schen Geschichte XII (1872), 36. 



Moritz von Saebscii gegen Karl V. 1552, 31 

sitze, auf welche Weise er mit Herzog Augustus zu handeln 
und wie er Böhmen, Brandenburg, Braunschweig, Pommern, 
Anhalt, Jülich, die Harzgrafen, das Erzstift Magdeburg, 
die Stifter Halberstadt, Münster etc. zur Unterstützung 
heranzuziehen gedenke. Johann Fiüedrich erwiderte, 
bevor er nicht als freier Mann versucht habe, was von 
Verwandten und Freunden zu erwarten sei, könne er sich 
zu nichts verpflichten. Indessen kaiserlichem Befehle 
zufolge sei er geneigt, die Achtsexekution vorzunehmen. 
Gegen Verpfändung von Annaberg, Marienberg, Buch- 
holz, Gottesgabe etc. möge ihm der Kaiser 200000 Kronen 
vorstrecken, um innerhalb dreier Monate 2000 Reiter und 
10000 Knechte gegen die Feinde aufzubringen etc. 

Eben damals langte Erasmus von Minckwitz aus 
Weimar an, um mit Kath und That beizustehen^-'^). Von 
ihm erfuhr der Herzog Genaueres über das Verhalten 
des Sohnes und über die Sendung Burkhards und Eber- 
hards von der Thann an den Kurfürsten. Er hörte 
weiter von Thann's Aufforderung, sich mit den Bundes- 
fürsten einzulassen, und vernahm, dass die eilig zusammen- 
berufenen Grafen und der Standeausschuss nach einigem 
Widerstände gerathen hätten, wiederum an den Kurfürsten 
Moritz und an den König von Frankreich zu schicken 
und zu verhandeln. Fügen wir hinzu: während darauf 
Minckwitz nach Innsbruck zog, reisten von der Thann 
und Burkhard zum zweiten Male nach Süddeutschland, 
um den Kurfürsten im Feldlager aufzusuchen. Als sie 
aber von seiner Anwesenheit in Linz erfuhren, zogen sie 
nach der Pfalz, um dann jenseit des Rheines den König 
von Frankreich anzusprechen. Ja infolge der Meldung 
aus Linz, dass dort des gefangenen Vaters mit keinem 
Worte gedacht worden sei, trat Johann Friedrich der 
Mittlere die Reise zu den Bundesfürsten in eigner Person 
an, sah sich aber schon am ersten Tage in Ichtershausen 
genöthigt, wieder umzukehren. Denn sobald der Vater 
von Minckwitz die eben angedeuteten Nachrichten erhalten 
hatte, sandte er unverzüglich (am 18. Mai) Georg von 
Amsdorf mit einem Briefe ab, worin er ermahnte und 
drohte, sich in keinerlei Weise mit den Gegnern zu ver- 
ständigen, und kündigte seine Befreiung auf das Be- 
stimmteste an. Er hoffte schon auf freiem Fusse zu sein, 
wenn sein Brief überreicht werde. Daraufhin kehrte Jo- 



120) Siehe Anmerkung 84 und Loc. 9142, Johann Friedrichs 
Custodie und Erledigung etc. Bl. 152 tig. 



32 S. Issleib: 

liann Friedrich nach Weimar zurück, rief Burkhard und 
von der Thaun lieini und beeilte sich; den erzürnten Vater 
zu besänftigen-^-^). 

Während dieser Vorgänge in Innsbruck und Weimar 
langte Kurfürst Moritz am Ib. Mai in Füssen an, um die 
Alpenpässe zu verlegen und womöglich den Kaiser ge- 
fangen zu nehmen ^-'). Da der Waffenstillstand erst in 
acht Tagen begann, so beeilte er sich, diese Frist aus- 
zunutzen und griff sofort das kaiserliciie Lager bei Reutte 
an. Die „Vorwacht wurde abgetrieben" und das Kriegs- 
volk nach zweimaligem Widerstände zum Weichen ge- 
bracht. Gegen 1000 Mann wurden erschossen, erstochen 
und gefangen genommen; die anderen zogen sich nach 
der Ehrenberger Klause zurück^-';). 

Ein Theil der kurfürstlichen Truppen umging nun 
in der Nacht auf hohen und ungewöhnlichen Wegen und 
Stegen die Klause und stellte sich im Rücken auf. Früh- 
morgens am 19. Mai rückten die Verbündeten von zwei 
Seiten ge'gen die Feinde vor. Der Pass Avurde erstürmt 
und die Klause zerstört, die Schanzen zerrissen und die 
drei vorhandenen Blockhäuser verbrannt. Das Schloss 
Ehrenberg musste kapitulieren, blieb jedoch als Eigenthum 
König Ferdinands unbesetzt und unangetastet. Von den 
dreizehn bekämpften Fähnlein ergaben sich neun, die 
vier anderen^ darunter ein italienisches, entkamen. Gegen 
30 Geschütze und andere Beute fiel in die Hände der 
Sieger. Alle Gefangenen mussten schwören , sich in 
Innsbruck, Scliwaz und Hall bis auf weiteren Bescheid ein- 
zustellen; doch sollten sie nach altem deutschen Kriegs- 
gebrauche und nicht nach der eingerissenen spanischen 
Kriegsart^-'') behandelt werden^-"'). 

In den fröhlichen Berichten des Kurfürsten'-") wurde 

^"') Eberhard von der Thann reichte darauf eine Verantwortung 
ein, Loc 9142, Johann Friedrichs Custodie und Erleditfung etc. lil. 130. 

^-2) David Schönherr, Der Einfall des Churfürsten Moritz 
von Sachsen in Tirol 1552 (1868). 

'-*) Die nächste Umjjebung der Klause war längst ausgekund- 
schaftet worden, Loc. 9155, Anschlag, wie die Ehrenberger Klause 
zu erobern sei, vom 19. Miirz 1552; D ruffei II, No. 1422. 

^-^) Die spanische Kriegsweise auferlegte den Gefangenen unter 
anderem, zeitlebens nicht wieder gegen den Sieger zu kämpfen. 

'-'") Moritz' Proklamation, Loc. 9145 II, Bl. 294, 338; Druffel II, 
No. 1427. Hans von Diskau verhandelte mit den gefangenen Knechten. 

^■-''') Am 19. Mai sandte der Kurfüi'St einen ausführlichen Be- 
richt an den Herzog von Preussen und ersuchte ihn, auf den Mark- 
grafen Hans, welcher mit dem Kaiser verhandele, nun nicht länger 



Moritz von Sachsen gegen Karl V. 1552. 33 

die Einnahme der Ehrenberger Klause als eine solch' 
herrliche Viktoria hingestellt, bei der jedermann gesehen, 
dass Gott geholfen habe, sonst wäre es unmöglich ge- 
wesen, in solch' grossem Gebirge und solch' befestigter 
Gegend den Feind zu schlagen und das Volk wie die 
Gemsen über die hohen Steinklippen in die Blockhäuser 
zu jagen. 

Die Einnahme der Klause war ohne Zweifel von 
hoher Bedeutung; bis zur Brennerstrasse beherrschten 
jetzt die Bundesiürsten Süddeutschland. Durch die Er- 
stürmung der Ehrenberger Klause ist Moritz von Sachsen 
in der That berühmt geworden. 

Am 20. Mai beriethen die Fürsten, ob sie „den Fuchs 
in seiner Spelunke suchen" sollten. Das Kriegsgiück 
ermuthigte zum Aufbruche nach Innsbruck^'-"). Zuvor 
jedoch wandte sich Kurfürst Moritz aus dem Feldlager 
bei Reutte (am 21. Mai) au König Ferdinand ^■-^), meldete 
die Einnahme der Ehrenberger Klause und erklärte, nichts- 
destoweniger den Passauer Tag besuchen und allen mög- 
lichen Fleiss anwenden zu wollen, um den Kriegs- und 
Reichsbeschwerden abzuhelfend"-^). Da er aber nicht 
wisse, ob der Kaiser wegen des Vorfalles an der Klause 
noch gesonnen sei, den Verhandlungstermin und den 
WafFeustillstaud einzuhalten, so bitte er bis zum 23. Mai 
um Verständigung darüber in Innsbruck. 

Gedenken wir hier kurz des Kaisers und seiner Lage! 
Sobald am 19. Mai nachmittags 3 Uhr^"'*^) die Erstürmung 
der Ehrenberger Klause in Innsbruck gemeldet Avorden 
war, ging er mit König Ferdinand zu Rathe, und beide 
beschlossen, angesichts der drohenden Gefahr nach Bruneck 
abzureisen. Von da wollte dann der König nach Passau 
ziehen und mit den anwesenden Fürsten verhandeln, selbst 
dann, wenn die Verbündeten ausbleiben würden. 

In jenen unruhigen Stunden des 19. Mai, während 



zu sehen, sondern sich zu dein von Gott beschützten Werke zu 
thun. Verspätung sei mehr als Übereilung zu scheuen. Frankreich 
und die andern Stände blickten eürig auf die, welche sich am Bunde 
betheiligen wollten. Der Herzog möire Geld erlegen etc., Loc. 9145 I, 
Bl. 347, 357; Drutfel II, No. 1424,^1476. 

^-') Von Meuterei der Knechte erzählen nur Zeitungen! 

i"s) Loc. 9145 II, Bl. 288 flg. 

^-**) Immer suchte der Kurfürst daran festzuhalten, 
er habe sich einstellen müssen und werde 
nach dem Willen anderer zu handeln. 

130) D ruffei II, No. 1423. 

Neues Archiv f. S. G. u. A. VII. 1. 2. 



34 S. Issleib: 

der Vorbereitung zur Flucht, schlug auch für Joliann 
Friedrich die Befreiungsstunde '■'^'). Nachdem sich König 
Ferdinand in einem kleinen Lustschlosse des königlichen 
Gartens mit ihm unterredet hatte, nahten um 6 Uhr nach- 
mittags Granvella und Heinrich von Plauen nebst zwei 
anderen kaiserlichen Räthen und verkündigten ihm das 
Ende seiner Gefangenschaft. Durch Handschlag und 
fürstliche Zusage aber musste er sich verpflichten, dem 
Hoflager des Kaisers, so lange es für gut angesehen werde, 
ungezwungen zu folgen ■*''-). Abends neun Uhr verliessen 
dann der Kaiser und König Ferdinand beim Scheine 
brennender Windlichter Innsbruck, zogen eine Zeit lang 
südlich auf der Brennerstrasse dahin und bogen darauf 
nach Bruneck ab. Die Flucht von Innsbruck war wohl 
Karls V. tiefste Erniedrigung! 

Von Bruneck aus entsandte König Ferdinand am 

22. Mai an den Kurfürsten Moritz Dr. Zasius mit einer über- 
aus vorwurfsvollen Instruktion wegen der Kriegshandlung 
gegen sein Land und seine Unterthanen und wegen der 
Verfolgung des kaiserlichen Bruders. Und als das von 
Reutte am 21, Mai entsendete kurfürstliche Schreiben am 

23. anlangte, da wiederholte er in seiner eiligen Er- 
widerung ^'^■') die Vorwürfe und betonte vor allem, dass 
der Kaiser schon lange vor Beginn des Krieges mit seinem 
Hoflager in Innsbruck gewesen sei, und dass er ihn als 
Bruder nicht habe vertreiben können. Derselbe habe aus 
freiem Entschlüsse die Grafschaft Tirol verlassen^'"*), und 
demnach sei das Kriegsvolk zurückzuführen. Wegen 
Mangels an Proviant warnte er vor weiterem Vorrücken 
und erklärte die Person des Kaisers für unerreichbar. 
Indem er ausserdem zu bedenken gab, dass eine Ver- 
folgung des Kaisers bis zum Tage des \A'^afFenstillstandes 
die gütliche Handlung eher hindere als fördere, zeigte er 
seine unmittelbar bevorstehende Reise nach Passau an, er- 
neuerte das früher zugeschickte Geleit und versicherte, dass 
der Waffenstillstand unverbrüchlich gehalten werden solle. 

^") Loc. 9142, Johann Friedrichs Custodie und Erledigung etc., 
Bl. 18.3 flg. 

^"-) Melchior von Osse berichtet in seinem Handelbuch: „Jo- 
hann Friedrich ward zu Innsbruck losgegeben und durch König 
Ferdinand selbst losgezählt". Man brauchte seine bisherige Wache 
zur Deckung der Flucht. 

^33) Loc. 9145, II, Bl. 288; Langen n II, .352. 

^^') Bruneck gehörte dem Kardinal von Trient, Ranke V, 177 
(4. Auü.) 



Moritz von Sachsen gegen Karl V. 1552. 35 

Mittlerweile rückte der Kurfürst am 23. Mai in 
Innsbruck ein. Alles, was kaiserlicli und spanisch war, 
gab er den Söldnern preis, das königliche Schloss da- 
gegen und die königlichen Unterthanen Hess er schonen. 
Dr. Zasius wurde freundlich aufgenommen und gnädig 
gehört ^■"). Der Kurfürst bedauerte die Kriegshandlung 
bei der Ehrenberger Klause und gab vor, dass er von 
der Anwesenheit königlicher Truppen nichts gewusst und 
nur die kaiserlichen unter Walter von Hirnheim gesucht 
habe. Zum Vorrücken nach Innsbruck sei er besonders 
durch die Franzosen gezwungen worden. Der Passauer 
Tag sollte besucht, das Kriegsvolk zurückgeführt und 
der Waffenstillstand innegehalten werden ^■^*^). 

In diesen Tagen fasste der Kaiser die Verwendung 
Johann Friedrichs schärfer in's Auge. Ein „Bedenken^ 
vom 23. Mai, welches der Befreite „dem kaiserlichen 
Sekretär Obernburger in die Feder diktierte", gewährt 
einen tiefen Einblick in die Verhandlungen^'^'). Der Kaiser 
sollte, sobald in Passau nichts ausgerichtet werde, die in 
dem Ausschreiben erhobenen Anklagen der Bundesfürsten 
durch eine Gegenschrift widerlegen. Ausserdem sollte er 
sofort und ohne Einschränkung die evangelische Lehre 
und lutherische Predigt dulden und gestatten, durch 
Wiedereinsetzung des Kurfürsten Hermann von Köln, 
den Vorwurf, als schwäche und kränke er die deutsche 
Freiheit, zurückweisen und alle, welche sich der Religion 
und Rebellion wegen vergangen, besonders aber Herzog 
Albrecht von Preussen begnadigen; denn habe dieser 
nichts mehr zu befürchten und Averde sein Vertrag mit 
Polen anerkannt, so wende er sich gewiss mit seinem 
künftigen Schwiegersohn Johann Albrecht von Mecklen- 
burg von den Gegnern auf die kaiserliche Seite. Vor 
der Exekution der Acht seien der König von Frankreich 
und die Bundesfürsten jedoch (laut kaiserlicher Kapitu- 

1^5) Druff el II, 1438. Auf Anrathen des Statthalters und der 
„Regenten" in Innsbruck \\rurden „etliche harte Worte" der Instruk- 
tion beim Vortrage weggelassen. 

'■5") Das Kriegsvolk verliess Innsbruck am 26. Mai, blieb bis 
zum 31. in Füssen und zog dann langsam den Lech entlang nach 
Donauwörth zu. 

"^j Loc. 9142, Johann Friedrichs Custodie und Erledigung etc., 
Bl. 183, 291. Der Herzog hatte neun Tage vorher (14. Mai) etliche 
Artikel übergeben, aber bis dahin keinen Bescheid empfangen. 
Vergleiche W Wenck, Churfürst Moritz und die Ernestiner etc. 43; 
D ruf fei II, No. 1153, 54, 71, 87, 95 und III, No. 1436, S. 437 flg. 



36 S. Issleib: 

lation) nur mit deutschen Truppen aus dem Felde zu 
treiben. Bewillige der Kaiser 100000 Kronen, dann 
wolle er in drei Monaten auf zwei Musterplätzen möglichst 
viele Reiter und drei Regimenter Knechte (30000 Mann) 
zusaramenl)ringen, Kundschafter unterhalten, und unter 
den feindlichen Truppen Meuterei stiften. Mit der obersten 
Kriegsleitung wünschte er König Ferdinand oder Maxi- 
milian betraut zu sehen. Des Landgrafen Gefangenschaft 
sollte niclit weiter verschärft werden und seine Befreiung 
am Ende des Krieges zur gelegenen Zeit gegen genügende 
Garantie erfolgen. Die kursächsischen Länder sollten nach 
ausgesprochener Acht nur an ihn, seine Söhne und seinen 
Bruder, als den wahren Agnaten, vergehen werden, und 
nur er, niemand anders, sollte mit Herzog Augustus und 
seinen Landständen verhandeln dürfen. Sei der Kaiser 
mit König Ferdinand geneigt, gegen Verpfändung der 
ernestinischen Länder 200000 Kronen zu leihen, so erbiete 
er sich, nach Vertreibung des Kurfürsten Moritz vom 
Kriegsschauplatze die Acht zu vollziehen und des Vetters 
Länder auf eigene Kosten einzunehmen etc. — Welch' 
bedeutende Forderungen und weitreichende Anliegen! 

Als in den letzten Maitagen der Kaiser von Bruneck 
über Lienz nach Villach in Kärnthen zog, begann der 
Waffenstillstand, und der Tag von Passau, durch welchen 
die Stadt in diu Reihe der im Zeitalter der Reformation 
berühmt gewordenen Orte trat, nahte ^"^^j. Ende Mai ver- 
sammelten sich König Ferdinand^"'*), Kurfürst Moritz und 
Herzog Georg von Mecklenburg, Herzog Albrecht von 
Bayern, der Erzbischof von Salzburg und der Bischof von 
Eichstädt. Ausserdem fanden sich die Räthe des Kaisers 
ein und die Abgeordneten der Kurfürsten, der Herzöge 
von Württemberg, Jülich, Braunschweig und Pommern, 
des Markgrafen Hans von Küstrin^^"), des Landgrafen 
Wilhelm und des Bischofs von Würzburg. König Hein- 
rich IL von Frankreich war durch Fresse, Bischof von 



"8) Loc. 809:?, Passauische Handlung 1552; Loc. 9145 III, Bl. 30, 
Mordeisens Registratur über die Passauische Handlung. 

^^") König Maximilian blieb in Wien, um Massregeln gegen 
die Türken zu ergreifen; Loc. 9146 IV, Bl. 1 und 2; Druffel II, 
No. 1468, 1477, 1505. 

i'O) Der Markgraf entschuldigte sein Wegbleiben mit Krankheit 
und mit dem zugeschickten ungenügenden Geleit. Die ,, Versicher- 
ung" der Bundesfürsten aber war für alle gleich ausgestellt. 
Loc. 7277, Markgrafien Johannsen hendel etc., Bl. 45; LanzIII, 213. 



Moritz von Sachsen gegen Karl V. 1552, 37 

Bayonne, vertreten^^^). Landgraf Wilhelm und Johann 
Albrecht von Mecklenburg blieben beim Heere ^*-), Mark- 
graf Albrecht suchte Nürnberg, Würzburg und Bamberg 
zu harten Verträgen zu zwingen. 

Die beiden Hauptpersonen der Passauer Tage waren 
König Ferdinand und Kurfürst Moritz. Dieser vertrat 
die Bundesfürsten ; ihm gegenüber standen die kaiserlichen 
Räthe und, wie allgemein angenommen wurde, auch König 
Ferdinand als Vertreter des Kaisers. Auf den Titel 
Unterhändler und Vermittler ^^''j macliten die versammelten 
Stände Anspruch und verlangten demgemäss die Fest- 
stellung der Geschäftsordnung^^^). 

Die Verhandlungen begannen am 1. Juni und nahmen 
zunächst drei volle Wochen in Anspruch ^^^). Als Unter- 
lage diente der Verbündeten Antwort auf die zu Linz 
übergebene königliche Resolution. Darnach sollte des 
Landgrafen Erledigung am Tage der Beurlaubung des 
Kriegsvolkes und nicht 14 Tage später erfolgen. Der 
Religion halben sollte niemand beschwert und für Friede 
und Recht der Reichstagsabschied zu Speier 1544 mass- 
gebend sein. Nicht auf dem Konzile zu Trient oder auf 



1^1) Heinrich II. zeigte sehr wenig Neigung zum Frieden. Seine 
ziemlich vorwurfsvolle Antwort vom LS. Mai auf Kurfürst Moritz' 
Brief vom 3. Mai (Anmerkung 109) findet sich bei Langenn I, 5-2-4. 

"•-) Mit aller Entschiedenheit protestierte Landgraf Wilhelm 
von vornherein gegen einen Abschluss ohne Zustimmung Heinrichs II. 
und gegen die Befreiung des Vaters erst nach Beurlaubung des Kriegs- 
volkes. Hinsichtlich Frankreichs stimmten ihm Herzog Johann 
Albrecht von Mecklenburg und Markgraf Albrecht zu. Loc. 9U5 II, 
Bl. .348, in, Bl. 6 (Instruktion für die Räthe, Innsbruck am 25. Mai). 
Druffel II, No. 1446. Dagegen ermahnte Landgraf Philipp den 
Sohn, den Vertrag mit dem Kaiser anzunehmen und seine Befreiung 
ohne Frankreich durchzusetzen, Kurfürsten Moritz in allen Stücken 
zu folgen und die Trennung von Frankreich durch das Versprechen, 
das geliehene Geld zurückzahlen zu wollen, zu vollziehen, Lanz HI, 
197. Diesen Brief (vom 23. Mai) sandte Landgraf Wilhelm nicht 
an Moritz und entschuldigte sein Verhalten damit, dass die harte 
Gefangenschaft den Vater zu einem solchen Schreiben, durch dessen 
Befolgung sie ehrlos würden, getrieben habe; Loc. 9146 IV, Bl. 23; 
Druffel II, No. 1417. 

1*3) Die Ir.struktionen der württerabergischen und kurpfälzischen 
Gesandten empfahlen, sich mit Bayern, Jülich, Pommern und Branden- 
burg in's Einvernehmen zu setzen und ein möglichst einheitliches 
Vorgehen der weltlichen Fürsten zu betonen. Druffel 11, No. 1435/7. 

1^) Die Stände setzten durch, dass sie abgesondert berathen 
und beschliessen durften. 

1*5) Als Kurfürst Moritz auf Antrag König Ferdinands erschien, 
ging ihm derselbe bis in das Vorgemach entgegen und führte ihn 
ein „mit freundlichem Reden und Lachen". D r uff e 1 III, No. 1447,8.476. 



38 S. Issleib: 

einem Reiclistage, wo die Stände der augshurgisclien Kon- 
fession die Minderzahl bildeten, sondern auf einer all<;e- 
meinen Nationalversammlung sollten die religiösen Irrungen 
verglichen werden ; falls aber keine Einigung erfolge, 
sollte doch jedermann im Frieden leben können. Des 
Reiches Libertät sei herzustellen und der französische Ora- 
tor Fresse um des allgemeinen Friedens willen zu hören. 
Der Kaiser möge alle Geächteten begnadigen, die braun- 
schweigischen Junker restituieren und den Kriegsver- 
wandten Amnestie gewähren. 

Die Ileichsbeschw erden oder gravamina waren in 
einem besonderen Schriftstücke zusammengestellt, dessen 
Einleitung ebenso wie der Inhalt selbst Beachtung ver- 
dient. Da hiess es : „Das heilige römische Reich deutscher 
Nation ist ein freies Reich und keiner anderen Nation 
unterworfen. Es hat durch Wahl der Kurfürsten und 
Fürsten mit der ganzen Christenheit ein weltliches Haupt 
zum Kaiser, der in Reichssachen nach der goldenen Bulle 
und nach dem löblichen Herkommen mit Willen, Wissen 
und Rath der Stände und besonders der Kurfürsten re- 
gieren soll". Auch Karl V., hiess es weiter, habe sich 
zur Zeit der Walil verpflichtet, das Reich und seine 
Glieder bei diesen und anderen Freiheiten, Hoheiten, 
Würden und Gerechtigkeiten und die Kurfürsten bei 
ihrer Präeminenz und Wahlfreiheit bleiben zu lassen. 
Seit etlichen Jahren aber werde die Freiheit beeinträch- 
tigt. Ausdrücklich sei der Kaiser verpflichtet, alle kaiser- 
lichen, köniolichen und Reichsämter mit o-eborenen Deut- 
sehen zu besetzen; allein Fremdlinge hätten die Regierung 
aller Reichssachen, sowie die Verwaltung der Kanzlei 
und der Reichssiegel, die doch von alters her den drei 
geistlichen Kurfürsten gebühre, an sich gebracht. Nach 
der goldenen Bulle solle in wichtigen Dingen nichts ohne 
die Kurfürsten gehandelt werden ; allein der Kurfürsten- 
rath sei missachtet und hintangesetzt worden. Man gehe 
damit um, die Wahlfreiheit der Kurfürsten einzuschränken 
und eine Erbmonarchie aufzurichten. Auf den Reichs- 
tagen werde die Autorität des Kurfürstenrathes verletzt 
und die freie Abstimmimg der Stände beeinträchtigt; man 
errege unter den Ständen Widerwillen und benachtheilige 
sie; ja die Kurfürsten müssten Versaminluugstage zur 
Erörterung der Reichsbeschwerden scheuen. Die kaiser- 
lichen Hofbeamten erlaubten sich Eingriffe in die Erz- 
und Unterämter, in die kurfürstlichen und fürstlichen 



Moritz von Sachsen gegen Karl V, 1552. 39 

Gefälle etc. Durcli Annalnne von Appellationen schmälere 
das Reicliskannnergericht die Präerainenz und Freiheiten 
der Kurfürsten und Fürsten. All<2;emein herrsche die 
Klage, dass viele Reichsstände in ihren Obliegenheiten 
wenig Schutz fänden. Oft sei beim Kaiser und den 
kaiserlichen Käthen kaum Audienz für die deutschen 
Angelegenheiten zu erhalten. Langsam erfolge jeder 
Bescheid und wegen Unkenntnis der deutschen Sprache 
auch ungründlich ; schwierig und nur mit grossen Kosten 
seien Erlasse aus der Reichskanzlei zu haben. Allen 
Deutschen sei der Kriegsdienst ausserhalb des Reiches 
gegen das alte Herkommen verboten; aber der Kaiser 
habe ohne Bewilligung der Reichsstände fremdes Kriegs- 
volk in das Reich geführt und daselbst im Frieden unter- 
halten. Die neue Kammergerichtsordnung sei beschwer- 
lich und bedürfe der Revision etc. etc. 

Da die Passauer Stände die im Reiche herrschenden 
Übelstände kannten und selbst empfunden hatten, so 
wurde die kurfürstliche Beschwerdeführung allerseits bei- 
fällig aufgenommen. Ehe man sich aber in die über- 
gebenen kurfürstlichen Schriften vertiefte und sie mit der 
von Seid überbrachten kaiserlichen Erklärung verglich, 
wurde erörtert, ob der französische Orator zu hören sei 
oder nicht ^^*'). Kurfürst Moritz trat für die Audienz ein, 
König Ferdinand dagegen lehnte sie im Sinne des Kaisers 
dreimal ab, da Fresse nicht nach Passau eingeladen sei 
und mit ihren Verhandlungen nichts zu thun habe; zuletzt 
stellte er den Ständen anheira, ihn zu hören oder zurück- 
zuweisen. Nach erfolgter Erwägung, dass die erbetene 
Audienz dem Völkerrechte zufolge nicht leicht abzuschlagen 
sei, und dass die Ablehnung derselben den französischen 
König hart verletzen, dem Reiche schaden und die Frie- 
densverhandlungen stören könne, bewilligten die Stände 
Gehör, legten aber die zugestellte Werbung des Orators 
dem Könige mit der Erklärung vor, ohne ihn keine Ant- 
wort ertheilen zu wollen. Darin waren doch alle einig, 
den französischen Einfluss möglichst fernzuhalten. Nur 
zu bald fühlte Fresse seine völlige Zurücksetzung; für 
seine Sicherheit fürchtend ^^^), entwich er (am 9. Juni) 
in das Kriegslager der Bundesfürsten, ungeachtet der 



1*6) D ruf fei II, No. 1489; Lanz III, 223. 
1-1') Vielleicht erfuhr er, dass der Kaiser den Befehl gegeben 
hatte, ihn -womöglich festzunehmen. Lanz III, 237. 



40 S. Issleib: 

kurfürstliclien Vertröstung, cla8S man ihm nach Erledigung 
der beschwerhchsten Artikel gewiss eine zufriedenstellende 
Antwort geben werde. 

Am Pfingstfeste den 5. Juni früh 5 Uhr begann die 
Borathung über die Befreiung des Landgrafen. Die 
Stände stimmten dem kurfürstlichen Antrage zu, dass 
der Landgraf am Tage der Beurlaubung des Kricgsvolkes 
befreit werden solle; denn seine Gefangenschaft sei der 
Hauptgrund des Krieges und seine Befreiung werde den 
Frieden im Reiche zweifellos zur Folge haben. Von 
lästiger Verpflichtung frei, würden die Kurfürsten von 
Sachsen und Brandenburg um so williger dem Kaiser 
und dem lleiche dienen etc. Indessen die kaiserlichen 
Räthe hielten daran fest, dass der Landgraf erst 14 Tage 
nach der Beurlaubung des Kriegsvolkes erledigt werden 
solle; sie bewilligten auch nicht, dass derselbe am Tage 
der Entlassung des Kriegsvolkes in die Hand des Kur- 
fürsten von Köln oder des Herzogs von Jülich gestellt 
und 14 Tage später, wenn alle hessischen Angelegenheiten 
geordnet worden seien, freigegebc>n werde. Darauf bot 
König Ferdinand dem Kurfürsten von Sachsen Asseku- 
ration für die Befreiung des Landgrafen an, zunächst in 
seinem, seiner Söhne und aller nach Passau geladenen 
Fürsten Namen "^) und dann, als die Gesandten sich 
ohne besondere Vollmachten nicht einlassen wollten, in 
seinem und seiner Söhne Namen. Vergebens! Kurfürst 
Moritz glaubte den kaiserlichen Räthen nicht weichen zu 
dürfen. Eine Privatverhandlung zwischen ihm, Albrecht 
von Bayern und dem Bischöfe von Passau führte nach 
langer Hin- und Herberathung dahin, dass der Kurfürst 
seine Mitverwandten zur Bewilligung eines weiteren drei- 
wöchentlichen Anstandes vom 12. Juni an bewegen wollte; 
nach Abhandlung aller Punkte sollte dann die Beurlaubung 
des Kriegsvolkes und die Befreiung des Landgrafen gleich- 
zeitig am 3. Juli stattfinden. Darauf baten die beiden 
Vermittler König Ferdinand, zuzustinmien und des Kriegs- 
volkes wegen kein Misstrauen zu hegen, besonders wenn 
er mit dem Kurfürsten über einen Türkenzug verhandelet^''). 

"ä) Herzog Albrecht von Bayern und der Bischof von Passau 
stimmten zu. 

119) Ferdinand wollte durchaus verhindert wissen, dass das 
Kriegsvolk Heinrich II. zuziehe. Dringend forderte er auch Auf- 
hebung des mit Frankreicli geschlossenen Bündnisses. Kurfürst 
Moritz erbot sich, darüber eine dem Hauptvertrage zugefügte Bei- 
obligation zu geben. 



Moritz von Sachsen gegen Karl V. 1552. 41 

Tnzwisclien aber hatte sich König Ferdinand den kaiser- 
lichen Käthen genähert und hielt mit ihnen an den 14 Tagen 
hinsichtlich der landgräflichen Befreiung fest. Des Kaisers 
Wunsch und Wille sei, gab er an, dass es mit dem Kriegs- 
volke nicht vrieder wie vor JMagdeburg gehe. Um jedoch 
die Verhandlungen nicht nutzlos zu verschleppen oder zu 
stören, schlug er am 7. Juni vor, den unerledigten Punkt 
einstweilen zu verlassen, über die anderen Artikel schlüssig 
zu werden und dann alle Vereinbarungen dem Kaiser 
zu übersenden und dessen letzte Erklärung einzuholen. 

Da dieser Vorschlag keinen erheblichen Widerspruch 
fand und Kurfürst Moritz eine siebentägige Verlängerung 
des ablaufenden Waffenstillstandes bewilligte, so wurden 
die Verhandlungen über die weiteren Vertragsartikel 
vorgenommen. 

Hinsichtlich der Punkte Religion, Friede und Recht 
kam es zu den wiclitigen Beschlüssen, die darauf hinaus- 
liefen, dass zwischen dem Kaiser, dem römischen Könige 
und allen Ständen der deutschen Nation — katholischen 
und evangelischen — beständiger Friede herrschen und 
gleiches Recht für alle gehandhabt werden solle. Der 
Religion wegen sollten alle Reichsstände auf einem Reichs- 
tage berathen, ob ein General- oder Nationalkonzil, eine 
allgemeine Reichsversammlung oder ein Colloquium im 
Stande sein möge, den bestehenden Zwiespalt zu schlichten. 
Der Friede aber sollte auch dann Bestand haben, falls 
keine religiöse Einigkeit erzielt werde. 

Weiter einigte man sich, die Reichsbeschwerden auf 
den nächsten Reichstag zu verschieben. Dem französischen 
Gesandten sollte eine Antwort nachgeschickt av erden, welche 
keine Störung der Verhandlungen verursache ; aber über 
die Privatforderungen König Heinrichs H. sollte Kurfürst 
Moritz des Kaisers Resolution einholen. Im Namen des 
Kaisers gestand König Ferdinand Aussöhnung, Restituier- 
ung und Begnadigung der Geächteten^"'"), Vertriebenen ^■^^) 
und am Kriege Betheiligten zu. Kommissare sollten zwi- 
schen Herzog Heinrich und den braunschweigischen Jun- 
kern verhandeln. 



150) ^^tij. nennen Heideck, Reifenberg, Schärtlin, Reckerod, 
Graf Christof von Oldenburg, Graf Albrecht von Mansfeld und Söhne. 

"1) Pfalzgraf Ottheinrlch, Fürst Wolf von Anhalt, die braun- 
schweigischen Junker etc. Die württembergische Angelegenheit 
wurde zurückgewiesen, da König Ferdinand mit Herzog Christof 



bereits in Unterhandlung stand. 



42 S. Issleib: 

Oboleicli Kurfürst Moritz bereits am 14. Juni in das 
Feldlager zurückkehren wollte, blieb er doch schliesslich, 
bis man alle Artikel behandelt und in einer Scln-ift an 
den Kaiser zusammengestellt hatte ■■''*-'). Am 22. Juni bat 
ihn König Ferdinand in Gegenwart des Herzogs von 
Bayern, den Abmachungen für sich und seine Bundes- 
genossen endgiltig zuzustimmen; allein er erkhärte, seine 
Mitverwandten ebenso wie der König den Kaiser noch- 
mals hören zu müssen. Darauf ersuchte ihn Ferdinand 
inständig, nach der Rückkehr aus dem Lager keine neuen 
Artikel vorzubringen und die Antwort der Verbündeten 
vor der Mittheilung der kaiserlichen Resolution vorzu- 
legen ■'■''''). Auf dringend anhaltendes Verlangen bewilligte 
der Kurfürst Waffenstillstand bis zum 3. Juli, ja er ge- 
stand zuletzt Verlängerung desselben bis zum 18. Juli zu, 
vorausgesetzt, dass der Kaiser den Waifenstillstand halte, 
die Friedensverhandlungen fortgesetzt und der Landgraf 
am genannten 18. Juli zu Rheinfels auf freien Fuss gesetzt 
werde. Mit dem Versprechen, in zehn Tagen wieder ein- 
zutreffen, verliess er am 24. Juni Passau. 

Wie oft hatte der Handel geschwankt und wie oft 
waren die Dinge „wunderlich duicheinander gelaufen ^■'^). 
Die Privatsachen hatten zuweilen weit mehr als die allge- 
meinen eine Verständigung erschwert. Nun war man doch 
vorläufig soweit gekommen, dass die Vertragsartikel an den 
kaiserlichen Hof und in das Kriegslager wanderten, um 
angenommen oder verworfen zu werden ^■^■''). König Fer- 



^^-) Allerseits gebeten, ersuchte er den Markgrafen Albreclit, von 
seiner Feindseligkeit gegen Nürnberg, Würzl.urg und Bamberg ab- 
zulassen und den Frieden befördern zu helfen. Vertraulich rieth 
er, den Bogen nicht allzuhoch gegen Nürnberg zu spannen und mit 
lüOOOO Gulden zufrieden zu sein. Loc. üi^a IV, Bl, 137 tlg.; Druf- 
fel II, No. 1510, 15?i9; IIF, No. IUI, S. 477 unten. 

^''2) Druffel II, No. 15(!3. Kurfürst Moritz wünschte am 
18. Juni, dass man den Vertrag dem Kaiser einfach zur Katitikation 
und Siegelung übersende, oder die ganze Handlung solle hinfällig 
sein. Er selbst wollte mit einer Kopie des Vertrages in's Lager 
reiten, die kaiserliche Eiklärung erwarten und dann günstigenfalls 
mit seinen Verbündeten den Vertrag ohne fernere Disputation und 
Grübelei annehmen etc. 

i5i) Loc. 8093, Passauische Handlung 1652, Bl. 4 und 8502, 
Handschreiben des Churfürsten Moritz an Augustus, Bl, 161. Am 
13. Juni schrieb der Kurfürst dem Bruder: „I>ie Vertragshandlung 
stehet noch allhie auf der Wage, kann sobald zurückgehen als vor 
sich". Druffel II, No. I.'i24, 1545. 

155) Am 23. Juni schickte Moritz dem Bruder einen Auszug 
der l'assauer Vereinbarunger mit der Bitte, denselben, da die Sachen 



Moritz von Sachsen gegen Karl Y. 1552. 43 

dinand und die kaiserlichen Rätlie verliehlten sich keinen 
Augenblick die Schwierigkeiten, auf welche die Passauer 
Beschlüsse beim Kaiser und Granvella stossen würden, 
und Kurfürst Moritz war auf einen schweren Kampf im 
Lager gefasst. Ein gereizter Briefwechsel hatte sich 
zwischen ihm und seinem Schwager entsponnen, dessen 
Avir kurz gedenken müssen ■^*'"). 

Gleich am Anfange der Verhandlungen theilte Land- 
graf \A'ilhelm im höchsten Vertrauen mit^'"''), dass er von 
vielen Personen hohen und niederen Standes erfahren 
habe, der Tag von Passau sei „auf nichts anders denn 
auf Betrug angesetzt", damit der Feind inzwischen rüsten, 
sie entzweien und schwächen könne. Auch erzälile man 
viel von einem pfäffischen Anschlag ^"^^), Der Kurfürst 
solle nicht zu viel trauen und dem Doktor Kramtsvogel 
(Kram), Carlowitz^'^^) und anderen nicht soviel glauben. 
Hinter allen Vorschlägen stecke Falschheit. 

Als darauf Kurfürst Moritz nach Zurückweisung der 
Warnungen und Verdächtigungen^*'*') über die gepflogenen 
Verhandlungen, über die vom Könige Ferdinand gefor- 
derte Trennung von Frankreich ^*^^) und über die ge- 
wünschte Beurlaubung des Kriegsvolkes zu Gunsten des 
Türkenkrieges berichtete, da erinnerte Landgraf Wilhelm 
vorwurfsvoll und leidenschaftlich^*^') an die durch Hand- 
schlag bekräftigte Verpflichtung gegen Heinrich IL und 
forderte, als Biedermann zu handeln und nicht siegellos, 
treulos und meineidig zu werden. Eher wünsche er, der 
Erdboden gehe unter, als dass sie beide solche Schande 
auf sich laden sollten. Er (Moritz) möge sich der ehr- 

noch auf der Wage stünden, für sich zu behalten und nicht weit 
aus der Hand zu geben, den Leuten den Teufel schwarz genug vor- 
zubilden und das Kriegsvolk bis zur Ratifikation zusammenzuhalten. 
Loc. 8502, Handschreiben an Augustus und Loc. 9146 IV, Bl. 227; 
Druffel II, No. 1582. 

i^'^) In den Briefen des Landgrafen kommen Ausdrücke und 
Redewendungen vor, die den höchsten Grad des Unanständigen 
erreichen. 

1") Briefe von Landsberg am Lech und von Egweil (2. — 10. Juni) 
Loc. 9146 IV, Bl. 54, 134; Druffel II, No. 1490, 1501, 1520. 

158) Dagegen erhielt Granvella Nachricht, der Kurfürst habe 
600 Reiter in der Nähe von Passau zu einem Anschlage gegen den 
König und die Stände verborgen. 

159) Beide galten für gut kaiserlich. 

160) Am 10. Juni schrieb er: auf Treue und Glauben sei er 
in Passau und habe noch keine Untreue gemerkt. 

löi) Siehe Anmerkung 119. 

"2) Loc. 9146 IV, Bl. 171, 188, 214; Druffel II, No. 1551, 1565. 



44 S- Issleib: 

losen Handlung in Passau entsclilagen und zum Kriegs- 
volke kommen. Emsig rüste der Feind allerorten. In 
Summa: die Handlung zu Passau sei nichts als Betrug, 
um sie von Frankreich zu trennen, untereinander zu ent- 
zweien und dann desto besser aufzufressen. Moritz solle 
zurückkelircn; dem Feinde rechtschaffen ins Herz ziehen 
und mit Ernst angreifen. Er selbst sei nicht gesonnen, 
sich im Rücken Frankreichs zu vertragen ; zur langen 
Verhandlung werde auch der König kein Geld geben. 
Der Kurfürst werde sehen, was geschehe, wenn man das 
Kriegsvolk vor Abschluss des Vertrages laufen lasse. 
Habe man dem Gegner den Pelz einmal recht ausge- 
klopft, dann werde er alles wohlfeiler geben etc. 

Weiter theilte der Landgraf am 19. Juni ^'"'■") neben 
Johann Albrecht von Mecklenburg, Pfalzgraf Otthein- 
rich und den Franzosen mit, sie seien aus hohen Ursachen 
in das Bisthum Eichstädt gezogen ^''^) und gedächten nach 
fünf Tagen dem gemeinen Werke zum Besten zu han- 
deln, es treffe gleich Bayern, Württemberg, Mainz, den 
römischen König u. a. Auch die Treue des Kriegsvolkes 
solle erprobt werden, um zu ermitteln, wer für oder gegen 
sie sei. Da der Kurfürst sich durch gefährliche Handlung 
hinhalten lasse, so müssten sie ihre Ehre und Nothdurft 
bedenken. 

In geharnischten Erwiderungsschreiben •^^■''*) erinnerte 
der Kurfürst an seinen treuen und äussersten Fleiss und 
betonte warnend, dass sie den Kaiser doch noch nicht 
im Eisen hätten und von ihm erzwingen könnten, was 
sie wollten. Als nächster Blutsverwandter habe er sich 
keineswegs solcher anzügigen und ehrenrührigen Schriften 
imd solcher spitzigen und scliimpflichen Stichworte ver- 
sehen; zu solchen Ermahnungen sei der Landgraf zu 
jung und unerfahren etc. Was er des Vaters Erledigung 
halben gehandelt, das habe er treuherzig in guter Meinung 
imd pflichtschuldig gethan. Wolle aber der Schwager 
die Befreiung hindern, so müsse er solches dahinstellen. 
Was er sonst gethan, das sei allein zur Erhaltung der 
wahren christlichen evangelischen Lehre und der alther- 
gebrachten, löblichen deutschen Freiheit, zur Aufrichtung 



103) Loc. 9146 IV, Bl. 232; D ruffei II, No. 1567. 

i<") Der Bischof war in Passaii, sein Gebiet durfte also nicht 
bötrötGi) wcrclGii« 

lö'^) Loc. 9146 IV, 190, 234, 241', Druffel II, No. 1557 (vergl. 
1562), 1578, 1588. 



Moritz von Sachsen gegen Karl V. 1552. 45 

eines beständigen Friedens und zur Ausrottun^^ allen Miss- 
trauens, in Summa: zur Beförderung der Wohlfahrt des 
geliebten Vaterlandes deutscher Nation geschehen. Könne 
der Landgraf auch das nicht leiden, dann möge er hin- 
fahren und den Leuten folgen, die schon vorher fast zum 
Verderben gerathen hätten. Werde es gut, so wolle er 
sehen; fahre man aber den Karren in den Dreck, so dürfe 
man ihn nicht anklagen etc. Die Führung des Kriegs- 
volkes habe er nicht übernommen, um sein eigenes Vater- 
land zu verheeren und zu verderben. Frankreich habe 
die Verpflichtung, am 24. Mai das Geld für drei folgende 
Monate zu erlegen, das sei nicht geschehen. Bis zur Stunde 
wisse er nicht, wo Stumpf und Stiel sei. Unschwer werde 
erkannt, wie man den Vertrag zu lialten gedenke; man 
wolle nur sehen, wie sich die Dinge anliessen. Er fordere 
Bezahlung und wolle wissen, wie man zu Frankreich 
stehe, es werfe darüber den Rüssel auf, wer wolle. Feld- 
herr des Kriegsvolkes sei er und niemand anders. Der 
französische Orator möge mit solchem Ernst und Fleiss, 
wie er sich fremder Händel unterziehe, die rechtzeitige 
Bezahlung befördern. Er erwarte, dass die Obristen und 
das Kriegsvolk den geleisteten Eid ehrlich und nach 
deutschem Brauche halten würden. Auch die Fürsten 
möchten sich nicht unterstehen, gegen ihn etwas Feind- 
liches vorzunehmen. Geschehe etwas Ungereimtes, so 
werde er seine Nothdurft bedenken etc. Hierauf erklärte 
Landgraf Wilhelm, er habe keine besondere Lust zum 
Kriege und wolle sich nicht verhetzen lassen, sondern 
gebührlich erzeigen. 

Der Briefwechsel beider dauerte bis zur Ankunft des 
Kurfürsten im Feldlager (am 26. Juni)^*'*''). Sobald dann 
der Landgraf die Passauer Beschlüsse kennen lernte, 
m'ässigte er seine Leidenschaft. Nur war ihm unklar, 
wie die Bewilligung des französischen Königs und die Rück- 
kehr des Bruders aus Frankreich erlangt werden könne. 
Daher legte der Kurfürst dem Orator Fresse an's Herz, 
die Sache dahin zu richten, dass zwischen dem König 
und ihm die angeknüpfte Freundschaft erhalten bleibe. 
Glimpflich wollte er sich mit Heinrich H. auseinander- 
setzen; aber niemand sollte ihm nachsagen können, „der 



"6) Selbst Moritz' Gattin Agnes ermahnte den Bruder zum 
Frieden am .3. Juli aus Dresden, Loc. 8498, Moritz' Handschreiben 
an seine Gemahlin 1547—53, Bl. 28. 



46 S. Issleib: 

Franzosen wegen habe er sein Vaterland zu Grunde ge- 
richtet und mit den Türken stehe er im Einverständnisse"^*^'). 

Berücksichtigen wir hier folgendes. Seit der Flucht 
von Innsbruck nach Villach betrieb Karl V. mit zäher 
Energie allerorten Rüstungen. Kaiserliche Befehle ^"*^) 
bevollmächtigten Konrad von Hanstein, Philipp von P^ber- 
stein u. a., Kriegsvolk zu werben und allen gehorsamen 
Reichsständen gegen die französischen Konspirationsver- 
waudten Beistand zu leisten. Ein hoher Erlass^**") gebot 
ausserdem allen Unterthanen des Reiches, die kaiserlichen 
Obristen auf alle Weise zu unterstützen. Kraft kaiser- 
licher Machtvollkommenheit wurden alle von den Bundes- 
fürsten und ihrem Anhange aufgedrungenen Obligationen 
für hinfällig, null und nichtig erklärt. Man bemühte sich, 
die Städte Strassburg, Ulm^'*'), Regensburg, Nürnberg, 
Würzburg, Frankfurt etc. in der Treue zum Kaiser zu 
erhalten und Augsburg wieder zu gewinnen. Die See- 
städte, Herzog Heinrich von Braunschweig, Markgraf 
Hans von Küstrin wurden eifrig umworben und die 
Stände in Passau vertraulich angegangen^''). 

Überdies war neben dem Kaiser Herzog Johann 
Friedrich seit dem 27. Mai in Plänen gegen den Vetter 
unermüdlich thätig^'"). Indem er aller Welt seine Be- 
freiung anzeigte, bat er jedermann um Geld und Hilfe. 
Strassburg, Ulm, Augsburg, Nürnberg etc. wurden zur Er- 
legung der 80,0ÜÜ Gulden, welche die oberländischen Städte 
1546 im Feldlager zu Giengen zur Wiedereroberung der 
von Moritz besetzten Kurlande bewilligt hatten, ersucht. 
Erasmus von Minckwitz eilte nach Venedig, um etliche 
Tausend Dukaten aufzutreiben^"'^). An Herzog Albrecht 

^*'") Über Dr. Zasius' Anwesenheit und Ausspäherei im Lager 
siehe Druffel II, No. 1618 flg. 

1«^) Druffel II, No. 1531. 

10») Ebenda No. 1499. 

!"•>) Loc. 914ß IV, 131. 282; Druffel II, No. 1624. 

1"') Druffel II, No. 1.378 (vergl. 1691), 147G flg. 

1"-) Loc. 9142, Johann Friedrich's Custodio und Erledigung etc., 
. Bl. 196 flg.; Druffel II, No. 1453 flg. 

!"■') In Venedig war kein Geld aufzubringen. Man sah gern, 
wenn der Kaiser etwas geschwiiclit wurde, und die „Kaufleute im 
deutschen Hause" neigten zu Moi-itz Minckwitz beklagte, dass der 
Kurfürst überall seine „Verräther" habe. — Hier sei bemerkt, dass 
es nicht lohnt, auf den Briefwechsel des Kurfürsten mit 
Herkules von Ferrara einzugehen. Diese italienische Freund- 
schaft hat die deutschen Verhältnisse nicht beeinflusst, Loc. 8499, 
Ferrair, Herzog Herkules von Ferrair Schreiben an Moritz 1548 — 53. 



Moritz von Sachsen gegen Karl V. 1552. 47 

von Bayern, Christof von Württemberg, Markgraf Hans etc. 
ergingen Hilfsgesuche^'^). In Passau suchte man für 
Johann Friedrich Stimmung zu machen, im Lager der 
Bundesfürsten zettelte man Praktiken an, nach Nürnberg 
wurde ein gegen den Markgrafen Albreclit ermuthigendes 
Schreiben geschafft und der bekannte Praktikant und 
AVerbeobrist Chius Berner erhielt Aufträge, Truppen zu 
werben. Wenn der Passauer Vertrag nicht zu stände 
kam, dann hoffte Johann Friedrich, den Kaiser zur 
Wiederanerkennung des schraalkaldischen Bundes zu 
bewegen, um Hessen, Brandenburg, Nassau und Jülich, 
Herzog Augustus von Sachsen, Albrecht von Preussen, 
Erich von Braunschweig und die sächsischen Städte (auch 
Magdeburg) gegen Moritz zu vereinigen. 

Bald hörte man auch von der Ansammlung ansehn- 
lichen Kriegsvolkes um Asch äffen bürg, Frankfurt am Main, 
Eegensburg, um Köln, Paderborn und Höxter, in Schle- 
sien, Böhmen, Salzburg und am Bodensee: überall, wne 
es hiess, zu Gunsten des bedrängten Kaisers und des alten 
Kurfürsten. Es rüsteten Markgraf Haus, Kurfürst Joachim 
und Herzog Heinrich von Braunschweig. Indem man auf 
ein Zusammenwirken dieser Fürsten mit dem Obristen 
von Hanstein, welcher von Aschaffenburg und Frankfurt 
aus Hessen bedrohte, lossteuerte, hoffte der kaiserliche 
Hof, die „verzweifelten Leute", welche den Lärm in 
deutscher Nation angefangen hätten, sollten den am Kaiser 
verübten Schimpf bald bereuen müssen. 

Zieht man dies alles in Betracht, so wird das Ver- 
halten des Landgrafen Wilhelm erklärlich. Von vielen 
Vorgängen unterrichtet, drängte er stürmisch zum Ab- 
bruche der Passauer Verhandlungen und zur energischen 
Fortsetzung des Krieges^"), während Kurfürst Moritz 
zunächst für den Frieden eintrat und jedes fernere Un- 
wetter womöglich abzulenken suchte. Mit gezücktem, 
siegreichem Schwerte in der Hand beurtheilte Landgraf 
Wilhelm alles vom Kriegslager aus; der Kurfürst sah 
auf die Verhältnisse, wie sie ihm hauptsächlich in Passau 
erschienen waren. Nicht nur den Kaiser glaubte er be- 
rücksichtigen zu müssen, sondern auch die vermittelnden 



1"^) Druffel II, No. 1458, U87, 15U. 

^"') Auch den Markgrafen Albrecht war die Passauer Verhand- 
lung ein Ärgernis, denn der Kaiser wolle mittlerweile nur auf die 
Beine kommen ; wenig neigte er zur Aussöhnung mit Karl V., Loc. 
9146 IV, Bh 261 flg.; Druffel II, No. 1605, 1607, 1614, 1644. 



48 S- Issleib: 

Reiclisstände, welche doch weit mehr zum Frieden als 
zum Kriege neigten. Einmüthig- hatten sie sich dahin 
ausgesprochen, keinen Ki'ieg in Deutschland ferner dulden 
zu wollen. Wie gefährlich, wenn Moritz ihre Gunst — 
in fast allen Punkten standen sie auf seiner Seite — ver- 
scherzte und auf Wunsch und Willen des leidenschaft- 
lichen Schwagers den Krieg rücksichtslos wieder anfachte; 
wie vorthcilhaft dagegen, wenn der Kaiser die Friedens- 
bemühungen aller raissachtete und durch verletzende 
Unnachgiebigkeit den Kampf von neuem verschuldete. 
Daher blickte Moritz zur erhobenen Friedenspalrae empor 
und schaute nieder nach dem gesenkten Schwerte. Nahm 
der Kaiser den Vertrag an, dann hiess er den Frieden 
willkommen, verwarf er ihn, dann ging Deutschland dem 
Entscheidungskampfe entgegen ^^'^). 

Mittlerweile verlor er nichts aus dem Auge. Rastlos 
thätig zog er jeden Umstand in Betracht und erwog 
alles nach dem möglichen Vortheil oder Nachtheil; er 
b.ifahl, verordnete, suchte anzuspornen und zu verhüten. 
Mit Ernst und Strenge sollte Herzog Augustus die Kur- 
lande regieren, bis zum Frieden das Kriegsvolk zusam- 
menhalten und im Falle wirklicher Noth Hessen mit 
lOUO Reitern zur Hilfe ziehen^^"). Wegen der Rüstungen 
in Böhmen beruhigte er und warnte, durch Irrthum nicht 
aneinander zu gerathen, weil die Truppen um Eger nur de- 
fensive gegen den Markgrafen Albrecht, von dem es licisse, 
er rücke von Nürnberg gegen Böhmen vor, versammelt 
worden seien •'^'^). Die Belagerung und Einnahme Goslars 
durch Herzog Heinrich von Braunschweig erschien ihm 
eher vorthcilhaft als nachtheilig, das werde ihni; meinte 
er, „die sächsischen Städte fein zujagen'"'''). Weiter nahm 
er an, dass Markgraf Hans im Interesse des Bundes rüste, 
„da es aber gleich anders gemeint sei", schrieb er, „so 



1™) Im Locat 9155 liegt des Kurfürsten und seiner Kriegs- 
verwandten gestellte Entschuldigung und Verwarnungsschrift, welche 
ausgehen sollte, wenn der Passauer Vertrag nicht erfolgt wäre. 

^") Loc. 8502, Handschreiben des Churiürstcn Moritz an Au- 
gustus, Bl. 157, KU-, Druffel II, No. 15U7, 1545. Unterstützt von 
hessischen Landsassen und drei Geschwadern markgrätiicher Keiter 
wurde Christof von Oldenburg gegen Hanstein verwendet. 

'■"«) Loc. 9146 IV, 131. 249, Loc. 8502, Handschreiben etc., Bl. 173; 
Druffel II, No. 1589, 1598 und 1G08. Mitte Juni hatte der Mark- 
graf mit Nürnberg einen Yertrag geschlossen, No. 1564/5. 

1™) Loc. 9146 iV, Bl. 134, 160/4, 198, 200, 227; Druffel II, 
No. 1520 tlg. 



Moritz von Sachsen gegen Karl V. 1552. 49 

könne aus flieser A^'^olke so gar gross Wetter nicht er- 
folgen" ^^«). 

Im Heerlager nun einigte sich der Kurfürst mit dem 
Landgrafen Wilhelm daliin, dass dieser in Rücksicht der 
Türkennoth den Vertrag annehmen wollte, wenn die Be- 
freiung des Vaters den 24. Juli sicher erfolgen solle, wenn 
alle mit König Ferdinand vereinbarten Artikel klar und 
bestimmt beibelialten würden und den Bundesfürsten ge- 
stattet bleibe, Heinrichs II. Zustimmung zum Vertrage 
einzuholen ^^^^j. Dann eilte er wieder nach Passau und 
traf daselbst am 2. Juli abends ein. Am andern Morgen 
früh 7 Uhr lanote die kaiserliche Resolution neben Briefen 
an den König, an die kaiserlichen Räthe und an die 
Stände an. 

König Ferdinand hatte, unterstützt durch die kaiser- 
lichen Räth.e, inständig gebeten, die Passauer Beschlüsse 
ohne Änderung anzunehmen. Er hatte auf die gefähr- 
deten katholischen Kirchen fürsten hingewiesen und die 
Besorgnis ausget-prochen, alle Stände der augsburgischen 
Konfession möchten sich den Bundesfürsten anschliessend 
wenn der Vertrag der Religion wegen scheitere. Die 
Erfahrung zeige, dass man gegen die neue Lehre mit dem 
Schwerte nichts ausrichte etc.^*^-). 

Allein der Kaiser war nicht zu bewegen, einen be- 
ständigen Frieden zu gewähren, weil dann die Empörer 
der verdienten Strafe entgehen würden. Um Zeit für die 
begonnenen Rüstungen zu gewinnen, muthete er König- 
Ferdinand zu, laut früherer Vollmacht für seine Person 
Frieden zu schliessen, ohne ihn zu binden. Den Ständen 
rieth er, die Geoner weit mehr als ihn zum Frieden zu 
ermahnen und des Reiches Autorität ungeschwächt zu 
erhalten. Seinen Kommissaren befahl er, falls Friede ge- 
schlossen werde, die Stände um Beistand gegen Frankreich 
anzugehen ^^■'). Das übersandte Passauer Aktenstück wollte 



^80) Loc. 9145 I, Bl. .346, 9U6 IV, Bl. 227; D ruffei 11, 
No. 1554, 1582, 1670. Markgraf Hans verhandelte einerseits mit dem 
Kaiser über Pension und Kriegsditnste, andererseits brachte er beim 
Kurlürsten die schon mehrfacli- nachgesuchte Erklärung über das 
Detensivbündnis in Erinnerung und bat, von seiner Meinung über 
Religion, Reform des Kammergerichtes etc. nicht abzulassen. 

^si) Druffel Ilf, No. 14n, S. 526, 5.31. Heinrich II. wollte 
seine Irrung mit dem Kaiser den Passauer Ständen anheimstellen. 

18-2; Lanz III, 305 Hg. 

i*ä) Gegen sie äusserte er sich, König Ferdinand scheine nicht 
offen zu verfahren. 

Neues Archiv f. S. G u A. VII. 1. 2. 4 



50 S. Issleib: 

er nicht als einen Vertragsentwurf ansehen, sondern viel- 
mehr als ein Protokoll oder als ein Konzept, das niuunehr 
zur Grundlaoe eines Vertrages dienen könne etc. Des 
Landgrafen Befreiung sollte nicht vor der Trennung des 
Kricgsvolkes oder vor dem Eintritte desselben in die könig- 
lichen Dienste erfolgen. An der Ausschliessung Frank- 
reichs vom Vertrage hielt er fest. Durch klare und be- 
stimmte Ausdrücke; welche weder Deutungen noch Aus- 
flüchte zuliessen, sollten sich die Bundesfüisten zur Ab- 
dankung der Truppen und zum Austritte aus dem fran- 
zösischen Bündnisse verpflicliten. Die Religionsangelegen- 
heit wollte er, mit Vorbehalt aller kaiserliclien Autorität, 
noch einmal an den Reiclistag bringen, aber von Be- 
willigung eines dauernden Friedens wollte er nichts wissen, 
weil er sonst die Ketzereien dulden müsse, selbst wenn 
er wieder stark genug sei, sie zu bekämpfen und die 
Einheit der Christenheit herzustellen. Lieber wollte er 
Deutschland verlassen, als sich in religiösen Dingen mit 
öewissensskrupeln beladen. Den Wünschen der Deutschen 
setzte er seine geistlichen Pflicliten als Kaiser entgegen. 
Die erhobenen Beschwerden verschob er auf den Reichs- 
tag etc. 

Unter solchen Umständen zögerte König Ferdinand, 
die kaiserliche Resolution vorzulegen, und begnügte sich 
mit der Anzeige, dass der Kaiser unerwartete Schwierig- 
keiten in den Weg gelegt habe Ungeachtet dringlicher 
Geschäfte in seinen Erblanden wollte er aber zum Bruder 
eilen, mündlich verhandeln und in acht Tagen zurück- 
kehren. Der Kurfürst sollte den Verzug entschuldigen, 
in Passau bleiben, oder ins Lager reiten und seine Mit- 
verwandten zur Geduld ermahnen; alles sollte bis zum 
24. Juli, dem vom Kurfürsten beantragten Schlusstermine, 
verrichtet sein. Er wollte Verhandlung der Stände mit 
Frankreich befürworten ; allein die Annahme des Vertrages 
sollte nicht an Heinrichs II. Zustimmung gebunden sein. 

Heftig beschwerte sieh Kurfürst jMoritz über die ver- 
letzende kaiserliche Resolution, bedauerte des Königs un- 
genügende Vollmacht, stellte alle Dinge Gott anheim und 
wollte an der Fortsetzung des Krieges und an der künf- 
tigen Zerrüttung des Reiches schuldlos sein. Unmöglich 
könne er ferneren Waffenstillstand bewilligen, versicherte 
er, oder dafür bürgen, dass seine Mitverwandten bei der 
letzten Resolution, die nur infolge der Vertröstung auf 
gute kaiserliche EntSchliessungen hin, abgerungen worden 



Moritz von Sachsen gegen Kail V. 155 2. 51 

sei , stehen bleiben würden. Im Lager wollte er des 
Kaisers endglltige Bewilligung erwarten ; abermalige Rück- 
kelir nach Passau hielt er für zu beschwerlich. Wieder- 
holt wies er jede Verantwortung übler Folgen von sich 
ab, und weigerte sich, unter so ungünstigen Verhältnissen 
nähere Erklärungen über den Markgrafen Albrecht und 
über die Stellung der Bundesgenossen zu Frankreich abzu- 
geben^^^). Feierlichst ersuchte er die Stände, sich wie 
wahre Mitglieder des deutschen Reiches zu verhalten und 
sich nicht gegen ihn bewegen zu lassen ; er werde ihnen 
alle Freundschuft erzeigen. 

Infolge dieser kurfürstlichen Haltung erachtete der 
König seine Reise zum Kaiser für zwecklos, und erst 
dann nahm er den Reiseplan wieder auf, als der Kurfürst 
nach längerer Unterredung zugestand, bei seinen Mitver- 
wandten die Annahme des Vertrages in der festgesetzten 
Form durchsetzen zu wollen, falls der Kaiser demselben 
simpliciter et praecise zustimme. 

Darauf reiste der Kurfürst in aller Frühe des 5. Juli 
in das Lager ab. Gleichen Tages vereinbarten die Stände 
ein Schreiben an den Kaiser, worin sie auf das Unter- 
thänigste vnn Annahme des Vertrages baten. Am 6. Juli 
jagte dann der römische König auf einer Eilpost nach 
Villach, und Abgeordnete der Stände begaben sich zu 
den Kriegsfürsten, um einen weiteren achttägigen Waffen- 
stillstand zu erbitten. 

In Villach^*'") bot König Ferdinand (vom 8.— 10. Juli) 
alle Mittel auf, den Wiederausbrucli des deutschen Krieges 
zu verhindern. Die Annahme der meisten Punkte setzte 
er auch durch; allein in einigen richtete er nichts aus. 
Standhaft erklärte Kaiser Karl V. lieber zu Grunde gehen 
als sein Gewissen beschweren und seine Pflicht versäumen 
zu wollen. Religionsfrieden bewilligte er nur bis zum 
künftigen Reichstage, nicht weiter, und strich aus dem 
Vertragsentwurf die Worte, dass die zwiespältige Religions- 
sache allein auf gütlichem Wege zum Austrage zu bringen 
sei. Über die „Beschwerden" sollte in seiner Gegenwart 
und unter seiner persönlichen Mitwirkung auf dem Reichs- 
tage verhandelt werden. 

Am Vd. Juli spät abends nach Passau zurückgekehrt, 



^^) iCönig Ferdinand wollte wissen, ob Markgraf Albrecht den 
Vertrag auch annehmen und Landgraf Wilhelm seine Bewilligung 
durchaus von Frankreichs Zustimmung abhängig machen werde. 

18') La uz III, .S58 flg. 



4* 



52 S. Issleib: 

zeigte König Ferdinand tags darauf an^^^), dass der Kaiser 
die beiden Punkte über Religion und Reiclisbeschvverden 
nur in veränderter Form angenommen habe, und schlug 
vor, die Bundesfürsten in Eile zu ersuchen, den Vertrag 
nach dem Willen des Kaisers anzunehmen ^^^). Da die 
Stände grössere Nachgiebigkeit erwartet hatten, so fragten 
sie am 15. Juli beim Könige an, ob er noch einen „Neben- 
befehl" habe. Allein er antwortete, an der kaiserlichen 
Resolution könne er keinen Buchstaben ändern ; doch 
habe er soviel gemerkt, dass der Kaiser der Religion 
wegen keinen Krieg anfangen und keinen Stand des 
Reiches mit Gewalt von seinem Glauben abbringen wolle •^^^). 

Nachdem noch einige kleine Abänderungen durch- 
gesetzt worden waren, wurde der Vertrag am 16. Juli 
angenommen und in drei Reinschriften für den Kaiser, 
für die Bundesfürsten und für die Mainzer Kanzlei ge- 
bracht. Im Entwürfe eines Schreibens an den Kurfürsten 
stand zunächst die verbindliche Zusage, dass die 
Stände auf dem nächsten Reichstage des dauernden Frie- 
dens halben derselben ^leinung Avie in Passau sein und 
bleiben wollten. Indessen auf beharrlichen Wunsch des 
Königs wurde dieser Satz in die allgemeine Ver- 
tröstung umgewandelt, dass die Passauer »Stände auf dem 
künftigen Reichstage alles, was zur Aufrichtung und Erhal- 
tung eines beständigen Friedens dienlich sei, mit höchstem 
Fleisse befördern wollten. Der Kurfürst sollte ihrem Bei- 
spiele folgen, die kaiserlichen Änderungen nicht anfechten 
und mit seinen Verbündeten den Vertrag annehmen. 

Unverzüglich wurden darauf Adam Trott ^^^) und der 
clevische Hofmeister Wilhelm von Neuhofcn genannt Ley 
in das Lager abgefertigt und tags darauf (17. Juli) folgte 
Heinrich von Plauen mit dem unterschriebenen und be- 
siegelten Vertrage und mit dem kaiserlichen Entwürfe 
zur Ratiiikation des Vertrages. Am 18. Juli lehnte König 
Ferdinand eine Antwort auf das Schreiben des fran- 
zösischjen Orators vom 29. Juni ab, da es der Kaiser für 
unnöthig erachte, sich mit Heinrich II. als Friedens- 



*^) Den Räthen befahl der Kaiser, alle Gegner zum Yertrage 
zu verpflichten, oder seine Verbindlichkeit höre auf. 

^^"^j Kurfürst Moritz war nicht wieder in Passau, vergleiche 
Ranke V, 196 (4. Aufl.). 

188) D ruffei II, No. 1654/9. 

18») Log. 914.5 III, Bl. 490, 504; Loc. 10041, Verschiedene 
Schriften etc. 



Moritz von Sachsen gegen Karl V. 1552. 53 

brecher, Scliürer des Türkenkrieges und Belästiger der 
deutschen Nation weiter einzulassen ^^'^). In diesen Tagen 
gab Karl V. kund ^^^), dass die Befreiung des Landgrafen 
erst nacli der Annahme des abgeänderten Vertrages er- 
folgen solle, gab der Königin-Schwester Maria Weisung, 
den Gefangenen bis auf weiteres wohl zu verwahren und 
liess Heinrich von Plauen beauftragen, binnen acht Tagen 
eine Erklärung der Bundesfürsten durchzusetzen. 

Mittlerweile war Kurfürst Moritz im Lager bei Mer- 
gentheim im Gebiete des Deutschmeisters angelangt, und 
da der Kaiser keinen wahren Ernst zum Frieden zeigte 
und alle möglichen Vortheile ausbeutete, so glaubte auch 
er auf seinen Nutzen sehen zu müssen. Kriegsmuthig 
richtete er sein Hauptaugenmerk auf Frankfurt als den 
wichtigsten kaiserlichen Musterplatz. Wie im Mai bei 
Reutte, so sollten jetzt hier die versammelten Knechte in 
alle Winde getrieben werden. Alle Truppen der Bundes- 
fürsten wurden dahin dirigiert. 'NA'ährend sich Markgraf 
Albrecht und Christof von Oldenburg ^^'^) von Aschaffen- 
burg aus über Seligenstadt Frankfurt näherten und am 
19. Juli bis an die Stadtthore heranstürmten, rückte der 
Kurfürst über Bischofsheim ^^■^) und Obernburg nach der 
Mainebene vor und eröffnete am 20. Juli den Angriff 
gegen die Reichsstadt. An demselben Tage wurde Herzog 
Georg von Mecklenburg tödlich verwundet ^^^), und Kur- 
fürst Moritz soll, als er die Übergabe der Stadt forderte, 
die bittere Antwort bekonmien haben, er möge erst fromm 
werden und die Judasfarbe ablegen. Frankfurt war mit 
Proviant, Geschütz und Munition reichlich versehen, und 
muthio- hielt das kaiserliche Kriegsvolk Stand. Weil es 
den Bundesfürsten an Belagerungsmitteln fehlte, so wurden 
die Nachbarfürsten, die Pfalzgrafen, der Bischof von Würz- 
burg u. a. um Geschütz und Pulver ersucht. An Kur- 
pfalz, Jülich, Köln, Mainz und Trier erging (am 23. Juli) 
die Anfrage, wessen man sich zu ihnen versehen solle. 
Um angeblich Geld und Geschütze aufzutreiben, verliess 



19«) Loc. 91 J=5 III, Bl. 4G7, 502 ; D r ii f f e 1 III, No. 1447, S. 526 u. 539. 

191) Lanz III, 379 flg. Der Kaiser befand sicli am 17. Juli 
auf der Rückreise nach Deutschland in Lienz. 

192) Loc. 9145 in, Bl. 483 flg. und 9146 IV, Bl. 30G flg. 

19») Von hier aus forderte er am 12. Juli Memmingen auf, die 
päpstlichen Pfaffen abzuschaffen und die verjagten evangelischen 
Prediger zurückzurufen. Loc. 9145 II, Bl. 417, 111,428; Druffel II, 
No. IßSl, ]fi47. 

19*) Siehe Druffel III, No. 1447 S. 517. 



54 S. Issleib: 

Markgraf Albrecht das Frankfurter Gebiet und rückte nnt 
seinem Heerliaufen in die Stifter Mainz, Worms und Speier ^ **'•). 
In Wahrheit wollte er wohl ein Zusammentreffen mit den 
Abgeordneten aus Passau vermeiden, welche am 24. Juli 
abends nahten und am andern Morgen gehört wurden. 

Ihre Eröffinmgen befriedigten keineswegs^'""*). Land- 
graf Wilhelm wurde iieftig erregt, und Kurfürst Moritz 
führte ernstliche Beschwerde namentlich über den ab- 
geänderten Rcligionsartikel. Nachdrücklich forderte er, 
der Kaiser solle bei der Linzer Zusage bleiben und inner- 
halb eines halben Jahres vor allem der Religion und 
Beschwerden wegen einen Reichstag berufen. Der Punkt, 
welcher Frankreich betreffe, sei gar schimpflich gestellt 
und gebe des Kaisers Geniüth deutlich zu erkennen etc. 

Ungeachtet des um Frieden bittenden Vaters^"') 
zögerten Moritz und Wilhelm, den Vertrag anzunehmen. 
Der junge Landgraf-"*^) forderte am 26. Juli den Kur- 
fürsten von Brandenburg auf, sich in vierzehn Tagen 
einzustellen, da die Passauer Handlung nichts als eitel 
Betrug und Gerede sei, und Moritz''''*) ersuchte den Herzog 
von Preussen, seiner Verpflichtung nachzukommen und 
den Markgrafen Hans von weiteren Ausflüchten abzu- 
halten'-*"*). Heinrich von Plauen, Adam Trott und die 
anderen hatten einen schweren Stand. 

Sollte aber Kurfürst Moritz der beiden abgeänderten 
Artikel und Frankreichs wegen einen Krieg auf Leben 
imd Tod wagen, sollte er Aclitserklärung-*") und Johann 
Friedrichs Wiedererliebnng zum Kurfürsten über sich 
ergehen lassen, die Befreiung des Landgrafen und die 
durch lange Verhandlungen errungenen, nicht unbedeu- 
tenden Zugeständnisse wieder auf das Spiel setzen? Eben 



lö^) Über seine Verhandlungen mit Kurpfalz, "Württemberg und 
Bayern siebe Loc. 9146 lY, Bl. 3.36, 353, .358 flg. Druffel II, 
No. 1673, 1670 flg. 

1»«) Druffel II, No. 1692, 1694. 

'0^) Schreiben vom 1. Juli, Loc. 9146 IV, Bl. 276; vergleiche 
Druffel II, Xo. 1622. 

188) Loc. 9146 IV, Bl. 356 flg. 

i"") Loc. 7277, Marggraffen Johannsen hendel etc., Bl. 45; 
Druffel II, No. 1678. 

200) Landgraf Wilhelm erzählte Dr. Zasius, dass Markgraf Hans 
der erste Urheber des Bundes gewesen sei; allein da man nicht 
gleich alle Dinge durcbaus nach seinem Kopfe habe richten wollen, 
sei er ausgerissen etc. Druffel IT, No. I(i91. 

-Ol) Die Achts- und Exekutoiialbriefe gegen die Kriegsfürsten 
und ihre Helfer waren schon ausgefertigt. Druffel II, No. 1704, 



Moritz von Satliscn gegen Karl Y. 1552. 55 

zur recliten Zeit erreichte ihn des Herzogs von Bayern 
ireiindschaftliche Bitte, die Sache zu gutem Frieden zu 
richten-**-). Infolge dieser und anderer Einwirkungen 
erkUirte Moritz am 31. Juli, im besten Vertrauen zu König 
Ferdinand und den Passauer Ständen den Vertrag an- 
nehmen inid vollziehen zu wollen. 

Es geschah am 1. August zu Rödelheim bei Frank- 
furt ; mit ihm unterzeichneten Landgraf ^A'illielm und 
Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg-**'^). Am fol- 
genden Tage wurde dann festgesetzt-"*], dass der Land- 
graf am IL oder 12. August zu Rheinfels befreit und 
die kaiserliche Ratifikation am 15. August in Donauwörth 
überreicht werden solle. Mit Beginn des Friedens, am 
3. August, sollte das Kriegsvolk das Frankfurter Lager 
verlassen und nach der Donau vorrücken '-**'). Der Kur- 
fürst erklärte sich bereit, König Ferdinand zu Gefallen 
in Person gegen die Türken zu ziehen, wenn der Vetter 
Johann Friedrich bis zu seiner Rückkehr aus Ungarn 
am kaiserlichen Hofe gehalten werdC; oder wenn er bis 
zum 14. August eine Versicherung ausstelle, dass er nebst 
seinen Söhnen nicht gegen die Wittenberger Kapitulation, 
noch gegen die später erfolgte kaiserliche Deklaration, 
noch gegen die am kaiserlichen Hofgerichte erkannten 
Urtheile handeln, noch etwas gegen die kurfürstlichen 
Lande vornehmen wolle. 

Sichtlich erfreut über den Ausgang der Verhandlungen, 
ersuchte König Ferdinand am 6. August'-*^*') den Kaiser, 
die schleunige Befreiung des Landgrafen zu befehlen, den 
Vertrag zu ratifizieren und bezüglich Johann Friedrichs 
geeignete Schritte zu ihun. Dann entliess er am 8. Au- 
gust die Stände zu Passau -*''^). 

Vergessen Avir nicht zu bemerken, dass Markgraf 
Albrecht den Passauer Vertrag nicht annahm und die 
Verbindung mit Frankreich aufrecht erhielt. Zornig nannte 

202) Brief vom 26. Juli, Loc. 9145 III, Bl. 518. 

203) Loc. 9145 III, 151. 543, 57J/9 ; Druffel II, No. 1698 und 
III, No. 1640, S. 648; Lanz III, 409. Ranke V, 198 giebt den 
29. Juli an (4. Aufl.). 

2W) Durch eine „Caution" und einen „Nebenvertrag". 

205) Am 3. August meldete Kurfürst Moritz seiner Gemahlin 
die Annahme des Vertrages mit dem Wunsche: Gott gebe, dass er 
gehalten werde. Bald hoffte er bei ihr zu sein; doch müsse er noch 
ein trübes Wetter klar machen helfen. Loc. 8498, Churfürst Moritzens 
Schreiben an seine Gemahlin, Bl 26. 

206) Loc. 9153, Assecuration etc., Bl. 67; Lanz III, 422, 430 flg. 

207) Mordeisen und Carlowitz riethen dem Kurfürsten, an den 



56 S. Issleib: 

er den Kurfürsten einen Judas und Ileldeck einen ehr- 
losen Bösewicht. Durch Praktiken brachte er es dahin, 
dass das Keifenbergische Regiment sich beim Aufbruche 
aus dem Lager vor Frankfurt von den sächsischen und. 
hessisclien Trn.ppen trennte und dass viele Knechte auf 
freiem Felde davonliefen""'^). 

Eineij Bruch mit Frankreich suchte Kurfürst Moritz 
zu vermeiden, weil sonst der Kaiser wenig oder nichts 
lialten werde-""*}. Als die für die Annahme des Vertra<j;es 
entscheidenden Gründe gab er Heinrich If. die sichere 
Befreiung des Landgrafen und die Türkennoth an. Gern 
wollte er sich mit ihm bei günstiger Gelegenheit über 
ein weiteres und gründliches Verständnis vergleichen. 
Ein aufgestelltes Verzeichnis über die Bundesleistungen 
bezweckte, dem Könige zu veranschaulichen, wie weit 
Moritz dem Bündnisse nachgekommen sei, was er erreicht 
habe und noch zu vollziehen gedenke und wozu er ausser- 
dem erbötig sei. Ln Namen der Bundesfürsten und der 
ganzen Nation dankte er für die zur Errettung der deut- 
schen Freiheit dargebotene Hllfe-^"*)- 

Als der Kaiser von der Annahme des Vertrages ge- 
hört hatte, war er unentschlossen, ob er die Ratifikation 
ausstellen solle. Das Bündnis der Gegner war gelöst, 
die Einigkeit der Fürsten dahin und die Forderung, auch 
Markgraf Albrecht müsse den Vertrag anerkennen, nicht 
erfüllt'-'^). Dazu kam, dass Herzog Heinrich von Braun- 
schweig gegen den Vertrag protestierte und den Kurfürsten 
von Sachsen als Kommissar in Sachen der braunschwei- 
gischen Junker verAvarf. Überdies hob sich sein kaiser- 
liches Ansehen, und die Streitkräfte wuchsen. Daher liess 
er dem Bruder Ferdinand eröffnen-'-): er sehe jetzt die 
Möglichkeit, den gehorsamen Ständen Hilfe zu gewähren; 
allzudrückend seien die Passauer Bedingungen und der 



Kaiser zu senden oder zu schreiben und sich des tüiegszngos halben 
zu entschukligen, auch den königlichen Käthen und der königlichen 
Kanzlei eine „Verehrung" zu geben. Loc. 9115 III, Bl. 520 Hg., ö.3(>. 

-"■') Herzog Angustus erhielt Befehl, in Thüringen auf die 
Flüchtlinge zu fahnden und sie an die Bäume zu hängen, Loc. 8502, 
Handschreiben an Angustus, Bl. 177/8. 

-ö»J Loc. 7281, Französische Verbundnisse etc., ßl. 195, 202 flg.; 
D ruffei II, No. 17.S7, III, No. 1700, S. 555 flg. 

-^'') Der König bedauerte zwar der t'ürsten Eile zum Vertrage, 
doch wollte er iu seiner guten Gesinnung zur Erhaltung und Be- 
schirmung der deutschen Freiheit verharren. 

-'!) Druffel II, No. 1745. 

-'-} Lanz III, 425, 439, 448, 465. 



Moritz von Sachsen gegen Karl V. 1552. 57 

Kurfürst sei nocli im Stande, den Vertrag nicht zu halten. 
Wer stehe dafür, dass er nicht wiederum einen Streich 
spiele wie vor Magdeburg; der Königin Maria befahl er am 
8. August, die Befreiung des Landgrafen zu verzögern. 

Über das Verhalten des Kaisers gerieth König Fer- 
dinand in die peinlichste Verlegenheit. Er beschwor ihn, 
den Vertrag zu ratifizieren, und betheuerte, seine Besorg- 
nisse seien unbegründet, da das Kriegsvolk bereits ihm 
(Ferdinand) geschworen habe. Des Kurfürsten Hilfe 
könne er nicht mehr entbehren, und Bruch des Vertrages 
werde ihm, seinem Hause und seinen Ländern zum Ver- 
derben gereichen. Nicht minder Avie Ferdinand wurde 
Königin Maria betroffen. Als der letzte kaiserliche Be- 
fehl bei ihr eintraf, war der Landgraf schon der Kerker- 
haft in Meeheln entlassen und befand sich in Brüssel, um 
die letzten Sicherheiten zu gewährleisten. 

Heinrich von Plauen sah sich genöthigt, dem Kur- 
fürsten von Passau aus am IL August anzuzeigen "'^■^), 
dass wegen eines Missverständnisses die Befreiung des 
Landgrafen am bestimmten Termine nicht erfolgen könne; 
doch eile er ungesäumt zum Kaiser, um weitere Ver- 
zögerung zu verhüten, und hoffe trotzdem noch den 13. 
oder 14. August in Donauwörth einzutrelTen. 

Sofort erwachte im Kurfürsten das grösste Miss- 
trauen. „Ganz bekümmerten Gemüthes", voll Unmuth und 
Erbitterung schrieb er an Mordeisen und Carlowitz, an 
den Landgrafen Wilhelm, an den Kurfürsten von Branden- 
burg und König Ferdinand (am 15. August), dass der 
Landgraf durch spanischen Missverstand in die Custodien 
gekommen sei und ungeachtet des klaren, verständlichen 
Vertrages wider Treue, Ehre, Recht und Billigkeit auf 
falsche betrügerische Weise noch länger daiün gehalten 
werden solle. Da sich schon beim ersten und vornehm- 
sten Vertragsartikel spanische Untreue zeige, so könne 
erkannt werden, was die Kaiserlichen in den andern, 
meist auf Schrauben gesetzten Punkten thun wollten. Er 
fürchtete Beschwerden, Bedrängnis und Gewalt. 

Indessen den Bemühungen Heinrichs von Plauen und 
Albrechts von Bayern gelang es, den Kaiser, welcher in 
München verweilte, zur Ratifikation des Vertrages zu 
bew^egen. Am 16. August erhielt Königin Maria Befehl, 



213) Loc. 9145 III, Bl. 587, 591, 600, 607, 620; Druffel II, 
Xo. 1734/5; Lanz III, 456. 



58 S. Issleib: 

die Freihissiing" des Landgrafen zu Leschlcunigen, und 
Heinrich von Plauen eilte nach Donauwörth^ wo dann 
die letzten Verhandlungen am 19. August stattfanden. Der 
Landgraf sollte den 2. September in Rheinfels auf freien 
Fuss gestellt werden -^^). Tags darauf verliess Kurfürst 
Moritz Donauwörth und ritt in die Heimath, um vor dem 
Tiirkenzuge noeh einen Landtag in Dresden abzuhalten. 

Am 27. August Avurde Herzog Johann Friedrich in 
Augsburg vom Kaiser zu Gnaden angenommen und gänz- 
lich freigesprochen. jNlit Ehren, Titeln, Wappen, Gerech- 
tigkeiten etc. von neuem ausgestattet, erliielt er als Herzog 
von Sachsen, Landgraf von Thüringen und Markgraf von 
Mcissen die Landestheile und Ansprüche, welche die 
Wittenberger Kapitulation seinen Söhnen und Erben ein- 
geräumt hatte. Alle Ernestiner fanden Aviederum Auf- 
nahme In die sächsische Gesamtlehnschaft, und die alte 
Erbverbrüderung zwischen Sachsen und Hessen blieb 
unangefochten. Der Kaiser gestattete den Wiederaufbau 
der Festung Gotha und versprach, nichts gegen die Reli- 
gion vorzunehmen'-^'^). 

Die vom Kurfürsten Moritz geforderte Assekuration 
stellte Johann Friedrich am 31. August aus. Darin ver- 
pflichtete er sich, die Wittenberger Kapitulation bis auf 
die des Kaisers Person betreffenden und wieder aufge- 
hobenen oder veränderten Artikel zu halten, gegen die 
Vettern nichts heimlich oder öffentlich anzustiften oder 
vorzunehmen und binnen drei Monaten die von seinem 
Bruder Johann Ernst und seinen Söhnen ratifizierte, vom 
Herzog Wilhelm von Jülich, Franz Otto von Lüneburg, 
Philipp von Pommern und Markgraf Hans von Küstrin 
verbürgte Sicherheit an den kaiserlichen Hof zu senden-^**). 
Dagegen sollten Moritz und Augustus binnen drei Mo- 
naten zusagen und vom Kurfürsten von Brandenburg, 
Herzog Albrecht von Bayern, Christof von Württemberg 
und Heinrich von Plauen verbürgen lassen, dass Johann 
Friedrich bei der abgeänderten Wittenberger Kapitulation 
bleiben und darüber hinaus in keiner Weise beschwert 



-^*) Eine schriftliche Kaution verpflichtete die Bundesfürsten, 
deui Vertrage ebenso nachzusetzen als ob die Befreiung am 11. oder 
12. August erfolgt sei etc. 

215) Urkunde No. 11457; Loc. 9142, Johann Friedrichs Custodie 
und Erledigung etc., Bl. 298, 303, 349 flg.: Lanz III, 480. 

-1'*) In der Urkunde No. 11458 ist statt Philipp von Pommern 
Hans Albrecht von Mecklenburg aufgezählt, vergl. No. 11480. 



Moritz von Sachsen gegen Karl Y. 1552, 50 

oder vergewaltigt werden solle"''). Vertreter der beiden 
sächsischen Landschaften'-'^) sollten innerhalb der be- 
stimmten Frist durch gegenseitige Verschreibungen die 
fürstlichen Assekurationen im Namen der gemein:n Land- 
stände bekräftigen. Die ,Ji'iungen" der Vettern sollten 
durch eine kaiserliche Kommission, aus obengenannten 
fürstlichen Bürgen zusammengesetzt, auf Grund der Nauni- 
burger Verhandlungen (1551) binnen Jahresfrist rechtlich 
oder gütlich beigelegt werden etc. 

Inzwischen führte Kurfürst Moritz seinen zusamnien- 
berufenen Landständen-'") alle Ereignisse vom Toi gauer 
Landtage an bis zum Passauer Vertrage vor, zeigte an, 
was er ausser der Befreiung des Landgrafen -"-") in be- 
treff der Keligion, der deutschen Freiheit, der Begnadig- 
ungen etc. erreicht habe, verkündigte seinen Entschluss, 
mit König INIaximilian nach Ungarn gegen die Türken 
ziehen zu w^ollen und verhandelte dann über Erlegung 
des gemeinen Pfennigs, über Schuldentilgung etc. Die 
Bewilligungen der Landstände zeigten, dass sich zwischen 
dem Landesfürsten und den Unterthanen endlich ein ver- 
trauensvolles Verhältnis Bahn zu brechen begann. Jeder- 
mann erkannte die grosse That des kühnen, jugendlichen 
Kurfürsten an. 

Während darauf die befreiten Fürsten, Landgraf 
Philipp und Herzog Johann Friedrich, anfangs September 
in die Heimath zurückkehrten"--^), ritt Kurfürst Moritz 
nach Wien, um gegen die Türken zu Felde zu ziehen. 

So endete der Kriegszug des Kurfürsten Moritz von 
Sachsen gegen Kaiser Karl V. 1552-"). 



21'') Nach mancherlei Einwendungen stellte Kurfürst Moritz die 
Gegenversicherung am ib. September in Wien aus, Loc. 9155, Asse- 
curationen etc., Bl. 73, Urkunde No. 11458. 

-1*) Von jeder Landschaft drei Grafen und Herren, zehn Vor- 
nehme vom Adel und drei Stadtbürger. 

-19) Loc. g.'iöS, 1) Handlung so auf dem Landtage zu Dresden 
in der Wochen nach Bartholomey (24. August) 1552 gehalten etc., 
2) Dressdnische Landtagshandlung 1552. 

-0) Für Johann Friedrich den Älteren von Weimar konnte er 
nach seiner Aussage deshalb nicht eintreten, weil sich vor allem 
Markgraf Hans wieder abgetrennt habe. 

-1) Loc. 9142, Johann Friedrichs Custodie und Erledigung, 
Bl. 112; Loc. 9145 III, Bl 687. 

-2) Die Kosten desselben wurden auf 639 189 Gulden 6 Batzen 
7V2 Pfennig berechnet, Loc. 10939, Kriegsrechnung etc. 1552. 



II. 

Zur Entstehungsgeschichte der städtischen und 
adeligen Patronatstellen in den sächsischen 

Landesschulen 

unter besonderer Berücksichtigung der Freistellen des 
Geschlechtes von Schönberg in der Landesschule St. Afra 

zu Meissen. 

Von 

Bernhard von Schönberg. 



Die Entstehung der städtischen und adeligen Frei- 
stellen in den sächsischen Landesschulen hat zwar bereits 
in der so verdienstlichen Gesciiichte der Landesschule 
St. Afra zu Meissen von Theodor Flathe eine akten- 
mässige Darstellung gefunden ; immerhin aber konnte dies, 
der Natur der Sache nach, nur innerhalb der durch den 
Gegenstand des Buches gesteckten Grenzen geschehen. 
Wenn indes jene Entstehungsgeschichte auch nach an- 
deren Richtungen hin mehrfach ein allgemeines Interesse 
bietet, so dürfte es sich rechtfertigen, dieses Gebiet zum 
Gegenstande einer besonderen Untersuchung zu machen. 

Dabei tritt zunäclist als der leitende Gesichtspunkt 
hervor, dass ein grosser Theil der kirchlichen Stiftungen 
namentlich des späteren Mittelalters ihrem eigentlichen 
Wesen und thatsächlichen Zwecke nach unter den Begriff 
von Familienstiftungen fiel. 

Sind hierzu im weiteren Sinne schon alle Stiftungen 
zu rechnen, welche ausschliesslich zm- Beförderung des 



Bernhard von Schönberg: Zur Entstehnngsgeschithte etc. (]] 

Sccleulieiles einzelner oder sämtlicher Faniilienangeliö- 
riger, oder auch nur zur periodischen Auffrischung der 
pietätvollen Erinnerung an solche, oder zur Hebung des 
äusseren Einflusses und Ansehens des Geschlechtes dienen 
sollten : so ganz besonders solche Stiftungen, welche neben 
der Erfüllung gottesdienstlicher oder seelsorgerischer 
Zwecke gleichzeitig der materiellen Versorgung von Fa- 
milienangehörigen gewidmet waren, zumal wenn dieser 
Zweck in dem Vorbehalte des Patronat- oder Ver- 
leihungs-Rechtes eine dauernde Sicherstellung fand. 

Der Gesichtspunkt der Familien Stiftung machte 
sich nun, als zur Zeit der Reformation die Nothwendig- 
keit herantrat, über die Güter der Klöster und anderer 
kirchlicher Stiftungen Verfügung zu treffen, hauptsächlich 
in Bezug auf die Nonnenklöster und auf die unter 
weltlichem Patronatrechte stehenden Altarlehen 
geltend. 

Die ersteren kommen insofern in Frage, als damals 
ganz allgemein die Unterbringung von Töchtern in einem 
Kloster gegen entsprechende Mitgift — bei dem Nonnen- 
kloster zu Freiberg z. B. scheinen 500 Rheinische Gulden 
üblich gewesen zu sein — als die angemessenste Art der 
Versorgung nächst der Verheirathung angesehen wurde, 
und daher das Vermögen vieler Nonnenklöster haupt- 
sächlich aus derartigen Stiftungen entstanden war. 

Als solche Klöster sind, nächst den Klöstern zu Leip- 
zig, Sornzig und Döbeln, insbesondere in Beziehung zum 
Geschlechte von Schönberg die Klöster zu Seusslitz, 
Riesa, Grossenhain, Niratschen und zum heiligen Kreuz bei 
Meissen zu nennen ; der meisten Beliebtheit aber erfreute 
sich bei diesem, wie bei anderen' Adelsgeschlechtern seit 
dem Anfange des 16. Jahrhunderts das unter der Regier- 
ung der Priorin Barbara Schröter aus sehr unbefrie- 
digenden Zuständen zu grossem Ansehen erhobene Jung- 
frauenkloster zu Freibero;. Im Jahre 1506 hatte dasselbe 
44 geweihte Jungfrauen, 13 eingesegnete ungeweihte 
Jungfrauen und 10 Laienschwestern ^). Aus dem Gc- 
schlechte von Schönberg, welchem die letzten 4 Prio- 
rinnen entstammten, werden in dem Visitationsprotokolle 
vom 29. Januar 1542") 7 Nonnen namhaft gemacht. 



^) Vergl. Urk. vom 12. Dezember 1506 im Cod. d. Sax. r. II, 
12, 459, No. 680. 

2) Cod. d. Sax. r. II, 12, 521, No. 737. 



62 Bernliard von Schöiiber? 



b • 



Hierin findet es seine naturgemässe ErkUirun<r, wenn 
die LandötJlude, als die Kloster^üter säkularisiert und 
zum grössten Theile zu kirchlichen und Schulzwecken 
verwendet wurden, auf den Landtagen von 1547 und 
1553 darauf antrug-en, dass aus den Überschüssen zwei 
günstig gelegene Klöster dazu eingerichtet werden möch- 
ten, um darin arme Jungfrauen vom Adel in ihrer Jugend 
zur Zucht und Lehre zu halten und zu erziehen, dann 
aber angemessen auszustatten und zu versorgen, und zwar 
100 zu Freiberg und 60 zu Langensalza''). Die Ver- 
handlungen endeten damit, dass der Kurfürst August 
unter dem 1. Oktober 1555 die Einrichtung von 3 Jung- 
frauenschulen — zu Freiberg für 40, zu Mülilberg für 40 
und zu Langensalza für 30 Personen — anordnete''). 
Zu völliger und bleibender Ausführung aber gelangte die 
Anordnung nicht. Anderwärts entstanden so die welt- 
lichen Stifte für adelige Fräuleins. 

Handelte es sich in Bezug auf die Nonnenklöster 
mehr um Erwägimgen der Billigkeit, so wurden da- 
gegen Rechtsansprüche aus dem Patronatrechte über 
Pfründen abgeleitet und fanden auch zunächst in der 
Instruktion des Kurfürsten Johann für die Kirchen- 
visitatoren vom 16. Juni 1527 -^j eine Anerkennung und 
Berücksichtigung wenigstens insofern, als danach zwar 
ira^ allgemeinen die bisherigen Einkünfte der Pfarren, 
geistliehen Stiftungen und Bettler-Klöster zur Unterhalt- 
ung der Pfarren und der damit eng verbundenen Schulen 
verwendet werden sollten, hierbei jedoch hinsichtlich der 
Patrone derjenigen geistlichen Lehen oder Vikarien, welche 
von einzelnen Personen vom Adel, von Bürgern oder 
Anderen zu verleihen waren, ausdrücklich bestimmt wurde: 

Damit sie der Prärogativen, so ihnen von wegen des iuris 
patronatus zuständig, niclit ffänzlieb entsetzt werden, so l)edenken 
Wir, ob sicb's schicken wollte, dass allewege der dritte Theil von 
sokdien Leben der besonderen Personen — Edelleute oder Burger — 
vorbelialten und in den gemeinen Kasten verordnet würde, damit, 
so der Patron in unvorsebnlicbe Armuth fiele, dass ihm derselbige 
dritte Theil alsdanu zu seiner und der Seinen Unterhaltung, bis 
dass sicb's zur Besserung mit ihm schickte, oder zur Ausstattung 
einer Tochter, oder einem Sohne zum Studio auf eine Anzahl Jahre 
gelassen werde. 

^) Vergl. Mittheilungen des Sachs. Alterthurasvereins XXII, 80. 

*) Cod. d. Sax. r. II, 12, 5.30, Xo. 75.5. 

") Richter, Evangelische Kirchenordnungen des 16. Jahr- 
hunderts I, 77, und Gross mann. Die Visitationsakten der Diöcese 
Grimma, S. 10 üg. 



Zur Eiitstehungsgescliiclite der Patronatstellen etc. 63 

Die Visitationsordnung des Herzogs Heinricli vom 
27. Februar 1537 enthielt zwar ganz ähnliche Bestimmungen; 
doch ergaben sich hinsichtlich der Verfügung über die 
erledigten gcistliclu'n Güter sehr bald Differenzen mit den 
Landständeu, welche begründete Ursache zu haben glaub- 
ten, in dieser Beziehung eine Mitwirkung und ein Kon- 
trolrecht sich zu sichern. Dementsprechend beantragten 
sie in der Präliminarschrift des im Jahre 1539 zu Chem- 
nitz abgehaltenen Landtages^'): 

Vor das Achte: Weil allen Ständen und sonderlich denen von 
der Ritterschaft an den Bisthümern, Stiftern, Klöstern und Komthur- 
häusern nicht wenig gelegen, in Ansehung, dass sie und ihre Vor- 
fahren, wie solclis E. F. G, seihst bekannt, dieselbigen erstlich 
stiften und in Aufnahme bringen helfen, auch die Ihrigen bis dahin 

nothdürftig und ehrlich darin haben unterbringen können, 

so bitten wir untcrthäniglich, E. F. G. wolle mit denselbigen His- 
thümern, Stiftern, Klöstern, Konithurhäusern und ihren allerseits 
zugehörigen Gütern ohne Wissen und Rath gemeiner Landstände 

keine Änderung vornehmen, E. F. G. wolle auch weiter 

denen vom Adel, welche Klöster ur.d Stifter unter ihrer Obrigkeit 
und Schutz haben, die Verwaltung und Bestellung derselben bleiben 
und darin keinen Einhalt thun lassen; gleichergestalt wolle es 
E. F. G. Denjenigen auf dem Lande und in Städten, so Pfarren 
oder Altarlehen zu verleihen haben, halten und ihnen auch darin 
keinen Eingritf thun lassen. 

Diesen Vorschlägen entsprechend wurde die Ver- 
waltung der erledigten geistlichen Güter in Thüringen 
und Meissen schliesslich mittels einer feierlichen Erklärung 
(„Reverses") des Herzogs vom 7. August 1540 an die zu 
Leipzig versammelten Stände geordnet. 

Der Herzog erkennt darin an, dass, weil solche Klöster 
und Gestifte zur Ehre Gottes und zur Hilfe der Armen 
aufgerichtet und also Gott zugeeignet seien, ihm und 
seinen Erben das Recht zu ewigen Zeiten nicht zustehe, 
dieselben zu anderem Nutzen zu wenden und gebrauchen 
zu lassen. Und weil solche Klöster und Gestifte nicht 
allein von seinen Vorfahren, sondern auch von derselbigen 
Unterthanen aller Stände aufgerichtet und zusammen- 
getragen seien, habe er mit der Landschaft und seinen 
getreuen Unterthanen beschlossen, dass nun liinfür zu 
ewigen Zeiten bei ihm, seinen Erben und Nachkommen 
die Güter aller Klöster und geistlichen Stiftungen in 
Thüringen und Meissen bei einander gehalten werden 



«) Die betreffenden Verhandlungen wörtlich in Sammlung ver- 
mischter Nachrichten zur Sächsischen Geschichte (von Grundig 
und Klotz seh) VI, 105 flg. 



54 Bernhard von Schöiiberg: 

und am Eigentluime imverniindert bleiben, auch zu keinem 
andern Zwecke als zur Ehre Gottes^ zu Hilfe der Armen 
und Trost gemeiner Landschaft gebraucht werden sollten. 
Damit dies um so sicherer unverbrüchlich und zu ewigen 
Zeiten also gehalten werde, wolle er genehmigen, dass die 
Verwaltung durch Sequestratoren aus der Landschaft, 
und zwar zwei aus der Kitterschaft und einen von den 
Städten im Lande Meissen gewählte und vom Landes- 
herrn bestätigte Personen, wess Standes die seien, geführt 
werde. Die verordneten vSequestratoren sollen von den 
Verwaltern jährlich Rechnung anhören, wozu der Landes- 
lierr einen oder mehrere Käthe verordnen wird, und über 
ihre etwaigen Erinnerungen und Ausstellungen der ge- 
meinen Landschaft Bericht erstatten. 

Als jedoch Herzog Moritz, welcher nebst seinem 
Bruder August die Mitvollziehung dieses Reverses ver- 
weigert hatte, am 18. August 1541 zur Regierung ge- 
langt war, bezeichnete er es in seiner Proposition für den 
auf den 18. November 1541 nach Dresden einberufenen 
Ausschusstag der Landstände, nachdem er sich darin 
missbilligend über die bisherige uneinträgliche Verwaltung 
der erledigten geistlichen Güter ausgesprochen, als das 
zweckmässigste, dieselben zu verkaufen"). Die noch 
in den Klöstern befindlichen Mönche und Jungfrauen solle 
man darin lassen und, wo ihrer nur noch wenige seien, 
in ein gemeinsames Kloster thun, bis sie absterben; „doch 
dass sie sich unserer christlichen Religion gleichmassig 
verhalten und die Missiiräuche, so sie bis anher gebraucht, 
gänzlich abstelleten". In solcher Weise würde man an 
jährlicher Nutzung über 50U00 Gulden bekommen, dass 
man davon die Geistlichkeit, Prediger und Priesterschaft 
unterhalten könne, ohne damit die armen Unterthanen zu 
beladen oder zu beschweren. 

So könnte man auch davon verordnen eine Unterhaltung der 
Schulen, Lehre und Kinderzucht, dass armer Leute Kinder wohl- 
gezogeu und gelernt würden, auch Etliche ausserhall) und inner- 
halb Landes unterlialten würden, desgleichen arme Kinder aus- 
gestattet und den Armen dürftige Almosen gegeben und geholfen 
werde. Das ist der Klöster erste Ankunft und Gerechtigkeit, dass 
sie zur Zucht und Lehre gestiftet sind. Wenn man's nun wiederum 
dahin richtet, so kann man's mit Gott und Recht erhalten. "Was 



') Vergl. (aitsser der oben Anm. angeführten Quelle) für die 
Verhandlungen der Landstände während der Kegierungszeit des Kur- 
fürsten Moritz auch die Abhandlungen von J. Falke in den Mit- 
theilungen des K. S. Alterthumsvereins XXI, 58 Üg., XXIl, 77 üg. 



Zur Entstehungsgeschichte der Patronatstelleu etc. 65 

nun über solche Verordnung jährlichen Einkommens überblieben, 
das möchte man hinterlegen, Uns selbst und Land und Leuten zum 
Besten, oder dass man dasselbige übrige Geld jährlich nehme und 
Land und Leute, wo die versatzt wären, damit löste, dass mit der 
Zeit die Hilfe und Steuern also von den Landen möchten abgewendet 
werden, was ohne das nicht geschehen kann. Solch Vornehmen, 
wie oben angezeigt, das halten Wir für christlich, göttlich und 
gleich (billig), und begehren derohalben von euch, dass ihr Uns 
auch hierinnen wollet berathen sein, und wo ihr einigen bessern, 
nutzeren Weg wüsstet, so wollet ihr ihn Uns anzeigen, auf dass 
dasjenige hierinnen vorgenommen, das da seliglich, und unserer 
christlichen ludigion nicht zuwider gehandelt werde. 

Der ständische Ausscliuss erkannte es in seiner Ant- 
wort zunächst dankend an, dass der Herzog sich geneigt 
erklärt habe, die erledigten geistlichen Güter zu Gottes 
Ehre und zu Erhaltung christlicher Lehrer, Pfarrer und 
Seelsorger, zum Trost der Armen, auch E. P. G. und 
derselben Landschaft zum Besten gebrauchen und an- 
wenden zu lassen. 

Und dieweil dieselbigen Güter ihrer ersten Stiftung halben 
und nach Meinung der Stifter und der Anderen, durch deren Fleiss 
und Mühe, auch milde Almosen sie gemehret und gebessert, dahin 
geörtert, dass sie vornehmlich zu Gottes Ehre und Lob und zu 
rechtschaffener christlicher Lehre und Trost der Armen gemeint: 
so haben wir hiebevor und ietzo nichts Christlicheres und Besseres 
erachten können, denn dass dieselbigen Güter, wenn da die ver- 
ledigt, nicht in Eigennutz gewandt, sondern zu den obgemeldten 
göttlichen, gütigen und milden Sachen gekehrt, und die Übermass 

E. F. Gn. und gemeiner Landschaft zu Gute und Trost in fürfallenden 
Nothsachen zu gebrauchen hinterlegt werde, welches denn auch E. 

F. G. Herr Vater hochlöblicher Gedächtnis erwogen und bedacht 
und solche Verordnung derselben Güter halben Inhalts S. F. G. 
gnädig gegebener Vorschreibung bei S. F. G. Lebetagen auch gnä- 
diglich gemacht. 

Mit dem Vorschlage des Verkaufes der Güter da- 
gegen vermochte der Ausschuss nicht sich zu befreunden, 
bezeichnete vielmehr es als räthlich, dass man vor der 
endgiltigen Beschlussf'assimg „sich der Güter Gelegenheit 
gründlich erkundige; was sie ertragen, und wie hoch sie 
um einen ßesclieid ausgethan werden können". P^inst- 
weilen möge man es noch einige Jahre mit der Verpacht- 
ung versuchen und die Güter dem Herzoge wie den 
Ländern zum Trost und inhalts der Versclireibung des 
Herzogs Heinrich bei einander behalten. 

Hiernächst kam der Ausschuss auf die schon früher 
von den Mitgliedern der Ritterschaft wie von den Städten 
erhobenen Beschwerden zurück, dass man ihnen bei der 
Visitation das Patronatrecht über Altarlehen, welches ihre 
Vorfahren und sie selbst gehabt, habe nehmen wollen, 

Kcues Aicliiv f. S. Ci. u. \. VII. 1. 2. 5 



QQ Bernhard von Sdiönberg: 

während ihnen docli dieses Recht um deswillen zustehe, 
weil sie oder ihre Vorfahren und Befreundeten (Ver- 
wandten) dieselbigen Lehen gestiftet. 

Demnach ist unsere unterthänige Bitte, E. F. G. wollten 
Jedermann, der Altarlehon zu verleihen hat, es sei auf dem Lande 
oder in Städten, bei ihrer Leihung und Gerechtigkeit bleiben lassen, 
dass sie die verleihen mögen nach ihrer besten Erkenntniss zu 
Nothdurft ihrer armen Freunde, Hospitalen armer Leute oder zur 
Kinderlehr und nicht zum Messehalten oder unchristlichem Missbrauch. 

Der Herzog verblieb in seiner Antwort^) bei der 

Ansicht, dass der Verkauf der Güter einen besseren und 

sicheren Nutzen bringen werde, als die angerathene 

Verpachtung, wollte aber dennoch auf den Wunsch der 

Landstände bei den von diesen vorgeschlagenen Personen 

Verfügung thun, dass sie die Güter besichtigen und den 

Verkaufswerth sowie die Nutzungen veranschlagen sollten. 

Auch solle allen bisherigen, Verwaltern dieser Güter die 

Rechnung abgenommen, wegen der Inventarien Bericht 

eingezogen und wegen Verwendung der Güter und ihrer 

Nutzungen weiteres mitgetiieilt, die Güter aber zu nichts 

anderem als zu christlichen milden Sachen angewendet 

und der Überschuss dem Lande zu Gutem und Trost in 

vorfallenden Nothsachen gebraucht werden. 

Soviel das ins patronatus der Altarlehen anbelangt, haben 
Wir oftmals hiebevor bericht empfangen, dass solcher Lehen Ein- 
kommen zu Unterhaltung der Kirchendiener geordnet, derhalben 
durch diesen (den von den Ständen vorgeschlagenen) Weg die Ver- 
ordnung Unsers lieben Herrn und Vaters seligen christlicher Visi- 
tation zerrüttet würde und die Versehung der Kirchendiener, Pfarrer 
und l'rediger in andere Wege geschehen müsste, dazu denn Unsers 
Erachtens schwerlich zu kommen. Wüsstet ihr Uns aber dazu 
andere Wege anzuzeigen, die wollen Wir vermerken und Uns darauf 
mit fernerer und gebulirlicher Antwort vernehmen lassen. 

Der Ausschuss wiederholte in seiner Duplik die Bitte, 
von dem Verkaufe der geistlichen Güter zur Zeit ab- 
zusehen, vielmehr es zunächst mit der Verpachtung auf 
einige Jahre zu versuchen oder den Ausschuss des künf- 
tigen Landtages die iSache weiter erwägen zu lassen. 

Soviel das ius patronatus anlangt, wollen E. F. G. wir in 
aller Unterthänigkeit nicht verhalten, dass den Ständen die Ver- 
ordnung der Visitation halber höchlichst beschwerend gewest, und 
hat ihme (sich) Niemand seine Leiliung, die ihm aus seiner Eltern 
oder Freunde (Verwandten) Stiftung, aus fürstlicher Belehnung, zum 
Theil auch aus Erkaufen vor Gott und Kecht gebührt, benehmen 
und an andere Ende wenden wollen lassen. Derwegen auch E. F. G. 
Herr Vater zu Chemnitz den Landstunden gnädigUch zugesagt, dass 



8) H.-St.-A., Kopial 13, Bl. 320 flg. 



Zur Entstehungsgeschichte der l'atronatstellen etc. 67 

einem Jeden sein ins patronatus bleiben solle, darum E. F. G. wir 
nochmals unterthäiiig bitten; und können die Pfarrherren, Prediger 
und Seelsorger aus dem Einkommen und Nutzungen der Kloster- 
güter vermöge E. F. G. uns beschehenen Vortrages und unseres darauf 
erfolgten Rathschlages versehen werden. 

Nachdem der Herzog in seiner Antwort der geist- 
lichen Güter halben dem Antrage des Ausschusses ent- 
sprechend nach Einsendung der Verzeichnisse über den 
Umfang und Werth der Güter weitere Erwägung und 
Verhandhmg mit dem einzuberufenden neuen Landtage 
zugesagt hatte, kam der x\usschuss in einer anderweiten 
Eingabe nochmals auf die Altarlehen zurück, indem er 
dabei namentlich hervorhob, dass es sich hier um wohl- 
erworbene liechte handele, deren die Inhaber mit Fug 
nicht entsetzt werden könnten. 

Und wissen auch nochmals E. F. G. unserm Gewissen auch 
der Lehre des Evangelii nach nicht zu ratheu, dass der Bestellung 
der Pfarrer und Prediger oder anderer Kircheuämter halben Je- 
mandes wohlhergebrachte Gerechtigkeit wider seinen Willen sollte 
eingezogen und verweigert werden. Derhalben ist unsere unter- 
thänige Bitte, E. F. G. wollte nachmals gnädiglich bewilligen, dass 
wir bei unserer Gerechtigkeit, die uns auf unsere Altarlehen ver- 
möge der Rechte zuständig und unseres Verhoffens der Lehre der 
heiligen Schrift unabbriichlich, gnädiglich bleiben lassen. 

Dabei hoben die Stände noch besonders hervor, dass 
sie nicht gemeint seien, das Einkommen von den Altar- 
lehen zu eigenem Nutzen zu gebrauchen, sondern erbötig, 
dasselbe — doch ohne Abbruch ihrer rechtmässigen Ge- 
rechtigkeit — zu christlichen, geistlichen und milden 
Sachen zu verwenden. 

Der Herzog erklärte darauf im Landtagsabschiede, 
dass er die Angelegenheit der erledigten geistlichen Güter 
dem demnächst nach Leipzig auszuschreibenden Landtage 
anderweit vorlegen wolle. 

Aber der Altarlehen halben lassen Wir es bei Unseren vori- 
gen Anzeigen, können aber leiden, dass Uns mit der Zeit ein Ver- 
zeichniss solcher zugestellt werde. So haben Wir Uns auch leicht- 
lich zu erkundigen, was Unsere Torfahren gestiftet, und wie viele 
Thumereien und Lehen im Laude Wii- zu verleihen, damit euere 
Freunde oftmals von Unseren Vorfahren aus Gnaden belehnet sein. 
Und hätten eures Rathes halben, den ihr Uns bei eurem Gewissen, 
auch der Lehre des Evangelii nach in dieser Sache, die ihr solcher 
eurer Lehen halber unerfordert an uns habt gelangen lassen, anders 
denn geschehen nicht wisset anzuzeigen, wohl ein Bedenken zu 
haben; Wir wollen ihn aber dahin verstehen, dass er zu eurer Noth- 
durft gut gemeint sei, und darum, wenn Uns das Verzeichniss zu- 
gestellet und Wir, wie hoch die Klostergüter sich erstrecken, be- 
richtet worden, wollen Wir Uns Unserem vorigen Erbieten nach 
unverweislich vernehmen lassen. 



68 Bernhard von Scliönberg : 

Auf Verlangen des Herzogs trat im Jahre 1542 der 
engere Ausschuss der Stände mit den von ihm verord- 
neten Käthen zu erneuten Verhandlungen über die aus 
dem Patronatrechte an Altarlehen abgeleiteten Ansprüche 
zusammen, bei welchen es schliesslicli gelang, einen ge- 
eigneten Vermittelungsweg zwischen den divergierenden 
Interessen ausfindig zu machen. Wir erkennen dies aus 
der herzoglichen Proposition für den auf den 13. Januar 
1843 nach Dresden zusammenberufenen grossen Ausschuss- 
tag ^), in welchem der Herzog den Plan zur Errichtung 
von drei neuen Schulen zu Meissen, Merseburg und Pforta 
bei Naumburg (offenbar in Anlehnung an die Bischofs- 
sitze) mit 230 Freistellen entwickelte, von denen 76 Stellen, 
auch nicht mehr noch weniger denn der ganzen Summe 
dritter Thell, adeligen, 100 Stellen städtischen und die 
übrigen landeslierrlichen Patronats sein sollten. 

Der Ausschuss erklärte sich im allgemeinen zu- 
stimmend, beantragte jedoch, dass zu Vollziehung dieses 
Werkes den dazu verordneten fürstlichen Käthen einige 
von den Landständen aus ihrer Mitte Gewählte beige- 
geben werden möchten, sowie dass diejenigen Personen 
und Geschlechter auf dem Lande und in den Städten, 
welchen das Patronatreclit über einzelne der hierzu ver- 
wendeten Altarlehen zugestanden habe, zur Ausgleichung 
einen, oder nach Verhältnis der Lehen auch mehrere 
aus ihrem Geschlechte oder sonst in die Schulstellen oder 
Stipendien zu ernennen haben sollten. 

Der Herzog antwortete, dass er zwar Bedenken trage, 
gegen jedes Altarlehen zur Ausgleichung des Patronat- 
rechtes eine Stelle in den neuen Schulen einzuräumen, 
da mehrere Lehen gar zu gering seien ; docii wolle er 
auf ein Lehen von 30 Gulden jährlichen Einkommens 
die Benennung eines Knaben gestatten, nur müsse der- 
selbe auch zu der Schule geschickt sein und solle mit 
den anderen gleich oehalten werden. 

Die zwischen dem iirossen Ausschusse und den landes- 
fürstlichen Rätlien — unter welchen auch der spätere 
Oberhauptmann des Erzgebirges Wolf von Schönberg 
auf Neusorge etc. sich befand — schliesslich getroffenen 
Vereinbaiungen fanden ihre Sanktion in dem Artikel 
„Von dreien neuen Schulen" der Neuen Landesordnung 



ö) H.-St.-A. Lof, 9.S53, „Handhmg mit dem grossen Aus- 
schuss etc. 1543", Bl. .^b. 



Zur Entstehungsgeschichte der Patronatstellen etc. 69 

des Herzogs Moritz vom 21. Mai 15-1:3, die drei Schulen 
zu Meissen, Merseburg^") und zur Pforten, wie auch 
andere Artikel betreffend ■^•^). 

„Und nachdem zu Anrichtung einsmals und darnach zu Unter- 
haltui'g dieser Schulen auch der Zula?e derer Kirchen- und anderen 
Schulendienern und der Universität jährlich eine stattliche Summe 
Geldes vonnöthen, und Wir im Anfange Unserer Recrierung vieler 
Stifter und Klöster Güter in Unseren Landen verledigt befunden, 
und sich dero noch mehr seit der Zeit verledigt, haben Wir mit 
Rath und Vorwissen des grossen Ausschusses beider Unserer Lande, 
Düringen und Meissen, verordnet, dass solcher verledigter Klöster, 
Gestifte und Stiftungen Güter und Einkommen zu solchen Schulen, 
Unterhaltung der Kirchendiener und Besserung unserer Universität, 
wie obgemeldt, soviel die Nothdurft erfordert, in Ewigkeit sollen ge- 
brauchet werden. — — — — — — — — — — — — 

Als auch Etliche von der Ritterschaft eines Theils derer geist- 
lichen Lehen in Stiften und Pfarren zu verleihen gehabt, die zu 
Unterhaltung derer Kirchen- und Schulendiener in Städten oder 
auch zu denen Stipendien, die Wir, Unsere Erben und Nachkommen 
verleihen, gebrauchet werden: haben Wir mit dem grossen Aus- 
schuss Unserer Lande beschlossen, dass ein Jerler von der Ritter- 
schaft, der ein geistlich Lehen, das nicht zu einer Pfarre geschlagen, 
die da von ihm zu Lehen rühret, und dreissig Gulden Einkommens 
hat, zu verleihen berechtiget, einen Knaben in der dreien Schulen 
einer soll zu benennen haben. — — — — — — — — — 

Und damit ein Jeder wisse, in welche Schule er und seine 
Lehnserben zu benennen habe, soll er nach Dato dieses Unseres 
Ausschreibens binnen fünf Wochen das Lehen, so er zu leihen, auch 
wie viel es Einkommens hat, wo die Zinsen stehen, und wie viele 
deren garghaftig, anzeigen: dann wollen Wir ihm vermeLlen, in 
welche Schule er soll die Benennung zu thun haben. Welcher aber 
der Zeit nichts anzeigen wird, der soll hernach ferner nicht ge- 
höret werden. — — — — — — — — — — — — — 

Als Wir Uns auch mit dem Ausschuss Unserer Lande ver- 
glichen, dass der dritte Theil derer Knaben der ganzen Summe aus 
dem Adel sein soll, nämlich 76, lassen Wir es dabei bewenden; wo 
sich aber die Zahl derer Lehen, die sie, wie obgeraeldt, zu verleihen 
gehabt, höher würde erstrecken, so soll die Zahl derer Lehen er- 
höhet und je auf 30 Gulden Einkommens ein Knabe in die Schule 
benennet werden, damit sich Niemand in Unseren Landen zu be- 
klagen, als würde ihm etwas von dem iure patronatus entzogen". 

Die Frage wegen des Verkaufes der erledigten geist- 
lichen Güter blieb hierbei unberührt: offenbar, weil es 
dem Herzoge niclit gelungen war, die Zustimmung der 
Landstände zu erlangen. Derselbe entschied sich infolge 
dessen — vielleicht auch weil der ihm bisher entgegen- 
gesetzte Widerstand an Energie nachgelassen hatte — 



i*') Bei der Ausführung trat an die Stelle der in Aussicht ge- 
nommenen Schule zu Merseburg die Landesschule zu Grimma. 
") Cod. Aug. I, 1.3. 



70 Bernhard von Schönberg: 

zu selbstständigem Vorgehen in dieser Angelegenheit, 
wovon er die Stände nachträglich durch den interessanten 
Rechenschaftsbericht vom 23. Januar 1544^-) in Kenntnis 
setzte. Insoweit danach die betheiligten geistlichen und 
Schulanstalten anstatt mit dem sequestrierten Grundbesitze 
selbst vielmehr mit dem daraus erlangten Erlöse an Ka- 
pital ausgestattet wurden, gereichte ihnen dies nicht immer 
zum Vortheile-^^). 

Als sehr glücklich dagegen darf die Ijösung be- 
zeichnet werden, welche der Frage der Altarlehen ge- 
worden war, insofern die städtischen und adeligen Pa- 
tronatstellen bis auf den heutigen Tag als eine höchst 
segensreiche Einrichtung sich bewährt haben. 

Zunächst freilich setzten sich die bisherigen Verhand- 
lungen um die Anerkennung des Rechtes selbst noch 
längere Zeit in Kämpfen um den Umfang des Rechtes 
fort. Für diese Kämpfe sind die um die von Scliön- 
berg'schcn Freistellen in der Landesschule St. Afra zu 
Meissen geführten besonders charakteristisch und auch 
für die übrigen Betheiligten typisch. Wenn daher die 
nachstehende Darstellung im wesentlichen auf die Ver- 
handlungen über die Ansprüche der Schön berge sich be- 
schränken kann imd wird, so erscheint es im Interesse 
des Verständnisses nothwendig, ihr zunächst einige genea- 
logische Notizen und sodann eine Zusammenstellung der 
hier speziell in Frage kommenden Stiftungen vorauszu- 
schicken. 

Das Geschlecht von Schönberg Meissnischen 
Stammes hatte sich bereits zu Anfange des 14. Jahr- 
hunderts in drei Hauptäste, nämlich den (Roth-)Schön- 
berger, den Purschensteiner und den Zschochauer 
Hauptast gespalten, von denen der zweite im Jahre 
1735 und der dritte im Anfange des 19. Jahrhunderts 
ausgegangen sind. 

Der Schönberger Hauptast verzweigte sich um die 
Mitte des 15. Jahrhunderts in zwei Linien, an deren 
Spitze je ein Bruder der Bischöfe Caspar von Schön- 
berg und Dietrich von Schönberg steht, nämlich 
Hanns von Schönberg auf Sachsenburg, der Ahnherr 
des im Jahre 1727 ausgestorbenen Stoiber ger Haupt- 

^-) Abgedruckt in (Grundig und Klotzsch) Sammlung ver- 
mischter Nachrichten VI, 141 tli^. 

1») Vergl. z. B. Flathe, St. Afra, S. 36 und 44. 



Zur Entstehungsgeschichte der Patronatstellen eic. 71 

Zweiges, sowie des Saclisenburger Hauptzweiges — 
welcbem letzteren u. a. auch die im nachstehenden ge- 
nannten Güter (Ober-)Schönau, Limbach bei Chemnitz, 
Börnchen, Stadt Haynichen und Neusorge bei Franken- 
berg angehörten — , und Nicol von Schönberg auf 
(Rotli-)Sch()nberg-, Reinsberg, WilsdrufF, Limbach bei Wils- 
druff, Neukirchen und Krummenhennersdorf, der Ahnherr 
des im Jahre 1651 ausgestorbenen Schönberger Haupt- 
zweiges sowie des Reinsberger Hauptzweiges. Die 
zur Zeit lebenden Schönbero-e g-ehören somit theils — 
und zwar ihrer überwiegenden Mehrzahl nach — dem 
Reinsberger Hauptzweige, theils dem Sachsenburger 
Hauptzweige des Schönberger Hauptastes an^^). 

Über die hier in Frage kommenden Altarlehen von 
Schönberg'schen Patronates ist zur Zeit folgendes bekannt : 

1. Die Laurentius -Yikarie zu Meissen. 

Am 24. Oktober 1471 ^■^) verkündet der Meissner 
Bischof Dietrich von Schönberg (56), dass sein verstor- 
bener Bruder, Bischof Caspar (55), von seinem väterlichen 
Vermögen und mit diesem gemeinsam ihr Bruder, der 
gestrenge Ritter Nicol (57) zu Reinsberg gesessen, 
ferner ilire Neffen, die Gebrüder Caspar (71) und Hein- 
rich (69) zu Sachsenburg gesessen ^'^), hiernächst Adelheidis 
von Schönberg zu Sayda, Witwe des gestrengen Ritters 
Siegfried von Schönberg (75) zu Purschenstein und Sayda, 
ausserdem der Archidiakon von Nisan und Domherr zu 
Meissen Johannes von Harras, endlich er selbst, als er 
noch Dompropst war, einen neuen Altar mit einer ewigen 
Vikarie zu Ehren des h. Laurentius in der Domkirche zu 
Meissen gestiftet haben, und dass die Dotation dieser 
Vikarie mit Einkünften und Zinsen nunmehr zum Ab- 
schliisse gebracht sei. 



") Vergl. die dem II. Bande der Geschichte des Geschlechtes 
von Schönberg (von Bernhard von Schönberg) beigegebene 
Stammtafel. Um die Persönliclikeit der im nachstehenden aufge- 
führten Mitglieder des Geschlechtes genau festzustellen und ins- 
besondere Verwechselungen zwischen Gleichnamigen vorzubeugen, 
ist jedesmal die Nummer beigefügt, mit welcher der Betreffende in 
der Stammtafel bezeichnet ist. 

15) Cod. d. Sax. r. II, 3, 210, No. 1158. 

lö) Söhne des Ritters Hanns von Schönb erg (53) zu Sachsen- 
burg. Die Herrschaft Stolberg gelangte erst nach Ausfertigung 
der obigen Urkunde — am li. Februar 1-173 — in den Besitz des 
Heinrich von Schönberg (69). 



72 Beniliartl von Schönberg: 

Der Vikar oder dessen Kapellan hat täglicli eine 
Messe zu lesen und für die Stifter sowie für alle Ver- 
storbenen aus dem Gescld echte von Schönberg zu beten, 
überdies eine Tag und Nacht brennende Lampe bei dem 
Altar zu unterhalten und an die anderen ewigen Vikare 
der Domkirche jährlich 2 Schock zu zahlen, dagegen aber 
mit diesen an allen Vertlieilungen von Präsenzgeldern 
theilzimehraen. Der Vikar soll auf einer bestätigten Uni- 
versität bis zur Erlangung des Grades eines Magisters 
oder eines Doctors oder eines Baccalaureus in einem der 
beiden Rechte studiot haben. Bischof Dietrich bestätigt 
diese Stiftung sowohl als gemeinsamer Testamentsvoll- 
strecker der Stifter, als auch als Mitstifter mit allen daran 
geknüpften Bedingungen kraft seines bischoflichen Amtes, 
verleiht den hierzu bestimmten Zinsen alle Rechte der 
Kirchengüter und verfügt, dass der Vikar des Laurentius- 
Altars allen übrigen ewigen Vikaren gleichberechtigt 
sein soll. 

Das Verleihungs- oder Patronatrecht soll im Sinne 
der Stifter immer dem Ältesten aus dem Geschlecht derer 
von Schönberg des Reinsberger sowie des Sachsen- 
burger (und Stoiberger) Hauptzweiges, nach deren etwai- 
gem Aussterben aber dem Altesten derer von Schönberg 
des Purscliensteiner Hauptastes zustehen, und von diesen 
auf den Ältesten des Geschlechtes oder Namens von 
Schönberg unabhängig vom Stammhause übergehen, nie- 
mals aber mit den Stammgütern irgendwie ver- 
äussert oder verkauft werden dürfen, sondern 
vielmehr auf immerwährende Zeit bei dem Ge- 
schlechte von Schönberg verbleiben. 

Collationem vero sive ins patroiiatus dictae vicariae iuxta 
meutern fniulatorum pertiiiere volnmiis semper ad seniorem ex ^e- 
nealogia ipsorum de Schoid)eri'k in lleinsperpk, Saclisinberifk, Schon- 
bergk et Nenkiixhen liabitantinni. Si vero, qnod dens avertat, 
omnes de hac Ince niigrarent, ad seniorem illoruni de Schonbergk 
in Bnrsenstein, al) Ulis vero ad seniorem de Schonbersk de illa ge- 
nealogia sive nomine Schonbergensium ubicnnqne habitantinm de- 
volvi volnnins, nee volnmus dictum ins patronatns cnm bonis liere- 
ditariis qnovis modo alienari ant vendi, immo in perpetunm apud 
genealogiam illorum de Schonbergk permanere debere. 

Die Verleihung soll dergestalt erfolgen, dass die 
Vikarie bei eintretender Vakanz zuerst und vor allen an- 
deren einem Angehörigen des Geschlechts von Schönberg 
und nicht einem anderen, dafern aber in diesem Ge- 
schlcchte eine geeignete Persönlichkeit nicht vorhanden 
ist, einem Angehörigen des Geschlechtes von Heynitz, 



Zur Entstehungsgeschiclite der ratronatstelleii etc. 73 

falls auch liier ein Geeigneter nicht vorhanden , einem 
aus dem Geschlechte von Karas und unter der gleichen 
Eventualität einem aus dem Geschlechte von Honsberg 
und danach immer wieder einem aus dem nächstberech- 
tigten Gesclilechte zu übertragen ist. Die Reihenfolge 
der genussberechtigten Geschlechter stimmt mit den 
vier Ahnenwappen am Grabdenkmale des Bischofs zu 
Meissen überein. 

Der unter den Stiftern mit aufgeführte Johannes 
von Harras — wahrscheinlich ein Bruder oder Neffe der 
Adelheidis von Schönberg geb. von Harras zu Sayda und 
jedenfalls ein naher Verwandter der Stifter — stand im 
engsten Freundschaftsverhältnisse zu Bischof Caspar, wie 
folgende Stelle in dessen Testamente ^'j beweist : 

Cum mihi familiarissimus dominus Johannes de Harra meciim 
per spatiosum tempns in servitio apud me die noctuque in singulis 
nieis necessitatibus perseveranter stetisset, fideliter famulatus fuisset, 
qui etiam fidelis in omnibus sibi commissis usque in finem reper- 
tus est. 

Er wurde in der Parochialkirche zu Stolpen (Joch- 
grim) begraben, und Bischof Dietrich von Schönberg 
stiftete daselbst laut Urkunde vom 1. Januar 1472^^) 
zwei Schock Freiberger Groschen als Jahreszinsen von 
56 Schock 15 Groschen Hauptsumme zu einer Antiphonie 
für sein, des Stifters, seines Bruders Caspar, seiner Vor- 
gänger und Nachfolger, sowie des Johannes von Harras 
Seelenheil. 

Zu Anfange des Jahres 1479 war Georg von Schön- 
berg — wahrscheinlich der spätere Domherr zu Naum- 
burg aus dem Hause Zschochau (146) — Inhaber der 
Vikarie^^). Am 7. Januar 1540-**), desgleichen in der 
S. 80 erwähnten Anmeldungsschrift vom 9. Juli 1543 
wird als solcher Joachim von Schönberg — wahr- 
scheinlich der spätere Besitzer von Gelenau, Thum und 
Niederzwönitz (119) — genannt. 

2. Die Michaelis-Yikarie zu Meissen. 

Laut Urkunde vom 19. September 1454-^) wies der 
Meissner Propst Dietrich von Schönberg (56) -zur Dotation 

1'') Cod. d. Sax. r. II, 3, 145, No. 1058. 

IS) Grundmanns Cod. dipl. (ManuscriptdesH.-St.-A.) IX, 5097. 

lö) Cod. d. Sax. r. 11, 3, '?52, No. 1217 und 1218. 

20) H-St.-A., Acta visitationis 1540, Bl. 67. 

25) Cod. d. Sax. r. II, 3, 117, No. 1026. 



7J: Bernhard von Schönberg: 

des von ihm mit Genehmigung seines Bruders, des Bi- 
scliofs Caspar (55), zu Ehren des Erzengels Micliael im 
Dome zu Meissen gestifteten Altars und der damit ver- 
bundenen Vikarie 12 Schock guter Freiberger Groschen 
jährliche Zinsen an, welche er wiederkäuflich für 216 Schock 
gleicher Münze erworben hatte. 

Nachdem der Stifter Bischof geworden, bestätigte er 
am 6. Januar 1465-"-) diese Stiftung eines neuen Altars 
zur rechten Seite der letzten Säule sowie einer immer- 
währenden Vikarie, deren Inhaber als das Auge des 
Propstes oder Präcentor's zu bezeichnen sei, indem er 
zugleich spezielle Bestimmungen über die Obliegenheiten 
des Vikars (zu Avelchen die persönliche Residenz gehört) 
und über dessen Stellung zu den übrigen Vikaren traf. 

Das Kollaturrecht sollte zunächst dem Stifter selbst für 
seine Lebenszeit^ nach seinem Tode aber seinem Bruder 
Nicol (57) und nach dessem Tode den männlichen welt- 
lichen Nachkommen (ad heredes masculos saeculares) sowohl 
Nicols, als auch des bereits verstorbenen Bruders Hanns 
(53), und zwar jedesmal dem Altesten so lange zustehen, 
als überhaupt männliche Naclikommen aus diesen Linien 
(de parentela illorum) vorhanden sein würden. Nach dem 
etwaigen Erlöschen dieser Linien im Mannsstamme sollte 
das Patronatrecht auf die Brüder Bernhard (106) und 
Caspar (107) zu Purschenstein und ihre männlichen Nach- 
kommen, sowie die übrigen männlichen Angehörigen des 
Geschlechtes übergehen. 

Die Ausübung dieses Rechtes habe in der Weise 
stattzufinden, dass, wen der Propst zu Meissen selbst 
oder bei dessen Abwesenheit sein Vertreter als passend 
und geeignet zu jener Vikarie unter den Kapellanen der 
Meissner Domkirche auswählen und dem Nicol von Schön- 
berg, als dem derzeitigen Ältesten, nach dessen Tode 
aber dem jeweiligen weltlichen Altesten unter den koUatur- 
berechtigten Nachkommen (praefato Nicoiao fratri nostro, 
nunc seniori, et eo defiincto altert seniori heredi saecidari) 
schriftlich vorstellen würde, diesen der weltliche kollatur- 
berechtigte Alteste sofort dem Dekan der Meissner Stifts- 
kirche schriftlich zur Livestitur zu präsentieren gehalten 
sein solle. Dafern der Alteste von dieser Vorschrift ab- 
weichen würde, solle er damit jedesmal von selbst des 



22) Cod. d. Sax. r. IT, 3, 161, N'o. 1076. 



Zur Entstehunffsgescliiclite der Patronatstelleii etc. 75 



"a 



Verleiliungsreclites verlustig sein, welches für dieses Mal in- 
soweit auf den Hauptmann zu Stolpen überzugehen habe. 
Dem letzteren solle auch das Patronatrecht nach dem 
etwaigen Aussterben des Geschlechtes von Schönberg 
zustehen. 

Mittels Urkunde vom 7. Aug. 1470 ■-■^) verordnete der 
Bischof noch eine wesentliche Vermehrung der Einkünfte 
dieses Altars. 

3. Die Erasmus-Präbende im KoUegiatstifte zu 

Würzen. 

Die Stiftungsurkunde über die Errichtung des Altars 
des heiligen Erasmus in der Stiftskirche zu Würzen ist 
bis jetzt nicht aufzufinden gewesen. Die Thatsache der 
Stiftung aber ergiebt sich aus der im nachstehenden 
auszugsweise wiedergegebenen Urkunde vom 11. März 
1470-^). 

Der Meissner Bischof Dietrich von Schönberg (56), 
der Meissner Offizial und Wurzener Dekan Georg Wecker- 
ling und der ^A^urzener Domherr Johann Vogel, als 
Testamentsvollstrecker des Archidiakons zu ISIisan und 
Domherrn zu INleissen Johannes von Harras, begrün- 
den in Ausführung seines letzten Willens, nach welchem 
seine Verlassenschaft zu seinem und des Meissner Bischofs 
Caspar von Schönberg (55) Seelenheil verwendet werden 
soll, mit Einwilligung des Wurzener Domkapitels eine 
neue Präbende oder Domherrnstelle, mit welcher sie den 
von ihnen zu Ehren des heiligen Erasmu.s errichteten Altar 



veremigen. 



Das Kollaturrecht soll zunächst dem Bischof Diet- 
rich, nach dessen Tode aber den Schönbergen aus 
den Häusern Reinsberg, (Roth-) Schönberg, Neukirchen und 
Sachsenburg (ad strenuos de Schonherg in Heinsberg, 
Schonberg, NeuJcirch et in Sachsenberg) dergestalt zustehen, 
dass immer der Alteste unter ihnen (senior inter illos) 
diese Präbende einem aus dem Geschlechte von Schön- 
berg und nicht einem anderen, so lange unter den Ge- 
schlechtsangehörigen einer die erforderlichen Voraus- 



23) Cod. d. Sax. r. II, 3, 196, No. 1134. 

21) Gedruckt bei Christian Schöttgen, Historie der Stifts- 
stadt Würzen, S. 165. 



76 Bernhard von Scliönberg: 

Setzungen erfüllt oder erlangen kann, zu verleihen hat. 
Nach dem etwaigen Ausgange dieser Linien soll das 
Patronatrer-ht auf die von Scliönberg aus dem Hause 
Purschenstein, und zwar wieder auf den Altesten und 
mit der gleichen Einschränkung, nach deren Abgange 
aber auf den Hauptmann zu Stolpen übergehen. 

Der Inhaber der Erasmus-Präbende, Andreas Braxa- 
toris; bekannte sich für sich und seine Nachfolger zu den 
aus der Stiftungsurkunde sich ergebenden Verpflichtungen 
mittels Urkunde vom \2. Dezember 1471-"'). 

Am folgenden Tage -**) beurkundet das Domkapitel 
zu M^urzen die Annahme von 15 Schock Groschen als 
Stiftung des Bischofs Dietrich von Schönberg (56) 
zu einem im Chore der Stiftskirche zu Würzen zu feiern- 
den Anniversarium für seinen Bruder Bischof Caspar (55) 
und alle seine Vorfahren aus dem Geschlechte von Schön- 
berg. Vielleicht war auch diese Stiftung der Erasmus- 
Präbende inkorporiert. 

4. Die Laurentius-Präbende im Kollegiatstifte zu 

Würzen. 

Die Stiftungsurkunde ist ebenfalls bis jetzt nicht auf- 
zufinden gewesen. Wir erfahren daher von der Stiftung 
nur indirekt durch eine Urkunde vom 12. Dezember 1470'-' ), 
in welcher der Inhaber der Laurentius-Präbende zu Würzen, 
Domherr Nikolaus Gentzsch, bekennt, dass nach Mass- 
gabe einer vom Bischof Dietrich von Schönberg (56) 
be"Tündeten und bestätigten Stiftung er und alle seine 
Nachfolger verpflichtet sind, zwei Anniversarien zum 
Seelenheile des Meissner Domherrn Johannes von Harras 
und des Meissner Bischofs Caspar von Schönberg (55), 
sowie aller ihrer Vorfahren und aller Verstorbenen aus 
beiden Geschlechtern abzuhalten. Über die Einkünfte 
der Präbende gleichwie über das Kollaturrecht fehlen 
uns urkundliche Nachweise. Schö ttgen"-^) führt die Lau- 
rentius-Präbende unter denjenigen auf, welche unmittelbar 
vom Bischöfe verliehen Avurden. Wäre dies richtig, so 
würde die Stiftung hier nicht weiter In Frage kommen. 



25) Gm 11(1 mann 's Cod. dipl. IX, 5095 b. 

28) Ebendas. IX, 5090. 

-") Abgedruckt bei Schöttgen, Stiftsstadt Würzen, S. 163, 

28) Stiftsstadt Wnrzeii, S. 174. 



Zur Entstehungsgeschichte der Patronatstellen etc. 77 

5. Die Yikarie des lieiligen Kreuzes in der Stifts- 
kirche zu Würzen. 

Nach Schöttgen""^) gehörte zu den 11 Vikarien der 
Domkirche zu "Würzen auch die Vikarie 8. Crucis, welche 
„der Älteste derer von Schönberg auf Limbach" zu ver- 
leihen hatte. 

Als Stiftungsurkunde ist jedenfalls eine Urkunde vom 
14. April 1466''-') zu betrachten, in welcher der Ritter 
Caspar (71) und Heinrich (69), Gebrüder von Schönberg 
zu Sachsenburg, bekennen, dass sie mit Einwilligung des 
Ritters Nicol von Schönberg (57) zu Reinsberg, als Mit- 
belehnten, 22 Rheinische Gulden gut an Golde und schwer 
genug an Gewichte als jährliche Zinsen von 440 Rheini- 
schen Gulden Hauptsumrae aus den Einkünften ihrer 
Stadt Haynichen zu einer ewigen Predigerei in der Dom- 
kirche zu Wui'zen gestiftet haben. Die bischöfliche Be- 
stätigungsurkunde ist bis jetzt nicht aufzufinden gewesen. 
Jedenfalls ist darin das Patronatrecht dem Altesten der 
Schönberge des Sachsenburger (und Stoiberger) Haupt- 
zweiges vorbehalten gewesen. Limbach bei Chemnitz 
gehörte zu Schöttgens Zeit zu dem Grundbesitze des 
Sachsenburger Hauptzweiges. 

6. Die Sigismund-Präbende im Kollegiatstifte zu 

Freilberg. 

Der Meissner Bischof Caspar von Schönberg (55) 
erneuert mittels Urkunde vom 20. Juni 14(31'^^) auf Bitten 
des Domherrn zu Meissen und Archidiakons zu Nisan, 
Johannes von Harras, als Inhabers des Altars des heiligen 
Sigisuiund in der Marienkirche zu Freiberg, alle von 
den Vorgängern des Bischofs für diesen Altar ausgestellten 
Urkunden, nachdem die Originale derselben zu Grunde 
gegangen sind, unter Aufführung aller einzelnen Einkünfte 
des Altars. Zugleich trifft derselbe Bestimmungen über 
die Verpflichtungen des Altaristen. Das Kollaturrecht 
soll, gewissermassen nach Erbrecht, ihm, dem Bischof, und 
seinem Bruder Nicol (57), sovyie dessen direkter Descen- 
denz, und zwar immer dem Altesten (semper ad senio- 
rem), zustehen. 

2») Stiftsstaclt Würzen, S. 205. 

^^) Abgedruckt in Schäfers Sachsenchronik II, 47. 
21) Abgedruckt in Wilisch's Kirchenhistorie der Stadt Frei- 
berg, Urkundenb. ö. 51 und im Cod. d. Sax. r. II, 12, 213, No. 3l8. 



78 Bernhard von Schönberg: 

Der Sigismund- Altar war somit eine ältere Scliön- 
berg'sche Stiftung, deren Genuss damals dem Johannes 
von Harras übertragen war; doch sind auf ihn auch die 
Einkünfte aus dem um die Mitte des 14. Jahrhunderts 
von Nicol Monhaupt gestifteten Andreasaltar in 
der Frauenkirche zu Freiberg übergegangen •^■-). 

In der Urkunde des Meissner Bischofs Johann V. 
wegen Erhebung der Freiberger Marienkirche zu einem 
Kollegiatstift vom 14, August 1480 ^'^J wird unter anderen 
eine Stiftung der Brüder Caspar von Schönberg i^71j zu 
Sachsenburg und Heinrich von Schönberg (69j zu Stol- 
berg, ferner der Brüder Dietrich von Schönberg (72) und 
Hanns von Schönberg (73) zu Reinsberg, endlich Caspars 
von Schönberg (107) auf dem Purscheustein zu einer mit 
dem Sigismund - Altar verbundenen Präbende gedacht, 
deren Einkünfte 60 Gulden jährlicher Zinsen betrugen. 
Hinsichtlich des Patronatrechtes wird bestimmt, dass das- 
selbe dem Ältesten aus den genan^nten Häusern (dem 
senior noh'dium de Schonnenberg, qui de prefatis domibus 
sint) zustehen solle. Damit stimmt eine Urkunde vom 
9. Juni lö26'^^J überein, laut welcher Caspar (87) und 
Friedrich (92) zu Stolberg, Antonius (99) zu (Roth-) 
Schönberg, Caspar (95) und Wolf (94) zu Sachseuburg, 
Caspar (142) auf dem Purschensteiu; Lorenz (101), 
Hanns (102), Peter (103), Nicol (104) und Caspar (105) 
zu Reinsberg, Hanns (122) und Heinrich ■^■^) zu (Ober-) 
Schönau, Gebrüder und Vettern von Schönberg, als Pa- 
trone und Lehnherren der Präbende des heiligen Sigis- 
mund das derselben inkorporiert gewesene Haus an das 
Domkapitel verkaufen und über die Verwendung des 
Erlöses zu Gunsten der Stiftung Bestimmung treffen. 

7. Der Elisabeth-Altar im Johannes-Hospital bei 

Freiberg. 

Auch hier fehlen die Stiftungs- und die Bestätigungs- 
urkunde. Die Existenz dieses Altars wird zuerst durch 



32) Cod. d. Sax. r. 11, 12, 81 und 88, No. 101 und 114. 

83) Ebendas. 5.35, No. 760. 

3-1) Auszug ebendas. 619, No. 852. 

35) Ein Angehöriger des Hauses Schönau mit Namen Hein- 
rich ist von damals nicht bekannt. Wahrscheinlich hat Heinrich 
von Schön berg (90) auf Zweitschen als Vormund der niinderjäh- 
rigeu Brüder des Hanns (122) die Urkunde vollzogen. 



Zur Entstehungsgeschichte ilei' Patvonatstellon etc. 79 

zwei Urkunden vom 7. und 8. Juni 1482 "*') bezeugt, 
laut welcher Johannes Geylenaw, Altarist der heiligen 
Elisabeth in der Pfarrkirche St. Johannis des Hospitals 
vor Freiberg, 200 und 100 Rheinische Gulden gegen 
13 Gulden (5 silberne Groschen und 6 Pfennige, bezieh- 
ungsweise 6 Gulden IH silberne Groschen und Ü Pfennige 
jährlicher Zinsen ausleiht. Dass der Altar eine Schön- 
berg'sche Stiftung mit Vorbehalt des Patronatrechtes war, 
geht aus der untenstehenden Anmeldungsschrift vom 
26. Juli 1543 hervor (vergL S. 81). 

Vielleicht war dem Altar auch das im Testamente 
des Bischofs Dietrich von Schönberg (56)'^") bei der Zu- 
sammenstellung seiner geistlichen Stiftungen mit folgenden 
Worten aufgeführte Anniversarium inkorporiert worden: 
Item in hospitali extra Freiherg awüversarium. cum miss/'s 
et vigiUis. Diese letztere Stiftung ist am 26. Juli 1456 
erfolgt und betrug damals 32 Groschen jährlicher Zinsen"'*^). 

8. Das Altarlehen zu Döbeln. 

Unsere Kenntnis davon beschränkt sich zur Zeit auf 
die Anmeldungsschrift vom 26. Juli 1543 (vergl. unten 
S. 81), da sonstige urkundliche Nachweise bis jetzt nicht 
aufzufinden gewesen sind. 



Die infolge der neuen Landesordnung vom 21. Mai 
1543 bei dem verordneten Ausschusse eingegangenen An- 
meldungen und die darüber an den Herzog erstatteten, 
übrigens lediglich auf die Zusammenstellung der verschie- 
denen Ansprüche ohne Beifügung eines Gutachtens sich 
beschränkenden Berichte sind uns in einem Aktenstücke 
des Hauptstaatsarchivs '^^j aufbewahrt. Von Seiten der 
Schön berge beginnen diese Verhandlungen mit der 
folgenden, zunächst gegen die festgestellte Präclusivtrist 
von 5 "Wochen gerichteten Eingabe^*') vom 30. Juni 1543: 

Durchlauchtiger hochgeborner Fürst. Euern Fürstlichen Gna- 
den sind unser unterthänige schuldige und ganz gehorsame Dienste 

36) Cod. d. Sax. r. II, 12, 316, No. 476. 
s'') Ebendas. II, 3, 233. 

3*) Ebendas. II, 12, 209, No. .30.3, und Grundmanns Cod. 
dipl. Vil, 2006 und VIII, 5027; desselben Collect. II, 36 und 54. 
^^) Loc. 1045, Die neuen Schulen belangend, 1543. 
*o) A. a. ü. Bl. 93. 



8Q Bernhanl von Schönberg: 

zuvor bereit. Gnädiger Fürst und Herr: Nachdem E. F. G. in Derselben 
Auschreyl)en jünirsten ausgangen angezeigt, welcher Gestalt die von 
der Ritterschaft Knuben in die Schulen, davon in demselben Aus- 
schreiben Meldung beschieht, zu benennen sollen haben, doch dass 
E. F. G. binnen fünf Wochenn die Lehen, so dieselben von der 
Ritterschaft zu leihen, und wie viel die Einkommens haben, und wo 
die gelegen, schriftlich angezeiget, und mit fernerem Inlialt; Dieweil 
aber diese mehr denn eines Orts gelegen, auch vor der Zeit mit 
etlichen anilere Wege gesucht worden, indem durch die Besitzer 
derselben die Einkomen nimmer etliche viel Jahre, anderer Orten 
dan erster Stiftung zu empfahen verändert, die Briefe auch der- 
selben Stifte etliche noch nicht itzund bei Händen, eins Theils auch 
verbrannt, doraus wir in so Eile in notturtftigen Bericht nicht kommen 
mögen: Bitten derhalben underthänigklich, zwischen hier und Mi- 
chaelis gnädig Geduld zu haben, damit wir mitteler Zeit der Dinge 
in genügsame Erfahrung kommen mochten. Das um E. F. G. under- 
thäniglich zu verdienen sind wir getlissen. Dat. Sonnabend nach 
Petri et Pauli im 1543. Jahr. E. F, G. 

underthänige 
gehorsame 
Die von Schonbergk. 

Hierauf erfolgte jedoch am 8. Juli 1543 die nach- 
stehende abfällige Bescheidung"): 

Lieben Getreuen. Wir haben euer Schreiben, darinnen ihr 
bittet, d;iss Wir euch zu Erkundung der Lehen, die^ ihr hin und 
wider zu verleihen habt, auch zu Benennung der Knaben in die 
neuen Schulen bis auf Michaelis Zeit und Frist geben wollten, ver- 
nommen. Nun habt ihr zu bedenken, da Wir euch solche Erstreck- 
ung der Zeit thiin solten, dass es dadurch bei Andern eine Ein- 
frung^-), auch Zerrüttung der fürgenommeneu Schulen macheu 
wollte; Darum lassen Wir es bei Unserem bcschehenen Ausschreiben 
noihmals bleiben und wollten euch Solches hinwieder nicht vor- 
halten. Datum Dresden, Sonntags Kiliani Anno etc. XLIH. 

Nunmehr zeigte Friedrich von Schönberg (72) zu 
Stolberg „als itzigcr Zeit der Eldiste in der von Schon- 
bergk Geschlecht" unter dem 9. Juli 1543'''') an, dass 
„wir von Schonbergk und allewege der Eldiste unter uns, 
mehrere Thumereien, Vicarien und Lehen zu verleihen 
haben"; welche, soweit sie ihm zur Zeit bekannt, in dem 
beigeiügten Verzeichnisse aufgeführt seien. Dieses Ver- 
zeichnis beschränkt sich auf die Vikarie Sancti Laurentii, 
„welche Joachim von Schonberk geliehen, der sie im Ge- 
brauch hat", und das „Lehen zu Döbeln, welches itzet 
Herr Georg Reinel (liemel?), Vicarius zu Zeitz, zu Ge- 
brauch hat". 



") A. a. 0. m. 62 b. 

'-) Einführung — Neuerung, welche anderen zum Nachtheile 
gereiclit, nachtheiliges Präjudiz, Beeinträchtigung. 
'■JJ A. a. 0. Bl. 95. 



Zur Eiitstchnngsgeschichte der ratronatstellen etc. 81 

Als Einkommen wird angegeben: bei der Laurentius- 
V^ikarie 100 Gulden jährlicher Zinsen und überdies 4 Gulden 
15 Groschen y Pfennige ZinS; welcher vom Kapitel zu 
Freiberg zu zahlen, aber wenigstens während der Besitz- 
zeit Joachims von Schönbero- nicht gezahlt worden war: 
bei dem Lehen zu Döbeln 32 Gulden jährlichen Zinses. 

Was die Thumerei zu Würzen, welche dem Vetter 
des Doctor Kommerstädt geliehen, desgleichen die Thu- 
merei zu Freiberg, „die allewege, wie obsteht, der Eldiste 
von Schonberck zu verleihen hat", an Einkommen oder 
Zins haben, wisse er, Friedrich von Schonberck, nicht, 
habe auch keinen Brief und Verzeichnis darüber. 

Es gebe auch noch mehr Lehen, deren Verleihung 
den von Schönberg zustehe; er wisse aber zur Zeit nicht, 
wie gross ihr Einkommen, und wo sie allenthalben ge- 
legen, habe sich auch darüber also in der Eile nicht zu 
erkundigcui vermocht und bitte derhalben, eine kleine Zeit 
gnädiglich sich gedulden zu wollen, damit er zunächst 
darüber weiteren Bericht von seinen Vettern einholen 
könne. 

Was ihm hierauf geantwortet worden, ergiebt sich 
aus dem Eingange seiner anderweiten Eingabe vom 
26. JuU 1543^^}: 

Durchleucliter hochgeborner Fürst, gnediger Herr. E. F. G. 
seiiit unser underthänig und ganz gettisseu Dienst zuvor bereit. 
G. Fürst, Das E. F. G. gnediglich Geduld zwischen des und Micha- 
elis solten gehabt haben, E. F. G. Anzeigung der Lehen, so wir die 
von Schonbergk zu vorleihen und der Stift'te, so von unsern Vor- 
fahren aufgerichtet, zu thun, hetten wir undertheniglicb vorhoii't. 
Demnach aber E. F. G. hirinnen Bedenken gehabt, hab E. F. G. 
ich Friderich von Hchonbergk zu Stolberg vor wenig Tagen einer 
Vicarey zu Meissen, eines Altars zu Dobeln, dero beider Einkommen 
sich in I<^XXXV Ü. erstrecken thut, und einer Thumerey zu Würzen 
Bericht gethan. Und ferner E. F. G. Gehorsam zu leisten, haben 
wir von öchonberg alle, so viel mnglich in Eile uns allenthalben 
an unsern Briefen, so der noch vorhanden, und Gopialen ersehen 
und erfunden, das wir die von Schonbergk zu Schonbergk und 
Reinsbergk ein Lehen in der Thumkirchen zu Freiberg sancti Si- 
gismundi genannt, zu dem etzlich viel Zinse im Dorft' Lichtenberg, 
auch bei Caspar Thelern zu Hockendorf und zu Wilsdorf, welche 
noch ganghaftig, vorordent, und durch Bischof Casparn confirmirt, 
auch eines im weiten Spital zw Freiberg Sant Elisabeth genennet, 
derhalben Caspar Freiberger noch itzicher Zeit dem Rath Zinse 
gibt, zu vorlcihen haben solten. Und wiewol wir derhalb dem 
Burgermeister zu Freiberg unib nottorfl'tigen Bericht geschriben, 
so ist uns doch von einem Rath doselbst, als sie derhalben nichts 



■*^; A. a. ü. Bl. 94. 

Neues Archiv f. S. (!. u. A. VII. 1. 2. 



82 Bernhard von Schönberg: 

l'mulen, Antwort geben. Dieweil al)er iler Ratli des gantzen Thnm- 
stifts und ancU^rer Stift zu Freiberg Einkomnu-u innen lial)en, auch 
aller derselbigen Briefe und Triviiegia ihnen übergeben und be- 
hendet, so werden E. E. G. Zweiftels ohn auf Derselbigen ernstlies 
Erfordern und Vorschaffen derselbigen zweier Lehen, uns denen 
von Schonbergk zustendig, der auch eines etwan unlang von unsern 
Vettern und liruder Lorenz von Schonbergk seligen verligen, guten 
Uericlit bekommen. Über das seint von unßern, der von Schonbergk, 
Vorfahren aller Urte vielerlei einzel Gestifte, als Messen, Lol)gesänge 
und Jahrgedäcbtnus, aufgerichtet, und mit Zinsen begäbet. 

Als derartige Einzelstiftangen werden aufgeführt: 
200 Schock und oO Groschen in das Kloster Altzelle; 
22 Schock Groschen dem Kloster St. Afra; IG Schock 
und 12 Groschen dem Barfüsser-KIoster zu Freiberg; 
15 Schock Groschen dem Kloster zu Alt-Dresden ; 15 Schock 
Groschen dem Kloster zu Beutitz; 30 Schock Groschen 
dem Kloster zu Seusslitz ; 14 Schock Groschen dem Kloster 
zu Grossenhain ; 15 Schock Groschen dem Kloster zu Len- 
geufeld; 13 Schock Groschen dem Kloster zu VValdheiin; 
1 Schock und 40 Groschen dem Kloster zu Döbeln; 
33 Schock Groschen dem Hospital bei Freiberg; 1 Schock 
Groschen jährlichen Zinses dem Kloster zum heiligen 
Kreuz vor Meissen. 

Der Gesamtbetrag dieser Einzeigestifte sei nach 
billiger Rechnung auf 392 Schock Groschen an Zinsen 
oder 1120 Gulden Hauptsumme (Kapital) zu veranschlagen. 

Wenn nun unter den beiden Lehen zu Freiberg ohne 
Zvi'eifel keines unter 30 oder 40 Gulden Einkonnnens 
gehabt habe, so werde dem herzoglichen Ausschreiben 
zufolge die Zahl der Knaben, welche die von Schönberg 
zur Schule zu benennen haben, imter sieben nicht sein. 
Und da überdies aus dem Gesamtkapital der Einzeln- 
stiftungen gegen 60 Gulden jährlicher Zinsen zu erlangen 
seien, so würden darauf hin dem Geschlechte noch „zwei 
Jungen zur Schule zu benennen" zuzulassen sein. 

Das Geschlecht beanspruchte demnach im Ganzen 
9 Stellen. 

Über den weiteren Verlauf der Verhandlimgen sind 
schriftliche Aufzeichnungen nicht auf uns gekommen. 
Wir können daher die dabei getroffenen Feststellungen, 
iiainentlich soviel die Zahl der den Betheiligten zuge- 
billigten Stellen betrifft, nur aus späteren diesbezüglichen 
Bemerkungen seh Hessen. Voraussetzlich waren diese Ver- 
handlungen wenigstens bis zu einem vorläufigen Ab- 
schlüsse noch vor dem Erlasse der Stiftungsurkunde für 



Zur Entstehungsgeschichte der Patronatstellen etc. 83 

die Landesschule zu Meissen am 23. Januar 1544*") 
gediehen. 

Dass indes die im Jalire 1543 erfolgten allgemeinen 
Feststellungen noch vieles im einzelnen zu ordnen übrig 
gelassen hatten, ergiebt sich aus der nachstehenden Ant- 
wort des grossen Stände- Ausschusses auf die darin er- 
wähnte Proposition des Kurfürsten August (6. Dez. 1549)^*^). 

Din-chlauchtigster, Hochgeborner Churfürst, Gnecligster Herre. 
Ewer Churiurstlichen Gnaden übergebene Proposition haben wir 
mit unterthenigstem Gehorsam entpfangen und daraus den gnedigen 
^Villen, Fleiss und Neigung, die E. Churf. G. zu derselben Land- 
schaft Untertanen und den aufgerichten Schulen traget, gespuret, 
des wir uns kegen E. Churf. G. billich und in ünterthänigkeit be- 
dancken. Haben uns auch in den vorgelegten Kechnungen der 
beiden Verwalter zu Meissen und Pforten auch des Procurators der 
geistlichen Lehen zu Meissen, derer wir sie aller quittirt befinden, 
nach möglichem Fleiss ersehen und dieselben erwogen, auch zum 
Theil weitern Bericht davon angehört. 
u. s. w. u. s. w. 

Wir bitten auch ganz unterthänigst, weil durch solche E. 
Churf. G. Zulage viel eine grössere Anzahl Knaben in der Schulen 
können erhalten werden, dann in der Confirmation ausgedruckt, E. 
Churf. G. wolle solche neue Zulage, das die bey dieser Schulen zu 
ewigen Zeiten bleiben möge, gnediglichen bestettigen unnd confir- 
miren, auch doneben vorschaffen, dass, lauts der ersten ausgekun- 
digten Ordenung^'j, allezeit der dritte Theil der Knaben von der vom 
Adel Kinder darein genommen werden, weil dieselben ir Jus patro- 
natus der geistlichen Lehen, vornemlich darzu folgen haben lassen, 
ötellen auch in keinen Zweifel, weil solchs zu der Ehre Gottes, 
Erhaltung und Auferziehung der Kirchendiener, auch Beförderung 
der Regiment und zu Nutz E. Churf. G. Landen und Unterthanen 
gereichet, E. Churf. G. werden sich hierin gnediglich erzeigen. 
u. s. w. u. s. w. 

Es kommet uns auch glaublichen vor, daß Er Johan Roßbach 
in Einnehmung der Knaben, welche die von Adel in die Schulen 
zu Meissen zu presentiren haben, sich zu viel maln beschwerlichen 
und unwillig ertzeigen soll. Wan aber solchs E. Churf. G. Gemuth 
und meinung nit ist, so bitten wir ganz underthänigst, E. Churf. G. 
wolle ihme davon abzustehen ernstlich undersagen lassen, oder aber 
gnedigst vorstatten, das wir solchs mit ihm selbst reden mögen. — 

Datum Dreßen Mittwoch nach Nicolai Anno etc. XLIX. 

Aus dem Entwürfe zur Antwort des Kurfürsten ge- 
nügt es, folgende Stellen hervorzuheben: 

Unser gnedigster Herre, der Churfürst zu Sachsen, ist bedacht, 
ein endlich "Erbregister alles Einkommens und Zugehorung der 
Schulen machen zu lassen, welchs man hinforder bey allen Rech- 



«) Vollständig bei Th. Flathe, St. Afra, S. 426. 
■*») Akten desH.-St.-A. Loc. 10407, „Das Schulamt zuMeissen etc. 
betr., 1645—1709", Bl. 89 flg. 
■*^) Vergl. oben S. 69. 



6 



* 



^S4 l!( riiliard von Schönberg: 

nunjTcMi nins; L'elu'auclHMi, uml solclis soll, so viel möglich, utV die 
iietiiste ^Vall)lu•gisvet•l^llung fertig werden, 
u. s. w. n. s. \v. 
Mit Einnehraung der Knaben in die Schulen hatt es diese Ge- 
legenheit, daß die Vorwalter ohne Befehl niemandts einnehmen 
dilrffen, doch wollen sein Chnriürstlich Gnad mit ihnen vorfngen, 
(las Derjenigen Knaben, die Recht zu nominiren haben, auf devsel- 
bigen Schrift hinfnro angenommen sollen werden ; es soll sich aber 
auch keiner anmaßen, zu nominiren, der es nit Fug hatt. 

Im Zusammenhange hiermit steht der Antrag in der 
Schrift des Torgauer Landtages vom 25. Juni 1555 ^'^). 

Daneben bedenken wir, dass solch Einkommen (der Schulen) 
in ein ordentlich Verzeichniss gebracht und aufs Neue bestätigt, 
auch eine Anzahl der Knaben namhaftig gemacht, und wie viele ein 
jedes Geschlecht Knaben in die Schule soll zu benennen haben. 

Der Landtagsabschied ^") ertheilte hierauf im Artikel 
„Schulen" folgende Zusicherung: 

^^'iewohl auch Unser freundlicher lieber Bruder verordnet, 
wie viel Knaben vom Adel und sonst in jetzliche Schule eingenom- 
men, auch Avelcher Gestalt solche Einnehmung geschehen soll; Weil 
aber dennoch mit denen vom Adel wegen ihrer Stiftungen, gehabten 
Lehen, Lehnsgerechtigkeit und iuris patronatus noch zur Zeit nicht 
alier Ding Vorsehung geschehen, wie es mit Einnehmung ihrer 
Knaben und Stipendien gehalten werden soll, auch sonst derhalben 
allerlei Unrichtigkeit bisher fürgefallen: als wollen Wir zu förder- 
licher Gelegenheit mit Rath derer zu diesem Unseren Ausschreiben 
Verordneten von Unserer Landschaft verordnen und Abtheilung 
machen, wie es allenthall)en mit Kinnehmung solcher Knal)en und 
Stipendiaten soll gehalt(;n werden, damit sich billig niemand der 
Ungleichheit halben noch sonst zu beschweren habe. 

Als Frucht der Thätigkeit der dementsprechend mit 
der weiteren Ordnung der Angelegen) leit beauftragten 
„Hof- und Landräthe" ist ein Eeskript vom ^^1. Juli 
1557 ■'••') zu betrachten, in welchem der Kurfürst u. a. sagt: 
\Vir wollen, dass es in Unserer neuen Schule zu Meissen mit 
Einnchmung iler Knaben bis zu endlicher VoUziehurg der Funda- 
tion gehalten werden soll, wie folgt: 
u. s. w. u. s. w. 

Die von Adel sollen aus ihren Geschlechtern zu benennen 
haben 21 Knaben, nämlich 

() die von Schonbergk zu Reinsberg, 
2 die Schonberge zur Neuen Sorge, 
u. s. w. u. s. w. 



•**) Bl. 102 der in Anm. 46 angezogenen Akten. 

•'") Ausschreiben etlicher Artikel etc. vom 1. Oktober 1555 im 
Cod. Aug. I, «. 

•'•') Akten des ll.-St.-A. Loc. 10407, Des durchlauchtigen hoch- 
geborenen Fürsten und Herren, Herrn Morit/,en zu Sachsen etc. 
dreien Schulen etc. betr. 1543, Bl. 45 tig. 



Zur KiitsU.'liiuigsgc'ScliiLhte dvv l'atiuiialsit'lloii etc. ;>5 

Und soll solcher rnsevcr Ordmuig bis zu endlicher VoUzieluuig 
der Fundation und Unserem ferneren ScbaiTen mit Fleiss nachge- 
gangen M'erden und ihr gehorsame und -willige Folge gescliehen. 

Dieses Reskript stellt sich aber wieder als ein nur 
provisoi'isches schon durch die Worte dar „bis icu end- 
licher Vollziehung der Fundation", und es scheint daher 
nur zur vorläufigen Nachachtung" für den Schulverwalter 
bis zum endgiltigen Austrage der Sache bestimmt gewesen 
zu sein. Dass dasselbe nicht das Resultat einer Verein- 
barung mit den Landständen verlautbarte, ergiebt sich 
schon an der darin aufgeführten Zahl der Schönberg'schen 
Freistellen gegenüber sowohl der oben S. 81 erwähnten 
Anmeldung vom 26. Juli 1543, als auch den thatsächlichen 
Anführungen in der sofort Aviederzugebenden Beschwerde 
der Schönberge vom Jahre 1561. Noch bestimmter aber 
geht dies aus der im obigen Re&;kript enthaltenen Ein- 
schränkung des Kollaturrechts auf die Benennung von 
Angehörigen des kollaturberechtigten Geschlechtes hervor, 
welche auch in dem nachstehenden Reskripte an den Ver- 
walter in der Schule zu Meissen vom 18. April 1558''^) 
festgehalten wird: 

Lieber Getreuer. Was Hanß von Honsberg für sich und von 
wegen seiner Brüder und Vettern an Unsere Regierung hat gelangen 
lassen, das hast du aus Inliegendem zu vernehmen. 

Ob es nun wohl an dem, dass das Geschlecht der von Hons- 
berg hinfiibro zweene Knaben in Unsere Schule zu Meissen zu 
benennen haben soll, so sollen doch dieselben ihres Stammes und 
Namens sein. Da sie dir nun solche zweene Knaben angeben und 
dieselben im E.xamen bestehen werden, auch zwo Stellen ledig sind, 
so beffebren Wir hiermit befehlende, du wollest sie beide einnehmen 
und wie sich gebührt unterhalten. 

Würden sie dir aber solche zweene angeben, so nicht ihres 
Geschlechtes und Namens, so wollest du dieselben kratt voriges 
und dieses Unseres Befehles nicht annehmen, sondern ihnen die 
neben Yermeldung der Ursache wieder heimschicken. 
Daran beschieht Unsere Meinung. 

Einen ganz ähnlichen Fall behandeln die Akten des 
Finanz-Archivs Rep. XXIII No. 22 „Schule Meissen, dreier 
Knaben Stellen, so die von Schönbergk darin haben, be- 
treffend". 

Sie beginnen mit einem Briefe Georg Marschalls zu 
Ozdorf von 1561, Montag nach vocem iucunditatis (12. i\Iai), 
dem Ehrenvesten und Gestrengen Wolf von Schönberg (127), 
Oberhauptmann des Gebirgischen Kreises, Wolf von Schön- 
berg (121) zu Schönau, Christof von Schönberg (130) auf 

•■'1) H.-St.-A., Copial No. 279, lil. 88 b. 



86 Bernhard von Schönberg: 

SaclisenLurg und Moritz vonScliünberg(124) zum Börnichen 
sämtlich und sonderlich zu Händen''-), worin er denselben 
mitthcilt, dass der Vorsteher der Fürstenschule zu Meissen 
sich weitere, seinen von ihnen zu einer Schönberg'schen 
Freistelle präsentierten Sohn ohne Genehmigung des Kur- 
fürsten aufzunehmen, weil ihm der Kurfürst vor kurzem 
befohlen habe, dass er von den Geschlechtern, welche 
Patrönatrechte hätten, keinen Knaben annehme, der nicht 
desselbigcn Geschlechtes sei. Darauf folgt der Entwurf 
eines Schreibens der Sachsenlnirger Schönberge (an den 
Schulverwalter, ohne Datum), welches folgendermassen 
anfängt: 

Ihr werdet Euch ohne Zweifel zu bescheiden haben, dass wir, 
die von Schonberg vom Hause Sachsenbnrg, drei Knaben in die 
Fürstenschule gegen Meissen eine lange Zeit her und fortan, so oft 
sich derselben Stellen eine verlcdigen thut, zu benennen und über- 
schicken berechtigt. 

Die Antwort ist in den Akten nicht vorhanden; doch 
ergiebt sich der Inhalt aus dem nachstehenden Entwürfe 
zu einer Eingabe an den Kurfürsten (ohne Datum) : 

n. s. w. u. s. w. 

Darauf haben wir, die von Schönherg zu Schönberg, Heinsberg 
und Sachsenburg, damals so viel dargethan, dass von beiden Häusern 
Schönberg und Heinsberg sechs Knaben und dann von dem Hause 
Sachsenburg drei Knaben in die Schule gegen Meissen zu nominieren 
nach Inhalt Kurfürst Moritz's, seliger Gedächtniss, ßefehligs, welcher 
anno 1548 gegeben und mit E. F. G. Händen unterschrieben'''') be- 
fuget, haben auch dieselben Knaben bisher in der Schule gehabt, 
und ist von dem Verwalter der Schule zu Meissen keine ^Yeigerung 
niemals gegen uns vorgenommen. 

Nachdem aber etliclie Stellen von den unseren sich erledigt 
und andere Knaben von uns in die Schule zu verordnen fürgenom- 
nien, so ist uns durch den jetzit^en Verwalter zugeschrieben, dass 
er von E. F. G. der Schulen halber befehligt, wie er sich mit Ein- 
nehmung der Knaben forthin verhalten soll, nach Inhalt angelegten 
Zettels. 

Dieweil dann der Verwalter bisher in Weigerung gestanden, 
die Knaben ausserhalb unseres Geschlechtes in die Schule auf- und 
einzunehmen, ungeachtet dass Kurfürst Moritz's, hochlöbl. seliger 
Gedächtniss, der dreier Schulen ausgegangene Ordnung und Befehlig 
obgemeldt keine Meldung darvon thut, wir es auch in Anschickung 
der Knaben in die Schulen bis anlier anders hergebracht hal)en: 
Als bitten E. V. G. wir unterthänigst, Sie wollten noch gnädigst 
schaffen und dem Verwalter befehlen lassen, dass uns, denen von 
Schönberg von obernannten drei Häusern, die neuen Knaben in 



^'-) Es handelte sich also um die Stellen des Sachsenburger 
Ilauptzweiges. 

^''^) Dieser auch sonst mehrfach angezogene Befehl ist aufialliger 
Weise nirgends aufzutinden trewcsen. 



Zur Entsteluingsgeschiclite der Patronatstellen etc. 87 

derselben Schule gegen Meissen auf unser Ansuchen eingenommen 
werden, damit ausserhalb unseres Geschlechtes, unsre augebornen 
Freunde, armen Kirchendiener und unserer ünterthanen iunder, 
wie bisher geschelien, zu Gottes Ehre und diesem Lande zu Nutz 
gefördert möchten werden. Und wollen hiermit zum unterthänigsten 
gebeten haben, E. F. G. wollten uns dazu nidit mcdir dringen lassen, 
ddss wir ausserhalb unseres Geschlechtes niemauds zu l)c;nennen 
haben sollten, in Betrachtung, dass wir von unsrem Geschlecht der 
dreier Häuser gar viel stattlicher Lehen und geistlicher Güter hier- 
gegen abgetreten, u. s. w. u. s. av. 

Darauf erging fulgendo Verfügung- an den Schul- 
verwalter (das Konzept ist ohne Datum): 

"Wann sich auch zutraget, dass sich Stellen verledijren, oder 
die sechs Jahre ihre Endschaft erreichen, und die vom Adel, auch 
die Städte und Flecken, welchen inhalts dieses Unsres Verzeich- 
nisses"^') die Benennung zusteht, hätten dieselben aus dem Geschlechte, 
noch die Städte aus den Städten und Flecken mit Knaben, welche 
in denselben gezogen, nicht zu ersetzen: so wollest du solches jedes- 
mal berichten und darauf Unsers Bescheides «gewärtig sein, wer an 
die ledigen Stellen, bis sie aus dem Geschlechte, auch den Städten 
und Flecken wieder ersetzet, angenommen werden soll. 

Die Kollaturberechtigten gaben sich indes damit 
nicht zufrieden und erlangten schliesslich die Anerkennung 
ihres guten Rechtes durch die Dazwischenkunft des Tor- 
gauer Landtages vom Jahre 1565''). 

In den von diesem dem Kurfürsten überreichten 
„Landgebrechens-Artikeln" vom 29. September 1565 heisst 
es unter der Überschrift 

Neu aiifgericlitetc Schulen: 

So Einer, so Knaben zu benennen, dieselbige aus seinem Ge- 
schleclit nicht haben mag, will ihm Andere an derer Stat zu be- 
nennen nicht gestattet werden. Pieweil aber dasjenige, so zu Unter- 
haltung solcher Knaben gebraucht, von unsern "Vorfahren des mehren 
Theils crestiftet, sind zu E. Churf. G. wir der unterthenigsten Hoft- 
nung, E. Churf. G. werden gnädigst verschaffen, dass denjenigen, 
denen die Benennung gebührt, in Mangelung ihres Geschlechts 
Andere anzugeben und darein zu befördern haben. Denn obwolil 
seit dem zuletzt gehaltenen Landtage Etliche der Unsern Knaben, 
so ihre Freunde gewesen, angegeben, so haben sie es doch nicht 
erlangen mögen. , 

Die Resolution des Kurfürsten lautete: 

Derer von Adel halben, so aus ihrem Gesclilechte Knaben zu 
benennen, haben Wir Uns jüngst dahin erklärt und erboten, "\Vie- 
wol "^'ir es dafür hielten, dass diejenigen, welchen in den aufge- 
richten Fürstenschulen ihres Geschlechts Knaben zu benennen durch 



•"■>*) In den Akten nicht enthalten. 

*'^) Vergl. Akten des H.-St.-A. Loc. 9.S56, Landtagshandlung zu 
Torgau auf den 23. September 1065 betr. 



88 Bernhard vun Schönberg: 

Unsern geliebtenn Bruder und Uns nachgelassen, daran billich Ge- 
nüge haben sollten, dass es bei ihren Sölinen und Vettern bliebe, 
so lültten Wir Uns doch auf Ansuchen der von der Ritterschaft zum 
ofternial gnädiglicli erzeiget, wolten Uns auch nach Gelegenheit 
der Personen, so Uns angegeben werden, furder gnädiglich zu vor- 
halten wissen. Dabey lassen Wir es auch noclmials bleiben. — — . 

Bei der in Aussicht gestellten ^gnadenweisen Gewähr- 
ung dessen, was sie als ein wohlerworbenes Recht be- 
anspruchen konnten, begnügten sich indes die Landstände 
nicht, Avorauf sie denn endlich folgendes Anerkenntnis 
erlangten: 

Auf euer abermals übergebene x\rtikel der Landgebrechen, 
Avollen W'ir endlichen willig geschehen lassen und deretwegen ge- 
bührliche Verordnung thuii, wie auf itzlichen Artikel volget, niluilich: 

Schuleu. 

Wir sind gnädigst zufriden, dass die Geschlechter, so Knaben 
in Unsere Schulen zu benennen haben, dasselbige ohne Unterschied 
tbun mögen, und sollen die von ihnen angegebenen Knaben in die 
Schule angenommen werden, obgleich die benannten Personen ihres 
Geschlechts nicht wären. 

Nunmehr «ielano-te auch die Beschwerde der Sachsen- 
burger Schönberge von 15G7 zur Erledigung mittels des 
folgenden Reskripts an den Verwalter der Schule zu 

Meissen^"): 

Lieber Getreuer. Ob Wir Uns wohl der vorigen Unserer 
Schulen aufgerichten Ordnung zu erinnern wissen, wie es mit Ein- 
nehmung der Knaben in Unserer Schulen zu Meissen gehalten 
werden solle, so haben W^ir doch auf underthänigstes Ansuchen des 
Geschlechtes von Schonnbergk der dreier Häuser Sachssenburgk, 
Reinsbergk vnnd Schonnbergk ihnen zur Gnaden bewilligt und nach- 
gelassen: Wann solch Geschlecht von Schonnbergk unter ihren 
Kindern nicht Knaben hätte, so zum Studiren geschickt, dass sie 
an derer Statt Andere vom Adel, ihre Blutsfreunde oder sonsten 
frommer Leute Kinder an der von Schonnberg Stellen, doch mit 
Unserer Bewilligung, um bemeldte Unsere Schule zu benennen haben 
sollen. W^ie denn auch itzo zweene Baltzor von Rechenbergs Söhne 
und des Pfarrers zu Königsfeld Sohn unteithenigst verbeten, weil 
ihrer Stellen viere ledig gegen Uns, dass die eingenommen werden 
mochten. Da nun bemeldes Geschlecht von Schonnbergk solche 
Stellenn furder aus ihren Kindern nicht zu erfüllen haben würde, 
und sie würden andere ihre Blutsfreunde bei dir angeben, so be- 
fehlen Wir dir, du wollest uns solclies mit Benennung derselben 
Knaben zu erkennen geben, und da befunden, dass es solcher Leute 
Kinder, so in solcher Unserer Schule einzunehmen und zu dulden, 
und sie wären der Schulen Ordnung nach darzu auch geschickt und 
tüchtig, so wollen Wir geschehen lassen und dir darauf befeien, 
dass dieselben au der Biren Stätte eingenommen und gleich den 



•"•') Akten des H.-St.-A. Loc. 10405 „Copial der ausgegangenen 
Bcfeblich u. s. w. 1568—1573", Bl. .3 flg. 



Zur Entsteluuigsgescliichte der Patroiuitstcllcn etc. 89 

audeni uiulorlialten werden. Wie Du es denn itzo mit obbemeldten 
dreien auch also balten und die einnehmen und Uns alsdann be- 
richten wirst, wann sie die dahin abfertigen und senden wollen, was 
vor Knaben an der vorigen Stellen bisher und nocli darinnen unter- 
halten, und wann derselben Zeit aus sein wird. Hieran etc. Datum 
Dreßden, den 20. Februarii 1568. 

Als darauf der Scliulverwalter Gi-egor Seidendorf in 
einem Berichte vom 12. März 1568 unter Bezugnahme 
darauf, dass 9 Freistellen der Edelleute, einschliesslich 
3 Schönberg-'sche. bereits in der bi.sherig'en Weise besetzt, 
und kurfürstliche Gnadenstellen nicht frei seien, um Ver- 
lialtungsmassgaben bat, erhielt er umgehend den Befehl, 
in die betreffenden Freistellen die von den kollaturbe- 
rechtigten Geschlechtern präsentierten Knaben, dafern sie 
das Examen bestehen würden, einzimehmen und die der- 
zeitigen Inhaber bis zu einer anderweiten Vakanz aus der 
Schule zu beurlauben. 

Dagegen blieb es zur Zeit noch bei der Einschränk- 
ung des Koliaturrechtes, welche die Schulordnung von 
1602 (XIX, 4) folgendermassen darstellt: 

Wo sie (die vom Adel) aber keinen ihres Geschlechts haben, 
und deroweiien solch Beneficium ihrer Freunde oder der PastoriuTi 
Söhnen wollten zukommen lassen, sollen sie solchs zuvor Uns be- 
richten und Unsern Consens nnd Befehl darüber erwarten. 

Diese Einschränkung Avard erst durch den Land- 
tagsabschied von 1692"'') in folgenden Worten beseitigt: 

Wir sind damit gnädigst zufrieden, dass wegen Präsentation 
der Knaben in die Landesschnlen, weil nunmehr dieselben wiederum 
in Stand gesetzet, nnd die Unterhaltung zureichet, die Städte und 
Andere bei ihrem Herkommen und Ersetzung der Stellen sowohl 
als Präsentation gelassen werden. 

Die Zahl der Schönberg'schen Freistellen hat sich 
insofern vermindert, als nach Ausweis der im Schul- 
archive zu Meissen befindlichen Rechnungen die Freistellen 
des Sachsen bürg er Hauptzweiges'^*^) von Michaelis 
1615 an, gleich der Freistelle des im Jahre 1614 er- 
loschenen Geschlechtes von Karas, in kurfürstliehe 
Gnadenstellen verwandelt w^orden sind, welche sich damit 
von vier auf sieben erhöhten. Irgend welche darauf be- 
zügliche Vei'handlungen haben sich im Hauptstaatsarchiv 
nicht auffinden lassen; auch das Meissner Schularchiv 
enthält hierüber nichts, da eine vor ohngefähr 4U Jahren 



■'^') H.-St.-A. Loc. 9.^.93 „Landtagssachen ao. 1692, Vol. 2, Bl. 307b. 
Vergl. auch PMathe, St. Afra, S. 91. 

5«) Die Zahl derselben wird vom Jahre 1574 an entgegen den 



Anführungen S. 8G stets auf 2 angegeben. 



QQ Bernhard von Schönberg: 

aiisgefülirte INIakiilicrunii: inlt den älteren Akten o-ründlich 
anfgeräunit hat. Vielleicht darf verinuthct werden, dass 
der Kurfürst, nachdem er am 3. Januar 1610 das Kittcr- 
o;ut Ncusorgc und am 16. März 1610 die Herrschaft 
Sachsenburg erworben, im Zusammenhange hiermit den 
Sachsenburger HauptzAveig zur Abtretung auch jener Frei- 
stellen bewogen hatte. 

Die 6 Freistellen des Rcinsbergcr Hauptzweiges 
dagegen sind bis auf die Gegenwart unverändert geblieben. 

Dass das Kollaturrecht über die adeligen Freistellen 
niemals die Eigenschaft eines auf einem Rittergut haften- 
den Realrechtes gehabt hat, sondern stets als dem be- 
treffenden Geschlechte selb st, beziehungsweise einem 
besonderen Zweige desselben zuständig angesehen Avorden 
ist, lässt sich hinsichtlich des Geschlechtes von Schönberg 
von den oben wiedergegebenen Stiftungsurkunden an ül)er 
die Einga])en Friedrichs von Schönberg (92) zu Stolberg 
hinweg bis zu dem kuifürstlichen Reskript vom 7. August 
1595 (vergl. unten) verfolgen, und ist noch später Aviederholt 
durch Entscheidungen des Oberkonsistoriums als Aufsichts- 
behörde, hinsichtlich sowohl der Bärcnstein'sclien Stelle 
vom Jahre 1720"'''\ als auch einer Schönberg'schen Stelle 
vom 29. Juli 1825''^') ausdrücklich anerkannt worden. 

In Bezug auf die Ausübung des Kollaturrechtes stellt 
der nachstehende Bericht des Rektors und Schulverwal- 
ters zu Meissen vom 20. Juli 1595*") das Herkommen fest: 

So ist es auch, G. F. u. II., bishero unter denen vom Adel, 
so in dieser uns befohlenen Schule Stellen zu ersetzen haben, als 
denen von Schönberg, Schleinitzen, Miltitzen, Honsbergen, Karassen, 
Zieglern, Karlowitzen, rtiugeii, Lattichen, Bärensteinen und Anderen, 
bishero also bräncddicli gewesen, auch uo^h unter ihnen also gehalten 
wird, dass die Ältesten im Geschlecht die Knaben zu nomiiüeren 
haben; doch da es mit ihrem Geschlecdit nicht geschehen kann, dass 
sie mit Churfürstlichem Consens anderer Leute Kinder darein be- 
fördern. 

Der Administrator Friedrich Wilhelm reskribierte 
hierauf unter dem 7. August 1595: 

Weil es denn, wie euch selbst wisslich, jederzeit also gehal- 
ten worden, dass die Ersetzmig der Stellen ein jedes Geschlecht zu 
benennen allewege mit des Ältesten Vorwissen und Bewilligung er- 
folgt ist, so lassen wir es dabei auch nachmals bewenden. 



59) Vergl. Fiat he, St. Afra, S. 90. 

"") H.-St.-A. Loc. 1817: Akten, die von Schönberg'schen Frei- 
stellen bei der Landesschule zu Meissen lietr., Bl. U. 

"') Akten des H.-St.-A. LoclOlüfi „Schriften, die Churfürstlichen 
drei Schulen etc. betr. 1594 '9", Bl. Sfi flg. 



Zur Entstehungsgeschichte der Patronatstellen etc. 91 

Wir st(^ssen also hier auf eine, wenn auch zunäclist 
noch äusserst cinfaclic, k<n'porative Organisation der 
Atlol.sgcschlecliter , die sich bei näherem Einlachen 
als nicht uusschlicsc^lich auf den hier fraiilichen Zweck 
beschränkt darstellt; vielmehr lassen sich Spuren einer 
solchen Organisation noch weiter zurück und in weiterem 
Umkreise verfolgen. 

Als der wesentlichste Gegenstand ihrer Wirksamkeit 
erscheint anfänglich die Sicherung der Familiengüter durch 
die die Lelmsuccession regelnden „Erbvereinigungen", 
welche auf der Grundlage der diesbezüglichen Autonomie 
des Adels nicht bloss eine allgemeine Lehnfolge-Ordnung 
für die Familie feststellten, sondern auch in mehreren 
Fällen die Ausschliessung danach an sich Successions- 
berechtigtcr von der Succession im Falle der Verweigerung 
des Beitrittes zu dem Familienstatut und die Aufnahme 
aller IMitglieder des Geschlechtsverbandes in die gesamte 
Hand bei der Erwerbung neuer Lehngüter anordneten. 

Fürmliche Korporations-Statuten adeliger Geschlechter 
sind aus der Zeit vor dem 16. Jahrhundert nicht auf uns 
gekommen, mit Ausnahme des Auszuges aus dem Statut 
des Geschlechtes von Watzdorff vom Jahre 1394'*"-). 

Die im 16. Jaiirhundert hervortretenden Rückwii-k- 
ungen der damaligen Übergangszeit hatten das Bedürfnis 
einer entsprechenden Erweiterung der Wirksamkeit der 
Familien verbände hervorgerufen, welche nunmehr, nächst 
der Sicherung der Familiengüter, in der Regel noch die 
Erhaltung und Kräftigung der ritterlichen Gesinnung in 
ihrer ursprünglichen idealen Auflassung, gute Kinder- 
erziehung, sorgsame Hauswirthschaft, gegenseitige ma- 
terielle Unterstützung in Unglücksfällen, festen verwandt- 
schaftlichen Zusammenhalt, Erledigung von Streitigkeiten 
zwischen den Mitgliedern vor einem Schiedsgerichte nach 
den hergebrachten deutschrechtlichen Anschauungen (in- 
teressante Vorschriften in letzterer Beziehung enthält u. a. 
die Pflug'sche Geschlechtsordnung vom 30. April 1571), 
Bestimmungen über Aufrechterhaltung und Schutz des 



''-) Gedruckt in der Dissertation „De statutis et iudiciis gcnti- 
liciis nobilium mediatorum in Germania, speciatim in Saxonia" von 
A. F. A. von Watzdorft' und F."W. L. von Beulwitz, Leipzig, 1774, S. .39 
und der von "Watzdorff sehen Geschlechtsgeschichte vom Jahre 1872 
Ö. ^i: (ohne Angabe der Quelle), wobei noch ilie nurhezeichnete Ge- 
schlechtsgeschichte, jedoch ebenfalls ohne Angabe der Quelle, Ge- 
schlechtstage vom Jahre U-12, 1483, 1495 und 1502 aufführt. 



92 Bernhard von Schunborg: 

Oeschlcclitswappens, das Verbot unebenbürtiger Ehen und 
Ähnliches (z. B. bei den Btinau das Verbot, die Söhne anders 
als Heinrich, Rudolf luid Günther taufen zu lassen) umfasste. 

Die ältesten uns erhaltenen Geschlechtsordnungen 
aus dieser Übergangszeit sind, soweit bekannt, die der 
Geschlechter von Watzdorff von 1544, Montags nach Petri 
Pauli und vom 16. Miirz 1626*''"'), von Pünau vom 11. Juni 
1650, in welcher auf eine im Jahre 1632 vei'brannte Gc- 
schlechtsordnung vom Jahre 1517 Bezug genommen 
wird'''), von Heynitz von 1553 am Dienstag nach Simonis 
und Judä "'•'), von Ende von 1557 Montags nacli Ursula 
Virginis, unter Bezugnahme auf „unserer Vorfahren seel., 
auch unsere jüngst erneuerte Vereinigung" "''), Pflug vom 
30. April 1571, 13. Dezember 1608, 13. August 1629, 
14. Februar 1666, 3. und 4. Juli 1704"'). 

Landesherrliche Bestätigung ist u. a. zu den Ge- 
schlechtsordnungen der Watzdorff', Bünau und Pflug er- 
theilt worden. 

Die Schönberge errichteten erst unter dem 26. Ok- 
tober 1675 eine Geschlechtsordnung. Wenn darin nirgends 
Bezug auf ältere Vereinbarungen genommen wird, so ist 
hieraus nur so viel zu folgern, dass ältere auf diesen 
Gegenstand bezügliche Schriftstücke in dieser Familie 
niciit abgefasst worden sind oder zur Zeit der Errichtung 
der Geschlechtsordnung nicht mehr bekannt Avaren. Auf 
eine schon im Mittelalter thatsächlich bestehende korpo- 
rative Organisation dagegen lässt schon das bis in das 
14. Jahrhundert zurück zu verfolgende Zusammenwirken 
sämtlicher Faniilienglieder zur Erhaltung der Familien- 
güter (namentlich durch Aviederholte Anerkennung und 
Erneuerung der gesamten Hand) schliessen, welches sich 
als charakteristisches Merkmal durch die von Schön- 
berg'sche Geschlcchtsü'eschichte hindurch zieht. 

Über die einschlagenden Rechtsverhältnisse verbreitet 
sich im allgemeinen die in Anmerkung 62 bezeichnete 
Dissertation. Besonders hervorzuheben ist , dass auch 
solchen Geschlechtsverbanden, für deren Statuten die 
landesherrliche Bestätigung nicht eingeholt worden war 



"^) Abgedruckt in der Anni. {)2 bezeichneten Dissertation, S, 40 flg. 
^^) Abgedr. in Valentin Künig's Genealog. Adelshist. II, 202. 
''■') Abgedr. ebendas. III, 477. 
««) Abgedr. ebendas. I, 321. 

"') Erwähnt und bezw. abgedr. in der Anm. 62 bezeichneten 
Dissertation, S. 75 flg. 



Zur Entstehungsgeschichte der ratronotstollcu etc. 93 

(und zu diesen gehörte u. a. die von Scliönberg'sclie 
Geselileclitsordnung-), von den zuständigen Gerichten stets 
die Eigenschaft als juristische Person zuerkannt wurde. 
Eine derartige Anerkennung ist z. B. nachweisbar dem 
von Schönberg'schen Geschlechtsverbande während des 
ganzen 18. Jahrhunderts Seiten des erbländischen Lelin- 
hofes zu theil geworden"^). 

Als Vertreter des Geschlechtes werden in den älteren 
Geschlechtsordnungen stets die zwei „Altesten" oder „der 
Alteste" u'enannt, ohne dass in den Geschlechtsordnuno-en 
aus der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts über die Art der 
Bestellung etwas gesagt würde. Ob also das Alter un- 
bedingt, oder — was aus praktischen Gründen wahrschein- 
licher — neben dem Alter noch andere Verhältnisse be- 
dingend waren, lässt sich nicht mehr entscheiden. Die 
Pflugk'sche Geschlechtsordnung vom 30. April 1571 be- 
stimmt nur: „Und damit alle Dinge desto besser und 
ordentlicher hervoher gehen, wollen wir zweene Eltiste 
aus unserem Geschlecht ordnen". Erst die Geschlechts- 
ordnung vom 13. Dezember 1608 bestimmt in § 10 aus- 
drücklich, es sollten die Geschlechtsältesten „nach Anzahl 
der meisten Stimmen gewählt, jederzeit aber mehr 
auf der Personen Geschicklichkeit und Qualitäten, als auf 
ihr Alter gesehen werden". Alle späteren Geschlechtsord- 
nungen enthalten ähnliche Bestimmungen, indem sie (mit 
Ausnahme der dem 19. Jahrhundert angehörigen, welche 
auf die im studentischen Verbindungswesen und auch sonst 
überlieferte lateinische Bezeichnung „Senior" zurückgreifen) 
an dem Worte „Altester" festhalten. 

Immerhin also dürfte so viel feststehen, dass bei der 
Ordnung des Patronatrechtes über die Freistellen in den 
Landesschulen das Wort „Altester" in demselben Sinne 
gebraucht worden ist, wie in den gleichzeitigen Geschlechts- 
ordnungen, nämlich in der mittelalterlichen, durch Luthers 
Bibelübersetzung auf uns gekommenen, und zum Theil 
— beispielsweise bei den Innungen — noch jetzt bräuch- 
lichen Bedeutung als „Vertreter" oder „Vorsteher". Wo 
somit eine statutarische Vertretung eines kollatur- 
berechtigten Geschlechtes existiert, würde diese — be- 
ziehungsweise mit Ausschluss der etwa einem nicht kollatur- 
berechtigten Zweige angehörigen Mitglieder — als zur 
Ausübung des KoUaturrechtes berufen zu betrachten sein. 

«■>) Yergl. die Akten des Lehnhofs über das Rittergut Bärenstein. 



III. 



Das Zinner recht von Ehrenfriedersdorf, 
Geyer und Thum, 



Von 

H. Ermiscli. 



Die Quellen zur älteren Geschichte des sächsischen 
Bergrechts, über deren wichtigste, die in Freiberg ent- 
standenen Rechtsaufzeichnungen , wir an dieser Stelle 
früher geliandelt haben'), sind nicht so zahlreich, als dass 
nicht jede von ihnen sorgfältige Beachtung verdiente. 
Dürfte schon deswegen die Mittheilung des nachstehend 
von uns veröffentlichten, bisher unbekannten Weisthuras 
gerechtfertigt erscheinen, so veranlasst uns zu einer 
solchen noch ganz besonders der Umstand, dass dasselbe 
unsers Wissens überhaupt die älteste deutsche Rechts- 
aufzeichnung ist, die sich auf den Zinnbergbau bezieht. 

Bis in das 13, Jahrhundert wurde Deutschland, wie 
es scheint, ausschliesslich von England aus mit Zinn ver- 
sorgt. Ein englischer. Geschichtschreiber -j tlieilt mit, dass 
im Jahre 1241 auch in Deutschland Zinn in grosser Menge 



') W. Herr mann nnd II. Ermisch, Das Freiberger Berg- 
recht, in dieser Zeitschrift III, 118 flg. Der in der nächsten Zeit 
erscheinende 2. Band des Freiberger Urknndenbuchs (Cod. dipl. 
Abth. 11, Bd. 13) bringt eine uene Ausgabe dieser Kechte. 

-) Eodemqne anno (1241) inventnm est stangniim in Alemannia 
]iriniuni et purissimnm, copiosius quam in partibus Angliae. Quod 
ab initio mundi antea nisi tantiim in (lornubia aliquo loco non legitur 
fuisse repertum. Et ideo precium ejus in Anglia propter copiam, 
redundantem, quam in Angliam transmisit Alemannia, fuit minora- 
tum et vilificatum. Matthaei Parisiensis Chronica majora ed. 
H. R. Luard IV (London 1877), 151. 



H. Ermisch : Bas Zinnerrecht von Elirenfriedersdorf etc. 95 

,und von ausserorclentlicliei' Güte entdeckt worden sei; 
eine Nachricht; die wohl mit Recht auf die nordböhmisclien 
Zinndistrikte bei Graupen bezogen wird"'). Bevor von 
hier aus in den nördlich angrenzenden Gebieten der 
J\Iark Meissen die reichen Zinnlagerstätten, die noch heute 
nicht erschöpft sind, aufgefunden wurden, entwickelte sich 
in einer anderen Gegend des Erzgebirges, in der Herrschaft 
Wolkenstein, ein reger Bergbau auf Zinn. 

Die frühesten Nachrichten über den Betrieb von 
Bergwerken in der Herrschaft Wolkenstein stammen aus 
dem Ende des 13. Jahrhunderts. Unark von Waiden- 
burg, der damalige Besitzer der Herrschaft, schenkte 
durch Urkunde vom 13. Januar 1293 dem Nonnenkloster 
zu Nimptschen bei Grimma den Haldenzehnten (decimam 
que in vidgari berchczende nominatur) von allen seinen 
Bergwerken in der Herrschaft Wolkenstein (in montlhus 
nostris in Wolkenstein)*). Welche Metalle damals hier 
gewonnen wurden, ergiebt sich nicht aus dem Wortlaut 
der Urkunde, wohl aber, dass der Zehnte von den in 
den Halden sich auffindenden Erzen nicht, wie sonst in 
der Mark Meissen')^ den Markgrafen in ihrer Eigenschaft 
als Inhaber des Bergregals^ sondern den Grundherren, 
den Herren von Waiden bürg, zustand. 

Im Laufe des 14. Jahrhunderts entstanden Streitig- 
keiten zwischen den Herren von Waidenburg und den 
Markgrafen wegen der beiderseitigen Kechte an den Berg- 
werken, die ihren Abschluss in den Rezessen vom 13. Juni 
1377 und vom lü. Oktober 1407 fanden''); ein dritter 
Rezess vom 1. Juni 1429^) ist eine fast wörtliche Wieder- 
holung des letztern. 

Aus diesen Rezessen ersehen wir, dass zur Zeit ihrer 
Abfassung in der Herrschaft Wolkenstein sowohl auf 
Zinn^J als auf Silber, ja sogar auf Gold'') Bergbau ge- 

•^) Ha 11 wich, Geschichte der Bergstadt ü raupen, S. 4 üg. 

*) Original im H.-St.-A. zu Uresden No. 1411b, gedruckt u. a. 
in (Klotzsch und Grundig) Sammlung vermischter Nachrichten 
zur Sachs. Geschichte VIII, 102. Vergl. Cod. dipl. II, 13, 39. Über 
die Bedeutung von berchczende vergl. ebenda 1. 

■') Vergl. die im Cod. dipl. 11, 13, 1 tig. zusammengestellten 
Urkunden über die Verleihung des Haldeiizehnten an JSimptschen 
(1241—1308). 

ß) Zuletzt gedruckt Cod. dipl. II, 13, 39. 71. 

•') H.-St.-A. Cop. 42, fol. 45 b. 

*) ßeyer, Zinn (Berlin ifeSl) S. 59, hat dies merkwürdiger 
Weise überselien. 

") Der ßezess von 1377 trifft Bestimmungen für den Fall, dass 



9(3 II. Krmisch: 

trieben wurde. Sehr heaclitenswcrtli ist, dass die An- 
sprüche der Landesherren sich nur auf die Edchnetalle 
erstrecken; während die Ziinibergwerke mit ihrem ganzen 
Ertrage unbeanstandet den Grundherren überlassen bleiben. 
Auf allen Silber- und Goldgängen ^"') sollten die Mark- 
grafen alle Rechte haben, die ihnen das Freiberger Berg- 
recht zuspricht: die Anstelliuig der Bergmeister und übri- 
gen Amtleute, das Gericht auf den Bergwerken, in den 
Hütten und sonstigen zu jenen gehörigen Gebäuden, die 
Verleihung aller Gruben; auch sollte alles gewonnene 
Silber (und Gold ) nur in die landesherrliche Münze nach 
Freiberg gebracht und durch die landesherrlichen Amt- 
leute daselbst angekauft werden"). Dagegen traten die 
Markgrafen, abgesehen von andern, nicht hierher gehören- 
den Zugeständnissen, von dem ihnen als Regalherren ge- 
bührenden Zehnten 1377 die Hälfte, 1407 sogar zwei 
Drittel an die Grundherren ab, und zwar durch clez scha- 
dia lotllen, den icir (die Herren von Waidenburg) an 
vnserm czeneivercke nemyn, und zur Förderung des Silber- 
bergbaues. Worin diese Schädigung des Zinnbergbaues 
besteht, erfahren Avir aus einer späteren Stelle des Re- 
zesses, nach welcher Zinngänge, die mit Silbergängen 
zusammentrafen, nicht eher betrieben werden durften, als 
bis dieser Betrieb ohne Störung des Silberbergbaues mög- 
lich war'-). 

Es ergiebt sich hieraus vollkommen deutlich, dass 
die Zinnbergwerke nicht dem landesherrlichen Regal 
unterworfen waren, sondern sich im Eigenthum der Grund- 
herren befanden. 



„ein Goldwerk aufstünde"; nach der Urkunde von 1407 scheint dieser 
Fall eiuLfctretcn zu sein. Sehr ergiebijr ist der Goldbergbau jeden- 
falls hier wie überhaupt in der Mark Meissen nicht gewesen. 

^'^) Der Kezess von 1377 hat: uf allin silbirgcngen und bcrc- 
wcrckru, der von 1407; uff' allen golt- und silbergengen. Dass man 
aber auch in der älteren Urkunde unter hcrctverckin nicht die Zinn- 
bergwerke verstehen darf, ergiebt der ganze Zusammenhang der 
Urkunde, welche den Zinngängen eine Sonderstellung einräumt. 

^') Vergl. Freiberger Bergrecht A § 9, B § 2, 36 und Stadt- 
reclit ('ap. XXXVII § rJ (bei Schott, iSammlungen zu den deut- 
schen Land- und Stadtrechten III, 2G(;). 

1-) Were daz zcenegenge gyngen an dy silliirgenge, alzo daz 
man dy zcenegenge an der silbergenge schadin nicbt geerbeyten 
mochte, so suUen dy zcenegenge sUlle legin unde daz silberwerc sal 
vor sich geen biz alz lange, daz man dy zcenegenge an schadin der 
silbergenge geerbeytin mag. Vergl. dazu Beyer, Otia metallica II 
(1751), 264 flg. 



Das Ziiinenecht von EhrenfriodersJorf, Geyer uud Thum. 97 

Ebenfalls in Ihrer Eigcnscluift als Grundlierren liatten 
die Herren von Waidenburg in Übereinstimmung mit den 
Satzungen des Freiberger Bergrechts^") auch auf den 
Silberbergwerken und in den bei denselben entstehenden 
Ortschaften die Zinsen von Fleischbänken, Brotbänken 
und Badestuben^ den Zoll und die Einkünfte aus dem 
Schrotamt ^^), auch die sonst den Landeslierren zustehen- 
den Hüttenzinsen ^■*). Hauptsächlich zur Förderung dieser 
Einkünfte versprachen die Markgrafen, binner einer halben 
Meile von ^^'olkenstein und Ehreufriedersdorf — die 
Urkunde von 1407 fügt Thum, Geyer und Zschopau hinzu, 
Ortschaften, die also erst zwischen 1377 und 1407 ent- 
standen waren oder doch einige Bedeutung erlangt hatten^") 
— keinen freien Markt zu gewähren, ausser wenn sich 
dies als durchaus nothwendig herausstellen sollte. 

Von dem in Ehrenfriedersdorf und sonst auf dem 
Gebiete der Herren von Waidenburg gewonnenen Zinn 
erhoben die Markgrafen, wenn dasselbe durch ihre Ge- 
biete geführt wurde, einen Zoll von anfangs einem, später 
einem halben Gulden für den Zentner. Im Jahre 1401 
verzichtete Markgrat Wilhelm auf diesen Zinnzoll, wo- 
gegen sich die Herren von Waidenburg verpflichteten, 
dass drei Jahre lang alles gewonnene Zinn ausschliess- 
lich an den Markgrafen zum Preise von 4 Schock und 
32 Meissner Groschen für den Zentner verkauft werden 
sollte; an. die „Zinner" d. h. die Gewerken der Zinnberg- 
werke, die „Flosser" und „Schmelzer" d. h. diejenigen, 
welche die Aufbereitung, Schmelzung und sonstige Ver- 
arbeitung des Zinnes besorgten, ergingen die entsprechen- 
den Befehle^'). 

Im Jahre 1439 verkauften die Herren von Walden- 



>«) A § 9, B § 36. 

") Yergl. über dasselbe J. F. Klotz seh, Das Schrotamt. 
Dresden 176(5 (.besonders S. 45 üg.) 

^■'') Yergl. Freiberger Bergrecht B § 43. Vielleicht muss mau unter 
dem huttenzcins der Urk. nicht den Zins von Schmelzhütten, sondern 
eine Abgabe von Marktbuden (vergl. census casarum in foro aiinuali 
Cod. dipl. II, 12, 77), der sonst Budenzins heisst, verstehen. Ein 
ähnlicher Rezess mit den Reussen von Plauen von 1404 setzt an 
die Stelle des Hültenzinses holcenczins, also einen Zins von Markt- 
ständen, spricht jedoch auch die Zinsen von Schmelzhütten den 
Reussen zu. Cod. dipl. II, 13, 67. 

1**) Vergl. Falke, Geschichte der Bergstadt Geyer, in den Mit- 
theilungen des Königl. Sachs. Alterthumsvereins XV, 2 flg. 

") Gr. Perg. von 1401 Januar 9. im H.-St.-A. Dresden No. 5147. 

Neues .\rcliiv f. S. C. u. A. VII. 1. 2. 7 



98 H, Erraisch: 

bürg das Schloss Scharfenstein mit den 'drei 'Dörfern 
Elirenfriedersdorf, Tlium und Geyer an den Freiberger 
Münznieister Liborius Scnl'tleben, seinen Bruder Konrad 
und Steftan Glasberg. In Ehrenfriedersdorf bestand da- 
mals eine Zinn flösse^**), in welcher das gesamte im 
Gebiete der Herren von Waidenburg gewonnene Zinn 
verarbeitet und in verkaufsfähigen Zustand gebracht 
wurde; auch später durfte dies nach den Bestimmungen 
des Kaufkontraktes ausschliesslich hier geschehen^'*). 

Von dem Hechte des Wiederkaufs, welches sich die 
Herren von Waidenburg auf sechs Jahre vorbehalten 
hatten, machten sie keinen Gebrauch. Für diesen Fall 
sollte nach der landesherrlichen Bestätigungsurkunde über 
den Verkauf-") den Markgrafen oder jedem, dem diese 
es erlauben würden, die Lösung des »Schlosses um die 
Verkaufssumme ein halbes Jahr lang frei stehen. In der 
That üclangte im Laufe der nächsten Jahre die Herr- 
Schaft Scharfenstein mit den Zinnbergwerken in den Besitz 
des Kurfürsten Friedrich von Sachsen; der Zeitpunkt des 
Erwerbs ist nicht genau festzustellen, doch ergiebt sich 
aus den noch zu erwähnenden Schriftstücken mit Sicher- 
heit, dass der Kurfürst im Jahre 1446 bereits Besitzer 
war. Nach dem Wortlaute einer am 11. Oktober 1456 
ausgestellten Verzichtsurkunde des Anarg von Waiden- 
burg, von der uns übrigens nur ein Konzept vorliegt"-^), 
scheint der Kurfürst das Schloss noch bei Lebzeiten des 



^ä) Eine Flösse, ist „bey Ziniistcin - Schmelz - Hütten ein von 
Steinen gemachtes Behältniss wie ein Gerinne, darinnen das in 
jriossdn Stücken geschmelzte Zinn wieder iliessend gemacht wird, 
damit das döniichte nnd unartige davon geschieden werden und 
man das geflossene gattern und in Ballen machen könne". Hertt- 
wig, Berghuch S. 136. 

"') Was ouch von czehinwercken ufT unsirn, unser manne ader 
undirsessen guttern icczund gefellit adir sich hernoch doruHe machen 
wurde, das czeliin sal man in die flösse gein Ernfridistorti" hrengcn 
unde antworten ungeverlichen unde sust nyrgend anders, das man 
denne den, die das so doryn hrengen werden, mit allir erbeit be- 
reiten unde außrichten sal. Sie sullen oucli dovon thun, was sich 
geboret, unde wer das nicht tete unde des so mit redelichkeit ubir- 
komeu wurde, mit dem sal man is lialden, als sicli das gehöret, 
dorczu wir en ouch czu den, die so doran vorbrechin, hclflen sullen. 
Kaufurkunde der Herren Heinricli ; und Anark von Waidenburg 
d. d. 14.S9 Mai 10. Or. Perg. im H.'-St.-A. zu Dresden No, 6525. 
Mehr über den Inhalt bei Falke a. a. 0. ."> flg. 

-") ür. Perg. von 1439 Mai 11, II.-St.-A. No. 6526. 

-1) Ebendas., Wittenb. Archiv, Oerter: Scharfenstein, Bl. 1. 



Das Zinnerrecht von Ehrenfriedersdorf, Geyer und Thuna. 99 

Liborius von Senftlebeii; der 1442 oder 1443 starb ^■^), 
an sich gebracht zu haben. 

Dies sind die dürftigen Nachrichten, die uns über 
die älteste Geschichte des Zinnbergbaues um Ehrenfrie- 
dersdorf, Geyer und Thum vorliegen. Über die Rechts- 
verhältnisse desselben enthalten sie nur sehr wenig. Zu 
einer schriftlichen Fixierung des Gewohnheitsrechtes, das 
sich hier ausgebildet hatte, gaben äussere Verhältnisse 
den Anlass. 

Einige Jahre vor der Mitte des 15. Jahrhunderts 
wurden, wohl von Graupen aus, auf dem Gebiete der 
Herren von Bernstein in der Gegend des jetzigen Alten- 
berg reiche Zinnlagerstätten entdeckt"-"^). Hier suchten 
die Landesherren von vorn herein den Grundherren 
gegenüber die aus der Regalität der Bergwerke fliessenden 
Rechte geltend zu machen. Seit 1446 fanden Verhand- 
lungen statt, welche die Regelung der Rechtsverhältnisse 
in den neu entdeckten Bergrevieren zum Zwecke hatten. 
Die früheste Kunde über diese Verhandlungen enthält 
ein undatiertes Schriftstück, das auf der Rückseite die 
Aufschrift Bemistein trägt und etwa in den November 1446 
gehört"^). Es enthält Vorschläge über verschiedene 
Punkte, wegen welcher mit den Gewerken der neuen 
Bergwerke verhandelt werden sollte, und rührt vermuth- 
lich von einem landesherrlichen Beamten oder einem 
andern des Bergbaues kundigen Manne, der zu Rathe 
gezogen worden war, her. Wir ersehen daraus, dass man 
auf die in Ehrenfriedersdorf, Geyer und Thum bestehen- 
den Einrichtungen zurückgriff ; und obwohl es in mancher 
Hinsicht vielleicht näher gelegen hätte, die in Graupen 
geltenden Gewohnheitsrechte "■**) auf die neuen Bergreviere 
zu übertragen, ist es doch völlig begreiflich, dass man sich 



-*) Nach den Münzmeisterrechnungen, vcrgl. Cod. dipl. II, 13, 
Anhang I (besonders Rechn. 73). 

"") Die Zeit hat, gegenüber älteren irrthümlichen Nachrichten, 
zuerst 0. Voigt im „Boten vom Geising" 1882, No. 97 richtig an- 
gegeben. 

-^) H.-St.- A. Dresden, Wittenb. Archiv, Bergwerkssachon Kaps. IV 
Bl. 3. Die Zeit lässt sich aus dem unten S. 101 erwähnten Dorsal 
schliessen. 

-■'") Eine Aufzeichnung derselben gab es damals wohl noch 
nicht. Die erste, nur bruchstückweise bekannte Graupener Berg- 
ordnung ist von 1464, vergl. Hallwich a. a. 0., S. 35 flg. und 
Beilagen, S. 21. 



100 H. Ermisch: 

lieber au die inländisclieu Reclitsgewolmheiten anscliloss. 

So beo'inut das Schriftstück mit den Worten : 

Wer die vorwesuuge der guter iiiul bergwerg von meiiis lierren 
wegen wirdt ufiieinen, das der die also utnenie, als der bergk 
uLigernffeu und begritten ist nach allem rechte und gewon- 
heit des bergwerkes Erfridestorff und Gyer etc. 

Dieser anzustellende landesherrliche Beamte, der die 

Aufsicht über die neuen I^ergbaubezirlvC zu führen hat, 

solle den Gewerken sagen: 

Solche ußsaczunge und gerechtickeit des borgen, der molen 
und hutten wil yn meins herren gnade stevcken mit solchen ge- 
richten und gewunheiten des bergwcrckcs h rfriderstortV und G^er 
etc., mit einem frien marckte, mit der kirchen, mit der badestuben, 
mit andern frieheiten, die vorczeiten Erfriderstorff und Gyer auch 
nicht haben gehabt etc. 

Neben verschiedenen anderen Gegenständen, welche 
den Gewerken vorgetragen werden sollten, wird dann 
der Wage gedacht, die der Landesherr einrichten wolle; 
dagegen räth der Verfasser des Aufsatzes^ die Flösse und 
die Zeichnung des Zinns mit einem bestimmten Zeichen 
einstweilen nicht zu l)erühren, uf das iiuoi sie (die Ge- 
werken) icczund mit gehjmjpphi'n. mögen anhrengen, führt 
aber für den Fall, dass man doch die Anlage einer landes- 
herrlichen Flösse in die Verhandlungen hineinziehen wolle, 
verschiedene Gründe an, die für eine solche geltend ge- 
macht werden könnten. Nehmen die Verhandlungen einen 
günstigen Verlauf, so solle man versuchen, 

ab man mit ircm czen und mit irer woge und mit soldier ingabe 
am czentner 111 pfd. mochte bestheen glich Erfriderstortt'. 

Das Schriftstück schliesst mit den Worten: 

Ab sie aller sachen nicht wolden vorkoren noch vorwillen, so 
sind sie mit der holdunge daryn zcu breiigen, geschiet die als oben 
vo[rJmeldet ist, das der berg und alle yre gerechtickeid ires berg- 
werks ist beruften und nßgesaczt glich dem bergwercke Erfriders- 
tortt' und Gyer, do ist flöße und wage und czeichen ander Sachen 
meher, die meinem herren zcu nutze und Ironien qwemeii. __ 

Eben dieses Schriftstück hat, wie uns scheint, den 
ersten Anlass gegeben zu einer Aufzeichnung der in 
EhreniViedersdorf, Geyer und Timm geltenden Rechte, die 
in demselben als bekannt vorausgesetzt werden. Auf eine 
Anfrage des Kurfürsten ertheilte wohl eben der unge- 
nannte Autor jenes Gutachtens Auskunft über die Ver- 
fassung der dortigen Bergwerke. Der betreifende Aufsatz 
liegt uns in zwei wörtlich gleichlautenden Abschriften 
vor; die eine derselben ist der oben erwähnten Nieder- 
schrift am Sclilusse (von anderer Hand) beigefügt, die 



Das Zinnerrecht von Ehrenfriedersdorf, Geyer und Timm. 101 

andere-^) trägt auf der Rückseite den von einer g-leich- 
zeitigen Kanzleihand geschriebenen Vermerk : Copia die 
hergicercke zum Bernstein, Eri\fri(lestorß und Geyer an- 
langende presentatmn Turgaio 2« post Barhnre 1446 ; sie 
wurde also am 5. Dezember 1446 dem Kurfürsten zu 
Torgau überreicht. Das Schriftstück beginnt folgender- 
massen: 

Gnediser über herro. Also pfleget man is zu halden in der 
flöße zu Erbirstorff, als liirnacli geschriben steet. Czum ersten was 
zcehens in myns herren flöße gehört, davon gibt man drye pfunt 
uffs fuer von ye dem czentener. Darnach gibt man von ie dem 
rzentener funff bertichte grosschin zu czehendeu, wenne mvns 
herren gnade solcdie gerechtickeit genymmet. So sal man myns 
herren gnade ader sinen ami^tlnten kouffmansgut geben uß der flöße, 
do eyn ydermann den andern mitte beczalen mag und geweren. 
Darnach gibt der kouftman myns herren gnade von ie dem czen- 
tener eynen halben groschen zu gleite. Auch ffibt der kout^'- 
man eynen halben groschen zu gißgelde dem floßmeister. Auch 
had recht Erberstorff gewichte der czentener zcwelff pfund und 
hundert. Auch haben die von Erbirstorft' eynen gesworen bergmeister 
zu iren bergwerken, der danne gancze macht had von myns gne- 
digen herren wegen die bergwerg zu vorlihen und syn vreies. "^Ab 
ymand zcweytrechtig wurde, das der bergmeister nicht entseczen 
konde, so syn ym vier gesworn zu stuwer gegeben, die ym solchen 
irrthum sollen helffen slichten. Auch sollen dieselben bergmeister 
und gesworn den berg in achte haben, das nymand dem andern sal 
zu schaden hauwen, das des bergwercks schade were etc. Ouch so 
ist Erbirstorfi" mit eynem solchen begnad, das sie dem bergwercke 
zu gute eynen frien marckt haben. Auch sind die bergwerck also 
ußgesaczt, das sie aller rente und aller dinste frye sollen sin. 

Auf die weitere Frage der Landesherren, wohin die 
Flösse und der Markt für die neu entdeckten Bergbau- 
distrikte gelegt werden könnten, wird dann im folgenden 
das Städtchen Geising in Vorschlag gebracht; auch wird 
empfohlen; es möchten statt 3 Pfund, wie in Ehrenfrieders- 
dorf, nur 2 Pfund vom Zentner uffs fuwer d. h. als Lohn 

-^) H.-St. A.Dresden. Wittenb. Arch. Bergwerkssachen, Kaps. IV, 
Bl. 5. Dass das „Erbistorff'', von dem hier die Rede ist, nichts 
anderes als Ehrenfriedersdorf bedeuten kann, ergiebt sich, wie ich 
neuerdings laut gewordenen Zweifeln gegenüber ausdrücklich her- 
vorheben möchte, mit vollkommener Sicherheit aus der oben ange- 
führten Dorsalnotiz wie ans dem ganzen Zusammenhange. Ähnliche 
Namensformen finden sich übrigens durchaus nicht selten für das 
gewöhnlichere Ernfridistortf oder Krfriderstorff u. ä., z. H. a- a. 0. 
Kaps. IV, Bl. 1?, Kaps. V, Bl. .32 b, 64: Erbirsdorf, Kaps. IV, Bl. 101 : 
Erbirsdortf unde Geyer, Bl. 15: Irfersdorf, Kaps. V, Bl. 1.39b: Y.r- 
fersdorff; Orig. No. 5147: Erferstorff. Dazu Möller, Theatrum 
Freiberg, chron. I, 28; der Name des „Erbischen'' Thors in Freiberg 
ist freilich nicht hiermit in Zusammenhang zu bringen, sondern von 
Erbisdorf bei Freiberg herzuleiten: vergl. Pfotenhauer in den 
Mittheilungen de? Freibergor Alterthumsvereins VT, P25. 



102 H. Ermisch: 

für das Sclimclzen gegeben werden, timb desuillen das is 
den czehennern nicht dcste irschregltcher icere; ebendes- 
wegen solle auch der bisherige Zehnte, 4 Groschen vom 
Zentner, beibehalten, nicht der höhere Zehnte, der bei den 
älteren Zinnbergwerken üblich war, eingeführt werden. 

Über den weiteren Verlauf der Verhandlungen führen 
wir, da eine eingehendere Geschichte des Altenberger 
Zinnbergbaues unsere Aufgabe nicht ist, nur an, dass 
Hans von Bernstein der Jüngere am 16. Dezember 1446 
ein Viertel seiner Herrschaft Bärenstein, jedoch ausschliess- 
lich der Gruben imd Schächte, die er selbst baute oder 
an denen er Theilc hatte, dem Kurfürsten verkaufte'') 
und dass auch ein aus dem Jahre 1448 herrührender 
Entwurf einer Zinnerordnung für den Bärenstein -^) auf 
die Ehrenfriedersdorfer Rechte verweist. Hier wird vor- 
geschlagen, man solle jedem, der gebaut habe und noch 
bauen werde, alle Freiheit geben, wie die von Ehren- 
friedcrsdorf haben; ferner: man solle eme flöße hestellen 
(dße zcii Ernfrldesdorff, doryn man das zcehen sul ant- 
wurtten und gefloset icerden u. s. w. 

Einen vorläufigen Abschluss erreichten die Verhand- 
lungen durch das kurfürstliche Privilegium vom 19. No- 
vember 1451 '-''), durch welches „die Zinner gemeinlich 
auf dem Geusing" mit einem freien Markt und mit Stadt- 
recht begnadet werden. Wegen der landesherrlichen Flösse, 
gegen welche die Zinner den lebhaftesten Widerstand ge- 
leistet zu haben scheinen, wird hier bestimmt: 

Auch sullen und wallen wir sie mit keyner flösse beswercn, 
die amptlutc und geswoninen des berges wurden dannc irkeuneu, 
das es der meher mennyge nucz were und das czyun der üosse 
nicht enperen konde. 

Wie in Ehrenfriedersdorf, so sollten auch auf dem 
Geising die Zinner freies Holz haben, dafür aber von 
jedem Zentner Zinn den Landesherren 5 bärtichte Groschen 

27) Or. Perg. H.-St.-A. Dresden No. 6959. 

-^) Ebenda Wittenb. Arcliiv, Kaps. IV, VA. 2; eine Absclirift 
(ebenda Loc. 4491, Ordnungen, Mandata und Bedenckeu etc. 1448 bis 
1ti66, fol. 1) bat die Aufschrift: VcrczcichnuiKjc die bergioerckc zcu 
Bcruatcin, Ernfridcsdorff und Gycr berurende geschcen zcum Bern- 
utein in biiiveßcn cm Caspars von Schonberg techant zeit Missen, 
ern Heim: von Bunaw zcum Weisenstein und er Jo. Magdfeburf/sJ 
canzlers an unser libenfrauwen abend visitacionis anno etc. XL Vlll" 
(1448 Juli 1). 

"') Ebenda Cop. 44, fol. 31. Entwürfe und Konzepte ebenda 
Wittenb. Arch., Bergwerkssacben Kaps. IV, fol. ßb. und Orter: 
l.rusing, Bl. 1, 2. 



Das Zinnerrecht von Ehrenfricilersdorf, Geyer uml Timm. 103 

als Zehnten reicLcn. Der Kaufmann sollte für das gleiclic 
Quantum 1 bärticliten Groschen zu Geleite und \/o Groschen 
als „Waggeld" d. h. für das Wägen des Zinns geben. 
Alle, die erhcschaßt adder teil an czyncwercken, an liutten 
und an mtden haben, sollen den Bergrichtern und den 
Schoppen auf dem Berge zu Recht stehen. Endlich sollen 
die Zinner gemeinschaftlich mit den landesherrlichen Amt- 
leuten vier bei'gwerkskundige Männer wählen, die ver- 
eidigt werden und in allen Bergsachen ihren Rath er- 
theilen sollen; was sie mit den Amtleuten beschliessen, 
soll gehalten werden. 

Sämtliche Einrichtungen, die für den Zinnbergbau 
in den neu entdeckten Revieren getroffen wurden, be- 
ruhten in der Hauptsache auf den Ordnungen, die in 
Ehrenfriedersdorf, Geyer und Thum galten. So ist es 
denn begreiflich, dass die 1446 crtheilte Auskunft über 
die letzteren schon deswegen nicht genügend erschien, 
weil sie eine amtliche Giltigkeit nicht in Anspruch nehmen 
konnte. Um eine zuverlässigere Basis für die Kenntnis 
des Ehrenfriedersdorfer Gewohnheitsrechts zu erlangen, 
forderte Kurfürst Friedrich 11. die Richter, die Schoppen 
und die ältesten Zinner zu Ehienfriedersdorf, Geyer und 
Thum auf, bei dem Eide, den sie dem Landesherrn ge- 
leistet hatten, Auskunft zu geben über „Ordnung und 
Aussetzung der Gerechtigkeit der Zinnwerke, wie das ihre 
Alteltern vor ilmen gehalten und gebraucht und so an 
sie gebracht hätten und wie sie selbst es hielten und ge- 
brauchten". Diese authentische Auskunft übersandten die 
Befragten unter dem Siegel des Hauptmanns Hans Schocher 
und des Richters, der Schoppen und der Gemeinde zu 
Ehrenfriedersdorf am „Dienstage in vigilia Katherine" 
1451 dem Kurfürsten "**). 

Bekanntlich bezeichnet man derartige in feierlicher 
Form abgelegte Erklärungen rechtskundiger Männer über 



^) Eine Abschrift — denn es fehlen die Siegel — ebenda 
Wittenb. Arch. Bergwerkssachen, Kaps. IV, Bl. 6. Im Datum scheint 
ein Fehler zu sein; die vigilia Katherine (Nov. 24) tiel 1451 auf 
^Mittwoch. Vielleiclit hat der Schreiber aus Versehen den Kalender 
des vorhcrgehiinden Jahres benutzt, was zuweilen vorkommt; oder 
die Jahreszahl ist falsch und die iiuskunft wurde schon 1450 ertheilt. 
Dazu würde auch der auffallende Umstand passen, dass sich un- 
mittelbar an das fragliche Schriftstück von derselben Hand geschrie- 
bene Notizen anschliessen, die man als Entwurf zu der oben be- 
sprochenen Urkunde von 1151 Nov. 19 für den Gcising anzusehen hat. 



104 n. Ernu5cli: 

das, was Rechtens ist, als Weis thü m er'"). Jakcib Grlniin, 
dem man eine grosse Sammlung dieser Rcchtsquellen 
verdankt, Iiat behauptet, dass es in Meissen wie in allen 
alten Slavcnländcrn an Weisthümern ganz fehle"'-); doch 
trifft dies selbst dann schwerlich zu, wenn die Behaupt- 
ung auf Dorfweisthümer beschränkt wird. Die Fixierung 
des Berggewohnheitsrechtes erfolgte, wie in anderen Theilen 
Deutschlands"''^), so auch in Meissen sogar in der Regel 
auf dem AVegc des Weisthums. Wenn zu einer Zeit, 
in welcher ein geschriebenes Stadt- und Bergrecht zu 
Freiberg schwerlich existierte, Markgraf Heinrich der Er- 
lauchte am 6. Juli 1255 dem Rathe und den Bergleuten 
daselbst alle Rechte bestätigt, qualm habuerunt temporihus 
patris nostri et qualia Uli viginü quatuor de Vriherc (d. h. 
der Ratli) suo juraniento et ßdelitate, qna nohis tenentur, 
ausi fuerint ohtinere''*), so wies er sie selbst auf den Weg 
des Weisthums hin und erkannte die Rechtsverbindlich- 
keit der auf diesem Wege gefundenen Satzungen an. 
Der im 14. Jahrhundert vollendeten Codification des 
Freiberger Bergrechts gingen zweifellos zahlreiche der- 
artige Befragungen von Rechtskundigen voravis; die älteste 
in Freiberg entstandene bergrechtlichc Aufzeichnung, die 
wir als Bergrecht A bezeichnet haben, gestattet uns einige 
recht interessante Einblicke in die Entstehungsgeschichte 
dieses Rechts: sie enthält nämlich in Frageform eine ganze 
Anzahl ungelöster bergrechtlicher Kontroversen, über die 
offenbar noch Weisthümer eingeholt werden sollten""')- 

Das einzige wirkliche sächsische Bergrechtsweisthum 
aus dem Mittelalter aber, das uns bekannt geworden ist, 
ist das Weisthum über die Rechte der Zinner in Ehren- 



■^^) Vergl. z. B. Stobbe, Geschichte der deutschen Rechts- 
quellen I, 274 flg. 

■'-) ürimm, Rechtsalterthümer, S. XI. 

"'') So sind die ältesten Aufzeiclniungen bergrechtlichen Cha- 
rakters, die bisher in Deutschland bekannt geworden sind, die Tri- 
dontiner Uergoidnungen von 1208 und 1218, Weisthümer. Vergl. 
V. Sperges, Tyrol.-Bergwerksgeschichte (Wien 17G5) S. 267, 272. Von 
andern Bergweisthümern nenne ich hier nur das Goldberger Gold- 
lecht aus dem 14. Jahrhundert (vergl. Steinbeck, Geschichte des 
sclilesischen Bergbaues I, 84 flg.), das Diessclmuther Bergweisthum 
von 1.S72 (Zeitschr. für Bergrecht XIII, 74 flg.). das Bergrecht zu 
Call und Gressenich von 1492 (Grimm, Weisthümer IF, 796), das 
Bergweisthum zu Schleiden von 1547 (ebenda II, 572). 

«*) Cod. dipl. If, 12, 15. Vergl. dazu diese Zeitschr. Ilf, 142 flg. 

■'-') Näheres darüber in dieser Zeitschrift III, 146 flg. 



Das Ziniierrcclit von Ehronfrieilersilorf, Geyer uml Timm. 105 

friedei'sdorf, Geyer und Timm. Wir thcilen seinen Wort- 
laut am Schlüsse vollständig mit, sclnckcn ihm aber noch 
einige erläuternde Bemerkungen voraus. 

Wie das Freiberger Bergrecht''^), so geht aucli unsere 
Ordnung von den Voraussetzungen der Bergbaufreiheit 
und eines Obereigenthums des Landesherrn an den Mi- 
neralien ■ — das wir hier indes vielleicht eher auf den 
Erwerb der Herrschaft Scharfenstein als auf den Besitz 
des Bergregals zurückzuführen haben — aus. Jeder, der 
Erzlagerstätten auffand, war zur Anlage eines Zinnberg- 
werks berechtigt, wenn er die landesherrliche Genehmigung 
dazu eingeholt hatte. Die Ertheilung derselben, die Ver- 
leihung, war wie in Freiberg'") Sache des vom Landes- 
herrn angestellten Bergmeisters (§ 1). Das bei der Ver- 
leihung anzuwendende Mass war die Wehre, eine Ein- 
heit von zwei Lehen d. h. eine Fläche von 14 Lachter 
Länge und 7 Lachter Breite ■^^). 

Nun waren aber die Zinnlagerstätten verschiedener 
Art: entweder fanden sich die Erze in Seifen d. h. sie 
bildeten durch Verwitterung, Ab- und Zusammenschwemm- 
ung entstandene Ablagerungen an der Gebirgsoberfläche, 
oder sie waren Klüfte d. h. Gänge von geringer Mäch- 
tigkeit. Die Verleihung war eine verschiedene, je nach- 
dem man sich „auf Kluftwerk" oder „auf Seifenwerk" 
beleihen Hess. 

Im ersteren Falle sollte zur Fundgrube d. h. zu der- 
jenigen Grube, durch welche die Erzlagerstätte entdeckt 
worden war und von der aus der Finder sich beleihen 
liess, ein Grubenfeld von 2 Wehren und dazu, wenn der 
Finder es verlangte, noch eine 3. Wehre vermessen wer- 
den. Jeder folgende, der auf demselben ' Gange, soweit 
er noch unverliehen war, ein Zinnbergwerk anlegen wollte, 
erhielt nur zwei Wehre zu einer Grube (§ 2). Handelte 
es sich jedoch um einen „Hauptschacht" oder ,.Haupt- 
stollen", d. h. um einen Scliacht oder Stollen, der meh- 
reren Gruben Vortheil brachte, so war die Zahl der zu 
vermessenden Wehre dem Ermessen der Herrschaft 
anheimgestellt (§ 3). Im Übrigen war hinsichtlich der 
Stollen bestimmt, dass die Durchführung eines solchen 



3«) Vergl. diese Zeitschrift III, 123. 

3^) Vergl. Freiberger Stadtrecht Cap. XXXVII § 12 (Schott 
a. a. 0. in, 26()) und Bergrecht ß § 3. 

■''^) Yeith, Deutsches Bergwörterbuch, S. 566. 



IQQ H. Erraisch: 

durch ein fremdes Zinnbcr^^werk fijcstattet werden musste, 
jedoch ohne Beschädigung des letzteren (§ 4)''"). 

Für den Abbau von Seifen brauchte man eine be- 
deutend grössere Oberfläche^"); daher sollten zu einem 
IIaui)tstoUen auf Seifenwerk 15 Wehre gemessen wer- 
den (§ 5). 

Das Honorar des Bergmeisters für die Verleihung 
betrug 2 Groschen für die Wehre. Folgte der Verleihung 
die Vermessung des Grubenfcldes^^), so hatte der Bcrg- 
mcister daran „seine gewöhnliche Gerechtigkeit" (§ 1), 
d. h. wahrscheinlich so viel, als ihm nach dem Freibcrger 
Bergrecht zustand, Ucämlich 4 Schillinge'-). 

Sowohl Kluftwerk als Seifenwerk galt, wenn der 
Betrieb sechs Wochen lang eingestellt war ^•''), als auflässig 
und der Bergmeister konnte, falls er nicht Frist gegeben 
hatte, die betreflfenden Bergwerke andern verleihen; doch 
schützte die Gewerken eines Seifenwerks der Wassermangel, 
der den Betrieb unmöglich machte, vor dem Verlust ihres 
Hechts (§ 6). Bauten mehrere Gewerkschaften auf ge- 
meinschaftliche Kosten einen Stollen, so durften sie darum 
doch die Gruben, denen der Stolle zu Gute kommen 
sollte und von welchen sie das zum Stollenbau nöthigc 
Wasser- oder Stollengeld gaben, nicht liegen lassen, sonst 
fielen dieselben ins Freie (§ 10). Wer den Betrieb seines 
Bergwerks so lange einstellen wollte, bis er seine Vorräthe 
an Zwittern und Steinen verarbeitet hatte, musste sich 
hierzu vom Bergmeister Frist geben lassen (§ 1 1). 

Beim Betriebe selbst sollte darauf geachtet werden, 
dass derselbe in vorschriftsmässiger Weise erfolge. Es 
war streng verboten, „die Tiefsten zu versetzen oder zu 
verStürzen"; d. h. das taube Gestein in den Gruben zu 
lassen, statt es zu Tage zu fördern und auf die Halden 
zu stürzen. Niemand sollte ferner „Striffen, Strossen und 
Bergvesten", d. h. diejenigen Gesteinsmassen, welche man 
stehen Hess, um dem Grubenbau die nöthigc Festigkeit 



^^) Vergl. Iglauer Bergrecht § 7. Freiberger Bergrecht B § 10. 

'") Technische Details, die ich hier der Kürze halber auslasse, 
vergl. bei Veith a. a. 0. S. 441. 

") Vergl. diese Zeitschrift lll, 124 flg. 

'2) Freiberger Bertrrecht B 5; 17. 

•*'') In derselben Frist fielen nach dem älteren Freiberg(!r 
Bergrecht (A t< 21) Erbstollen, nach dem Tglaner Bergrecht (t^ 9) 
sowohl F.rbstoilcn als gemessene Berge ins Freie, während dos 
jüngere Freiberger Eecht für erstere eine achttägige (§ 12), für letz- 
tere, wie das ältere, eine dreitägige Frist setzt (A § 12, B § 17). 



Das Zinnerrecht von Ehrenfriedersdorf, Geyer und Thum. 107 

zu t:;cbcn, ohne besondere Gcnelimigung des Bergmeisters 
ausbauen'"). Ebenso war es bei Seifenwerken verboten, 
das (gestaute) Wasser ohne vorherige Genehmigung des 
Bergmeisters und der Zinner in die Stollen zu leiten (§ 7). 

An der Spitze der Verwaltung stand ausser dem 
landesherrlichen Hauptmann (§ 7) der ebenfalls vom 
Landesherrn ernannte Bergmeister, der zu dem Freibcrger 
Bergmeister in keinem Verhältnis der Unterordnung ge- 
standen zu haben scheint. In manchen Sachen war er 
an den Rath der ältesten Zinner gebunden (vergl. § 4, 7). 

Er hatte auch die Gerichtsbarkeit (mit vier Ge- 
schworenen, vergl. oben S. 101) wahrzunehmen. In dieser 
Hinsicht herrschte, wie in Freiberg ^■^), in den Zinnberg- 
werken und in allen zu ihnen, gehörigen Gebäuden ein 
besonders hoher Friede, dessen Übertretung schwer bestraft 
wurde (§ 8). Bei Streitigkeiten wegen der Anrechte an 
Gruben wurden Kläger und Beklagter „verbürgt auf Wette 
und Busse"; der Unterliegende musste 4 Schock der Herr- 
schaft und 2 Schock dem Gewinnenden zahlen (§ 9). 
Der Arbeiter konnte wegen schuldigen Lohnes das vor 
Hütten und Mühlen liegende Zinn, bevor es in die Wage 
kam, mit Beschlag belegen (§ 12)^*^). 

Über die Flösse und die Wage äussert sich die Will- 
kür nur ganz kurz. Das dorthin gebrachte Zinn sollte 
nicht eher weggeführt werden, als bis die dem Landes- 
herrn gebührenden Abgaben, der Zehnte (von den Zin- 
nern\ das Geleite und Waggeld (von den Kaufleuten) 
entrichtet worden war. Näheres enthält der oben S. 101 
mitgeth eilte Aufsatz. — 

Über die spätere Geschichte des Bergbaues ura Ehren- 
friedersdorf, Geyer und Timm fliessen die Nachrichten 
recht spärlich; ich habe keinen Anlass, dieselbe hier zu 
verfolgen^'). Eine weitere Aufzeichnung des hier gel- 
tenden Gewohnheitsrechts habe ich nicht auffinden können; 
auch sind mir landesherrliche SpezialVerordnungen für 
die hier behandelten Gegenden, wie sie in den Jahren 



") Ähnliche Bestimmungen wurden wiederholt in Freiberg ge- 
troffen; vergl. Cod. dipl. II, 13, 113, 174 u. ö. 

'■"') Vergl. namentlich die Freiberger ßerggeriehtsordnuug im 
Cod. dipl. Sax. reg. II, 13, 299 tig. 

*") Ganz ähnliche Bestimmungen enthält das Iglauer Berg- 
recht § 21 und danach das Freiberger Bergrecht B § 35. 

■*■') Das Brauchbarste, was neuerdings darüber geschrieben 
worden, bei Falke, Ueschichte der Bergstadt Geyer a. a. U. 



108 ^^- Ermisch: 

1489, 1491, 1503 u. ö. für die Altenberger Reviere er- 
lassen wurden ^^), nicht bekannt geworden. Die grosse 
Bergordnung, welche Herzog Georg am 5. Februar 1509 
für die benaclibarten Bergwerke von Annaberg erliess 
und die in wenigen Jahren die Bedeutung eines allgemein 
geltenden Landesgesetzes erlangte^''), hat auch in Ehren- 
friedersdorf, Geyer und Timm der Weiterentwickelung 
besonderer Rechtsgcwohuheiten eine Grenze gesetzt. 



Beilage. 

So uiul der hocligeborne furste und herre, her Fridorich, hertzog 
zcu Sachsen, des heiligen Komischon richs ertzniarschalgk, lantgrave 
in lloringen und marggrave zcu Myssen etc , unser gnedigor lieber 
herre, mit seyiien schrift'ten und seyiien gnaden amptleuthen uns 
richter und scheppeu und die eldisten czynner zcu Erfridestorff, 
Geyer und Thum' hat laßen ersuchen und vormanen bey unsern 
eyden, das wir seynen gnaden in schrifft zcu verstehen geben suUen 
ordenunge und ußsatzunge der fzynwergke gerechtikeith, wie das 
unser alteldem, got seligen, vor uns gehalden, gebrauchet haben 
und alzo an uns bracht, das wir dann auch alzo halden und ge- 
bruchen, in massen wir das hirnach setzen etc. 

§ 1. Uff das erste hat unser gnediger herre eynen geswornen 
hergkmeister, der hat macht unsers gnedigen hern fryhes zcu ver- 
leyeu eynem ydermenigklichen, der czynwergk bauwen und ui^'nemen 
wil, clorttwergk adder uff seyfeuwergk, y eyne were vor czwene 
groschen. Wurde man begern snüre und niajße zcu messen, daran 
hat der bergkmeistere seyne gewonliche gerechtikeith. 

§ 2. Item eyn fiindgrube uff clufftenwergk sal haben czwey 
were. Begert der fiiider an dem bergkmeister das dritte, domit sal 
man yn begnoden umb des fundes willen. Were dann nach der 
i'undgruben bauwen weide und czynwergk uönemen, dem sal man 
vorleycn tzwey were zcu eyner gruben, alzo, das die gebauwet und 
gcarbeith werde, als recht ist. 



o 



§ 3. Item wer eynen houbtschacbt mit eynem houbtstoUen 
bauwen weide, das stehet zcu der herschafft gnade, waß und wie 
vil were man om darzcu vorleyen wil etc. 

§ 4. Item ab eynigem not seyn wurde eynen Stollen zcu liolen 
und muste das thun durch eyncs andern mannes czynwergk, das muß 



'■^j Verd. F. A. Schmid, Diplomat. Beiträge zur Sächsischen 
Geschichte I, 57 tlg. 

''") Vergl. Ac'henbach, Das deutsche Bergrecht I, 44. 



i/t 



Das Zinüerreclit von Ehrenfriedei'sdorf, Geyer und Thum. 109 

man yiii gönnen und gestathen dein ane schaden durch seyn czyn- 
wergk nacli anewisnnge und irkentiiiße des bergknieisters und der 
eldisten czynner. 

§ 5. Item unser aide gewonheith und recht biß herkommen 
ist, also das eyn ytzlicher houbtstolle uff seytl'enwergk sal haben 
lufftzen wer, die sal der bergkmeister ordentlichen nachcynander 
messen umb seyne gerechtikeith eynem ydermann, der das begert. 

§ 6. Ouch ist unser aide gewonheith und recht, welch czyn- 
wergk ufi' clufftenwergk drey virtzehen tage nicht bauwhafftigk ge- 
halden wurde, der bergkmeister magk das eynem andern vorleyen 
vor der hern fryhes, sundern er hette dann dem czynwergk trist 
gegeben, das mochte er zcu hulffe nemen. Desgleichen auch uff 
seyffenwergke ußgedruckt, ab dem seyffen wasser gebrechen wurde, 
das wer auch seyn behelff, das er das nicht vorliesen moclite adder 
konde. 

§ 7. Wir halden auch uff, unserra bergkwergk, das unser 
houbtmann zcu allen elichen dingen hertlichen leßet vorbieten und 
gebieten bey vormeidunge unsers gnedigen hern hertzogen ungnade, 
das nymaiith die tyffsten vorsetzen adder vorstortzen sulle, striffen, 
Strossen, bergkvesten nyniand nßliauwen sulle, hynder dem geswor- 
nen bergkmeister. Welcher das überkommen wurde, das er eyn 
sulchs ane laube eynes bergkmeisters gethan liette, dem magk unser 
houbtmann zcu leibe und gut griffen. Ouch thar nymand das wasser 
laßen uftgehen, es wurde dann erkanth von dem l)ergkmeister und 
t^ynern. 

§ 8. Wir halden auch in unsern czynwergken in kauwen, 
hutton, mulcn, in der wage und so weyth der liergkmeistere len- 
schafft gethan hat, großer fryunge. Weich man die ubertrethe, der 
wurde gestroffet von unserm amptmann nach vorlauffuuge der that, 

§ 9. Item welch man dem andern insprache thut yn seym 
czynwergk, dy pfleget man zcu verbürgen uff' die wette und büße, 
das seyn sechs schogk, vier schogk tler herschafl't, tzwey schogk 
der gowergken, die gerecht bleyben, dy muß gener geben, der in 
ungerechtikeith funden wirth, sundern man wil ym gnade thun. 

§ 10. Wir halden auch in unsern bergkwergken, ab etzliche 
czynwergk eynen stellen bedorfien, den wir bauwen und darzcu 
treiben mußen mit gemeynem gelde, so sollen wir gleichwol die 
czynwergk, davon wir wasser -adder stollengelt geben, nach nottorfft 
bauwen unserm gnedigen hern an seynem tzenden und uns zcu 
gewyn. Welcher das nichteu thet, so wurde der gesworne bergk- 
meister das vorleyen als vor unsers gnedigen hern fryhes. 

§ 11. Item ab eyner tzwitter adder steyn vor hatten adder 
mulen hette und wer in meynunge seyn czynwergk in gewern zcu 
behalden, wiewol er das nicht erbeithe, und das sal er thun mit 
willen und wißen eynes geswornen bergkmeisters, wie lange ym der 
irist gibt. 

§ 12. Item auch ist unser gewonheith und vor alder her- 
kommen, das eyn ytzlich erbeiter umb seyn vordinte Ion magk vor- 



110 H. Ermisch: Das Zinnerrecht von Ehrenfriedersdorf etc. 

knnimern czynn vor hntten und iniilen, er das es in die wage 
kommetli, das tliar nymand liyiiweg fiiren, dem erbeiter sey dann 
ußrichtunge gethan umb seyn Ion. 

§ KS. Item wer tzynn in unser fioße und in die wage brenget, 
der thar es nicht nemen adder wegkfuren, er habe dann tzenden, 
gleith und waggelt gegeben und vorricht. 

Sulche obcnvormelte gerechtikeith und aide gewonheitli haben 
nnser alteldern uff uns bracht, so lialden wir, das auch alzo noch 
heuwte bey tage. Und das sulche bekentnilJe und schrillt, alzo wir 
von geheiße und entpfelunge wegen unsers guedigen Lern warhafltig 
mit unserra wißen und willen hir schritftlichen gegeben, haben wir 
dem gestrengen Hanßen Schocher, unserm houbtmann, und die 
crsamen richter, scheppen und die gemeyne zcu Erfridestorff gebeten 
ir ingesigel zcu bekentniße uff disse czedel zcu drucken, unscbede- 
lichen yn, iren erben und nochkommen, das wir dann andern czynnern 
zcu Erfridestorff", Geyer und Thum ytzunt mit gebruchen. Geben 
am dinstage in vigilia Katherine anno domini etc. quinquagesimo 
primo. 



IV. 

Aus Daniel Naubitzers Autobiographie. 

Ein Beitrag zur Kultiirgeschiclite des 10. Jahrhimderts. 

Yon 

M. Baltzer. 



Für die Gescliiclite der Kultur, zumal der sozialen 
Verhältnisse, ist es ebenso wichtig, die Lebensumstände 
vieler jener mittelmässigen Existenzen zu kennen, deren 
Biographien nicht geschrieben zu werden pflegen^), als 
die der grossen Männer. So dürfen wir auch für die 
nachstehenden autobiographischen Aufzeichnungen aus 
dem 16. Jahrhundert, die ein litterarisch unbekannter 
sächsischer Theologe in eines seiner Bücher"-) eingetragen 
hat, Aufmerksamkeit erbitten. 

Unseres Autors Vater, Andreas N., war der Sohn des 
RathsmüUers Johannes Naubitzer zu Mittweida. Nach- 
dem er die Schule in seiner Vaterstadt und zu Zwickau 
besucht hatte, kam er am 8. Oktober 1551 nach Witten- 
berg, wo er einige Tage darauf solito^) more a depositore 
Luca Schaubio tractatus et a heanismo ab solutus inque 
album studiosorum jyraestito iuramento a magnifico viro 



1) Paulsen in Sybels Hist. Ztschr. N. F. IX, 424. 

-) Petrus Albinus Newe Meysnische ClironicaWittenberg 1080,4"; 
jetzt auf der Grossherzogl. Bibl. zu Weimar, deren Vorstand H. Dr. R. 
Kühler mich durch freundlichste Unterstützung zu Dank verpflichtete. 

•') Mit dem AVortlaut ist auch Interpunktion und Orthographie 
beibehalten; von Abkürzungen: D. — doctor oder dominus, Q. = 
Gräflich, H. = Herr, M. = magister, R. = reverendus, p. = post, 
S. T. = sacra theologia, © = dominica. 



112 M. Baltzer: 

rectore academlae d. Paulo Ebero'^) receptiis fuit. Ilahu/'f 
inier (dios 'praecepiorem domtaimi Phdippum Alelanclitoiieni 
cuius fuit frequens auditor, id quod eius testantur anno- 
tata, quae ex ipsius ore excepit calamo. Anno lü04 3. dieiulü 
suscepit officinm raiitoris in oppido Silesiae Liihd, lö die 
])Ost valedixit acadeinlae Wittehenjinisi, et hinc 26 die iidii 
cum suppellect'd.e Liibham venu, Spartam'') naciam orna- 
turus. 1555 20. März ward er iiteris senaius legitime 
vocatus ad officium haccalaureatus in schola Mithceidensi. 

,,Nach dorne elir gaiitzcr 18 Jalir fuugendo officio Baccalau- 
reatus in pulvere scliolastico desiulirct, Und darneben in seinem 
eiLMieui erkauften Ileuslein der hürtrerliidieu nalirung'^) geptieget, Und 
die Mutter auch Zugleich die iSlilgdleinsehule mitt gehalten, Jst ehr 
anno Christi 1573, an Stadt des selig abverstorbenen Herren Caspar 
llöpncrs') gewesenen Diaconi stelle Vom erbarn rath Zur Mittweida 
Vociit worden. 8 die Fehrnarii ist ehr gen Wittenbergk Zur Ordina- 
tion gezogen Und den 14. Von 1). Widebramo") neben andern Zwejen 
Von 12 Uhr ahn bis auf halbweg ."> iiin seinem Hause, die Weil 
ehr ettwas schwach gewesen, exaniiniret Und den 15. ordiniret worden. 
21. rediit Mittweidani. Und hatt Zum ersten mahl den 24. nottaufen 
müssen." 

Am 23. Oktober 1589, am Tage nach seinem Tode, 
sclirieb Pastor Joachlmus Franck den Amtsbrüdern in 
der Nachbarschaft (David Köler in Ottendorf, Valentin 
Büttner in AUmittweichi, David Lindner in Frankenau, 
Michael Vollrat in Erlau, Wolfgang Schinnann in Kingethal, 
Philipp Petsch in Kossaii, nnd Jacob Tröltzsch in Seifers- 
bach'): 7it pro more huclcntis usurpato exuvias Andreae Nau- 
hilzeri ad locum sepulturae destiuatum dejjortare digncmini. 

Unsres N. Mutter Ursula; zu deren Stiefvater, dem 
Mittweidaer Stadtsclireiber Erasmus Hausmann, Andreas 
N. am 1. Juni 1555 den Pastor Franciscus Grosse und 
den Weinschenk Valtten Schoppen ausgeschickt hatte, „die 
Jungfrawen Ihme ehrlich Unndt ehlich Zu Werben", mid 
die am 26. August ihm vermählt worden war, starb 1599, 
„nachdem sie gantzer 4ü Jahr daselbsten die Megdlein 



•^) Förstemann, Album acad. Viteb. S. 275: unter den gratis 
inscripti von 1551 Andreas ^'au(■ius (statt Nauicerus) Mitwedensis. 
223: Jjucas Schaubius Boniensis. Ülier Eberus professor phisices: Neue 
^littheil. des thür. sächs. \'er. XI, 113. 

•'') Dies damals beliebte Wort z. 13. auch in Adr. Beiers Selbst- 
biographie Ztschr. d. Ver. f. thür. Gesch. X, 329. 

^) Vergl. Heiland, Progr. des Gymn. zu AVeimar 1859 p. 20 n. 5. 

') Dietmann (Die der augsburg. Confess. zugethane l'riester- 
schaft des Kurfürstenthums Sachsen I, 292) kennt von den hier 
erwähnten Geistlichen in jNlittweiila und dessen Umgebung nur 
Naubitzer, Uöpner, Köler, auch den gleich zu erwähnenden Grosse. 
Über Widebram ebenda IV, 53. 



Aus Daniel Naubitzers Autobiographie etc. 113 

schule mit grossen lob, rühm, Unnd nutz gehaltten". 
Ihr Vater war M. Johannes Odtr alüis Memminger a 
yatria, quondam njjpidani ludi in urhe Grirmna moderator, 
natione Suevus, oriJindus ex urhe Memminga, vir Hehraeae 
linguae peritissimus. Denn die Memminger Schule war 
berühmt^). 

Unser Autor, am 30. September 1560 als viertes von 
12 Kindern geboren, erzählt von sich: 

„Anno etc. 72 3 die Aprilis zum ersten mahl communiciret 
Anno etc. T-t hatt mich M. Wolfgangk Stolbergk Schulmeister") 
adhibiret ad personam Sibyllae uxoris Danielis proiecti in speluncam 
leonuni in actione Comoediae'"). 2i Februarii." Am 29. September 1574, 
„a parentibus per litteras Torgam versus domino M. Christophoro Oratio 
8 coUegae scholae ibidem commendatus et ex patria missus sum cum 
seniorii^d.i.Jieschützcr) Caspare Catzschiociveetbono viro ad uberiorem 
Studiorum culturam, translatusque ibidem sum in secundam clussem. 

Innerhalb Wenig tagen hernach bin ich Von M. Christophoro 
Grafio belördert worden Zu Jobst Möllern Zuckermachern auf der 
Breittengassen Zum paedagogo seiner Zweyer Söhulein als Jodoci, 
Ijnndt Johcinnis Ernesti"). 

Anno etc. 7 7. 27. Martii in primam translatus fui classem. 
Eodem. 7 die Maii contuli mo ad paedagogiam Bartholomaei Fritz- 
schii prope niacellum habitantis. 

Anno etc. 78. 23 die Julii Witebergae in aedibus viduae Sal- 
liachianae prope monasterium sitis deposui cornua beanismi soius, 
depositore Laurentio Cnidio Franco. Interfuere depositionis actui 
M. lialthasar Dremmer Mittw. M. Johannes Eberhardt'-j, qui me 
absolvit a beanismo, et multi alii Studiosi. Sequenti die receptus 
sum, praestito pnus luramento, in album studiosorum Witebergensium, 
a magnitico et nobili viro D. Joachime a Beust^^J, iuris utriusque 
doctore, qui mihi peculiare et Depositionis et inscriptionis commu- 
nicavit testimoniuni". 

N. Hess sich, wie es scheint, inscribieren, ohne die 
Universität wirklich zu beziehen ^^). Denn am 8. Sep- 
tember 1578 nahm ihn 



*) Vergl. über sie Neue Jahrbücher f. kl. Philog. und Pädagogik 
122, 225. 

") Einen Vorgänger dess., Oberndörffer, nennt N. ludirectorl559. 

^") Gedruckt ist eine dramatische Bearbeitung der Geschichte Da- 
niels im Theatrum diabolorum, Frankfurt a./JNl. 1587, vergl. Hei- 
land, Progr. des Gymn. zu "Weimar 1858 p. 4. 

") Über die classes und die paedagogi vergl. Paulsen, Gesch. 
des gelehrt. Unterrichts (Leipzig 1884) S. 225 tig. 

^'-) Wohl der 1585 an der Pest gestorbene Superintendent zu 
Herzberg, vergl. Bü lau, Die luther. Geistlichkeit Sachsens (Mittheil. 
der Dtsch. Ges. zu Leipzig IV, 107). 

^*) Vergl. Förstemann, Lib. decan. facult. theol. acad. Viteb. 
S. 52 u. Muther, Zur Gesch. d. Rechtswiss. u. d. Univers, in Deutschi. 
S. 109. 

") Gersdorf, Mittheil. d. Dtsch. Ges. zu Leipzig V, 95 tig. 
Paulsen m Sybels Hist. Ztschr. N. F. IX, 292. 

Neues Archiv f. S. G. u. A, VII. 1. 2. 8 



114 M- 15altzer: 

„M. Michaelis Bohomus Uuliroctor Torgensis'"') in actione tra- 
goeiliae de Jephtlia ex iiuHciim 11 cap. ad pcrsonam nuncii clau- 
dicantis'"). Eodcm 4 Octobris hin ich von Burtel Fritzschen ah- 
getretten, liahe mich consilio domini Kectoris hegchen Zu Herren 
Valentino Weishansen Dennenievckern Churi'. Siiclisischen Wundarztto 
inn der Schlossgassen auf II. Magistri Georgii Listhenii ^') Churf. 
H. Hot'epredigers Umhgesetzten Hause, liahe drey Ziemlich erwach- 
sene Knaben, Und eine Tochter Benignom Zu instituiren gehabt. 
Anno etc. 80 22 die Fehruarii hatt M. iMichael Böhm Kector Comocdiam 
Almansoris^^) agirt, darinnen Ich personam Christi habe lühren müssen. 
Eodem 25 die Junii transmisso mihi a patre Electorali niandato 
pro inmetrando stipendio in Academia Lipsensi : 7 die Julii post 
ornatus testimonio domini M. Michaelis Bohemi Kectoris, quoil alibi 
invenire est"'), Lipsiam profectus sum, exhibitoque niandato Elec- 
torali R. R. viris dominis I). D. Theologiae Nicoiao Selneccero Za- 
chariae Schiltero-") etc. examin atus fui 30 die Julii a. M. Albino 
GreiÜenbergero alumnorum Electoralium praeceptore. Finito exa- 
mine sequenti die 1 Augusti receptus sum in coenaculo a clarissimo 
viro Zacharia Schiltei-o s. T. doctore in nuraeruni alumnorum. 

Eodem 9 die Augusti Torgae publice congregatis omnibus 
discipulis, et praeceptonbiis in maiori iudi lectorio habui orationem 
valedictoriam de Gratitudine (quam alibi consulas): dehinc peculiari 
quadam oratiuncula valedixi smgulis praeceploribus videlicet: Do- 
mino M. Micliaeli Bohemo Kectori M. Johanni ^YanckeUo Conrec- 
tori-'), M. Danieli Burchhardo, Michaeli Vocto cantori-'-) et reliquis 
Baccalaureis: tandem transmissa mea supellectile Lipsiam versus 
per rhedarium eodem die patriam petii. 

Binn also fast gantzer sex Jahr ein Torgischer paedagogus 
Und discipulus gewesen bey 4 Unterschiedlichen Herren, bey Wel- 
chen ich neben meiner paedagogia Vielerley Hausarbeit, Und Pilche- 
ley-") habe miissen thun Unnd Verrichten, also das ich habe müssen 
mitt Johst Zuci-:ermachern ettlich mahl Zu raercktcn Ziehen, Und 
gleichsam sein Kraniknecht sein. Zu Wittenheigk, Zu Hertzbergk, 
Jeßen, Brettin etc. Und schlage dabey ausstehen: Bey Hanß Schu- 



^■') Vergl. das Gymuas. Progr. v. Torgau 1850. 

1") In Jephthes sive votum tragoedia authore Georgio Bncha- 
nano Lutetiae 1557 — die deutsche Übers, zitiert Gottsched Nöthig. 
Vorrat S. 116 — und in der Schultragödie Jephthias (Progr. des 
Progymnas. zu Andernach 187G) ist der auftretende nuncius nirgend 
als claudicans bezeichnet. 

^') Dietmann a. a. 0. I, 135.S. 

'^) Vergl. 0. Francke, Terenz u. die lat. Schulkomödio i?,8. 

'") Unser Band weist es nicht auf, dafür das am 8. April l;")'.)? 
für N. s Bruder Johannes (geb. 1576) in Grimma ausgestellte Ab- 
gangszeugnis. 

-'•) Gcrsdorf a. a. 0. 40. 

-'} "Wohl der von G roh mann, Annalen der Univ. Wittenberg 
II, 210 und Dietmann a. a. ü. IV, 9'J5 erwähnte, der IGKJ als 
Professor historiae zu Wittenberg starb. 

--) Progr. des Gymn. zu Torgau 1870 S. 16. Ein Epigramm 
auf Vocti tabula musica in Joh. Claii Ilertzbergensis Varior. carinin. 
lib. quinque Gorlicii 1568. 

-•') Bächeln = sich abmühen. Schmeller, Bayrisches Wörter- 
buch und Grimm, Deutsches Wörterbuch s. v. 



Aus Daniel Naubitzeis Autobiographie etc. 115 

knechte dem Lohgorbor Vorm Lcipzisclien thnre habe ich offtmahls 
müssen getrettcne Leder im Schuebkarn aus der Gerliergassen rauf 
Vorm öpittalthor anheim führen, Unnd im Lohhause treiben helffen. 
Bey Bartel Fritzschen, ^Yclc]ler järlich ein 8 oder U Gebrewe hier 
gethan, habe icli müssen ein Meltzor Unnd Brewgehülfe sein, Unnd 
manchen Sonnabendt [Und nach dem Brewen]-') ettliche 40 Zubber 
Waßer auf der Achseln Zum bade tragen, darneben auch sönsten 
oftmahls bis Lin die sinckende nacht mitt hier Und Wein holen 
AVie ein Hausknecht aufwartten. Bey Valtten Weishansen Wundt- 
artzten bin ich Zwar Wohl mitt Hausarbeit an meinen studiis nicht 
gehindert Worden, sondern habe meiner Knaben mit der institutione 
privata in peculiari musaeo-"') fleißig abwartten. Und Wenn Wir oft 
gaste gehabt, Viel aufwartten müßen in multam noctem, habe ihme 
auch gar Viel artzney Kunststücke bey nacht ausschreiben, Undt 
Ihn auch. Wenn ehr entweder auf die Trinckstubbe oder sönsten 
Zu den Nachebarn Zum abendttrunck gangen, Und gerne lange 
geseßen hatt, heimholen müßen-"). 

Habe mich aber allerseidts bey Ihnen also gehalten, das sie 
mich lieb gehaltten. Und nicht gerne Von sich gelaßen. 

Eodem 19 die Augusti veni Lipsiam cum mea supellectile, et 
statim accessi magnificum ac doctissimum virum Dominum M. Jo- 
hannem Albinum Coburgcnsem'-') Academiae L. tum temporis Rec- 
torem et poetices Professorem publicum, qui me, praestito prius 
iuramento, in album studiosorum recepit, cui solvi pro inscriptione 
grossum angelicum '-■"). Hinc oblata domino M. Albino Greiften bergero 
Electoralium alumnorum Praeceptori-'^) Obligatione a senatu Mitt- 
weideusi mihi communicata, 10 hora in consueto coenaculo 5 men- 
sae-'") commessoribus adhibitus fui, seniori Johanne Hippio: adiunc- 
tiisque contubernalis docto et pacifico adolescenti Friderico Losano^^) 
Bitterfeldensi in conclavi anteriori superioris tabulatus novi aediticii 
in coUegio Paulino iuxta scalam versus aream. 

4 die üctobris una cum aliis 10 alumnis praestiti raeum Jura- 
mentum speciale coram Domino Zacharia Schiltero S. T. Doctore 
Procancellario." 

N. hat am 14. Juli 1582 „me ordrne sie tangente 
Lipsiae in aede Paulina hora 12 meridiana prima vice 
concionem de Evangelio Luc. 5" gehalten, andere in den 
folgenden Jahren'^-}. 



-*) Die Worte in [ ] nachgetragen. 

"'■) Dieser Ausdruck auch in der Jahresrechnung eines jena- 
ischen stud. iur. von 1590, Ztschr. des Ver. f. thür. Gesch. und 
Altertli. III, 227. 

''*>) Der H. Chirurgus hat dafür N. „ein gcfehrlich apostema 
gratis geheilet", 12. März 1580. 

-') Gersdorf a. a. 0. S. 40. 

-^) In der Leipz. Matrikel v. 1580 unter den Misnenses: Daniel 
Naubizenis Mittwedensis .3 g. 6 d. 

-") Über dies Amt Zarncke, Urkundl. Quell, z. Gesch. d. Univ. 
Leipzig S. 689. 

"•^j quintae raensae. 

"1) von Lösau (n. ö. Weissenfeis)? 

'•^•) Auch Adrian ßeiers Selbstbiographie berichtet über seine 
Predigten. Ztschr. d. Ver. f. thür. Gesch. X, 327. 

8* 



116 M. Baltzer: 

1585 ,,18 die Julii in officiiia typograpliica Georgii Defiieri sus- 
cepi ofticinm correctoris. 1'6 die öepieinljris: iiixihum ineuiu et 
periciiliun varium propter pestom'-'; grassantom Lipsiae, et Mitt- 
weidae. Anno etc. 86: consilio lt. viri doraiui JNl. (jeorgii Jnsti 
Diaooni-'') ad D. Ji^icolai et coinmeiulatioiie D. U. Tlieologonim 
Academiae Lipsensis, praesertini i). ISicolai Selnecceri protectus sum 
iSonnewaldam •■■'') petitiim ibi otlicuun iiulimoderatons: 16 die 
!Sept. 25 die habe ich nomine ilhistris ac Generosi Uomini, Otthonis 
coniitis Solmensis doiniiü m Mmtzenbergk, Und SonnewaUlt nucii 
m der Soiniewaldisclieii Amptstuben durcli den Edlen 11. llemriclien 
V. Eckersbergk G. Sollmischeii Aniptraan, Und den Kibfni li. 
(junradt Fritzschen Aniptschößenv'"; um gegenwarth des Ehre Wür- 
digen H. Jobann Stegmaiis Eastoris Zum öchiilmeisterauipt beydes 
mündlich, Undt schneftlich bestellen, Unndt vociren lassen. l'J, die 
Üctobris l)in ich Jjipsiae a magnitico viro domino Zacharia fcSchiltero 
ö. T. Doctore, et lacultatis theologicae Uecauo, so wohl auch voi 
M. Georgio liachmanno '''j alumnoriini Electoralium pnvato prae 
ceptore dona pace Vom Oburf. stipendio losgezehlet, et honesta 
testiniünio''"j diinittiret worden, quod consuli potest alibi. 

16 Octobris als "^0 © p. trinitatis bin ich initt meuieni siipel- 
lectile Zu öonnewalde angezogen Zu Verwalttnng des Schulmeister- 
Und Stadtschrciberaiupts. 

Vom 17 üctobris ahn bis aufn 26 tag Novembris bin ich 
G Wochen langk bey 11. Johann Sutorio Diacono Zu tisch gangen. 

JSach deine icli ettliche Privates discipulos Uuib folgenden 
Advent angenommen, bin ich loco didactn Zu ihrer eitern tisch 
gangen die Woche durch alle tage an einen sunderlichen ortb""j. 

Anno 87. mense Julii m patria petii consilium, et consensu i 
parentis de ducenda uxore'"). 

24. bey Hedwigen Öalomonis Hasens Bürgers, Unnd Stadt- 
schreibers sehligenn hinderlaßenen Widwen Zu bonnewalde, paren- 
tis, pastoris et nouilis ab Eckersbergk consilio ehrliche ansuchung Unnd 
Werbung selber^') Von lerne gelnan Umo Ihre tochiur Gunigundam. 

21 tagk Augusti Montag Vor bartholouiaei celebravi nita spon- 
salia Mein Freywerber ist gewesen der Ehre Würdige H. Johan 
IStegman Pastor." Am 24. Ukt. war die Hochzeit. 

„Am 27. Hec. Soniiewaldae primam habui concionem ex Gen. 3 
Semen muliens andiente seniore Gomitissa Agnete. 

Anno etc. 89. 2 tagk © Oculi ist subita mutatio novi Calen- 
darii Zu Sonnewalde angangen. 



'^•^) Vergl. oben S. 11.3 N. 12. ■^') Dietmann a. a. 0. II, 180. 

'•^'') nordl. von Kottbus. '"'j Einnehmer des Schosses. 

"j Gcrsdor fa. a. U. S. 128. Kreyßig, Afraner-Albnm S. 45. 

"^) Solche litterae testimoniales im libellus lorniularis JSr. 80 
bei Zarncke, Urk. Quellen S. 616. Das Wittenbergcr Zeugnis lur 
seineu liruder ..Andreas vom 28. Ajiril 1578 thcilt N. mit. 

'■'■■') Vom Übergang aus Schul- m ll.ithsstellen, von der Ver- 
köstigung der Lehrer: Heiland, Progr. des Gymn. zu Weimar 
1859, S. 21 üg. 

^'') Von Kurfürst Christian I., dessen genealogia et res gestae 
N. den familiengeschichtlichen Notizen voran gehen lässt, rühmt er, 
dass der Kurturst bei der Heirath die lieben Eltei'n handeln lassen. 

•*^; Vergl. oben des Andreas N. Verfahren bei der Werbung. 



Aus Daniel Naubitzers Autobiographie etc. 117 

Anno etc. 00 23 die Octobris ist mein Weib «auf cen ITofe ge- 
zogen Zur künftigen Amme fies Frewleins Annae Ottiliens'-\ 

Anno etc. 91 23 novembris ist sie Wider abgetretten, TTnd Zu 
mir kommen. Und habe also bey lebetagen meines lieben Weibes 
ein gantz .Tahr lan? Und 1 Monath müssen ein Widwer sein. 

Anno etc. 93 Vocatns siim 12 die Mali ad Diaconatnm Sonne- 
waldensen locn domini Johan: Sutorii, aspirantis ad Parocbiam 
Gosmariensem'^). 

20 die Maii Lipsiae examinatus: et sequenti 21 die ordinatus 
sum ad sacrosanctum ministerinm. 

5 die iunii ab vigilia festi Pentecostes Zum ersten I)eicht ue- 
seßen, seqnnnti festo Zum ersten mahl das Ampt gebaltten, Und 
die erste Mittagspredifft getban. 

Anno etc. 94 1 die Jannarii Wesen meines Straffampts Über 
das 7 gebotb Vom Amptschösser Cunrad Fritzschen Verfolgung aus- 
gestanden. 

Anno etc. 95. 5 tag .Tunii als den .5 © p. Trin. der Cantorev 
ans liebbabung Und befördernngr der lieben Mnsicae, anf jährigk 
empfangnes Crentzlein ein Viertteil Bier Zum besten geben "). 

13 tas; Octobris Heinrich Wienolden Parricidam nach Über- 
reichten Abendtmabl als den ersten armen Sünder ad locum supp- 
licii solus consolando comitiret. 

Anno etc. 96. 18 tagk Aprilis an Stadt des Schwachen Pastoris 
Jobannis Stegmanni aufm Schloss Saal ex libro Ruth in presentia 
illustriura et nobilinm personarnm eine tanfpredigt gethan, Und das 
Junge Herrlein Pbilinpum Otthonem tretaufft. anch Vor der G. 
Taftel Hieronymo Lücken etc. mnßen das geschenke Werben. 

Anno etc. 98 niense Febrnario andere Verfolgung Wecren des 
Straffampts der trotteslesterungk halben Von aulicis H. a. A. et H. R. 
Verbnm veritatis fuit mihi verbiim 
persecutionis et mortis tribulationis. 

N. hat zweimal durch Strafpredigten Anstoss ge- 
r-eben und sicli Verfolgung zugezogen, darum rühmt er, 
Kurfüi'st Christian I. habe wohl leiden können, „das man 
Ungeschewott Und ohn einig ansehen der personen aller- 
ley sünd Unnd laster strafftte". 

Nach der im vorigen Jahrhundert abgefassten Pa- 
rochialclironik von Weisstropp (n. w. Dresden) ist N. dort 
1600 Pfarrer geworden'^') und 1631 gestorben. Da er 
jedoch die Dauer seiner Ehe auf 46 Jahr 32 Wochen 
angiebt, muss er 1634 erlebt haben. 

*2) Geb. 1591, gest. Iß12. 

*^) In der Niederlausitz. Sutorii loco war N. auch Schulmeister 
in S. geworden. 

■") Krentzlein als Preis des Gesanges 1553 in Wittenberg, s. 
Lubekus' Tagebuch, Neue Mitth. Xi, il6. 

■*•'') Vergl. Kreyssip, Album der evangel. luther. Geistlichen 
in Sachsen (Dresden 1883) S. r.?,3. Über den Unterschied von Diakonat 
und Pfarramt, Bülau a. a. 0. S. 7. 



V. 

Name, Alter und Ursprung der Stadt Sebnitz. 

Von 

Fr. Ohnesorge. 



Lber das Alter und den Ursprung der Stadt Sebnitz 
ist nichts Zuverlässiges bekannt. Über ihren Namen be- 
richtet Götzinger^): „Der Name dieser Stadt wird in den 
alten Zeiten auf verschiedene Art geschrieben. Bald 
heisst er in den alten Urkunden Sehenitza und Sabeniza, 
bald Sebennitzs und Seheniz, bald Zäbnicz, heutiges Tages 
aber Sehniz. Die Bedeutung dieser Benennung habe ich 
nie erforschen können, ohngeachtet ich, da es ein sorbisches 
Wort ist, der wendischen Sprache Kundige darum be- 
fragt habe. Der Verfasser der Hamburgischen historischen 
Remarques (ein gewisser Lehmann aus Bischofsvverda) 
will zwar den Ursprung und die Bedeutung dieser Be- 
nennung angeben. Er sagt nämlich , Sebnitz sei ein 
böhmisches Wort und bedeute so viel als eine Mörder- 
grube". Mit Recht weist Götzinger diese bodenlose 
Deutung zurück. Im übrigen zeigt seine Mittheilung, 
dass die von ihm befragten Kenner der wendischen 
Sprache in der Etymologie wenig bewandert waren. 
Heut zu Tage ist es keinem gebildeten Slaven zweifel- 
haft, dass der Name Sebnitz, alt Zabeniza, von Zaba, 
Frosch, herkommt, ein Stamm, welcher naclnveislich 
zahlreichen slavischen Ortsnamen in Deutschland und 
Österreich zu Grunde liegt. Götzinger führt von diesen 



') Götzinger, Geschichte und Beschreibung des knrsächsischen 
Amtes Hohnstein, insbesondere der Stadt Sebnitz (1786) S. 102. 



Fr. Ohiiesorge: Name, Alter und Ursprung der Stadt Sebnitz. 119 

nur Sehenico in Dalmatien und Seehnitz in Schlesien an. 
Wenzel Krolmus, Avelcher Zehniza als Froschbach deutet^), 
nennt noch ein Zehnice am Strela-Flusse in Böhmen. 
Ausserdem giebt es vier Zahno , drei in Posen und eins 
in Galizien, Zahiczyn und Zahikoiv m Posen, Zahiuki in 
Ost-Preussen , zwei Zahitz (d. h. Zahiec) in Anhalt und 
im Mansfeldischen , Zahnica ^ in Galizien , und ein , in 
Fabianswalde umgetauftes Zahiniec oder Zdbieniec in 
Schlesien. 

Der letzte Name ist wahrscheinlich auch die ursprüng- 
liche Form des Namens Sebnitz, dieser nichts weiter, als 
das der deutschen Zunge mundrecht geraachte Zahiniec. 
Da nun Zahiniec oder Zahieniec einen Ort bedeutet, wo 
Frösche ausgebrütet werden, so ist der Froschbach des 
Wenzel Krolmus eine ganz annehmbare Verdeutschung 
von Sebnitz. Doch könnte der Name der Stadt auch 
von einem andern Zahiniec oder Zahinel-, böhmisch Zahinec 
herkommen, welches Froschkraut bedeutet, worunter das 
bekannte Alisma Piantasro zu verstehen ist. Dann würde 
Sebnitz einen Tümpel bedeuten, in welchem viel Alisma 
wachst, und etwa mit „Froschlöffel wiese" oder „Frosch- 
löffelthal" wiederzugeben sein. Dann könnte der Name 
zuerst von dem Thale auf den Bach und später von 
diesem auf den Ort übertragen sein. Hierfür würde der 
Sprachgebrauch, der Sebnitz stets mit dem Artikel ver- 
bindet (in der Sebnitz), einen gewissen Anhalt bieten. 
In jedem Falle rührt der Name Sebnitz von der natür- 
lichen Beschaffenheit des Thaies und des Wassers her, 
und es fällt mit dieser Ableitung Götzingers Vermuthung, 
dass die Sorben, die er für die Gründer der Stadt hält, 
den Namen aus Dalmatien mitgebracht haben. 

Die Ableitung des Namens von zaha macht es auch 
wahrscheinlich, dass die Stadt Sebnitz ihren Namen von 
dem Bache erhalten hat. So nahm Schöttgen an, während 
Götzinger") sich für das Gegentheil entscheidet: „Denn, 
Aväre das erste, so müsste der Bach von seinem Ursprung 
an den Namen der Sebnitz führen. Sie wird aber erst 
von dem Ort an so genannt, wo sich die Wilmsdorfer 
und Lobendauer Bäche, aus denen sie besteht, und die 
auch von den Orten den Namen haben, mit einander 



2) Neues Lausitzer Magazin XVI (1838), 164. Ebenso Mik- 
losich, Die slavischen Ortsnamen II, 122. Hey, Die sla vischen 
Ortsnamen des Königreichs Sachsen S. 55. 

«) A. a. 0. 106 flg. 



"120 Fr. Ohnesorge: 

vereinigen; und dieses gescliieht ohnweit der Stadt, grade 
da, wo Sachsen und Böhmen grenzen. Sie verliert auch 
diesen Namen Avieder, sobald sie mit der Polenzbach zu- 
sanimenflicsst, und nimmt den Namen der Lachsbacli an." 

Diese Ben;ründimg kann ich als stichhaltig nicht 
anerkennen. Dass fliessende Gewässer von ihrer Mündung 
zur Quelle hinauf den Namen wechseln, zumal an solchen 
Stellen, wo mehrere Wasserläufe von annähernd gleicher 
Stärke sich vereinigen, kommt so oft vor, dass es auch 
bei der Sebnitz nicht* auflallen kann und hieraus nichts 
gefolgert werden darf für Beantwortung der Frage, ob 
der ()rt dem Bache den Namen gegeben oder zu danken 
habe. Gegen Götzingers IMeinung spricht ausserdem 
c^erade das Beispiel der Quellbäche und des Mündungs- 
baches, welches er anruft. Denn die beiden Quellbäche, 
welche sich an der Landesgrenze vereinigen, heissen 
keineswegs die Lobendau und die Wölmsdorf (oderAA'ilms- 
dorf), sondern man nennt sie Lobendauer Bach und 
Wölmsdorfer Bach*). Da sagt es der Name selbst, dass 
er nur von den Orten hergenommen und nicht eigentlicher 
Bachname ist. Ganz anders steht es mit der Sebnitz. 
Ja, hiesse diese „Schnitzer Bach", dann wäre die Sache 
klar in Götzingers Sinne. Aber das ist nicht der Fall, 
sondern der Bach heisst die Sebnitz und wird höchstens 
daneben noch Sebnitzbach genannt. Also ist mit der 
Analogie der Quellbäche nichts bewiesen. Dagegen spricht 
der Name des Unterlaufs im Tiefen Grunde direkt gegen 
Götzingers Anschauung. Denn was von der Sebnitz gilt, 
müsste doch auch vom Lachsbach gelten. Kann Sebnitz 
nur dann echter Bachnahme sein, wenn er bis zur Quelle 
hinaufreicht, so dürfte der Name Lachsbach überhaupt 
nicht vorhanden sein. Denn er reicht noch weniger bis 
zur Quelle hinauf und ist doch echter Bachnahme. Einen 
Ort, nach dem er heissen könnte, giebt es nicht. 

Übrigens ist es auch noch sehr fraglich, ob der 
Name Sebnitz immer erst an der jetzigen Landesgrenze 
begonnen hat. Klar ist so viel, dass die beiden Quell- 
bäche der Sebnitz ihre jetzigen sogenannten Namen nicht 
früher gehabt haben können, als die Dörfer Lobendau 
und Wölmsdorf vorhanden Avaren. Nun soll aber der 



■') Der Name „Wölmsbach" in der neuen sächsischen General- 
stabskarte ist eine Erfindung der Neuzeit, entnommen der Wölms- 
dorler Fhirkarte von 184.S. Diesen Namen verurtheilt schon der 
richtige alte Dorfname „Wilmannsdorf". 



Name, Alter und Ursprung der Stadt Sebnitz. 121 

Lobendaucr Racli früher aucli Zalilwasser"^) geheissen 
liaben. Es liegt also die Annalnne nalio, dass der andere 
Quellbacli, der bei Rölirsdorf oberhalb Hainspach ent- 
springt und der auch von beiden der stärkere ist, den 
Namen l^ebnitz bis zur Quelle geführt habe. Diese An- 
nahme erhält in zwei alten Zeugnissen eine schwer 
wiegende Unterstützung. Das eine ist ein Rezess") Georgs 
des Bärtigen von 1532, welcher verfüii't: ,,Die von Schleinitz 
sollen denen von der Sebnitz das Flössen auf der Scbnitz- 
bach. in Massen sie es zuvor gehabt, bis Wilmannsdorf 
und Einsiedel nachlassen." Das andere Zeugnis ist die 
auch von Götzinger erwähnte Grenzurkunde vom 7. Mai 
1241'), nach welcher die eine Grenzlinie zwischen den 
Gütern des Bisthums Meissen und des Königs von Böhmen 
geht (von Wilthen her auf einem Steige) usque in Seheni- 
znm, in locum uhi mansit antiquitus heremita. Von diesem 
Einsiedler hat das böhmische Grenzdorf Einsiedel den 
Namen erhalten. Dasselbe liegt aber nicht mehr an der 
vereinigten Sebnitz, sondern nur an ihren beiden Quell- 
bächen. Welcher von beiden nun die hier bezeichnete 
Seheniza ist, darüber darf man wohl der Tradition das 
Wort gönnen, welche noch jetzt in Einsiedel besteht und 
die Klause des alten Einsiedlers an den Wölmsdorfer 
Bach verlegt, und zwar an die Forellenmühle unter 
Siebers Anbau*). 



5) Worbs, Neues Archiv für die Geschichte Schlesiens und der 
Lausitzen 11 (1824\ .344. 

6) Eine (im Jahre 1700) beglaubisfte Abschrift im Hauptstaats- 
arohiv zu Dresden. Loc. 4511. Dio in dem Kurf. Sachsen befind- 
lichen Eisenhammer Vol. II, Bl. 18 flg. (Hl. 20 b). 

") Podex diplomaticus Saxoiiiae reffiae IT. 1, 109. Götziufter 
datiert diese Urkunde nach Schöttsens Vorgänge von 1228, Wovbs 
(Neues Archiv IF, .S19) sosiar von 121.3. Das hat darin seinen Grund, 
dass die Grenzstreitigkeiten nach ihrer ersten Fntscheidnng im 
Jahre 1213 sich erneuerten, und noch zweimal, 1228 und 1241, die 
Grenzakta von 1213 bestätio-t wurde. 

s) Neuerdings wird bisweilen die Yermuthung ausgesnrochen, 
der Spitzberg bei Ober -Einsiedel. welcher ein Kreuz auf seinem 
Gipfel trägt, sei der "Wohnort des Einsiedlers gewesen, und deshalb 
werde noch jetzt am Trinitatis-Sonntatre dort dns Bergfest gefeiert. 
Dem widerspricht ein alter Kenner der Orts -Überlieferung, Herr 
Bürgermeister Sieber in Einsiedel, auf das Bestimmteste. Das Berg- 
fest bestehe erst etwa seit 1840, angeregt vom Bürgermeister Meier 
in Neudörfel, das Kreuz aber habe sein (Siebers) eigner ürgross- 
vater Hentschel in Neudörfel zuerst errichtet. Allerdings füürt 
nicht Nieder- sonder Ober-Einsiedel den Einsiedler im Gemeinde- 
siegel; und der Spitzberg wird im Atlas Saxonicus mit „Wallfahrt" 



122 Fr. Ohiiesorge: 

Diese Übereinstimmun^j; beider Urkunden lefft es 
niilie, auch die Karto^rapliie zu Ratlie zu ziehen. Wenig 
Gewiclit mag es haben, wenn Götzinger selbst seiner 
Beschreibung der säclisischen Schweiz eine Karte beigiebt, 
welclie den Hainspach-Wühnsdorfer Bach zwischen beiden 
Dörfern „Sobnitz-Bach" nennt. Auch Brock's „Topo- 
grapliischer Phxn der Umgegend von Dresden und der 
sächsischen Schweiz", welcher den Bacli zwisclien Wöbns- 
dorf und Einsledel als „Schnitz -Bach" bezeichnet, mag 
nicht entscheiden. Oeder, Oberrcit und die ältere General- 
stabskarte schweigen ganz, wälirend die neue General- 
stabskarte den unzulässigen „Wölmsbach" der Wölras- 
dorfer Flurkarte übornommon hat. Dagegen ergiebt eine 
imbefangene Betrachtung des iVtlas Saxonicus, dass dessen 
Verfasser, P. Zürncr, den ganzen Hainspacli-Wölmsdorfer 
Bacli als Schnitz angesehen hat. FreiHch hat er die Be- 
zeichnung „Sebnitz Fl." nach seiner Weise nur einmal 
gesetzt; und zwar beim Ulbersdorfer Raubschloss. Aber 
er unterscheidet durch flussartige Zeichnung mit mehreren 
Parallellinien den auch thatsächlich stärkeren Wölms- 
dorfer Bach ganz entschieden von dem, nur mit einer 
Ijinie bezeiclmeten Lobcudauer Bache, dessen Quellbäche 
am Buchberge als Zahhvasser und Ilonigwasser") be- 
zeichnet werden. Da an dem llussartig gezeichneten 
Ilainspachcr Bach der Name fehlt, so ist klar, dass nach 
der Absicht des Zeichners für diesen der weiter unten 
stehende Name „Sebnitz Fl." mit gelten soll. 

Demnach ist mit ziemlicher Siciierheit anzunehmen, 
dass im Mittelalter und bis in die neue Zeit hinein der 
Name Sebnitz den Bach bis zur Hainspacher Quelle 



bczeiclinet. Dennoch luvt Herr Sieber jedenfalls Recht. Schon der 
Wassermangel machte den Spitzberg unceeignet zur Einsiedelei. 
Dort hiUto der Eremit für jeden Trnidc eine Thalfahrt von 20 Minnten 
nothig g(!lial)t. 

"j Der Name Ilonigwasser beruht vielleicht auf einem Lese- 
fehler. Im Volksmuiid(! heisst es jetzt llemigtwasser, auf der neuesten 
Schulkarte in der Schule zu Hilgersdorf Ileimigtwasser, auf der 
bühniischen (icneralstabskarte von 1873 No. Ta ITämigs Teich Flössel. 
Der Name /ahlwasser ist heut zu Tage unterhalb Hilgersdorf nirgends 
mehr zu finden, und auch für den Quellbach ist er den Leuten im 
Oberdorfe minder geläntig, als das Hemigtwasser. Nach Worbs, 
Neues Archiv II, ",U hat der Name Zahlwasser noch zu Anfang 
dieses Jahrhunderts für den ganzen Lobendauer Dach gegolten. 
Und das ist wohl auch Zürners Meinung, da er für diesen keinen 
besondern Namen setzt. Jedenfalls ist das Zahlwasser der Haupt- 
bacli, da es reichlich doppelt so stark ist, wie das Hemigtwasser. 



» 



Name, Alter und Ursprung der Stadt Sebnitz. 123 

liinauf bezciclmct hat^"). Dies Ergebnis ist freilich ohne 
Gewicht für die von Götzinger angeregte Frage, da ja 
auch der von der Stadt übertragene Name dem Rache 
bis zur Quelle beigelegt werden konnte. Nur hat diese 
Übertragung keine Wahrscheinlichkeit für sich, da selbst- 
verständlich der Bach älter ist, als der Ort, und auch 
der Name Froschbach für den Bach besser passt, als für 
die Stadt. Götzinger hat sich wohl nur durch Unkennt- 
nis dieser Bedeutung des Namens verleiten lassen, in dem 
dalmatischen Sebenico den Ursprung des Stadtnamens 
Sebnitz zu sehen. Wollte aber noch jemand an der 
Möglichkeit zweifeln, dass eine Stadt wie Sebnitz nach 
einem so unbedeutenden Bache genannt Avorden wäre, 
so sei ihm nur das Beispiel von Meissen angeführt, welches 
nach dem Zeugnis Thietmars") seinen Namen von einem 
noch kleineren Bache erhalten liat. 

Die Untersuchung über die Bedeutung und erste 
Verwendung des Namens Sebnitz ist wichtig für die 
Frage nach dem Alter der Stadt. Hat Götzinger Kecht, 
so ist das erste Vorkommen des Namens für den Bach 
auch ein Beweis für das Bestehen der Stadt. Ini andern 
Falle muss man sich nach andern direkten Zeugnissen 
umsehen. 

Die älteste unmittelbare Erwähnung der Stadt Sebnitz 
findet sich streng genommen erst in einer Urkunde vom 
Jahre 1451^-). Da wird die Stadt Sebnitz als Bestand- 
theil der Herrschaft Wildenstein genannt, welche durch 
Tausch- und Kaufvertrag von ihrem bisherigen Besitzer, 
dem böhmischen Herrn Albrecht Bircke von der Duba 



1") Ob auch bis zur Mündung hinab, das ist fradich. Der 
Lachsfang des Unterlaufes hat diesem wohl schon früh seinen Namen 
eingetragen. Doch ist der deutsche Name Laclisbach gewiss jiiiigcr 
als" der slavische Sebnitz. Zürner (Atlas Saxonicus) kennt den 
Namen Lachsbach nicht. Und da er die Sebuitz stärker zeichnet, 
als die Polenz und in der Benennung beide als Sebnitz Fl. uud 
Polenz B. unterscheidet, so ist klar, dass er den luibenannten Unter- 
lauf der Sebnitz zureclniet. Es tragt sich, ob mit Recht. Die 
Petrische Karte von Sachsen nennt den Unterlauf „Polenz Fluss". 
Das ist ein Selbst- Widerspruch ; denn sie giebt oberhalb die Xamen 
Sebnitz Fluss und Polenzer Bach sogar ausgeschrieben , macht also 
den Fluss zun\ Nebentluss des Baches. 

») Thietmar 1, 9 (Mon. Germ. bist. SS. IIl, 739). 

1'-) Mitgetheilt in Gautsch. Älteste Geschichte der Sächsischen 
Schweiz, S. 107 — 109, nach einer alten .Abschrift im Hauptstaats- 
archiv. 



124 Fr. Ohnesorge: 

auf Tollensteln, an den Kurfürsten Fricdricli IT. von 
Sachsen abgetreten wurde. 

Ein älteres Zeugnis, als für die Stadt, giebt es für 
die Kirclie und Pfarre zu Sebnitz, nämlicli in der Matrikel 
des Bistliums Meissen vorn Jahre 1346. In dieser wird 
eine Sedfs Hoenstein et Sahenitz angeführt, zu welcher 
die 10 Kirchen zu Hohnstein, Sebnitz, Schluchenau, 
Lichtenhain , Nixdorf, Neustadt, Lobendan, Schönau, 
Ulbersdoif und Schandau <i"chörten ^■■). Deranach hatte 
also 1346 Sebnitz gleich Löbau, Görlitz, Bischofswerda, 
Canienz u. s. w. einen Erzpriesterstuhl, der allerdings 
nicht, wie bei jenen Orten, nach Sebnitz allein, sondern 
zugleich nach Hohnstein benannt wurde. Diese Doppel- 
benennung lässt sich wohl so erklären, dass der Sitz des 
Archipresbyters für den Bezirk von Hohnstein nach 
Sebnitz verlegt worden ist. Dies .nimmt auch Frind") 
ohne weiteres an, indem er von dein „Dekanate Hohen- 
stein (später Sebnitz)" spricht. Der Grund der Verlegung 
Avar wohl die für den Bezirk nicht sehr günstige Lage 
von Hohnstein an dessen äusserstem Ende. Doch konnte 
dieselbe auch wieder nicht gut früher geschehen, als bis 
Sebnitz ein Ort von einiger Bedeutung geworden war. 
Mithin ist anzunehmen, dass Sebnitz um 1346 sclion eine 
Stadt war , und dass es hinter Hohnstein . Neustadt, 
Schandau und Schluckenau nicht zurückstand. Hierfür 
aber haben wir in der Matrikel des Bisthums sogar einen 
Massstab, nämlich in dem Bischofszins, der für Sobnitz 
6 Mark betrug, neben 5 Mark für Neustadt, 4 für Holin- 
stein, 3 für Schluckenau, 2 für Schandau. Daraus scheint 
hervorzugehen, dass um 1346 Sobnitz der bedeutendste 
Ort des ganzen Bezirks von Hohnstein bis Schluckimau 
gewe!=en ist. 

Wie lange vor 1346 Sebnitz diese Bedeutung gehabt 
hat, darüber gestattet, nur der Umstand eine Vermuthung, 
dass die Scdes nicht einfach nacli Sebnitz genannt, sondern 
diesem Namen Hohnstein als früherer Wohnsitz des Erz- 
priesters vorangestellt wird. Daraus scheint hervorzu- 
irehcn, dass die Verleji'ung der Sedes erst vor kurzer 
Zeit geschehen war. Vermutlilich war man noch so an 
die alte Bedeutung Ilohnsteins als Sitz des Erzpriesters 
gewöhnt, dass die Matrikel dieser Gewohnheit gerecht 



^'■^) ('odex diplom. Saxon. reg. I, 1, 221. 

") Frind, Kirchengeschichte von Böliraen I, ."8, 



Name, Alter und Ursprung clei-JStadt Sebnitz. 125 

werden inusste mit der Doppelbenennuiig- Iloeusfein et 
ibabemtz, in welcher erst das alte Herkominen und dann 
das neue Recht zur Geltung kam. Demnach darf man 
wohl annehmen, dass die Verlegung des Krzpriesterstuhles 
von liohnstein nach Sebnitz noch kein Menschenalter vor 
lii46 geschehen sein dürfte. Und hierauf fussend, könnte 
man vielleicht weiter folgern, dass auch die Bedeutung 
von Sebnitz und seine Eigenschaft als Stadt keine zwei 
Menschenalter über die Autstellung iler Matrikel zurück- 
gehen Avird. Denn sonst hätte seine günstige zentrale 
i^age die Verlegung der Sedes vielleicht sclion früher 
herüeiitihren können. 

Dies Vielleicht giebt keine Gewissheit. Wir müssen 
uns aber mit ihm begnügen, so lange es an älteren 
Zeugnissen für das Bestellen der Stadt Sebnitz fehlt. 
Dass die Urkunde von V'Z^l kein Zeugnis für die Stadt 
ist, das ist bereits erörtert; ob ein Zeugnis gegen ihre 
iiixistenz, das bedarf noch einer näheren Erwägung. 

Durch diese Grenzurkunde vom 7. Mai 1241/ ') wurden 
Streitigkeiten über die Grenzen zwischen den bischöflich 
meissnischen Stiftsgütern und denen der Krone Böhmen 
beigelegt. Da die Stiftsgüter nicht alle unter einander 
zusammenhingen, so wurden sechs verschiedene Komplexe 
einzeln umgrenzt, ein königlicher und fünf biscböt liehe. 
Von diesen sechs Komplexen reichen der dritte und der 
vierte von forden her an die Sebnitz, welche dabei ab- 
wechselnd üebniza und tiabniza genannt wird. Der vierte 
Komplex, der dem Könige zugesprochen wird, erreicht 
augenscheinlich die untere Sebnitz. Der dritte dagegen, 
welcher hier in Frage kommt, erstreckt sich von iSorden 
her an die obere Sebnitz. Seine üstofrenze ist die bereits 
erwähnte, welche von Wilthen her auf einem i-*fade an 
die Sebnitz geht, an den Ort, wo vor Alters ein Ein- 
siedler gehaust hat. Die westliche Grenze berührt Diemen 
{JJymlnj, die Wesenitz ( Wazovnizam) bei Neukirch (j\'uen- 
kiichenj, dann l'izow und einen Berg Bicchowagora (d. h. 
Buchbergj, steigt abinde iisque ad summäatem montis, 
unde oritur rivus Welewiza et Zalatwina, abinde in Seb- 
nizam et i^er ascensiini ejus ad locum heremitae praedicii, 
d. h. von da zum Giptel des Berges, wo der Bach Wete- 
loiza und Zalatwina^^) entspringt, von da an die Sebnitz 

'■') Codex diplom. Saxon. reg. II, 1, 109. 
^"j Uie Zalatwina ist zweifellos das Zahlwasser. Zalata heisst 
üold, Zalatwina also üoldbach, das Zalilwasser aber entspringt nach 



126 f'r. Ohnesorge : 

und diese liinauf bis zum Orte des vorerwälinten Ein- 
siedlers. 

Die Stelle nun, wo diese Westgrenze die Sebnitz er- 
reicht, ist unbedingt ol)erhalb der Stadt zu suchen, gleich 
viel, ob dieselbe damals schon vorhanden war, oder nicht. 
Denn sonst hätte die grössere Hälfte des Stadtgebietes 
und namentlich das Rittergut Neitberg zu den Gütern 
des Bistiuuns Meissen gehört. Das ist höchst unwahr- 
scheinlicli, da Stadt und Rittergut Bestandtheile der 
lierrschalt \\'ildenstein waren. Wenn dies auch erst 
für (las Jahr 1451 bezeugt ist, so fehlt doch jeder Grund 
fiir die Annahme, dass 1241 (oder 1213) dies Gebiet der 
toten Hand gehört hätte. Es ist ja bekannt, wie fest 
die Kirche von je her zu halten wusste, was sie einmal 
besass. Verkäute kamen da selten vor; über solche Aus- 
nahmen aber wurden Urkunden ausgestellt, die jeden 
Zweifel beseitigten. Die Herrschaft Wildenstein ist aller- 
dings erst 1410'') entstanden, mid zwar durch Erbtheilung 
der Herrschaft Hohnstein, welche 1353 als lichnbesitz 
der Berka von der Duba angeführt wird. Im Jahre 1241 
befand sich das Hohnsteiner Gebiet wohl im Besitz des 
Königs von Böhmen. Denn der schon erwähnte vierte 
Ivomplex, der dem Könige zugesprochen wird, scheint 
(bei aller Ungenauigkeit des Ausdrucks) die ganze Ge- 
gend östlich von der Polenz bis an die bischöfliche 
VVestgrenze des dritten Komplexes umfasst zu haben. 
AVenn diese Westgrenze auch vom Buchberge und der 
Welewizaquelle einen ziemlich grossen Sprung bis an 
die Sebnitz macht, vermuthlich, weil es auf dieser Strecke 
keine Streitigkeiten zu schlichten gab, so lässt sie sich 
doch mit ziemlicher Sicherheit als die jetzige Landes- 
grenze vom Hochwald bis Sebnitz nachweisen. Denn 
nachdem die Könige später die Plerrschaft Hohnstein zu 



Ziinier in der Goldgrube. Die Welewiza ist das Hemigtwasser 
(Ilämigs Toichtiüssel). Welew ist ein kleiner Teich, eine l'fützo, 
wie sie in den tschechischen Gegenihni JJöhniens ausser dem Dorl- 
teiche noch bei den einzelnen Häusern zu sein ptiegt, zur Tränke 
für das Vieh, besonders die Enten und üänse. Welowiza heisst, 
also etwa Teichwasser. Worbs Ansieht, dass für Welewiza Weseniza 
zu hisen sei, ist unhaltbar. Die Wesenitz heisst in der Urkunde 
Wazovniza , Wazouniza, Wazow(e)niza. Die übereinstimmende 
Schreibung der Welewiza in 4 Urkunden, auch bei der Wieder- 
hiluug, schliesst den Gedanken an einen Schreibfehler aus. Der 
Buchowagora ist sieher der Buehberg, nicht der Falkenberg. 
") Vergl. Knothe in dieser Zeitschrift II, 199 tig. 



Name, Alter und Ursprung der Stadt Sebiiitz. 127 



Leim ausgctluiii liattcn^ und zwar 1353 zuerst'^) an einen 
Berka von der Diiba, ging sie durcli die Tauscli- und 
Kaufvertrügc von 1443 und 1451 in den Besitz Saclisens 
über, wenn auch als böhmisches Lehn; und aus diesem 
Privatbesitz entwickelte sich schon lange vor Aufhebung 
des Lehnsverhaltnisses je länger je mehr ein staatlicher 
Besitz , Avährend ein Oleiches mit den benachbarten Be- 
sitzungen des Bisthums nicht gesclielien konnte; diese 
vielmehr in dem alten Verbände blieben. 

Dies voraiisgesetzt; ist die Stelle, wo die bischöfliche 
Westgrenze die Sebnitz erreicht, vom Marktplatz der 
Stadt Sebnitz nur lU Minuten entfernt, und von dem 
früheren oberen Ende der Stadt bei der Hammermühle 
keine ö Minuten. Sollte da nicht eine Bezugnahme auf 
die so nahe gelegene Stadt in der Urkunde erwartet 
werden? Der Ort war viel deutlicher bestimmt, wenn es 
hiess: ahinde in Sebnizam supra urbeni. Muss man aus 
dem Fehlen dieser oder einer ähnlichen Angabe nicht 
schliesseu; dass der Ort Sebnitz zu derjenigen Zeit, wo 
die Grenzkommission ihre Aufnahmen für die Urkunde 
von 1241 vornahm, d. h. im Jahre 1213, überhaupt noch 
nicht vorhanden war? Die Vermuthung liegt allerdings 
nahe; ein sicherer Schluss ist aber schon deshalb nicht 
möglich, weil die Grenzbestimmung der Urkunde sich 
hier etwas kurz fasst. 

Fragen wir nun nach den ersten Bewohnern von 
Sebnitz, so lässt zunächst der slavische Name auch eine 
slavische Gründung vermuthen. Eine solche aber würde 
wieder ein höheres Alter des Ortes voraussetzen, da die 
Slaven hier die alten Bewohner des Landes waren, die 
Deutschen dagegen spätere Einwanderer. Ein sicliercr 
Beweis für slavische Gründung ist aber der vom Bache 
hergenommene Name nicht. Ist doch auch Meissen eine 
deutsche Gründung trotz seines slavischen Namens. 

Über die Art, Avie Sebnitz entstanden, berichtet 
Götzinger^'*J: „Einer Tradition zufolge hat Sebnitz aus 
"14: Bauerngütern bestanden, ehe sie Stadt ward. Dies 
ist nicht ganz unwahrscheinlich. Denn die in der Stadt 
Weichbild gelegenen Felder und Wiesen sind seit un- 
denklichen Zeiten in 24 Erben eingetheilt." Diesem Be- 
richt ist noch hinzuzufügen, dass diese Eintheilung noch 



") Ibidem 194. 

1'') GOtziuger, Gescliiclite und Ucsclireibung etc. S. lOß. 



128 Fr. Ohnesorge: 

jetzt bestellt; aucli heute noch weiss der Feklbesltzer, 
welchciu Erbe sein Grundstück zugehört. Die sämtUclien 
Erben bilden lange Streifen von nuissiger Breite, welche 
sich über die Berge fortzielien. Zwisclien ihnen befinden 
sich abwechselnd je ein Gras- oder Steinrand und ein 
Feldweg , sodass immer zwei Erben zusanunen einen 
Feldweg haben. So ziehen sich die Feldwege, soweit 
die Unebenheit des Bodens die Einhaltung der geraden 
Linie zuUisst, parallel über die Höhen fort. 

Das deutet augenscheinlich auf eine deutsche An- 
siedelung. Slaven wären schon gar nicht im Stande ge 
wesen, mit ihrem leichten Ftiugiiaken, dem Radio, den 
schweren Lehmboden unserer Berge umzuackern. Sie 
nahmen immer nur ebenen und leicliteu Boden in Kultur, 
\\ ald und Gebirge mieden sie, allen Unebenheiten wüchen 
sie aus. Ihre Ansiedelungen in Sachsen liegen in den 
Ebenen , in den breiten und bequemen Jb lussthälern. 
Grundverschieden von der deutschen Art des Haufen- 
dorfes, das sich regellos lang am Bache hinzog, war auch 
ihre Ortsanlage; grundverschieden insbesondere ihre Flur- 
eintheilung, in der man die parallelen Feldwege der 
deutschen Hufen vergeblich suchen würde. Diese parallelen 
i^'eldwege, hier zwar nicht, wie in HertigswalUe, immer 
nur zu einem Bauerngut gehörig und nach Bequemlich- 
keit über die Felder sich hinauf schlängelnd, sondern; 
wie in Ulbersdorf, je zwei ^Nachbarn gemein und die 
gerade Grenzlinie einiialtend, hier aber, wie dort, endlich 
auf den Grundstücken verscliwindend, ohne sich zu ver- 
einigen, — sie sind neben den Steinrändern der Grenzen, 
die freilich jetzt mehr und mehr beseitigt werden, und 
neben der am Bache lang hingestreckten Lage des Ortes 
das untrügliche Zeugnis, dass Schnitz eine deutsche An- 
siedelung ist, herrührend aus der Zeit der deutschen 
Kolonisation in dem wieder eroberten Slavenlande""J. 
Eine andre Tradition entlehnt Gotzinger den schon oben 
genannten Hamburgischcn Remarques, „es habe in ur- 
alten Zeiten, da, wo jetzt die Stadt liegt, ein berühmtes 
Forsthaus gestanden, bei welchem sich mehrere angebaut. 
Die Stadt habe daher noch jetzt einen Hii'sch im Wappen, 
und der Bürgerschaft sei deswegen die Niederjagd 



-") Vergl. S. Rüge, Die Dorfanlage und Flurvortheilung bei 
Germanen und Slaven, ui iS'o. 7 und 8 von „Über iJerg und Thal, 
Organ des üebirgsvereins f. d. säclis.-böbm. Schweiz." (1878). 



o 



Name, Alter und Ursprung der Stadt Sebnitz. 129 

erlaubt" -^). Götzinger verwirft diese Nachricht, die er 
auch aus der mündlichen Überlieferung kannte, als eine 
„blosse Tradition, die sich in der Stadt vom Vater zum 
Sohn fortpflanzt, und von Beweis ganz leer ist". Die 
Tradition ist indes als historische Quelle nicht ganz zu 
verachten. Sie ist oft im Stande, wo jede historische 
Kunde schweigt, Jahrhunderte hindurch Thatsachen ge- 
treu zu übermitteln, falls nur der Faden niemals ab- 
gerissen ist. Letzteres ist oft bei Familientraditionen der 
Fall, wo vorzeitiges Absterben einzelner Generationen 
störende und entstellende Unterbrechungen verursachen 
kann. Bei einer Ortstradition liegt diese Gefahr weniger 
vor. Auch ist nicht einzusehen, worin der einfache Be- 
richt, ein bestimmtes Haus sei das älteste des Ortes, und 
sei ursprünglich ein Forsthaus gewesen, von untreuer 
Überlieferung hätte entstellt werden können; etwas Fabel- 
haftes enthält er gewiss nicht. Der Glaube an das 
Sebnitzer Forsthaus aber lebt, unerschüttert von Götzingers 
Missachtuüg und dem hohen Ansehen seines Buches bei 
den Bewohnern der Stadt, in der Ortsüberlieferung noch 
heute fort; auf das Bestimmteste wird seine Stelle in der 
Hertigswalder Strasse bezeichnet, und nur bedauert, dass 
dies alte Wahrzeichen der Stadt 1857 abgebrochen worden 
ist, um einem grossen Neubau Platz zu machen'--). 
Götzingers widei'williges Zeugnis für die sorgfältige Er- 
haltung dieser Überlieferung spricht schwerlich gegen 
ihre Glaubwürdigkeit. Ausserdem erklärt das „Forsthaus 
in der Sebnitz", wie es nach hiesigem Sprachgebrauch 
heissen musste, nicht nur den Hirsch im Stadtwappen, 
sondern auf die natürlichste Weise auch den Übergang 
des slavischen Namens auf den später entstandenen deut- 
schen Ort. Für das Forsthaus war die obige Bezeichnung 
im Laufe der Zeit bereits zum Ortsnamen „die Sebnitz"-'^) 
erhärtet, als sich das Bauerndorf beim Forsthause an- 
siedelte. Auch das zu diesem noch jetzt gehörige grosse 
Gartengrundstück inmitten der Stadt kann wohl einer 
Försterei angehört haben. 

Sollte aber ein solches Forsthaus wirklich der Ur- 
sprung des Ortes gewesen sein^ so ist anzunehmen, dass 



21) Götzinger, a. a. 0. 103. 104. 

") Eine Abbildung des abgebrochenen Hauses ist im Besitz 
des Herrn Adolf Hesse iu Einsiedel, und seit kurzem eine Kopie 
derselben in dem meinigeu. 

-*) So sagt man hier noch jetzt. 

Neues Archiv f. S. G. ii. A. VII. 1. 2. 9 



130 Fr. Ohnesorge: Name, Alter niul Ursprung der Stadt Sebnitz. 

dies Haus zu der Zeit, wo die sachlichen AufsteUungen 
für die Grenzurkunde von 1241 gemacht wurden, schon 
vorhanden war. Demi was von der weit hinaufreichenden 
Stadt «^ilt, dass man ihre Erwälmung in der Urkunde 
erwarten sollte, das trifft bei den) einzelnen Hause weniger 
zu, auch wenn es nicht von der Grenze her unsichtbar, 
von Berg und Wald verdeckt gelegen hätte. 

Aus diesen Untersuchungen ergiebt sich mit mehr 
oder weniger Wahrscheinlichkeit folgendes über den Ur- 
sprung unserer Stadt. 

Sebnitz hat seinen Namen, welcher Froschbach be- 
deutet, von seinem Bache, welcher 1241 zum ersten Male 
als Sehnh:(t oder t^ahniza historisch erwähnt wird. Um 
1213 stand in unserm Thale wahrscheinlich nur ein ein- 
sames Forsthaus, und zwar in der Hertigswalder Strasse 
Nr. 112. Bei demselben siedelte sich bald nachher ein 
deutsches Dorf von 24 Bauern an, Avelches bei seiner 
ziendich ansehnlichen Grösse gewiss gleich als Kirchdorf 
gegründet wurde. Aus dieser Zeit rührt also der Chor 
unserer Kirche her. Die günstige Lage des Ortes Hess 
denselben rasch wachsen; er erwarb stadtische Gerecht- 
same; im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts erfolgte die 
Verlegung des Erpriesterstuhles von Hohnstein nach 
Sebnitz. Zuvor wurde vermuthlich die Kirche durch 
Anbau des Schiffes vergrössert. Um 1346 war Sebnitz 
Sitz des Archipresbyters und wahrscheinlich der an- 
sehnlicliste Ort des ganzen Kirclienbezirks, der 10 Pfarr- 
kirchen umfasste. Im Jahre 1451 kam Sebnitz als Be- 
standtheil dei- Herrschaft Wildenstein an Sachsen. 



VI. 

Aktenstücke zur Geschichte der Vita Bennonis 

Misnensis. 



Von 

R. Doebner. 



Nach drei Richtungen dürfte die im folgenden mit- 
getheilte Korrespondenz benierkenswerth sein. Sie lässt 
keinen Z^veifel mehr übrig, wie es mit der angeblichen 
alten Vita Bennonis steht, nach welcher G. Waitz, durch 
Emsers Hinweis veranlasst, suchte^). Sie liefert ferner 
den Beweis, dass im Kloster St. Michael in Hildesheira, 
der Schöpfung Bischof Bernwards , mittelalterliche Er- 
zeugnisse einer Geschichtsschreibung im Anfange des 16. 
Jahrhunderts nicht erlialten waren. Sie gewährt endlich 
lehrreiche Einblicke in die Entstehungsart von Heiligen- 
leben. 

Entnommen sind die folgenden Aktenstücke einer 
aus dem Michaeliskloster zu Hildesheim stammenden Pa- 
pierhandschrift im Staatsarchiv zu Hannover (VI 78). In 
rothem Pergamenteinband enthält sie auf 189 beschriebenen 
Blättern Abschriften von aus- und eingegangenen Briefen 
meist gegen Ende des 15. Jahrhunderts und bis 1532 



1) Göttiuger Gelehrte Anzeigen 1856 S. 1898: „Einer alten Vita 
S. Bennonis Misnensis, die in Hildesheini gefunden sei, erwähnt 
Emser in seiner Geschichte desselben o. 53; aber ich habe seiner 
Zeit vergebens in Meissen und Würzen nach einer solchen gesucht". 
Vgl. Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter II 
(5. Autl.), 77. .. Lüntzel, Geschichte der Diocese und Stadt Hildes- 
lieim I, .3?>8. Über die sonstige Literatur über Benno vgl. Chevalier, 
Kepertoire des sources historiques du moyen age. I (Paris 1877 — 
1883), 262. 

9* 



132 1^- iJoebiier: 

reichend, Kopien einzelner älterer Urkunden, Aufzeich- 
nungen über den Güterbesitz des Klosters, Prozesse des- 
selben und dergleichen. Dass das Ganze erst nach 1521 
zusammengestellt ist, ergiebt die Erwähnung auf fol. 11: 
d. abbas Joh. Loefi (f 1521'-) pie nieniorie. Die Ein- 
tragungen der einzelnen Stücke erfolgten nicht in chrono- 
h)gischer Reihenfolge, auch ist ein sachliches Prinzip bei 
der Anordnung nicht wahrzunehmen. 

Eine Kritik der Quellen zur Geschichte des h. Benno 
hat kürzlich O. Langer geliefert''). Nach einer Übersicht 
über die Veranlassimg der Vita Bennonis und die Glaub- 
Avürdigkeit der Nachrichten des Trithemius über Benno 
prüft er die Mitlheilungen der Vita in Bezug auf die 
Wirksamkeit Bennos in Goslar, Meissen und Hildesheim 
an der Hand der spärlichen älteren Quellen und gelangt 
zu dem Resultate : „An die Existenz einer alten Vita ist 
natürlich nicht im Entferntesten zu denken. Hat man in 
der That in Hildesheim etwas auf Benno Bezügliches ge- 
funden, so könnte es nur eine Legende gewesen sein, deren 
Entstehung in den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts 
unschwer zu erklären ist". 

Mit dem 15. Oktober 1512 beginnt die erhaltene 
Korrespondenz zwischen Dr. Johann Hennig , Dom- 
dechanten in Meissen, und Henning Rose^ Professen des 
Michaelisklostcrs in Hildesheim. Wie jener neben Emser 
in Sachsen die treibende Kraft bei der Kanonisation war, 
so erweisen diesen die Briefe als diejenige Persönlichkeit, 
welche die Angelegenheit in Hildesheim am Nachhaltigsten 
förderte. Von den drei Exemplaren der soeben vollen- 
deten Vita Emsers_, welche Hennig übersendet, ist eines 
für ihn bestimmt, der an der Entstehung des Werkes 
einen besonderen Antheil habe. Wenn Hennig ihm ge- 
genüber unter Hinweis auf die gemeinsam mit Emser nu 
Jahre 1509 unternommene Reise nach Goslar den Punkt 
der Abstammung Bennos von einem Grafen rechtfertigt 
(I), so darf man wohl daraus schliessen, dass Rose eine 
Genealogie geliefert hatte, welche davon abwich. Beruhten 
aber Roses Nachrichten auf einer alten Vita, dann hatte 
man gewiss keinen Grund, von ihnen abzugehen. Wie 
eigenthümlich man das vorliegende Material behandelte, 
davon giebt ein drastisches Beispiel die Mittheilung Hen- 

') Vergl. Lüiitzol, a. a. ü. II, ÖGO. 

") Mittheiluugen des Vereins für Geschiclite der Stadt Meissen. 
I, .S, 70—95. 



Aktenstücke zur Geschichte der Vita Beniioris Misnensis. 133 

nigs (IX)*), die römischen Kardinäle liätten Woldcn- 
berg, well dies zu rauli und ungewohnt für italienische 
Zungen klinge, in „B^^tenberg" verwandelt. 

Am 21. Januar 1515 schreibt der Domdechant von 
Meissen über die Einsetzung einer aus Bischof Johann 
rn. von Naumburg und den Abten Martin von Altzelle 
imd Anton von Kloster Buch'') bestehenden Kommission 
für Sammlung weiterer Nachrichten über Benno und 
fordert zur Sendung von zwei oder drei Brüdern des 
Michaelisklosters nach Meissen auf (II). Darauf, dass 
mit dem Abte auch Rose komme, wurde besonderer 
Werth gelegt. Sie sollen über alle zur Sache dienenden 
Chroniken, Annalen, Register. Briefe und Zeichen Zeug- 
nis ablegen. Jetzt erst wird ein jüngst aufgefundener 
Professschein Bennos erwähnt, ferner ein altes Abtsbuch. 
in welchem Benno an seiner Stelle stehe, und ein in 
Hildesheim aufgefundenes und nach Meissen übersandtes 
Legenclarium. Darauf wird die Ankunft von di-ei Brüdern, 
darunter Henning Rose, in Aussicht gestellt (HI). Sie 
sollen den aufgefundenen, der Meinung des Konvents nach 
eigenhändigen Professchein Bennos aus der Zeit des Abtes 
Adalbert (1030 — 1044) mitbringen. Bald nachher wurde 
der Domvikar Johann Losse nach Hildesheim gesandt, 
um von allen Urkunden und Alterthümern Einsicht zu 
nehmen, auch von dem Platze, an welchem die Vita Ben- 
nonis aufgefunden sei, und von einem ebenfalls zum Vor- 
schein gekommenen Bilde Bennos (IV, V), Er überbrachte 
das Schreiben vom 1. April 1515 (V) an Rose, welches 
noch weitere Mittheilungen über das Erforderliche ent- 
hält. Mit der Abtschronik, welche mit anderen Papieren 
schon in seinen Händen sei, schreibt Hennig, sei er zu- 
frieden, und hoffe, dass die päpstlichen Kommissare an 
der Neuheit der Schrift nicht Anstoss nehmen werden, 
freilich würde die durch Feuer untergegangene Chronik 
ganz andere Autorität gehabt haben. Der Vita Gode- 
hardi bedürfe es nicht. Im April fertigten darauf hin 
Abt und Konvent von St. Michael eine Vollmacht für die 
drei Fratres Peter, Henning und Hermann aus als ihre 
Prokuratoren in der Kanonisationssache und Überbringer 
der in dem Kloster verwahrten Zeugnisse über das Leben 
Bennos (VI). Ob die Reise nach Meissen wirklich zur 

*) Vergl. dazu Acta SS. Jim. III S. 158 Note b. 
') Vergl. Machatschek, Geschichte der Bischöfe des Hochstiftes 
Meissen S. 605, und unten VI. 



134 li- l>oebiier: 

Ausfülirnng gelangte oder welclie Umstände liindernd in 
den Weg traten, geht aus der Korrespondenz niclit her- 
vor. Dagegen setzte Kose seine Ocscliältigkeit in Ent- 
deckung der Spuren Bennos mit Erfolg fort. Da schickt 
er das angebliche Wappen Bennos ein und erntet damit 
Beifall (VII). In Meissen will man die Recherchen nach 
den längst ausgestorbenen Grafen von Wohldenberg auf- 
genommen haben und den Dechanten des Moritzstiftes 
zum Zeugnisse über Bischof Hezilo, den Gründer dieses 
Stiftes, veranlassen. Im folgenden Jahre 151G sah man 
sich in Meissen genöthigt, auf die Schmähschrift eines 
Dominikaners in Hildeslieim zu antworten. Hier wünschte 
man ein abgekürztes Leben Bennos zu haben und Hennig 
schreibt über den Stand der Verhandlungen, welche da- 
rüber mit Emser gepflogen wurden (VIII). Am 13. März 
1521 kann er die abgekürzte Vita Bennonis einsenden und 
kündigt die Feier des Festes als bevorstehend an (IX). 
Am 11. September schreibt er von der Vollziehung der 
Heiligs])rechung durch Papst und Kaidinäle (X), am 1. 
Oktober 1523 über die Eintragung Bennos in den Hei- 
ligenkatalog. Mit dem Berichte Roses*') über die Auf- 
nahme der dem Michaeliskloster verehrten Reliquien Ben- 
nos in Hildesheim schliesst die Korrespondenz. 

I. 

Br. Johann Hcnniy, Domdecliant zti Meissen, an Hfcnningj 
UfoseJ. Professen zu St. Michael in Ilildesheim : berichtet über die 
Vollendung der Vita Bennonis und danict für seinen Autheil daran. 

Meissen, 1512, Oktober lö. 

[fol. 0:5 b] S. P. Venerabilis pater Hemiinge. Perfecta est tandem vita 

(livi Bennonis, ad quam vos non parvam adhibuistis operam et dili- 
genciam per sollicitaciones vestras apiid dominum Emserum, de qua 
(liaritati vestre ingentes ago gracias, nee vos moveat, quod scrip- 
tum est, quod fuerit lilius comitis, quoiiiam ita inveuimus ego et 
dominus Ucenciatus in monte sancti Petri Goszlarie ex antiquissimis 
eorum lilteris, addebatque decanus ibidem, quod pater ipsius fuisset 
dictus eomes de \^ oblenberge et iubabitasset castrum olim dictum 
Wildenstein nunc dcsertum et vastatum, cujus tamen reliquio ad- 
liuc bodie patent forte ad unum miliare de Goszlaria. Nos tamen, 
quod illa ibi non eiant scripta nee quisquam alius erat, qui ejus rei 
noticiam baberet, idcirco geneab)giam ejus quantum ad cognomen 
studiose preterivimus, cum parum ad rem faciat. Magna enim pars 
sanctorum est, quorum genus et nomen familie ignoramus, cum tamen 
nomina eorum in celis esse scripta minime dubitamus. Mittimus 
autem in presenciavum vobi« tria exempbiria, unum pro vobis singu- 
lariter, quod singularem habuistis laborem. unum pro reverendo do- 
mino vestro abbate, cui nie plurinuim commendetis cum graciarum 

") Vergl. Cod. dipl. Sax. reg. II, 3. .lil. 



Akteiistikke zur Ucscliiclitu clor Vita Beiiiiuiiis Misiieiisis. 135 

acfioiie, ot uiiiim jiro hospite nostro doinino Aiithouio SiftVidi, ciii 
similiter multas referatis gracias et mille Salutes. Ceterum de caiioni- 
zacioiie ipsius hoc tempore propter assiduos tunuiltus bellicos in 
Italia, Gallia et Germania certi nichil scribere possnin. Spero tarnen 
oinnino, quod omnipotens deus pia tidelium vota et honorem sancti 
sni pro ejus beneplacito bene disponet et diriget vos interim. Si 
aliquid amplius de divo Bennone invenire aut usque exploraro pote- 
ritis, rotro plurimum , ut ad me scrihatis, niercedem a deo exspec- 
taiulo, qui est omniuni bonorum operum retributor. In quo et feliciter 
valeatis. Ex Miszna XV. die üctobris anno etc. XII. 

Johannis Henning doctor decanus ecclesie Misznensis. 
V. et devoto patri d[omino] H[enningo] R[ose] cenobite monas- 
terii sancti Michaelis in Hildensem, fautori et amico charissimo. 

II. 

Hcnnüj an lifosej : fordert zur Reise nach Meisseti mit seinem 
Abte und einem anderen Klosterbruder auf und berichtet über den 
Stand der Kanonisation. 

1515, Januar 21. 

Venerabilis ac devote domine Henninge, amice charissime, sa- [fol. 63.J 
Intern plurimam. Gratus michi fuit nuncius vester, cujus ego litteras 
dominis ac fratribus meis de capitulo postquam legi, placuit eis di- 
ligencia vestra. Quare et meo et illorum nomine gracias vobis ago 
quam maximas. In quo autem statu causa divi ßennonis nostri con- 
sistat, spero, quod ex litteris, quas proximis nundinis ad dominum 
abbaten! vestrum misi, intellexeritis. In eventum autem, quod ille 
littere non essent rcddite, scire debetis, quod nuper obtinuinuis a 
sanctissimo domino nostro Leone ultimam ac specialem hujus rei 
commissionera hie ad partes suntque commissarii nobis dati dominus 
episcopus Numbergensis et duo abbates, qui terminum statuent post 
festum passche in hac causa examinanda. Ad quem terminum duos 
vel tres fratres ex monasterio vestro citabunt , qui testimonium 
ferant de Omnibus cronicis, annalibus, registris, litteris et indiciis 
eis in hac re notis. Scripsi igitur domino abbati vestro et adhuc 
rogo, quod interim tres fratres ad hujusmodi iter disponat, ([ui, cum 
vocati fuerint, veniant expensis capituli nostri. Inter quos vos, ut 
spero, unus eritis portabitisque vobiscum cedulas professionis jam 
inventas et librum abbatum monasterii vestii, ubi et Benno in suo 
ordine habetur, et testimonium dabitis, quod über legende, quem 
ali(iuando ad nos misistis, apud vos inveutus sit, sicut tuuc scrip- 
sistis. Rogo igitur, ne gravemini, vos interim ad iter disponere et 
singula colligere huic cause necessaria. Dabimus vobis et sociis 
vestfis, sive in curru sive in equo veniatis, liberales expensas eundo 
et redeundo. De miraculis autem nichil sitis soUicitus, set console- 
mini fratres vestros, quod in illa die copiam miraculorum magnam 
videbitis et audietis auribus vestris. Dominus licenciatus Jheronimus 
Eniser vos plurimum salutat petitque, ut sanctum Bernwardum pro 
eo oretis in causa, quam occulte ab eo desiderat. Hec volui vobis 
pro consolacione vestra spirituali significare. Interim bone valetc 
lu Christo. In die sanete Agnetis virginis anno etc. DXV. 

Johannes Henning doctor decanus Misznensis. 
V[enerabili] ac religioso pfatri] d[omino] H[enningo] R[osen] 
professo monasterii sancti Michaelis Hildensemensis ordinis divi 
Benedicti, amico et fautori charissimo. 



136 R- Doebiier: 

Cedula iniposita et inclnsa epistole prefate. 

Consultavinius in capitiilo nostro, quod imiltum expetliret, quod 
(loraimis abbas vester in propiia persona veniat. Quare rogo, nt in- 
stetis et sollicitetis apud paternitatem snani , ut vciniat ipse et vos 
et uRus alias, quem idoneum rcpntabitis, cum scripserimiis vobis. 
Bene valete. 

III. 

Johann^ Abt, und der Conmnt von St. Michael in Hildesheim 
an das Domkapitel zu Meissen: stellen die Anlnwft von drei Brü- 
dern des Klosters mit dem aufgefundenen Professschein Bennos in 
Aussicht. 

UildcsheiiDj 1515, Januar 25. 
[toi. 62b.] Oraciones nostras cum prouiptitudine obsequii pro canonisacione 

divi Bennonis pro salute. Reverendi ac venerabiles viri ac domini 
venerandi. Litteras vestrarum dominacionum vecepimus cum gaudio, 
in quibns infelligimus commissarios deputatos finales pro canonisa- 
cione sancti Bennonis presulis vestri et nostri quondam sancti 
Michaelis monasterii confratris, nunc autem intercessoris pro nobis 
ad deuni. Et ex quo desideratis tres fratres de monasterio nostro 
mittendos ad vos, inter qiios et frater Henningus admixtus esse de- 
beat, sicut scribitis, tarnen sub expensis et sumptibus vestris etc , 
reverendi domini, quis in tam sancta et deifica non dicimus negare 
set ex totis viribus adjumentum prebere non audeat, nisi, quod absit, 
ex tote quis ad res divinas redderetur insipidus et ab omnibus ope- 
ribus bonis jejunus et indevotus. Idcirco predictos fratres ad vota 
reverendarum vestrarum dominacionum post festum passclie niittemus 
ad vos in curru et quanto par(;ius poterimus cum equis, quia apud 
nos fennm et avena propter descrcscenciam et casum grandinis 
cara in foro") sunt. Et si non apud vos liabebitis deo gracias agere, 
pro majori insuper parte liabetis illa, quo nol)is de tanto patre Ben- 
none constant uno dempto. Qmn invenimus adhuc cedulam, in qua 
professionem suam fecit juxta regulam sancti Benedicti sub Adelberto 
abbate nostri monasterii, quam non dubitamus manu propria scriptam, 
quam et prescripti fratres afferent secum ad vos. Quapropter ro- 
gamus, ut ante festum passche rescribatis nobis locuni et tcmpus, 
quando et ubi fratres nostri venient post festum passche, et quic- 
quid in hiis et in aliis dominacionibus vestris in complacenciam fa- 
cere valeamus parati erimus. Ex Ilildensem anno domini etc. DXV. 
conversionis sancti Pauli apostoli. 

Jojiannes abbas et convcntus totus monasterii sancti Michaelis 
in Ilildonseni, vestrarum dominacionum pronitissimi. 

Egregiis viris ac dominis decano totique capitulo solemnis ec- 
clesie Misznensis, dominis suis ac mnjoribus semper observandis. 

IV. 

Krcditivschrciben des Domkapitels zu 3Ieisscn an Johann, Alt 
zu St. Michael in Hildesheim, für den Domvikar Johann Los. 

Meissen, 1515^ April 1. 

[fol. 62b.] Reverende pater et domine colendissime. Commisimus aliqua 

paternitati vestre referenda nostro nomine venerabili domino Jacobo 
Losz vicario ecclesie nostrc, ostensori presencium, negocium cano- 



"^ Handschrift : in cara foro. 



Aktenstücke zur Geschichte der Vita Bennonis Misnensis. 137 

nisacioiiis divi patris Bennonis olini episcopi ecclesie nostre concer- 
nencin. Rogamus igitur, ut paternitas vestra sibi in hiis, que nostrn 
iiouiiue dixerit et proposiievit, plenam credencie fidem et in atrendis 
oportunum favorem piostare v<'lit, si. ut de paternitate vestra jilene 
contidiniiis. Cui nos ad quevis obseqnia paratos seniper ofterimus. 
Ex Miszna die solis prima niensis Aprilis anno doniini MDXV. 
Prepositus, decanus et capitulum ecclesie Misznensis. 

Kevereiido patri, doniino Johanni abbaji mnnasterii sancti Mi- 
chaelis in Hildenseni, domino et patri nostro colendissimo, 

y. 

Heniiifi an Hose: informiert ihn über das bei der Heise nach 
Meissen Erforderliche. 

Meissen, 1515, April 1. 

Post jiigem complacendi affectum. Littt;r;is vestras, charissiime ['ol.64b.] 
in Cbristo frater, pridie kalendas Marcii ex Miblensem datas XXIIII 
die Marcii Miszne suscepi, in qaibus me redditis rer(iorem, litteras 
reverendo patri domino abbati transraissas cum aninii alacritate susce- 

pisse. Super quibus de hilari adventu vestro legi et releei, 

et, si pater reverendus, pront scribitis, porsonaliter venire non poterit, 
sufficit ad presens, quod vos nna cum aliis duobus deputatis ad 
diem per capitulum aut pocius subcommissarios apostolicos assi- 
pnandam compareatis, vobiscum singula, que huic sancto negocio 
valeant deservire, asportando. Et placeret, quod vos cum aliis de- 
putatis mandatum sub forma protbocoUi aut instrumenti a reverendo 
patre et toto conventu aiferatis. De cronica abbatum, quam mecum 
una cum aliis, prout scribitis, habeo^), sum contentus, sperans, quod 
novitatem scripture commissarii apostolici non repudiabunt, licet 
illa ignis voragine per vos absumpta lontre majoris extitisset 
auctoritatis. Pro quo (ut timeo) gravem intirmitatem vestram passus 
estis'')i tamen staudum divi Bennonis patrocinio, ut credo, vos 
liberatum fore. Vitam divi Bennonis abbreviatam domino licenciato 
Empsero ad revidendum dedi, qui tempore suo, dum presens sitis, 
lacius sese resolvet. Qui injuriam jam dndum factam ex (orde 
remisit. Quare autem tot annis divus Benno nou potuit vel valuit 
canonizari, masis divino quam humano judicio est reliquendum, 
licet uon erronie occulta cogitacione vobis ipsi respondistis. Quod 
et ego eciam verum censeo, et rogo, quod tempore adventus vestri 
me de hoc informetis. Yitam sancti Godehardi nou necessarium 
credo ad presens afferendam, quia de vita divi Bennonis solum et 
non sancti Godehardi examen iiistituetur. Domini de capitulis duobus 
Goszlariensibus, nnius in civitate et alterius in monte sancti Petri 
eciam binos et biuos ad terminum prefixum sese missuros litteris 
suis spoponderunt, cum quibus, si libeat, comitivam habere possitis, 
nisi ad monasteria ordinis vestri seorsum velitis declinari, quod arbitrio 
vestro committere volo. Dominus offi'ialis prejiositure Misznensis 
presencium exhibitor, vir bonestus, nomine capituli Misnensis ad mo- 
nasterium vestrum et ad duo capitula Goszlarie cum quodam moni- 
torio insinuando missus est, non (piod dubitamus de adventu vestro, 
sed solum, ut forma commissionis apostolice observetur. Cui^*') omnia 
monumenta, antiquitates, eciam locum, ubi vita divi Bennonis est 
inventa, ostcndatis, oro. Audivi eciam ex vobis de quodam imagine 

®) Handschrift: mecum Labes. ^) siel ^") Handschrift: Qui. 



138 K. r)ool)iier: 

Bemionis, (piaiii c. iaiii ad vidcndiiin sohuii ciiin aliis aniialihiis et 
codiilis siie i)i'oft'Ssioiiis afforatis, oro, et prefato domiiio ofticiali of- 
Hcia liuinanitatis exhibeiulo. Cum hiis in Cliristo feliciter valctc 
Datum Misziie dominica palmaium anno domini etc. XV. 

Johannes Henning doctor decanus ecclesie Miszneiisis. 
Vfencrabili] et rellitrioso f[ratri] H[enniiigo] R[osen] ordinis s. 
licnedicti in monasterio Hildensenniensi, amico singularissimo. 

VI. 

AU und Konvent von St. Michael in Hildesheim hevollmächtigcn 
die I'rofesnen ilircu Klosters l'ctcr, Henning and Hermann ah ihre 
Vertreter bei den Kommissaren der Kanonisation Bennos. 

Hildeshciiii, 1515, A])ril. 
Nos Johannes abbas, llermannus prior et totus conventus ino- 
[fol. '65.] „asterii sancti Michaelis ordinis sancti Benedicti Ilildensemensis coram 
vobis reverendis in Christo patribus et dominis dominis Johanne dei 
et apostoliie sedis gracia episcopo Nunburgensi, Martino Yeteris 
Celle et Anthonio in ßucha monasteriorum Cisterciensiuni Misnensis 
diocesis abbatibus et in causa infrascripta judicibus et commissariis 
apostolicis subdelegatis et subdeputatis et quibuscumque aliis, ad quos 
presentes nostre littere pervenerint, rccognosciraus et profitemur, 
([uod nos in loco nostro conventuali solito et consueto ad actum in- 
IVascriptum celebrandum conventualiter congregati omnibus melioribus 
modo, via, jure, causa et forma, quilius de jure melius et efficacius 
potuimus et debuimus ac ))0ssinms et debeamus, in procuratores et 
sindiros nostros creavimus, ordinavimus, fecimus et deputavimus ve- 
nerabileä et devotos Petrum, Henningum et Ilermannum, sacerdotes 
dicti monasterii et ordinis nostri fratres et protessos, presentes et 
onus hujusmodi sindicatus in se obedienter suscipientes specialiter 
et expresse ad coniparendum vice, loco et nomine omnium nostrum 
coram vobis dominis episcopo et abbatibus, judicibus et commissariis 
pretatis et ad litteras, nionicioncm et requisicionem vestras alias per 
nos decretas et emanatas et contra nos executas in causa negocii 
canonisacionis divi Bennonis, dum vixit, episcopi Miszneiisis litteras, 
scripturas etjura, vitam, mores, conversacionem et miracula ejusdem 
divi Bennonistangeutes et tangencia, quas et que in scrineis et custo- 
rtiis nostri monasterii reperimus et habemus, tideliter exhibenda. 
Insuper nos ydeni Johannes aldias et conventus communiter et divisim 
damus et concedimus dominis et fratribus nostris l'etro, Henninao 
et Hermanno, sindicis nostris supranoniinatis, vice et loco omnium 
nostrum, ut conventum represeiitancium in niemorata causa auctori- 
tatem plenam, omnimodam et licenciani testandi et quotlibet aliud ne- 
cessarium et licitum juramentum prestandi et in eadem causa de et 
super negocio privilegii ac recognicionis jurinin et aliis omnibus et 
shigulis, super quibus eos per vos et a vobis deputandos contigerit 
inierrogari sive examinari, veritati testimoniuin perhibendi ceteraque 
omnia et singula faciendi, gerendi et exercendi, que in premissis 
necessaria fuerint seu quomodolibet oportuna, et ([ue nos ipsi facere- 
nius et facere i)0ssunuis, si premissis jjresentes et porsonaliter iiiter- 
essemus. Promittimus deinceps, ([uicquid per dictos dominos con- 
fratres etsindicos nostros actum, dictum, gestnm et procuratum fuerit 
in iiremissis et quovislibet ])remissorum vice et loco nostris, nos 
ratum et gratuni habituros. in ([uorum omnium tidem et testimonium 
has litteras sigillo nostro abbaciali, quo in presenciarum usi sumus, 



Aktenstücke zur Gesiliiclitc dor Vita Ücnuionis Misieiisis. 139 

preseiitibus roboramus sab impresso. Datum et actum in Hildeiisem 
iu ilicto mouasterio uostro saiicti Midiaelis loco iiostrn conveiituali 
sub anno domini millesimo quingenlesimo quinto de.imo die vero 
Lune die (sie!) mensis Aprilis. 

TU. 

Hainig an liosc: dankt für Mitthcilunrf des WajU^cna des 

h. Benno tmd berichtet über die erhaltenen Ablässe und den Stand 

der Sache überhaupt. ^ , ,. ^k 

Meisseii, lolo, Juli lo. 

Eam quam sibi ipsi velit salutem et oraciones utinam devotas [fol 61.] 
cordialiter atlert, lionorabilis pater et frater religiöse. Litteras vestras 
liesterna luce ex manibus fratris mei ad nie missas una cum certis 
armis pictis et descriptis non sine anime alacritate magna accepi, 
in prmiis gracias referendo patri et toti conventui de litteris fraterni- 
tatis agendn immoitales. _ De armis veris divi patris Bennonis niiclii 
magis placent illa cum capite masculino in sigillo domini Conradi co- 
mitis de Woldenberge, prout scribitis, reperta, que eciam magis 
verisimilia videantur sigillo suo in archivo ecclesie Misznensis invento 
cum capite dumtaxat, prout in signis argenteis deauratis vidistis. 
Quem autem colorem hujusmodi arma babeaut, rogo instantissime in 
aliis monasteriis diligenter inquirere et eadem per expertum pic- 
torem depicta prox'.mo currentc nuncio remittere velitis. Quibus iia- 
bitis ad tumulum prefati divi patris cum omni solempnitate aftigi 
curabo. Eciam inquirendum esset, an adhuc aliquis superstes de illa 
familia comitum de Woldenbergli existeret, de quo in monasterio 
monialium, de quo scribitis, prope Goszlariam eciam interroganduni 
esset vel in aliis locis, ubi videbitur expedire. Et quicquid tinaliter 
inveneritis, velitis utique me de biis ouinibus facere cerciorem. De 
indulgenciis a reverendissimo domino episcopo Misiensi impetratis 
gracias ago. Interea et post discessum vestrum eciam indulgencias 
luijusmodi a reverendissimo domino episcopo Vratisslaviensi expedivi, 
volens eciam, quam primum dominus reverendissimus Moguntinensis 
redierit, eciam sollicitare cum bona spe easdem indulgencias tam- 
quam a primate Germanie largiores obtinendas. Quas extunc vobis 
et aliis jirelatis communicandas eciam transmittere volo. Quod 
eciam in octava solempni patrouorum vestrorum vitam sancti patris 
nna cum miraculis fecistis publicari, rem ogistis indubie deo omni- 
potenti acceptissimam eternaliter remuncrandam. Que qnidem publi- 
cacio in circumjacentil)us diocesibus et provinciis in dies magis ac 
magis publice de ambone diligenter celebratur. Cujus racione pitpu- 
lus de longe et prope positus cum miraculis novis in dies coiitluere 
videtur. Undc meo judicio unum aliud examen pro eisdem mira. ulis 
et aliis moniraentis producendis necesse erit instituendum. Extunc 
non inutile foret, doniinuui decanum sancti Mauricii de Ethilono co- 
ram comissariis apostolicis de eo, quod scribitis, tidem facere extunc 
comparendi et producendi, alias soli relacioni aut litteris modica 
tides apud sedem apostolicam de isto dari possit. Alia adhuc signa 
scitu digna si occurrant, velitis me de illis ad honorem divi Benno- 
nis certificare. Cum hiis in Christo feliciter valete. Datum Miszne 
dominica post festum Margarete virginis anno etc. XV. 

V. f. 
Johannes Henning doctor decanus Misznensis. 

V. fratri H[enningo] R[oscn] monasterii sancti Michaelis in 
Hildeusem professo, amico ac fratri charissimo. 



140 R- Doebner: 



vin. 

Hennig an Böse : schreibt über die Schmähung eines Domi- 
nikaners über Benno, über dessen Wappen und eine kürzere Form 
der Vita. 

Meissen, 1516, Ajnil 13. 

[fol. 65.] V[enerabili] et rellisioso ffratri] Hfenningo] R[osenl ordinis s. 

Beiieilicti in nioiiasterio Ilililensemensi professo, amico singularissimo, 
sfalutem] i)[liu'Lmain] (l[icit] cum utriiistiue hominis felicitate. V[enera- 
bilis] p'ater] Ileaninae. In causa denigracionis f'anie divi patris Ben- 
nonis per quendam fraterculum nieiidosum ordinis predicatornm con- 
ventus Hildenseniensis facte litteras excnsacionis revcrendo patri vestro 
abbati dedi, quas quidem si quis legerit vel andient nialiciani ditti 
fratris parum commcndabit. De pictnra autem et armoruiu sancti 
patris cum galea diligenciam faciatis, oro. Qne quidem arma non sine 
magno gaudio ex marcatore presenti snscepi. Miror non parum, 
([uod clerici civitatis Hildensemensis pariter et Carthusienses vitam 
(livi Bennionis cnpiniit habere breviorem, cum tarnen pro sua sanc- 
titate amplianda et publicanda magis bmgior quam brevior esse de- 
horet, nee ])lacet michi illa breviatura domini suffraganei. Cogitabo 
tamcn cum tempore cum domino licenciato Emser, quatinus quod- 
dam compendium ex vita sua, quanto brevius tieri possit, colligatur, 
sed quod imprimi debeat. de lioc plene non deliberavi. Et si non 
prologum sive primam partem de fnndaciono ecclesie et civitatis 
Misznensis legere velint, legant que ipsis magis grata erunt. Trans- 
mitto tamen per presentem banilum quandam breviaturam seu com- 
pendium per me coUectam et faciatis cum eodem sicut pbxcuerit. 
Cum hiis in Christo feliciter vos et iVatres vestros valere velim. 
Quibus me in oracionibus suis devotis humiliter commendo. Datum 
Miszne XIII. die mensis Aprllis anno domini etc. XYI. Diligenter 
persuasi domino Johanni de Sleinitz hospiti vestro, quod eciam vobis 
scribat, quod et facere michi promisit. Iteriim valete felix. 

Johannes Henning doctor decanus Misznensis. 



IX.! 

Hennig an Johann, Abt des MichacUsklostcrs in Hihleshcim : 
übersendet die abgekürzte Vita Bennonis unter Hinivcis auf eine 
Veränderung des Textes. 

Koni, 1521, März 13. 

[fol. 65. J Post bumilem sui commendacionem, reverendissime pater co- 

lendissume, mitto cum presenti tabellario v[estre] r[everendis5ime] 
))[atcrnitati] vitam beati Bennonis hie Rome brevissume conceptam et 
duplicatam una cum miraculis per reverendissimos douiinos car- 
dinales assumptis et approbatis, nee moveat p[aternitatem] v[estram] 
illud nota Bultenbcrgcnsis in vita abbreviata, quod sie cardinales 
liic in llomana curia ordinaverunt et assumpscrunt. Videbatur enim 
cardirialibus ille terminus Woldenbcrg valde crude et inconsuete so- 
nare. Idcirco ordinaverunt in reuiedium soni secundum linguam 
Italicam Bnltenberg pro Woldenberg. Festum autem sancti Benno- 
nis post festa passchalia juxta promissionem summi pontificis cele- 



Aktenstücke zur Geschichte der Vita Bennonis Misnensis. 141 

brandum") Rome spero. De eo autem, quod in Miszua cum tempore 
agendum erit, pariter signiticabo. Interea me Vestris dovotis oraci- 
onibus et beati Bennonis precibus huniiliter commendo. Que feli- 
cissinie valeat. Datum Roma 13 Marcii anno vicesimo primo. 
Johannes Henning doctor decanus Misznensis. 

Reverendo patri et domino Johanni abbati cenobii sancti Mi- 
chaelis in Hiblenseni ordinis sancti Benedicti, majori suo colendissimo. 

X. 

Hennig an Rose: zeigt die erfolgte Kanonisation Bennos durch 
den Papst an. 

Meissen, 1521, September 11. 

S. p. d. Litteras (sie) vestras, carissime frater, domino reverendis- [fol. 65.] 
simo episcopo Misznensi niissas ad meas pervenerunt manus, volens 
reverendum patrem defunctum dominis canonicis commendare. Causa 
canonisacionis beati Bennonis per papam et omnes cardinales est 
decreta et conclusa, quod omnino debeat celebrari, sed certa dies 
non est assignata. Hec vobis pro consolacione et fratrum vestrorum 
volui brevissime sicrnificare. Valete ielix et deum pro felici hujus 
canonisacionis expedicione diligenter orate. Datum Miszne die Mer- 
curii post l'estum nativitatis Marie anno etc. XXI. 

Johannes Hennig doctor ecciesie Misnensis decanus, 

Sacre religionis viro fratri H[enningo] R[osen] monasterii s. 
M[ichaelis] in Hildensem professo, fautori sinceriter diligendo. 

XI. 

Dr. Matthäus von Grossenhain, CoUegiat zu Leipzig, an Rose : 
dankt für dessen Schreiben, und stellt Nachricht über das Fest der 
Kanonisation Bennos in Aussicht. 

Leipzig, 1523, September 1. 

Matheus Haynis doctor coUegiatus Liptzensis ver.erabili et re- [fol. 93b.] 
ligioso p[atri] Henningo Rosen in monasterio s. Michaelis in Hilden- 
sem agenti, fautori singularissimo. 

Salutem dicit in Christo. Charissime domine, pater relligiose 
Henninge. Suscepi ex presencium ostensore et exhibitore magistro 
Hennirgo gratissimo animo litteras paternitatis vestre ad dominum 
decanum Misznensem, gernianum meum, datas, quas nunc habito 
fideli nuncio hodie ad Misznam ti'ansmittam. Et quicquid responsi 
obtinuero ex domino decano, paternitati vestre cum tempore signi- 
ticabo et maxime futuram solempnitatem in ecclesia celebrandam pro 
cauonisacione beati patris episcopi olim Misznensis Bennonis jam dei 
gracia et unanimi consensu cardinalium per sanctissimum dominum 
papam Adrianum in Romana curia asscripti ad cathalogum sanctorum, 
de quo deo laus sit propter salutem fidelium et patrie Misznensis 
honorem in secula seculorum. Cum hiis me commendo oracionibus 
vestris humilime. Datum Liptzk in die sancti Egidii anno etc. vi- 
cesimo tercio. 



") Handschrift: celebrandam. 



142 ^ Doebner: 

XII. 

Hciiiiig (tu lifoicj : vcrMtiidigt die Aufnahme Bennos in den 
Heilifienkatalofj. 

■^ ^ Melsseii, 1623, Oktober 1. 

[toi. Gi').] Post jugHin complacendi affectiiiii. Religiöse frater et amice 

cliarissiine. Litteras vestras die inveiicioiiis sancti Stepliaiii '-') datas 
de mense Septembri Misziie cum gratitiidine suscepi. Vos et totuni 
vestrum conveiitum consolando vere significo, saiictum Jienuoiiein 
quondam coiigregacionis vestre fratrem et deiude predicte eiclesie 
Misziieiisis dignissiimun presulem ultima May, (lue fuit dies iudividue 
et sancte Trinitatis, per sauctissimum dominum iiostrum Adiiaunm 
papam cum magua, uti debuit, solempuitato in ecclesia sancti Petri 
Korne «auctorum <'athalogo est publice et solernpniter asscriptus et 
assiguatus. Do quo deus omuipoteiis post longa devotorum snspiria 
eternaliter sit lienedictus. Cujus in ecclesia Misznensi solcmpuitatem 
illnstrissimus princeps et dominus üeorgiiis Saxonie dux una cum 
episcopo et capitiilo decima sexta die mensis Junii celebraudam dc- 
creverunt, nisi pestis et alia maxima occurant impedinienta. Fratres 
vestri in Christo det'uncti aniore fraternitatis deo omnipotenti pro 
eterna requie sint deo commendati. Cum hiis me eciam toti con- 
ventui in oraciones vestras humiliter coramendo. Datum Miszne in 
die sancti Remigii episcopi, que fuit prima Octobris anno domini M 
quingentesimo vicesimo tercio. 

Johannes Henningiis doctor ecclesia Misznensis decanus. 
Sacre religionis viro f[ratri] II[enningo] ]I[osenl cenobii sancti 
Michaelis in Hildensem ordinis sancti Henedicti prol'esso, tautori ac 
IVatri sincerissimo. 

XIII. 

Arnold, cpiscojms Misicnsis ('^) und Weihbischof von Hildes- 
he'm, an Hermann, Alt zu St. Michael: übersendet lieliqiiien. 

115241'). 

lfol.l"r2.] Revertjude pater et domine, seniper observantissime preceptor. 

Vestre reverende jjaternitati has duas cirothecas puro et simplici 
corde donando otl'ero et humili precum instancia obsecro dominum 
meum prestantissimum, velit parvitati mee graciose de sacraiissimo 
pignore sancti Bennonis presulis excelientissimis ad quantitatem 
dumtaxat leritis impartiri. Quam particulam sincerissima devocione 
circa cor meum gestabo. lluic pie ])eticioni vestra reverenda pa- 
ternitas queso annuere dignetnr. Pro cujus vicissitiuline morem 
domino meo preceptori semper colendissimo paratus sum gerere 
liene valete in Christo. 

Arnoldus Misiensis episcopns ac Hildensemensis suffragancus, 
vestre revereiule paternitatis servitor promptissimus. 

12) August 3. 

!•') Aus Hildesheim, in seinem Hause im Brühl 1524 März 30 
(feria 4 ta in vaschalibns) datiert ist der in der Hundschrift folgende 
Brief Bischof Ar)wlds an doiscihcn Abt Hermann, in ivelchon er 
itach Klage)i über seine bedrängte Lage fortfahrt: (^tuorsum liec 
omnia in volucro repetito, principio nimirum ut vestra reverenda pa- 
ternitas inedie mee dignetur graciose lavere et quosdam importunos, 
tem'ces et indiscretos homines cum certis rebus consecrandis ad of- 
ticium nostrum pontiticale dirigere, maxime me quo ad sanctorum 
ymagines indnlgencie episcopales contempnantur . 



Aktenstücke zur Geschichte der Vita Bennonis Misnensis. 143 

XIV. 

Magister Henning Pirgallius an Rose : fordert ihn auf, zur 
Feier der Translation der Gebeine Bennos zu kommen. 

Leii»zig, 1524, April 22. 

Magister Henningus Pirgallius de Lypsz scribit f[ratri] H[en- 
iiingoj K[osenj. 

Salutem plurimam dicit. Charissinie frater Henninge. Ut nee 
te nostri lateant successus, accipe, nos ventis foveri secundis et 
clemencia altissimi sanitale pristina spirare. Ceterum pollicitacio- 
nibus tuis satisfeci ac Lune clarissimi domini Jheronimi Empseri 
lucubracionem nostrain exposui, unde iion modicum salutis emer- 
surum spero. Fnit enini idem rriticus valde gavisus de inea pre- 
sencia seque sponte ad quevis placita obtulit. Et ante oinnia peciit 
te salutareui et summopeie tuam in translacione divi Bennonis exoptat 
presenciam. Age itaque, huc te recipias et uos in collegio novo 
visitarc ne preterniittas. Moiamur enim in primo palacio ad dextrain, 
ubi lignea est ante clausura. Quicquid enim potero ad dei sancto- 
rumque ejus laudeni eftieere, patrabo quam lubens, tarn etsi nasutu- 
lorum tuiba livore contabescat. Vale ouinium longissime. Ex Lipsico 
rauseo anno MDXXIIII., X. kolendas May. 

Henningus Pirgallius tuus. 



XV. 

Rose an Matthäus von Grossenhain zu Leipzig: berichtet über 
die Aufnahme der Reliquien des h. Benno in Uildesheim 

HiUlesbeim, 1524, Juli 28. 

Littere misse ad cgregium doctorem Mattheum Haynis in[fol.ll2b. 
Lypsz per f[ratrem] H[enniiigum] R[osen]. 

Post ofticiosam conimendacionem oraciones in Christo utinam 
devotas. Nuper, egregie doraine doctor, apud eximium virum tratrem 
vestrum Misznensis ecciesie decanum et dominacionem vestram in 
Miszna constitutus et diversis occupacionibus pro reliquiis impetrandis 
prepeditus non, ut debui, sed prout potui grates pro beneticiis ex- 
solvi, quia, unde multa tribuerem, non habui. Verumtamen benefi- 
cium apud nos corrunipi et consenescere existimavimus. Hilari 
namque fronte et voce jocunda et quantocius gracie reddcnde sunt. 
Et quid agam. Pauper sum ego et inops a juventute mea. Dens 
igitur omnipotens et retributor omnium bonorum retribuat domina- 
cioni vestre et omnibus, qui nobis in via constitutis manus porrexe- 
runt aüjutrices. Hiis habitis subticere non valeo, excellentissime 
domine doctor, quanto studio, quanta denique jocunditate, quantave 
reverencia et solerapnitate pro sacris reliquiis mtroducendis in Hil- 
densem operam dedimus. 'i'ota namque civitas nobis occurrens con- 
gratulabatur. Omnis denique clerus, omnes religiosi, omnes cives 
cum processione solempni nos susceperunt, et dominus noster abbas 
reliquias infulatus in habitu solempni et sacris vestibus suscipiens et 
civitatem ab intra circueuntes versus forum, tandem ad monasterium 
cum cantu et vociferacione solempni ad monasterium deduxerunt. 
Quid amabilius, quid religiosius, quid inquam melius, quid devocius 
possit accidere quam tarn solempnem processionem inspicere popo- 



144 R' Doebner: Aktenstücke zur Geschichte der Vita etc. 

Inmque tarn devotiim mauihiis complosis deiim et sanctiim iiovmii, 
nostriini i)»tromiin, snpplicaiiteni. Vidi plerosque lacriiiiaiites preyaudio 
in adveiitn liujus sanctissimi, iiostri putroni. Denique ecclcsiaiu iii- 
gressi post Te deum landamus in organis et per choros decantatum 
senno solempnis in arabone de adventu reliquiaram est habitus. 
Kogo igitnr obnixe, sapiciitissime domine doctor, iit suscipiatis litteras, 
quas misi modo, et, si lommode tieri poterit, domino Joronimo Enipser 
in Diesen ducis Georgii secretario transmittatis vel saltem fratri 
vestro domino decano ad Misznam, per cnjns manus domino Jeronimo 
presontentiir. Quibus in rebns dominacioni vestre iternm coniplacere 
potuero, nnnquam paciar neglectum. Salntetnr eximins et reveien- 
dissinins doniinns doctor, i'rater vester, dominus decanns nomine meo 
cum multa graciarura accione etc. Ex monasterio .nostro sancti 
Michaelis in Hildensem ipso die Jovis post festum beate Marie Mag- 
daleno anno saUitis inillesimo quingentesimo vicesimo ({uarto. 



vn. 
Kleinere Mittheilungen. 

1. Eiu hussitischer Spion 1430. 

Von Otto Richter. 

Zu Ende des Jahres 1429 hatten die Hussiten die 
meissnischen Lande durchzogen und mit Feuer und Schwert 
schrecklich verwüstet. Im Sommer 1430 sah die geäng- 
stete Bevölkerung einem neuen Einfalle der „verdammten 
Ketzer" entgegen, ohne dass jedoch ihre Befürchtung sich 
bewahrheitete. Mehrere darauf bezügliche Schriftstücke 
sind im Urkundenbuche der Stadt Dresden abgedruckt^). 
Denselben reiht sich der nachstehend mitgetheilte, im 
Dresdner Rathsarchive vorhandene Brief vom 15. Juli 
1430 an, worin die Landesfürsten den Rath benachrich- 
tigen, dass ein hussitischer Spion im Begriff stehe, von 
Saaz aus die meissnischen Lande zu durchziehen; er 
trage eine blaue Kapuze, eine schwarze und eine weisse 
Hose, unter den Knien gebunden, und eine Joppe, in der 
er zwischen den Schultern seine Briefe verborgen halte; 
da er durch lustige Reden die Wachsamkeit der Leute 
einzuschläfern verstehe, sei er besonders gefährlich, wes- 
halb man vor ihm Tag und Nacht auf der Hut sein und 
ihn zu ergreifen suchen solle. Der Brief lautet: 

Friderich und Sigmund gebrudere von gots gnaden herczogiu 
zu Sachzen. 

Liben getruwen. Wir sint eigintlichin bericht, wie das die 
vordampten kecczer gar vil kuntschatt't mit heimlichen boten in 
unsern landen ußrichten und nemlichin iczund eyn böte zcu Sacz 
sy, der sich hüte irhebin und heruß in unsire lande noch kuntschafift 
gehin solle, derselbe böte yn vor vil heymlichir kuntschaft't ußge- 
richtet habe und iczunt abu- ußrichten solle, davon uns und unsern 
landen groß schade entstehin mochte. So sint ■n-ir ouch bericht, wy 

M Cod. dipl. Sax. reg. II, 5, 149 tlg., vergl. dazu 154 tlg. 

Keue8 Archiv f. S. G. u. A. VII. 1. 2. 10 



J4G Kleinere Mittlieilungen, 

(las derselbe böte eyne blähe kogil -') uff habe und zcwu liosen an, 
eyno swarcze und eyne wisse under den knyen i^ebunden, und habe 
sync brieve in der jopen zcwisschen den schuldem und sy euch, 
als wir berichtet synt, eyn goumclman •), so das ers den luten mit 
wunderlichin und gemlichin ') reden vorwildern'') kan, das mau nicht 
achtunp^e sere off yn habe. Davon begern wir von ucli mit Hisse, 
das ir uff dy Strassen von stund bestellit und ouch an den torn tag 
und nacht daruff sehin und achtun ge hal)iu lasset, ab man den an- 
körnen und begriffen möge, wanne das uns, unsern landen uiul uch 
grossen fromen brengin wurde, dorumbe syt daran flissig und be- 
stellit ouch, das das heymlichen gelialden werde. Daran tut ir uns 
wol czu dancke. Gegebe«i zcu llochlicz am sonabinde noch Mar- 
garethe anno etc. tricesimo. 

Aufschrift: Dem rate zcu Dresden unsern libeu getruwen. 

(Siegel unter Fapicrdecke zum Verschluss aufgedrückt. J 



2. Zur (iescliiclite der Liixeinburger Streitigkeiten 

1440-1443. 

Von Ludwig Schmidt. 

Die Königliche öftentlichc Bibliotliek in Dresden be- 
wahrt unter der Signatur F. 172 <' ein handscln-iftliches 
Fornielbuch aus dem fünfzehnten Jahrhundert, welches 
für die Geschichte dieser Zeit eine Reihe werthvoUer 
Briefe und Aktenstücke enthält''), trotzdem aber bis jetzt 
nur zum geringsten Theile bekannt und benutzt worden 
ist'). Für die sächsische Geschichte ist darunter^) von 
Wichtigkeit ein interessantes Schreiben Kaiser Friedrichs III. 
an den burgundischen Herzog Philipp, welches den Streit 
zwischen diesem und den beiden sächsischen Fürsten 
Kurfürst Friedrich dem Sanftmüthigen und Herzog Wil- 
helm um Luxemluu'g betrifft und das ich hiermit der 
Öllentlichkeit übergebe. Eine genaue Übersicht über 
diese Vorgänge, die hier nicht gegeben werden kann, 
findet man bei Löher, Kaiser Sigmund und Herzog 



-) kogil, kugel, gngel = Knimzc liber den Kopf zu ziehen am 
Rock (Lexer). 

•') goumel, goumer = der Aclit giebt auf etwas, Aufseher, 
Aufpasser. 

') gemelich = lustig, spasshaft, ausgelassen. 

•'■) verwildeu = entfremden, verwandeln. 

") Vergl. Schnorr von Caiolsfeld, Katalog der Handschriften 
der Königl. offentl. Bibliothek zu Dresden I (1882), 417. 

■^) Einige Stücke hat Herschel im Serapeum XVII, XVIII 
(1856, 1857) herausgegeben. 

") Bl. 78 b und 79. 



Kleinere Mittheilungen. 147 

Philipp von Burgund, im Münchner historischen Jahr- 
buch für 186G p. 397 flg., ßertholet, Histoire eccle- 
siastique et civile du duche de Luxemboiu'g VII (1743), 
388 flg., sowie besonders in den Regesten zur Geschichte 
Luxemburgs in den Publications de la section historique 
de l'institut royal grand ducal de Luxembourg, XXVIII 
(1873), 1 flg. Das Schreiben selbst ist leider undatiert 
überliefert; doch ist es mit ziemlicher Sicherheit in den 
Juni 1443 zu setzen, da darin auf die Zusammenkunft 
von Besancon (November 1442) als bereits geschehen 
und auf das Fest Johannis des Täufers (24. Juni) als 
nahe bevorstehend (proxime futuram) Bezug ge- 
nommen wird. 

Fridericus Romanorum rex Philippo duci Burgundie. 

Illustris princeps consaiiguinee noster carissime. Cum pridem 
Bisuiitini essemus"), inter alia que nostri tuique invicem consiliarii 
commnnicarunt, etiara de Lucemburgensi ducatu factum fait verbum. 
Nosque collocutiones illas intimare velle illustri Friderico duci Sa- 
xonie, sacri Imperii archimarschallo lantgravioque Thoringe ac 
niarchioni Misnensi sororio uostro carissimo disposuimus, sicut et 
postmodiim o vestigio fecimus. Sed quia dux ipse in longinquis 
part.ibus et in ultimis terrarum suarum finibus in praesentiarum 
{sie cod.; in praesentia?) existit, responsum habere ab eo non 
potuimus. Interea vero audivimus dilectionem tuam nonnullas gentes, 
videlicet comitem Rupertum de Yirnberg cum aliis certis tuis arrai- 
geris in ducatum Lucemburgensem transmisisse ad prosecutionem 
intenti tui, idemque et praedictum duceni Saxonie pro parte sua 
fecisse percepimus. Que res non parvam displicenciam atque mo- 
lestiam nobis fert facile per tales vias guerrarum oriri semina et 
amicabilis concordie media praecludi posse timentibus. Cupientes 
tamen, quantum in nobis est, tractatum ipsum amicicie inter utrumque 
vestrum querere ac super eo efficaciter laborare, dilectionem tuam 
hortamur et rogamus attente, ut dictum de Yirnberg aliasque gentes 
tuas sie retinere et revocare velis, ne ad aliquam offensam pacem 
Lucemburgensem et partem dicti ducis Saxonie procedant, sed indu- 
tias illas amicabiles, que pridem Francofordie^") ad festum omnium 
sanctorum") Statute fuerunt, sub eisdem coudicionibus et benevo- 
lentiis usque ad celebritatem sancti Jo. Baptisten-) proxime futuram 
teneas et ditFeras nostro intuitu, qui res libenter videremus amica- 
bili fine componi. Simili autem modo scripsimus praefato duci 
Saxonie, neu minus eum quam te aditidem obnixe exhortantes. 
Quod si a tua dilectione et ipso, ut iustum est et ut spem gerimus, 
obtentum fuit durantibus eisdem indiciis pacis et amicicie, media 



») Vom 1.— 9. November 1442, siehe Löher a. a. 0. p. 398—402. 
Regesten zur Geschichte Luxemburgs No. 185. 

10) Vergl. dazu besonders das Schreiben Philipps an Friedrich 
und Wilhelm von Sachsen, Regesten zur Gesch. Luxemburgs Mo. 188. 

") 1. November. 

1-) 24. Juni. 

10* 



148 Kleinere Mitthoilungen. 

inter vos soUicito pcrquirenitis iiiiUis parcentes fatigiis aut laborihiis, 
ut stabil! beiievoleiitie viiiciilo iiixta nostrum possitis desiiierium 
satiari. Datum .... 

3. Spuren Meister Arnolds von Westfalen. 

Von Otto Richter. 

Das Leben Meister Arnolds, des Erbauers der Albrechts- 
burg in Meissen, ist bis zu seiner im Jahre 1471 erfolgten 
Anstellung als Baumeister der fürstlichen Brüder Ernst 
und. Albrecht in undurchdringliches Dunkel gehüllt''"'). 
Jede Nachricht niuss daher willkommen sein, welche über 
sein Vorleben einiges Licht verbreiten kann. Vielleicht 
vermag dies der unten abgedruckte Brief, der im Raths- 
archive zu Dresden aufbewahrt wird und bisher unbeachtet 
geblieben ist. Es ist ein Schreiben des Erzbischofs Fried- 
rich von Magdeburg vom 25. Februar 1459, worin dieser 
den Beistand des Rathes zu Dresden gegenüber dem 
Steinmetzen „Arnd", der ihm den Arbeitsvertrag ge- 
brochen, in Anspruch nimmt. Arnd habe, so schreibt er, 
den Umbau des Mushauses am erzbischöflichen Schlosse 
zu Calbe übernommen und den vereinbarten Lohn bis 
auf ungefähr 3 alte Schock Groschen bereits empfangen, 
den Bau aber zu einem grossen Theile unausgeführt ge- 
lassen. Für ein zweites Gebäude am Schlosse, zu dessen 
Ausführung Arnd gegen einen weiteren Lohn von 20 alten 
Schocken sich verpflichtet habe, seien bereits bedeutende 
Summen anf Abbruchs- und Erdarbeiten verwandt wor- 
den, und nun sei der Baumeister davongegangen. Auf 
seine zweimalige Auftbrderung schreibe ihm dieser, dass 
er die Arbeit in Calbe nicht vollenden könne, da er sich 
in den Dienst des Dresdner Rathes begeben habe. Der 
Erzbischof bittet den Ruth, ihm seinen entlaufenen Werk- 
meister nicht vorzuenthalten, sondern denselben zur Er- 
iüllung seiner älteren Verpflichtungen zu vermögen. 

Dass Erzbischof Friedrich am Schlosse zu Calbe ge- 
baut hat, wird auch durch den Chronisten bestätigt'^), 
urkundliche Nachrichten darüber sind aber weder im 
Staatsarchive zu Magdeburg noch im Stadtarchive zu 
Calbe aufzufinden gewesen. Von diesen älteren Gebäuden 

'■') Th. Distel, Meister Arnold, in von Webers Archiv für 
die Sachs. Geschichte, N. F. IV, .31.5 tlg., V, 282 flg. und im An- 
zeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1882, No. 2, Sp. 45 flg. 

*■') Iliivecker, Cbronica und IJesclireibung der Städte Calbe, 
Aken und Wuntzleben. U. Ausg., Ilalberstadt 1720, S. 13, ij. i;i. 



Kleinere Mittheilungen. 149 

selbst ist auch so gut wie nichts mehr vorlianden, seitdem 
das Scliloss durch den Kardinal Albrecht und später 
durch den Administrator Joachim Friedrich umfassende 
Umgestaltungen erfahren hat'*)- 

Über den Aufenthalt jenes Arnd in Dresden giebt 
das urkundliche Material nur geringe Andeutungen. Im 
Geschossregister von Michaelis 1459 taucht ein „Arnult" 
auf, bei liorenz Heyneman in der Wilischen Gasse wohn- 
haft und mit 1 Groschen halbjährlichem Geschoss einge- 
schätzt. Derselbe ist als Aruult, Arnuld oder Arnold 
auch noch in den folgenden drei Geschossregistern von 
Walpurgis und Michaelis 1460 und Walpurgis 1461 auf- 
geführt, jedoch ohne Hinzufügung eines Steuerbetrags ; 
in einem Heerfahrts-eldreofister von 1460 ist er mit 2 Gro- 
sehen angesetzt. Dass dieser Arnold dieselbe Person ist 
wie der Baumeister Arnd, kann kaum zweifelhaft sein, 
da beide Namensformen sich decken und seine Erwähnung 
in Dresden sich zeitlich fast genau an das erzbischöfliche 
Schreiben anschliesst, überdies auch der Name Arnold 
in den Geschossregistern jener Jahre weiter nicht vor- 
kommt. Der niedrige Betrag von 1 Groschen halbjähr- 
lichem Geschoss war für Werkleute ohne Vermögen der 
übliche; wenn Arnold seit 1460 kein Geschoss mehr zahlt, 
so deutet dies allerdings darauf hin, dass er im Dienste 
des Rathes stand. Welches der Bau war, bei dem er in 
Dresden beschäftigt wurde, ist nicht mit Sicherheit zu er- 
mitteln. Die hervorragendsten Bauwerke der Stadt waren 
die Kreuzkirche imd die Eibbrücke; an beiden wurden 
in jenen Zeiten auf Kosten des Brückenamts wiederholt 
grössere Erneuerungs- und Umbauten vorgenommen, zu 
deren Leitung alsdann ein Baumeister jahrelang angestellt 
war. Leider sind die Brückenamtsrechnungen für die 
Jahre 1459 bis 1461 nicht erhalten, aber aus der im 
Hauptstaatsarchive vorhandenen Rechnung von 1462 er- 
giebt sich, dass damals der Bau einer neuen Kapelle an 
der Kreuzkirche im Gange war. Als bauführender Stein- 
metz wird darin ein „Meister Peter" genannt, der neben 
einem Wochenlohn von 20 Groschen jährlich 1 Schock 
20 Groschen zu einem „Hofgewand" und 1 Schock Groschen 
zu „Opfergelde" bezog und auch 1467 noch im Dienste 
des Brückenamts stand. Allem Vermuthen nach war 
dieser Bau vorher von Meister Arnd geleitet worden, 

''') Nach freimrllicher Mittheilung des Herrn Dr. G. Hertel in 
Magdeburg. 



150 Kleinere Mittlieilungen. 

aber nur bis zum Jalire 14()1, seit welchem, wie erwälmt, 
sein Name auch aus den Geschossregistern verschwindet. 
Die Urkunden lassen zunächst nur die Mög-lichkeit 
7Ai, dass der von Calbe nach Dresden gekommene ]>:iu- 
raeister Arnd der berühmte Arnold von Westfalen gewesen 
sei. Erwägt man aber, dass es ein schi* auffälliges Zu- 
samraentreÖcn sein würde, wenn um ungefähr dieselbe 
Zeit zwei zur Ausführung grosser Rauten befähigte Stein- 
metzen mit dem in unserer Gegend nicht häufigen Namen 
Arnold hier thätic' trewesen wären, so irewinnt die An- 
nähme der Übereinstimmung beider Personen viel Wahr- 
scheinlichkeit. 

Friderich von potes gnaden erczbischofF zu Magdburg etc. 
Unnserii gunstigen willen zcuvor. Lieben bysundern. Wir fugen 
ucli wissen, das wir uns mit Arnde steinmeczen eyns gebuwdes, das 
uns bereite vil gekostet, vortragen haben, unnser niusbnß an unserm 
slos zu Calbe, derwegen nach sinem ratbe en teil zubrocben, das 
gebuwe zcu volbrengenn ußgesnetten zcedeln mit ym gemacht haben, 
er sin loen, ym davon von uns gered, er vaste uft'genohmen unnd 
entpfangen had biß utf drie aide schog nahe. Aber desselbgen ge- 
buwes ist nach eyn groß stucke von ym nngemacht blebeii. So hat 
er nach eyn gebuwe uns zu machen angenohmen, darvon wir ym zu 
siner persoen zwenczig aide schog geben sollen unnd den, die ym 
helrten werden, sollen wir sunderlichen loenen. Unnd haben daruff 
aber das vorgnante unser slos mit durchbrechen unnd vil erden 
daruß graben unde enweg füren lasse (h, dasselbge alle uns vil 
gekostet hat. Als ist uns nu derselbge Arnd aberunnig worden 
unnd sich zu uch, als wir vorstellen, zu dinste gethan. Haben wir 
ym zwer geschrihen unnd unser botschaff gethan in meynunge, er 
wurde siner gelobde uns gethan nicht vergessen haben. Aber ybe- 
doch schribet er uns iczund solliche arbeit gancz abe unnd berurt 
under andern sinen worten, das er der von uwers dinstes wegen 
nicht geworten könne. Als bitten wir in vließe, ir wollet uns den- 
selbgen unnsern abentrunnen wergman nicht vorentlialden nach yn 
wider uns vorteydingen, sundern yn anhalden unnd vormoget (!), 
das er den gelobden uns gethan nach gnng tliu, uft' das das wir 
deshalben fnrder arbeit, der wir dann niclil sparen wollen, mochten 
vortragen bliben. Geben zu Calbe uff sontag oculi anno domini etc. 
L nono. 

Aufschrift : Den erßamen wiesen burgcrnieistern unnd ratmannen 
zcu Dresden unnsern lieben bysundern. 

(Steffel auf der Rückseite unter Papierdecke zum Verschluss 
aufgedrückt.) 

4. Eigenliiindige SchrifistiUlvO Luthers und 
Melanchthons. 

Von Theodor Distel. 

Im Juli des vorigen Jahres wurde von Seiner Älajc- 
stät dem Könige von Sachsen Seiner Kaiserlichen und. 



Kleinere Mittheiliiiigeu. 151 

Königliehen Hoheit dem Kronprinzen des deutschen 
Reiches und von Preussen eine in der Bibliothek zu 01s 
aufgefundene Pergaraentbibel (Familienbibel der Podie- 
brads) in zwei Bänden vom Jahre 1541 (AVittenberg, 
Hans Lufft)^*^) verehrt, in welclier sich neben vielen ge- 
nealogischen Einträgen^') auch folgende eigenhändige 
Zeilen Luthers '^), denen leider jede Zeitangabe fehlt ^•'), 
im ersten Bande vorfinden: 

„Johannis 5to. [Vers 391- 

Suchet ymi der schrifft, denn yhr mehiet Ihr habt das Ewige 
leben drinnen. Und sie ists die von mir zeuget etc. 

Das ist 
Weil wir selbs halten das die heilige Schrifft sey Gottes heilsames 
wort welchs uns ewiglich kan selig machen, öo sollen wir also 
drinnen lesen und studiren das wir Christum drinnen finden bezeuget 
wie S. Paulus auch saget Ro. X [Vers 4] Christus ist des Gesetzes 
ende und Ps. 40 [Vers" 9] Im Buch stehet geschrieben von mir das 
ich sol Gott deinen willen thun. 

Wer nu nicht studirt ynn der schrifft (wie uns hir Christus 
heisst) der kan nichts wissen vom Ewigen leben denn er lebt ou 
Gottes wort on welches die vernunfft nichts kann vom ewigen leben 
recht dencken noch reden. 

Wer aber also drinnen studirt, das er Christum nicht drinnen 
findet der kan das ewige leben nicht erlangen ob er gleich viel 
davon höret -0) reden oder auch hofiet. Wie die Juden thun als'-i) 
s. Paulus sagt Act. 24 [?] desgleichen die Munche und 
alle die so durch Werk wollen selig werdenn, Denn die 
schrifft zeuget von Christo das Allein der so an yhn glaubet selig 
wird. Isa[ias] 5, 3 [Vers 6] Gott hatt unser aller siinde auf yhn 
gelegt. Et notitia sui justificabit plurimos etc. 

Martinus Luther 
m. prop." 



l^) Die in dem Texte befindlichen Bilder scheinen von Cranach 
dem Älteren herzurühren. 

1') Benutzt von Grotefend, Stammtafeln der Schlesischen 
Fürsten etc. (Breslau 1875) Ö. 51, ein anderer Theil derselben aus 
dem II. Bande — Chronicon Sarense — ist z. B, gedruckt bei 
Dudik, Forschungen in Schweden für Mährens Geschichte (Brunn 
1852) S. 381 Üg., vergl. auch Roepell, Chron. dom. Sarensis (Bres- 
lau 1854) Anm. 2. Eine Abschrift der sämtlichen Einträge aus 
der Bibel ist übrigens im K. S. H.-St.-A. zurückbehalten worden. 




von 
dr 

thums Öls (Breslau 1779) S. 83, weiter vergl. auch S. 532 flg. 

^'■>) Der Luther'sche Eintrag, welcher sicher in die Zeit von 
1541 bis 1546 fällt, stammt vielleicht, wie die nachher mitzutheilenden 
Einträge Melanchthons und Luthers, aus dem Jahre 1543. 

-") Sinapius liest hier „lernet". 

-1) Die gesperrt gedruckten Worte („als — werdenn") fehlen 
bei Sinapius gänzlich. 



152 Kleinere Mittlieilungen. 

Aus derselben Bibliothek stammt ein anderes auf 
Papier (in schwarzem Ledereinband mit Goldverzierungen) 
gedrucktes Exemplar dieser Bibel, welche in dem Besitze 
Sr. J\]ajcstät des Königs von Sachsen verblieben ist. In 
dem ersten Bande derselben befinden sich auf dem vor- 
gehefteten Pergamentblatte die folgenden zwei eigenhän- 
dio-en P^inträjre Melanchthons xmd Luthers aus dem 
Jahre 1548: 

„Hie est tilius mens dileetus, liuin; aiulite. 
Dises sollen alle menschen vor allen dingen bewarliren, das 
L'ott nicht allein vns erschaffen, sondern vber das, sich selb mit 
klaren gewissen zewgnis. mirakeln vnd wort geoffenbart hatt, von 
anfang der schöpfnng an für nnd fiir, dnrch die väter, propheten, 
seinen son, vnd dnrch die aposteln, denn ehr will ein ewiges volk 
vnd kirch im menschlichen geschlecht haben, die yhn erkenne, preyse 
vnd ehre mit gehorsam vnd anruffen, vnd hatt dise seine Offenbar- 
ung vnd wort in gewisse schrifft fassen lassen, dadurch will ehr 
erkant werden, vnd nit durch andre lehr von menschen erricht, 
ehr hatt auch zugesagt, das allein dise sein volk sein sollen, welche 
sein wort in diser schrifft der propheten vnd aposteln verfasszt, in 
christlichem verstand annemen vnd glewben, dise sollen gewisslich 
glewben, das sie gott auch annemen vnd erhören will, wie Johannis 15 
[Vers 7] geschriben stehet: So yhr in mir bleibet vnd meine wort 
in euch bleiben, was yhr wolt das bittet, das wirt euch geben werden. 

1543. 

Philippns Melanthon." 

Auf der Rückseite des betreffenden Pergamentblattes 
folgen die an die Melanchthonischen Worte anknüpfenden 
Zeilen Luthers in zum Theil ganz verblichener Schrift : 

„Johannis 15 [Vers 7J. 

So yhr ynn mir bleibet vnd meine wort ynn euch 
bleiben, so mügt yhr bitten was yhr wollet vnd es sol 
euch widerfaren. 

Das ist vnd heisst ia eine grosse herrlickeit vnd freyheit, das 
wir getrost vnd kintlich zu gott beten mugen vnd solle alles ge- 
wislich erhöret sein wo wir zuuor auch yhn vnd sein woit hören 
vnd da bey bleiben. Vnd ist für uns ein schöner Wechsel: Hörestu 
mich, so höre ich dich, hörestu mich nicht, so höre ich dich wider 
nicht. Eins umbs ander wie du wilt. 

Wie unselig sind nu die--) feinde oder vorechter des worts 
gottes, die haben keinen gott, do sie gleich viel beten, so höret ers 
doch nicht Ps. 18 [Vers 42] Sie ruffen aber da ist kein helffer zum 
herrn, aber er höret nicht. 

Martin US Luther. I). Manu ppria. 
1543". 



--) Diese fünf gesperrt gedruckten Wörter sind fast gänzlich 
verschwunden, ihr Wortlaut wird nur vermuthet. 



Kleinere i\littlieiluiigen 153 



5. Zur Entstelmngsgeschichte des Testamentes 
Melchior von Osses. 

Von Theodor Distel. 

Zwei Jahre nach dem Regierungsantritte des Kur- 
fürsten August verfasste Melcliior von Osse'-'O sein be- 
rühmtes „Testament", eine die gesamte Staatsverwaltung 
berücksichtigende Denkschrift. Zur Entstehungsgeschichte 
desselben sei hier kurz folgendes erwähnt'-^). 

Nach Osses Zuschrift an August, welche sich vor dem 
Testamente in der nacherwähnten Publikation mit abge- 
druckt findet, ist man genöthigt, anzunehmen, dass die 
Arbeit lediglich auf einen vom Kurfürsten unterm 16- Au- 
gust 1555 gegebenen Befehl verfasst worden sei. Aus 
einem Reskripte Augusts vom 7. Juli genannten Jahres 
an diesen seinen Oberhofrichter erfahren wir jedoch, dass 
Osse die Sache bei August zuvor selbst angeregt hatte. 
Dasselbe lautet also: 

„.... Nachdem du iinß vertreulich antzaigen lassen, das 
du unß ettlicher Sachen, doran unß und unsern landen und 
leutheii viel! gelegen, in gehainib zu berichten unnd derhalben bitten 
lassen, dich zum furderlichsten selbst an unß zu beschaiden, als 
weren wir gnedigst wohl genaigt gewesen, dich personlich zu uns 
zu erfordern und zu hören. Dieweill es aber vieler ungelegenheit 
halben nit wohl fuglich und ohne sonderlich nachdencken geschehen 
kann, als haben wir gegenwerttigen unsern rath und 1. g. Dam 
V. Sebottendorff, welcher in besonderen gnedigen gutten vertrauen 
bei unß stehet, wir auch von ime wissen, das er verschwiegen, gegen 
dem ir euch als der euch etwas mit schwegerschafft verwanth ohne 
schew eröffnen möchtet, zu euch abgeferttigt. Und begeren demnach 
gnedigst an euch, do ir unß sachen, doran unß oder unsern landen 
und leuthen gelegen, zu vermelden, ir wollet dieselbigen gedachtem 



-lä) Vergl. v. Lange nn, Melchior von Osse (Leipzig 1858). 
Wie hoch Osse von August geschätzt wurde, entnehmen wir dem 
kurfürstlichen Befehl an ihn vom 20. Oktober 1554, in welchem es 
heisst: „weil ir ans langer erfarung die gebreuch diser sechsischen 
lande vor andern erfarn, — wollet ir [die] acta mit vleis vorlesen 
und erwegen und darauf ein urtel in unserm namen fassen und 
stellen". (Dresdener H.-St.-A. Cop. 265, Bl. 571b.) Das Konsistorium 
zu Leipzig erwähnt seiner in einem Bedenken an den Kurfürsten 
(30. März 1571) als eines erfahrenen und geübten Mannes „sonder- 
lich des Sachsenrechts und des Landesgebrauchs". Daneben wird 
seiner Rechtsbücher mit werthvoUen Randbemerkungen gedacht. 
(Ebenda, Loc. 9703: Bedenken 1571—1650, Bl. 36 flg.). 

.;-') Bedencken Dr. Melchior von Oßen etc. 1555, Loc. 10039. 
Im Übrigen vergl. den demnächst in der Allgcm. deutschen Bio- 
graphie erscheineudeu Artikel über Melchior von Osse. 



154 Kleinere Mittheiliingen. 

unsenn ratli mit allen umbsteiulen entdecken und uH'enliaron und in 
denselben gar nichts bergen noch verhaltenn, sondern inie ewer 
üjenmeth nit anders als gegen unß selbst eröft'nen. Daraiiff hat er 
befelch, solchs alles in gutter geheimb und unvermerckt an unß 
zubringen, so wollen wir auch solchen bericht und antzaigungen 
dcrmassen still und verschwiegen bei unß haltcai, das ir darunter 
unverdacht bleiben sollet....". (Dresd. Il.-St.-A. ("op. 260, Bl. 527b.). 

Die einzige vollständige Publikation, welche wir von 
dem Osse'sclien Testamente besitzen, ist die von Christian 
Thomasius 1717 bewirkte. Vergleicht man dieselbe mit 
der im Königl. Sachs. Hauptstaatsarchive aufbewahrten 
Reinschrift"-^'), Avelclie, Avie aus einem dabei befindlichen 
Zettel erhellt, Doetor Friedrich Rode'-") für den genannten 
Kurfürsten angefertigt hat, so sieht man, dass der Text 
bei Thomasius im ganzen zuvei'lässig ist. 

Fände sich doch endlich auch ein Heraut^geber des 
Osse'schen Handelsbuches, dessen Original die Königliche 
öfFentliche Bibliothek zu Dresden (R. 1) besitzt! 

6. Zu den rimktierbücliern des Kurfürsten Aui?ust. 

Von Theodor Distel. 

In den Punktierbüchorn des Kurfürsten August von 
Sachsen, über welche O. Richter in den Forschungen zur 
Deutschen Geschichte, Bd. XX, S. 15 flg. eingehend ge- 
handelt hat, befindet sich unter dem 11. Oktober 1576 
(Msc. der Königl. öffentlichen Bibliothek zu Dresden K. 20, 
Bl. 17 b) der folgende eigenhändige Eintrag des Kur- 
fürsten: „Hat sych Cornelyus von Ruxleben über Paul 
Grobel eynes urtels aus dem schepenstull belernen lassen 
czu Leypczick?" Dahinter steht die Antwort: „Ja". 

Ich habe es mir angelegen sein lassen, das vermeint- 
liche Urtel zu finden, und habe es in der That auch ge- 
funden. 

Es ist nämlich eine Abschrift desselben aus dem be- 
treffenden (leider nicht auf uns gekommenen) Bande der 
Konzeptbücher der Schö])pen zu Leipzig, von dem Bürger- 



-■'') Das Originalmanuskript befindet sich auf der K. oft'. Bib- 
liothek zu Dresden K. 28 (vergl. K. 28 a, K. 29 u. 301 

-'■'} Derselbe war Präceptor der beiden Söhne Osses, Michael 
Friedrichs und Melchiors, und hatte den schriftlichen Nachlass Dr. 
Melchiors v. Osse bis zu seinem Tode leihweise inne. (Dresd. H.-St.-A.: 
Loc. 8Ü25 „An Clmrf. August etc." 1579 üg. VA. U — G.", und Loc. 
7.359 „Amtleute etc." 1579 flg. Hl. 79 — 86). 



Kleinere Mittheiluiigen. 155 

meister Hieronynius Rauscher wohl bald nach dem 11- Ok- 
tober 1576 mit noch zwei anderen Urteln an den Kur- 
fürsten fjeschickt worden. Rauscher bemerkt dazu, dass 
er die Konzepte nicht aus den Schöppenbüchern hätte 
schneiden können, dieselben aber „dermassen durchstrichen 
unnd ausgeleschtt" habe, „das man kein Avortt davon 
lesen kann". Das fragliche Urtel"-') an den Jägermeister 
Cornelius Ruxleben-*) lautet nun also: 

Unser freundlich dienst zuvorn. Gestrenger und ehrenvhester 
guter freundt. Als ihr uns copey eines schreiben beneben einer 
fragen-'') zugeschickt und euch des rechten darüber zu belernen ge- 
beten habt, demnach sprechen wir churfurstliche sechsische schöppeu 
zu Leiptzigk darauff vor recht. 

Do die zwene gefangene Andres Lindener und Georg Steiner 
nach inhalt des übersandten schreiben bekant betten oder nochmals 
bekennen wurden, das sie auf anschaffung des forstmeisters Paul 
Grobeis einen armen sunder, welcher in euren gerichten geübtes 
diebstals halben gerechtfertiget worden, am galgen beraubet, ihme 
eine handt abgehauen, dieselb obgedachten Paul Gröbeln bracht, 
davon er den daumen genommen und die handt, damit es nicht 
oft'enbar werden möchte, ins wasser zuwerft'en befohlen und Lindenern 
derowegen einen thaler gegeben, so weret ihr wol befuget, bemelten 
Gröbeln solche der gefangenen aussage vorzuhalten und ihnen darauft" 
mit seiner antwort anzuhören und ergehet alsdann auft" seine gethane 
antwort in der Sachen ferner was recht is. Von rechts wegen. Zu 
urkundt mit unserm insiegel^*') vorsiegelt. 

Die beiden anderen Abschriften aus dem Schöppen- 
buche sind nicht an Ruxleben gerichtet; betreffen auch 
Gröbel nicht direkt. — Weshalb den Kurfürsten der 
fragliche Fall so sehr beschäftigt hat, vermochte ich leider 
nicht festzustellen. 



7. Weilmaclitsgesclienke für die Kinder des 
Kurfürsten August. 1565. 

Yon Theodor Distel. 

Im Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 
(Jahrg. 1881, No. 12, S. 349 flg.) brachte ich einiges 
über Spielsachen für die Kinder des Kurfürsten August 



27) K. S. H.-St.-A. Loc. 9665 : Sammlung etc. sub etsub 9 Nr.l. 

2s) Vergl. über ihn die angezogeneu Forschungen für deutsche 
Geschichte a. a. 0. S. 20/21. 

''") d. d. Zscbopau, den 9. Septbr. 1576, ebenda sub 3- 

'^") Geraeint ist das nach der Neubegründung des Stuhles (1574) 
eingeführte, vergl. Vogel, Leipzigische Annales (1714) S. 234, Fig. 1, 



156 Kleincro Mittheiluiigen. 

v(>n Sachsen, welche der Bürgermeister zu lieipzig, Hie- 
ronymus Rauscher, besor^^ liatte. Kürzlich kam ich auch 
im Köuigl. Sachs. Hauptstaatsarchiv auf ein Schreiben 
des genannten Rauscher, d. d. Leipzig, 5. November 1565, 
(Loc. <S529, Sendbriefi'e etc., Bl. 293), in welchem es 
u. A. also hcissf. 

Zu bescherung e. eh f. >j. herzlibesten kiiulerleini), meiner 
jüenediseii iiimdtt üben jungen berschafi'tt, liab ich allerlei pu))en- 
werck kaufftt, kost alles zusannncn zehen gülden zwene giosclien, 
hab inn der warheit nix artigers noch saubers bekomen kunnen, 
ich mus bekennen, das es zum teil alber ding ist, es kost aber auch 
(teste minder, und kunnen kinderlein bisweilen an solchen) geringen 
ding wol so vil frende haben, als wann es vil gestünde. Ich hab 
noch ein par schöner reuter in bestallung-"), do ich etwas darzu 
bekomen kann, will e. eh. f. g. ich dasselb hernach schicken 

Von den Kindern des Kurfürsten August lebten da- 
mals Elisabeth, geb. 18. Oktober 1552, Christian (als 
Kurfürst I.), geb. 29. Oktober 1560, Maria, geb. 8. März 
1562 und Dorothea, geb. 4. Oktober 1563. 

8. Zu den Verliiiudlungeii Walleiisteins mit den 
Schweden und Sachsen im Jalire 1633. 

Von Arnold Gaedeke. 

In meinem soeben erschienenen Buche „Walleusteins 
Verhandlungen mit den Schweden und Sachsen 1631 bis 
1634"-''-) habe ich im Nachtrage aus dem Frhl. von Friesen- 
schen Familienarchiv zu Rötha ein (undatiertes) Akten- 
stück „des Herzogs von Friedtland postulata seine Persohn 
betreffend" mitgetheilt, dessen Datierung mir im Momente 
Schwierigkeiten zu bieten schien. Als mir unmittelbar 
vor Abschluss des Druckes jene beiden Bände „Briefe 
den kurfürstlich Sächsischen Feldmarschall von Arnim 
betreffend" zu Händen kamen, mussten diejenigen Stücke, 
welche etwa noch in einem Nachtrage beigefügt werden 
sollten, unverzüglich abgesendet werden. 

Aus einer späteren Vergleichung von Chemnitz und 
des Theatrum Europaeum ergiebt sich jedoch, dass die 
persönlichen Forderungen Wallensteins von beiden Schrift- 
stellern wahrend der Verhandhmgeu des Sommers 1633 
erwähnt werden. 



'■'] Dieselben waren für den Kuri)rinzen bestimmt. 

'-J Frankfurt a/M. Liter. Anstalt Ruetten & Loening. 1885. 



Kleinere Mittheilüngen. 



157 



Der Inhalt des Aktenstückes selbst gewinnt dadurch 
an Bedeutung, und um so mehr, als Emil Hildebrand so 
eben in Stockholm unter Oxenstiernas Papieren (der sog. 
Tidoesammlung) gleichfalls ein Exemplar der postulata mit 
nur ganz geringen Abweichungen gefunden hat. 

Ein Zusatz, dass die beiden Armeen bei Strehlen 
einander gegenüber gestanden hätten, weist unzweideutig 
auf den Juni 1633 hin. Ganz besonders beachtenswerth 
aber ist, dass der Wortlaut der postulata bei Chemnitz 
dem Exemplar der Tidoesammlung entspricht, der Wort- 
laut im Theatrum Europaeum dem des Arnimschen Ex- 
emplars. 

Bei der Wichtigkeit des Aktenstückes lasse ich (durch 
die Freundlichkeit von Herrn Dr. Hildebrand dazu in 
den Stand gesetzt) den doppelten Wortlaut folgen. 



Frhl. T. Friesensclies Archiv 
zu Rötha. 

Des Herzogs von Friedtland pos- 
tulata seine Persohn betreflend. 

Es ist aber alhier zu wißen, 
daß General Wallenstein vor 
übrige auch noch ezliche andere 
Friedenspunkte vorgeschlagen, so 
seine Persohn betreffen ; diese 
seindt neben den übrigen J. 
Churf. 1). zue Sachsen über- 
sendet worden. 

1. Wan er die Crohn Böhmen 
haben könte, wolte er alle ver- 
triebene Herrn undt anderen ihre 
guther wiedergeben, die religion 
freylaßen undt den Pfalzgraffen 
restituiren. 

2. Für Mechelnburg, Sagan 
undt Glogau undt seinen rest, so 
ihm der Keyser schuldig, wollte 
er das Marggralfthumb Mähren 
nehmen. 

8. Weiln der Beyerfürst uif 
den CoUegialtag zu Kegenspurg 
ihn "helffen das Generalat nehmen, 
wolte er ihn das versetzte Landt 
ob der Enß wegnehmen wegen 
seines rests. 

4. Begehrte er die armeen zu- 
sammen zu führen, So wolle er 
damit gesambt vor Wien rücken, 
undt den Kaiser zwingen solches 
alles einzugehen. 



Tidoesammlnng. 

Churfuerstliche postulata. 

Der keyser soll all seinkrieges- 
volck außer Reich fuehren und 
abdanckeu. 

Des Zuspruchs an die Bis- 
tühmber Magdeburgk und Halber- 
stadt fuer sich und sein söhn 
fuerziehen. 

Die Catholische liga soll der 
Cron Schweden wegen des Krieges 
Unkosten zahlen undt durch an- 
nehmliche mittel ausser Reih 
bringen. 

Alle Jesuiten auß seinen Rath- 
stuben und allen landen abzu- 
schaffen, wegen des Krieges Un- 
kosten undt andtern Schadens den 
2 Churfuersten das gantze Landt 
Schlesien abstehen. 

Die Religion über all frey- 
laßen. 

Wegen der tonnen golt so der 
keyser dem Churfuersten schul- 
digk die Ül)er Laußnitz undt daß 
halbe Königr. Böheimb erblich 
verlaßen. 

Des Churfuersten von Heidel- 
berg söhn wieder einsetzen; dazu 
soll ihn der Wahlsteiner zwingen, 
wo er nich will. 



158 



Kleinere Mittheilungen. 



Churf. Tostulata. 

Als mm diese puncten so Go- 
iierol VValnstein vorgesclilajren 
Ihrer Churf. Diulil. zu Sacliik'n 
undt liraiulenhur;«; vorkoiuiiieii. 
haben dieselben liiiigegen nach- 
gesetzte artikiil zu einem Frieden 
proponii't. 

1. Der Kaiser soll all sein 
Voli:k außer lleich führen undt 
al)dancken. 

2. Des Znespruchs an die hey- 
den Histumli Magdelmrg undt Hal- 
berstadt sich verzeilien. 

ö. Die Catholische Ligia soll 
der Crohn Schweden alle Kosten 
zahlen undt durch annenibliche 
mittel ausser Reiche bringen. 

4. Alle Jesuiten aus seinen 
rathstuben undt allen Läi:dern 
abschaffen. 

5. Wegen des Krieges Unkos- 
ten undt schaden denen zweyen 
Churfürsten das ganze landt Schle- 
sien abzustehen. 

6. Die Religion überall frey 
zu laßen. 

7. Gegen die 8 Tonnen goldes, 
so der Keyser den Churfuersten 
schuldig, die Ober Laußniz undt 
das halbe Königreich Buhmon 
crldich zu erlnßen. 

8. Des Churfuersten von Hey- 
delberg Sohn wieder einsezen, 
dazu soll ihn der Wallsteiner 
zwingen. 



Wahlsteiners postulata. 

Weil er die Böhmische Cron 
haben will allen vertriebenen 
herrn umt andern ihre gnfher 
wieder geben, die Keligion frey- 
laßen denpfaltzgraftenrestituiren. 

Fuer l'ommern, Mechelburgk, 
Sagan, Glogau undt seinen liest 
so ihm der Keiser schuldigk, das 
Marggrall'thumb Mehren haben. 

Weil Beyerfurst aufm llegen- 
spurgischen Collegialtagk ihme 
Wahllenstein heißen absetzen, 
wollte er ihme die l'latte dafuer 
zu recht ziehen undt ilinie das 
Versätze landt ob der Ens wegen 
seines Restes weg nehmen. 

Er begehrte die Armee zu- 
sammen, so wollte er damit ins 
gesampt fuer Wien undt dem 
Keyser zwingen solches alles ein- 
zugehen; darnacli wnerde es umb 
seine Erbleiuler gelten. 

Die Batahlie hat bey Strehlen 
kcffen einander gehaltten. 



Es las.sen sich meines 
Folgerungen daran knüpfen, 
bestätigt, dass Chemnitz sein 



unter Zuürundeh'trunii 



Erachtens ganz bestimmte 
Vor allem wird von neuem 
berühmtes Geschichtswerk 
des i'cicldialtigsten Aktenmaterials 
vert'asst liat, er erscheint über die Details der Verhand- 
lungen ganz vortrefFlich unterrichtet. Auch hat er mit 
nichten seine Mittheikmgen über die schlesischen Ver- 
handhingen dem Theatrnm Europaeum^ wie Ranke meint, 
entnommen. Jene bekannten sieben Punkte, welche im 
dritten Bande des Theatrum Europaeum p. 71 zuerst an- 
geführt wurden, befinden sich gleichfalls in Abschrift 
unter Oxenstiernas Papieren ■'''). 



''^) Vergl. Gaedeke, Wallensteins 
Schweden und Sachsen, S. o'j. A. 



Verhandlungen 



mit den 



Kleinere Mittheilniigen. • 159 

Die angebliche Äusserung Wallensteins zum Obersten 
von Fels: „Da der Keyser nicht begehrte Frieden zu 
machen, wolte er mit den Evangelischen eine conjunction 
treffen und Ihn zum teuffel jagen"''^) dürfte sehr wohl 
einer bestimmten Mittheilung des Obersten oder Thurns 
an den schwedischen Reichskanzler entnommen sein, welche 
Chemnitz vorgelegen hat. Man vergleiche doch die von 
Hildebrand herausgegebenen Aktenstücke und Thurns 
jubelnden Ausruf einige Wochen später: „E. Exe. hegen 
den wenigsten Zweifel nit. es ist geschloßen den Keyl'jer 
nach Spania zu jagen""'). Unzweifelhaft sind ähnliclie 
Worte aus Wallensteins Munde gekommen. 

Die Notiz, dass „die batahlie bei Strehlen kegen ein- 
ander gehalten habe," zeigt ferner klar, dass wir es hier 
mit der gleichzeitigen Niederschrift eines schwedischen 
Offiziers zu thun haben, welche Oxenstierna durch den 
Höchstkommandierenden Thurn gesendet wurde. 

„Von dieser Handlung", sagt Chemnitz H, 13ß ganz 
richtig, „ward dem Churfürsten zu Sachsen durch den 
Gen. - Lieutenant Arnheira, wie gleichfalls dem Herrn 
Reichs -Cantzler durch den Gratfen von Thurn straks 
part gegeben". 

Schwer verständlich erscheint allerdings dem ersten 
Blicke, dass Wallenstein in seinen postulatis dem Kur- 
fürsten von Bayern „das versetzte Land ob der Enß" 
wegnehmen will, da dieses Land dem Kaiser bereits zurück- 
gegeben und Maximilian anderweitig dafür entschädigt ward. 

Indessen lässt sich doch eine Erklärung dafür finden, 
wenn man den ersten Artikel der postulata, dass der 
Pfalzgraf restituiert werden solle, berücksichtigt. Wallen- 
stein supponiert offenbar für diesen Fall die Wiederüber- 
antwortung Oberösterreichs an Bayern, welche er nicht 
zugeben würde. 

Jedenfalls gewinnt die Meinung an Wahrscheinlich- 
keit, dass wir es hier mit Niederschriften der sächsischen 
und schwedischen Unterhändler zu thun haben. 

Das Röthaer Dokument ist — wie die sorgfältigste 
handschriftliche Vergleichung ergeben hat — von der 
Hand von Arnims Sekretär geschrieben. 

Wenn die Abschrift auch erst im Jahre 1634 ver- 
fasst worden ist, so zeigt sie doch, welchen hohen Werth 
Arnim auf das Aktenstück selbst gelegt hat. 

3^) Chemnitz 11, 135. 

35) Gaedeke, S. 71. Hildebrand, S. 46, 



16Ö Kleinere Mittheilnngen. 

Für die weiteren Verhandlungen Wallenstelns im 
Juli — August — September 1638 ist ein 1/isIier ungedrucktes, 
dem Königl. Sächsischen llauptstaatsarchiv zu Dresden 
angehöriges Schreiben Trzkas an Kinsky erwilhnenswerth. 
Ein Pass des Herzogs von Fricdland für Kinsky war 
demselben beigefügt •'''). Zur Erklärung des Schreibens 
sei folgendes bemerkt. 

Als die Verhandlungen sich zur nicht geringen Ent- 
rüstung der Evangelischen Anfang Juli zerschlugen, machte 
Wallenstein bekanntlich sofort den vergeblichen Versuch 
Schweidnitz zu überrumpeln. 

Unmittelbar darauf hat er zu erkennen gegeben, dass 
er die Verhandlungen wieder aufzunehmen wünsche. Man 
bemerkt ein gewisses Missbeliagen in des Herzogs Briefen, 
dass er unter ziemlich nichtigem Vorwande die im Früh- 
jahre so sorgsam und geheim eingeleiteten Verhandlungen 
jäh abgebrochen hatte. Am 21. Juli versicherte er Arnim, 
sich entschuldigend, dass „belangendt waß der Herr in 
seinem schreiben meidung thut, als wenn wir uns bei den 
jüngsten tractaten altcrirt, kau sich der Herr versichert 
halten, das uns einige alteration nicht beygefallen, allein 
weiln sich keineswegs mit der armada aus Schlesien zu 
ziehen und wier der Ohrten nicht zu leben gehabt, hatt 
es anders als beschehen nicht sein können. Betreffendt 
die vorgehabte Unterredung mit dem Herrn Obristen 
Borgstorf, were uns sehr lieb gewesen, das dieselbe da- 
malß ihren vortgang erreichet, zumaln wier uns keine 
andern gedanken darum machen, den daß darbey nichts, 
alß waß zu facilitir: und beförderung des hochersprüßlichen 
friedens werks gereichet, würde seien vorgebracht worden ; 
undt wen bemelten Herrn Boi-fjstorfF nachmalß sich solcher 
wegen zu uns zu erheben belieben solte, wollen wir Ihm 
auf weitteres uns solcher wegen zukommendes auertiment 
alßbaldt sicheren Paß zuzuschicken nicht unterlaßen. Wie 
den in allem, waß nur zu vortsetzung deßelben immer 
gedeyen mag, Avir es an unser treweyfrigen Cooperation 
im wenigsten nicht ermangeln lassen werden""'). Als 
Burgsdorf nicht kam, wurde Wallenstein unruhig; er 
wünschte jetzt durch Kinsky die verfahrene Sache wieder 
ins Geleise zu bringen. War er doch durch Schlicks 
Mission und Erscheinen im schlesischen Hauptquartiere 



=*'■') Erwähnt bei Heibig, Wallenstein und Arnim, S. 28. 
=>■) Wallenstein an Arnim, 21. Juli Ifi.s.'J. Halhvich I, 456. 



Kleinere Mittheilungen. 161 

soeben von neuem auf das Ausserste erregt und verstimmt 
worden. Am 16. (26.) Juli schrieb Trzka folgenden über- 
aus dringend gehaltenen Brief an Kinsky, der auf eine 
frühere Aufforderung Wallensteins vom 26. Juni (6. Juli) 
nicht erschienen war, da ihm der Kurfürst von Sachsen 
keinen Urlaub ertheilt hatte. 

iir&f Ad. Erdm. Trzlia au den Grafen Wilhelm Kinsky, Juli 1G33. 

(Uliersetzung aus dem Czechischen.) 

A Mons. Conte Kynsky. 

Hochwohlgeborener Herr Graff hochgeehrter Herr Schwager. 
Der P'ürst lest demselben Seine Dienste vermelden und hetten gerne 
gesehen, daß auf Hertzog Frantz Albrechten von Sachßen Schreiben 
der Herr Schwager zu ihm kommen wehre. "Weil es aber vielleicht 
auß wichtigen Ursachen damalen nicht geschehen ist, So bitten die- 
selben, Er wolle doch nicht Unterlaßen zu Ihm zu kommen, den 
Er sich mit Ihm in allen wirdt unterreden und wirdt man alsdan 
zu guten tractaten einen anfang machen können. In fall der Herr 
Schwager nicht kombt, ist alles zweiflfelhafftig, daß was angefangen, 
viel weniger ein guter Schluß zu erhoffen, den der Fürst viel ge- 
nütiges mit Ihm sich zu unterreden das Er keinen anderen zuver- 
trauen und daran der gantzen Christenheit gelegen. Er verlest sich 
gantz auf des Herrn Schwagers Ankunfft, darumb Er auch gegen- 
wertigen Paß schicken thut. Ich bitte für meine Person den Herrn 
Schwager umb Gotteswillen, wans immer möglichen sein kan. So 
wolle Er die reiße nicht aufschieben. Sondern alle dienliche mittel 
mit aller ersten die vortzusetzen hierzu gebrauchen, den durch Ihn 
ein gross und nützliches werck verrichtet werden kan, Es sein auch 
keine andern mittel, der Fürst wil sich keinen liebern und andern 
vertrauen auch zu keinen tractaten schreiten als durch Ihn. Der 
Herr Schwager kan ohne einige suspicion dieße reiße wohl richten, 
Vorgebendt das er zu unsern alten Herrn Vattern der sehr schwer- 
lich krank und darnieder lieget den zu besuchen verreißet, dahin ich 
Ihm alsdan entkegen kommen wil. 

Datum Weißeroda Anno 1633. Adam Tertzka. 

Inzwischen war Arnim der Sache näher getreten. 
Am 18. (28.) Juli antwortet er dem Herzog noch ziemlich 
kühl, er werde Burgsdorf schicken, sobald dieser — was 
in 3 Tagen zu erwarten sei — zurückgekehrt sein werde'^*). 

Wallen stein übersendet sofort am 29. einen Pass für 
Burgsdorf ■'^). 

Am 30. Juli verspricht Arnim nochmals Burgsdorfs 
demnächstiges Eintreffen. Wallenstein sagt am selbigen 
Tage zu, jemand entgegenzuschicken, wenn er rechtzeitig 
avisiert werde ^*'). 



38) Arnim an Wallenstein, 18. (28.) Juli 1633. Hallwich I, 476. 
3») Wallenstein an Arnim, 29. Juli 1633. Hallwich I, 477. 
■"') Waüenstein an Arnim, 30. Juli 1633. Hallwich I, 479. 

Neues Archiv f. S. G. u. A. VII. 1. 2. 11 



162 Kleinere Mittheilimgen. 

Als eine Verzögerunfi; eintritt, schreibt Trzka in des 
Herzogs Auftrage an Herzog Franz Albrecht von Sachsen- 
Lauenburg, dass Wallenstein nunmehr mit Arnim per- 
sönlich zusammenzukommen wünsche. Arnim erwidert, 
er wolle sich gerne dazu bequemen, sei aber „von einem 
hitzigen Fieber belahden", doch sei er bereit eine andere 
Person, der der Herzog das Werk anvertrauen wolle, 
abzuordnend^). 

Wallenstein antwortet an demselben Tage, dass er 
„gleich morgen avich einzunehmen entschlossen'* sei, Arnim 
aber übermorgen empfangen, bei „continuirender leibsun- 
paßlichkeit aber den Grafen Trzka, der innerhalb zwcyer 
tagen wieder ankommen werde, zu ilim abzufertigen nicht 
unterlassen werde" ^""). 

Am 12. August meldet Arnim endlich, dass Burgs- 
dorf zurück aber gleichfalls erkrankt sei und bittet tun 
Trzkas Erscheinen; sobald er hergestellt sei, werde er 
dem Herzoge persönlich aufwarten^"'). 

Am 6. (16.) August hndet alsdann die erste bedeut- 
same Zusanunenkunft Arnims mit Wallenstein statt, welche 
einen abermaligen Waffenstillstand sowie jene von mir 
ausführlich dargestellten Verhandlungen und Arnims Reisen 
zu den beiden Kurfürsten und zum schwedischen Keichs- 
kanzler nach Gelnhausen zur Folge hatte. 

Ihre richtige Beleuchtung erhalten indessen die schle- 
sischen Verhandlungen erst, wenn man die spanischen 
Depeschen und Schlicks Mission genau dabei verfolgt. 

9. Irrtliünier in den Mandaten vom 7. Anglist 1734 
und vom IG. September 1740. 

Von Theodor Distel. 

In dem Generale vom IG. September 1746 (Fortsetzung 
des Cod. Aug. I. Abth. Sp. 361) ist Avegen der Erforder- 
nisse der Giltigkeit der Legate für milde Stiftungen die 
sinnlose Stelle zu finden : es genüge, Avenn eine Disposition 
in dem Nachlasse eines Gestorbenen unversiegelt ge- 
funden Averde. Nachforschungen haben ergeben, dass au 
Stelle des hier gesperrt gedruckten Wortes das Wort 
„unversehrt" zu stehen hat. Ebenda Sp. 619 hat es, wie 



•*!) Arnim an Wallenstein, .Sl. Juli (10. August) 16.3.3. Ilallwicli 1,50.5. 
'2) Wallenstein an Arnim, 10. August 1633. liallwich I, 506. 
■'■') Arnim an Wallenstein, 2. (12.) August 1633. Hallwich 1, 524, 



Kleinere Mittheilungen. 163 

aus einem f^leichzeitlgen Originaldruek des Mandates vom 
7. August 1734 erhellt, Absatz 3 in der drittletzten Zeile 
für „des gemeinen Fusses" zu heissen des „gemeinen 
Rh ein ländischen Fusses". 

10. Tanz um einen Ochsen. 

Von Theodor Distel. 

Im König! . Sachs. Hauptstaatsarchiv (Abth. XIV, 
Nr. 58, Bl. 29) befindet sich folgende beachtenswerthe 
Stelle aus dem Jahre 1431: 

. . . Vortmeer haben wir . . . scheydelewtte getej'dingt, das 
die . . . lewtt in dem dorff Kossenbode [Kospuden]") denn ochssenn, 
do man pfleget jherlich umbzcutanzcen, zcu Crossen^'') in allermaß 
haldtenn sollenn, noch anweysuiig eyns voyts zcu Crossenn, den 
ochssen in zcunehmen, und zcu dem tantz zcugheen, also das vonn 
aldter gewonheit vonn andern lewtten in der pflege zcu Crossenn 
gethan haben, und noch thuenn. . . . 



") Rittergut in der Kreishauptraannschal't Leipzig. 
^■') Vorwerk ebenda. 



11 



Literatur. 



Barock und Ilococo. Studien zur Baii,c:eschichtc des 18. Jahr- 
hunderts mit besonderem Bezug auf Dresden. Von Dr. Paul 
Schuuiaiui. Mit ll Abb. Leipzig, E. .\. Seemann. 1885. inS SS. 8". 
(A. a. d. T.: Beiträge zur Kunstgeschichte. Neue Folge. I). 

Ks ist ein sehr erfreuliches Zeichen für die wissenschaftliche 
Fortbildung der Kunstgeschichte, dass man sich jetzt auch mit der 
Erforschung der Kunstperioden beschäftigt, die man früher als jeder 
Untersuchung für umverth ansah. In den älteren Geschichten der 
Baul<unst wird gewöhnlicli die mittelalterliche Architektur, die Periode 
der italienischen P'rüh- und Hochrenaissance ausführlich geschildert, 
dann aber folgen einige wenige Bemerkungen über die deutsche 
Benaissancc, noch dürftigere JS'^otizen über die Barock- und Rococo- 
kunst, und die Darstellung wird erst dann wieder lehrreich, sobald 
das Zeitalter Schinkels und seiner Genossen erreicht ist. Seit 
mehreren Jahren beginnt man nun diese bedauerliche Lücke unseres 
Wissens auszufüllen: die Denkmäler der deutschen und französischen 
Renaissance werden wissenschaftlich erforscht, die Monumente des 
Barock- und Rococostiles wieder gewürdigt. Einen sehr dankens- 
werthcn Ijeitrag zu diesen Studien liefert die Arbeit, die ich hier 
anzuzeigen habe. Es ist keine sehr anziehende Periode der Kunst- 
geschichte, die der Verfasser uns da vorführt: die grossartigsten 
Dresdener Bauwerke der Meister de Bodt, Longuelune, Pöppelmann 
werden nur kurz erwähnt und besprochen, allein der Baumeister 
Krubsacius und sein Kampf gegen die Rococokunst wird eingehend 
geschildert. Interessant ist es diese Bestrebungen zu verfolgen, da 
sie mit die Grundlage bilden, auf der der neue Aufschwung der 
Baukunst unter Schinkel basiert ist. Bemcrkenswerth erscheint auch 
die Art und Weise, wie Krubsacius den jungen Goethe wegen seiner 
Bewunderung des Strassburger Münsters zur Rede stellt und aus- 
schilt. 

Das 'l'hema, das der Verfasser gewählt, ist, wie schon l)emerkt, 
nicht übermässig ergiebig: der Meister Krubsacius ist ein pliantasie- 
loser, pedantischer Künstler, dessen Leistungen scll)st dem Verfasser 
kaum Bewunderung abgewinnen können. Um so verdienstlicher 
ersclieint die einem sclieinbar so undankbaren StoÖe gewidmete 
Arbeit, die von den tüchtigen und gründlichen Studien wie von der 
vortrefflichen Scliulung des Verfassers Zeugnis ablegt. Wir können 
nur wünschen, dass unter den jüngeren Kunstlüstorikern sich eine 
grössere Zahl der Erforschung unserer noch immer so arg vernach- 
lässigten heimathlichen Kunstgeschichte widmen mögen. 

Prag. Alwin Schultz. 



Literatur. 165 

Ans Leipzigs Vergangenheit. Gesammelte Aufsätze von Gustav 
Wustmann. Leipzig, Fr. Wilh. Grunow. 1885. VI, 472 SS. 8«. 

Als No. 3 der Schriften des Vereins für die Geschichte Leip- 
zigs veröfHentlicht der Archivdirektor G. Wustmann in Leipzig fol- 
gende fünfzehn Aufsätze: Aus der Baugeschichte Leipzigs, Luther 
in Leipzig, Cranachs Sterbender im Leipziger Museum, Hans Krell 
der Fürstenmaler, die Leipziger Goldschmiede Hans Reinhart der 
Ältere und der Jüngere, Kunst und Künstler Leipzigs in der Barock- 
zeit, verbotene Bücher, Dodsley und Compagnie, das Stammbuch 
eines Leipziger Studenten, Goethiana, die Leipziger Stadtmnsikanten, 
vom Thomaskantorat, der Bürgermeister Müller, das Rosentbal, 
endlich Lauchstädt, ein Modebad der Tieipziger im 18. Jahrhundert. 
Eline stattliche Reihe allerliebster Beiträge zur Geschichte Leipzigs 
während der letzten vier Jahrhunderte, die sämtlich in populärem 
Tone gehalten und dabei doch fleissig und inhaltlich gediegen sind. 
Auf dieselben im Einzelnen hier einzugehen würde natürlich zu weit 
führen, zumal die meisten schon seit längerer oder kürzerer Zeit 
bekannt waren. Folgendes habe ich jedoch besonders im Hinblick 
darauf, dfvss der Verfasser in der Vorrede sagt, er habe es an Nach- 
trägen und Verbesserungen bei der abermaligen Veröftentlirhung 
seiner Arbeiten nicht fehlen lassen, anzumerken: 

S. 12 lies: Städtebuch von Braun und Hogenberg. 

S. 26 hat es für Strehlen „Strehla" zu heissen. 

S. 60 ist als Gegner Luthers der Dominikaner M. Petrus 
Sylvius aus Forst(a) genannt, während Peter Eisenberg damit ge- 
meint sein dürfte (vergl. v. Weber's Archiv N. F. IV, 187). 

S. 120 tigd. Hier wären die Nachrichten in dieser Zeitschrift 
V, .H37, insbesondere die früheste Thätigkeit Krells in seiner Ge- 
burtsstadt Freiberg zu berücksichtigen, sowie die neuerdings in 
Dresden aufgefundenen drei Portraits Krells (vergl. Wustmann S. 124)') 
zu erwähnen gewesen (Zeitschrift für Museologie 1882, No. 12). 
Dass Wustmann Krell, bezw. sogar Tizian nicht mehr das Portrait 
des Kurfürsten Moritz in der Aula der Fürstenschule zu Meissen 
zuzusihreiben versucht, kann nur irebilligt werden. 

S. .S12 hätten noch weitere ältere Nachrichten aus dem Leip- 
ziger Rathsbuch über die Stadtpfeifer mitgetheilt werden können, 
so z. B. die I, 267 b zu lesende Notiz vom Jahre 1489. 

Zu S. 427 flg. sei darauf hiugewien, dass Burkhardt zur Ge- 
schichte der Theaterleitung Goethes einen Artikel in den Grenzboten 
(H. 1 V. 1884 S. 68 tlg.) verötl'entlicht hat, welcher auch Neues über 
das Lauchstädter Theater enthält. 

Leider befinden sich in dem Wustmann'schen Buche viele 
Druckfehler. 

Dresden. Theodor Distel. 

Der polnische Resident Berend Lehmann, der Stammvater der 
israelitischen Reliirionsgemeinde zu Dresden. Von seinem Ur-Ur- 
Urenkel Emil Lehmann. Dresden und Leipzig, E. Pierson. 1885. 
75 SS. b'\ 

Die Geschichte der Juden in Dresden, die neuerdings 0. Richter 
(Verfassungsgeschichte der Stadt Dresden S. 226 flg.) in kurzen Um- 
rissen dargestellt hat, erfährt durch das uns vorliegende, auf üeissigen 

') Krell wurde damals von Moritz nicht nach Dresden, sondern 
nach Freiberg geschickt. 



166 Literatur. 

archivalisclien Stiuliun berulieiuk Scliriftchen eine dankenswertho 
Bereicherung. Der Mann, mit dem sieh dasselbe befasst, ist bisher 
trotz der eintiussreiehen und verdienstliehen Thätigkeit, die er ent- 
faltet hat, kaum beachtet worden; selbst israelitische Geschiehts- 
werke, wie die Geschichte der Juden von Grätz, gedenken seiner 
nur in wenigen Zeilen. IJerend Lehmann, geb. IfiGl zu Halberstadt, 
war einer der bedeutendsten Banquiers seiner Zeit. Durch grosse 
Vorschüsse, aber auch durch geschickte diplomatische Verhandlungen 
bei verschiedenen Gelegenheiten hatte er sich in hohem Grade die 
Gunst Friedrich August's I. erworben; derselbe hat ihn sogar zu 
seinem Residenten im idedersäclisischen Kreise ernannt, eine Stell- 
ung, über deren Bedeutung der Verfasser sich wohl etwas eingehen- 
der hätte verbreiten sollen. Lehmann wandte seine reich(;n Mittel 
und den grossen Eintiuss, den er hier wie an andern Höfen — 
namentlich in Berlin — besass, dazu an, um seinen damals noch 
sehr bedrängten Glaubensgenossen materielle und moralische Unter- 
stützung in überaus freigebiger Weise zu gewähren. So Hess er 
z. B. im Jahre lß9G eine Talnnulausgabe herstellen, die ihn !^<) 000 'I'ha- 
1er gekostet haben soll, stiftete er ferner das noch jetzt bestehende 
Lehrinstitut für Talmudstudien (die Clauss) in Iliilberstadt. Vor 
allem aber hat er eine ganze Reihe jüdischer Gemeinden begründet, 
darunter auch die in Dresden, über die sich der Verfasser ein- 
gehender verbreitet. Seit fast 200 Jahren waren Juden in Dresden 
nicht geduldet worden; der Stadtrath, die Kaufmannschaft, die In- 
nungen, die Stände, das Oberkonsistorium, ja selbst der Geheime 
Rath thaten auch jetzt alles, was sie konnten, um die Niederlassung 
von Juden zu hindern: und trotzdem gelang es der zähen Energie 
Lehmanns, sein Ziel zu erreichen; er erhielt 1708 einen Schutzbrief, 
wonach ihm und seinen Angehörigen — ein Begriff, der überaus 
weit gefasst wurde — der Aufenthalt in Dresden erlaubt wurde; 
1711 wurde der Gottesdienst gestattet, 171.5 die Genehmigung zur 
Anlegung eines Kirchhofs ertheilt. 1717 kaufte Lehmann das ,,Post- 
haus" auf der Pirnaischen Gasse (Landhausstrasse 7), richtete es 
mit wahrhaft fürstlicher Pracht ein und legte dort das erste bedeu- 
tende Wechselgeschäft Dresdens an; sein Sohn iührte dasselbe, 
gerieth aber bald nach des Vaters Tode (17.^0) in Konkurs. 
Dresden. Ermisch. 

Beiträge zur sächsischen Kircheiigeschichfe, herausgegeben im 
Auftrage der „Gesellschaft für sächsische Kircheiigeschichte" von 
Franz Dibelius und Gotlhard Lecliler. Zweites und drittes Heft. 
Leipzig, Johann Aml)rosius Barth. 1883 und 1885. 356 und 
150 SS. 8". 

Dem am Schlüsse der Besprechung des ersten Heftes (N. A. f. 
S. G. n. A. IV, 1883, S. 267) ausgesprochenen Wunsche, dass die 
weiteren Beiträge der Gesellschaft für sächsische Kirchengeschichte 
aleich viel belehrendes und anregendes bringen möchten, kommen 
die vorliegenden zwei Hefte nach, die sich durch Mannigfaltigkeit 
des Stoffes, wie eine auch für weitere Kreise bestimmte Darstellung 
auszeichnen. Letzteres tritt gleich in der Einleitung des zweiten 
Heftes (S. 1—32) hervor, in welcher Kahnis „die geschichtlichen 
Wendepunkte der evangelisch-lutherischen Landeskirche des König- 
reichs Sachsen" in der dem Verfasser eigenen klaren und pointierten 
Weise von der Reformationszeit bis in die neueste Zeit hinein, zum 
Tlieil auf Grund seiner reichen Lebenserfahrung behandelt. S. 4 



Literatur. 167 

zitiert er ein hartes Wort Luthers üher die Wenden: „von allen die 
ärgste ist fast die Nation der Wenden, da uns Gott einp:eworfen 

lifit Wenn ein böser Volk denn die Wenden, so müsste das 

Evangelium dort aufgegangen sein". Vergleicht man damit Luthers 
sorgsame Rücksichtnahme auf dieses Völkchen, wie sie sich in der 
wendischen Lutherbioo;rapliie von Jury Jakub, Pr. Marczin Luther. 
Jeho ziwenje a jeho skutki. WBudyschinje, 2. Aufl. (1883), S. 130, 
ausgesprochen findet, so erscheint es als eine ansprechende Aufgabe 
fiir einen wendischen Theologen, das Verhältnis Luthers zu den 
AVenden eingehender zu untersuchen. 

Durch das Lutherjuhilänm veranlasst bilden Arbeiten über den 
der Reformator und sein Werk den Hauptgegenstand der vorliegenden 
Hefte. Hierher gehört in erster Linie die Studie von F. Dibelius, 
„Luther in Dresden" (Heft U, S. .315— .354), welche insofern von be- 
sonderem Werthe ist, als Verfasser in derselben ein noch wenig be- 
rücksichtigtes Gebiet, das kirchliche Leben in Dresden am Ende des 
15. und Anfang des 10. Jahrhunderts, mit frischen Farben schildert. 
Auf Grund des gedruckten Materials, wie der dem Raths- und 
Hauptstaatsarchiv entlehnten Nachrichten wird ein anschauliches 
Bild der Kirchen und Gottesdienste, der Klöster und der Geistlichkeit, 
des religiösen und sittlichen Volkslebens in kräftigen Strichen ent- 
worfen. " Verfasser tritt für eine dreifache Anwesenheit Luthers in 
Dresden, im Zusammenhange mit seiner inneren Entwickelung ein: 
1.^16, 1Ö17, 1518. Letztere Frage erörtert noch einmal Seifert 
(Heft HL S. 145— 1.50): „Hat Luther 1517 oder 1518 in Dresden ge- 
predigt?" Nachdem bereits Kolde, Martin Luther, L 382, Anm. zu 
S. 200 Luthers Predigt in presden (wie statt des dort stehenden 
Leipzig zu lesen ist) in Übereinstimmung mit Köstliu auf den 
25. Juli 1518 verlegt hatte, kommt Seifert zu dem Schlüsse, dass 
„Tjuthers bisher angenommener zweiter und dritter Aufenthalt in 
Dresden zusammenfallen". 

Daneben ist Leipzig mehrfacli bedacht. Im II. Heft S. 45 — 53 be- 
spricht Seifert die Frage: „Wo hat Luthm- am Pfingstsonntage 1539 
in Leipzig gepredigt?" Er giebt hier die Übersetzung des von Kolde 
in den Analecta Lutherana S. 339 flg. abgedruckten Schreibens von 
Dr. Justus Jonas an Georg von Anhalt, wonach die Frage nun end- 
giltig zu Gunsten der Thomaskirche entschieden wird. Durch einen 
werthvollen Fund Wustmanns wird dieses Resultat bestätigt. Lechler 
eröffnet das III. Heft (S. 1—24) mit einer sachlich und methodisch 
fesselnden Arbeit: „Die Vorgeschichte der Reformation in Leipzig", 
welche als abschliessend bezeichnet werden darf. Indem Verfasser 
die evangelische Bewegung in Leipzig unter Herzog Georg unter 
sorgfältiger Beachtung des Details und mit feiner Empfindung für 
das stille Wirken verfolgt, theilt er dieselbe in 4 Perioden ein: 
1519 — 1522, in welcher vereinzelte Sympathien auftauchen, 1522 — 1524 
die Zeit des Handelns, 1524—15.32 die Zeit stiller Ausdauer bei 
evangelischer Gesinnung, von da an folgten die schwersten Bedräng- 
nisse. Verfasser konnte bei der Darstellung eine Anzahl werthvoller 
Dokumente benutzen, namentlich den köstlichen Bericht Fröscheis. 

Zur Lutherforschung bringt noch einen weithvollen Beitrag 
Georg Buchwalds Veröffentlichung einer Deutrouominmvorlesung 
Luthers vom Jahre 1523 (Heft IIT, S. 111—144), welche aus den 
Schätzen der Zwickauer Rathsschulhibliothek stammt. Hierher ge- 
hört auch der den gewöhnlichen Umfang weit übersteigende Artikel 
Georgs von Hirschfeld (Heft II, S." 80-31 5), welcher „die Be- 



168 Literatur. 

zieluiiifreu Liitliers und seiner Gomablin, Katharina von Bora, zur 
Familie von Ilirschfeld" darstellt, mit einer genealofrisciien Einleitung 
über die Familie von HirscldVld und manclierlid interessanten Epi- 
soden, z. B. der Wallfahrt Bernhards von llirsclifeld zum heiligen 
Grabe (S. 2S0— 309). Zur Kelbrmationsgeschichte der Lausitz bringt 
mancherlei Knothe, „Die Erzi)riester in der Überlausitz", an- 
sprechend durch die Knappheit der Darstelluvig (Heft 11, S. 33 — 44). 

Aus dem 16. zum 17. Jahrhundert leiti^t über Königsdörffer, 
«Memorabilia der Kirchfahrt Langhennersdorf bei Freiberg-* (Heft II, 
S. 54 — 85). Diese Veröft'eutlichnng zeigt, wie viel Material noch in 
den Pfarrarchiven schlummert und welch werthvoUe Beiträge das- 
selbe zur üeschichte des kirchlichen Lebens bietet. S. 56 ist eine 
interessante Persönlichkeit erwähnt, Mag. Balthasar Kademann, der 
später Hofpredicrer in Dresden war und 1607 als Superintemlent in 
Pirna starb. Wenn derselbe in der Visitation als ein „gelehrter, 
geschickter, der lateinischen, griechischen und ebreischen Sprache 
wohl erfahrener Mann" geschildert wird, so findet das seine Be- 
stätigung durch ein Exemplar von Georg Fabricius rerum Misn. 
libr. VIT der königl. öfl'entl. Bibliothek zu Dresden, in welches 
Kademann eine Reihe klassischer S^nüche eingeschrieben hat. Vergl. 
liber ihn Heckel, Chronik von Bischofswerda S. 100; J. Chr. Stern, 
Lebensbesclireibungen derer Herren Pastorum von Bischofs- 
werda S. 57; Frenckel, Diptycha Ossitiensia S. 151 tig. Ist dies 
übrigens derselbe, den Schubart (Gesch. d. Gymn. zu Budissin I, 8) 
als Rektor erwähnt? In dieselbe Zeit führt Förster, „Sächsische 
Verordnungen früherer Zeit gegen den Kleider-Luxus, aus urkund- 
lichem Material des 17. und 18. Jahrhunderts zusammengestellt", 
indem er zeigt, wie der llath von Halle vergeblich cregun das Ein- 
drängen ausländischer und besonders französischer Trachten eifert. 
Es ist ein beachtenswerthes Seitenstück zu den an dieser Stelle 
(Bd. V, S. 260) besprochenen Arbeiten von Bartsch (Annaberger 
Programme). 

Das 18. Jahrhundert vertritt Mensel mit einer Studie über 
„die Einwanderung böhmischer Brüder in Grosshennersdorf bei 
Herrnhut in Sachsen" (Heft III, S. 39—93). Auf Grund von nnge- 
druckten Briefen und Tagebüchern, die sich theiis im Original, theils 
in Kopien im Grosshennersdorfer Pfarrarchiv tindcni, bietet er dem 
Leser eine ])ackende Schilderung der Drangsale der wegen ihres 
Glaubens Vertriebenen. S. 63 weicht Verfasser in der Beurtlieilung 
des Charakters von Liberda wie der Behandlung desselben durch 
die Regierung von der Darstellung ab, welche IJark in dieser .Z'eit- 
schrift (Bd. III, S. <>) auf Grund von Dokumenten des llauptstaats- 
archivs in Dresden giebt. Hark erzählt: „Nach Heidenreichs und 
Essenius' Bericht an die Geheimen Räthe vom 28. März 1733 hatte 
die vorläufige Untersuchung ergeben, dass Liberdas Vergehen mehr 
auf Einfalt als bösen Absichten beruhten. Gleichwohl schlug das 
geh(;ime Konsilium dem König am 4. ,'\pril vor, weder die Unter- 
suchung fortzusetzen, weil sie zu viel Kosten verursache, noch auch 
den Verhafteten freizulassen; er könne sonst leicht die Oberlausitzer 
Böhmen in neue Unruhe bringen und sie wieder zum Abzug bewegen. 
Bäthlicher erscheine ihnen, ohne die Sache auf ferneres Erkenntnis 
auszustellen, Liberda sofort auf einige Zeit und bis zu weiterer Ver- 
ordnung in das Zucht- und Armenhaus nacli Waldheim bringen und 
allda mit Armenkost zu versorgen, auch zuüleich zu convenabler 
Arbeit anhalten zu lassen. Dieser Vorschlag fand Beifall ur.d wurde 



Literatur. 169 

aiisjreführt". Auch scheint nach Hark das hcärtere Cefängnis (Mensel 
S. 6») nicht so schlimm gewesen zu sein, denn im Herbst besuchte 
ein Herrnhuter Bekannter Liberda und fand ihn „sehr aufgeräumt" 
(Hark a. a. 0.). 

Schliesslich ist die Geschichte unseres Jahrhunderts vertreten 
durch die pietätvolle Monographie Woldemar Schmidts: „Zum 
Gedächtnis Dr. Georg Benedikt Winers". Als Frucht eingehender 
Studien bietet, der Verfasser werthvolle Beiträge aus der Jugend, 
der schriftstellerischen und akademischen Thätigkeit des Mannes, 
,.der einen ganz besonderen Zug zu ihrer Vergangenheit hatte, ein 
Repräsentant der oltsächsischen Schulbildung war und vielleicht der 
oeiientendste Vertreter der grammatisch-historischen Auslegung seiner 
Zeit". Verfasser, sonst mit der neutestamentlichen Exegese und 
praktischen Theologie beschäftigt, hat sich hier zum eisten Male 
der sächsischen Gelehrtengeschichte zugewendet. Möchten wir ihm 
noch oft auf diesem Gebiete begegnen ! Möchte es ferner den 
Herausgebern der Beiträge gelina-en, immer so tüchtige Arbeiten zu 
gewinnen, wie diese Hefte enthalten! 

Dresden. Georg Müller. 

Der Briefwechsel des Mntianus Rufus. Gesammelt und bearbeitet 
von Dr. Carl Krause, Professor am herzoglichen Prancisceum iu 
Zerbst. Kassel, A. Freyschmidt (^Komm ). 1885. 1.3, LXVIH, 
700 SS. 8«. 

Wenn der Briefwechsel des 16. Jahrhunderts die ergiebigste 
Quelle für die Zeitgeschichte darstellt, so gilt dies besonders von 
der Korrespondenz Mutians, der alle literarische Thätigkeit ableh- 
nend von seiner Tranquillitas aus einen lebhaften brieflichen Verkehr 
mit seinen zahlreichen, einflussreichen Freunden unterhält. Liebe 
und Hass, Freude und Bangen, Selbstbewusstsein und Schmeichelei 
treten offen zu tage, die ganze literarische, humanistische und theo- 
logische Bewegung findet eine ausgedehnte Besprechung. Wenn 
uaturgemUss Thüringen die HaUiptroUe spielt, so findet sich doch 
auch zur Geschichte der humanistischen Bewegung in Leipzig viel 
schönes Material, das zu bekannten Nachrichten in Beziehung tritt. 
Sollte die Berufung des Mosellanus durch den „heros quidam Booe- 
mus TcSv ■Ko\Mipi]ii.iT(xi^'' (S. 600) nicht die Folge einer Ablehnung 
durch Crocus sein, welche in einer Bittschrift der Artistenfakultät 
(Cod. dipl. sax. reg. 11, 11, 406 flg.) gewünscht wird und dieses 
Schriftstück dadurch eine sicherere Datierung bekommen? Ausser 
Mosellanus ist Crocus und Aesticampianus mehrfach vertreten. Hat 
sieh demnach der Herausgeber den Dank des Lesers durch den 
dargebotenen Stoö gesichert, so noch besonders durch die Methode 
der Bearbeitung. Gegen t50 Briefe, zum grossen Tlieile zum ersten 
Male, werden auf Grund von Handscliriften in Frankfurt, München, 
Basel und Meiningen geboten; ihre Datierung und Kommentierung 
ist mit grosser Sorgfalt und einer staunenswerthen Literaturkenntnis 
vollzogen. Zu S. 658 Anm. 7 (Bernhard der Hebräer) ist noch zu 
bemerken, dass dies Bernhard Ziegler ist, der am 2.3. Mai 1521 mit 
Mosellanus und anderen eine Beschwerde über die Doktoren der 
Theologie bei dem Rathe zu Leipzig einreiclit; vergl. Cod. dipl. S. r. 11, 
11, 4.38 flg. Am 1. Juni 1542 wird nochmals von Herzog Moritz 
„dye lectionn der hebreyschenn spräche dem wirdigen unserem lieben 
andechticren, hern Bernharden Zigelern. . ." übertragen, da er sich 
„über diser vorordnunge iun der hebreyschen sprachen zcu lesenn 
nicht wegeron könne (a. a. 0. S, 551, vergl. auch S. 572 und 604). 



170 Literatur. 

Drei Register erleiditern den Gebrauch des Buches. Das erste 
bietet eine Vergleicluinff der Nummern des Frankfurter Codex mit 
denen ilor Aussähe, das zweite die alphabetische und chronolosische 
Keilienfolge der Briefe, das dritte das überaus reichhaltige Namen- 
register. Zu S. 690 a Georg, Herzog von Sachsen ist S. 609 hin/n- 
zufügen, wo Z. 10 flg. dieser mit den Worten: „Princens delector 
tenacior est quam fuit" gemeint ist. Die Stelle ist insofern bemer- 
kenswerth, als hier zum ersten Male vou einem der Humanisten ein 
ungünstiges Urtheil über den lange Zeit von ihnen cefeierten und 
erst später denselben untreu gewordenen Fürsten ausgesprochen wird. 

Dresden. Georg Müller. 

Lcbenserinnorungen eines deutschen Malers. SelbsthioLn-nphie 

nebst Tagebuchiiiederscliriften und Briefen von Ludwig: Richter. 

Herausgegeben von Heinrich Richter. Zweite .Auflace. Frank- 
furt a. M , Johannes Alt. I88ß. VH, 472 SS. 8«. 

Seit Rietschels Selbstbiographie ist kein so köstliches Künstler- 
buch erschienen, als diese Erinnerungen des gemüthreichsten aller 
deutschen Künstler dieses Jahrhunderts. Einen schöneren Absihluss 
konnte der Meister, dessen gemüthsinnijje Blatter ihren Weg zu 
Haus und Herzen fanden, soweit die deutsche Zunge klingt, seinen 
(jaben nicht verleihen, als uns diesen Einblick zu verleihen in sein 
Lehen, das reich an äusseren, reicher aber noch an inneren Erleb- 
nissen war. Richter schildert seine Schicksale von der frühesten 
Kindheit an bis zum Jahre 1847 ziemlich ausführlich; der Tod hat 
ihn gehindert, über seine weiteren Erlebnisse und Arbeiten in noch 
einem Kapitel zu berichten und dann in einer Schlussbetrachtung 
die Summe seiner gesamten Lebenserfahrungen zu einer Art künst- 
lerischem und religiösem Glaubensbekenntnis zusammenzufassen. 
Eine Reihe von Auszügen aus seinen Tagebüchern und Briefen 
ersetzen diesen Mangel nur einigermassen. Obgleich somit das Werk 
keinen vollen Ahschluss hat, so macht doch das Vermäclitnis des 
theueren Yerstorbenen einen vollen harmonischen Eindruck: eine 
gefestigte Lebensanschauung, auf innigste und überzeugunj.'Streue 
Frömmigkeit aufgebaut, durchzieht alles, was Richter schreibt. Sein 
kluges Auge, seine sichere Hand offenbaren sich in allen den Schil- 
derungen von Ereignissen und Persönlichkeiten, an denen das Buch 
so reich ist. Bei aller Milde des Urtheils weiss der Meister zu 
rechter Zeit treffende satirische Bemerkunsren einzullechten, die 
um so weniger verletzen können, als Richter gegen sich selbst 
von gleicher Wahrheit und über die Grenzen seines Könnens na- 
mentlich als Lehrer völlig klar war. Wie oft hat er den Schülern, 
die alles gelernt hatten, was bei ihm zu lernen war, gesagt, dass 
sie nun zu weiterem Studium nach München oder Düsseldorf gehen 
möchten, um den Forderungen der Neuzeit gerecht werden zu können! 
Kunstgeschichtlich werthvoll ist Richters Buch besonders wegen der 
Schilderung jener denkwürdigen Zeit im Anfange dieses Jahrhunderts-, 
wo die deutsche Kunst sich in Rom aus ihrer Erstarrung zu neuem 
Leben emporraffte, wo ein Overbeck, Veit, Schnorr, Koch u. a. 
kämpften, um den Staub akademischer Antikensäle von sich zu 
schütteln luid den nutzlosen Kram alter verblasster Kunstregeln 
aus sich heraus durch etwas Neues, Lebensvolles zu ersetzen. P'ür 
Richter selbst war ja seine italienische Reise, der mehr als ein 
Drittel seiner Aufzeichnungen gewiduiet sind, ein Bad der Wieder- 
geburt. Denn in Dresden war in der Zeit, in welche seine Jugend- 



Literatur'. 171 

und Lehrzeit fiel, weniger als nichts zu lernen. Die Schilderung, 
welche er von diesem Kunstelende und ihren Trägern, vor allem 
dem alten Manieristen Zingg entwirft, ist geeignet, uns die innigste 
Theilnahme mit dem jungen aufstrebenden Künstler einzutlössen, 
dem der Horizont von allen Seiten zugebaut war. Mit vollem In- 
teresse folgen wir ihm daher in seinem Erdenwallen, in seiner stets 
aufwärts gehenden Entwickelung, bedauern mit ihm gescheiterte 
Hotinungen und freuen uns an den erreichten Zielen. Die Be- 
scheidenheit und Anspruchslosigkeit, mit der er seine künstlerischen 
Erfolge schildert, könnte fast seine grossen Verdienste übersehen 
lassen. Im Grunde verdankt er aber doch alles, was er ist, sich 
selbst. Ohne Zweifel haben ihm die deutschen Romantiker manche 
Anregung gewährt; dass er sich aber von ihren Verirrungen fern 
hielt, dass er uns wieder lehrte, aus dem heimischen Boden künst- 
lerische Kraft zu saugen, das müssen wir allein seiner eigenen 
eesunden Anschauung und seinem künstlerischen Genius zuschreiben. 
Ludwig Richter ist der Mann, der sächsische Eigenart nach ihrer 
liebenswerthen Seite hin voll zum Ausdrucke gebracht hat. Ihn 
dürien wir in einem Athemzuge mit Adolf Menzel und Moritz von 
Schwind nennen. An schlichter Treue und seelenvoller Anmuth 
übertriftt er sie beide, und das ist auch der Ton, der uns aus seiner 
köstlichen Biographie entgegenklingt und sie zu einem wahren 
Haus- und Familienbuche im echten Sinne des Wortes macht. 
Dresden. Paul Schumann. 



Übersicht über neuerdings erschienene Schriften und 
Aufsätze zur sächsisch - thüringischen Geschichte und 

Alterthumskunde. 



Bachmann, Adolf. Briefe und Acten zur österreichischen Geschichte 
im Zeitalter Kaiser Friedrich IH. (A. u. d. T.: Fontes rerum 
Austriacarum. U. Abth. : Diplomataria et Acta. XLIV. Bd.). Wien 
1885. XXXVI, 712 SS. 8». 

Blochmann, C. F. Eud. Karl Justus Blochmann. Ein Bild seines 
Lebens und Wirkens, unter Benutzung der hinterlassenen Schriften 
entworfen und bei der Säkularfeier seines Geburtstages seinen 
Schülern und Freunden dargeboten. Dresden, Tittmann. 1886. 
VII, 63 SS. 8". 

Böhmert, Vikt. Der Pfarrer von Eosswein. Ein Lebensbild. Gotha, 
F. A. Perthes. 1886. XI, 110 SS. 8". 

Bohne, Hcriti. Wold. Das Informationswerk Ernst des Frommen 
von Gotha. [Leipziger] Inaugural - Dissertation. Leipzig 1885. 
64 SS. 8». 

Bornhak. Die Entwicklung der sächsischen Aratsverfassnng im Ver- 
gleich mit der braudenburgischen Kreisverfassung: Preussische 
Jahrbücher Bd. LVI (188'>). S. 126—140. 

Buchioald, G. Noch eine Bemerkung zu dem Streite Luthers mit 
den Wittenberger Stiftsherreu 1.52.3 — 24: Theologische Studien 
und Kritiken. Jahrgang lfc85. S. 555—560. 



1J2 Literatur* 

Uicffenhach, Fcrd. r)ie kiirsäclisisclie Politik in der l'eriotle vom 
westplialischen Frieden bis zum Frieden von Nymwegen: Wisseii- 
schaftliclie Beilage der Leipziger Zeitung. 1885. No. 84, 85. 
S. 4'*7— 500, ÖO.Ö— ."iOT. 

Distel, Thecd. Elf kriminalistisch(! Mitteilnngen r.us dem k. s. 
Ilaiiptstaatsarchiv [1494— 1 «04]: Zeitschrift der Savignystiftnng 
VT (1885). Germ. Abth. S. 184—189. 

— Gutachten der .Turistenfakultät zu Leipzig über einen Bauer, 
Avelcher „ungebeicbtet" das Sakrament empfangen wollte (lä2.S); 
ebenda S. 189 flg. 

— Nachrichten über den Schöffenstuhl zu Geithain (1377 flgil.): 
Zeitschrift der Savignystiftnng VI (1885). German. Abth. S. 190 Hü. 

— Kleine Nachrichten, lietreffond Kikc von Repcowe: ebenda S 192. 

— Zur Bicuraphie der Dichterin Marianne von Ziegler |aus Leipzig]: 
Archiv für Literaturgeschichte Bd. XIV. S. 103—105. 

— Wer war der Lehi-er des [kursächsischen Hof-] Malers Cyriacns 
Köder V Kunstchronik (Beibl. zur Zeitschr. für bildende Kunst). 
Jahrgang XX (1885). Sp. 431. 

— Das Altarbild in der Schlosskapelle zu Moritzburg: ebenda Sp. 099. 

— Nachricht über den kaiserl. Hofmaler Johann von Ach 1552 — 1(515 
[und seine sächs. Schüler]: ebenda Jahrg. XXI (1886). Sp. 137. 

— Zwei bisher unbekannte | sächsische! Plattnernamen 1572: Zeit- 
schrift für Museologie Jahrgang VHI (1885^. No. 65. S. 116. 

— Empfehlung des Malers Heinrich Peters aus Lübeck an den Kur- 
fürsten .August (15.08): ebenda. 

— Jagdbeute der Kurfürsten August und Friedrich August I. (1559, 
15K3. 1728): Waidmann. Jahrgang XYI. No. 37 (Beilage). 

— Jagdbeute des Kurfürsten Johann Georg IL vom 14. Juli bis 25. 
August 1676: ebenda Jahrsang XVII. No. 19. S. 176. 

Ehses, Steph. Landgraf Philipp von Hessen und Otto von Pack. 
Eine Entgegnung. Freiburg i. B., Herder. 1886. IX, 164 SS. 

Erlecke, All). Patriotische Geschichte des Königreichs Sachsen und 
der sächsisch -thüringischen Lande von den ältesten Zeiten bis 
zur (jegeuwart. Nach archivalischen Quellen volksthüuiliih be- 
arbeitet. Mit Illustrationen etc. Heft 1. 2. Chemnitz u. Leipzig, 
Schmeitzner. (1886). S. 1—96. 8". 

Freytcui, E. R. Dr. Johannes Edler von der Planitz: Wissensch. 
Beilage zur Leipziger Zeitung. 1885. No. 91. S. 541—544. 

Gurlitt, C. .Aus den sächsischen Archiven: Goldschmiede des 16. Jahr- 
hunderts. Kunstgewerbcblatt. Jahrgang II (1886) Heft 1. S. 19— 21. 

Jac()hi\ IL Von der erzsebiruischen Eisenindustrie: Wissenschaftl. 
Beilage der Leipziger^Zeitung... 1886. No. 2. S. 9—12. 

Jentsch. Der Name Dresdens: Über Berg und Thal. Jahrgang VIII 
(1885). No. 11. S. .377. 

Kirchhof}', Alhr. Die Entwickelung des Buchhandels in Leipzig bis 
in das 2. Jahrzehnt nach Einführung: der Reformation. Eine ge- 
schichtliche Skizze. Leipzig, Kirclihotl'&Wigand. 188\ 88 S. 8». 

Knothe, Herrn. Die Stellung der Gutsunterthanen in der Oberlausitz 
zu ihren Gutsherrschaften von den ältesten Zeiten bis zur Ab- 
lösung der Zinsen und Dienste: Neues Lausitzer Magazin. Bd. 
XLXI. S. 159— ."08. (Auch separat erschienen.) 

A'och, Aus Leipzigs Vergangenheit: Grenzboten. Jahrg. 1885. No. 48. 
S. 434—438. 

Krause, Carl. Melanchthoniana. Regesten und Briefe über die 
Beziehungen Philipp Melanohthons zu Anlialt und dessen Fürsten. 



Literatur. 173 

Aus dem gedruckten Briefwechsel und den Handschriften zu- 
sammengestellt und in Verbindung mit einigen anderen Stücken 
herausgegeben. (Glückwunsch-Schrift zur Säkularfeier des Des- 
sauer Doppelgymnasiums). Zerbst 1885. X, 185 SS. S^. 

Leinche, Paul. Ein vergessener sächsischer Dichter [David Schirmer]: 
Wissenschaftliche Beilage der Leipziger Zeitung. 1885. No. 103. 
S. 629—631. 

Lobe, E. Die oberste Finanzkontrolle des Königreichs Sachsen in 
ihrer organischen Entwicklung von den ältesten Zeiten bis auf die 
Gegenwart: Finanz-Archiv. Jahrgang II (1885). Bd. 2. S. 1 — 127. 

L., Gr. Eine handschriftliche Langensalzaer Chronik: Jahrbücher 
für die deutsche Armee und Marine. Bd. LYI (1885). S. 82—98, 
215—230. 

Mitzschlie, Faul. Martin Luther, Naumburg a. '3. und die Reforma- 
tion. Festschrift zur Begrüssung der Versammlung vormaliger 
Schüler des Naumburger Domgymnasiums etc. Naumburg a./S., 
J. Domrich. 1885. 3« SS. 8^ 

Mothes, 0. Baugeschichte der St. Marienkirche zu Zwickau. Aus 
„Zwickauer Tasreblatt und Anzeiger". Zwickau, Konegen. 1885 
106 SS. 16^'. 

— Alterthümer in Zwickau und Umgegend: Archiv für kirchliche 
Kunst. X, S. 1. 

[v. Eabenhorst.J Der Antheil der Kurfürstlich Sächsischen Truppen 
an der Erstürmung von Prag. 25, '26. November 1741. Nach den 
Akten des Haupt-Staatsarchivs zu Dresden bearbeitet von einem 
Kgl. Sachs. Generalstabs-Offizier. Mit 3 Skizzen: Kriegsgeschicht- 
liche Einzelschriften, herausgegeben vom Grossen Generalstabe. 
Hei't 7 (1886). S. 1 — 43. 

Bosenberg, Marc. Der neue Katalog des Grünen Gewölbes: Kunst- 
gewerbcblatt. Jahrgang I (1885). S. 183—187. 

Schmidt, Gust. Päbstliche Urkunden und Regesten aus den Jahren 
1295—1352, die Gebiete der heutigen Provinz Sachsen und deren 
Umlande betieöend. (A. a. d. T. : Geschichtsquellen der Provinz 
Sachsen und angrenzender Gebiete. Herausgegeben von der 
Historischen Commission der Provinz Sachsen. 21. Band.) Halle, 
Hendel. 1886. XII, 491 SS. S''. 

[Schmkdel, E.] Die ältesten Nachrichten über den Marktflecken 
Burkhardtsdorf. [1885.] 16 SS. 8«. 

SchuDiann, Paul. Barock und Rococo. Studien zur Baugeschichte 
des 18. Jahrhunderts mit besonderem Bezug auf Dresden. Mit 
11 Abbild. Leipzig, E. A. Seemann. 1885. 133 SS. 8". 

Steche., R- Über ältere Bau- und Kunstwerke in den Amtshaupt- 
mannschaften Höha und Chemnitz: "Wissenschaftliclie Beilage 
der Leipziger Zeitung. 1885. No. 105. S. 645—648. 

— Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler 
des Königreichs Sachsen. Auf Kosten der K. Staatsregierung 
herausgegelien vom K. Sächsischen Alterthumsverein. Sechstes 
Heft: Amtshauptmannschaft Flöha. Dresden, C. C. Meinhold u. 
Söhne. 1886. 88 SS. 8". 

Wustmann, Gr. Leipziger Schlosserarbeiten des achtzehnten Jahr- 
hunderts: Kunstgewerbeblatt. Jahrgang H (1886). Heft 5. S. 91—94. 

Frhr. v. Zedtivitz, Arthur. [Die Wappen der im Königreich Sachsen 
blühenden Adelsfamilien]: Dresdener Residenz-Kalender für 1886, 
S. 157—164. 



174 Literatur. 

Zernin, GebJt. Eriiineriiiigen an Josef Tichatscliok : Wissensdiaftl. 

Beilage der Leipziger Zeitung. ]88ß. No. 11. S. 6l — 6;;. 
Aus dem Leben des weiland kursäclisischen Generals der Infanterie 

V. Liiult: Jahrbücher für die deutsche Armee und Marine. 

Bd. LVII (1885). S. 186—192. 



Mitteilungen des Altertumsvereins zu Plauen i. V. Fünfte Jahres- 
schrift auf das Jahr 1884—85. Herausgegeben von Joh. Müller. 
Plauen 1885. 8'\ 

Inhalt: Joh. Müller, Urkunden und Urkundenauszüge zur 
Geschichte Plauens und des Vogtlandes. C. v. R|aab], Nach- 
richten über Falkenstein i. Y. bis zu Anfang des 17. Jahrhunderts. 
Joh. Müller, Ein Diebsprozess zu Plauen im Jahre 1548. 

Müteilunffen des Geschichte- und Altertumsforschenden Vereins 
zu Eisenberg. 1. Heft. Eisenberg 188(). 8". 

Inhalt: Mag. Adami Gschwendii Lycci Christianei quondam 
Rectoris Memorabilia Eisenbergensia. Nachrichten aus der Zeit 
von Mich. 167(3 bis Ende 1<380 betreffend Herzog Christian zu 
Eisenberg und den Schlossbau daselbst auf üvund von Rechnungen. 

Mitteilungen des Vereins für A}ihuUische Geschichte und Alter- 
tumskunde. Bd. IV, Heft 5. Dessau 1885. 8''. 

Inhalt: Zahn, Die Stadt Aken a. d. Elbe unter dem aska- 
niscbeu Herrscherhause. Suhle, Die Stadt Bernburg im dreissig- 
jährigen Kriege. Sello, Das Halberstädter Schlummerlied. 
Hos aus. Zustände in Dessau und Wörlitz im Oktober und No- 
vember 1806. Stenzel, Der Münzfund von Kleinnuihlmgen. 
Ragotzky, Ein Stammbuchblatt Fr. (Christians I. von Anhalt- 
Bernburg. 

Dasselbe. Bd. IV, Heft 6. Dessau 1885. 8". 

Inhalt: Ho saus, Geistliche Gedichte aus dem ersten Jahr- 
zehnt des 16. Jahrhunderts. Wäschke, Volksgeographie. IIo- 
säus, Gustav Hugo und Philipp Buttmann in Dessau. Zahn, 
Bemerkungen zu dem Aufsatze: Wanderungen zu den Kirchen 
Anhalts im Mittelalter. Sc hoch, Chronologische Darstellung der 
Entstehung des Wörlitzer Gartens. Schulze, Noch einmal der 
Name Mägdesprung. Warum wir bisher „Köthen" geschrieben 
haben. 

Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Alter- 
tumskunde. N. F. Bd. IV (der ganzen Folge Bd. XJI). Heft 3 
und 4. Jena 1885. 8^ 

Inhalt: Karstens, Sächsisch-Hessische Beziehungen in den 
Jahren 1524, 1525 und 1526. Ein er t, Der grosse Brand zu 
Arnstadt (1581). Anemüller, Zur Geschichte des Leutenberc-er 
Dominikanerklosters. Dobenecker, Konig Rudolfs I. Friedens- 
l)olitik in Thüringen. Miszellen (Zwei Brieie der Frau Gross- 
lierzogin Maria Paulowna von Sachsen. Dobenecker, Berich- 
tigungen und Zusätze zu B. Schmidt, Urkundenbuch der Vögte 
von Weida, Gera und Plauen). 



Berichtigung' zu Bd. VI. 

Seite 309 Zeile 14 von unten lies begrebnuß. Seite 314 Zeile 5 lies 
1595; Zeile 9 lies Schneeweiß. Seite 315 Zeile 8 lies deß wichtigen. 



Preisaiisschreibuiiff. 



Der „Verein für (Teschichte der Deutschen in Böhmen" zu 

Prag schreibt einen Preis im betrage von 900 ti. ö. W. d. i. neun- 
hundert (iulden öst. W. aus für die erscböpfende Lösung folgender 
zwei Aufgaben: 1. Es ist der Nachweis zu erbringen, ob der um 
Mitte des XVII. Jahrhunderts zu Neuhof l)ei Fulda als praefectus 
urbis (Amtmann) angestellt gewesene Herr Johann Wilhelm Kekule 
ein Nachkomme der altböhmischen liitterfamilie Kekule von Strado- 
nitz ist, oder nicht. 2. Geschichte der Familie Kekule von Stradonitz 
— Der erste Theil der Preisaufgabe ist der wesentlichste und für 
den Erwerb des ausgesetzten Preises Bedingung. — Die an die Ge- 
schäftsleitung des „Vereines für Geschichte der Deutschen in Böhmen" 
in Prag, Aunaplatz 188-1., einzusendenden Arbeiten dürfen keinen 
Autorenuamen tragen, sondern müssen mit einem Motto versehen 
sein, welches auch ein dem Manuskripte beiliegendes Couvert, dessen 
Inneres die genaue Adresse des Verfassers enthält, auf der Aussen- 
seite zu tragen hat. Der Einsendungstermiu erstreckt sich bis zum 
1. Januar 1887; die Entscheidung über die Preiszuerkennung er- 
folgt bis zum 1. Februar 1887. Als Preisrichter fungieren: a) Der 
Ausschuss des Vereins, b) der Gustos des Archivs und der genea- 
logischen Abtheilung des Vereins, c) Herr Stephan Kekule, Sekond- 
Lieutenant im Feld-Artillerie-Regiment No. 15 zu Strassburg i. E. — 
Die preisgekrönte Arbeit wird in der Zeitschrift „Mittheilungen" 
des „Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen" publiziert. 

Prag, 17. Februar 1886. 

Der Ausschuss des 

„Vereins für («eschichte der Deutsclien 

in Böhmen." 



Unter dem Titel Sang und Klang' im Saclisenland beab- 
sichtigt die Renger'sche Buchhaudlniig (Gel)hiirdt & Wilisdi) in 
Leipzig eine Sammlung spezifisch sächsischer Volkslieder zu 
veranstalten. Die Leitung dieses verdienstvollen Unternehmens ist 
dem Herausgeber des erzgebirgischen Jahrbuches ^Glückauf-', Hugo 
Rösch (Marienberg i. Erzgeb.), übertragen, welchem auch be- 
züglich der illustrativen Ausstattung des Buches tüchtige Kräfte 
zur Seite stehen. Es sollen sowohl alte (historische), wie neuere 
Produkte unserer — an manchen Orten leider im Aussterben he- 
grirtenen — Volkspoesie in Betracht gezogen und dabei vorwie- 
gend der erzgebirgische, lausitzer und vogtländische 
Dialekt berücksiclitigt werden. Es ist selbstverständlich, dass der 
Heraustreber hierbei die Mithilfe und Mitarbeiterschaft des Publi- 
kums in Berechnung zu ziehen hat, soll anders das Werk seine 
Bestimmung erfüllen : eine möglichst vollständige Blüthenlese des 
liesten unseres heimis(;hen Volksgesanges zu geben — unseres 
heimischen, denn Saciisen birgt in seinen Grenzen einige der 
wenigen Oasen, wo die wundersame Blume des deutschen Volks- 
liedes noch wurzelt und blüht. Es ergeht daher an alle 
Freunde ihrer Heimath hierdurch die Aufforderung zur 
Mitarbeiterschaft und man bittet, diesbezügliche Anerbietungen 
etc. an die oben mifgetlieilte Adresse des Herausgebers gelan<ren 
zu lassen. Dieses Ersuclien richtet sich vorwiegend an die Redak- 
teure der Provinzialblätter, an Geistliclie und Lehrer, an Biblio- 
thekare (historische Lieder aus Chroniken!), an Reservisten und 
Landwelnleute (Soldaten- und Regimentslieder!), an Studenten und 
Schüler, an Forstbeamte, wie an alle Leute, die mit dem Volke leben 
und verkehren. Jeder Beitrag, auch der scheinbar unbede.ntendste, 
ist willkommen. Bekanntlich ist das anscheinend Werthlose in 
Wirklichkeit oft von grösster "Wichtigkeit. Die Beigabe von Melo- 
dien, soweit diese vorhanden, wird noch mit ganz besonderem Danke 
begrüsst. 



VIII. 



Ekbert IL, Markgraf von Meissen. 



Von 

Paul Rockrohr. 



Als Ekbert I., Markgraf von Meissen^), am 11. Januar 
1068 gestorben war, liinterliess er zwei unmündige Kinder, 
Gertrud und Ekbert, von denen dieser ihm als Ekbert 11. 
in seinen sämtlichen Besitzungen nachfolgte")> Da Ekbert 
noch in zu jugendlichem Alter stand — er mochte viel- 
leicht sieben Jahre zählen") — , so leitete jedenfalls seine 
Mutter Irmgard im Verein mit den Vertrauten ihres ver- 

^) Yergl. über denselben meine Dissertation: Die letzten 
Brnnonen, ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Reiches unter 
Heinrich IV. (Halle a. d. S. 1885), an welche sich der nachstehende 
Aufsatz unmittelbar anschliesst. 

-) Böttger, Die Brunonen, S. 585 (und mit ihm Posse, Die 
Markgrafen von Meissen und das Haus Wettin bis zu Konrad dem 
Grossen, S. 161), ist der Ansicht, dass Heinrich das Erbe Ekberts 
nach dem Tode des Vaters insofern geschmälert habe, als er den 
Komitat in den Gauen Valothungen, Äringen und Guddingen einem 
Grafen Friedrich und seinem Sohne Konrad übergeben habe. Er 
folgert dies lediglich aus einer Urkunde vom 5. August 1068 (Stumpf, 
Die Reichskanzler, No. 2716; gedr. bei Lüntzel, Die ältere Diöc. 
Hildesheim, S. 366), in der Heinrich den Komitat in diesen Gauen, 
qtum Fridericus ejusque füius Counradus comites ex regali potestate 
in beneficium habuerunt, der Hildesheimer Kirche unterordnet. Abge- 
sehen davon, dass dann die beiden Grafen den Komitat kaum ein 
halbes Jahr iune gehabt hätten, warum können sie nicht neben den 
Brunonen in den genannten Gauen Grafenrechte besessen haben? 
Ein Vergleich der uns bekannten Ortschaften in diesen Gauen ver- 
bietet nicht unsere Annahme, und ein Blick in die Urkunden jener 
Zeit überzeugt uns, dass sich pagus und comäatus fast nie decken, 
sondern dass meist mehrere Grafen zugleich in einem Gaue Avalteten. 

*) Vergl. F. Hultsch, Die Kämpfe um das Meissner Land 
unter König Heinrich IV., S. 8, Anm. 2. (Festprogramm der Kreuz- 
schule zu Dresden. 1878.) Posse a. a. 0. S. 160, Anm. 21. 

Neue« Archiv f. S. (J. u. Ä. VlI. 3. 4. 12 



178 1**^"^ Rockrohr: 

storbenen Gemahls die Regierung-. Irmgard wird sicli 
zu ihrer Schwestertochter Bertha, der Gemahlin König 
Heinrichs IV., begeben haben, in deren Begleitung sie 
im Jahre 1071 im Juni erwähnt wird^). Ja es ist höchst- 
wahrscheinlich, dass Heinrich IV. anfänglich selbst die 
Vormundschaft über seinen jugendlichen Verwandten über- 
nahm', jedenfalls wuchs er unter den Augen des Königs 
auf, dem natürlich viel daran liegen musste, sich in seinem 
nächsten Verwandten eine Stütze zu erziehen'^). Heinrich 
hegte, wie wir aus dem Verlaufe der Geschichte ersehen 
werden, immer eine grosse Zuneigung und fast allzu- 
blindes Vertrauen zu Ekbert, auch dann noch, als er dessen 
Unzuverlässigkeit zu wiederholten Malen bitter hatte er- 
fahren müssen. 

Urkundlich erwähnt finden wir unsern Ekbert als 
marchio in einer Urkunde vom 4. Dezember 1069'') so- 
wie in der schon erwähnten vom 11. Dezember 1071, in 
welcher Heinrich und seine Gemahlin Bertha zum Seelen- 
heile Ekberts I. mehrere Güter stiften. Vielleicht war 
schon damals Ekberts Mutter nicht mehr am Hofe, da 
eine solche Urkunde, wenn man die letzten Pläne Ekberts I. 
erwägt, sie immerhin schmerzlich hätte berühren müssen, 
und namentlich ihre Nichte Bertha schwerlich in ihrer 
Gegenwart als Fürsprecherin fungiert hätte"). Bestimmt 
sehen wir sie bereits 1073 in Italien, wo sie über einen 
Theil ihres Erbgutes verfügt^). 



^) Ann. Saxo 1071 (Mon. Genn. SS. VI, 698): Adfuit eciam 
praeclara regina Berta cum matertera sua Immula seu Irniingarcla 
marchionissa. 

''') Wie nahe Ekbert seinem Vetter stand, beleuchtet die Ur- 
kunde vom 3. April 1086 (Cod. dipl. Sax. reg. I. 1, 345): Ekbertnm 
. .. receptum omnino sicut filium amplexi sumus, und ferner: adop- 
tivus ille noster filius Ekbertus, quasi ex ipso dileccionis nostri 
sinu prosiliens. Eine Vormundschaft von Seiten Dedis von der 
Ostmark ist schon von Böttger (S. 590) zurückgewiesen, wenn auch 
nicht mit ihm daran zu denken ist, class Heinrich seinen jungen 
Verwandten habe adoptieren wollen. 

6) Stumpf, No. 27.S0. 

') Cod. dipl. Sax. reg. I, 1, 334. Vergl. meine oben angeführte 
Dissertation S. 33, Anm. 3. Im Jahre 1074 erscheint Ekbert I. als 
Vogt von Gandersheim. Vergl. Cod. dipl. Sax. reg. I. 1, 337. 

*) Terraneo, La Principessa Adelaide, II, 321. Die letzte 
Urkunde, die wir von Ekberts Mutter kennen, ist vom Dezember 1077 
(das. S. 328); bereits am 29. April 1078 weüte sie nicht mehr unter 
den Lebenden, wie dies eine Urkunde Adelheids: pro remedio animae 
Iramillae quondam germanae meae (das. S. 331) beweist. Vergl. 
Bre ssl au, Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II., I, 378. 



Ekbert II., Markgraf von Meissen. 179 

Als Irnig-ard den königlichen Hof verliess, scheint 
auch Ekbert sich weniger am Hofe, als auf seinen Be- 
sitzungen aufgehalten zu haben, wo der Einfluss seiner 
Landsleute sich gar bald zeigen sollte. Dies ersehen wir 
aus den Ereignissen des Jahres 1073. Heinrichs Verhält- 
nis zu den Sachsen war ein anderes geworden; schon im 
Jahre 1069 hatte Heinrich mit dem Markgrafen Dedi 
von der Ivausitz, der noch im hohen Alter Ottos von 
Schweinfurt ehrgeizige Witwe Adela heirathete und 
Lehen beanspruchte, die ihm nicht zukamen, zu kämpfen 
gehabt und war dabei unterstützt worden von Dedis 
eigenem Sohne, der mit den Plänen seiner Stiefnuitter 
wenig einverstanden sein mochte. Nur mit bedeutenden 
Schmälerungen an Hab und Gut konnten Dedi sowie 
sein Schwiegersohn Graf Adalbert von Ballenstädt die 
Gnade des erzürnten Königs wieder erlangen '^j. In dem- 
selben Jahre hatte Otto von Nordheim sein Herzogthum 
Bayern verloren -^^j; in seinen Sturz ward auch Herzog 
Magnus verwickelt, der bitterste Feind Adalberts von 
Bremen, der ein Jahr später wieder am Hofe seinen für 
Sachsen unheilvollen Einfluss gewann ^^). Mit Unruhe 
sahen die sächsischen Fürsten, wie energisch Heinrich 
ihrem Drange nach Selbständigkeit und ihrer Ländergier 
auf Kosten der Krone entgegentrat, wie er dem Beispiele 
Adalberts folgend, gewaltige Burgen in Sachsen und 
Thüringen neben den ihrigen errichtete, um sein Recht 
zu wahren, Heinrich wollte dem rechtlosen Zustande ein 
Ende machen und die ihm während seiner Minderjährig- 
keit entrissenen Reichsgüter und Gerechtsamen wieder in 
seine Gewalt bringen. Aber er ging zu weit, wenn er, 
beeinflusst durch Adalbert, auch daran dachte, die aus- 
gedehnten Güter und Rechte des Ottonischen Herrscher- 
hauses in Sachsen als dem Reiche zustehend einzufordern. 
Und doch waren es rein persönliche Interessen, die den 
Anlass zur Verschwörung gaben und die Anstifter der- 
selben, den Billunger Hermann sowie die beiden Bischöfe 
Bucco von Halberstadt und Hezilo von Hildesheim, zum 



»j Lambert a. 1069 (Mon. Germ. SS. V, 174 tlg.). Über 
die Nachrichten der ann. Altah. 1069 vergl, Mehmel, Otto von 
Nordheim (Gott. Diss. 1870), S. 46 flg. 

^**) Das Nähere siehe bei Vogel er, Otto von Nordheim (Gott. 
Diss. 1880), S. 12 flg. 

") Daselbst und Mehmel a. a. 0. S. 85 flg. Lindner, Anno II, 
S. 68. G r ü n h a g e n , Adalbert von Hamburg (Leipzig 1854), S. 1 74 flg. 

12* 



180 Paul Rockrohr: 

Aufstande trieben. Ihnen gelang es zunächst, Otto von 
Nordheini zu gewinnen '-), bald traten auch die Bischöfe 
von IVIagdeburg, Merseburg, Minden, Paderborn, Meissen, 
sowie Udo von der Nordmark, Pfalzgraf Friedrich von 
Goseck, Adalbert von Ballenstädt, Dedi von der Lausitz, 
seine Neffen Dietrich und Wilhelm und andere zu ihnen 
über^'^). Auch Ekbert finden wir unter den Verschwore- 
nen^^); es kann uns nicht Wunder nehmen, dass die Um- 
gebung des Knaben durch die Theilnahme solcher Männer, 
die theils die alten Freunde und nächsten Verwandten 
des Vaters, alle aber Landsleute und zumeist Gcbiets- 
nachbaren waren, deren Interessen mit denen des Knaben 
aufs engste verknüpft waren, bewogen wurde, sich mit 
dem Knaben ebenfalls gegen Heinrich zu erheben. 

Da so viele Fürsten und namenthch Otto von Nord- 
heim an der Spitze der Verschwörung standen, gelang es, 
auch das gemeinfreie Volk der Sachsen zum Aufstande 
zu bewegen, das, eifersüchtig auf seine Freiheit und seine 
Rechte, sich leicht einreden Hess — soweit es den könig- 
lichen Burgen anwohnte, musste es ja auch wirklich 
manchen harten und ungewohnten Druck erdulden — , 
der König wolle es arg besteuern und knechten. 

Zwar der Plan, durch einen Handstreich auf Goslar 
und dann durch eine Belagerung der Harzburg sich des 
Königs Person zu bemächtigen, misslang. Aber Heinrich 
fand, wenn es ihm auch gelungen Avar, zu entfliehen, 
dennoch nicht die Unterstützung bei den anderen Fürsten 
des Keiches, die er erwartet hatte. Die Herzöge von 
Bayern, Schwaben und Kärnthen hatten die Sachsen durch 
die Anklage Regingers abwendig gemacht; aber auch die 
Vasallen von Lothringen, ferner von Mainz, Köln imd 
anderen Diözesen fehlten, als Heinrich, der vielen erfolg- 
losen Unterhandlungen müde, mit einem Avenig kriegs- 
tüchtigen Heere* nach Sachsen einrückte, um seine be- 
drohten Burgen zu retten. Den Sachsen gegenüber zu 
unmächtig, musste sich Heinrich zu den Bedingungen ent- 
schliessen, die ihm die sächsischen Fürsten zu Gerstungen 
stellten '•''): er musste sich verpflichten, seine Burgen zu 



'2) Lambert a. a. 0., berichtigt durch Süden dort, Reg. 111,26. 

>^) Lambert a. 1073 (Mou. Germ. SS. V, 190). 

") Daselbst: Eraiit in ea conjuratioiie .... Egbertus marchio 
Thuringorum, piier adhuc infra militares aiinos. 

>») Ausser den oben (S. 179, Anm. 9— 11) angeführten Werken 
vergl. namentlich Giesebrecht, Deutsche Kaiserzeit III, 279 flg. 



Ekbert IL, Markgraf von Meissen. 181 

brechen, auf die Einzieliung der Reichsgüter und Zehnten 
zxi verzichten, Otto Bayern zurückzugeben, den Sachsen 
Amnestie zu ertheilen. 

In Goslar sollte auf einem allgemeinen Fürstentage 
der Vertrag endgiltig bestätigt werden. Als nun Hein- 
rich sein Heer, dem namentlich alle Verpflegung mangelte, 
entlassen hatte und sich überzeugte, dass die Verhältnisse 
doch lauge nicht so ungünstig waren, wie man sie ihm 
hingestellt hatte, dass namentlich sein Lieblingssitz, die 
Feste Harzburg, sich noch lange hätte halten können, 
da zögerte er doch, den Vertrag endgiltig zu unter- 
zeichnen; allein fast mit Gewalt nöthigte man den König, 
der jetzt in Goslar ohne Heer den Sachsen gegenüber- 
stand, in die Gerstunger Bedingungen zu wiUigen. Es 
scheint, dass es hier weniger Otto von Nordheim und die 
Fürsten waren, die wie zu Gerstungen die Bedingungen 
stellten , sondern dass die niederen Vasallen und die Ge- 
meinfreien, über welche die Fürsten die Herrschaft bereits 
verloren hatten, die Sprache führten. Zu dieser Annahme 
berechtigt uns der Vergleich der jetzigen modifizierten 
Bedingungen mit denen von Gerstungen. Es kam den 
Sachsen in Goslar vor allem darauf an, dass die Burgen 
— und zwar sofort — gebrochen werden sollten, während 
Heinrichs Diplomatie zwei wichtige Zusagen erlangte, 
nämlich, dass auch die Thüringer und Sachsen ihre 
Herrenburgen, welche zur Zeit seiner Regierung erbaut 
wären, gleichermassen zerstörten, dass er ferner zwar in 
Jahresfrist Otto Genugtluiung leisten wolle, aber nicht 
unbedingt, sondern nach dem Richterspruche der Fürsten^ 
wobei also Weif und Rudolf von Schwaben ein gewich- 
tiges Wort mitzusprechen hatten. Hatte so schon das 
Volk seine Übermacht gezeigt, so sollte die Schwäche 
seiner Fürsten diesem gegenüber noch deutlicher werden, 
als Heinrichs Burgen gebrochen wurden. Die entfesselte 
Wuth des grossen Haufens begnügte sich nicht damit, 
die prächtige Harzburg samt allen Gebäuden bis auf den 
Grund zu zerstören, sondern sie schändete auch die Kirche 
daselbst und streute in roher Weise die Gebeine der Toten 
umher; selbst die Gräber von des Königs Sohn und Bruder 
wurden nicht verschont. 

Doch nun kam auch für Heinrich der Tag der Ver- 
geltung: seine Boten flogen durch das Reich und ver- 
kündeten von den Greueln, die die Sachsen begangen. 
Die süddeutschen Fürsten waren empört, dass die säch- 



182 Pa"l Rockrohr: 

sisclien Herren nur an sich bei jenem Vertrage zuGerstimgen 
gedacht und sie im Stiche gelassen hatten; Herzog Weif 
konnte es Heinrich nur Dank wissen, dass er auf dem 
Goslarer Tage den Ansprüchen Ottos auf Bayern entgegen- 
getreten war, und Rudolf von Schwaben wollte den treu- 
losen Fürsten in Sachsen zeigen, dass er doch nicht der 
Mann war, dem man heute Anerbietungen machen konnte 
und welchen man morgen achtlos bei Seite schob. 

So rüstete man von allen Seiten, um Heinrich Truppen 
zuzuführen. In Sachsen selbst war längst die Einigkeit 
geschwunden, die anfänglich geherrscht hatte. Volk und 
Fürsten misstrauten einander. Namentlich der besonnene 
Dedi von der sächsischen Ostmark, dessen Alter wenig 
den Anstrengungen des Krieges gewachsen war, hatte 
sich von den Übrigen getrennt und seit dem Gerstunger 
Tage dem Könige zugewandt ^^). Auch Westfalen und 
der nicht unbedeutende Burgbezirk Meissen, wo der Burg- 
graf Biukhard, einer der vertrautesten Anhänger Hein- 
richs, seinen Eintluss geltend machte, waren dem Auf- 
stande entgegen-^'). 

lö) Lambert a. 1075 (Mon. Germ. SS. V, 219. 23'$.) 
^'j Bruno de bello Saxonito c. .39 (Sclmlausf^abe): Hiiu- vero 
non iiisi Saxouiae vix tertiam partem inveuiunt, quia omnes Westfali 
et omnes circa Misnam liabitantes, regis auro corrupti, a nobis de- 
fecerunt. Die Nachrichten Lamberts und Brunos sind, wie wir 
aus dem Vorgehen Heinrichs ersehen, parteiisch und unwahrschein- 
lich. Ganz Meissen kann man unter omnes circa Misnam habitantes 
nicht verstehen, wie man bisher angenommen (so noch Posse, 
Markgrafen, S. 173). Das Verhalten Heinrichs Ekbert gegenüber 
zeigt uns deutlich, dass dieser, bez. die ihn beeinflussende Um- 
gebung, ihm auch nach dem Gerstunger Tage feindlich gegenüber- 
stand wie die übrigen Fürsten. Wenn Bruno später einmal von 
Ekbert sagt, er habe stets die Partei Heinrichs verfochten (q\>i 
Saxonibus miUum fecerat auxilium, sed regi, utpote valde pio])in- 
quo genero, toto animo favebat), so ist dies eine tendenziöse Ent- 
stellung, um das Verfahren Heinrichs als ein ungerechtes im ge- 
hässigsten Lichte zu zeigen. Ekbert hat sich stets blutwenig um das 
valde inopinquo genere bekümmert. Die Urkunden aus dem Jahre 
1074, Cod. dipl. Sax. reg. I. 1, 338, die für die Verbindung Ekberts 
mit Heinrich zeugen könnten,, sind unecht, vergl. Posse, Mark- 
grafen, S. 175, Anm. (55. — Über die Machtstellung der Burg- 
grafen von Meissen siehe T. M ä r c k e r , Das Burggrafthum Meissen 
(Leipzig 1842), S. 34 flg. Vergl. v. Posern-Klett, Zur Ge- 
schichte der Verfassung der Markgrafschaft Meissen (Leipzig 1863), 
S. 3: „Gewichtige Gründe sprechen dafür, dass der Burgbezirk 
Meissen aus den in der Hand des Königs zurückgebliebenen Kesten 
mehrerer Burgwartsbezirke gebildet wurde." — Burkhard stand 
nicht unter dem Bischöfe, sondern unmittelbar unter dem Könige. 
Vergl. Waitz, Verfassuugsgesehichte, VII, 52, Anm. 2. 



Ekbert IL, Markgraf von Meissen. 183 

Ekbert dagegen und sein Anliang traten nicht offen 
für den König ein, darum sollte auch ihn zuerst die 
Strafe des Königs treffen, der durch die Schlacht an der 
Unstrut im Juni 1075 die sächsisclien Waffen besiegt 
hatte. Um nun die Sachsen, deren Fürsten und berittene 
Vasallen sich in jener Schlacht fast alle durch die Flucht 
gerettet hatten, völlig niederzuwerfen, galt es zunächst, 
sich der östlichen Marken zu versichern. Heinrich glaubte, 
sein persönliches Eingreifen werde hier genügen, um die 
wichtige Mark Meissen dem Aufstande zu entziehen. 
Darum rückte er im September desselben Jahres mit 
einem Heereszuge des Herzogs Wratislaus von Böhmen in 
die Mark ein, wo ihm Meissen, da Burkhard hier herrschte, 
willig die Thore öffnete^^). Bischof Benno, der Burkhard 
manche schwere Stunde bereitet haben mochte, musste 
zuerst die Hand des Königs fühlen; er wurde in Haft 
genommen und an seinem Vermögen gestraft^"). 

Von Meissen aus nun versuchte Heinrich weiter vor- 
zudringen , aber es war sein Fehler, dass er statt deutscher 
Scharen Truppen der den Deutschen und namentlich den 
Sachsen höchst verhassten Böhmen bei sich hatte; diese 
hausten im Lande, ohne dass es Heinrich verhindern 
konnte, nach altgeM'ohnter Weise, weithin kündigte die 
Flamme der brennenden Dörfer den Bewohnern das Her- 
annahen der wilden Scharen an"°). Inzwischen aber 
war es der Umgebung Ekberts, den Heinrich wohl durch 
gütliches Zureden für sich hätte gewinnen können, den 
es aber aufs höchste erbittern musste, dass Heinrich ihn 
durch die zuchtlosen Scharen der Böhmen zur Unter- 
werfung zwingen wollte, gelungen, ihre Vasallen zusammen- 
zubringen; unterstützt von den benachbarten Fürsten 
rückten sie mit grosser Hecresmacht Heinrich entgegen. 
Auf eine grössere Schlacht gar nicht vorbereitet, musste 
der König sich eilends nach Böhmen zurückziehen, Burk- 



") Lambert a. 1075 (Mon. Germ. SS. V, 252). 

lö) Vorsichtig und parteiisch drückt sich hier Larabert (ebendas.) 
aus: episcopo civitatis ipsius comprehendit, omiiia, quae ejus erant, 
diripuit, hoc solo reum majestatis eum adjudicans, quod toto tem- 
pore belli Saxonici nullos ad eum servatae erga rem publicam fidei 
indices, nuiicios vel litteras destinasset. 

20) Über die Raubsucht und Verwilderung der böhmischen 
Scharen vergl. Palacky, Geschichte von Böhmen, I, 314 flg. Floto, 
Heinrich IV^, I, 13 flg. 



J^34 ^^^^ Rockrohr: 

liard seinem Schicksale überlassend"'). Seinen Vetter aber 
strafte er für seinen Widerstand dadurch , dass er ihm 
einen Theil seiner AUode absprach, die er dem getreuen 
Ulrich von Godesheim verlieh"--). 

Von Böhmen ging" Heinrich nach Regensburg, wo 
er Wratislaus mit der Ostmark belehnte. 

Im Oktober nämlich war Dedi nach langer Krank- 
heit gestorben; zwar hatte er einen Knaben hinterlassen, 
den seine Mutter Adela noch vor des Vaters Tode und 
wohl auf dessen Anregung als Geisel an den Hof Hein- 
richs sandte. Allein Heinrich, dem es vor allem darum 
zu thun war, im Osten Sachsens eine feste Stütze zu 
haben, gab die Lausitz, da die Mark Meissen vorläufig 
ihm verloren war, dem getreuen Wratislaus von Böhmen 
zu Lehen'"). Wenn ihm auch Dedi persönlich seit seiner 
Unterwerfung unverbrüchliche Treue gehalten, d. h. eben 



"») Die Schildeiuiig des Rückzuges Heinrichs klingt bei Lam- 
bert recht unwahrscheinlich; ausserdem hat sie in ihren Grund- 
zügen eine verdächtige Ähnlichkeit mit der von Heinrichs Rück- 
züge im Jahre 1076. — Giesebrecht a. a. 0, S. 320 und mit ihm 
Posse, Markgrafen, S. 17G glauben, dass dieser Einfall Heinrichs in 
Meissen keinen anderen Zweck gehabt habe, als die sächsisch- 
thüringischen Marken gegen einen Angriff des Polenherzogs zu 
sichern, welcher die „A(lela bei ihrem masslosen Ehrgeize unschwer 
auf seine Seite ziehen" konnte. Allein bei dem Charakterstolz 
Adela's wie Ekberts ist schMerlich anzunehmen, dass sie beide die 
Absicht gehabt hätten, sich unter den Schutz des Polen zu stellen, 
um nur nicht Heinrich gehorchen zu müssen. Wie gross die Ver- 
achtung und der Stolz nicht nur gerade der Sachsen, sondern auch 
der übrigen Deutschen den Polen und Böhmen gegenüber, diesen 
„Barbaren", waren, erhellt zur Gentige aus Lamberts Worten zum 
Jahre 1077 (Mon. Germ. SS. V, 255): Dux Polenorum, qui per 
multos iam annos regibus Teutonicis tributariiis fuerat, cuinsque 
regnum iam olim Teutonicorum virtute subaclum fuerat, repente 
in superbiam elatus diadema imposuit. Quae principes graviter 
affecere, sibique invicem succensebant, quod potentiam opesque 
barbarorum in tantum aluissent, ut iam tcrtio dux Boemicus regnum 
Teutonicuni ferro et igne populabundus peragrasset, et nunc dux 
Polenorum in ignominia regni Teutonici contra leges ac iura maio- 
rum regium nomen regiumque diadema impudeus affectasset. Vergl. 
ütto's von Xordheim Erbitterung, (juod (a rege) plus spei ac iiduciae 
ponatur in milite Boemico quam in Teutonici exercitus robore. 

■") Bruno c. 56: Ekkiberti denique marchionis possessiones 
prius invadit casque Othelrico, cuidam de suis consiliariis, donavit. 
l)a wir dieses invadit jedenfalls mit dem Einfalle Heinrichs in 
Meissen zu identificieren haben, so lagen auch die AUode in der 
Mark, vielleicht im Burgbezirk Meissen, wo allein der König noch 
Macht hatte. 

'") Lambert a. 1075 (Mon. Germ. SS. V, 233). 



Ekbert II., Markgraf von Meisseii. 185 

nichts gegen ihn untcrnoninicn liatte "*) , so konnte er 
dies um so weniger von dessen Witwe, der ehrgeizigen 
und leidenschaftlichen Adela, erwarten, deren ganzes 
Verhalten bisher ihm deutlich bewies, wie wenig er auf 
ihre Treue bauen konnte. Auch hatte ihm sein jugend- 
licher Vetter Ekbert gezeigt, wie gefährlich es war, wenn 
ein Knabe, beeinflusst durch seine sächsische Umgebung, 
in diesen wichtigen Marken herrschte. 

Während so das Kriegsglück Heinrichs im Osten 
entschieden im Nachtheil war, gelang es ihm, den mäch- 
tigsten und einflussreichsten Führer des Aufstandes, Otto 
von Nordheim, durch seine Unterhandlungen zu gewinnen; 
indem ihm Heinrich die Statthalterschaft in Sachsen ver- 
sprach, gab er sich dem Könige zum Schein in Haft'-''), 
Durch sein Vorgehen bewogen unterwarfen sich zugleich 
mit ihm am 22. Oktober zu Gerstungen die übrigen 
aufständischen Fürsten und Grafen. Auf diese Weise 
war Meissen isoliert , und es schien nur eine Frage der 
Zeit, wann auch dieses Land völlig zum Gehorsam zurück- 
kehren werde. 

Inzwischen aber war Heinrich, zum Theil auch über 
die zu lange Haft dieser Fürsten und zwar besonders der 
Bischöfe, mit der römischen Kirclie in Konflikt gerathen. 
Am 24. Januar 1076 setzte Hoinrich zu Worms Gregor VH. 
ab im Vertrauen darauf, dass es nur eines Schreibens 
bedürfe, um den mächtigen Priester in den Staub zu 
stürzen"*^). Gregor antwortete unerschrocken mit dem 
Banne über den König, über Siegfried von Mainz und 
alle die, welche aus freien Stücken das Absetzungsdekret 
unterschrieben hätten. Nichts konnte den drei süddeutschen 
Fürsten Rudolf von Schwaben, Weif von Bayern, Berthold 
von Kärnten, nichts den Sachsen, deren Führer immer 
noch in der Gefangenschaft waren, willkommener sein. 
Zwar hatte der König Otto von Nordheim freigelassen, 
um mit seiner Hilfe die Verhältnisse in Sachsen, welche 
nach der Gefangennahme der Fürsten sich keineswegs 
besserten, zu ordnen. Allein er folgte nicht dessen Rathe, 
der Gewalt zu entsagen und mit Milde und Gnade die 
Dinge zu ordnen, d. h. nachzugeben'-'). Heinrich ver- 

^*) Lambert a. 1075 (Mon. Germ. SS. V, 233): tametsi marchio 
intemeratam semper erga regem tidem servasset. 
•^■') Vergl. Vögele r a. a. 0. S. 83. 
28) Giesebrecht a. a. 0. S. 352 flg. 
"] Lamberta.l076(Mon.Geim.SS. V,244flg) Bruno c. 82— 84. 



186 Paul Rockrohr: 

stand es nun einmal niclit, dies starre^ trotzige Volk zu 
behandeln, da er zu sehnell und hart gegen dasselbe vor- 
ging. So erhob sich das freie Volk der Sachsen, auf dem 
die königliche Steuer schwer lastete, gar bald von neuem 
und ZAvar, wie uns Lambert berichtet, diesmal aus freien 
Stücken und nicht, wie im Jahre 1073, auf listiges Zu- 
reden der Fürsten hin. 

Heinrich sah sich bald genöthigt, zunächst die säch- 
sischen Fürsten aus der Haft zu entlassen, doch mussten 
sie ihm schwören, Sachsen zu beruhigen. Allein er ver- 
darb es sofort wieder mit ihnen, indem er es versuchte, 
mit Gewalt das Volk zu bezwingen und zwar mit Hilfe 
der Barbaren, der Böhmen. Von Ekberts Markgrafschaft 
Meisseu aus wollte Heinrich mit böhmischen Truppen 
seine Operationen beginnen, die Fürsten und Otto von 
Nordheim sollten von Westen her einbrechen; allein* die 
Vasallen der einzelnem Fürsten waren wenig geneigt, dem 
Könige zur Bezwingung des eigenen Landes zu Hilfe zu 
ziehen, und Otto von Nordheim, der vermittelnd zwischen 
dem Volke und dem Könige stehen und so selbst an 
Macht und Ansehen in Sachsen gewinnen wollte, war aufs 
höchste erbittert, dass Heinrich die verhassten Böhmen 
entbot und denselben mehr traute, als ihm, dem Statt- 
halter*^). 

In der sichern Erwartung, sich im Herzen von 
Sachsen mit den Scharen Ottos und der andern säch- 
sischen Grossen vereinigen zu können, war Heinrich in 
Meissen eingefallen und ohne erheblichen Widerstand zu 
finden bis an die Mulde vorgedrungen, überall Besatzungen 
in die festen Plätze werfend. Wie früher, so machten 
auch jetzt die Böhmen ihrem Rufe alle Ehre und ver- 
heerten das Meissner Land mit Feuer und Schwert. Hier 
aber an der Mulde, die ihm den Übergang wehrte, er- 
kannte Heinrich, dass ihn die sächsischen Fürsten im 
Stich gelassen; statt ihrer Vasallen erschienen die Söhne 
des Grafen Gero, Dedi's Neffen, welche mit 7000 Keitern 
Ekbcrt zu Hilfe geeilt Avaren, und geboten dem weitern 
Vordringen der Böhmen ein Halt. Gedeckt durch die 
stark angeschwollenen Fluthen der Mulde zog sich Hein- 
rich wieder nach Böhmen zurück. Ekbert jedoch ging, 
sobald der Fluss passierbar geworden, über denselben un(l 
nahm sein ganzes Land wieder in Besitz, indem er alle 

**) Vergl. oben S. löi Amii. 21 den Schluss. 



Ekbert IL, Markgraf von Meissen. 187 

festen Plätze, in denen die fremden Besatznmgen lagen, 
mit stürmender Hand einnahm und sie, um sich gegen 
alle weiteren Angriffe zu sieliern, mit eigenen Besatzungen 
versah-^). Dass es ihm so schnell gelang, die Böhmen 
zu vertreiben, lag wohl auch an der opferwilligen Unter- 
stützung der gesamten deutschen Bevölkerung^*^), welche 
das Joch des Böhmen nur gezwungen ertragen hatte und 
nun ihren jungen Markgrafen mit aller Macht unterstützte. 
In der Stadt Meissen selbst erhob sich ein Aufstand der 
Bürger gegen den königstreuen Burkhard, welcher dabei 
erschlagen wurde^^). So war nun wieder ganz Meissen 
in den Händen Ekberts; auch die Lausitz wird jetzt 
wieder befreit worden sein, wenn sie überliaupt wirklich 
in die Hände des Böhmenkönigs gelangt ist. Ekbert 
aber ging nun, um sich für Heinrichs zweimaligen Ein- 
fall in sein Land zu rächen, seinerseits zum Angriffe 
gegen den König vor, indem er sich zur Partei der süd- 
deutschen Herzöge schlug und zu Forchheim, Avährend 
Heinrich in Italien weilte, am 15. März 1077 nach der 
Absetzung des Saliers den Herzog Rudolf von Schwaben 
zum Könige wählte'^"). 

Heinrich war auf die Nachricht von den Forchheimer 
Vorgängen hin sofort von Italien aufgebrochen und durch 



2») Lambert a. 1076 (Mon. Germ. SS. V, 250): Ecbertus 
marcbio, puer loiige adbiic iiifra militares aiinos (sie! Vergl. die 
Steigerung zum Jahre 1073 oben S. 180 Anm. 14), ubi priuuim decres- 
centibus aquis fluvius factus est transmeabilis, adiunctis sibi Saxo- 
nibus, Misinen perrexit, omniaque castella, quibus diix Boemicus 
praesidia imposuerat, admota militari manu recepit, suosque milites, 
qui deinceps contra omnem irruptioiiem indefessi excubarent, imposuit. 

^^) War auch die Grundschicht der Bevölkerung eine slavische, 
so sassen doch auch zahlreiche deutsche Kolonisten im Lande, und 
namentlich in und um den zahlreichen Burgwarten sassen deutsche 
Yasallen. 

^1) Hierher gehört offenbar die Nachricht bei Bruno c. 80 : 
Burchardus Misnensis praefectus, dum in quadam sua, cui praeerat, 
urbe ab urbanis invaditur, equo, cui insidebat, frustra calcaribus 
vulnerato fugere molitur. Moritur ergo cum magno animae suae 
periculo, quia saepe consensum praebuit periculoso saevissimi 
regis consilio. 

3") Giese brecht a. a. 0. IL, 434 flg. Dass auch Ekbert in 
Forchheim anwesend war und Rudolf wählte, erkennen wir aus der 
Urkunde vom 30. Oktober 1077: Ekbertum quondam marchionem, 
qui nos integro regno privare laborabat. (Cod. dipl. Sax. reg. I. 1, 339.) 
Vergl. die Urkunde vom 1. Februar 1089: Egbertus, dum in nostram 
depositionem consilium et auxilium dedit. (Cod. dipl. Sax. reg. L 
1, 349.) 



188 Paul Rockrohr: 

Kcärntcn nacli Süddeiitscliland gezogen, wo er, unterstützt 
besonders durch die Bischöfe daselbst, bald festen Fuss fasste. 

In Ulm ächtete er sodann die Rebellen, namentlich 
die drei süddeutschen Herzöge, die er nach alamannischem 
Rechte ihrer Güter ledig sprach. Auch Ekbert, gegen 
den Heinrich besondern Zorn hegte, traf die Reiehsacht; 
gerade in ihm, seinem nächsten Blutsverwandten, hatte er 
eine Stütze zu finden gehofft; hätte er ihm auch ver- 
zeihen können, dass er für seine sächsischen Interessen 
das Schwert zog und mit den Waffen in der Hand seine 
Lande gegen die verwüstenden Scharen der Böhmen 
vertheidigt hatte, so war er um so mehr erbittert, dass 
es Ekbert gewagt, ihn vom Throne zu stossen und dem 
Banner des Gegenkönigs zu folgen. Darum wurde er 
jetzt durch ein Fürstengericht seiner sämtlichen Lehen 
für verlustig erklärt''"). 

Wratislaus von Böhmen, der Heinrich stets treu ge- 
blieben, erhielt jetzt neben der Lausitz auch die Mark 
Meissen zum Lehen^*), während von den westlichen Be- 
sitzungen der Komitat im Gaue Staveren der Utrechter 
Kirclie zugesprochen ward'^"). 

Über die übrigen Lande seines Vetters behielt sich 
dagegen Heinrich alle weitere Entscheidung vor. 

Während Heinrich so in Süddeutschland seine Gegner 
verdrängte, war Rudolf nach Norddeutschland gezogen, 
wo er an den Sachsen eine trefi'liche Stütze gewann. 



'''*) Lex est et jus gentium iuimicos regis aperte depreliensos 
aperte communem regni persecutioiiem pati, ut, sicut perjiirii in- 
famia sunt exleges , ita bonorum suorum omnium fiant exheredes. 
(Cod. dipl. Sax. reg. I. 1, .339.) 

•**) Lambert lässt scbon im Jahre 107G beim zweiten Einfalle 
Heinrichs in Meissen Ekbert seines Landes verlustig gehen, allein 
der Zusammenhang daselbst: weil Heinrich auf seiner Flucht aus 
Meissen dem Böhmen die Mark verliehen, darum ging Ekbert 
seinerseits zum Angrift" vor und eroberte seine Burgen wieder, 
ferner der Zusatz: mirantibus cunctis, quod regem nee aetatis nee 
propinquitatis respectus ab hac injuria revocasset, machen diese 
Nacliricht unwahrscheinlich. Lambert folgert die Übertragung 
der Mark an Wratislaus nur daraus, dass Heinrich böhmische Be- 
satzungen — deutsche Heiter waren dem Könige nur wenige ge- 
folgt — in die festen Plätze gelegt hatte. Nach Bruno c. 36 hätte 
Heinrich sogar schon 1074 dem Bölimen Misnam civitatem cum Om- 
nibus ad eam pertiuentibus versprochen, um ihn zum Feldzuge gegen 
die Sachsen zu gewinnen! 

■''•'') Unde de bonis justo judicio sibi ablatis beato Martino spe- 
ciali Trajectensis ecclesie patrono comitatum quendam de Stavero 
in proprium tradendo firmavimus. (Cod. dipl. Sax. reg. I. 1, 339.) 



Ekbert IL, Markgraf von Meissen. 189 

Rudolf suchte sich vor allem mit den von Süden her 
anrückenden Scharen Welfs und Bertholds zu vereinen 
und die vertriebenen Bischöfe in ihre Sitze zurück zu 
führen; so kam es am 7. August 1078 zu der blutigen 
Schlacht bei Meirichstadt an der Streu. Wir finden die 
sächsischen Grossen alle mit in Rudolfs Heere, auch 
Ekberts Scharen werden nicht gefehlt haben. Otto von 
Nordheim siegte, aber es wurden Wezel von Magdeburg 
erschlagen, Herzog Magnus und Werner von Merseburg 
ausgeplündert, Graf Hermann und Adalbert von Worms 
gefangen"^). Heinrich versuchte nun durch Unterhand- 
lungen die Rebellen zu entzweien und namentlich in 
Sachsen eine Partei zu gewinnen. An Geschenken und 
Versprechungen liess er es nicht fehlen. Hierdurch be- 
wirkte er am 10. Februar 1079 zu Fritzlar jene Verhand- 
lungen, die uns deutlich zeigen, wie abhängig Rudolf 
von den Sachsen war"). Dass die Unterhandlungen nicht 
so resultatlos verliefen, wie uns Bertholds parteiischer 
Bericht es darstellt, sollte sich bald zeigen. 

In Westfalen wurde der Abfall von Rudolf bald so 
bedeutend, dass er mit Heeresmacht dahin ziehen musste, 
um sich das Land zu erhalten ^^). Auch im mittleren 
Sachsen regte es sich ; zuerst waren es hier Herzog Magnus 
und sein Oheim Hermann, die den Gegenkönig verliessen. 
Graf Hermann war von Heinrich ohne Lösegeld entlassen 
worden; nur das Versprechen musste er geben, nicht wieder 
die Waffen gegen Heinrich zu erheben"^*). Aber auch 
Ekbert schwankte, ob er noch weiter für Rudolf fechten 



3«) Berthold a. 1078 (Mon. Germ. SS. V, 367 flg.). Bruno 
c. 96 — 102. "Waltram, (über de unitate ecclesiae conservanda, 
Schulansgabe, Hannover 1883. Der Kürze halber eitlere ich nach 
dem angenommenen Verfasser Waltramus von Naumburg) II c. 16. 
Die Gefangennahme Hermanns berichtet Ekkehardi chronikon univ. 
1078 (Mon. Germ. SS. VI, 203). 

3') Berthold a. 1079 (Mon. Germ. SS. V, 310 flg.). Vergl. S. 316: 
Roudoltus rex ante septuagesimam expeditionem in regem Heinricnm 
accelerare deliberat. Quod dura ille primum comperit, non ex sua 
sei ex optimatum suorum persona legatos quasi pro pace quantula- 
cumque ad invicem componenda ad optimatcs Saxonum dirigebat. 
Quo audito Saxones in brevi eis, utpote tam dulcissime blandientibus, 
nimium creduli facti, expeditionem inceptam in primis domino suo 
dissuadebant. 

3») Ann. Saxo a. 1079 (Mon. Germ. SS. V, 717). Ann. Otten- 
burani 1079 (Mon. Germ. SS. V, 7). 

^^) Bert hold a. 1080 (Mon. Germ. SS. V, 325). 



190 Paul Rockrohr: 

sollte""^). Er hatte nun Jahre lang für den Gegenkönig 
und gegen Heinrich gestritten, ohne viel davon zu ge- 
winnen. Meissen war ihm abgesprochen, und wenn er es 
aucli noch behauptete, so hatte er doch alle Kräfte auf- 
zubieten, um die Angriffe der Böhmen abzuwehren. Ebenso 
ging es ihm mit seinen westlichen Besitzungen, wo er mit 
Konrad von Utrecht um Staveren zu kämpfen liatte. Ver- 
geblich versuchte er hier den Hildesheimer Bischof Udo, 
welcher im August 1079 auf Hezilo gefolgt war, zu ge- 
winnen, ihm gegen Utrecht beizustehen. Auch sonst fand 
er keine Unterstützung, um sich seine Besitzungen zu er- 
halten '^). Da Ekbert so nicht einmal seine Verbündeten 
unterstützen mochten, auf der andern Seite aber ihm 
Heinrich Gnade und Restituicrupg in seinen sämtlichen 
Besitz anbot, so lässt es sich leicht erklären, dass Ekbert, 
dem es stets vor allem darauf ankam, seinen Besitz un- 
gefährdet zu erlialten, insgeheim zu Heinrich übertrat^"'). 
Zugleich mit ihm verliess auch Adela, deren Tochter Oda 
Ekbert geheirathet hatte "*'^), und die die Lausitz für ihren 
Sohn Heinrich verwaltete, die Partei Rudolfs. 

Daneben waren es noch andere von den sächsischen 
Grossen, die mit Heinrich in Unterhandlungen traten, so 
Widekind, Wiprecht von Groitsch, der .Pflegesohn Udos 
von der Nordmark, und selbst Dietrich von Kamburg, 



'**^) Noch am 2.5. März 1079 tiiulen Mir Ekbert am Hofe Kudolfs 
zu Quedlinburg, wo dieser zum Seeleuheile Ekbertsl. Güter der Meiss- 
ner Kirche stiftet. Vergl. Cod. dipl. Sax. reg. I. 1, 340. 

''^) Dies erkennen wir aus einem undatierten liriefe Konrads 
an Udo, worin er diesem dankt, dass er Ekbert nicht gegen Utrecht 
unterstützt habe: Ex literis tuis iam certior de tua tide, primum 
de Omnibus charitati tuae gratias ago, quia verbis meae legationis 
satis rcspondisti pro voto, precipue quod marchio E(cbertus) in sua 
spe frustrabatur, dum te irustra dando et pollicendo in meam, ut 
ait, controversiam soUiciture nitebatur. (Cod. dipl. Sax. reg. I. 1, H-11.) 
Über die Abfassungszeit vergl. die zum.,Theil einander gegenüber- 
stehenden Ausführungen von Böttger S. G07; Giesebrecht 111, 
1172; Posse S. 185, Anm. W. Da Ekbert am 27. Januar 1080 
oflen zu Heinrich überti-at, muss der betreftende Brief vor dieser 
Zeit abgefasst sein. 

■'-) Ebenda: Quod autem, sicut mandasti, omnes vos inquietat 
ad meam oppressionem et, nisi acquiescatis, suam vobis minatur 
subtrahere tidelitatera, huic certe est, quia iam affectavit sibi viam 
et accessum ad gratiam domini nostri regis. 

^3) Berthold a. 1080 (Mon. Germ. SS. V, 326): Adela, gener- 
que suus marchio Eggebertus confoederati. Vergl. ann. Saxo a. 1062 
(Mon. Germ. SS. VI, oyS): Odam accepit Ecbertus marchio junior de 
Bruneswic, et hec sine liberis obiit. 



Ekbert II., Markgraf von Meissen. 191 

der einst mit seinem Bruder den Aufstand vom Jahre 1076 
begonnen ^^). Heinrich konnte sich rühmen, fast alle 
Sachsen habe er für sich gewonnen^''). Im Vertrauen auf 
diese seine Unterhandlungen sammelte Heinrich Weih- 
nachten 1079 sein Heer; König Wratislaus hatte ihm 
wieder in eigener Person seine Reisigen zugeführt. Nun 
suchte sich Heinrich mit den sächsischen Grossen, die er 
gewonnen, zu vereinigen; allein nur Widekind, Wiprecht 
und Dietrich gelang es, vor der Entscheidung zu Heinrich 
zu stossen''*^). 

Dagegen verhinderten die Sachsen die Vereinigung 
des Grafen Hermann und des Herzogs Magnus mit Hein- 
rich, indem sie sich mit ihrer ganzen Übermacht auf sie 
warfen und sie zur schleunigen Rückkehr zwangen^'). 
Auch Ekbert konnte nicht leicht vom Heerbanne Rudolfs 
loskommen, hatte er doch vorher zu offen mit seiner An- 
erkennung Heinrichs gedroht, als dass man bei dem all- 
gemeinen Abfalle nicht auch auf ihn hätte argwöhnisch 
werden müssen. 

Erst kurz vor der Schlacht gelang es ihm, sich von 
den Sachsen zu trennen; da er jedoch nicht wusste, von 
Avelcher Seite der König nahte ^^), er aber vor allem das 
Schicksal Hermanns und Magnus' vermeiden musste, so 
besetzte er zugleich mit der Markgräfin Adela einige feste 
Plätze in der Nähe der Unstrut, wo der Kampf sicli zu- 
sammenzog, um so Heinrich zu erwarten*^). 



**) Siehe unten Anm. 46. 

45) Berthold a. 1079 (Mon. Germ. SS. V, 323). 

•*") Bruno c. 117: Heiuricus Saxoiies raulta promittendo divi- 
serat, ut non diu aute diem proelii Widekin, Wiprecht, et Theoderi- 
cus Geronis tilius, cum multis a Saxonibus ad hostes transirent. 

■*■') Bert hold a. 1080 (Mon. Germ. SS. V, 325): Magnus ac 
Herimannus fidem et auxihum quam ipsi iam antea regi ßoudolfo 
iureiurando contra omnes sibi adversantes contirmaverunt, perfidi 
plurimum infringentes, coUectis Omnibus, quos poterant, addere se 
t'raudulenter ante inceptum bellum praedicto tj'ranno pertemptabaut; 
set a quibusdam Saxonum primatibus illorum perfidiam explorantibus 
mox repulsi ac refugati, vix domum ab eis salvi se proripiebant. 

*^) Dass die Sachsen nicht wussten, von welcher Seite der 
König herankam, geht aus dem Verlaufe der Schlacht hervor. 

^^) Berthold a. a. 0.: Eadem clandestina perfidiae coniuratione 
ipsi cum suis Omnibus marchionissa Adala, generque suus marchio 
Eggebertus confoederati, post eventum belli fronte satis aperta, qui- 
busdam ürmissimis castellis militum suorum subsidiis derepente 
occupatis, regi suo pervicaces, apostatae rebellabant. Bertholds 
Bericht wird ergänzt durch Bruno c. 117: Heinricus Saxones 
diviserat, ut Ekkibertus marchio cum sua legione neutrae parti 



192 P^"^ Rockrohr. 

Inzwischen gelang es Heinricli, die feste Stellung 
Otto's von Nordheim, der das erste Treffen führte, zu 
umgehen und das zweite Treffen unter Rudolf plötzlich 
im Kücken anzugreifen. Herzog Wratislaus führte selbst 
seine böhmischen Keiter heran und erbeutete die könig- 
liche Lanze Rudolfs. Schon war das ganze Treffen des- 
selben aufgerollt, als Otto von Nordheim seine Scharen 
heranführte und den Königlichen den Sieg entriss. 

Während nun Heinrich, dem nur eine entscheidende 
Schlacht in Sachsen die Oberhand sichern konnte, nach 
Mainz und von da nach Süddeutschland zog, um dem 
Bannstrahle Gregors entgegen zu treten und ein neues 
Heer zu sammeln, wandte sich Rudolf mit aller Macht 
gegen Ekbert, dessen Abfall durch die Schlacht bei Flarch- 
heira offenbar geworden, und die anderen abtrünnigen 
Grossen; er ächtete sie und versprach ihre Besitzungen 
denen, die sich dieselben erobern wollten. Ekbert musste 
nun seine feste Stellung bei Flarchheim verlassen und 
zog sich unter hartnäckigen Kämpfen in seine Mark zu- 
rück, wo er wie Adela und Wiprecht von Groitsch an 
Böhmen einen sicheren Halt fanden. Aber die Verbindung 
mit seinen übrigen Grafschaften und Besitzungen war ihm 
einstweilen durch Rudolfs Anhang in Mittelsachsen ab- 
geschnitten*^"). Noch im Oktober desselben Jahres kam 



accedens, non longe a proeliantibus leiitus sederet, eventum belli 
dubius expectans, ut cui parti victoria cederet, ei congratulando 
sociiis acoederet. Bruno bcurtheilt hier aus ünmuth, dass Ekbert 
nicht fiir Rudolf iu der Schlacht mitgetochten, seine Beweggründe 
falsch; er widerspricht sich auch selbst: Ekbert spielt nach ihm 
beim Kampfe den Zuschauer, um dann zum Sieger überzugehen; die 
Schlacht gewinnen die Sachsen (Ihinricus fugae se commcndavit) 
und doch tritt Ekbert für Heinrich ein! Floto 11, 216, Posse 
S. 181 folgen liier dem Urtheile Brunos. Eigenthümliche Ansichten 
hat wieder Böttger S. GK], Anm. 798. — Aus Berthold: quibus- 
dam castellis dertjiente occupatio und dem Vergleich mit Bruno 
geht auch hervor, dass diese festen Plätze beim Schlachtfelde lagen 
und nicht in Meissen, wie Gie sehr echt III, 489 will. Posse 
S. 187 lässt uns hier im Unklaren. 

^'«) Allerdings berichtet Berthold, König Rudolf — der ja 
bei ihm stets der victor gloriosus ist — habe alle Abtrünnigen 
unterworfen (Mon. Germ. SS. V, 325): Quos (Eggebertum, ceteros 
confoederatos) denique omnes suam ad deditionem in breyi coegit et 
hoc non absquc illorum dampnis hisque non minimis. Quippe milites 
illorura ipsis disirahens, sibique ad iuratos cum bonis illorum recipiens 
praedia beueficia marchiasque illorum aliis ea percupientissime peten- 
tibus et acceptantibus largiens, ij)sos de loco ad locum regia maie- 
statc fugans et persequens et omnimodis subiciens, tarn multifaria 



Ekbert IL, Markgraf von Meissen. 1.93 

ilmen Heinrich zu Hilfe, indem er in Thüringen einbrach. 
Er wollte eigentlich Ekbert und Wratislaus mit ihren 
Scharen erwarten, die vom Osten heranzogen, und zog 
ihnen daher von Erfurt aus entgegen. Allein an der 
Elster verlegte ihm Otto von Nordheim den Weg. So kam 
es am 15. Oktober daselbst zur Schlacht. Wie in den 
früheren Kämpfen, so war es auch hier: die Reiter Hein- 
richs siegten im ersten Anlaufe, dann aber brachte Otto 
von Nordheim mit den sächsischen Fussstreitern , die er 
durch abgesessene Reiter verstärkt hatte, den Kampf zum 
Stehen, welcher schliesslich mit ^ner Niederlage Heinrichs 
endete. Aber einen ungeheuren Vortheil hatte dem Könige 
das Schlachtenglück gebracht. Rudolf von Schwaben war 
nicht mehr; Reiter des Königs hatten ihm gleich beim 
Beginne der Schlacht die Todeswunde beigebracht^). 
Auch war der Verlust Heinrichs nicht so bedeutend, da 
die Reiter dem Fussvolke Otto's hatten entrinnen können. 
So gelang es ihm bald, sein Heer zu sammeln und mit 
den Vasallen aus Böhmen und Meissen zu vereinen. Er 
gl9,ubte, da Rudolf gefallen, Sachsen führerlos zu finden 
und hoffte, das Land sich baldigst zu unterwerfen; aber 
Otto von Nordheim trat ihm gerüstet entgegen. Auch 
Verhandlungen führten zu keinem Ziele ^"). Heinrich ver- 
liess nun Deutschland , um in Italien seinem Papste Geltung 
zu verschaffen und Gregor zu vertreiben. Auf dem Wege 
dahin hielt er in Regensburg Hoftag, wo auch Ekbert 
und Wratislaus anwesend waren. Ekbert und Heinrich, 
Adelas Sohn, erhielten die Bestätigung ihres vollen Be- 



eos eoarctavit et huniiliavü acerbitate, quoadicsque re ijosa experti 
sunt, quam stuUum atque dampnosissimum sit, regi ac domino suo 
quomodolibet gratis ac fraudiilenter recalcürare. Sic post prae- 
clictum quod cum Heinrico gessit maximum bellum, victor gloriosus 
rediens Goslariam, dehinc liis iion parum minoribus adusque quadrage- 
simam soUioitus laboraverat tot rebellium et adversantium sibi belli- 
cosis motibus, donec eos sibi subactos deditiosque, prout oportuerat, 
perdomuit. — Allein gerade, wenn Berthold etwas verhüllen will, 
macht er solche Phrasen wie hier. Ausserdem finden wir im Oktober 
desselben Jahres Ekbert im Besitze seiner Mark. Vergl. Bruno 
c. 121: Alii vero credebant, quod (rex) ideo regiones ülas peteret, 
quia Misnensium, pro quibus legatos miserat, auxilium speraret. 

^'^) Giese brecht a. a. 0. III, 517 flg. Die annales Pegavienses 
bringen von diesem Jahre an auch uns interessierende Nachrichten; 
allein, da sie chronologisch verwirrt und in Bezug auf ihre Glaub- 
haftigkeit wenigstens für unsere Geschichte mehr als zweifelhaft 
sind, habe ich von ihrer Heranziehung absehen müssen. 

52) Bruno c. 125 flg. 

Neues Archiv f. S. G. u. A. VII. 3. 4. 13 



194 P3,ul Rocki-ohr: 

sitzes, während Wratislaus mit Österreich entschcädigt 
wurde '^^). 

Die Sachsen aber zogen, als Heinrich durch seinen 
Zug nach Italien Deutschland entblosst hatte, nach Süd- 
deutschland, wobei sie Ostfranken arg verheerten. Bei 
Bamberg einigten sich die Scharen der Sachsen, die zu- 
meist aus bischöflichen Vasallen bestanden, mit Weif und 
den übrigen Süddeutschen. Nach langem Schwanken, 
weil die Fürsten einander die Wahl nicht gönnten, erhob 
man den Grafen Hermann von Luxemburg zum Gegen- 
könig. Noch konnte die eigentliche Krönung desselben 
verhindert werden, wenn es den Anhängern Heinrichs 
gelang, Otto von Nordheim zu gewinnen, welcher gegen 
die Wahl eines Gegenkönigs gewesen war und überhaupt 
seine Lande frei von jeglichem Einfluss königlicher Macht 
wissen wollte. 

Otto näherte sich Ekbert und seiner Partei; die 
Unterhandlungen waren im vollen Gange. So verging 
der Sommer, und fast ganz Sachsen wurde durch seine 
Unbeständigkeit erschüttert. Schon war Otto auf dem 
Wege, die letzten Hindernisse der Vereinigung mit dem 
Salier zu beseitigen, da stürzte sein Pferd auf ebener 
Erde; Otto wurde so schwer verletzt, dass er fast einen 
Monat sich nicht bewegen konnte. Das galt nach dem 
Glauben seiner Zeit für ein Fingerzeig Gottes, und die 
sächsischen Priester und Bischöfe verstanden es, dies 
„Gottesurtheil" auszubeuten. Es gelang ihnen, Otto von 
einer Verbindung mit Heinrich, gegen den er nun so 
lange und so erfolgreich gestritten, dessen Erfolge er in 
Sachsen stets vernichtet, abzubringen. Er versprach seinen 
Landsleuten aufs neue, dass er stets in Treue und Ein- 
tracht mit ihnen ausharren werde '^*). 

Hermanns Anerkennung durch Otto von Nordheim 
war von den schwerwiegendsten Folgen; nicht nur, dass 
Hermann jetzt Norddeutschland geöffnet wurde, auch 
Ekbert sah sich gezwungen, Otto's Beispiele zu folgen. — 

Ekbert war von Rudolf abgefallen, weil dieser ihn 
nicht geschützt hatte gegen Utrecht und Böhmen, mit 



'■>3) Urkunde vom 18. März 1081, Cod. dipl. Sax. reg. I. 1, 341. 
Die Urkunde lässt Ekhert als Besitzer der Mark Meissen erkennen. 
Vergl. die Äclitungsurkunden a. a. ü. 343 tig. und 349, in denen 
der völligen Restituierung Pikberts in seinen Besitz Erwähnung ge- 
than wird ; dazu Posse, Markgrafen, S. 188 tig.,Gieseb recht III, 526. 

f^) Bruno c. 131. 



Ekbert II., Markgraf von Meisseu. 195 

denen er schwer um seine Besitzungen zu kämpfen liatte. 
Heinrich hatte ilim Gnade gewährt, hatte die Acht über 
ihn zurückgenommen und ihm den vollen Besitz seiner 
Güter zuerkannt. Aber er konnte ihm keine weitere 
Hilfe leisten gegen Rudolf, der ihn nach der Schlacht bei 
Flarchheim bedrängte. Der unerwartete Tod des Gegen- 
königs hatte ihn davor bewahrt, seinen Übertritt zu Hein- 
rich vielleicht bitter bereuen zu müssen. Ekbert war 
durch die eigenthümliche Lage seiner Besitzungen, die 
durch ganz Norddeutschland zerstreut sich vom äussersten 
Osten zum fernsten Westen erstreckten, unter allen säch- 
sischen Grossen stets am meisten gefährdet. Kämpfte er 
mit seinen Landsleuten gegen Heinrich, so hatten Fries- 
land und Meissen den ersten Angriff der Königlichen zu 
erleiden, war er mit Heinrich im Bunde, so verlor er 
durch die Sachsen die Verbindung dieser beiden Marken. 
Auch jetzt war er in gleich misslicher Lage. Dem neuen 
Gegenkönige war es gelungen, sich Eingang in Sachsen 
zu verschaÜen, und er musste als Verfechter seiner Inter- 
essen auch Ekbert feindlich bekämpfen, dem weder Hein- 
rich, der in Italien weilte, noch Wratislaus, der mit Mark- 
graf Liutpold um den Besitz Österreichs schwere Kämpfe 
zu bestellen hatte, Hilfe bringen konnten. So fand es 
Ekbert für klug, sich einstweilen den Verhältnissen zu 
beugen und Hermann anzuerkennen*"^); er hatte dabei 
doppelten Vortheil: auf der einen Seite behielt er seine 
eigenen Besitzungen ungefährdet, da Heinrichs Partei 
augenblicklich zu schwach war, auf der andern konnte 
er bei seiner Macht unter dem unmächtigen Hermann'*^) 
eine bedeutende Rolle spielen und hatte die beste Gelegen- 
heit, zu verhindern, dass weder Hermann zu mächtig 
wurde, noch einer seiner Landsleute sich über ihn erhob. 
So lange Otto von Nordheira lebte, konnte allerdings Ekbert 
noch zu keinem rechten Einfluss in Sachsen kommen, da 
dieser „das Haupt aller" war und durch seine Autorität 
jegliche Spaltung und allen Streit hinderte. Im Vertrauen 
auf ihn konnte Hermann sogar Sachsen sich selbst über- 
lassen und sich im Jahre 1083 zu einer Romfahrt rüsten, 
um Gregor zu Hilfe zu kommen. Schon wollte er von 
Schwaben aus über die Alpen in die Lombardei ziehen, 



^^) Posse, Markgrafen, S. 190, verkennt hier Ekberts Stellung. 
°'*) Wie abhängig Hermann von den sächsischen Grossen war, 
siehe unten S. 196, Aum. 59. 

13* 



196 Paul RockroLr: 

als er die Nachricht empfing-, dass Otto von Nordheim 
am 11. Januar gestorben sei'''). Es war ein lierber Schlag 
für den Liixemburo-er. Hermann kannte zu out die Vor- 
hältnisse in Sachsen, um nicht zu wissen, was auf dem 
Spiele stand. Nur durch seinen eiligen Marsch nach 
Sachsen, wo er im April schon in Goslar Hof hielf'^), 
verhinderte er, dass diejenigen, welche sich für Heinrich 
erklären wollten, schon jetzt von ihm abfielen. Hier in 
Sachsen war es hauptsächlich ein Mann, der unerschütter- 
lich zum Kampfe gegen Heinrich entschlossen blieb und 
lieber im Elend verderben wollte, als den gcbaimten 
Heinrich anerkennen: Bischof ßucco von Halberstadt. 
Ihm zur Seite stand der Erzbischof Hartwig von Magde- 
burg. Hermann selbst hatte so gut wie keine Macht; er 
sah sich geringschätzig behandelt von den stolzen Grossen 
der Sachsen, die an seiner Stelle das Wort führten, so 
Ekbert und die Söhne Ottos von Nordheim'***). Böttger 
liat ganz Recht, wenn er (S. 623) sagt: „Egbert wich, 
als die Wahl des Luxemburgers unvermeidlich geworden 
war, nicht von der Seite dieses Scheinkönigs, dessen 
Scepter er faktisch mitführte, damit derselbe zu keiner 
wirklichen Macht gelange", aber Ekbert that dies nicht, 
wie Böttger meint, aus Freundschaft und Treue zu seinem 
königlichen Vetter Heinrich, dem er geschworen hatte, 
Thüringen und Sachsen zu erhalten, sondern er handelte 
so lediglich aus eignem Interesse, weil er glaubte, bei 
dieser Lavierpolitik die meisten Vortheile zu erringen. 
Ekberts Vorbild war Otto von Nordheira; wie dieser 
strebte er danach, anstatt des Königs in Sachsen die 
erste Stelle einzunehmen. Darum hütete er sich wohl, 
irgend etwas Thatsächliches für Hermann auszuführen 
und der Partei Heinrichs empfindlich zu schaden. Es 
konnte kommen, vAe es wollte: erlangte Hermann das 
Übergewicht, so war er eben sein Bundesgenosse, gelang 
es aber Heinrich, seine Gegner in Italien zu Boden zu 
werfen und als victor gloriosus nach Sachsen zu kommen, 
so konnte er sich immer damit entschuldigen, dass er, 
dessen Besitzungen mitten in Sachsen lagen, nur ge- 
zwungen zu Hermann übergetreten sei und dabei Heinrich 



»>') Ann. Saxo 1083 (Mon. Germ. SS. VI, 721). Bernokli chron. 
a. 108.3 (Mon. Germ. SS. V, 4.37). 

öS) Stumpf No. 2998. 

ö") Über Hermanns Stellung vergl. Waltram II c. 15, 16. 
Vergl. Ekkeh. chron. a. 1082 (Mon. Genn. SS. VI, 205). 



Ekbert IL, Markgraf von Meissen. 197 

mehr genützt denn geschadet habe. So hatte er im Jahre 
1082 , als er Hermann auf einem Zuge gegen Westfalen 
begleitete^ diesen bewogen, von einer Belagerung des 
königstreuen Bischofs Benno von Osnabrück in der Iburg 
abzustehen'^*'). Ja, Udo von Hildesheim trat infolge 
dessen heimlich auif die Seite Heinrichs ^^). Damit hatte 
sich Ekbert auch bei der königlichen Partei ein Verdienst 
erworben, von dem er in Zukunft noch einmal Gebrauch 
machen konnte. Wenn schon jetzt, da Heinrich mit seinen 
Getreuen in Italien weilte, viele in Sachsen des Luxem- 
burgers überdrüssig waren, so wankte die Treue gegen 
diesen noch mehr, als Heinrich im Juni 1084 selbst nach 
Deutschland kam. Es war ihm nicht gelungen, Gregors 
starren Sinn zu beugen, aber er hatte ihn aus Rom ver- 
trieben und seinen Papst Clemens HL daselbst eingesetzt. 
Als er in Köln das Weihnachtsfest feierte, strömten von 
allen Seiten ihm Anhänger zu^-); und aus Sachsen waren 
schon längst Boten gekommen, die ihn baten, den Wirren 
daselbst ein Ende zu machen ^'^j. Zwar die Verhandlungen, 
die am 20. Januar zu Gerstungen zwischen beiden Parteien 
stattfanden, führten noch zu keinem Ziele, da Heinrich 
auch Unterwerfung unter seinen Papst von den Bischöfen 
verlangte, diese dagegen an seiner Exkommunikation 
durch Gregor festhielten. So schied man von einander, 
ohne eine Annäherung erreicht zu haben, wie es ja zu- 
meist geschieht, wenn religiöse Streitfragen als Waffen 
der Politik benutzt werden. Am folgenden Tage kam es 
unter den Sachsen selbst zu hellem Streit. Udo von 



ßo) Ann. Yburgenses 1082 (Mon. Germ. SS. XVI, 437): Ex- 
peditio Herimanni regis contra Westfalos . . . domnum etiam Bennonem 
supra castrum (Iburgense) obsidere nisus est, nisi instantia Ecberti 
marchionis et üdonis episcopi Hildenesheimensis ob antiquam ami- 
citiam domni Bennonis desisteret. 

öl) Vita Bennonis (Mon. Germ. SS. XII, 75) : Erant in exercitu 
Hildesimensis episcopus Udo, et Ekbertus marchio, summi viri etc., 
qui ejus (Bennonis) petiere colloquium pro certo spondentes, se illum 
ad deditionis assensum facillinia persuasione flexuros. Gratanter 
itaque ab eo recepti. cum secretius cum illo raulta conferrent, tandem 
res in contrarium cedit, ut qui eo venerant, ut ad regem suum Her- 
mannum illum converterent, imperatori potius sese fidelitatem velle 
jurare ejus sunt oratione perducti. Sehr gewagt ist die Folgerung, 
die Posse (Markgrafen S. 190) daraus zieht: ,Jm wesentlichen hatte 
es Hermann dem Einflüsse des Markgrafen Ekbert zu danken, dass 
auch Bischof Benno von Osnabrück insgeheim zu ihm übertrat (1082)." 

62) Ann. Saxo 1085 (Mon. Germ. SS. VI, 721). 

oä) Epist. Henrici imp. ad R. Babenberg. episc. (Mon. Germ. 
Legg. TI, 54). 



198 Paul Rockrohr: 

Ilildcslicim und seine Anhänger, deren Beziehungen zii 
Heinrich nicht unbekannt geblieben waren, wurden zur 
Rechenscliaft gefordert; von hitzigem AYortgcfecht kam 
es zum wirklichen Kampf. Dietricli von Kathelenburg 
und sein Vetter wurden erschlagen, Bischof Udo und sein 
Bruder entronnen kaum dem Tode"*). So endete die Ver- 
sammlung, an die sich so grosse Hoffnungen geknüpft 
hatten, und die man eröffnet hatte „zur grossen Freude 
der Laien, deren Blut in so vielen Schlachten unnütz 
vergossen war"**'^). Noch einmal traten die sächsischen 
Bischöfe in der Osterwoche zu Quedlinburg zusannnen, 
wo der päpstliche Legat Otto von Ostia den Bann er- 
neuerte; auch Hermann mit den sächsischen Grossen, so 
Ekbert und den Söhnen Otto's von Nordheim, war an- 
Avesend. 

Die sächsischen und thüringischen Grossen hatten 
einen grossen Theil des Kirchengutes an sich gerissen; 
jetzt sollten sie es wieder herausgeben. Allein der Legat 
musste hören, jetzt habe man keine Zeit zu solchen 
Dingen""). 

Nichts kann die Stellung Ekberts und der andern 
mehr charakterisieren als dieses Konzil. 

Immer mehr inusste Hermann von Luxemburg em- 
pfinden, wie der Boden unter ihm wich. Udo von Hil- 
desheim hatte sich in Fritzlar dem Kaiser unterworfen 
und dieser hatte iimi eidlich zugeschworen, er wolle alle 
Sachsen, die ihn anerkennen würden, bei ihren alten Rechten 
lassen, welche sie seit Karl dem Grossen besässen. Es 
war kein Wunder, dass auf diese Bedingungen hin die 
Sachsen in hellen Haufen zur Partei des Kaisers über- 
traten^^). Der Quedlinburger Versammlung antwortete 



'^') Ver^l. V. Berger, De luiitate ecclesiae conservaiitUi. Hall. 
Diss. 1874. S. 13 flg. Ausser Waltram 11 c. 18 vergl. anii. Saxo 
(Mon. Germ. SS. VI, 721). Ekkoh. chroii. (Mon. Germ. SS. Y, 206.) 

"^) Waltram, ebcndas. 

68) Waltram. II c. 22. Beniokli ehren. (Mon. Germ. SS. V, 
442.) Die Anwesenheit Ekberts erhellt aus Bcrtholdus Constant. 
(Erath, Cod. dipl. Quedlinburgensis S. 77). 

"") Ann. Saxo (Mon. Germ. SS. VI, 722): Udo Hildinsheimensis 
episcopus sacramentnni ab Heinrico accepit, si Saxones ad eum con- 
verterentur eunniue paterno uti regno paterentur, numquam ins 
hujusmodi ipse eis infringeret, quod a tempore expugnatoris eorum 
Karoli aptissimum honestissimumque habuerant, ut si quisquam 
suorum cum aliquo de Saxonibus contra legem ageret, ipse a die 
facte sibi proclamationis infra sex septimanas digua illud emenda- 



Ekbert II., Markgraf von Meisseii. 199 

Heinrich vierzehn Tage später durch das Konzil zu 
Mainz"^). Sodann traf er seine Rüstungen, Sachsen endhch 
seinem Willen zu unterwerfen, im Vertrauen darauf, dass 
bei seinem Erscheinen die Mehrzahl die Fahnen Her- 
manns verlassen würde^^). Neben Udo gewann nament- 
lich Abt Hartwig von Hersfeld viele für Heinrich. Das 
Aussehen Sachsens bekam eine ganz veränderte Gestalt. 
Durch viele Versprechungen Heinrichs angelockt, war 
man einstimmig der Ansicht, Heinrich werde mit Un- 
recht den Grenzen des Landes fern gehalten; sei doch 
kein Grund mehr übrig, ihn zu bekämpfen, da man er- 
reicht habe, weshalb man das Schwert gezogen; Heinrich 
werde es nicht wagen, jemals wieder ihre Landesgesetze 
zu brechen, da er die sächsische Macht zur Genüge 
kennen gelernt habe"^). Vergebens arbeiteten Erzbischöfe 
und Bischöfe dieser Stimmung entgegen, sie predigten 
tauben Ohren. 

Es war im Anfang Juli, als Heinrich nun selbst mit 
seinem Heere nach Meissen kam, wo sich alsbald die 
Sachsen und Thüringer unterwarfen, gemäss den Ver- 
sprechungen, die ihnen der Kaiser durch seine Getreuen 
gegeben. Von fast allen verlassen, mussten Hermann 
und die beiden Bischöfe Bukko und Hartwig über die 
Elbe zum Dänenkönig Knut II. fliehen. 

Dagegen war Ekbert ruhig im Lande geblieben, im 
Vertrauen auf seine zweideutige Haltung, die er bisher 
bewiesen; es gelang ihm, sich vor Heinrich zu recht- 
fertigen, indem er es so darzustellen wusste, dass er nur 
der Noth gehorchend auf Seiten Hermanns gestanden, 
, dass er aber in Wirklichkeit stets die Partei Heinrichs 
vertreten habe. Ekbert brauchte sich mithin nicht zu 
„unterwerfen", sondern sobald Heinrich Sachsen betrat, 
begrüsste ihn Ekbert als seinen alten Freund und Bundes- 



tione conponeret. Juraveruut qiioque alii eins primati et episcopi, 
iit si Heinricus hoc statutum umquam postponeret, ipsi nuUum sibi 
supplementum contra Saxouiam essent. Episcopus mox in sua re- 
versus, coupatriotis quod sibi iuratiim est promittendo, multos con- 
ciliaverat parti cui ipse accessit. 

ß«) Waltram II c. 19. Vergl. Ekkeh. thron. (Mon. Germ. SS. VI, 
205); Bernoldi chron. (Mon. Germ. SS. V, 443); Sigeberti chrou. 
(Mon. Germ. SS. VI, 365.) 

69) Ann. Saxo. (Mon. Germ. SS. VI, 723.) 

™) Waltram II c. 28. 



200 Paul Reckrohr: 

genossen, dem er seit 1080 nie gescliudet, sondern in 
politischer Beziehung"^) nur genützt habe. AVir wissen 
nicht, wie weit die Bedingungen gingen, die Ekbert 
durch Udo und Hartwig gennicht waren, aber jedenfalls 
ist kein Grund vorhanden, Ekbert schon beim Einzüge 
des Kaisers verrätherische Pläne und luimtüekische Ab- 
sichten unterzuschieben, und es war nichts weniger als 
Verstellung, als er Heinrich als seinen Herrn und Freund 
begrüsste'-). 

Heinrich wähnte das ganze Sachsenland völlig unter- 
worfen, darum entliess er sein Heer und schaltete und 
waltete wie in einem völlig friedlichen Lande. Wie in 
den Jahren 1073 und 1075, so begann er auch jetzt in 
die Verhältnisse einzugreifen ; gar vieles Reichsgut mochte 
in den langen Jahren des Aufstandes theils erledigt, theils 
in unrechte Hände gelangt sein. Hatte Heinrich auch 
den sich Unterwerfenden versprochen, sie in ihren Lehen 
zu belassen und ihnen den Besitz zu garantieren, den er 
ihnen durch die Acht abgesprochen, so konnte er doch 
beim besten Willen nicht allen zugleich gerecht werden, 
zumal er darauf bedacht sein rausste, namentlich denen, 
die ihm stets treu geblieben, ihre Rechte zu wahren und 
ihre Treue zu belohnen. So kam es zu manchen Güter- 
veränderungen, über die ihre ehemaligen Besitzer aufs 
höchste erbittert werden mussten. Vor allem aber war 
Heinrich schwerlich gewillt, das Kirchengut, dass die 
sächsischen Grossen in den Tagen der Misswirthschaft an 
sich gerissen, ihnen zu belassen und alle die Belehnungen, 

■'^) In kirchlicher Beziehung dagegen scheint Ekbert stets 
Gregors Partei verfochten zu haben; vergl. Waltram II c. 35: iam non 
poterit ei (Egberto mortuo) prodesse sutis Gregorius. Vergl. oben 
S. 198, Anni. m. 

'2) Nur der ann. Saxo. spricht von einem anfänglichen Wider- 
stände Ekberts: a. 1085 (Mon. Germ. SS. VI, 723): Heinricus Saxo- 
niam intravit, eamque vastavit, Ecberto niarchione sibi repugnante. 
Allein er verwirrt hier die Nachrichten, indem er den spätem Auf- 
stand damit konfundiert. Alle andern Quellen wissen nichts von 
einem Widerstände: Ann. Ratisb. (Mon. Germ. SS. XIII, 49): Im- 
perator in eadem aestate ad Saxones cum exercitu perveniens, 
honorifice ab eis cum omni deditione susceptus est. Vergl. Waltram 
II c. 28 und Cod. dipl. Sax. reg. I, 1, 340: Qui (Egbertus) verbis paci- 
ficis amiciim mentitus fuit. Diese Urkunde vom Jahre 1089, die 
Ekberts ganzes Verhalten von 1073 an kurz rekapituliert, sagt: quia 
mox ut Saxoniam de Roma revertentes intravimus, eundem marcnio- 
nem tanto crudeliorem, quanto occuHiorem inimicum invenimus. 
Daraus geht auch hervor, dass Ekberts Verhalten 1080—1085 nicht 
als eigentlicher Abfall betrachtet wird. 



Ekbert TL , Markgraf von Meissen. 201 

die Rudolf und Hermann sicli angemasst hatten , zu 
sanktionieren. Unklugerweise ging Heinricli zu ge- 
waltsam hierbei zu Werke und verdarb es so in kurzer 
Zeit mit fast sämtlichen Fürsten Sachsens. Denn wenn 
es auch den meisten dieser Herren gleichgiltig sein 
mochte, wenn der Kaiser römisch gesinnte Bischöfe ent- 
setzte und ihm ergebenen Klerikern ihre Stühle übergab, 
so konnten sie es doch nicht verwinden, dass ihr eigener 
Besitz geschmälert werden sollte"^). Die Sachsen ver- 
standen die Versprechungen Heinrichs eben so, dass er 
sie in dem ungeschmälerten Besitze aller Güter, die sie 
bei seinem Eintritte in Sachsen besessen hätten, belassen 
wolle, während Heinrich alles unrechtmässig erworbene 
Gut einforderte. Vielleicht hatten Udo und Hartwig in 
ihi-em Eifer, die Sachsen für ihren Herrn zu gewinnen, 
weitgehendere Versprechungen und Zusagen gemacht, als 
Heinrich bestimmt hatte. So waren in kurzer Zeit die 
sächsischen Grossen aufs höchste erbittert auf Heinrich, 
der ihnen wortbrüchig erscheinen musste, und beschlossen, 
das verhasste Joch wieder abzuschütteln. Auch Ekbert 
fand nicht, was er erwartet hatte, und stellte sich in die 
Reihe der Unzufriedenen, deren rasch um sich greifender 
Verschwörung er das rechte Haupt gab"^). Bereits 
zwei Monate nach Heinrichs Einzug erhoben sich fast 



"•") Ami. ßatisb. (Mou. Germ. SS. XIIT, 49): Verum dum per 
aliquot menses pacifice cum multa gloria apud illos fuisset et quo- 
rundam consilio exercitum repatriare permisisset, quosdam presidatus 
inter ipsos absque eorum consensu permutare voluit. Principibus 
ero;o illis coiisentientibus in Saxonia pontificatus sibi adversantibus 
episcopis auferens et ei subditis clericis tribuens, dum seculares 
potestates vellet similiter permutare, sensit prope omnes principes 
Saxonicos adversum se coniurare. Hac pro causa coactus est, oc- 
culte ingloriosus cum suis reverti in Franciam, auxie volens cele- 
riter remeando devastare cum exercitu Saxonum provintiam. 

'^) Sigeberti chron. a. 1085 (Mon. Germ. SS. VI, .365): Impe- 
rator Saxones aggreditur; illi pacem petunt et irapetrant, pacti ut 
Omnibus pro hac rebellione proscriptis sua restituantur. Quod quia 
factum non est, iterum rebellant, incentore pre cunctis Egberto co- 
miti, imperatoris consanguineo. Vergl. Ekkeh. chron. a. 10S5. (Mon. 
Germ. SS. VI, 206). Waltram II c. 28. Ann. Aug. (Mon. Germ. 
SS. III, 131). Alle drei gehen auf die Beweggründe nicht ein, wie 
Sigeb. chron. und die ann. Ratisb. — Floto, Heinrich IV. II, 316; 
Giesebrechtlll, 613 flg. ; Posse S. 193 beurtheilen hier Ekbert unge- 
recht, indem sie beide letztgenannte Quellen zu vrenig berück- 
sichtigen und zu viel Gewicht legen auf die Ächtungsurkunden, die 
zwar die nackten Thatsachen richtig bringen, aber ihre Motive na- 
türlich parteiisch auslegen. 



202 Paul Rockrohr: 

silnitHclie Sacliscn wie mit cinein SclilaiiC mit jrewaffnotor 
Hund gegen den nichts ahnenden König; ja selbst ein 
Anschlag, wenn auch niciit gerade auf sein Leben, so 
doch auf seine Fi'eiheit, war im Werke'''). Nur durch 
schnelle Flucht konnte Heinrich sich seinen erbitterten 
Gegnern entziehen, während Hermann mit Bucco und 
Hartwig triumpliierend wieder in Sachsen einzogen'"). 

Bald hatte Heinrich wieder ein Heer versammelt, 
mit dem er im Anfange des Jahres 1086 von Franken 
aus zunächst in Thüringen einbrach ; in den ersten Tagen 
des Februar Hess er zu Wechuiar an der Unstrut Ekbert 
durch ein Ftirstengericht, in welchem zum Theil dessen 
eigene Landsleutc sassen''), ächten und ihm seine sämt- 
lichen Lehen absprechen. Von diesen Besitzungen erliielt 
der treue Konrad von Utrecht, dem schon 1077 Staveren 
zugesprochen gewesen war, den Komitat in den Gauen 
Ostergo und Westergo''^). Von da aus rückte Heinrich 
sengend und brennend bis zur Bode vor; aber seine 
eiligst zusammengerafften''^) Scharen waren dem Heere 



""') Die Ächtungsurkuiiden vom Jahre 1086 und 1089 betonen 
ausdrücklich diese Ansdiläge: nou solum honorem, sed etiam vitam 
nostram impuiiiiarc conatns est (Cod. dipl. Sax. reg. I. 1, .344); 
non solum exinanire dignitatem nostram, sed et vitam nostram mo- 
liebatur extinguere (a. a. 0. .345); dum nos nil mali timentes im- 
paratos occidere voluit (a. a. 0. .349). Allein wie dieselbe Urkunde 
zeigt, verstand man übertreibend unter einem bewaftneten Aufstände 
gegen den König zugleich die Absicht, ihn zu töten: Elkbertus, 
dum in nostram et depositionem et mortem consilium et auxilium 
Saxonibus et aliis nos i)ersequentibus dedit. Diese Worte bezieben 
sich aber auf die Jahre vor 1080, wo wir doch Ekbert keinen Mord- 
anschlag vorwerfen können. 

"•') Waltram II c. 28. Bernoldi chron. (Mon. Germ. 
SS. V, 444). 

"') Tarn Saxones quam Turingi cum ceteris principibus ipsum 
sicut manifestum bestem persequendum consuerunt (Cod. dipl. I. 1, 
.344). Da Wechmar ganz nahe bei Gleichen, Kkberts Burg, lag, ist 
es höchst wahrscheinlicli, dass das Gericht auf dessen eignem Grund 
und Boden stattfand. 

'•*) Cod. dipl. I. 1, :;44; vergl. a. a. 0. 349. Posse, Markgrafen, 
S. 194 meint, lleinrich habe Ekbert erst auf seinem Rückzuge ge- 
ächtet, allein Cod. dipl. I. 1, 349 heisst es ausdrücklicli: Saxoniam 
intraturi prius Duringiam intravimus, ubi principes Ecberti omnia 
bona nostre majestati adiudicaverunt. 

■'^) Ebendas. : velociter collecto exercitu. Ferner ann. Ratisb. 
(Mon. Germ. SS. XIII, 49): anxie volens celeriter remeando devastare 
Saxonum provintiam. 



Ekbert II., Markgraf von Meisseii. 203 

Ekberts gegenüber zu sclnvacli; um mit Erfolg in Sachsen 
eindringen zu können**"). 

Heinrich sah sich gezwungen, für jetzt von der 
Unterwerfung Sachsens abzustehen, zumal da die Ver- 
hältnisse in Süddeutschland dringend seine Anwesenheit 
erheischten. Schon am 3. April finden wir ihn in Re- 
gensburg, wo er von Ekberts Lehen auch den Jsselgo 
an Bischof Konrad übertrug'^^). Nun ging auch Ekbert, 
welcher jetzt unbestritten in Sachsen das Heft in den 
Händen hatte, zum Angrifte vor, indem er sich mit Herzog 
Weif und den Schwaben verband. Bei Pleichfeld kam 
es am 11. August zur Schlacht, wo Heinrichs ungeübtes 
Heer den ritterlichen Vasallen der Aufständischen erlagt-). 
Dadurch fiel auch Würzburg, das Heinrich hatte ent- 
setzen wollen, und der greise Adalbero konnte nach fast 
zehnjährigem Exil wieder in sein Bisthum zurückkehren. 
Fast ein Jahr verstrich noch mit fruchtlosen Unterhand- 
lungen zwischen Heinrich und den ßebellen, die ihren 
Sieg so schlecht ausgenutzt hatten. In Sachsen begannen 
zuerst wieder die Kämpfe. 

Mit Besinn des Sommers 1087 fiel Wratislaus, welcher 
1086 von Heinrich die Königskrone empfangen hatte, m 
die Mark Ekberts ein^-^), wo er bis Äleissen vordrang 



SO) Beriiolcli chron. a. 1086 (Moii. Germ. SS. V, 444): Heinricus 
contra Saxones exercitum 6. Kai. Febr. promovit. Seil Saxones ei 
cnm magna multitudiue obviam venientes inacte eum repedarc com- 
pulerunt. Unwahrscheinlich sagt Waltram 11 c. 28: imperator, qui 
usque ad Botam fluvium cum exercitu suo tunc peragraverat utro- 
rumque provinciam, composita pace iuxta conditiones, quas principes 
utriusque aequas et utiles iudicasseut, discessit inde propter instantem 
quadragesimam. Dies soll doch nur die Erfolglosigkeit des könig- 
lichen Zuges verdecken. Auch sonst finden wir bei Waltram das Be- 
streben, Heinrichs Niederlagen zu verhüllen, vergl. II c. 16.28. Was 
soll namentlich der Frieden bedeuten, dessen Bedingungen aequae 
et utiles genannt werden , da doch die principes auf sächsischer 
Seite vor allen der eben geächtete Ekbert sowie Hermann samt den 
Bischöfen waren. Ferner, wenn die Fastenzeit die P'eindseligkeiten 
aufheben sollte, so konnte dies Heinrich schon in Wechmar 9 Tage 
vorher wissen. Wenn man gerade auf diese Worte Waltrams gestützt 
hat behaupten wollen, der Gottesfrieden, der ja übrigens für den 
Kaiser selbst, wenn er einen Aufruhr niederschlagen wollte, keine 
bindende Kraft hatte, sondern nur für die Fehden galt, wäre da- 
mals bereits tief ins Volk gedrungen, so halte ich diese Behauptung 
für verfehlt. 

8') Cod. dipl. Sax. reg. I. 1, 345. 

82) Vergl. Giesebrecht III, 619. 

»») Cosmae chron. Bohem. a. 1087 (Mon. Germ. SS. IX, 93). 



204 Paul Rockrohr: 

und in der Nälic dieser Stadt seine Trutzfeste Guozdek, 
die ihm Ekbert in den frülieren Kämpfen zerstört^*), 
wieder aufbaute. Zwar erlitt sein Solm Bretislaus bei 
einem Streifzuge durch Ekberts eisengepanzerte Reiter 
eine Niederlage, aber Wratislaus behauptete sich doch im 
östlichsten Theilc der Mark, im Milzener Lande und im 
Gaue Nisaui. 

Inzwischen gelang es auch Heinrich, der trotz aller 
Niederlagen unermüdlich war, neue Kräfte heranzuziehen, 
ein Heer zusammenzubringen, mit dem er zuvörderst 
Hermann und die Sachsen unterwerfen wollte- Er hatte 
diesmal eine andere Taktik eingeschlagen, die besseren 
Erfolg versprach. Während er selbst durch Thüringen 
zog und sengend und brennend der Aufständischen Güter 
verheerte^'^), drang gleichzeitig Wratislaus vom Osten her 
in die Mark ein, um die festeste Stütze Hermanns und 
den bedeutendsten Gegner unter den Sachsen, Ekbert, 
von zwei Seiten zu fassen. Aus Heinrichs ganzem Han- 
deln geht hervor, dasß er seinen Vetter nicht zum Ver- 
zweiflungskampfe, dessen Ausgang ein ganz unberechen- 
barer, der jedenfalls aber höchst blutig sein musste, 
zwingen, sondern dass er ihn durch die Verwüstung 
seiner Besitzungen und durch Unterhandlungen dahin 
bringen wollte, dass er sich von Hermann trennte und 
sich ihm unterwürfe. Hatte er dies erreicht — und Hein- 
richs kranker Körper ^^) war der Anstrengung eines 
langwierigen Feldzugs nicht gewachsen — , so fiel die 
Macht Hermanns von selbst zusammen, vmd er konnte 
sich dann mit allen Kräften auf den Süden werfen, um 
die Weifen zu beugen. Es ist nicht unwahrscheinlich, 
dass Heinrich selbst unter der Hand seinem Vetter seine 
Gnade entbieten Hess und ihm die Rückgabe seiner 
sämtlichen Güter versprach, wenn er sich selbst unter- 
werfe und auch die übrigen aufständischen Grossen der 
Sachsen, auf die ja Ekbert den grössten Einfluss besass, 
ebenfalls zu ihm zurückführe. Jedenfalls kam es zu 
Unterhandlungen zwischen Heinrich und Ekbert, welche 
die Fürsten vermittelten, die sich im Gefolge des Königs 



*') Vergl. Böttger, Bruiionen S. (i39 tig. Posse, Mark- 
grafen, S. 206 flg. 

»"•) Ann. Aufi. (Mon. Genn. SS. III, .32). 

8ö, Bernoldi ehren, a. 1087 (Mon. Germ. SS. V, 44.5): Hein- 
rieus, licet infirmus, expeditionem in Saxoniam cum Beheimensibus 
promovit. 



Ekhert IT., Marl<graf von Meissen. 205 

befanden^'). Damit aber nicht Heinrich, wie im Jahre 
1085, nach der Unterwerfung von neuem in die säch- 
sischen Verhältnisse eingreife und zwar diesmal — be- 
lehrt durch den damaligen Aufstand — an der Spitze 
seiner Truppen, so stellte Ekbert seinerseits die Bedin- 
gung, Heinrich müsse sein Heer aus Sachsen führen*"^). 
Erst als dieses erfüllt war, unterwarf sich Ekbert zu 
Hersfeld dem Kaiser und verpflichtete sich durch die 
heiligsten Eidschwüre, sowohl selbst stets treu zu Hein- 
ich zu halten als auch die übrigen noch aufständischen 



r 



6* 



Sachsen zur Unterwerfung und Einigung unter Heinrichs 
Scepter zu bewegen. 

Heinrich setzte ihn nun völlig wieder in seinen Be- 
sitzstand ein, indem er ihm auch die Komitate, welche 
er bereits seinen Getreuen verliehen, wieder zusprach, ja 
er gab ihm, um ihn für die gebietende Stellung, welche 
er unter Hermann inne gehabt, zu entschädigen und es 
ihm möglich zu machen, die Rebellen zur Treue gegen 
Heinrich zurückzuführen, dieselbe Stellung eines Reichs- 
verwesers für Sachsen und Thüringen, wie sie einst Otto 
von Nordheim durch Heinrich übertragen war^®). 

Allein vergebens sollte Heinrich auf die Schwüre 
seines jugendlichen Verwandten gebaut haben; er erfüllte 
sein Versprechen ebenso wenig, wie es einst Otto von 



*') Egbertus per principes nostros nobis manclavit etc. (Cod. 
dipl. Sax. reg. I. 1, 349). 

**) Nach Waltram II c. 33: iure iuraiido promisit imperatori, 
ut si vellet inde exercitum reducere, sese deditionem facturum esse. 
Leider ist auf die Quellen, die hierbei in Frage kommen (Waltram; 
ann. Aug.; Bernoldi chron.), kein Yerlass. Während die ann. Aug. 
(Mon. Germ. SS. III, 32) erzählen, praegrandi exercitu sei Heinrich 
in Thüringen eingedrungen, berichtet Bernold (Mon. Germ. SS. V, 
445): Heremannus eum (Heinricum) cum tanta multitudine Saxonum 
insecutus est, ut facillime ipsum cum Omnibus suis obtineret, si neu 
dolo Eggiberti comitis evasisset. Dagegen behauptet Waltram. II c 33, 
die Rebellen hätten keinen Widerstand gewagt: cum non auderent 
Saxones atque Thuringi oft'erre ei occasionem pugnandi. Vielleicht 
lag es in der Beschafienheit des königlichen Heeres selbst (mangelnde 
Yerptiegung, Unlust der milites , gegen die Sachsen zu kämpfen, 
wenn schon Unterhandlungen zum Ziele führten), dass Heinrich ge- 
zwungen war, es so bald zu entlassen. Wenigstens wäre es mehr 
als Vertrauensseligkeit und Nachgiebigkeit von Seiten Heinrichs 
gewesen, wenn er ein tüchtiges Heer bei sich gehabt hätte, aber auf 
Wunsch Ekberts Sachsen verlassen, ja sein Heer aufgelöst und erst 
dann die Unterwerfung des Rebellen angenommen hätte, 
s») Waltram ebendas. Cod. dipl. I. 1, 349. 



206 Paul Rockrohr 



Nordheim gethan. Kaum liatte Heinrich Sachsen ver- 
lassen, als auch schon Ekbert sein Bund und seine 
Unterwerfung reuten'"*). Und zwar waren es seine alten 
Verbündeten, die Bischöfe Bucco von Halberstadt und 
Hartwig von Magdeburg, die ihn Heinricli abwendig 
machten. Es hätte vielleicht nicht einmal der 2;länzenden 
Uberredungsgabe eines Bucco bedurft, in dem leiden- 
schaftlichen, unbesonnenen Ekbert, dem wie seinem Vater 
nur allzusehr die Gabe der kühlen, ruhigen Überlegung 
mangelte, das Vertrauen zu seinem Vetter zu erschüttern, 
wenn die Bischöfe nur darauf hinwiesen, Avie Heinrich, 
wenn er erst alle seine Feinde bezwungen, doch in Sachsen 
genau wieder so auftreten und seine Rechte geltend 
machen werde, wie er es wiederholt in den vergangenen 
Jahren gethan, wenn sie gerade an Heinrichs treusten 
Anhängern, an Konrad von Utrecht und König Wratislaus 
von Böhmen zeigten, wie oft Heinrich an ihnen seinen 
Versprechungen untreu geworden war! Auch kannten 
die beiden Bischöfe am besten die hochfahrenden Pläne 
des ehrgeizigen jungen Fürsten, welcher selbst am liebsten 
die Köuigskrone statt Hermanns getragen hätte. Darum 
machten sie ihm jetzt selbst Aussichten auf die Krone 
des Luxemburgers und boten ihm ihre Unterstützung an. 
Es war eine That der Verzweiflung, die die Bischöfe zu 
diesem Versprechen trieb; denn sie fühlten sich verloren, 
sobald auch Ekbert zu den Fahnen des Saliers schwur. 
Dieser Eidbruch ist der dunkelste Fleck in dem Leben 
des wilden, grundsatzlosen Jünglings; er war es auch, 
der der Grund zu seinem Sturze wurde. 

Heim-ich hatte sein Heer schon aufgelöst, als er die 
Treulosigkeit seines Vetters erfuhr, und musste daher für 
jetzt abstehen, den Abfall zu rächen. 

Allein Ekbert sollte sich in seinen stolzen Hoffnungen 
ebenso getäuscht sehen, wie er seinen König getäuscht 
hatte. Hartwig und Bucco konnten und wollten auch 
nicht ihr Verspreclien erfüllen. Ihnen war es nur darauf 
angeivummen, Ekbert für den Augenblick von der Partei 
des Kaisers zu trennen; aber der wankelmüthige, herrsch- 
süchtige Jüngling mochte ihnen noch weniger zum Herrscher 



"") Ebendas. : At ille statim, ut de Saxonia exivimus, ad anti- 
quam perfidiam revertitur. Wenn Waltram. II c. 33 sagt: postera 
die legatos suos ad imperatorcni rcmisit, qui dicereiit, tidem se uon 
posse solvere etc., so ist dies jedenfalls rlietorisclie Übertreibung. 



Ekhert IL, Markgraf von Meissen. 207 

taugen als Hermann^ unter dessen schwachem Reghnente 
sie durch ihre Klugheit geherrscht und erlangt hatten, 
was sie wollten. Wie wenig es ihre Absicht war, ihn 
auf den Thron zu erheben, sehen wir aus dem auffallen- 
den Umstände; dass gerade in dieser Zeit beide Bischöfe 
mit dem Böhmenkönige, dem erbittertsten Feinde Ekberts, 
unterhandeln^^). Auch waren die sächsischen Grossen 
wenig geneigt, einen ihrer Landsleute, dessen Machtstellung 
sie so schon neideten, als ihr Haupt anzuerkennen und 
für ihn das Schwert zu ziehen®'-). Ekbert sah bald, dass 
die Bischöfe ihn betrogen hatten. Er schäumte vor Wuth, 
dass auch dann, als Hermann von Luxemburg Sachsen 
verlassen und die Krone niedergelegt hatte, weder die 
Bischöfe noch die sächsischen Grossen Anstalten trafen, 
für ihn einzutreten. Darum warf er sich zunächst auf 
Bucco, dessen gleissende Worte ihn zumeist verführt hätten, 
und dem er nicht mit Unrecht die grösste Schuld bei- 
mass; er sollte zuerst seine Rache fühlen. Um jedoch so 
nicht zwischen zwei Feuer zu kommen, sandte er Boten 
an den Rhein zum Kaiser, dem er selbst jetzt seine Unter- 
werfung anbot und Geiseln für sein Verhalten gab. Ohne 
jedoch die Rückkehr seiner Boten abzuwarten®'^), fiel er 
plötzlich mitten während des Gottesfriedens in das Halber- 
städter Gebiet ein und verheerte es grausam mit Feuer 
und Schwert. Es kam durch Vermittelung der sächsichen 
Grossen, die noch mit Ekbert zuletzt auf Seiten Her- 
manns gestanden, zu einem Waffenstillstände, um in Goslar 
über den Übertritt zu Heinrich zu verhandeln. Alle waren 
für den Frieden mit dem Kaiser, nur Bucco blieb un- 
beugsam. So zerschlugen sich die Verhandlungen; allein 
bald verbreitete sich die Kunde von Buccos Hartnäckig- 



"1) Pez, Thesaurus anecdotorum VI, No. 81. 

»2) BernoUli chron. 1088 (Mon. Germ. SS. V, 447): Heremannus 
rex nativitatem Domini in Saxonia celebravit, ubi et Eggibertus 
comes se reguum afiectare manifestavit, sed incassum, nam principes 
regui ei assentire uoluerunt. 

^■') Waltram II c. 35: episcopi eum fefellerunt, non ei donantes 
regnum quod promiserunt; quapropter secessit a parte eorum et 
societate et iterum, datis obsidibus atque iuramentis, contirmavit 
pactum pacis et fidei cum imperatore. Interea contigit hoc quod 
supra diximus, quia tunc occisus est ille Burcardus Halberstatensis 
episcopus a suis populavibus. Hieraus geht deutlich hervor, dass 
Ekbert nicht die Autwort des Kaisers vom Rheine her empfangen 
bez. auf sie gewartet und dann erst gegen Bucco gekämpft haben 
kann. 



208 Paul Rockrolir: 

keit unter dem Volke, das des verlieerendon Krieges müde 
seine Friedenswünsche durcli den Biscliof vereitelt sah. 
Es kam zu einem Aufstande der Bürger noch in derselben 
Nacht (5. April), wobei der greise Bischof erschlagen 
wurde ^^). „Heinrich verlor in Burkard seinen gefähr- 
lichsten Feind in Sachsen. Seit dieser Zeit war niemand 
mehr so beredt und einflussreich, um das Volk in blassen 
gegen den Kaiser erregen zu können"""'). Nach seinem 
Tode traten nun die Reste der antikaiserlichen Partei, die 
schon vorher den Frieden gewünscht, zu Heinrich über, 
so vor allem die Bischöfe von Zeitz, von Merseburg und 
Magdeburg. Heinrich nahm sie nicht nur in Gnaden auf, 
sondern gab ihnen auch ihre Bisthümer zurück, obgleich 
dieselben seit dem Mainzer Konzil längst von Anhängern 
des Kaisers und seines Papstes besetzt waren. Während, 
noch Benno von Meisscn 1086 sich nicht nur dem Kaiser, 
sondern auch dessen Papste hatte unterwerfen müssen"*'), 
nuichte der Kaiser jetzt den übergetretenen Bischöfen ein 
wichtiges Zugeständnis: er verlangte nur Anerkennung 
seiner Person, dagegen Hess er ihnen in kirchlichen Fragen 
freie Hand. Auch Urban H. schlug eine versöhnlichere 
Politik ein, indem er die Bischöfe nicht hinderte, mit 
dem geächteten Kaiser zu verkehren, sofern sie nur ihn 
als rechtmässigen Papst anerkannten. So war es Hart- 
wig von Magdeburg möglich, treu bei Heinrich auszu- 
harren und doch gegen den Gegenpapst Wibert mit allen 
Mitteln zu kämpfen"^). 



»*) Waltram H c. .35; Aventin. anii. Boic. lib. V, .360 und 
aim. Saxo a. 1088 (Mon. Germ. SS. VI, 724) sind namentlich heran- 
zuziehen. Die Quelle des ann. Sa.\o ist sein- gefärbt. Ekbert trift't 
an dem Tode Buccos absolut keine Schuld; vergl. Waltram: Bur- 
cardus occisus est a suis populaiibus, non id agente marchione, sed 
tamen hoc factum ipso approbante. Dieses haben Giesebrecht III, 
025, Büchner, Bucco von Ilalberstadt (Schweriner Gymnasialprogr. 
1870), S. 23 und Posse, S. 199 zu wenig beachtet. Ausserdem irren sie, 
wenn sie aus Stnm pf No. 2893: qui (Egbertus) episcopum et alios 
clencos trucidavit, folgern, Ekbert habe Bucco's Tod verschuldet, 
denn dieser episcopus ist Bischof Burkhard von Lausanne, der bei 
Gleichen Weihnachten 1088 fiel. 

»5) Stenzel, Gesch. der fränk. Kaiser I, 532. 

«ß) Waltram II c. 25. 

"') Vergl. Si eher. Die Haltung Sachsens gegenüber Heinrich IV. 
(Bresl. Diss. 1883). Die Nachrichten über Hartwig bei Waltram 
sind alle einer sorgfältigen Kritik zu unterwerfen, da sie der bitterste 
Hass gegen den Erzbischof, welchem Waltrams Abt Hartwig von 
Hersfeld hatte weichen müssen, diktiert hat. 



Ekbert II., Markgraf von Meissen. 209 

Im Hochsommer 1088 kam endlich Heinrich selbst 
nach Sachsen, um die arg zerrütteten Verhältnisse in dem 
Lande, in welchem nun 15 Jahre lang der Bürgerkrieg 
gewüthet hatte, zu ordnen. Von allen Seiten scharten 
sich seine Getreuen um ihn; nicht nur die Bischöfe finden 
wir in Heinrichs Umgebung, sondern auch die sächsischen 
Grossen wie Herzog Magnus, Graf Siegfried, der Sohn 
Ottos von Nordheim, ferner der Markgraf von der Nieder- 
lausitz Heinrich, der Sohn Dedis und Adelas, welcher 
jetzt als treuster Anhänger Kaiser Heinrichs erseheint, 
und andere erkannten freiwillig Heinrich als ihren Herrn 
an. Vor allem war es Heinrich nun darum zu thun, end- 
lich sein Verhältnis zu seinem Vetter Ekbert zu regeln ^^). 
Ekbert war nicht, wie die anderen Grossen, beim Einzüge 
Heinrichs erschienen, um ihn zu begrüssen. Wir haben 
oben gesehen, wie Ekbert, um sich gefahrlos an Bucco 
von Halberstadt rächen zu können und nicht gegen zwei 
Feinde zugleich fechten zu müssen, Boten zum Kaiser an 
den Rhein gesandt hatte, um diesem seine Unterwerfung 
anzubieten. Allein Heinrich war nicht gewillt, dem treu- 
losen Vetter, der seine heiligsten Eidschwüre zu Hersfeld 
für nichts geachtet hatte, das Streben nach der Krone un- 
gestraft hingehen zu lassen. Darum lud er ihn zur Recht- 
fertigung an den Hof nach Quedlinburg. Ekbert jedoch 
erwartete nicht viel Gutes von einer Rechtfertigung, die 
ihn sich wegen seines Vertragsbruches rechtfertigen hiess, 
und wo im Fürstengericht voraussichtlich zumeist Lands- 
leute Sassen, also sächsische Fürsten und Bischöfe, die 



ö8) Waltram berichtet, Ekbert habe im Anfange des Jahres 
1088, als er Bucco seine Rache empfinden lassen wollte, mit Hein- 
rich Frieden geschlossen (siehe oben S. 207, Anm. 93: confirmavit 
pactum pacis et fidei cum imperatore), sei dann aber wieder von 
ihm abgefallen (cum iterum marchio, reus totius violatae fidei et 
pacis, secessione occultissime coUoquiis bellum renovasset). Allein, 
da die Ächtungsurkunde vom 1. Februar 1089, welche, wie schon 
erwähnt, uns genau den ganzen Verlauf der Aufstände und Unter- 
werfungen Ekberts erzählt, von einer Unterwerfung und Begnadigung 
desselben nach dem Hersfelder Abfalle nichts weiss, so müssen wir 
Waltram dahin berichtigen, dass Ekbert zwar seine Unterwerfung 
anbot, Heinrich aber erst in Sachsen die näheren Bedingungen der 
Unterwerfung bestimmen wollte, indem er ihn nach Quedlinburg 
lud. Sieb er (S. 44) sucht diesen Umstand, dass die Urkunde von 
einem Vertrage zwischen Ekbert und Heinrich nichts weiss , so zu 
erklären, dass er willkürlich behauptet, Heinrich habe diesen letzten 
Vertrag selbst gebrochen und iffn darum auch in der Urkunde ver- 
schwiegen ! 

Neues Archiv f. S. G. u. A. VIL 3. 4. 14 



210 Paul Rockrohr: 

tliells iliiu durch sein treuloses Scliwanken zwischen beiden 
Parteien und durch sein herrisches Auftreten verfeindet 
waren, tlieils auch selbst sich Hoffnungen auf seine reichen 
Lande raacliten"**). Daher zog Ekbert es vor, auszubleiben; 
hochfahrend erkannte er nicht einmal die Berechtigung 
einer gericlitlichen Untersucliung an, gescliweige denn, 
dass er um Verzeihung und Mitleid gefleht hätte^*"'). Nun 
folgte Heinrich dem Drängen der Fürsten und liess die- 
selben in Quedlinburg über den treulosen Vetter zu Ge- 
richt sitzen. Siegfried und Heinrich von der Lausitz 
erkUirten Ekbert für einen Reiclisfeind, sprachen dem 
Geächteten seine sämtlichen Besitzungen ab und über- 
antworteten sie dem Kaiser ^"^). Ihrem Spruche schlössen 
sich die übrigen Fürsten an. Noch immer hoffte Heinrich 
von Ekbert, dem er auch jetzt noch in übergrosser Milde 
und Nachsicht das Erbe seiner Väter erhalten wollte, er 
werde reuig zu ihm zurückkehren; ungern nahm er von 
der Hoffnung Abschied, noch einmal in Ekbert eine feste 
Stütze im Osten zu haben und mit seinem starken Arme 
die Grossen niederzuhalten. Er wusste wohl, dass auf 
die anderen sächsischen Fürsten, die jetzt so eifrig auf 
die Achtung Ekberts drangen, um sich in dessen reichen 
Besitz zu theilen, ebenso wenig ein Verlass war, wenn 
die Noth an den Mann kam. Darum hielt er noch die 
Achtserklärung zurück und schickte sich zunächst an, 



"•*) Dies erkennen wir aus dem Vorgeben der sächsischen 
Fürsten. Cod. dipl. Sax. reg. I. 1, .S4;t: Nam Sigefridus, üttonis 
quondam dncis filius, Egbertnni ut publicum regni liostem et doniini 
sui iinperatoris inimicnm persequendum judicavit. Henricus autem 
marchio suique oquales raarchia aliisque suis privari debere bouis 
Egbertum eundem judicaverunt. Heinrich von der Lausitz empfing 
dann auch wirklich die Mark Meissen. 

^"^) Ebendas. : Ekbertum fugientem nee pro iustitia nee pro 
misericordia satisfacere volentem. 

'Ol) Da nach den ann. s. Disibodi a. 1089 (Mon. Germ. SS. 
XVII, 9) Heinrich Mitte August begann, die Burgen Ekberts zu be- 
lagern, so muss das Fürstengericht im Beginne dieses Monats statt- 
gefunden haben. Nach Cod. dipl. Sax. reg. I. 1, .347 (No. 159) wäre 
allerdings sowohl Heinrich noch am 10. August in Mainz als auch 
Ekbert damals sein Verbündeter gewesen; allein trotz aller Aus- 
führungen von Posse, Markgrafen, S. 200, Anm. 140 kann ich sie 
mit Gie sehr echt III, 1174 ebensowenig für echt halten wie 
Stumpf No. 2891 (Lepsius Gesch. d. Bisch, von Naumburg I, 2.S.'}) und 
No. 2892 (Cod. dipl. Sax. reg. I. 1, .348). Da noch Weihnachten 1088 
die Belagerung von Gleichen währte, braucht man nicht anzunehmen, 
dass Heinrich die ganze Zeit selbst im Lager daselbst geweilt habe. 



Ekbert IL, Markgraf von Meissen. 211 

Ekberts Burgen 7A\ belagern, um den Trotz des Gebannten 
zu brechen ^^■-). 

Die Belagerung der festen Burg Gleichen bei Erfurt 
leitete Heinrich selbst. Allein Ekbert vertraute noch ein- 
mal auf das Waffenglück, das ihn noch nie verlassen 
hatte, und stellte sich an die Spitze seiner kriegserprobten 
Schar, die er für den Fall des ungünstigen Ausganges 
seiner Unterhandlungen mit dem Kaiser schon längst ge- 
sammelt"'^). Zunächst hatte Ekbert in seiner Mark gegen 
die Böhmen zu kämpfen, die sich seit dem Jahre 1087 
im Osten derselben festgesetzt hatten. Hier war es ihm 
gelungen, die Trutzfeste Guozdek zum zweitenmale zu 
zerstören und die Böhmen so aus der Nähe Meissens zu 
vertreiben, sodass Wratislaus gezwungen war, die Feste 
auf einem gesicherteren Orte — der also wohl seinem 
Lande näher lag — wieder aufzubauend"^). Sodann er- 



i*'2) Sed nos adhuc exspectautes castella ejusdem Egberti obse- 
dimus magis respectu ad nos eum recolligendi, quam de nobis 
repellendi (Cod. dipl. Sax. reg. I, 1, 349). 

^03) Ann. Aug. (Mon. Germ. SS. III, 133): Ekkepertus in Sa.xonia 
clam turba congregata non modica. Jedoch zeigen sich die Aunalen 
hier nicht besonders unterrichtet, und können sie einfach aus dem 
Überfalle bei Gleichen gefolgert haben, Ekbert habe heimlich 
seine Truppen gesammelt. 

^^) Cosmae chron. Bohem. (Mon. Germ. SS. IX, 94): Interea 
contigit, ut iterum rex Wratizlaus Zribiam cum suo exercitu intraret, 
quo praedictum castrura Guozdec in alium firmiorem locum transfei-ret. 
Bernold a. (1088) Mon. Germ. SS. V, 448) berichtet noch für diese 
Zeit, dass Ekbert den Kaiser bei der Belagerung einer Feste an- 
gegriften und ihn gezwungen habe, auf einen Berg (mons) zu fliehen. 
Nach zweitägiger Belagerung, nachdem er bereits die Reichsinsignien 
verloren, sei er dann genöthigt worden, den Bann des Papstes an- 
zuerkennen und um Absolution zu bitten, darauf im Frieden entlassen. 
Trotzdem bereits Pertz daselbst Anm. 98 und Giesebrecht III, 
1174 diese eigenartige, an sich schon unverkennbar den Stempel 
der Unwahrheit tragende Nachricht als auf einer Verwechselung mit 
Heinrichs Niederlage bei Gleichen beruhend zurückgewiesen haben, 
nimmt sie Posse, Markgrafen, S. 199 wieder auf. Dass übrigens 
dabei Heinrich aus der belagerten Feste getlohen wäre (Saxones 
[Heinricum] de obsidione cujusdam munitionis fugarunt) und Ekbert 
ihm die Reichskleinodien zurückgegeben hätte, wie Posse behauptet, 
berichtet Bernold nicht. Auf Bernold fussen die ann. Otteu- 
burani 1088 (Mon. Germ. SS. V, 8). Die ann. S. Disibodi (Mon. Germ. 
SS. XVII, 9) brauchen nicht als dritter Beleg für diese Nachricht 
zu gelten: a. 1089. Henricus rex, memor injuriae, quam sibi Egge- 
bertus marchio anno praeterito apud Merseburg fecerat, ... Glico 
castrum in vigilia assumptionis sanctae Mariae obsidione circum- 
vallarat. Da dies am 14. August 1088 geschah, ist annus praeteri- 
tus 1 087, also damit der Bruch des Hersfelder Vertrages gemeint. 

14* 



212 r'aul Rockrohr: 

schien er plötzlicli mit seinen Reisigen vor Quecllinbiirg, 
wo des Kaisers Braut und Schwester sich aufhielten, und 
verwüstete die Umgegend mit Feuer und Scliwert. 
Heinrich entsandte, um beide Frauen besorgt, Hartwig 
von Magdeburg mit einem bedeutenden Theile seines 
Heeres, um Quedlinburg zu entsetzen. Kaum hatte Ekbert 
durch seine Spione, vielleicht verrätherisehe Geistliche in 
Hartwigs Heere selbst^^''), das Herannahen des Erzbischofs 
erfahren, als er schleunigst mit seinen Reitern — den 
Hartwig auf Umwegen vermeidend — nach Erfurt auf- 
brach. Am Abend des 24. Dezember langte er vor seiner 
Feste Gleichen an; Heinrich hatte nicht nur durch die 
Absendung Hartwigs sein Heer bedeutend verringert, 
sondei'n auch eine grosse Anzahl der Vasallen des hei- 
ligen Festes wegen entlassen^*'''). 

Während man im Lager sich zur Feier der Geburt 
des Herrn rüstete und im Himmel und auf Erden das 
Lied erklang'**'): Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden 
auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen 1, dröhnte 
drausscn der Boden von dem Hufschlage der feindlichen 
Rosse. 

Wie ein gewaltiger Sturmwind stürzte sich der junge 
Markgraf, den Seinen voran, auf die Kaiserlichen'"**). 
Zwar wurden seine ordnungslos heranstürmenden Reiter 
von der Lagerwache eine Zeit lang aufgehalten, allein 
Ekbert stellte bald das Treffen wieder her und drang 
nun in das Lager ein'*''*), mit ihm sein Genosse, der ju- 
gendliche Lothar von Supplinburg. Bis tief in die Nacht 
hinein dauerte der erbitterte Reiterkampf. Die Kaiser- 
lichen, obwohl zumeist nur halb bewaffnet, wie gerade 
ein jeder in der Verwirrung sich hatte rüsten können, 

In welchem Zusammenhange der Name Mersehurg zu dem Hers- 
l'elder Vertragsbruclie steht , vermag ich allerdings ohne Willkür 
nicht zu erklären, aber ebensowenig passt der Name zu ßernolds 
Bericht, denn es giebt keinen mens in der Nähe von Merseburg 
ausser dem Burgfelsen selbst. 

^o-') Berno'ldi ehren. (Mon. Germ. SS. V, 448): Eggebertus a 
quibusdam religiosis confortatus .... Waltram bezichtigt (II c. 35) 
aus blindem lluss Hartwig dieses Verrathes. Obwohl man längst 
diese Nachricht als unwahr erkannt hat, findet sich dieselbe wieder 
bei Posse, Markgrafen, S. 201. 

^^) Ekkeh. chron. (Mon. Germ. SS. YI, 207): cum magna pars 
primatum ob diem fcstum jam abiret. 

10') Waltram II c. 35. 

108) Ann. S. Disibodi (Mon. Germ. SS. XVII, 9). 

10«) Walt r am II c. 35. Ekkeh. chron. (Mon. Germ. SS. VI, 207). 



Ekbert IT., Markgraf von Meissen. 213 

wehrten sich tapfer. Bischof Burkhard von Lausanne, 
der das kaiserliche Banner führte, fand wacker fechtend 
den Heldentod"*^); Erzbischof Liemar von Bremen und 
Graf Berthold wurden gefangen^ ^^). Mit Mühe entrann 
Heinrich selbst dem Tode oder der Gefangenschaft; in 
Bamberg erst konnte das so blutig unterbrochene Fest 
gefeiert werden, still und ernst, wie es die Manen der 
Gefallenen erheischten^^'^). In Regensburg vollstreckte so- 
dann Heinrich den Spruch des Quedlinburger Gerichtes. 
Konrad von Utrecht erhielt nun endlich Ekberts friesische 
Besitzungen „für alle Ewigkeit", wie die Urkunde vom 
1. Februar 1089 besagt"''). Heinrich von Eilenburg, der 
Markgraf der Niederlausitz, erhielt Ekberts Mark Meissen^ ^^} ; 
Wratislaus von Böhmen wurde durch den östlichen Theil 
derselben, in welchem die slavische Bevölkerung noch 
am meisten vorherrschen mochte, entschädigt; doch ver- 
waltete dasselbe, die sogenannte Oberlausitz mit den 
Gauen Nisani und Budessin, ein deutscher Graf, Wiprecht 
von Groitsch, des Böhmenkönigs Schwiegersohn^^''*). Es 
war eine einsichtsvolle Politik Heinrichs IV., die Mark 
Meissen sächsischen Grossen und nicht den Böhmen zu 
geben; denn damit hätte er sofort die Sachsen wieder in 

110) AiiD. Aug. (Mou. Germ. SS. III, 133). Ekkeli. chron. a. a. 0. 
Vgl. Stumpf No. 2893. 

111) Ann. Saxo (M. G. SS. VI, 726). Ann. Stad. (ebd. XVI, 316.) 

112) Bernoldi chron. (Mon. Germ. SS. V, 448). 

113) Cod. dipl. Sax. reg. I. 1, 349: Ille vero (Egbertus) appo- 
suit iniquitatem super iniquitatem ausus contra nos leva,re gladium, 
et erecto vexülo nos impugnando, quod Dens permisit, in nos et in 
nostros commisit, qui etiam episcopum et alios clericos trucidavit, 
quod iäm non tantummodo bonis suis, sed etiam vita privari meruit. 
Unde auferentes ei omnia bona sui sine spe recuperandi comitatum, 
quem Egberto juste ablatum sancto Martino Trajectensi dedimus, 
sancto Martino injuste ablatum Egberto reddidimus, wunc et in eter- 
mim Egberto justissime ablatum . . . Conrado tradidimus,. 

1") Dass Heinrich von Eilenburg erst nach dem Überfall bei 
Gleichen mit Meissen belehnt sein kann, lehrt die eben angezogene 
Urkunde; urkundlich finden wir Heinrich den 14. Febr. 1090 im Besitze 
dieser Mark. Vergl. Cod. dipl. Sax. reff. 1. 1, 354 (N". 165). Danach ist die 
Nachricht der ann. S. Disibodi a. 1089 (Mon. Germ. SS. XVII, 9): 
Henricus marchiam orientalem ei auterens, Henrico cuidam contulerat, 
zu beurtheilen. Vergl. auchWenck: De Henrico I. comment V, 7. 
Die Bemerkung bei Waitz, Verfassungsgesch. VII, 91, wonach Ekbert 
eine Zeit lang im Besitze der Niederlausitz gewesen wäre, beruht 
auf Verwechselung der Mark Meissen (marchia Orientalis zu Thüringen) 
mit der Niederlausitz (marchia orientalis zu Sachsen). 

115) Vergl. L. Giesebrecht, Wend. Gesch. II, 153. Posse, 
Markgrafen, S. 206 Hg. 



214 Paul Rockiohr: 

die Arme Ekberts getrieben, die jedem eher das Land 
gönnten als den verhassten Slavcn'^"). Um jedoch aucli 
Ileinrich von Eilenburg nicht zu mächtig werden zu 
lassen und andere Ansprüche zu befriedigen, trennte der 
Kaiser die Merseburger Mark ab und gab sie den Grafen 
aus dem Hause von Stade"'). 

Nach Heinrichs Abzüge warf sich Ekbert auf seine 
früheren Verbündeten, die ihn dann alle verlassen und 
die Acht über ihn ausgesprochen hatten. Zunächst 
wandte er sicli gegen Hildesheim; es entwickelte sich 
eine heftige Fehde mit Bischof Udo, dem die übrigen 
Grossen verblendeter Weise nicht zu Hilfe kamen. Mit 
Feuer und Schwert verwüstete er die Umgegend der 
Stadt, die er jedoch nicht einzunehmen vermochte. Da- 
gegen gelang es ihm, den Bischof selbst zu fangen ; er 
gab ihn erst frei, als er ihm versprach, die Stadt zu 
überliefern, und Geiseln stellte. Aber der Bischof brach 
das erzwungene Gelöbnis; vergebens nun Hess Ekbert 
voll Zorn einem der Vergeiselten das Haupt abschlagen, 
die Stadt öffnete ihm nicht die Thore"^). Darauf stürzte 
sich Ekbert auf Heinrich von Eilenburg, der ihm jetzt 
Meissen streitig machte. Allein hier verliess ihn zum 
ersten Male das Schlachtenglück, er erlitt eine vollstän- 
dige -Niederlage, die meisten seiner Mannen fielen in der 
Schlacht; nur mit wenigen gelang es ihm, sich durch- 
zuschlagen"'*). Seitdem irrte Ekbert unstät im Laude 
umher; die Hand aller Fürsten war jetzt gegen ihn, der 

"") Aus diesem Grunde gab Heinrich die Mark nicht dem 
Böhmen, aber nicht, wie Posse S. 205 will, weil die Treue des 
Königs Wratislaus ihm verdächtig erschienen wäre. 

"•) Noch 1081 erscheint Ekbert im Besitze dieser Mark, vergl. 
Cod. dipl. Sax. reg. I. 1, .S41; urkundlicli erscheint erst Udo III. und 
zwar den 23. Septbr. 1105 im Besitz der Mark Merseburg. Vergl. 
Posse, Markgrafen 155, 201. Nur können die Grafen von Stade 
nicht schon in Quedlinburg, wie Posse will, sondern erst ebenfalls 
nach Weihnachten 1088 die Belehnung empfangen haben, wie aus 
Cod. dipl. 1, 1, 349 erhellt. 

"■*) Die Nachrichten sind zusammengestellt von Böttger, 
Brunonen, S. 6ü8, .\nm. 913. Seine sonstigen Ausführungen sind 
aber gerade hier ganz unbrauchbar. 

''") AValtram II c. 35: cum ipse Henricho alteri Saxonum 
marchioni arnia intulisset, plurimis suorum amissis victus de praelio 
aufugit. Die ann. Ottenburani (Mon. Germ. SS. V, 8) und Bernoldi 
chron. (Mon. Germ. SS. V, 449) berichten auch für dieses Jahr 1089 
von einem Zuge Heinrichs nach Sachsen, weichen aber von einander 
ab. Was an der Sache wahres ist, können wir nicht beurtheilen, 
da wir beide Quellen nicht durch andere controUieren können. 



Ekbert IT., Markgraf von Meissen. 215 

sich in den Kampf gegen alle gestürzt liatte. Wie Ernst 
von Schwaben, Giselas unglücklicher Sohn, so endete auch 
der Urenkel dieser Kaiserin, der letzte Spross aus ihrer 
ersten Ehe, von fast allen verlassen, ein Friedloser, der 
sich scheu vor seinen Verfolgern bergen musste. Ina 
Soramer 1090 am dritten Juli ereilte ihn sein Geschick, 
als er, vor einem Unwetter flüchtend, im Thale der 
Selke in einer Mühle rastete. Hier holten ihn seine Verfolger, 
denen man sein Versteck verrathen, ein^'-^) ; nach verzweifelter 
Gegenwehr sank der letzte der Brunonen unter den tötlichen 
Streichen der Feinde, die ihm das Haupt zerschmetterten. 



Vielleicht unternahm Heinrich den Zug, um Udo von Hildesheim zu 
Hilfe zu kommen , kehrte aber auf dem Wege dahin um , als er 
Ekberts Niederlage erfahren hatte. 

1-*') Chron. Sampetrinum S. 11: Ekkibertus marchio iuxta aquam 
quae diciter Selicha in molendino quodam miserabiliter interfectus 
occubuit (Geschichtsquellen der Provinz Sachsen I. Halle 1870). 
Annales Ottenb. (Mon. Germ. SS. VH, 9): Egbertus marchio, in mo- 
lendinam fugiens imbrem, occisus est. Waltram H c. 35: deinde 
cum fuissent manus omnium principum Saxoniae contra eum et 
mauus eins contra omnes, postremo miserabiliter occisus est, pro- 
ditus in quodam tugurio, ut non dicam id quod verius est, in mo- 
lendino. Sonst finden wir den Tod Ekberts noch verzeichnet mit 
mehr oder weniger Abweichungen, in: ann. Hildesh. ; Ekkeh. chron.; 
Bernoldi chron.; ann. Pegav.; chron. epp. Hildesh.; ann. Saxo; 
chron. Halberst. ; bist, de landgrav. Thuringiae; chron. rhythm. 
Brunsv. Am ausführlichsten ist die vita Heinrici (Mon. Germ. SS. XII., 
274 flg.). Böttger, Brunonen, S. 669 flg. und Posse, Markgrafen, 
S. 208 ög. folgen dieser phantasievollen, romanhaften Erzählung. 
Der Verfasser verwechselt hier vieles miteinander, so die Be- 
lagerung der Stadt, offenbar Quedlinburg, die ins Jahr 1088 gehört? 
denn 1090 war Ekbert völlig isoliert. Auch die übrige Darstellung 
leidet an manchen Schwächen. Der Verfasser der Vita will gerade 
am Tode der Gegeukönige deutlich „den Finger Gottes" zeigen. 
So lässt er auch den Luxemburger durch die Hand eines Weibes 
sterben , im Anschluss an die biblische Erzählung vom Tode des 
Abimelech. Vergl. A. Busson, Zur Vita Heinrici imperatoris 
(Mitth. des östr. Inst. III, 386). Für eine Darstellung von Ekberts 
Tode ist die Vita nicht zu verwerthen. — Über den Todestag 
Ekberts siehe Böttger, Brunonen 681, Anm. 917. — Seine letzte 
Ruhestätte fand Ekbert in Braunschweig, wo seine Gebeine in dem 
von ihm gestifteten Kloster St. Cyriaci beigesetzt wurden; vergl. 
Böttger, S. 682, Anm. 918, 919, 920. — Nicht ungerecht urtheilt 
Waltram im Jahre 109.^ von dem erschlagenen Markgrafen (II. c. 34) : 
Fortasse nobilissimus ille adolescens adhuc viveret et occisus non 
esset, si iuxta id quod iuraverat imperatori fidelis esset et pacificus 
extitisset; et si eidem imperatori juramenta sua servassent prin- 
cipes regni, certe non fuisset facta divisio regni, et non essent in- 
testina haec bella, unde admodum destructa est ecclesia pariter et 
res publica. Sed propter transgressionem juramentorum facta sunt 
haec omuia, et ille marchio occisus est infidelitatis causa. 



IX. 

Die Kragensche Fehde. 

Von 
Ueriiiaim Knotlie. 



rvin 1510 in Schlesien verübter Strassenraub erlangte 
nach lind nach nicht nur in der Oberlausitz, sondern in 
allen an dieselbe grenzenden Ländern eine ganz be- 
sondere Berühmtheit und hatte zumal für Görlitz und die 
übrigen Sechssfädte eine Menge sehr ernster Verwickelungen 
zur Folge. In der unter anderem daraus hervorgegangenen 
„Kragenschen Fehde" spiegelt sich ein gut Theil deutscher 
Kulturverhältnisse aus der Zeit unmittelbar vor der Re- 
formation ab, sodass eine aktenmässige^) Darstellung dieser 
Fehde und ihrer Anlässe vielleiclit aucli für weitere Kreise 
nicht ohne Interesse sein dürfte. 

Auf der grossen Handelsstrasse von der Obcrlausitz 
nach Schlesien und Polen und zwar zwischen Naumburg 
am Queiss und Bunzlau, bei der Birkenbrücke, war am 
7. Mai 1510 eine Anzahl Frachtwageu, welche werth volle 
Waren von Nürnberg her nach Krakau führen sollten, 
überfallen und völlig ausgeraubt worden. Ihre Ladung 
bestand einmal in ganzen Stücken kostbarer Stoffe, als 

1) Die Görlitzer Stadtanualen des gleichzeitigen Stadt- 
schreibers Johann Hass (abgedruckt in N. Script, rer. Lns. III u. IV) 
enthalten darüber nicht nur ausführlichen Bericht, sondern zum 
grossen Theil den Wortlaut der in dieser Angelegenheit gewechselten 
Schreiben. Diese Angaben werden vervollständigt durch ein Akten- 
stück des Hauptstaatsarchivs zu Dresden, Loc. 971.3: „Den Strassen- 
räuber Hanns Maxen und andere Gefangene betreff., 1516, 1.516". 
Wir enthalten uns speziellerer Zitate aus diesen beiden Hauptquellen. 



Hermann Knothe: Die Kragensche Fehde. 217 

Sammet, gelbem Damast, rotliem Atlass und anderen 
Seidenzeugen, Scliarlachtuch, Saffian, Federschmuck, 
Fuchspelzen und fertigen Kleidungsstücken, welche sämt- 
lich von Krakauer Handelsleuten eingekauft worden waren, 
sodann aber in zwei grossen Silberbarren („Kuchen"), in 
Perlen, goldenen und silbernen Trinkgefassen („Stücken"), 
welche dem Könige Siegmund von Polen selbst gehörten. 
Der Gesamt wer tli ward auf 13000 fl. geschätzt. 

Dieser König Siegmund war von 1504 — 1506, wo er 
seinem Bruder Alexander auf dem ])olnischen Thron folgte, 
Landvogt der Oberlausitz gewesen und richtete nun, mit 
den Verhältnissen dieses Landes wohl vertraut, sofort an 
die Stadt Görlitz, durch deren Weichbild die Räuber ge- 
zogen sein mussten, das Ansuchen, „den Thätern, deren 
Behausern, Helfern und Förderern nachzuspüren" und 
ihm und seinen Unterthanen zur Wiedererlangung des 
geraubten Gutes behilflich zu sein. 

Seit Mitte des 14. Jahrhunderts, wo die häufigen 
Strassenräubereien ritterlicher Mannen in der Oberlausitz 
die freien, d. h. königlichen Städte des Landes zum Ab- 
schlüsse des sogenannten Sechsstädtebundes (1346) ge- 
nöthigt hatten, waren es wesentlich diese Seclisstädte, 
welche, von Kaiser Karl IV. mit den weitgehendsten 
Vollmachten dazu ausgestattet, im allgemeinen Literesse 
des Handels und Verkehrs über die „Reinheit der Strassen" 
wachten und zu diesem Zwecke alle „Strassenplacker", 
sowie diejenigen, welche dieselben „hauseten und hoften", 
mit rücksichtsloser vStrenge verfolgten. Noch 1501") hatte 
König Wladislaus von Böhmen und Ungarn, ein anderer 
Bruder des Königs Siegraund von Polen, dies Strassen- 
mandat den Sechsstädten aufs neue eingeschärft und ihnen 
ausdrücklich befohlen, nicht bloss „die Placker und Strassen- 
räuber zu verfolgen, sondern auch den Wirth und den 
Gast nach Verdienst zu rechtfertigen". 

Der Rath zu Görlitz ermittelte alsbald, dass ein 
gewisser Heinrich Kragen, schon bekannt als ein „ver- 
mehrter Strassenräuber", der Anstifter und Führer auch 
jenes Raubes an der Birkenbrücke gewesen, und dass 
er samt seinen Gesellen von Christoph von Kottwitz auf 
Sänitz (nördlich von Rothenburg an der Neisse) im 
Görlitzer Weichbild auf diesem „Ritte" mit Speise und 
Trank versorgt worden sei. 



■^) Oberlaus. Urkunden -Verzeichnis III, 57 f. 



218 Hermann Kiiothe: 

Und so vcrliielt es sich in der Tliat. Die nach- 
maligen Bekenntnisse des an dem Raube betheiligten 
Hans von Maxen berichten ausführlich, wie diese „Nohme*' 
geplant und ins Werk gesetzt worden war. Ein Kund- 
schafter hatte zu Königsbrück jene polnischen Fuhrleute 
auf dem Nachtquartier getroffen, ilire Ladung, sowie die 
von ihnen einzuschlagende Koute in Erfahrung gebracht 
und war mit dieser Botschaft schleunigst nach Spremberg 
in der Niederlausitz geritten, in dessen unmittelbarer 
Nähe alle die Raubgenossen theils ansässig waren, theils 
sich vorübergehend aufiiielten. Da war denn vor allem 
Heinrich Kragen, stammend aus einem ritterlichen 
Geschlecht, das sich, weil nach keiner Ortschaft benannt, 
des erst später allgemein üblichen von des Adels nicht 
bediente. Er war ein „Harzländer", d. h. sein Vater, 
Heinrich Kragen der ältere, besass ein Gut zu Kloster 
Mansfeld. Sein Bruder, Ernst Kragen, aber war auf 
Domsdorf (westlich von Spremberg) gesessen, und bei 
diesem hielt sich Heinrich vornehmlich auf. — Da war 
ferner Hans von Maxen, stammend aus dem Hause 
Bullendorf (nördlich von Friedland in Böhmen), gesessen 
auf Drebkau (nordwestlich von Spremberg), ferner Hans 
Greiffenhain auf Schiida (südlich von Spremberg), 
welches damals noch zur Niederlausitz gehörte'^), und 
Caspar Ruprecht, ein böhmischer Edelmann aus der 
Nähe von Jungbunzlau, ein Bruder des am böhmischen 
Hofe sehr einflussreiclien Dr. Ruprecht, ausserdem noch 
mehrere Leute niederen Standes. Zusammen zehn Pferde 
stark, ritten die Genossen von Drebkau aus über Muskau 
zunächst bis Sänitz, wo sie in einem Walde Rast machten 
und sich von der Frau des ihnen befreundeten, aber eben 
abwesenden Christoph von Kottwitz Bier, Brot und 
Hafer erbaten und willig erhielten. Dann eilten sie weiter 
imd legten sich am frühen Morgen bei der Birkenbrücke 
vor Bunzhiu in den Hinterhalt, bis der erwartete Waren- 
transport anlangte. Die Fuhrleute wurden überfallen, die 
Wagen „aufgehauen" und darauf in der Heide der Raub 
zu gleichen Tlieilen getheilt. Von dem erbeuteten Silber 
allein kamen auf jedes Pferd gegen 130 fl. Dann trennten 
sich die Genossen und suchten nun ihren Raub theils zu 
verbergen, wozu sich besonders „Pfaffen" in Dörfern wie 
in Städten willig hergaben, theils nach und nach zu ver- 



'') Kiiothe, Geschichte des Oberlausitzer Adels, 550. 



Die Kragensche Fehde. 219 

kaufen. Ein Judo zu Hoyersweide brachte eine Quantität 
jener Stoffe an sicli, und alsbald trug' z. B. eine Müllers- 
tochter einen Rock aus dem geraubten „Scharlach". 

Kragen selbst hatte sich nach dem böhmischen An- 
theil von Oberullcrsdorf (südöstlich von Zittau) zu Caspar 
von Kottwitz, dem Bruder Christophs, begeben, mit 
dessen Frau er, wie man sagte, intime Beziehungen unter- 
hielt. Hier nun wurde er von den nach allen Seiten hin 
ausgesendeten Spähern der Görlitzer „verkundschaftet". 
Sofort beschloss der Ratli, wie das königliche Strassen- 
mandat es gebot, nicht nur nach dem Strassenplacker, 
sondern auch nach dessen Wirthen zu greifen. Am 4. Juli 
1510 spät abends sendete er 40 Mann zu Ross und 30 
Trabanten auf Wagen unter Anführung eines Rathsherrn 
nach Ullersdorf. Am frühen Morgen langten wenig- 
stens die Reiter daselbst an. Kragen hatte die Nacht 
nicht auf dem herrschaftlichen Hofe, sondern in der 
Scheune eines Bauern geschlafen. Geweckt durch die 
Hufschläge der ankommenden Reiter, beziehentlich durch 
das Bellen seines Hundes, entkam er noch rechtzeitig in 
blossem Hemde. Hierdurch war allerdings der Haupt- 
zweck der ganzen Expedition verfehlt. Die Görlitzer 
nahmen Kragens Kleider, Pferd, Schmuck und sonstige 
Habe an sich. Auch Caspar von Kottwitz war zufällig 
nicht anwesend. Man erfuhr, dass er nach Bullendorf 
geritten sei, zog ihm entgegen und führte alsbald ihn sowie 
Kragens Diener, Martin Kaiser, gefesselt mit sich nach 
Görlitz. — In derselben Nacht war aber auch ein anderer 
Rathsherr mit 40 Knechten zu Fuss und einigen Reitern 
nach Sänitz ausgerückt, hatte am Morgen daselbst 
Christoph von Kottwitz und etliche seiner Bauern auf- 
gegriffen und sie in gleicher Weise nach Görlitz abgeführt. 
Zufällig befanden sich, eben als die einen wie die anderen 
Gefangenen daselbst eingebracht wurden, der Burggraf 
Nikolaus von Dohna auf Grafenstein, zu dessen Herrschaft 
der böhmische Antheil von Oberullcrsdorf gehörte, und 
andere vornehme Herren aus Böhmen in der Stadt Görlitz. 
Sofort begaben sie sich vor den eben versammelten 
Ältesten-Ausschuss des Rathes mid stellten an denselben 
„das Ansuchen und freundliche Begehr", da Caspar von 
Kottwitz, ein böhmischer Landsasse und Lehnsmann des 
von Dohna, .,rait gewaltiger That" aus dem Lande Böhmen 
nach Görlitz geführt worden sei, so möge man denselben 
an seineu Lehnsherrn oder an die für die Dauer der 



220 Hermann Kiiotlie: 

Abwesenlieit von König Wladislaiis in Ungarn eingesetzten 
Statthalter Böliniens nach Prag ausantworten; dort werde 
jedem, der Ansprüche an den Gefangenen zu niaclien 
liabe, zu seinem Rechte geholfen werden. In der That 
I Kitte sich der Rath durch den bewaffneten Einfall nach 
IJllcrsdorf und durch die Abfülirung des von Kottwitz 
nach Görlitz eines Eingriiis in die Landeshoheit des 
Nachbarstaates schuldig gemacht. Er suchte sein Vor- 
gehen mit dem dringlichen Gesuche des Königs von Polen 
und mit der Verpflichtung zu Reinhaltung der Strassen zu 
entscluddigen und versprach, nach gemeinschaftlicher Be- 
schlussfassung in voller Rathssitzung dem Burggrafen 
schriftliche Antwort zukonmien zu lassen. — Allein schon 
Avenige Tage darauf (12. Juli) wurden die Gebrüder Kott- 
witz nach angestelltem ])einlichen Verhör und erfolgtem 
Geständnisse von dem Görlitzer Gericht zum Tode ver- 
urtlieilt, auf den Richtplatz geführt, daselbst „beschrien", 
dass sie Strassenr'auber gehauset, beziehentlich mit Speise 
und Trank gefördert hätten, und darauf, als Edelleute, 
mit dem Schwerte hingerichtet. 

Diese allzu „geschwinde" Justiz verwickelte nun zu- 
nächst die Stadt Görlitz in eine Reihe sehr verdriesslicher 
Händel. Zuerst (18. Juli) ersuchte der königliche Haupt- 
mann zu Böhmisch-Bunzlau, unter dessen Jurisdiktion 
der böhmische Antheil von Oberullersdorf stand, schrift- 
lich den Rath , derselbe möge sich doch „wegen der Ge- 
fiingenen, ob sie auch schuldig wären, ja nicht übereilen" — 
und Caspar von Kottwitz war damals bereits nicht mehr 
am Leben. — Auch der Landvogt der Oberlausitz, 
Siegmund von Wartenberg auf Tetschen, also selbst ein 
böhmisclier Herr, bisher in Schlesien abwesend, zürnte 
bei seiner Rückkehr dem Rathe wegen der in seiner Ab- 
wesenheit so sichtlich beschleunigten Exekution. Es war 
für Görlitz von grosser Wichtigkeit, sich vor allem gegen- 
über dem Landvogte, als dem königliclien Statthalter im 
Lande, zu rechtfertigen. Zu diesem Zwecke ward der 
ebenso geschäftskundige als redegewandte Oberstadt- 
schreiber Johann Hass nach Bautzen entsendet. Derselbe 
setzte dem Landvogte auseinander die Menge der jüngst 
wieder verübten Strassenräubereien, die alte Verpflichtung 
der Sechsstädte, die Strasse rein zu halten, die Drohung 
der Schlesier, sonst andere, gesichertere Strassen mit ihren 
Warentransporten einzuschlagen, das Ansuchen des pol- 
nischen Königs, ihm und den Seinigen wieder zu dem 



Die Kragensche Fehde. 221 

ihnen geraubten Gute zu verhelfen, endlich die Nothwen- 
digkeit, mit den eingefangenen Förderern der ßäuber 
schnell zu verfahren, damit die mächtige Verwandtschaft 
derselben den Landvogt nach seiner Rückkehr nicht erst 
behelligen möge. Herr Siegmund von Wartenberg nahm 
die wohlgesetzte Rechtfertigungsrede sehr kühl auf: er 
Hess durch seinen Hofrichter dem Görlitzer Abgesandten 
antworten, er wolle die Entschuldigung des Rathes „in 
seinen Würden lassen": allerdings aber sei er bereits 
nicht nur von den Verwandten der Kottwitze, sondern 
auch von der gesamten Ritterschaft des Landes, ja so- 
gar von auswärtigen vielfach mit der Versicherung 
angegangen worden, dass jene Brüder unschuldig hinge- 
richtet worden seien; man Avolle dies rechtlich gegen die 
von Görlitz „erklagen". Daher solle sich denn der Rath 
auf nächstem Landtage öffentlich deshalb verantworten. — 
Sogar Heinrich Kragen selbst hatte es gewagt, sich bei 
dem Landvogt schriftlich zu beschweren, dass die von 
Görlitz auf ihn eingefallen seien und ihn seiner Habe be- 
raubt hätten; er verlangte daher von denselben 200 fl. 
Schadenersatz und vom Landvogt die Ansetzung eines 
Rechtstages, auf welchem er sich unter sicherem Geleite 
gegen die nur auf die Aussage seines Dieners sich grün- 
denden Beschuldigungen der Görlitzer verantworten wolle. 
Auf dieses Verlangen Kragens war der Landvogt aller- 
dings nicht eingegangen. 

Allein auch noch von anderer Seite drohte Ver- 
wickelung. Da die Görlitzer Reiter Caspar von Kottwitz 
und Kragens Knecht zwischen UUersdorf und Bullen- 
dorf, d. h. auf dem Gebiete der ebenfalls zu Böhmen ge- 
hörigen Herrschaft Friedland aufgegriffen und nach Gör- 
litz weggeführt hatten, so erklärte jetzt Herr Ulrich von 
Biberstein, als deren Besitzer, er werde wegen solches 
Eingriffes in seine „Freiherrschaft" bei den Statthaltern 
zu Prag rechtliche Klage anstellen, umsomehr, da sich 
Görlitz bei Gelegenheit eines früheren ähnlichen Handels 
(1483*) schriftlich verpflichtet habe, Bibersteinsche Unter- 
thanen künftig jedesmal nach Friedland zu rechtlicher 
Aburtheilung auszuantworten. Erst bei dem wiederholten 
Versuche des Rathes, durch Abgesandte mit dem von 
Biberstein eine gütliche Verständigung herbeizuführen, 
erklärte sich letzterer bereit, von seiner Klage abzustehen, 



*) Kiiothe, Rechtsgesdiichte der Überlausitz, 169. 



222 Hermann Knothe: 

wenn er von Görlitz 10 000 Schock Groschen Russe er- 
liiehe, auf welche ganz übermässige Forderung die Abge- 
ordneten natürlich nicht einzuirehen vermochten. 

Das Schlimmste aber war, dass sich Görlitz durch 
die gewaltsamen Einfälle zu Sänitz und Ullersdorf gegen 
einen erst kürzlich von König Wladislans von Böhmen 
erlassenen Rechtspruch vergangen hatte. Seit vielen 
Jahren klagte die gesamte Kitterschaft der Oberlausitz 
neben vielen anderen Beschwerden über die Rücksichts- 
losigkeit und Härte, mit welcher die Sechsst'adte und zu- 
mal Görlitz theils die Obergerichtsbarkeit innerhalb ihrer 
Weichbilde ausübten, theils die ihnen übertragene Rein- 
haltiuig der Strassen handhabten. Nach langem, beider- 
seits mit grosser Erbitterung geführtem Prozess hatte 
König Wladislaus (26. Febr. 1510) zu Kuttenberg per- 
sönlich in dieser Angelegenheit entschieden''), wenn ein 
Strassenräuber bei einem Edelmanne befunden werde und 
auf ergangene Aufforderung „gutwillig herunterkomme", 
so solle der Edelmann ihn verlaürgen dürfen, dass er sich 
binnen sechs Tagen selbst ins Amt stellen werde; nur 
dann, wenn derselbe nicht gutwillig herabkomme, dürfe 
man ebenso nach dem VVirthe wie nach dem Gaste 
trachten. Und Görlitz hatte in offener Missachtung dieses 
königlichen Rechtspruches und der dem Adel hierdurch 
zuerkannten Rechte die Gebrüder Kottwitz auf offener 
Landstrasse ergreifen und wenige Tage darauf sofort hin- 
richten lassen. Mit grosser Besorgnis musste es daher 
jetzt der rechtlichen Verantwortung einmal zu Bautzen 
vor dem zürnenden Landvogte gegenüber der erbitterten 
Ritterscliaft, sodann zu Prag vor den dem Adel natür- 
lich gewogenen Statthaltern gegenüber den Herren von 
Grafenstein und Friedland, endlich in Ofen vor dem Kö- 
nige selbst entgegensehen. 

In dieser kritischen I^age kam es dem Rathe zu 
Görlitz vor allem darauf an, sich für alles in dieser An- 
gelegenheit bereits Geschehene und noch ferner zu Unter- 
nehmende der Zustimmung und gemeinsamen Vertretung 
von Seiten der übrigen Sechsstädte zu versichern. 
Hierdurch ward für den bevorstehenden Rechtstag zu 
Bautzen die eine der beiden landständischen Stimmen im 
voraus zu Gunsten von Görlitz gesichert. Wie schon so- 
fort nach Gefangennahme der Kottwitze zu deren pein- 



^) Knothe, llechtsgeschichte der Oberlausitz, 172. 



Die Kragensche Fehde. 223 

lichem Verliöre Abgeordnete der übrigen Städte nach 
Görlitz entboten worden waren, so wurde (31. Juli) auf 
einem Städtetage zu Löbau beschlossen, dass eine jede 
Stadt eine festgesetzte Anzahl von Landreitern zur Rein- 
haltung der Strassen innerhalb ilires Weichbildes unter- 
halten solle. Hierdurch erwies man dem Könige gegen- 
über den Eifer, dem von ihm erlassenen Strassenmandat 
nachzukommen. Sodann aber galt es, dem in Ungarn 
weilenden Könige selbst sobald als möglich den ganzen 
verdriesslichen Handel persönlich vorzutragen. Dann 
durfte Görlitz hoffen, der bei weitem bedenklicheren Ver- 
antwortung in Bautzen und Prag vielleicht ganz zu ent- 
gehen, durfte die gesamte Korporation der Sechsstädte 
hoffen, vielleicht eine Abänderung des für sie so un- 
günstigen Kuttenberger Spruchs auszuwirken. Mit dieser 
wichtigen diplomatischen Sendung nun wurden die beiden 
Oberstadtschreiber von Bautzen und von Görlitz, Ma- 
gister Nikolaus Hausmann und Magister Johann Hass, 
beauftragt. 

Sorgenschweren Herzens traten sie (den 27. Aug. 1510) 
die weite Reise nach Ungarn an. Sie hatten die 
Weisung erhalten, den noch viel weiteren Weg dahin über 
Krakau einzuschlagen, um zuvor dort bei dem ihnen 
von früher her wohlbekannten und ihnen stets wohl- 
gesinnten König Siegraund von Polen vorzusprechen und 
ihn um einflussreiche Empfehlungsbriefe an seinen Bruder, 
König Wladislaus, zu ersuchen. In der That ward es 
dem gewandten Johann Hass bei der sofort gewährten 
Audienz (6. Septbr.) nicht schwer, König Siegmund, dessen 
Ansuchen an Görlitz nach dem Raube an der Birkenbrücke 
den Anlass zu all den späteren Verwickelungen gegeben 
hatte, zur Ausfertigung der erbetenen Schreiben zu be- 
stimmen. Das eine befürwortete, dass die von Görlitz in 
dieser ganzen Angelegenheit vor keinen anderen Richter, 
als vor den böhmischen König selbst gestellt werden 
sollten; und allerdings hatten sie schon früher (1498*^) 
von Wladislaus ein Privilegium erwirkt, wonach sie „in 
Sachen, Begnadigungen, Privilegien, Freiheiten und Alt- 
herkommen oder ihre Ehre und Glimpf belangend", von 
dem oberlausitzischen Landvogte und dessen Rechtsent- 
scheidung an den König selbst, als ihren natürlichen 
Erbherrn, sollten appellieren dürfen. Ein zweites Sclireiben 



^) Knothe, Rechtsgeschiclite der Oberlausitz, 161. 



224 Hermann Knothe: 

Könis: Sieii'miinds befürwortete, dass Könis Wladislaus 
seinen Statthaltern in Böhmen anbefehlen möge, die 
etwaige Klage Ulrichs von Biberstein nicht anzunehmen, 
sondern sie ebenfalls an den König selbst zu verweisen. 
Ein drittes Schreiben unterstützte das Gesuch der Sechs- 
städte, den für die Sicherheit der königlichen Strassen 
so nachtheiligen Kuttenberger Spruch aufzuheben oder 
doch abzuändern. Ebenso schrieb der polnische König 
an den Ritter Ulrich Schaft" auf Greifenstein in Schlesien, 
er möge doch zwischen dem von Biberstein und dem 
Rathe zu Görlitz vermitteln, und an Biberstein selbst, er 
solle sich dem, was Schaff ihm mittheilen werde, förder- 
lich erzeigen. 

Von König Siegmund hatten die Oberlausitzer Ab- 
geordneten also alles erreicht, was sie irgend gewünscht; 
voll guter Hoffnung zogen sie nun von Krakau über das 
Gebirge weiter nach Ungarn; sie trafen König Wladis- 
laus in Neitra. Der allzeit gütige und gern jedermann 
gefällige König konnte zwar in die Aufhebung des eben 
erst gefällten Spruches zu Kuttenberg nicht gut willigen ; 
aber er erliess den Befehl an die Statthalter zu Prag, 
wenn die von Görlitz wegen ihres Einfallens in das 
Königreich Böhmen sollten verklagt werden, so solle die 
Klage nirgend anders als bei dem Könige selbst ange- 
stellt werden. So hatte wenigstens Görlitz erreicht, was 
es begehrte; es konnte jetzt weder in Bautzen, noch in 
Prag, sondern bloss vor dem Könige persönlich verklagt 
werden, und an dem königlichen Hoflager waren zu allen 
Zeiten auch noch andere Einflüsse als das strenge Recht 
massgebend. Mit diesem höchst günstigen Ergebnisse der 
Reise langten (20. Oktober 1510) die beiden Stadt- 
schreiber nach einer Abwesenheit von fast zwei Monaten 
wohlbehalten wieder in Görlitz an. 

Inzwischen hatte infolge der Vermittlung Ulrich 
Schaffs auch der von Biberstein seine Forderung für 
den Einfall in seine Herrschaft von 10000 Schock auf 
2000 ermässigt, welche Görlitz in der That zunächst ihm 
verzinsen musste. Jetzt durfte der Rath es auch wagen, 
den in UUersdorf gefangenen Diener Kragens, den 
man bisher in Haft gehalten, um, wenn nöthig, durch 
seine Aussage die getroffenen Massnahmen noch nach- 
träglich zu rechtfertigen, endlich hinzurichten. Abermals 
in Gegenwart von Abgeordneten der übrigen Städte wurde 
Martin Kaiser nochmals „peinlich angegriffen", d.h. mittels 



Die Kragensche Fehde. 225 

der Folter gefragt, „auf was er endlich bleiben und sterben 
wolle", und tags darauf (9. November 1510) mit einer 
Kette an den Galgen gehängt. 

Im Frühling 151 1 (um Lätare, 80. März) kam König 
Wladislaus einmal auf kurze Zeit aus Ungarn nach 
Breslau. Sofort suchte die oberlausitzische Ritterschaft 
die Städte unter anderem auch wegen der Hinrichtung 
der Kottwitze vor ihm persönlich zu verklagen ; allein es 
gelang den Städten, zuerst den Rechtstag hinauszuschieben 
und endlich vom Könige das Versprechen zu erwirken, 
dass sie wegen dieser ganzen Angelegenheit überhaupt 
nicht mehr sollten behelligt werden. So durften sie sich 
denn jetzt der frohen Hoffnung hingeben, dass die immer- 
hin sehr verdriessliche Sache nun definitiv abgethan sei. 

Allein sie sollte noch ein ernstes und langes Nach- 
spiel haben. Heinrich Kragen hatte sich nach dem Über- 
fall zu Ullersdorf mit Hans von Maxen nach Kloster 
Mansfeld zu seinem Vater begeben. Dort hatten sie den 
Winter hindurch von ihrem Raube an der Birken brücke 
gelebt und Pläne geschmiedet, wie sie sich an den ober- 
lausitzischen Sechsstädten rächen könnten. Im Frühling 
1511 waren sie wieder nach der Niederlausitz zu Ernst 
Kragen nach Domsdorf geritten und hatten hier beschlossen, 
den Städten offene Fehde anzusagen. Alsbald waren 
hierfür auch noch eine Anzahl ritterlicher Mannen aus 
der Niederlausitz nebst ihren Knechten angeworben. Zu- 
sammen V6 Pferde stark zogen sie zunächst in die Heide 
bei Forst. Hier schnitzte sich Kragen selbst aus Holz 
eine Art Petschaft, mit welchem er den Fehdebrief be- 
siegelte. Es galt nun, denselben auch sicher den Städten 
zustellen zu lassen. Als die Bautzner Handelsleute, wie 
üblich, auf die Messe zu Frankfurt an der Oder (13. Juli) 
zogen, wurden sie bei Pforten in der Niederlausitz von 
Kragen überfallen, beraubt und zu dem eidlichen Ver- 
sprechen gezwungen, dass sie den Fehdebrief persönlich 
Görlitzer Bürgern einhändigen wollten. Wenn sie es 
nicht thun würden, drohte Kragen, so werde er ihnen 
später Hände und Füsse abhauen. In Guben trafen die 
Bautzner mit Görlitzer Handelsleuten zusammen und 
übergaben diesen das verhängnisvolle Schriftstück (21. 
Juli), welches sofort nach Görlitz an den Rath befördert 
wurde. An diesen nämlich war es gerichtet, weil derselbe 
auf Kragen selbst eingefallen sei, ihm das Seinige ge- 
nommen und seinen Diener hingerichtet habe. Aber zu- 

Neues Archiv f. S. G. u. A. VII. 3. 4. 15 



226 Hermann Knothe: 

gleich allen, welche Görlitz beiständig gewesen seien, 
nämlich den Städten Bautzen, Kamenz, Lauban, Löbau 
und allen ihren Unterthanen, sagten Kragen und Maxen 
nebst ihren Helferslielfern „offenbare Fehde an mit Mord, 
Raub und Brand und allerlei Beschädigung, die Menschen- 
list erdenken oder ersinnen mag". 

Dem Rathe zu Görlitz konnte diese freche Fehde- 
erklärung nur erwünscht sein. Durch dieselbe mussteu 
die Übergriffe, die er sich etwa bei der Verfolgung der 
Strassenräuber und deren Helfer hatte zu Schulden kom- 
men lassen, für alle Freunde des Friedens und der ge- 
setzlichen Ordnung nachträglich als völlig gerechtfertigt 
erscheinen. Sie gew^ährte aber zugleich auch die Berech- 
tigung, fortan niclit bloss gegen Kragen selbst und seine 
Genossen, sondern auch gegen alle den^n zahlreichen 
Freunde unter dem Oberlausitzer Adel nach Fehderecht 
vorzugehen. Und da Kragen seine Fehde auch auf die 
übrigen Sechsstädte ausgedehnt hatte, so stand jetzt eine 
völlig organisierte Verfolgung der Strassenräuberei durch 
das ganze Land in sicherer Aussicht. Die Anzahl der 
von jeder einzelnen Stadt zu haltenden Reisigen wurde 
daher sofort erhöht, so dass seitdem z. B. Bautzen an 40, 
Görlitz sogar 50 — 70 Pferde mehrere Jahre hindurch 
fortwährend auf den Beinen hatte. Vor allem aber erwies 
sich durch diese Fehdeankündigung der Kuttenberger 
Spruch aufs neue als ungenügend für den Schutz der 
königlichen Strasse. 

Auf einem nächsten Landtage zu Bautzen (28. Juli) 
Hessen nun die Städte vor dem Landvogte und der ver- 
sammelten Ritterschaft den Kragenschen Fehdebrief ver- 
lesen und baten vorsichtig den Landvogt um dessen Rath 
und Beistand. Zugleich aber erklärten sie, da sie von 
Kragen zur Fehde genöthigt worden seien, so würden 
sie nun auch ihrerseits nicht nur den Fehdern selbst^ 
sondern auch allen deren „Helfern und Helfershelfern, 
allen denjenigen, welche dieselben mit Vorschub, Be- 
hausung, Rath, Essen und Trank förderten", nach Leib, 
Leben und Gut trachten; jedermann möge sich also vor 
Schaden hüten. — Dem Landvogt und der Ritterschaft 
kam diese Fehde sehr ungelegen. Erstercr gab statt des 
erbetenen Rathes und Beistandes zunächst eine aus- 
weichende Antwort und sagte erst auf einem folgenden 
Landtage (7. Aug.) seine Hilfe zu. Der Adel aber ver- 
schob auch da noch seine Erklärung, — Auch Zittau, 



Die Kragensche Fehde. 227 

welches in dem Fehdebriefe nicht namhaft gemacht worden 
war, schloss sich nach einigem Zaudern freiwillig den 
übrigen Seehsstädten an. Und so beschlossen diese auf einem 
Städtetage zu Löbau (5. September), aller Orten, zumal 
auch in der Niederlausitz, öffentlich ausrufen zu lassen, 
wer ihnen Kragen oder Maxen lebendig einliefern oder 
so verkundschaften würde, dass dieselben ergriffen werden 
könnten, der solle 300 fl., wer aber den einen oder an- 
deren tot einbrächte, 200 fl. erhalten. 

Bei einer solchen Fehde war es bekanntlich von 
Seiten der Fehder keineswegs darauf abgesehen, sich in 
offenem Kampfe mit dem Gegner zu messen, sondern 
lediglich darauf, demselben soviel Schaden als möglich 
zuzufügen. So suchte denn im vorliegenden Falle Kragen 
mit seinen Genossen wesentlich nur Bürger der Sechs- 
Städte zu überfallen, um ein möglichst hohes Lösegeld 
von ihnen zu erpressen, ferner Warentransporte ober- 
lausitzischer Handelsleute zu berauben, endlich in die 
entweder den Kommunen oder einzelnen ihrer Bürger ge- 
hörigen Dörfer einzufallen, das Vieh und die sonstige Habe 
der Bauern mitzunehmen, die Dörfer selbst aber darauf 
in Brand zu stecken. So gab also die Fehdeerklärung 
den Fehdern das Recht zu offenem Strassenraube und 
zwar imbeschadet ihrer ritterlichen Ehre. Wald oder 
Gebüsch gab es damals noch allenthalben, um sich theils 
zu kurzer Rast zu verstecken, theils Tage lang auf die 
Lauer zu legen. Späher boten sich genug an, um gegen 
geringe Vergütung einzelne Personen oder ganze Wagen- 
züge zu verkundschaften. Arme Bäuerlein traf man über- 
all auf den Feldern, welche gegen Versprechungen oder 
Drohungen Speise und Trank in dem nächsten Orte ein- 
kauften und in den Wald brachten. Den gemachten 
Raub verbargen später Pfaffen auf den Dörfern und 
kauften Juden in den Städten. Mit einem Theile der 
erbeuteten Stoffe erwarben sich die ritterlichen Räuber 
leicht auch die Gunst schöner Frauen und Mädchen. 

Zunächst beabsichtigte Kragen (6. November 1511), 
das Görlitzer Rathsdorf Hänichen (nordwestlich von 
Rothenburg an der Neisse) auszubrennen. Allein vom 
Rathe vorsichtigerweise dahin gelegte Fusskuechte ver- 
hinderten mit Büchsenschüssen den nächtlichen Überfall. — 
Nach der Leipziger Ostermesse 1512 lauerte er nebst 
Maxen und anderen zwischen Königsbrück und Kamenz 
einem Zuge von 21 Wagen Oberlausitzer Handelsleute 

15* 



228 Hermann Knothe: 

auf; allein der Rath von Kamenz hatte denselben eine 
Bedeckung- von Heitern und Fussknecliten entgegenge- 
schickt; so wagte Kragen diesmal keinen Überfall, plünderte 
aber dafür auf dem Heimwege zwei Kamenzer Raths- 
dörfer, Liebenau und. (Klein-?) Grä beben, aus und 
zündete sie an, wobei drei Bauersleute verbrannten und 
einer erschlagen ward. Von dem Feuerschein herbei- 
geführt, jagten die Reiter der Kamenzer und ebenso der 
Bautzner den Räubern den grössten Tlieil ihrer Beute 
wieder ab, — Im Herbste desselben Jahres wurden bei 
Kunnersdorf (nordwestlich von Kamenz) von der Jagd 
heimkehrende Kamenzer Bürger von Kragen überfallen 
und „mit Eiden bestrickt", dass sie das ihnen auferlegte 
Lösegeld nacli Zescha („Sessze", nördlich von Neschwitz) 
bringen Avollten. — Bei einer anderen „Nohme" unweit 
Koitsch (westlich von Kamenz) wurden Görlitzer Kauf- 
leuten ihre Waren theils geraubt, theils verbrannt. 

Aber nicht bloss an einzelnen Bürgern der Sechsstädte 
wollte man sich rächen; man beabsichtigte Kamenz und 
Bautzen selbst in Brand zu stecken, sowie die aus- 
gedehnten und werthvollen Görlitzer Heiden abzubrennen. 
Ein aus Kamenz vertriebener Bürger, Marcus SchleifFe'), 
bot seinen Beistand an, wenn man dieser Stadt Schaden 
zufügen wollte. So plante man, wenigstens die Vorstädte 
derselben „abzubrühen". Ein „Schreiber", d. h. Schul- 
meister, zu Ortrand erbot sich, in Kragens Diensten sich 
in alle beliebigen Städte auf Kundschaft zu begeben, da 
auf ihn doch nicht leicht jemand achten werde. — Nach 
und nach aber beschränkte man sich nicht mehr darauf, 
Bürger und Unterthanen der oberlausitzischen Sechsstädte 
zu beschädigen, mit denen man mindestens in Fehde stand. 
Bald wurden auch Leipziger, desgleichen schlesisciie und 
polnisclie Kaufleute beraubt, dem Albrecht von Schreibers- 
dorf ein Dorf, Namens Truppen (nördlich von Königs- 
warthe), abgebrannt und in Guben die Vorstadt ange- 
zündet, weil ein Anschlag auf Görlitzer Messkaufleute 
fehlgeschlagen war. 

Wohl wäre es unmöglich gewesen, dass eine Hand 
voll Räuber und Mordbrenner Jahre lang mit solchem 
Erfolge hätte ihr Wesen treiben können, wenn dieselben 
nicht ihre sicheren Zufluchtsorte gehabt hätten in den 
Höfen, ja auf den festen Schlössern des Adels, zumal in 



') Vergl. Cod. dipl. Sax. reg. II, 7, Vorberioht S. XVIII. 



Die Kragensche Fehde. 229 

der südliclieu Niederlausitz und deren nächster Nachbar- 
scliaft. Als solche bezeichnet Maxen in den vor seinem 
Tode abgelegten Geständnissen vor allen die adligen 
Güter bei Spremberg, sowie die Schlösser Senftenberg, 
Mückenberg, Elster werde, Jüterbock auf sächsischem Ge- 
biete. Ja als Theilnehmer an dem einen oder anderen 
„Ritte" führt er viele Namen aus den bekanntesten und 
geachtetsten Geschlechtern jener Gegenden auf. Das da- 
mals allverbreitete Sprichwort über die Niederlausitz 
schien auf Wahrheit zu beruhen: „Wenn man auch 
Karthäuser darein säte, es gehen Keiter (d. h. Strassen- 
räuber) auf". — Aber auch bei dem oberlausitzischen 
Adel fand Kragen mit seinen Gesellen vielfach sicheren 
Unterschlupf oder stille Konnivenz, ja entschiedene Sym- 
pathien. So sehr hatten die langjährigen Streitigkeiten 
zwischen Ritterschaft und Städten in diesem Lande bei 
ersterer das Gefühl für Recht, Gesetz und Ordnung ver- 
dunkelt, dass sie in den adligen Räubern lediglich ihre 
Standesgenossen und Gegner der Städte erblickte. So 
fand Kragen in Hoyerswerde wie in Pulssnitz Aufnahme, 
und der Burggraf Jone von Dohna auf Königsbrück 
Hess ihn einst sogar unmittelbar unter seinen Augen ruhig 
einen Raub vollführen. Vom Schlosse zu Elsterwerde 
aus hatten Kragen und Maxen einen Kundschafter nach 
Grossenhain, als der letzten meissuischen Stadt an der 
Strasse nach Schlesien geschickt. Eines Tages sagte der- 
selbe einen Transport von mehreren Wagen mit Sammet, 
Mechler Tuchen, Seidenstoffen und Pelzwerk an. Sofort 
eilten die Räuber nach Königsbrück, legten sich in den 
Hinterhalt, hielten (18. Oktober 1511) die Wagen an und 
sendeten darauf einen Boten an Jone von Dohna mit der 
Weisung, „er solle sich der Sache nicht annehmen und 
nicht Verhinderung thun, sonst werde man ihm das Städt- 
lein abbrennen". Vergebens begehrten die eigenen Leute 
des Burggrafen, den Strassenraub verhindern zu dürfen; 
vergebens machte der Bürgermeister von Königsbrück 
seinem Erbherrn die herbsten Vorwürfe, falls er geschehen 
lasse, was ihm selbst, seinen Kindern und der ganzen 
Stadt „zu ewiger Schande und böser Nachsage" gereichen 
müsse; vergebens bat Dohnas Gemahlin Kragen, von dem 
Raube abzustehen; der Gutsherr stand dabei, verkehrte 
freundlich mit Kragen und Hess den Raub geschehen. 
Als nun auf einem nächsten Landtage die Städte ihn 
deshalb verklagten, versprach zwar der Landvogt, er 



230 Hermann Krotlie: 

wolle ihn Vorbescheiden, aber der anwesende Adel zog 
es vor, die Thatsachen selbst in Zweifel zu ziehen. 

Es lag auf der Hand, dass dieser fortgesetzten Strassen- 
räuberei kein Ende gemacht werden konnte, wenn die 
Städte die Räuber nicht auch bis in ihre Schlupfwinkel 
ausserhalb der Obcrlausitz verfolgen, sie nicht auch auf 
den Höfen ihrer Freunde in der Niederlausitz und im 
Meissnischen aufheben durften. Daher sendeten sie schon 
den 19. Dezember 1511 „eine werbende Botschaft" nach 
Dresden an Herzog Georg von Sachsen, von dem es 
bekannt war, dass er ein erklärter Feind der Strassen- 
räuber sei, freilich aber zugleich eifersüchtig über seine 
landesherrlichen Rechte wache. Man erlangte von dem- 
selben nur die Zusicherung, falls Kragen oder die Seinigen 
die von den Sechsstädten innerhalb der meissnischen 
Lande beschädigen sollte, so würden des Herzogs Leute 
ihm nacheilen und ihn greifen; im übrigen werde der 
Herzog streng darauf achten hissen, dass den Räubern 
in seinen Landen keinerlei Behausung und Förderung 
zutheil werde. Nicht einmal soviel erwirkten die Städte 
von Heinrich Tiinckel, dem Landvogte der Niederlausitz, 
auf einem Tage zu Spremberg (4. Januar 1512), und 
ein von König Wladislaus erbetenes Privilegium, wonach 
sie Kragen und Genossen bis in alle königlichen Lande, 
namentlich bis in die Niederlausitz hinein verfolgen dürften, 
gelangte bei einer Reise nach Ofen auch nicht zu so- 
fortiger Ausfertigung. 

Trotz alledem wagten nun die Städte, ihren Feinden 
auch in den Nachbarländern nachzustellen. Bautzen und 
Kamenz hatten sichere Kunde erhalten, dass Maxen sich 
bei Hans von Köckritz zu IMückenbcrg aufhalte. So 
fielen sie mit gewaffneter Hand daselbst ein. Maxen ge- 
lang es, zu entwischen; Köckritz aber, der sich ebenfalls 
zu verstecken gesucht, wurde ergriffen und in seines 
Landesherrn, Herzog Georgs von Sachsen, „Hand be- 
strickt". Wirklich stellte er sich auf einem deshalb an- 
gesetzten Tag zu Dresden (18. Juli 1512), und jetzt ge- 
währte der Herzog den Städten in der That das Recht, 
auf den Dörfern und in den Landstädtchen seiner Lande 
ihre Feinde suchen zu dürfen, nicht aber in den Höfen 
oder Schlössern des Adels; erführen die Städte, dass ihre 
Feinde darin weilten, so sollten sie die Höfe und Schlösser 
umlagern und zu dem nächsten sächsischen Amtmann 
senden, der dann die Übelthäter mit Beihilfe der Städte 



Die Kragensche Fehde. 231 

ergreifen werde. Bald darauf wurde denen von Bautzen 
berichtet, dass sich ein Hans und ein Otto von Gersdorf, 
welche ebenfalls an den Ritten Kragens theilgenommen 
hatten, zu Senftenberg, einer unmittelbaren Besitz- 
ung Herzog Georgs, und zwar bei dessen eignem Amt- 
mann, Wilhelm von Schönburg, aufhielten. Sie sendeten 
daher Reisige unter einem Rathsherrn dahin an den 
Amtmann. Er leugnete die Anwesenheit der Gesuchten. 
Als diese aber, von ihm selbst eiligst gewarnt, zu ent- 
fliehen suchten, wurden sie von den Bautzner Reitern 
ergriffen und vor den Amtmann gebracht. Dennoch 
weigerte er sich, sie gefänglich anzunehmen. So zog 
denn abermals eine Gesandtschaft nach Dresden zum 
Herzog, um den Einfall zu entschuldigen und Klage gegen 
den von Schönburg zu erheben. 

Längst schon hatte die sogenannte Kragensche Fehde 
ihren eigentlichen Charakter verloren und war wieder 
zum gemeinen Strassenraub geworden, aus welchem sie 
hervorgegangen war. Kragen selbst übrigens hatte sich, 
„um seinen Hals besorgt", fortgewendet (1513) und sich 
in die Dienste des Herzogs von Lüneburg begeben, wo- 
hin auch wir ihn nicht einmal historisch zu verfolgen 
vermocht haben. Hans von Maxen aber setzte die 
Strassenräubereien fort, bis einst auch seine Stunde schlagen 
sollte. 

Schon seit 1509 stand Jakob von Köckritz auf 
Elsterwerde mit dem Bischof von Meissen, Johann VI. 
von Salhausen, in Fehde. Jetzt war er auch mit Caspar 
von Haugwitz auf Niederputzkau (südöstlich von 
Bischofs werde), einem Lehnsmanne des Bischofs, wir 
wissen nicht weshalb, in Händel gerathen und beabsich- 
tigte, diesen auf seinem Hofe zu überfallen und ausser 
Landes zu entführen. Köckritz wendete sich zu diesem 
Zwecke an Maxen, er solle den „Anschlag" zu dem Über- 
falle machen. Derselbe befand sich damals eben zu 
Münchengrätz in Böhmen. Schnell wurden einige böh- 
mische Edelleute und andere schon bewährte Genossen 
angeworben, und so rückten denn Maxen und Köckritz 
mit denselben, 15 Pferde stark, über das Gebirge aus 
gegen Putzkau. Am 22. Oktober 1515 morgens fielen 
sie in das Dorf ein und ritten sofort auf den herrschaft- 
lichen Hof. Sie fanden Caspar von Haugwitz nicht an- 
wesend. Während sie nun „alle Kasten aufschlugen", 
um zu rauben, eilten die Drescher auf dem Hofe und die 



232 Ilermaini Knothe: 

Bauern des Dorfes lierbei und schlugen mit Spiessen, 
PIcugabeln und Drescliflegelii auf die Räuber los. In 
dem Handgemenge wurden drei Bauern, aber auch ein 
böhmischer Edelmann, Georg von Ragewitz, erschlagen, 
Jakob von Köckritz schwer verwundet, Hans von Maxen 
aber auf der Flucht von nacheilenden Reitern Heinrichs 
von Schleiuitz auf Hohnstein gefangen genommen und an 
Herzog Georg nach Dresden eingeliefert. 

Auf diese Nachricht richteten die Sechsstädte sofort 
(2. November 1515) das schriftliche Gesuch an den Herzog, 
zu dem rechtlichen Verfahren gegen „ihren Feind 
und gemeinen Strassenräuber" zugelassen zu werden. 
König Siegmund von Polen unterstützte auf ihre Bitte 
dies (iesuch bei dem Herzog durch ein Schreiben (20. De- 
zember 1515), worin er hervorhob, dass die Städte wesentlich 
durch seine persönliclicn Verluste infolge des Raubes an 
der Birkenbrücke in all diese Händel verwickelt worden 
seien. Da Maxen auch auf dem Gebiete des Bischofs von 
Meissen, nämlich zu Putzkau, und ebenso in den Landen 
Markgraf Joachims von Brandenburg Strassenraub geübt 
hatte, so wurden aucli diese beiden Fürsten von Herzog 
Georg veranlasst, Abgeordnete zur Aburtheilung Maxens 
nach Dresden zu senden. 

Die oberlausitzischen Städte zogen an 40 Pferde stark, 
unter des Herzogs sicherem Geleite, zu diesem llechts- 
tage in Dresden ein. Sowohl die von Bautzen als die 
von Görlitz hatten vorsorglich ihre Scliarfrichter sofort 
mitgebracht. Maxen erklärte, er wolle gern alles ge- 
stehen; nur möge man ihn mit der peinlichen Frage, d. h. 
mit der Folter, verschonen So ward er denn aus „dem 
Kaiser", in welchem er bisher in Haft gesessen, einem 
durch Nässe, Schmuz und Gestank gleich verrufenen Ge- 
fängnis unter dem jetzigen königlichen Schlosse, in „die 
Schösserei" gebracht, welche sich ebenfalls im Schloss 
imd zwar an der Ecke der Schlossstrasse und des 
Taschenberges befand. Hier wurde er zwei Tage nach 
einander in Gegenwart all der verschiedenen fremden 
Abgeordneten verhört. Es war ein stattlicher Mann, 
„eine hübsche, gerade Person", wie ihn der mitanwesende 
Görlitzer Stadtschreiber Johann Ilass schildert. Die Ab- 
geordneten befragten ihn einzeln nach seinen verschiede- 
nen ßäubereien, von der an der Birkenbrücke, seiner 
ersten, an bis zu dem Einfall in Putzkau, und er legte 
dabei jene offenen, wohl protokollierten Geständnisse 



Die Kragensche Fehde. 233 

ab, denen wir einen guten Tlieil unserer Darstellung; ent- 
nommen haben. Darauf wurde er nacli dem städtischen 
Gefängnis im Rathhause gebracht. Am nächsten Morgen 
(31. Januar 1516) führte ihn der Scharfrichter von Bautzen, 
dem die Ehre zutheil geworden war, ihn hinzurichten, 
erst an ein Fenster des Rathhauses, damit der Delinquent 
von der Menge gesehen werden könne, und „beschrie" 
ihn; darauf führte er ihn hinunter auf den Altmarkt und 
enthauptete ihn daselbst. — Verwandte der Kottwitze, 
welche sich, zufällig oder absichtlich, eben zu Dresden 
befanden, hatten Stricke an das Rathhaus gehangen und 
Pamphlete angeheftet, in denen die Sechsstädte „Bluthunde 
und Henkerswinde" genannt wurden, beides beliebte 
Schimpfwörter zu jener Zeit. Die Städte nahmen diese 
Beleidigung in der fremden Stadt, in der sie sich unter 
des Herzogs Geleit befanden, sehr übel, und jener Caspar 
Kottwitz „mit dem weissen Stiefel", von welchem diese 
Beleidigung ausgegangen war, durfte es nie wieder wagen, 
sich in der Oberlausitz blicken zu lassen. 

Maxen war christlich gestorben. Auf spezielles An- 
suchen des Bischofs von Meissen (26. Januar 1516) war 
weder „Absolution noch sonstige christliche Ordnung" 
versäumt worden. Daher wurde er auch in geweihter 
Erde bestattet, und als es sich darum handelte, ihn wie- 
der ausgraben zu lassen, bat das Domkapitel zu Meissen, 
dies nicht zu thun, da es Maxens ganzem Geschlecht zu 
Schimpf und Schande gereichen und dem Stifte am Ende 
eine neue Fehde zuziehen möchte. 

Auch die übrigen Raubgenossen Kragens und 
Maxens hatten fast alle ihre Frevel in ähnlicher Weise 
zu büssen. Hans Greiffenhain (S. 218) war schon 
1511 auf Antrag von Görlitz in Berlin wegen „Unthat" 
hingerichtet worden; sein Gut Schiida fiel deshalb an 
den König zurück. Dieselbe Strafe hatte in dem damals 
brandenburgischen Kottbus 1515 auf Begehr der Sechs- 
städte ein Otto von Gersdorf und „der böse Nickel" 
erlitten. Das Haupt des Ersteren war nach der Hin- 
richtung gespiesst worden. Martin Kaiser, der Knecht 
Kragens, war in Görlitz, Melchior Behm, der Knecht 
Maxens, zu Glogau gerechtfertigt, ein andrer Knecht 
Maxens von einem Hans von Gersdorf beim Theilen der 
Beute erschlagen worden. Den Theilnehmern an dem 
Überfalle in Putzkau war es sämtlich übel ergangen; 
Georg von Ragewitz ward von den Bauern getötet; 



234 Hermann Knothe: Die Kragensche Fehde. 

ein gewisser Scli warz- Andres, aus Kratzau innveit 
Reiclicnberg, auf der Flucht gefangen und auf Ansuchen 
der Städte darauf zu Rumburg lungerichtet; Liborius 
von Kittlitz sass damals noch gefangen zu Prag. Der 
ebenfalls von den Schleinitzschen Reitern aufgegriffene und 
nach Dresden eingebrachte Siegmund von Czyr- 
nowsky wurde auf Bürgschaft zahlreicher böhmischer 
Herren endlich gegen Urfehde wieder entlassen^). Jakob 
von Köckritz (S. 231) aber wendete sich an Herzog 
Georg mit dem öi-suche, zwichen ihm und dem Bischöfe 
von Meissen endlich zu vermitteln. Nur Heinrieh Kragen 
scheint für die oberlausitzischen Sechsstädte im fernen 
Lüneburg unerreichbar geblieben zu sein. 

Die Städte aber waren aus all den ernsten Ver- 
wickelungen und jahrelangen Händeln siegreich hervor- 
gegangen, und die Kragensche Fehde hatte nicht wenig 
dazu beigetragen, dass bereits am 17. September 1514 die 
förmliche „Retractatio" des für sie so ungünstigen Kut- 
ten berger Spruches durch König Wladislaus selbst 
erfolgt war. 



^) Hauptstaats-Archiv Dresden, Orig. 10135. 



X. 



Die Besatzung zu Dresden von der mittel- 
alterlichen bis in die neuere Zeit. 



Von 

A. von Minckwitz. 



Dresden, dessen früheste Geschichte in jedfer Hinsicht 
noch der Aufklärung bedarf, findet sich in urkundlichen 
Nachrichten zuerst im Anfange des 13. Jahrhunderts als 
Stadt, demnach als ein mit Mauern und Gräben um- 
friedigter Ort erwähnt. Doch bezieht sich diese Um- 
wallung nur auf den inneren Kern der jetzigen Altstadt. 
Im 15. Jahrhundert gab es ausser den Thürraen der 
damals vorhandenen Thore, des Seethores, des WilsdrufFer 
Thores, des Elb- oder Brück enthores und des Frauen- 
thores, noch wenigstens 14 kleine Thürme^). 

Nachdem hierauf in den Jahren 1519—1529 Herzog 
Georg die Befestigungen erweitert hatte, indem er einen 
Theil der Vorstadt, die jetzige Landhaus- und Rampesche 
Strasse, mit in die Befestigung einzog, vollendeten die 

1) Über Mauern, Thore, Thürme, deren Unterhaltung u. s, w. 
vergl. 0. Richter, Verfassungsgeschichte der Stadt Dresden 
(Dresden 1885), S. 5 tig., 287 flg. Ausserdem wurden für den nach- 
stehenden Aufsatz benutzt: Hasche, Diplomat. Geschichte von 
Dresden; Lindau, Geschichte von Dresden; von Friesen, Das 
Defensionswesen im Kurfürstenthum Sachsen, in von Webers Archiv 
f. d. Sachs. Gesch. I, 194 flg.; Dietzel, Zur Militär-Verfassung Kur- 
sachsens im 17. und 18. Jahrh., ebenda II, 421 flg.; Neubert, Die 
Schützengesellschaften zu Dresden, u. a. Die Hauptquellen aber bot 
das in ausgedehnter Weise herangezogene Rathsarchiv der Stadt 
Dresden und das Hauptstaatsarchiv. 



236 A. von Miuckwitz: 

Kurfürsten Moritz iiiicl August den Festung^sbau") und 
gaben demselben, nach dem vom Ober-Zeug- und Bau- 
meister Caspar Vogt entworfenen Grundriss, diejenige 
Gestalt, welche er bis zu der im Anfange des laufenden 
Jahrhunderts stattgehabten Demolierung der Werke bei- 
behalten hat. 

Alt- Dresden (die Neustadt), dessen Befestigung ur- 
sprünglich ebenfalls in Aussicht genommen worden war, 
blieb ein offener Ort. 



1. Die Bewachung der Festung Dresden 
bis zur Errichtung einer stehenden Garnison 

im Jahre 1587. 

Die Bewacliung der Festung Dresden lag der Dresd- 
ner Bürgerschaft ob und jeder selbständige Einwohner 
hatte der Wehrpflicht zu genügen. Stellvertretung im 
Wachdienste war jedoch zugelassen und mag sogar die 
Regel gebildet haben. Die obere Leitung aller die Wehr- 
verfassung und im besonderen daher den Waclitdienst 
betreffenden Angelegenheiten ruhte in der Hand des 
Bürgermeisters oder eines hierzu geordneten Mitgliedes 
des Rathes und für die Details sorgten die Viertelsmeister, 
da jedem Stadtviertel die Bewachung des ihm zunächst 
gelegenen Theiles der Stadtmauer mit ihren Thoren mid 
Thürmen anvertraut war'"). 

Während der in der Mitte des 16. Jahrhunderts aus 
den Religionswirren hervorgegangenen Kriege und Fehden 
wurden zur Unterstützung der Bürgerschaft entweder 
kurfürstliche Vasallen mit ihren Knechten und Pferden, 
oder auch einige Fähnlein Landsknechte nach Dresden 
gelegt. 

Die bis zur Errichtung der stehenden Besatzung im 
Jahre 1587 auf die Bewachung der Festung bezüglichen, 

2) Fortgebaut wurde an den l'estungswerken, namentlich durch 
Verstärkung und Erhöhung der Wälle, auch durch die Regierungs- 
nachfolger der Kurfiirsteu Moritz uiul August. Unter anderem Hess 
Kurfürst Christian I. durch den Zeug- und Baumeister Paul Puchner 
die grosse Bastei an der Elbe, wo sonst das Ziegelthor gestanden, 
errichten. 

^) Über die Pflichten, welche der Dresdner Bürgerschaft bei 
Bewachung der Festung oblagen , wie auch über die von derselben 
zu auswärtigen Kriegszügen zu leistende Uceresfolge vergl. Rieh ter 
a. a. 0. S. 282 flg. 



Die Besatzung zu Dresden von der mittelalterl. Zeit etc. 237 

nur sehr vereinzelt vorkommenden Nachrichten, lassen 
sich in ahgerundeter Darstellung nicht zusammen lassen 
und folgen hier in chronologischer Ordnung. 

1544 bestimmte Herzog Moritz, als er mit Kaiser 
Karl V. ausser Landes zog, wegen Bewachung des 
Schlosses und der Festung: Ernst von Miltitz solle alle 
Nacht im Schlosse liegen und dasselbe in guter Acht 
haben, zu rechter Zeit auf- und zuschliessen lassen und 
alle Nacht die Schlüssel zum Schlosse und zum Brücken- 
thore an sich nehmen, auch die Wacht vor der Stadt und 
beim neuen Baue bestellen. 

1547 bedrohte Kurfürst Johann Friedrich Dresden, 
in Abwesenheit des Herzogs Moritz, mit einem Überfalle. 
Am 20. Januar erhielt deshalb der Rath zu Dresden Ver- 
ordnung, dass am 26. Januar von der Bürgerschaft je 
der andere Mann mit Harnisch, langen Wehren und Haken 
(Hakenbüchsen) persönlich anzutreffen sein solle. Auch 
wurden unter dem Obristen Johann Baptist Grafen Lodron 
einige Fähndel Landsknechte in die Festung gelegt; die- 
selben zogen, nachdem Kurfürst Johann Friedrich Dresden 
vergeblich beschossen und sodann den Rückmarsch an- 
getreten hatte, am 4. März wieder ab. 

Neben der Bürgerschaft übernahmen nunmehr, so 
lange nicht alle Gefahr beseitigt schien, vom Lande be- 
schriebene kurfürstliche Vasallen mit ihren Knechten und 
Pferden die Sorge für die Sicherheit der Festung'*) und 
hatten täglich viermal je zwei vom Adel und zwei Bürger 
die Posten zu beschleichen und zu besichtigen, damit 
rechte \A''acht gehalten werde. Dieselben Personen mussten 
gegenwärtig sein beim Zu- und Aufschliessen der Thore, 
und ohne ihr Beisein durfte während der Nacht niemand 
aus- und eingelassen werden. Die Schlüssel waren jeder- 
zeit Georgen von Carlowitz zu überantworten. 

1551 mussten alle Bürger, welche Pferde besassen, 
sowie die Hausgenossen, welche nicht Bürger waren, fünf 



*) Die betreifenden Edelleute erhielten Tag und Nacht für ihre 
Person und ein Pferd 1« Groschen und auf jeden reisigen Diener 
12 Groschen Auslösung. In ähnlicher Weise wurden noch 1576, als 
Kurfürst August zur Vollstreckung der Acht wider Herzog Johann 
Friedrich nach Gotha zog, Hans von Schleinitz zu Schleinitz und 
Bernhard von Schönberg zu Keichenau mit ihren Knechten und 
Pferden zur Festung Dresden geordnet. Dieselben waren bei einem 
Bürger oder im Gasthofe zu verdingen, hatten aber das Futter vom 
Hofe zu nehmen. 



238 A. Ton Minckwitz: 

Tage lang, gegen Lieferung des Brotes, an den Festungs- 
werken arbeiten. 

1552, am Dienstag nach Misericordias Doraini (3. Mai), 
wurde die Bürgerschaft gemustert und stellten sich in 
235 Gliedern, jedes zu 5 Mann, 1175 Mann. 

Am 10. März desselben Jahres erliess Kurfürst Moritz 
eine Verordnung an den Rath zu Dresden, wie es mit der 
Einquartierung zu halten sei, wenn die Sicherheit der 
Festung es erheischen sollte, dieselbe mit einigen Fahnlein 
Landsknechten zu belegen''). Im Eingang verspricht der 
Kurfürst, diese Massregel nur in der äussersten Noth zu 
ergreifen. Für den Fall aber, dass das Einrücken der 
Landsknechte sich nicht umgehen lasse, wurde folgendes 
bestimmt. Die Quartiermeister und Fouriere haben die 
Einquartierung im Einvernehmen mit einem Abgeordneten 
des Käthes vorzunehmen. Die Häuser der Kirchendiener, 
der Schuldiener und der Rathspersonen, sowie diejenigen 
der Witwen und Waisen bleiben mit der Einquartierung 
verschont und werden die Quartiermeister an solche Häuser 
Freizeichen malen"). Dem Rathe ist es ferner anheim 
gestellt, diejenigen Häuser zu befreien, deren Besitzer 
sich zur Zahlung einer genügenden Entschädigung ver- 
stehen. Die Erhebung des Geleits und der Accise ver- 
bleibt ungehindert dem Rathe und werden die Befehls- 
haber darüber halten, dass die Wache in den Thoren den 
Leuten, welche l^roviant, Getränke, Salz, Holz und 
sonstige Waren zuführen, nichts abdringt. Wein und 
Bier zu schenken und einzulegen, ist nur den hierzu be- 
rechtigten Bürgern gestattet. Was die Knechte verzehren, 
sind sie ihren Wirthen zu bezahlen schuldig und haben 
sich dieselben jeder Plünderung und Preismachung zu 
begeben. Der Oberste, den der Kurfürst in Besatzung 
verordne, werde Anweisung erhalten, strenge JVlannszucht 
zu halten und Sorge dafür zu tragen, dass die Knechte 
sich in den Häusern gegen den \Virth und die Seinen 
züchtig halten, auch die gräulichen und erschrecklichen 
Gotteslästerungen nachlassen. Wegen Verwahrung der 



'') Gedruckt bei Hasche, Urkuudeiibuch S. 479. 

") Diejenigen, welche ausser den genannten Personen Frei- 
häuser in Dresden besassen, sollten in Zeit der Besetzung gleiche 
Bürden mit den Bürgern tragen, ingleichen alle Personen, welche, 
ohne Bürger zu sein, in der Stadt wohnten und nicht minder die- 
jenigen, welche durch Flucht sich der Last zu entziehen suchen 
würden. 



Die Besatzung zu Dresden von der mittelalterl. Zeit etc. 239 

Festung besagt schliesslich die Verfügung, dass die 
Schlüssel des Stadtthores sich in gemeinsamer Verwahrung 
des Obersten und des Käthes zu befinden hätten und 
neben des Obersten hierzu verordnetem Unterbefehlshaber 
auch ein Rathsverwandter zuzuziehen sei, wenn während 
der Nacht die Thore oder Pforten geöffnet werden müssten. 

Die vorstehende Anordnung verüberflüssigte sich je- 
doch, da weder damals noch in der Friedenszeit, welche nach 
dem Regierungsantritte des Kurfürsten August den kriegs- 
bewegten Tagen des Kurfürsten Moritz folgte, die Beleg- 
ung der Stadt mit Landsknechten sich erforderlich machte. 

Aus dem Jahre 1555 ist sehr interessant ein auf 
Erfordern erstattetes Gutachten der kurfürstlichen Räthe 
Wolf von Schönberg und Haus von Dieskau wegen Er- 
richtung einer Guarda in der Festung Dresden. Dieselben 
erachten eine solche „vor einen unnöthigen Unkosten, mit 
Anzeige, do Jemand den Churfürsten, ihren gnedigsten 
Herren, zu bekriegen Willens, dieser Guardi halber es 
nicht unterbleiben wurde" ; es sei genügend, wenn einer 
fleissigen vertrauten Person auferlegt würde, jedes Mal 
beim Auf- und Zuschliessen gegenwärtig zu sein'). Da- 
neben lassen sie sich nicht missfallen, dass vor den Thoren 
zweifache oder dreifache Schläge gemacht, Häuslein daran 
gebaut^ und Handwerksleute darein gesetzt würden, mit 
dem Befehle, gute Acht darauf zu geben ^ wer aus und 
ein ritte, und dass man nach Gelegenheit der Zeit die 
Schläge zuhalte oder offen lasse. Hiernächst empfehlen 
sie dem Kurfürsten, eine vertraute Person unterhalten zu 
lassen, welche im Lande umher zu reiten und gute Kund- 
schaft zu halten habe, was, hin und wider, das gemeine 
Gerüchte. Im Falle der Gefahr könne man alsdann, was 
uothwendig, förder bestellen. 

1557, Mittwoch nach Leonhardi (10. Nov.), fand auf 
der Elbwiese^) abermals eine Musterung der streitbaren 
Bürger und Handwerksgesellen statt und waren 1500 
brauchbare Personen zur Stelle. 

Im Jahre 1560 kommt zum ersten Male der Aus- 
druck Befehlshaber der Festung Dresden vor. Als näm- 

') Nur für das Schloss Pleissenburg wurde damals eine Guarda 
von 20 Mann errichtet und selbst der Königstein erhielt erst dreissig 
Jahre später eine Besatzung. 

*) Die Eibwiese oder Mönchswiese, jetzt Stallwiese, erstreckte 
sich damals von der Bärbastei bis an die Brücke und umfasste auch 
die zur Klostergasse gehörigen Gärten. 



240 A. von Miiukwitz: 

Hell im gedachten Jahre, nacli dem Ableben des Ober- 
Zeug- und Baumeisters Caspar Vogt, Hans von Dieskau 
zum Ober-Zeug- und Baumeister und zugleich zum Ober- 
befehlshaber aller Festungen im Lande bestallt wurde, 
ordnete ihm der Kurfürst als Stellvertreter in Behinderungs- 
fällen den Hauptmann Melchior Hauff' zu. Insbesondere 
jedoch sollte derselbe die Festung Dresden, ingleichen 
das Zeughaus und den Festungsfjau daselbst in seinem 
Befehlich haben"). 

1563 am 31. Januar folgte Hauptmann Melchior 
Hauff dem Hans von Dieskau als Ober-Zeug- und Bau- 
meister, sowie als Oberbefehlshaber aller Festungen, mit 
der angefügten Bestimmung, den wesentlichen Aufenthalt 
in seiner Behausung zu Dresden zu nehmen^"). 

Zum Auf- und Zuschliessen der Thore erscheinen seit 
jener Zeit und bis zur Errichtung der stehenden Besatzung 
1 Wachtmeister und 8 alte Trabanten im Ausgabeetat 
der kurfürstlichen Kammer. 

1567 am 1. Mai wurde Hauptmann Jacob Thalheim 
dem Ober -Zeug- und Baumeister Melchior Hauff beisfc- 
geben, weil letzterer nunmehr „veraltere" und unver- 
mögend werde. Mittlerweile hätten sie sich freundlich 
mit einander zu vergleichen und beiderseits auf des Kur- 
fürsten Nutzen und Frommen bedacht zu sein. In der 
Festung Dresden sollte Jacob Thalheim unter den Thoren 
und wo es sonst die Nothdurft erfordere, die Tag- und 
Nachtwacht, wie einem Hauptmann gebühre, bestellen 
und verordnen. 

Des Hauptmanns Melchior Hauff geschieht dann 
ferner keine Erwähnung mehr und als auch Jacob Thalheim 



^) In der Bestallung des Zeugsclireibers Veit Clement vom 
28. November 1560 heisst es : Er solle sich gehorsamlich verhalten, 
was Hans von Dieskau, Über-Zeugmeister, ingleichen Melchior Hauff, 
Unserer Vestung Dreßdeu Hauptmann und Mitbefehlshaber der 
Zeughäuser, von unsertwegen mit ihm schaffen werden. 

'*') Melchior Hauffs Tractament betrug jährlich 608 Gülden 
16 Groschen, nämlich: 410 Gülden Dienstgeld und Pferdesold, Hafer 
auf S Pferde, Winter- und Sommerkleidung, sowie das Kostgeld auf 
sich und seine Knechte. Hierüber war ihm bei Verschickungen freie 
Zelirung bewilligt. Ferner schenkte iiim der Kurfürst ungefähr an 
der Stelle, wo jetzt, gegenüber der reformierten Kirche, das Preuss'sche 
Haus steht, einen bis an den Stadtgraben reichenden Raum, auf 
welchem er sich durch Hansen von Dehn- l\othfelser ein Haus er- 
bauen liess, mit der Inschrift über dem Eingange: Nächst Gott die 
Belagerung von Magdeburg. Hieraus lässt sich schliessen, dass er 
bei dieser Gelegenheit sich besonders ausgezeichnet hatte. 



Die Besatzung zu Dresden von der mittelalterl. Zeit etc. 241 

1569 im November Bestallung als Obrister von Haus 
aus erhielt ^^), hatte der Hausraarschall Hans von Auers- 
wald die Schlüssel der Festung- in Verwahrung zu halten, 
bis 1573 am 31. Oktober Georg von Zetteritz zu 
Lortzendorff zum Hauptmann der Festung Dresden er- 
nannt wurde. Ihm folgten im Jahre 1579 Dietrich ßulcke 
zu Lindau und 1583 am 3. Juni der zeitherige Trabanten- 
Hauptmann Christoph Zaunmacher als Hauptleute der 
Festung Dresden. 

2. Die Besatzung der Festung Dresden seit 
Errichtung der Festungsgarde im Jahre 1587 bis 

zum Jahre 1630. 

Im Jahre 1587 beschloss Kurfürst Christian L, die 
Dresdner Bürgerschaft gegen Entrichtung eines Geld- 
äquivalents von der Verpflichtung, die Festung zu be- 
wachen, gänzlich zu entbinden, dagegen eine Festungs- 
garde als stehende Besatzung ins Leben zu rufen. 

Der deshalb durch die kurfürstlichen Kommissare, 
den Hofmarschall, Kriegsobristen Hans Wolf von Schön- 
berg, den Geheimen Rath Hans Georg von Ponikau, den 
Oberschenken Christoph vom Loss und den Oberküchen- 
meister Hans von WolffersdorfF mit dem Rathe der Stadt 
Dresden abgehandelte Vergleich vom 4. Mai 1587 hatte 
nachstellenden Inhalt. 

Bei der bisher dem Rathe zu Dresden obgelegenen 
Bestellung der Tagewacht in den Thoren und sonst falle 
allerhand Unfleiss und Missbrauch vor und dieselbe werde 
nicht mit hierzu genugsam tüchtigen Personen versehen, 
wie es sich in einer solchen ansehnlichen Festung gebühre. 
Um dem abzuhelfen und zugleich der Bürgerschaft die 
vielfältigen Wachtanlagen, mit denen dieselbe beschwert, 
zu erleichtern, hielten Se. kurfürstlichen Gnaden dafür, 
dass es diesem Werke am nützlichsten und der Bürger- 



in) Kurfürst August unterhielt mit nicht unbeträchtlichen Kosten 
eine Anzahl von Obristen, Rittmeistern und Hauptleuten von Haus 
aus, welche Wartegeld bezogen und im Falle des Erfordernisses 
Kriegsvolk anzuwerben hatten. Dergleichen Bestallung übernahm 
Jacob Thalheim 1569 am 4. November als Hauptmann und 1575 
am 28. November als Obrist, letztere mit dem Zusätze, dass er sich 
in dem Schlosse zu Zwickau wesentlich enthalten und die Festung 
daselbst in Acht haben solle. Sein Gehalt betrug 2000 Thaler- 
groschen. 

Neiios ArchiT f. Ü. G. n. A. VH. 3. 4. 16 



242 A- von Minckwitz: 

Schaft am erträglichsten sein würde, wenn man sich einer 
gewissen Anlage vergliche, welche jeder Einwohner, er 
sei in dieser Stadt ansässig oder Hausgenosse, jährlich 
an Gelde zu entrichten habe. Das Einbringen der Anlage 
solle dem liatlie überlassen bleiben und sei der Betrag 
an den Ort zu überantworten, welchen S. kurf. Gn, des- 
halb namhaft maelien werde. Soweit es zureiche, wolle 
hiervon S. kurf. Gn. taugliche Personen besolden und 
durch dieselben die Tagewacht unter den Thorcn, die 
Wacht und Aufsicht an den Schlägen, sowie die Post- 
wacht versorgen lassen, während den Aufwand für den 
Unterhalt der Nachtwächter, der Stundenausrufer und 
des Nachtrichters der Rath auf sich zu behalten habe. 
S. kurf. Gn. thue solchen Vorschlag aus treuer, wohl- 
wollender Vorsorge zur Herbeiführung heilsamer, guter 
Ordnung, ohne dabei einen selbsteignen Nutzen zu suchen, 
indem sogar S. kurf. Gn. ein Ansehnliches werde zu- 
büssen müssen. 

Nach mancherlei Einwendungen habe sich der llath 
endlich mit Vorwissen der gemeinen Bürgerschaft zu 
folgendem bereit erklärt. Von jedem Einwohner, er sei 
vom Adel oder Bürger, in dieser Stadt sesshaft oder 
Hausgenosse, solle jährlich ein Thaler Wachtgeld ein- 
gebracht und in zwei Terminen zu Walpurgis und Michaelis 
zur kurfürstlichen Kammer abgeführt werden. Nur die 
Kirchen- und Schuldiener, so auf den befreiten Häusern 
sitzen, seien hiervon auszunehmen^"). Hierüber wolle der 
Rath von seinem eignen Einkonnnen jährlich 100 Thaler 
erlegen und daneben, nicht w^eniger als bisher, die Nacht- 
wächter, die Stundenausrufer, den Nachtrichter und zu- 
gehörige Personen auf seine Selbstkosten unterhalten. 

Gegen dieses alles haben S. kurf. Gn. bewilligt, eine 
bes(mdere Gwardi guter tüchtiger Leute zu halten, mit 
derselbigen unter den Thoren die Tagewacht, die Schläge- 
wacht und die Postwacht nach Nothdurft bestellen sowie 
die zugehörigen Schreiber unterhalten zu lassen, auch 
Befehl zu thun, dass diejenigen, so an den Schlägen 
sitzen, auf die mit Gütern beladenen Wagen gut Acht 
geben und keinen durchlassen, der nicht darzuthun ver- 

^2) Nicht allein die landesherrlichen lläthe und Hofdiener waren 
zur Zahlung des Wachtthalers gehalten, sondern es wurde sogar 
zugesagt, dass von den seitens der kurfürstlichen Kammer zu Er- 
weiterungsbauten ausgekauften Bürgerhäusern der Wachtthalcr ent- 
richtet werden solle. 



Die Besatzung zu Dresden von der mittelalterl. Zeit etc. 243 

möge, dass er das ordentliche Geleite entrichtet. So 
Avollen auch S. kurf. Gn. über solche Gwardi sonderliche 
Befehlichshaber verordnen, nach welchen sich die Lands- 
knechte mit der Wache, der Verwahrung der Thore, dem 
Auf- und Zuschliessen derselben und sonsten zu richten 
haben mögen und der Rath damit ferner nichts zu schaffen 
haben dürfe. 

Es solle auch gegen solche bewilligte Anlage hinfür 
das bisher zu unterschiedenen Zeiten in den Häusern und 
von der Bürgerschaft geforderte Wachtgeld gänzlich fallen. 
Dagegen solle für den Fall, dass fremde Herrschaften 
hier anlangten und man der Bürgerschaft zu derselbigen 
Einzug in ihrer Rüstung bedürfen würde, die Bürger- 
schaft schuldig sein, sich unweigerlich dazu gebrauchen 
zu lassen ^^). 

Zum ersten Male liess der Rath der Stadt Dresden 
die hinfort als Wachtthaler bezeichnete Abgabe zum Ter- 
mine Walpurgis 1587 einheben. 

Das Kommando über die neu errichtete Festungs- 
garde ^*), welche man in der Regel im Gegensatze zu 
der Trabanten -Leibguardi, der Oberguardi , als Unter- 
guardi bezeichnete, wurde dem Stadthauptmann Christoph 
Zaunmacher aufgetragen und verblieb auch fernerweit 
mit der Stadthauptmannschaft verbunden. 

Auf Christoph Zaunmacher folgten als Stadthaupt- 
leute: 1589 5. Januar Hans Claus Russwormb, 1591 
6. Dezember Gregor von Kayn, 1595 6. Juli Heinrich 
von Günterode, 1598 22. Februar ad interira Christoph 
Zaunmacher, 1600 17. Januar Melchior von Milkau. 

Im Jahre 1602 vertraute hierauf Kurfürst Christian H. 
den Oberbefehl über sämtliche Festungen, Besatzungen 
und Zeughäuser im Lande dem Obristen Centurius Pflugk 
an und nach einer kurzen Unterbrechung, indem er 
während der Jahre 1605 und 1606 seine Funktionen an 
den Schwager des Kurfürsten, Herzog Ulrich von Schleswig- 
Holstein, als kurfürstlichen Generalobristen hatte über- 



13) Bei der grossen im Verlaufe des Jahres 1587 im ganzen 
Lande stattfindenden Musterung der Ritterschaft, der Bürger und 
Landleute zählte man in der Stadt und Festung Neu -Dresden 
(Altstadt) 1045 und in Alt -Dresden (Neustadt) 421 wehrhafte 
Männer. 

1^) Über die Dienstordnung für dieselbe vom 19. Mai 1587 
vergl. Richter a. a. 0. S. 307. 

16» 



244 A. von Miiickwitz: 

lassen müssen, übernalnn Obrist Pfliigk gedachten Ober- 
befehl aufs Neue mit beinahe unbeschränkter Vollmacht 
1607 am 22. Oktober. 

Die Stadthauptleute folgten sich im Verlaufe der 
Jahre 1602 — 1607 in raschem Wechsel. Zweimal lösten 
in der kurzen Zeit Melchior v^nn Milkau und Hauptmann 
Barthel Brand einander als .solche ab. 1606 erhielt so- 
dann den Posten der Trabantenhauptmann Georg Schubert 
und am 22. Oktober 1607, also an deinselben Tage, an 
welchem Centurius Pflugk die erneute Bestallung als 
Obrist über die Festungen und deren Besatzungen em- 
pfing, ernannte der Kurfürst den Hauptmann Rudolph 
von Carlowitz zum Stadthauptmanu. Während jedoch 
dessen Vorgängern bisher die Befehle des Kurfürsten 
direkt zugegangen waren, sah sich derselbe nunmehr 
dahin angewiesen, in wichtigen Sachen sich bei dem 
Obristen Centurius Pflugk Raths zu erholen. 

Im übrigen hatte der Stadthauptmann, seiner In- 
struktion zufolge, im gewöhnlichen Laufe der Dinge, die 
ihm vertraute Festung in guter treuer Aufacht zu halten, 
die Wachten sowohl in der Festung als in der Stadt und 
in den Thoren durch die ihm untergebenen Soldaten 
fleissig zu bestellen, die Schlüssel zu den Thoren selbst 
zu sich zu nehmen, die Thore zu rechten gewöhnlichen 
Zeiten, wenn man sich noch besehen könne, durch den 
ihm zugeordneten Wachtmeister schliessen und niorgens 
dergestalt wieder öffnen zu lassen, damit die Einwohner 
und fremden durchreisenden Leute vorsätzlicher Weise 
nicht verzogen werden möchten, übrigens auch öfters beim 
Zu- und Aufschlicssen der Thore persönlich gegenwärtig 
zu sein. Bei nächtlicher Weile hatte er jedoch die Festung 
ohne besonderen kurfürstlichen Befehl, niemand, wer der 
auch sei, zu öffnen. Ferner lag dem Festungshauptmann 
ob, Sorge dafür zu tragen, dass in den Thoren und an 
den Schlägen die hierzu verordneten Schreiber einen 
jeden, zu Ross, zu Wagen oder zu Fuss, mit Fleiss be- 
fragten, wie sein Name heisse, woher er konnne und wo 
er einkehren werde, des Abends aber selbst Kenntnis 
von dem Verzeichnis zu nehmen. In der Nacht waren 
am Stalle und am Rathhause Schildwachen zu stellen. 
Dem Zeugmeister, dem das Zeughaus und die Artillerie 
in Befehlich gegeben, sollte der Stadthauptmann darin 
keinen Einhalt thun, sondern wenn Geschütze auf die 
Festung zu rücken sich nöthig mache, mit demselben 



Die Besatzung zu Dresden von der mitteralterl. Zeit etc. 245 

sich einmüthig vergleichen, damit unter ihnen, als einer 
Herrschaft Diener, gut Einverständnis stattfinde. 

Der in der Zeit zwischen dem Jahre 1587 und dem 
Anfange des 17. Jahrhunderts mehrfach wechselnde Etat 
der Festungsgarde war im Jahre 1610 der folgende: 
1000 Gulden' Hauptmann Rudolph von Carlowitz; 240 
Gulden Caspar Wurzer, Fändrich; 192 Gulden Valten 
Preusse, Leutenampt; 192 Gulden der Wachtmeister ; 108 
Gulden der Nachtwachtmeister; 144 Gulden der Profos; 
96 Gulden der Forirer ; 288 Gulden 3 Rottmeister ä 96 
Gulden; 1152 Gulden 12 gefreite Knechte ä 96 Gulden; 
2772 Gulden 42 Doppelsöldner; 2772 Gulden 42 Musch- 
ketirer; 288 Gulden 4 Spielleute; 60 Gulden der Stecken- 
knecht; 120 Gulden 3 Provisioner (Pensionäre); 75 Gul- 
den 9 Groschen zwei Wächter auf dem Kreuzthurm. In 
Summa 9499 Gulden 9 Groschen. 

Der Aufwand in so beträchtlicher Höhe war selbst- 
verständlich von dem Wachtthaler der Bürgerschaft nicht 
zu bestreiten, und um der Kammer die auf ihr ruhende 
kaum erschwingliche Ausgabenlast zu erleichtern, be- 
willigten die Stände im Jahre 1610, zunächst auf fünf 
Jahre, eine von den Städten aufzubringende Kontribution 
von 30000 Gulden zur Besoldung der Festungsgarden in 
Dresden, auf dem Königstein und in der Festung Pleissen- 
burg^-^), sowie zur Besoldung der aus der Bürgerschaft 
erkiesten, mit der Bedienung der Geschütze betrauten 
Büchsenmeister^"). 

Die Stadt Dresden war jedoch, weil sie den Wacht- 
thaler entrichtete, von dieser Kontribution befreit. — 

Rudolph von Carlowitz blieb Stadtliauptmann_ auch 
nach dem Ableben des Obristen Centurius Pflugk^') und 



^5) Andere stehende Truppen gab es nicht bis zum Ausbruche 
des dreissigjährigen Krieges, mit Ausnahme der zum persönlichen 
Schutze des Ivuifürsten und zur Bewachung des Sclilosses bestimmten, 
aus der liurfürstlichen Kammer besoldeten Trabanten -Leibgarde zu 
Fuss. — Die Besatzungen zu Dresden, auf dem Königstein und in 
der Pleissenburg betrachtete man als unter ein Fändel gehörig, 
und hatten die Hauptleute des Königstein und der Pleissenburg 
sich Rath und Anordnung vom Stadthauptmann zu Dresden zu 
erholen. 

16) In Dresden waren deren sechzig vorhanden, mit jährlichen 
Besoldungen zwischen 30 und 60 Gulden. 

i'^) Obrist Centurius Pflugk, die massgebende Autorität in allen 
militärischen Angelegenheiten zu jener, dem dreissigjährigen Kriege 
unmittelbar vorhergehenden Zeit, starb auf seinem Gute Gersdorf bei 
Nossen 1619 am 29. März. 



246 A. von Minckwitz: 

zwar in unabhängiger Stellung, da niclit alsbald wieder 
ein Oberbefehlshaber über die Festungen ernannt wurde. 

Als Rudolph von Carlowitz 1621 am 24. Februar 
ebenfalls verstarb, ernannte der Kurfürst den Obristen 
Karl Khra (Krähe) zum Stadthauptmann zu Dresden und 
zugleich zum Oberbefehlshaber der Besatzungen in sämt- 
lichen Festungen^^). 

In den Berichten des Obristen Khra geschieht häufig 
der grossen Noth Erwähnung, in welcher sich die Sol- 
daten infolge der mangelnden Mittel zu ihrer Besoldung 
befanden. So meldet er unter anderem dem Kurfürsten 
im Oktober 1624: die Bürger könnten und wollten an 
Naturalien nichts mehr borgen und die Soldaten seien, 
wenn sie aufziehen sollten, genöthigt, die Bäuche mit 
Eicheln, rohen Krautstrünken und anderer viehischer 
Speise zu füllen, worauf der Kurfürst anbefahl, 500 Scheffel 
Korn aus dem Magazin zu verkaufen, um den Leuten 
eine Bezahlung davon zu thun. 

Auch die Gelder zur Bekleidung der Garde, wozu 
von der Städtekontribution sich jährlich 6000 Thaler 
angesetzt befanden, blieljen häufig im Rückstand. 

Die Montur bestand aus einem Lederkoller, einer 
gelben, schwarz ausgemachten Casaque^^), ledernen Knie- 
hosen, Schuhen, gelben Strümpfen und grauen Filz- 
hüten mit langer gelb und schwarzer Feder-*^). 

Das Fändel war roth und weiss mit einem schwarzen 
Adler, der in jeder Klaue ein Schwert hielt. 

3. Der Festungshauptmann und die Garde gegen- 
über der Stadt und der Bürgerschaft von 1587 
bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts. 

In gewissem Sinne betrachtete man den Stadthaupt- 
mann zugleich als Oberpolizeimeister. Nach dem Nacht- 



^*) Den Oberbefehl über die Zeughäuser erhielt der beim Aus- 
bruch des dreissigjährigen Krieges zum Obristen über die Artillerie 
ernannte Johann Melchior von Schwalbach. 

^^) Der Ausdruck Gasaque, worunter man bald einen Waifen- 
rock, bald einen den Mantel vertretenden Surtout verstand, wahr- 
scheinlich ein Mittelding zwischen beiden gedachten Kleidungs- 
stücken, blieb bis zu den Zeiten des Kurfürsten Johann Georg III. 
in Gebrauch. 

20) Die erste „gelbe Liberey" hatte Obrist Centurius Püugk im 
Jahre 1610 geben lassen.' 



Die Besatzung zu Dresden von der mittelalterl. Zeit etc. 247 

mandate vom 25. Januar 1589 hatte derselbe nämlich 
zehn Knechte aus der Festungsgarde den vom Rathe 
zu bestellenden Nachtwächtern zuzuordnen, um Ruhe und 
Ordnung in den Strassen aufrecht zu erhalten-^). 

Am folgenden Morgen war dem Stadthauptmann an- 
zuzeigen, wer im Verlaufe der Nacht ins Gefängnis ge- 
bracht worden und durch denselben dem Kurfürsten zur 
Einholung ferneren Bescheides die nähere Gelegenheit zu 
vermelden. 

Auf Zug und Wacht, bei Feuersgefahr und an- 
deren Aufläufen ; es sei bei Tag oder Nacht, war der 
Rath der Stadt Dresden angewiesen, dem Stadthaupt- 
raann allen gebührlichen Gehorsam zu leisten und zu 
erzeigen. 

Die Auszahlung des Soldes an die Festungsgarde 
erfolgte, weil solcher nicht aus landesherrlichen Kassen, 
sondern vom Wachtgelde, beziehentlich von der Steuer- 
kontribution der Städte, bestritten wurde, durch einen 
vom Rathe deputierten Kommissar in Gegenwart des 
Stadthauptmanns oder eines seiner Unterbefehlshaber 
und eines Kammerschreibers, welcher das Gegenregister 
führte. Die Musterrolle hatte der Musterschreiber ab- 
zulesen und ein jeder persönlich seinen Sold in Empfang 
zu nehmen. 

Hinsichtlich des Verhaltens der Soldaten den Bürgern 
gegenüber und umgekehrt, sowie hinsichtlich der Jnris- 
diktionsverhältnisse enthält ein Mandat vom 23. Juli 1610 
ausführliche Bestimmuno;en : 

1. Der Rath soll Sorge tragen, dass die Bürger nach 
ihrem Vermögen den Soldaten alle gebührende Beför- 
derung thun. 



21) Im gedachten Nachtmandate (theilweise gedruckt bei Hasche, 
Urkundenbuch 562) verordnet der Kurfürst, dass jedermann, sowohl 
in den Häusern, als auf den Gassen, sich ruhig und still verhalte, 
niemand in den langen Sommertagen nach zehn Uhr, im Herbst und 
Winter aber nach 8 Uhr ohne Licht sich auf den Gassen finden 
lasse und noch viel weniger mit viehischem Geplärre, Geschrei und 
Kumor, auch nicht mit Saitenspiel umlaufe und die Leute beun- 
ruhige oder denselben mit Worten und Werken verdriesslich falle. 
Wer aber, er sei vom Hofgesinde, der Btirgerschaft, Einheimischer 
oder Fremder, Ärgernis anrichte, solle unnachlässig der Strafe ver- 
fallen. 



248 A. von Minckwitz: 

2. Den Bürgern liegt die Verpflichtung ob, die Sol- 
daten gegen einen massigen Hauszins zu beherbergen, 
doch haben letztere nichts zu fordern, als ein ziemliches 
Losament und die Lagerstatt. 

3. Befreit von der Einquartierung sind die kurfürst- 
lichen Käthe, die Bürgermeister und Rathspersonen , die 
Kirchen- und Schuldiener, sowie die Witwen und Waisen. 
Auch können diejenigen Bürger, welche ein vom Käthe 
für genugsam erachtetes Geldäquivalent erlegen, mit der 
Einquartierung verschont bleiben. 

4. Die Verpflichtung, Einquartierung zu gewähren, 
beschränkt sich auf die Person des Soldaten und hat 
jeder Knecht, so im Ehestande lebt, für Weib und Kinder 
ein eigen Losament zu beschaffen. 

5. Jeder Soldat soll gegen seinen Wirth sich still, 
friedlich und schiedlich verhalten, demselben, auch Seinern 
Weibe, seinen Kindern und seinem Gesinde weder mit 
Worten noch Werken im Geringsten hinderlich oder be- 
schwerlich fallen, und mit Feuer und Licht vorsichtlich 
umgehen. 

6. Insgemein soll der Soldat sich zu niemand nöthigen, 
der Hochzeiten, dazu er nicht geladen, sich gänzlich 
äussern, keiner Gestalt beim Tanze sich unter die Hoch- 
zeitsgäste mengen, viel weniger aber mit Ungestüm und 
Bedrohungen Speis und Trank in Hochzeitshäusern fordern. 

7. Und damit diese wohlmeinende Ordnung desto 
fester gehalten, auch alle Konfusion der Jurisdiktion, 
Streit und Disputat zwischen den Befehlichshabern und 
dem Rathe zu Dresden vorgebeugt werde, so sollen in den 
Sachen, welche das Kriegswesen betreffen, die Befehlichs- 
liaber auf Grund der Kriegsartikel zu erkennen und zu 
strafen befugt sein. Ebener Maassen sollen die Bürger, 
welche gegen einen Knecht zu klagen haben, ihre Be- 
schwerde bei den Befehlichshabern anbringen. Dahin- 
gegen sollen die Befehlichshaber die Bürger in ihren Ge- 
ricbtszwang zu ziehen keineswegs befugt sein, dergestalt, 
dass ein Soldat, wenn er wider einen Bürger zu klagen 
hat, solches vor dem Rathe anzubringen und allda Ent- 
scheidung zu gewarten schuldig ist. Die Untersuchung 
schwerer Verbrechen, soweit sie nicht Militärdelicta 
sind, gehören einzig und allein vor den Rath und die 
Gerichte. 



Die Besatzung zu Dresden von der mittelalterl. Zeit etc. 249 

4. Die wehrhafte Bürgerschaft zu Dresden und 
die zur Festung Dresden geordneten Landes- 
defensionsfändel von 1613 bis zur Mitte des 

17. Jahrhunderts. 

Nach langwierigen Unterhandlungen trat am 1. Januar 
1613 die vom Obristen Centurius Pfiugk, unter Mit- 
wirkung der Obristen von Goldstein und von Sclilieben 
entworfene Landesdefensionsverfassung ins Leben. 

Vvas die Landesdefension zu Fuss, welche allein 
hier in Betracht kommt, angeht, so formierte man aus 
annähernd dem zehnten Theil aller wehrhaften Einwohner 
der Städte und des Landes (abgesehen von der Ritter- 
schaft) 18 Fändel, jedes 520 Mann stark, und theilte die- 
selben in 2 Regimenter ein. Ausgenommen von der Ein- 
reihung in diese beiden Regimenter blieben, als im be- 
sondern zur Dienstleistung bei der Festung Dresden be- 
stimmt, sowohl die Neu-Dresdner (Altstädter) Bürger- 
schaft, als ein aus Alt-Dresden (der Neustadt) und den 
Dresdner Vorstädten 305 Mann stark grezogenes Defen- 
sionsfändel. Von den oben erwähnten achtzehn Fändein 
waren übrigens zwei Fändel, das Pirnaische und das 
Freiberger, für den Nothfall gleichfalls zur Besetzung der 
Festung Dresden geordnet. 

Die ganze Landesdefensionsverfassung, so richtig 
auch deren Grundlage gedacht war, bewäiirte sich jedoch 
nicht in der praktischen Ausführung und scheiterte haupt- 
sächlich daran, dass der friedliche Bürger nur ungern 
den heimischen Herd verliess, um in der Ferne die 
Muskete zu führen. Auch ist es nicht bekannt, dass das 
Pirnaische und das Freiberger Defensionsfändel zur 
Besetzung von Dresden wirklich aufgeboten worden 
sind. — 

Die Neu-Dresdner (Altstädter) Bürgerschaft bildete, 
wie von Alters her, nach den Vierteln der Stadt abge- 
theilt, vier Fändel"""). Im April 1618 fand eine General- 
musterung derselben durch den Obristen Centurius Pflugk 
statt. 

Jedes Fändel bestand, nächst den aus den Raths- 
verwandten entnommenen Befehlshabern, aus dem Fändel, 



") Ausserdem hatte der Rath bei fremder Herrschaften Einzug 
und dergleichen festlichen Gelegenheiten zu Bewachung der Thore noch 
50 Musketirer und 50 Hellebardirer mit der Rüstung und allem 
Zubehör zu bewehren. 



250 A. von Minckwitz: 

10 Ronclassirern, 100 Miiskctirern, 105 langen Spiessern, 
2 Trouimclöclilägern und 2 Pfeilern. 

Seinem Musterberichte fügte Obrist Pflugk das Pro- 
jekt bei; durch den Rath aus der Neustadt und den zelni 
vorstädtischen Gemeinden-"^) über das ohnehin zu stellende 
Defensionsfändel von 305 Mann noch vier Fändel^ jedes 
277 Mann stark, ausheben zu lassen, um diese Mann- 
schaft zur Bewachung Alt-Dresdens, der Vorstädte und 
des Wassers verwenden zu können. 

Nachdem der Rath sein Einverständnis liierzu erklärt 
hatte, genehmigte der Kurfürst den gedachten Vorschlag 
am 25. Juli 1618. 

Zur Unterstützung der Festungsgarde im Wacht- 
dienste mag die Bürgerschaft vielfach in Anspruch ge- 
nommen worden sein, zu einer kriegerischen Aktion in 
Vertheidigung der Stadt bot sich jedoch, auch während 
des Verlaufes des dreissigj ährigen Krieges, kein An- 
lass-^). 

5. Die Festungsgarde zu Dresden 1630 bis 1682. 

Wegen häufiger Abwesenheit des Stadthauptmanns 
Christen Khra"'') war 1623 am 9. Juni der Fähnrich 



-•') Die Fischer-, Rampesche- und Borngassen-Gemeinde in der 
Pirnaischen Vorstadt, die halb Eulen-Gasse-, Hinter Seeer und 
Poppitzer Gemeinde in der See - Vorstadt, die Fischersdorfer-, 
Gerber- und Viehweiden-Gemeinde in der Wilsdrufter Vorstadt. 

21) Wer von der Bürgerschaft zur wirklichen Dienstleistung 
aufgeboten wurde, hatte vom Rathe, für Tag und Nacht, 4 Groschen 
Auslösung zu gewarten. Mit Geldstrafe in verschiedenen Abstufungen 
war jeder bedroht, der entweder ohne Sturmhaube, ohne Ring- 
kragen, ohne Brust- und Rückenstücke, ohne Beintaschen, ohne 
Kugeln oder ohne Lunte erschien, sowie derjenige, welcher seine 
Waffen, sein Rappier, sein Bandelier und sonstige Ausrüstung nicht 
in gutem Stande erhielt. Das Röcklein durfte nur bei Regenwetter 
über den Waffen getragen werden. 

-■') Bereits bei seiner Ernennung zum Stadthauptmaun hatte 
Obrist Khra, der zugleich ein Defensionsregiment und seit 1621 
ein geworbenes Regiment zu Fuss kommandierte, erklärt: er sei 
von Jugend auf gewohnt, sich stricte nicht binden zu lassen, son- 
dern allezeit bedacht gewesen, dass er in etwas seinen freien Willen 
haben möchte. Er hege daher die Hoffnung, dass es S. kurf. Gn. 
nicht entgegen sein werde, wenn er innerhalb Landes seiner Noth- 
durft nach verreise. Der Kurfürst hatte darauf geantwortet, dass 
ihm zwar vergönnt werden solle, seiner Nothdurft nach zu verreisen, 
jedoch dergestalt, dass er nicht länger, als ein oder zwei Tage ohne 
Urlaub von der Festung fern bleibe und auch dies nur bei guten 
Friedenszeiten und wenn kein Feindesgeschrei vorhanden. 



Die Besatzung zu Dresden von der mittelalterl. Zeit etc. 251 

Siegmund von Brandenstein zum Kapitänlieutenant und 
sodann an dessen Stelle Adam Adrian von Wallwitz 
unter dem 21. Januar 1630 zum Hauptmann über das 
Stadtfändel zu Dresden oder die Unterguardi bestallt 
worden. Kurz darauf, 18. Juni 1630, verstarb Obrist 
CarlKlira, worauf Adam Adrian vonWalhvitz ihm als Stadt- 
hauptmann succedierte. Doch sah sich derselbe seit dem No- 
vember 1630, als, beim Wiederausbruch des Krieges, 
Obrist Johann Melchior von Schwalbach zum General- 
zeugmeister und zugleich in ähnlicher AVeise, wie früher, 
Obrist Centurius Pflugk zum Oberbefehlshaber aller 
Festungen ernannt worden war, an dessen Kommando 
verwiesen. 

In jene Zeit fällt auch die Befestigung von Alten- 
Dresden (Neustadt) und der Vorstädte durch schleunigst 
im August 1632 aufgeworfene, nach dem Osnabrücker 
Frieden wieder eins-eebnete Retranchements und erscheint 
seitdem , neben dem Stadthauptmann in der Festung 
Neu -Dresden, ein besonderer Kommandant zu Alten- 
Dresden. 

Nachdem 1635 am 30. Juni der Generalzeugmeister 
von Schwalbach verschieden war, führte Adam Adrian 
von Wallwitz das Festungskommando in Dresden wieder 
selbständig bis zu seinem Tode 1642 am 16. September. 

Zum Oberkommandanten der Festung Dresden er- 
nannte nunmehr der Kurfürst den Obristen Claus Taube'-*^), 
zugleich aber zum Hauptmann über die Festung und das 
unter des Festungsobristen Claus Taube gehörige Stadt- 
Fändel oder die Unterguardi den Hauptmann Georg 
Götze. 

Im Jahre 1643, wo die Auszahlung der vom Wacht- 
thaler und der Städtekontribution bestrittenen Besoldung 
der Festungsgarde von den mit der Verwaltung ge- 
dachter Steuern betrauten Behörden auf das General- 
Kriegszahlamt überging, bestand die Garde aus dem 
Festungshauptmann, 1 Lieutenant, 1 Fähnrich, 1 Regi- 
mentsschultheissen , 1 Wachtmeister, 1 Waclitmeister- 
lieutenant, 1 Wachtmeister zu Alten- Dresden (Neustadt), 



-^) Dem Ansuchen des Obristen Claus Taube, auch den König- 
stein seinem Befehle zu unterstellen, konnte nicht Folge gegeben 
werden, weil der Kurfürst im Jahre 164:0 dem Artillerie -Obrist- 
lieutenant und Amtshauptmann zu Pirna, Johann Siegmund von 
Liebenau, das Oberkommaudo über den Königstein anvertraut hatte. 



252 A. von Miiickwitz: 

1 Naclitwaclitnieister, 1 Mnsterschreibcr, 1 Fourier, 1 Feld- 
sclieer, 1 Frol'os, 1 Gericlitsschreibcr, 1 Stabhalter, 2 Ge- 
richtsgeschworenen, 1 Regimentsdiener, 3 Korporalen, 
4 Trommelschlägern, 3 Pfeifern, 20 Gefreiten und 228 Ge- 
meinen. 

Die Kleidung war damals nicht mehr gelb mit 
schwarz, sondern roth mit gelb und kostete die Montur 
für einen Gemeinen 20 Thlr. 3 Groschen. 

Nach Beendigung des dreissigj ährigen Krieges er- 
folgte statt der erwarteten Verminderung eine bedeutende 
Erhöhung des Etats der Festungsgarde, indem man bei 
Entlassung der geworbenen Völker zwar nur ein kleines 
Kontingent bei den Fahnen behielt, dieses aber als Be- 
satzung in die festen Orte legte. Der Stadt Dresden 
wurden hiervon 500 Mann in einem unter des Stadthaupt- 
raanns Kommando verbleibenden Fändel zugetlieilt und 
sah sich dieselbe vor die Alternative gestellt, zu den mo- 
natlich erforderlichen 1872 Thalern 20 Groschen entweder 
550 Thlr. IG Gr. in baarem Gelde beizusteuern, oder den 
472 Gefreiten und Gemeinen nicht allein Logiament und 
Lagerstatt, sondern auch das Servis an Holz, Licht 
und Salz zu reichen. Da der Stadtrath sich für das 
erstere entschied , hatte demnach die Mannschaft der 
Festungsgarde für ihr Unterkommen selbst Sorge zu 
tragen. 

Dem am 3. August 1654 aus dem Leben geschie- 
denen Obristen Claus Taube folgte als Obrister der Haupt- 
und Residenzfestung Dresden 1654 am Michaelistage 
der Obrist über die Artillerie, Amtshauptmann zu Pirna, 
Oberkommandant der Bergfestung Königstein und des 
Schlosses Sonnenstein, Johann Siegmund von Liebenau. 

Als derselbe 1Ü71 am 14. September verstarb'^), 
übernahm der mittlerweile zum Obristlieutenant aufge- 
rückte Stadthauptmann Georg Götze das Kommando in 
der Festung und führte dasselbe ad Interim, bis der Kur- 
fürst am 7. September 1676 den Generalwachtmeister 
Andreas von Schönberg zum Oberkommandanten der 



-'') Ohrist Johann Siegmund von Liebenau zu Zehista und 
Struppen, zugleicli Oberinspektor sämtlicher Fortitikations-. Schloss- 
und Zivilgebäude, sowie seit 165C) Kanimerherr, seit 1662 Kriegs- 
rath, seit KWiS Oberkommandant über alle Festungen und deren 
Besatzungen und seit 1671 Geheimer und Kriegsrath, hatte sich im 
Jahre 16.39 bei der Vertheidigung von Pirna und des von den 
Schweden belagerten Sonnensteins besonders ausgezeichnet. 



Die Besatzung zu Dresden von der mittelalterl. Zeit etc. 253 

Kesidenzfestun«^ Neu- und Alt-Dresden, sowie der an der 
Frontiere gelegenen Bergfestung Königstein ernannte. 

Obristlieutenant Götze erhielt bei dieser Gelegenheit 
den Charakter als Obrisf-^). Nach seinem bereits im 
Dezember 1676 erfolgten Ableben trat an seine Stelle 
unter Verleihung des Obristlieutenants - Charakters der 
zeitheiige Kommandant in Alten - Dresden (Neustadt) 
Obristwachtraeister Jacob Levin von Böhlau mit der 
hinfort seiner Funktion beigelegten Bezeichnung als Unter- 
kommandant der Festung Neu -Dresden'-^). 

Hinsichtlich der Festungsgarde hatte sich inzwischen 
eine wesentliche Veränderung zugetragen, indem 1671 im 
Oktober, wenige Wochen nach dem Tode des Obristen 
von Liebenau, das 500 Mann starke Fändel unter Er- 
höhung des Etats auf 600 Mann in drei Fändel eingetheilt 
worden war'^"). 

Das Kommando der Garde hatte zunächst Obrist 
Götze behalten und war sodann nach dessen Tode samt 
der von ihm bekleideten Hauptmannschaft über die Leib- 
kompagnie auf den Oberkommandanten, Generalwacht- 
meister von Schönberg, übergegangen. 

Hiernächst erscheint seit dem Jahre 1679 eine vierte 
Kompagnie als Besatzung von Alten -Dresden (der Neu- 
stadt) unter dem Kommandanten von Alten -Dresden als 
Hauptmann. 

Infolge dessen war zur Zeit des Regierungsantritts 
des Kurfürsten Johann Georg III. der Etat der Festungs- 
garde der nachstehende: 

Festuiigsgarde in Neu -Dresden (Altstadt). 

33 Thlr. 8 Gr. der Kapitänlieutenant der Leibkom- 
pagnie, 48 Thlr. 3 Lieutenants, 48 Thlr. 3 Fähnriche, 18 

28) Der altgediente Kriegsmann fühlte sich schwer gekränkt, 
dass er ünterkommandant werden solle, nachdem er fünf Jahre 
lang das Kommaudo absolut geführt habe. Um ihn zu begütigen, 
beliess der Kurfürst die Festungsschlüssel und die Fändel in der 
Verwahrung des zum Festungsobristen erklärten Georg Götz. In 
billigen Dingen sollte er jedoch vom Oberkommandanten depen- 
dieren und von demselben die Parole empfangen. Auch hatte er 
den Oberkommandanten Tag und Nacht mit einer Schildwache vor 
dessen Losament zu versehen. 

2*') Kommandant in Alten-Dresden (Neustadt) wurde der Obrist- 
lieutenant von Fölkersamb. 

^^) Die erste Musterung der neuformierten Kompagnien fand 
auf der grossen Bastei am Zeughause statt. Jede der drei Kom- 
pagnien erhielt ihr eignes Fändel. 



254 A. von Miufkwitz: 

Tlilr. 3 Miustori<el.ieil)er, 24 Thlr. 3 Wuditineistcr, ISTlilr. 
3 Führer, 18 Thlr. 3 Fouricie , 45 Thh-. 9 Korporale 
k 5 Thh-., 21 Thlr. 6 TromiDeLschlägcr a 3 Thlr. 12 Gr., 
21 Thlr. 6 Pfeifer a 3 Thlr. 12 Gr., 202 Thlr. 12 Gr. 
54 Gefreite a 3 Thlr. 18 Gr., 1757 Thlr. 58G Gemeine 
h 3 Thlr. 12 Gr. Hierüber: 250 Thlr. der Ober- 
kommandant Generalwachtineister von Schönberg, 100 
Thlr. der Unterkommandant in Neu -Dresden, 2 Thlr. 
12 Gr. Zulage dem Musterschreiber bei der Leibkora- 
pagnic, so zugleich Secrctarius, 6 Thlr. der Feldscheer, 

3 Thlr. 12 Gr. der Kegimentstrommelschläger, 12 Thlr. 
der Regimentsscliulthciss, 4 Thlr. 16 Gr. der Gerichts- 
schreiber, 7 Thlr. der Profos, 3 Thlr. 12 Gr. der Regiments- 
diener. In Summa: 2743 Thlr, monatlich. 

Festuiigsgarde in Alten • Dresden (Neustadt). 

50 Thlr. der Kommandant in Alten-Dresden, 33 Thlr. 
8 Gr. der Kapitänlieutcnant, 20 Thlr. der Fähnrich, 
(der Wachtmeister wird vom Käthe besoldet), 6 Thlr. 
1 Führer, 6 Thlr. 1 Fourier, 6 Thlr. 1 Musterschreiber, 
6 Thlr. 1 Feldscheer, 15 Thlr. 3 Korporale, 14 Thlr. 

4 Spielleute, 67 Thlr. 12 Gr. 28 Gefreite, 58^8 Thlr. 
108 Gemeine, 3 Thlr. 12 Gr. der Steckenknecht. In Summa: 
815 Tldr. 8 Gr. monatlich. 

Im Januar 1682 beschloss Kurfürst Johann Georg III., 
aus Anlass der Neuorganisation der Armee, die Festungs- 
garde vollständig aufzulösen"'') und dagegen acht Kom- 
pagnien vom Leibregiment zu Fuss als Besatzung nach 
Dresden zu verlegen. Die zum Felddienste tüchtige Mann- 
schaft der Garde wurde dem Leibrey,iment einverleibt. 



•^o 



6. Kurfürstliche Verordnung wegen des Auf- 
ziehens der Wachten und der an den hohen Festen 
abzugebenden Salutschüsse. 1679. 

1. Die Wachten ziehen täglich um 3 Uhr auf. Drei 
Züge der Trabanten imd der Schweizer'*"), sowie eine 
Abtheilung von der Leibkompagnie zu Fuss rücken 



''^) Gleicherweise wurde die Witteiiberger Garnison abgedankt; 
stehende Besatzung behielten nur: die Pleissenburg, der Königstein, 
der Sonnenstein, Stolpen und Seuftenberg. 

ä') Neben den Trabanten hatte Kurfürst Johann Georg II. auch 
eingeborene Schweizer in seine Dienste aufgenommen. Dieselben 
wurden aber 1680 entlassen. 



Die Besatzung zu Dresden von der mittelalterl. Zeit etc. 255 



'ö 



ins Scliloss. Eine Kompagnie von der Untergarde 
und die Büclisenmeisterwaclit marschieren durch das 
Schloss auf die Festung und lösen sodann sämtliche 
Wachten ab. 
2. An den drei hohen Festen, als Ostern, Pfingsten und 
Weihnachten, werden auf dem Kreuztlmrm früh 4 Uhr 
drei halbe dreipfündige Schlangen scharf gelöst, in- 
gleichen drei Stücke auf der Bergfestvmg Königstein, 
den festen Häusern Sonnenstein, Stolpen und Senften- 
berg, auf den Festungen Pleissenburg und Wittenberg, 
auf der Torgau'schen Brückenschanze und in den 
Städten Freiberg und Zwickau. In Dresden wird 
sodann das Fest bis halbweg 5 Uhr mit allen Glocken 
eingelauten. Halb sieben Uhr ziehen die Garden auf 
und nehmen Stellung: die Trabanten und die Schweizer 
im Schlosse, die drei Kompagnien von der Unter- 
garde, sowie die Leibkompagnie im Zwinger, vom 
Goldhause an bis an das Schloss, das Artilleriefändel 
auf dem hohen Wall, die Alten-Dresdner (Neustädter) 
Garde auf der halben Bastion an der Schiffmühle. 
Hierauf wird dreimal Salve gegeben: a) vom hohen 
Wall mit drei halben Karthaunen von der Unter- 
garde und der Leibkompagnie, b) von der Bastion 
an der SchifFmühle auch aus drei Stücken und von 
der Alten-Dresdner Garde, c) zu dreien Malen vom 
hohen Wall aus drei Mörsern ^■^). 

3. Am Neujahrstage, am Sonntage Quasimodogeniti und 
am Trinitatisfeste ziehen die Wachten halb sieben 
Uhr auf. Die Trabanten und die Schweizer besetzen 
das Schloss, die teutsche Leibkompagnie, die Unter- 
garde und das Alten -Dresdner Fändel stellen sich 
unter das Schloss zwischen das Grüne Thor und das 
Stallthor, das Artilleriefändel rückt auf den Wall. 
Hierauf werden Salven gegeben: a) aus drei halben 
Karthaunen vom hohen Wall und dem Münzberge, 
b) von den fünf Kompagnien, c) aus den Mörsern 
auf dem hohen Walle. 

4. Am St. Johannistage ziehen die Garden um halb 
sieben Uhr auf. Die Trabanten und die Schweizer 
besetzen das Schloss. Die teutsche Leibkompagnie 



33\ 



, Aus dem 128-Pfünder ein Feuerballen mit Schlägen und 
Granaten, aus dem 96-Pfünder ein brennender Stein, aus dem 
64-Pfünder ein scharfer Granat. 



206 -^- ^0" Minckwitz: 

und die Uutergtirdc stellen sicli unter dem Schlosse 
auf. Das Artilleriefändel rückt auf den Wall. 
Während des Gottesdienstes werden von den vier 
Kompagnien, sowie auf dem Walle von der Artillerie 
aus drei halben Karthaunen Salven gegeben: a) unter 
den Worten: Heilig, b) unter den Worten: Täglich 
Herr Gott wir loben dich, c) beim Amen. 

7. Die Landesdefensionsfändel von der Mitte 
des 17. Jahrhunderts bis zum Jahre 1682. 

Durch Rezess vom 25. Oktober 1663 erfuhr nach 
fünfzigjährigem unfruchtbarem Bestehen die Landesdefen- 
sionsverfassung eine durchgreifende Umgestaltung. 

Anstatt der 19 Fändel, in welche, einschliesslich der 
zur Festung Dresden geordneten Fändel von Alten-Dresden 
(Neustadt), Pirna und Freiberg, die Defensioner eingetiieilt 
gewesen waren, wurden nunmehr die gesamten wehr- 
pflichtigen Mannschaften in 6 Fändel, jedes 500 Mann 
stark, formiert und die gedachten Fändel nach den aus- 
schreibenden Städten Dresden, Freiberg, Zwickau, Leip- 
zig, Wittenberg und Torgau benannt. 

Den Oberbefehl über das Dresdner, Freiberger und 
Zwickauer Fändel nebst der Hauptmannschaft über das 
Dresdner Fändel''*) erhielt der Obriste von Liebenau, 
den Oberbefehl über die drei anderen Fändel nebst der 
Hauptmaunschaft über das Leipziger Fändel der General- 
lieutenant Wolf Christoph von Arnim; nach des letzteren 
Ableben im Anfange des Jahres 1668 übernahm Obrist 
von Liebenau das Kommando über das gesamte Landes- 
def ensions wesen ■^■'') . 

Allein eben so wenig wie die Defensionsverfassung 
vom Jahre 1613, fand diejenige vom Jahre 1663 Anklang, 



^) Der Bezirk des Dresdner Fändeis umfasste nunmehr die 
Ämter Dresden, Pirna, Dippoldiswalde, llohnstein, Lolmien, Stolpen, 
Radeberg und Moritzljurg samt den in diesen Amtern gelegenen 
Städten. 

'■^■') Ingleichen vertraute der Kurfürst nach des Generallieute- 
nants von Arnim Ableben das von demselben geführte Oberkom- 
mando über die Festungen Pleissenburg und Wittenberg, samt deren 
Besatzungen dem Obristen von Liebenau an, und da derselbe bereits 
Oberkonmiandant zu Dresden, Künigstein, Sonnenstein und Stolpen 
■war, wurde er durch Patent vom 2ß. März 1608 ausdrücklich als 
Oberbefehlshaber über sämtliche Festungen im Laude und deren 
Besatzungen bestätigt. 



Die Besatzung zu Dresden von der mittelalterl. Zeit etc. 257 

sodass auf Andringen der Stände des Landes der Kur- 
fürst sich veranlasst sah, die Wirksamkeit des Landes- 
defensionswerkes durch Reskript vom 4. März 1667 zu 
suspendieren, mit dem Vorbehahe jedoch, dass es dem 
Landesherrn jederzeit anheim gestellt sei, bei orefahr- 
drohenden Läufen auf Grund des Rezesses vom 25. Oktober 
1663 das Aufgebot erfolgen zu lassen. 

8. Die Besatzung von Dresden 1682 bis 1692. 

1682 am 1. Februar rückten die zum Ersatz der 
entlassenen Festungsgarde als Garnison bestimmten acht 
Kompagnien vom Leibregiment zu Fuss in Dresden ein 
und erhielten zu ihrem Unterkommen angewiesen: der 
Stab und zwei Kompagnien Neu- Dresden (die Altstadt), 
zwei Kompagnien Alten- Dresden (Neustadt), zwei Kom- 
pagnien die Vorstädte vor dem Pirnaischen Thore und 
zwei Kompagnien die Vorstädte vor dem WilsdrufFer 
Thore ^*^). Neu-Ostra (später Friedrichstadt) blieb wegen 
der im Werke begriffenen Errichtung der Manufaktur 
eximiert. 

Ausser den Mitgliedern des sitzenden ßathes und 
den Kirchen- und Schuldienern sollte von der Verpflichtung, 
Einquartierung aufzunehmen, kein Hausbesitzer, welchen 
Standes oder welcher Kondition er auch sei, Befreiung 
geniessen und daher entweder auf Grund der am 28. Ja- 
nuar 1682 publizierten Ordonnanz den Soldaten Quartier 
und Lagerstatt sowie das Servis an Holz, Licht, Salz, 
Pfeffer und Essig gewähren oder statt dessen ein vom 
Rathe festzusetzendes Geldäquivalent entrichten '^'^). Die 
Offiziere und die Unteroffiziere bis einschliesslich der 



^*^) An Häusern zählte Neu-Dresden (Altstadt) damals : 10 kur- 
fürstliche Häuser, ohne das Zeughaus, das Kuti'enhaus und den 
Zimmerhof, Gl adlige Häuser, 21 geistliche Häuser, 57 Häuser von 
Rathspersonen, Doctoren juris und medicinae, 182 Häuser der Hof- 
diener, einschliesslich der Konstabier und anderer Militärpersonen, 
222 Häuser von Witwen und Waisen und 268 Bürgerhäuser. Ferner 
befanden sich in Alten -Dresden (Neustadt) 299 Häuser, vor dem 
Pirnaischen Thore 467 Häuser, vor dem Wilsdruffer Thore 416 Häuser 
und in Neu-Ostra 18 Häuser. 

3') Der Soldat, welcher nunmehr die Ausgabe für seine Quartier- 
miethe ersparte, hatte dagegen von seiner monatlich 3 Thlr. 15 Gr. 
betragenden Löhnung 12 Groschen Kleidergeld inne zu lassen. 
Ausserdem erlitt jeder Soldat an Abzügen zu den Regimentsunkosten, 
an Beckengeld etc. 18 Gr. 9 Pf., sodass er baar empfing 2 Thlr. 
17 Gr. 3 Pf. 

Neue» Archiv f. Ö. G. u. Ä. VII. 3. 4. 17 



258 ^- ^'on Minckwitz: 

Sergeanten erhielten jedoch nach einer, mit dem Rathe 
getroffenen Vereinbarung, an Stelle des Quartiers in natura, 
von Seiten der Stadt Quarticrgeld^^). 

Sehr bereitwillig zeigte sich die Bürgerschaft durch- 
aus nicht, die Beschwerungen auf sich zu nehmen, welche 
diese Neuerung in den Eiucjuartierungsvcrhältnissen mit 
sich brachte, allein trotz aller Proteste und vielfacher 
kommissarischer Unterhandlungen beharrte der Kurfürst 
doch auf seinen Ansprüchen. — 

ZumWachtdienst waren täglich erforderlich: 1 Kapitän, 
3 Lieutenants oder Fähnriche, 13 Unteroffiziere, 6 Tam- 
bours, 209 Gemeine. Es wurden besetzt: die Hauptwache 
durch 1 Kapitän _, 1 Offizier, 3 Unteroffiziere, 2 Tambours 
und 60 Gemeine (30 Piquen und 30 Musqueten) , das 
Eibthor durch 1 Offizier, 2 Unteroffiziere, 1 Tambour 
und 36 Gemeine (36 Musqueten), das Pirna'sche Thor 
durch 1 Offizier, 2 Unteroffiziere, 1 Tambour und 30 Ge- 
meine, das Wilsdruflfer Thor durch 1 Feldwebel, 1 Kor- 
poral, 1 Tambour und 30 Gemeine, die llauptwache in 
Alten-Dresden (Neustadt) durcli 1 Feldwebel, 1 Korporal, 
1 Tambour und 19 Gemeine, das Weisse Thor durch 
1 Sergeanten und 17 Gemeine, das Schwarze Thor durcli 
1 Korporal und 17 Gemeine. Von der Elbthorwache 
waren bestimmt 9 Mann zur Besetzung der Nachtpost 
beim Giesshause und von der Pirnaischen Thorwache 
16 Mann zur Besetzung der Nachtpost am Salomonisthor. 

Die Thore wurden im Winter um 4 Uhr, im Sommer 
um 7 Uhr und in den längsten Tagen ^2^ Uhr geschlossen, 
doch war Öff'nung des Einlasses gestattet im Winter bis 
7 Uhr, im Sommer bis 10 Uhr. Bei Öflfnung des Ein- 
lasses hatte zu entrichten ein Passant zu Fuss 1 Groschen, 
zu Pferd 2 Groschen, eine Karosse 8 Groschen, eine Land- 
kutsche 12 Groschen ■''*)• — 



ää) Zur Charakterisierung der Zeitverhältnisse dient es, dass 
ein Hauptmann, welcher nach der Ordonnanz Anspruch hatte auf 
Stube und Kammer nebst der Stallung für seine Pferde, sich mit 
einem jährlichen Quartiergeld von 20 Gulden begnügen nuisste. 

30) Die Abendpost nach Leipzig war bisher durch einen 
Postillon zu Pferd, welcher das über die Festungsmauer herab- 
gelassene Felleisen selbst in Fmpfang nahm, befördert worden. Als 
man jedoch im Juli 168:5 die reitende Post in eine fahrende Post- 
kalesche umwandelte, hatte der Postillon, samt den Passagieren, in 
seinem Quartier in Alten -Dresden (Neustadt) sich aufzuhalten, bis 
.hm das Felleisen über die Brücke vom Führer zugebracht wurde. 



riie Besatzung zu Dresden von der mittelalteil. Zeit etc. 259 

Beim Ausmarsche der Armee zum Entsätze von Wien 
im Monat August 1683 wurden die in Dresden garni- 
sonierendexi acht Kompagnien vom Leibregiment be- 
ordert, mit zu Felde zu gehen, und ersetzt durch vier 
zum Leibregiment neu angeworbene Kompagnien, welche 
auch nach Beendigung des Feldzuges als Garnison in 
Dresden stehen blieben, während die acht älteren Kom- 
pagnien des Leibregiments Quartiere in der Lausitz 
bezogen. 

Wegen hochangestiegenen Alters resignierte 1685 
am 5. Dezember der Generalwachtmeister Andreas von 
Schönberg ^*') die Oberkommandantschaft zu Dresden und 
folgte ihm in dieser Funktion der Obriste über die Ar- 
tillerie, auch Oberinspektor über sämtliche Festungs- 
und Zivilgebäude, Wolf Caspar von Klengel^^). 

Seiner Befürwortung ist es wohl hauptsächlich zu- 
zuschreiben, dass der Kurfürst, dem wiederholten An- 
dringen der Bürgerschaft nachgebend, unter dem 1. März 
1686 in Dresden wieder eine stehende Besatzungstruppe 
errichten Hess und zwar unter denselben Bedingungen, 
wie solche bis zum Jahre 1682 obgewaltet, indem näm- 
lich die Stadt von Gewährung des freien Quartiers, be- 
ziehentlich des Quartier- und Servisgeldes befreit wurde. 
Die Soldaten hatten sich nunmehr wieder gegen Bezahlung 
einzumiethen und war dagegen Quartier- und Servisgeld 
von der General-Kriegskasse zu übertragen. 

Die Formation der Festungsgarde erfolgte in drei 
Kompagnien zu 1 Hauptmann, 1 Lieutenant, 1 Fähnrich, 
3 Sergeanten, 1 Capitain d' armes, 1 Fourier, 1 gefreiten 
Korporal, 1 Musterschreiber, 6 Korporalen, 3 Trommel- 
schlägern, 2 Fourierscliützen, 30 Gefreiten und 150 Ge- 
meinen, letztere zum dritten Theil Piqueniere und zu zwei 



^) Generalwachtmeister von Schönberg starb 1688 im August. 
Die Erfüllung der von seinem Sohne gestellten Bitte, nach Be- 
endigung des Trauer -Gottesdienstes in der Sophienkirclie von der 
Soldatesca Salven geben und die Stücke lösen zu lassen, wurde be- 
anstandet, da solches nicht gebräuchlich und noch keinem Kom- 
mandanten widerfahren sei, wenn derselbe nicht, wie es beim 
Ubristen von Liebenau der Fall gewesen, zugleich die Artillerie be- 
fehligt habe. 

•*^) Des Oberkommandos über den Königstein, welcher dem 
Generalwachtmeister von Schönberg ebenfalls zugestanden, wird 
in seiner Bestallung nicht Erwähnung gethan. Dagegen behielt 
Kleugel das bisher schon seit dem Ableben des ubristen von Liebenau 
geführte Oberkommando über den Souuenstein bei. 

17* 



260 ^- ^'0" Minckwitz: 

Dritteln Musketiere*^). Hierüber gehörten zum Stabe 
ausser dem Oberkommandanten, dem seit dem April 
1689 zum Generalwaclitmeister beförderten Obristen von 
Klengel, dem Kommandanton in Alten-Dresden (Neustadt) 
Obristen von Fölkersam und dem Stadtmajor Döring, 
1 Obristwachtmeister, 1 Auditeur, 1 Adjutant, 1 Sekretär, 
1 Garnisonsfeldscheer, 1 Kegimeutstambour, 4 Schalmey- 
pfeifer und der Profos mit seinen Leuten. 

Als 1691 am 10. Januar der Generalwachtmeister von 
Klengel verstarb, trat an seine Stelle als Oberkomman- 
dant der Residenzfestung Dresden der Generalwaclit- 
meister Hans Rudolph von Minckwitz. 

Bereits im Anfange des folgenden Jahres Hess in der 
Absicht; die stehende Besatzung zu Dresden wieder auf- 
zuheben, der inzwischen zur lieffierunji: orelano-te Kurfürst 
Johann Georg IV. das Garnisonsbataillon des Generals 
von Minckwitz in ein Feldbataillon umwandeln unter 
Erhöhung des Etats von drei auf fünf Kompagnien. 

9. Die Landesdefcnsionskompaguien 
1682 bis 1692. 

In Ansehung der drohenden Türkengefahr begehrte 
Kurfürst Johann Georg III. im Jahre 1683 das Aufgebot 
der Defensionsmannschaft, allein ehe es zur Musterung 
kam, erfolgte nach der Niederlage, welche die Türken 
mittlei'wcile vor Wien erlitten, eine abermalige Suspension 
des Defensionswerkes, und erst im Jahre 1688, als der 
Kurfürst die geworbene Mannschaft ins Reich zu führen 
im Begriff stand, drang er von neuem auf dessen Re- 
aktivierung. 

Im Verfolg dessen Hess damals der Kurfürst die sechs 
Defensionskompagnien in zwei Regimenter formieren"*'') 
und den Etat der in Wartegeld stehenden Offiziere, Unter- 
offiziere und Spielleute nicht allein ergänzen, sondern 
denselben auch bei jeder Kompagnie um einen Lieutenant 
vermehren. 



^®) Die erste Kompagnie war die Leibkompagnie des Ober- 
kommandanten, während die beiden anderen Kompagnien vom Obrist- 
waclitmeister, seit 1689 Obristlientenant von Borck, und vom 
liauptmann, seit 1689 Obristwachtmeister Knoch, befehligt wurden. 

^^) Zu des Obristen Georg Rudolph von Minckwitz Regiment 
gehörten die Kompagnien Dresden, Freiberg, Zwickau, zu des Obristen 
Ilans Oeorg von Krosigk Regiment die Kompagnien Leipzig, Witten- 
berg, Torgau. 



Die Besatzung zu Dresden von der mittelalterl. Zeit etc. 261 

Nächstdem wurde angeordnet, den zur Musterung, 
sowie zur wirklichen Dienstleistung erforderten Defen- 
sionern täglich 2 Groschen Auslösung zu reichen, wie 
nicht minder die gesamte Mannschaft mit grauen roth 
aufgeschlagenen Röcken zu versehen**). 

Um den solchergestalt erwachsenen, nicht unerheb- 
lichen Kostenaufwand zu bestreiten, war statt der par tete 
der dienstpflichtigen Mannschaft aufzubringenden 12 Gro- 
schen in Zukunft 1 Thlr. 7 Gr. zu erheben. 

In der That fanden hierauf im Juli 1691 mit vier- 
tägigem Exerzieren verbundene Musterungen der Defen- 
sionsmannschaft statt*'), und 1694 im April erhielten 200 
Defensioner Befehl, zur Verstärkung der Garnison in 
Dresden einzurücken; dieselben wurden aber bald wieder 
entlassen. Bis zum Jahre 1697 erfolgte sodann kein 
neues Aufgebot. 

10. Die Dresdner Bürgerschaft von der Mitte 
bis zum Schlüsse des 17. Jahrhunderts. 

Die Dresdner Bürgerschaft blieb, wie zeither, auch 
nach Erlass des im Oktober 1663 abgeänderten Landes- 
defensionsrezesses von der Einreihung in die Defensions- 
fändel eximiert. 

Von einer Dienstleistung der wehrhaften Bürger 
während der hier in Rede stehenden zweiten Hälfte des 
17. Jahrhunderts ist keine andere Nachricht auf unsere 
Tage gekommen, als dass bei Einzügen fremder Fürst- 
lichkeiten und anderen festlichen Gelegenheiten deren Mit- 
wirkung beansprucht wurde. Die Bürgerschaft, befehhgt 
vom Bürgermeister und eingetheilt nach den vier Vierteln 
der Stadt in vier Kompagnien Bürger und eine Kompagnie 
Hausgenossen, erschien dann in gelben, schwarz verbrämten 
Röcken und bewaffnet mit Musketen und Feuerröhren**'). 



**) Das aus dem Hauptzeughause zu liefernde Obergewehr so- 
wohl, als die neu anzuschaffende Montur hatten die Ortsobrigkeiten 
in Verwahrung zu nehmen und nur benöthigten Falles zur Musterung 
oder zur Dienstleistung den Leuten zuzustellen. 

*s) Die Aufforderung an die Defensionsmannschaft, sich zu 
stellen, erging durch die Käthe der sechs ausschreibenden Städte. 
Die Musterung der Dresdner Kompagnie erfolgte durch den Obristen 
von Minckwitz am 7. und U. Juli bei Pirna und bei Dresden. 

■*") Eine sechste Kompagnie pflegten Schanzgräber zu bilden 
in grauen Röcken und Bauerhüten, ausgerüstet mit Spitzhauen, 
Schaufeln, Hebebäumen, Grabscheiten und ßadehauen. 



262 ^- ^on Minckwitz: 

Die Offiziere^ bei jeder Kompagnie ein Hauptmann, ein 
Lieutenant und ein Fändricli, waren Rathsverwandtc oder 
Viertelsmcister, von denm die ersterrn gelbe Ecliarpen, 
die letzteren rotlie Ecliarpen trugen. Jede Kompagnie 
hatte ihr eigenes Fändel, welches der Landesherr gab^'). 
Als im Jahre 1(587 zum Empfange eines füi-stlichen 
Gastes, nebst der gesamten Garnison, auch die Bürger- 
sciiait sich unter Waffen /ai stellen beordert wurde, Hess 
Kurfürst Johann Georg III. derselben nach, in ilirer täg- 
lichen Kleidung zu erscheinen, weil die bisher getragenen 
Bürgerröckchen zu kurz und zu altmodisch sich aus- 
nehmen würden, doch solle auf Neuanschaffung derselben 
nach geeignetem Muster Bedacht genommen werden. 

11. Die Besatzung von Dresden 1692 bis 1708. 

1692 am 4. Mai erging Ordre, dass das Bataillon 
von Minckwitz, nachdem der Kurfürst willens sei, das- 
selbe in der Garnison zu Dresden durch einige Kom- 
pagnien vom Leibregiment ablösen zu lassen, sich bereit 
halten solle, anderweit Quartiere zu beziehen***). Der 
Ausmarsch verzögerte sich jedoch noch um mehrere Wochen 
und erfolgte erst am 18. Juli. Denselben Tag rückten 
sieben Kompagnien vom Leibregiment zu Fuss in 
Dresden ein. — Die Mannschaften hatten sich gleich der 
bisherigen Garnison einzumiethen*") und erhielten da- 

'") Die Fändel ■waren: beim ersten Viertel schwarz, gelb ein- 
gefasst, mit dem E,autenkran/,e, den Knrschwertern nnd dem Kur- 
hute; beim zweiten Viertel gelb, roth und weiss eingefasst, mit dem 
Meissnischen schwarzen Löwen ; beim dritten Viertel blau, roth ein- 
gefasst, mit dem gekrönten roth und weissen Löwen der Landgraf- 
schaft Tliüringen; beim vierten Viertel rotli, mit des Burggrafthunis 
Magdeburg weissen halbem Adler und drei weissen Balken ; bei 
den Hausgenossen gelb, schwarz eingefasst, mit dem Rautenkranze, 
den Kurschwertern und dem Kurhute auf der einen, sowie mit des 
llathes zu Dresden Wappen auf der anderen Seite. 

■*8) Am .5. Juli fand in Gegenwart des Kurfürsten die Musterung 
der fünf Kompagnien statt und besetzte während der Dauer der- 
selben die Bürgerschaft die Thore der Stadt. 

'») Dem an den Kath zu Dresden deshalb ergangenen Reskripte 
zufolge, beabsichtigte der Kurfürst, um die Bih-gerschaft der Ein- 
quartierung zu überheben, für die Garnison Baracken bauen zu 
lassen, wozu unter Berufung auf eine zu Zeiten des Kurfürsten 
Johann Georg III. ertheilto Zusage der Rath ein erhebliches bei- 
steuern sollte. Das Projekt scheiterte aber an der Verweigerung 
der begehrten Zubusse. Im Mai 1C99 wurde sodann, mit nicht 
besserem Erfolge, der Rath aufgefordert, vorschussweise zur Er- 



Pie Besatzung zu Dresden von der mittelalterl. Zeit etc. 263 

gegen Quartier- und Scrvisgeld aus der General-Kriegs- 
kasse. 

1693 am 1. Mai übertrug der Kurfürst nach Er- 
nennung des General Wachtmeisters von Minckwitz zum 
Gouverneur zu Leipzig"'**') das Oberkommando in der 
Haupt- und Residenzfestung Dresden dem im folgenden 
Jahre zum Generallieutenant beförderten Generalwacht- 
meister Cuno Christoph von Birkholz. 

Nachdem hierauf 1694 im Januar 8 Kompagnien 
vom Regiment von Birkholz die in Dresden stehenden 
Kompagnien der Leibgarde zu Fuss abgelöst hatten^^), 
rückten im Mai 1695 wieder 1476 Mann von der Leib- 
garde zu Fuss zur Garnison in Dresden ein und waren 
dieselben, trotz des lebhaften Einspruches des Stadtrathes, 
mit Quartier und Lagerstatt, sowie mit Servis zu ver- 
sehen, indem der Zustand der General-Kriegskasse nicht 
gestattete, den hierfür gewährten Zuschuss fernerweit zu 
bestreiten. Jeder Hausbesitzer konnte sich jedoch durch 
Entrichtung des bisher ex cassa an Quartier- und Servis- 
geldern gereichten Betrages von der Einquartierung be- 
freien. 

Die Übernahme der polnischen Königskrone durch 
Kurfürst Friedrich August und die hierdurch bedingte 
Berufung der Armee zu kriegerischer Wirksamkeit ver- 
fehlte nicht, einen wesentlichen Einfluss auf die Dresdner 
Besatzungsverhältnisse auszuüben. 

Zunächst erging im September 1697 Befehl, die in 
Dresden, Wittenberg und der Pleissenburg liegende, zum 
Aufbruche nach Polen beorderte Soldatesca durch De- 
fensioner abzulösen^^), imd gleichzeitig wurde dem Ge- 
nerallieutenant von Birkholz, welcher den Oberbefehl 
über die gesamte in Sachsen verbleibende streitbare Macht 



bauung von „Cazernen" längs der Alten -Dresdner (Neustädter) 
Courtineu 8000 Thaler aufzubringen, welche derselbe durch An- 
sammlung des Wachtthalers wieder restituiert erhalten sollte. 

^) Zu gleicher Zeit verlieh der Kurfürst das Bataillon des 
Generals von Minckwitz, welches nach dem Abmärsche von Dresden 
Quartiere im Erzgebirge bezogen hatte, dem Obristen Grafen Dohna. 

'^i) Die 1692 in Dresden eingerückten sieben Kompagnien 
waren im Frühjahr 1693 mit ins Feld marschiert und durch fünf 
andere Kompagnien der Leibgarde ersetzt worden. 

52) Nach dem Abmärsche der Leibgarde zu Fuss auf das 
Rendez-vous der Truppen bei Guben bis zum Eintreifen der Defen- 
sioner versahen Rekruten und Abtheüungen durchmarschierender 
Regimenter den Wachtdienst iu Dresden. 



264 -A-. von Minckwitz: 

übernahm, die bisher den Gelieiraen Kriegsräthen zu- 
stellende Disposition über die beiden Defensionsregi- 
menter aufgetragen. Die in Garnisonen verlegten De- 
fensioner erhielten Sold und Verpflegung gleich den 
geworbenen Soldaten'''^). Nach Dresden kamen zur Be- 
satzung 600 Mann von des Christen von Rodewitz Re- 
giment'''^). 

Am 15. Dezember 1697 ernannte der König den 
Oberkommandanten zu Dresden und Obristen der Leib- 
garde zu Fuss, Generallieutenant Cuno Christoph von 
Birkholz, zum General der Infanterie, sowie ferner 1698 
am 6. Mai in besonderer Anerkennung der geleisteten 
treuen Dienste zum Gouverneur und Oberkommandanten 
der Festungen Neu- und Alten- Dresden, auch Königstein 
und Sonnenstein'^'*). 

1698 am 4. Juli lösten acht Kompagnien von den 
unter dem Kommando des Herzogs Ferdinand Wilhelm 
von Würtemberg in sächsische Kriegsdienste überlassenen 
dänischen Truppen die in Dresden als Garnison stehenden 
Defensioner ab, marschierten aber bereits im Juni 1699 
wieder aus, worauf zwei Bataillone des aus Polen zurück- 
kehrenden Regiments von Röbel zur Garnisonierung nach 
Dresden beordert wurden. Da dieselben jedoch vor an- 
fangs Juli nicht eintreffen konnten, musste inzwischen 
die Dresdner Bürgerschaft nebst einer in Eile zusammen- 



^^) Auf Antrag des Geheimen Kriegsraths wurde diese Bestim- 
mung im Januar 1(598 dahin modifiziert, dass jeder Offizier über 
das ihm aus der Steuer zu gewährende Wartegeld einen Zuschuss 
aus der General-Kriegskasse zu empfangen habe, so dass sein Trak- 
tament V4 des Traktaments eines Offiziers bei der Miliz betrüge. 
Jedem Unteroffizier sollte über sein Wartegeld aus der Defensions- 
Kreiskasse 1 Thaler Zulage und jedem Gemeinen, der nichts als 
die Quatember-Freiheit geniesse, eine Löhnung von P/o Thalern 
monatlicli gegeben werden. 

'^) Das 'im Jahre 1689 dem Obristen Georg Rudolph von 
Minckwitz verliehene Defensionsregiment (die Kompagnien Dresden, 
Freiberg und Zwickau) hatte im März 1693 der Obrist von Nostitz 
uiul 1697 im Frühjahr der Obrist von Rodewitz erhalten. 

^'^') Dem Gouverneur von Dresden standen auch ausserhalb 
seines militärischen Wirkungskreises in Beziehung auf polizeiliehe 
und namentlich baupolizeiliche Bestimmungen sehr ausgedehnte Be- 
fugnisse zu. Allmählich beschränkten sich dieselben jedoch durch die 
im Verlaufe der Jahre in der Organisation der Behörden einge- 
tretenen Veränderungen. Vergl. darüber Hasche, Beschreibung 
von Dresden II, 600 tig. 



Die Besatzung zu Dresden von der mittelalterl. Zeit etc. 265 

gebrachten Abtheilung von Defensionern den Waclitdienst 
versehen. 

Im April 1700 kehrte sodann das Regiment Röbel 
wieder nach Polen zurück, und zur Besetzung von 
Dresden wurden aufs Neue 800 Mann Defensioner auf- 
geboten'^^). 

Theils aber stellten sich dieselben sehr unvollständig, 
theils musterte von den erschienenen Leuten General von 
Birkholz bei den im Mai und November stattfindenden 
Besichtigungen'^'^) eine grosse Anzahl als untüchtig aus, 
worauf ein strenges Mandat wegen Ergänzung der man- 
gelnden Mannschaft erging. Allein ehe ein Erfolg hier- 
von zu erwarten stand, entliess man die Defensioner im 
November, wogegen das Regiment von Neitzschitz in 
Dresden einrückte. 

Im Dezember 1700 starb General von Birkholz und 
unter dem 15. Januar 1701 folgte ihm der zum General- 
Feldzeugmeister beförderte Generallieutenant Otto Christian 
Graf ZinzendorfF als Gouverneur und Oberkommandant 
der Festungen Dresden^ Königstein und Sonnenstein, so- 
wie als Oberkommandant der gesamten Landrailiz. 

Vom April 1701, wo das Regiment Neitzschitz wieder 
ausmarschierte, standen Defensioner, vom Juli 1701 bis 
Juni 1702 neun Kompagnien vom Regiment Pistoris, 
dann wieder Defensioner, zur Garnison in Dresden'^^). 

Aus jener Zeit rührt das Anerbieten des Unter- 
kommandanten in Neu- Dresden (Altstadt), Generalmajors 
Georg Friedrich von Birkholz her, ein Bataillon zur be- 
ständigen Garnison in Dresden aufzurichten, um den 
vielfachen Inconvenienzen Abhilfe zu schaffen, welche der 
beständige Wechsel der Garnison mit sich bringe. Der 
König erklärte sich hiermit auch einverstanden, docli 
unterblieb die Ausführung jedenfalls in Ermangelung der 
nöthigen Geldmittel und dauerte, wie in den letztver- 
flossenen Jahren, der unablässige Wechsel in der Be- 



^ö) Im Mai 1700 vermeldete General von Birkholz dem Rathe 
zu Dresden, dass der König die Kleidung der Defensioner sowohl 
in Farbe als in Fagon ändern zu lassen beabsichtige und solle 
nächstens das Modell übersendet werden. 

•'■') Auch die Dresdner Bürgerschaft musterte General von 
Birkholz im Frühjahr 1700. 

^^) 1703 am 1. Januar wurde Dr. Bartholomäi als Garnisons- 
medicus angestellt. Für die Kur und freie Darreichung der Me- 
dizin an die Unteroffiziere und Mannschaften erhielt er monatlich 
100 Thaler. 



266 '^- ^'0" Miiickwitz: 

Satzung von Dresden fort''"). Bald garnisonierten hier 
auf längere oder kürzere Zeit Komnumdos in Sachsen 
anwesender Regimenter, bald hielten unter Betheiligung 
der stark in Anspruch gcnoiunienen Dresdner Bürger- 
schaft die zur Dienstleistung erforderten Defensioner die 
Thore und Wachtposten besetzt. 

Allgemach versagte jedoch der Mechanismus des 
Landesdefensionsrezesses seinen Dienst. Die Defensioner 
begannen mehr und mehr den so häufig wiederholten Auf- 
geboten sich zu entziehen, und bei den herrschenden 
politischen und finanziellen Wirren sahen die Behörden 
sich ausser Stande, den dringenden Anmahnungen des 
Generals Grafen Zinzendorff, die erforderliehe Mannschaft 
zu stellen, Nachdruck zu geben. 

Ohnehin kehrten nach dem Altranstädter Frieden 
die Truppen aus Polen nach Sachsen zurück, und vom 
Frühjahr bis zum Herbst 1707 standen in Dresden die 
Trünimer von beinahe sämtlichen, allerdings in ihrem 
Sollbestande äusserst reduzierten Infanterieregimentern, 
nämlich in Neu- Dresden (Altstadt): die Garde zu Fuss 
und die Hausartillerie -Leibkompagnie, in Alten -Dresden 
(Neustadt): ein Bataillon ßeibnitz, ein Bataillon Droste 
und einige Mannschaften vom Regiment Wackerbarth, 
in den zehn Gemeinden vor dem Pirnaischen und Wils- 
drufler Thore: die Regimenter Königin, Kurprinz, Fürsten- 
berg, Wostromirski und hierüber 3 Artilleriekompagnien, 
die Pontoniers und Mineurs. 

Doch wurde nach dem Abzug der Schweden aus 
Sachsen im Oktober 1707 der grösste Theil dieser Truppen 
in andere auf das ganze Land repartierte Quartiere verlegt. 

12. Die Besatzung von Dresden 1708 bis 1717. 

1708 am 1. Januar übernahm an Stelle des in 
den Ruhestand tretenden General- Feldzeugmeisters Otto 
Christian Grafen Zinzendorff die Funktion als Gouverneur 
und Oberkommandant zu Dresden, sowie des König- 
steins und Sonnensteins der General der Kavallerie Jacob 
Heinrich Graf Flemming, welcher alsbald beantragte, 
Dresden wieder mit einer stehenden Garnison zu versehen. 



■'») I70(i am 25. Jimi trafen 1500 Mann Russen bei Dresden 
ein und schlugen ihr Lager vor dem schwarzen Thore au der Elbe 
auf, zogeu aber im September wieder ab. 



Die Besatzung zu Dresden von der mittelalterl. Zeit etc. 267 

Anfangs war man zweifelhaft, ob die hierzu nöthige 
Mannschaft angeworben oder den Defensionern entnommen 
werden solle, doch fiel die Entscheidung zu Gunsten des 
letztgedachten Modus aus und bildete dies die hauptsäch- 
liche Veranlassung zu einer vollständigen Neugestaltung 
des Landesdefensionsvvesens. 

Nachdem nämlich bereits im Jahre 1705, dem Prin- 
zipe der Defensionsverfassung entgegen, die Hälfte der 
Defensioner, also 1500 Mann, in einem Regiment unter 
dem Kommando des Obristen von Seyfertitz zusammen- 
gestellt worden, das Regiment an den Rhein marschiert, 
in Hagenau in französische Gefangenschaft gerathen, aber 
1707 in die Heimath zurückgekehrt war, Avurde durch 
Verordnung vom 24. April 1708 der Landesdefensions- 
rezess vom Jahre 1663 für alle Zeiten aufgehoben^''), 
Avogegen jedoch der König die Stellung derjenigen 1500 
Defensioner, welche 1705 nicht mit ins Reich marschiert 
waren, zur Formierung eines Dresdner Garnisonsregi- 
mentes, sowie zu deren Ausrüstung die Entrichtung eines 
■»■Beitrages von 20 Thalern für jeden Mann der übrigen 
dienstpflichtigen Defensionermannschaft begehrte. Das 
aus gedachten 1500 Mann in drei Bataillonen, jedes Ba- 
taillon zu fünf Kompagnien, errichtete Regiment, welches 
den Garnisonsdienst nicht allein in Dresden, sondern 
auch auf der Festung Königstein und den festen Häusern 
Sonnenstein und Stolpen zu versehen hatte, verlieh der 
König unter dem 2. Juni 1708 dem Gouverneur General 
Grafen Flemming. 

Der Etat des Regiments war der nachstehende: 

Der Stab: 1 Obrist, der General Graf Flemming, 
1 Obristlieutenant, 2 Majors in Dresden, 1 Major auf 



öo) Die Ritterpferdregiraenter blieben bestehen. Zum Ersatz 
der Landesdefensionsregimenter liess der König im Juli 1710 
Kreisregimenter errichten, in welche die gesamten jungen Mann- 
schaften zwischen 20 und 40 Jahren einzureihen waren. Dieselben 
sollten durch Offiziere und Unteroffiziere in Abtheilungen zu 50 
Mann einexerziert werden. Die Kreisregimenter erhielten die Be- 
stimmung, eventuell in Garnisonen oder bei Grenzpostierungen Ver- 
wendung zu linden. Auch nach Dresden wurden zeitweilig Ab- 
theilungen derselben kommandiert und unter auderm rückten im 
Jahre 1716, als von der Garnison 250 Mann nach der Grenze mar- 
schiert waren, an deren Stelle 250 Mann Landmiliz ein, welche nur 
in leinene Kittel gekleidet am 17. August zuerst die Wachen bezogen. 
Die Kreisregimenter wurden 1717 ihrer Dienstleistung enthoben, 
später aber wieder aufgerichtet und haben bestanden bis zur Zeit 
des siebenjährigen Krieges. 



268 A. von Miuckwitz: 

dem Königstein, 1 Major auf dem Sonnenstein, 1 Regiments- 
quartierraeister, 1 Regimentssclmltheiss, 1 Regiments- 
uktuar, 2 Adjutanten, 1 Regimentsfeldscheer mit 6 Ge- 
sellen, 1 Feldsclieer auf dem Königstein, 1 Feldschecr 
auf dem Sonnenstein, 1 Profos mit seinen Leuten, 6 Hautbois. 

Bei 15 Kompagnien — nämlich der Leib- (Grenadier-) 
Kompagnie des Generals Grafen Flemming, den Kom- 
pagnien des Uuterkommandanten in Neu -Dresden (Alt- 
stadt) Generallieutenants Wostromirski, des Konnnan- 
danten in Alten -Dresden (Neustadt) Generalmajors von 
Borck, des Kommandanten vom Königstein Generalmajors 
von Ziegler, des Kommandanten vom Sonnenstein Obristen 
Knoch, des Obristlieutenants Hildebrand, den zwei 
Majors- und sieben Kapitänskompagnien — : 15 Kapitäns, 
4 Stabskapitäns, 13 Premierlieutcnants, 15 Souslieute- 
nants, 3 Fähnriche, 30 Sergeanten, 15 Fouriere, 3 Fahnen- 
junker, 60 Korporale, 3 Querpfeifer, 30 Tambours, 240 
Gefreite und 1260 Gemeine, letztere mit einem Trakta- 
mente von monatlich 2 Thlr. 16 Gr. 

Die Offiziere sowohl als die Mannschaften hatten 
sich selbst einzumiethen, erhielten aber Quartier- und 
Servisgeld. 

Von den drei Bataillonen, in welche die 15 Kom- 
pagnien eingetheilt waren, befehligte das erste der Obrist- 
lieutenant Hildebrand, das zweite, zu welchem die 
Königsteiner Kompagnie gehörte, der Generallieutenant 
Wostromirski, das dritte, zu welchem die Sonnensteiner 
Kompagnie gehörte, der Generalmajor von Borck. 

Infoloe einer 1709 am 28. Dezember vom König 
mit dem Grafen Flemming abgeschlossenen Kapitulation, 
erhöhte derselbe den Etat seines Regimentes auf 18 Kom- 
pagnien und im Frühjahr 1711 liess Graf Flemming 
hierzu abermals 6 Kompagnien anwerben. Die nunmehr 
vorhandenen 24 Kompagnien wurden jedoch in zwei Re- 
gimenter formiert, von denen das eine (nachmals Regiment 
Graf Waekerbarth) Quartiere in der Lausitz angewiesen 
erhielt, sodass zur Besatzung von Dresden mit dem König- 
stein und Sonnenstein nur 12 Kompagnien verblieben. 

Wegen der Dauer der Dienstzeit, zu welcher die im 
Jahre 1708 eingereihten Defensioner verpflichtet sein sollten, 
war offenbar kein bestimmtes Abkommen getroffen worden, 
doch geht aus einem im Juni 1710 ergangenen Reskripte 
hervor, dass man eine vierjährige Dienstpflicht voraus- 
setzte, und in der That erfolgte im Jahre 1712 die 



Die Besatzung zu Dresden von der mittelalterl. Zeit etc. 269 

Entlassung der Defensloner, worauf die Kapitäns ihre 
Kompagnien durch Anwerbung ergänzten, ohne dass die 
Einreihung von Defensionern oder sonst vom Lande zu 
stellenden Mannschaften fernerweit in Kede kam. 

Jedenfalls aus Anlass der im Verlaufe des letzt- 
gedachten Jahres erfolgten Ernennung des Grafen Flem- 
ming zum General- Feldmarschall überliess derselbe unter 
dem 1. Januar 1713 das Gouvernement zu Dresden nebst 
dem hiervon dependlerenden Oberkommando über den 
Königsteiu, den Sonnenstein und das Garnisonsregiment 
dem General der Kavallerie Leberecht Gottfried Jahnus 
von Eberstett. 

Nach dem gegen Ende des Jahres 1716 beendeten 
Pazifikati onslandtage zu Warschau und der im Verfolge 
desselben eintretenden bedeutenden Reduktion der säch- 
sischen Armee, erging unter dem 25. April 1717 Befehl, 
auch das Garnisonsregiment, dessen Fahnen und Waffen 
der Gouverneur an das Hauptzeughaus abzuliefern hatte, 
zu entlassen. Beibehalten wui'den der Gouvernements- 
adjutant, der Stadtmajor, der Garnisonsprediger, sowie 
der Garnisonsmedikus, und neu hinzu trat ein Platz- 
major. 

13. Die Dresdner Garnison seit dem Jahre 1717. 

Zum Ersatz des reduzierten Garnisonsregiments 
rückten zunächst im April 1717 die Regimenter Wacker- 
barth und Seissan, im November aber an deren Stelle 
die beiden Regimenter Garde zu Fuss als Festungs- 
besatzung in Dresden ein, und Inhalts eines an den Ge- 
neral-Feldmarschall Grafen Flemming gerichteten könig- 
lichen Reskriptes sollten hinfür die Regimenter Infanterie 
alljährlich sich in diesem Dienste ablösen*^). 

Eine Änderung hierin fand zwar bald insofern statt, 
als die im Jahre 1729 errichtete Leib - Grenadiergarde, 
mit der Bestimntiung, am Garnisonsdienste Theil zu nehmen, 
beständige Quartiere in Dresden angewiesen erhielt, im 

ßi) Die Errichtung des Lustschlösser-Bataillons im Jahre 1723 
übte keinen Einfluss auf die Dresdner Garnisonsverhältnisse, da 
die vier Kompagnien dieses Bataillons nur zur Besetzung eles Ja- 
panischen Palais in Dresden, sowie der Schlösser Pillnitz, Moritzburg 
und Wermsdorf (Hubertusburg) bestimmt waren. Im königlichen 
Schlosse versah den Herren-Wachtdienst die Garde du corps und 
den übrigen Schlosswachtdienst, bis zu ihrer Auflösung im Jahre 
1813, die Schweizer Leibgarde. 



270 A. von Miiickwitz: 

Übrigen bewahrte; jedoch die Anordnung wegen des 
jährlichen Abwechseins der Feldregivnenter im Garnisons- 
dienste, nur durch aussergewöhnliche Vorfallenheiten 
unterbrochen, ihre Geltung bis in die neuere Zeit'*"-). 

Auch nach der im Jahre 1809 anbefohlenen Auf- 
hebung der Eigenschaft Dresdens als Festung, sowie nach 
der im Jahre 1820 erfolgten Reduktion der Leib-Grenadier- 
garde auf eine nur mit dem Schlosswachtdienst betraute 
Gardedivision ^'^j versahen dann fernerweit von Zeit zu 
Zeit sich ablösende Infanterieregimenter den Garnisons- 
dienst. Grössere Stabilität trat erst seit dem Jahre 1831 
ein und ereignete sich in den letzten fünfzig Jahren nur 
seltener Wechsel unter den zur Garnisonierung in der 
Residenz kommandierten Regimentern. 

Zur Zeit stehen hierselbst im beständigen Quartier: 
von der Infanterie die beiden Grenadier-Regimenter, das 
Schützenregiment und das zweite Jägerbataillon, sowie 
von anderen Truppenabtheilungen, welche am Wacht- 
dienste keinen oder unwesentlichen Theil nehmen: das 
Garde - Reiterregiment, acht Feld - Artilleriebatterien, das 
Pionierbataillon und das Trainbataillon. 

14. Einquartierungs V erhältn i sse 
seit dem Jahre 1717. 

Die Einquartierungsverhältnisse im 18. Jahrhundert 
und im Anfange des 19. Jahrhunderts anbelangend, so 
waren die bereits aus der Zeit des Kurfürsten Johann 
Georg III. herrührenden Projekte zur Kasernierung, selbst 
nach dem im Jahre 1732 in der Neustadt unternommenen 
Bau einer Kaserne, nicht zur Ausführung gekommen und 
die Benutzung der letzteren anderen Zwecken gewidmet 



"-) Der tägliche Wachtbedarf berechnete sich 1725 bei einer 
Stärke der Garnison von 1626 Mann auf 461 Mann, 17.36 bei einer 
Stärke der Garnison von 2934 Mann auf 525 Mann. In der Zeit 
zwischen 1736 und 1763 stieg der Bedarf sogar auf 661 Mann, in- 
dem nicht allein die üeneräle und Keginientskommandanten, son- 
dern auch die Minister und hohen Ilofchargen Scliildwachen bean- 
spruchten. Nach dem siebenjährigen Kriege wurden 41 Wacht- 
posten eingezogen, trotzdem waren täglich noch 449 Mann zum 
Wachtdienste erforderlich und halten dieselben 109 Posten, ein- 
schliesslich 7 Nachtposten, zu besetzen. 

"^j Die Gardedivision wurde im Jahre 1848 aufgelöst und 
geben nunmehr die in Dresden garnisonierenden Infanteriereginienter 
die zur Besetzung der Schlösser zu Dresden und Pillnitz erforder- 
liche Wachtmanuschaft. 



Die Besatzung zu Dresden von der mittelalterl. Zeit etc. 271 

worden. Von der zunächst für die in Dresden garni- 
sonierenden Infanterieregimenter geforderten Natural- 
einquartierung blieb die Stadt zwar später befreit, da- 
gegen hatte jedes Haus einen anselmHchen Beitrag zur 
Serviskasse zu entrichten**^). Mit Ausnahme der Leib- 
Grenadiergarde, welche Quartiergeld empfing und selbst 
für ihr Unterkommen Sorge zu tragen hatte, wurde die 
Mannschaft seitens der Behörde eingemiethet und der 
Miethzins aus der Serviskasse bestritten. 

Erst aus Anlass der eingreifenden Veränderungen, 
welche die neue Oroanisation der Armee im Jahre 1810 
herbeiführte, trat man der Idee der Kasernierung wieder 
näher und einige Jahre später fand sich endlich die Neu- 
städter grosse Kaserne ihrer ursprünglichen Bestimmung, 
die in Dresden garnisonierenden Infanterieregimenter 
aufzunehmen, zugeführt. Nicht minder wurden in beiden 
Theilen der Stadt auch andere Baulichkeiten zu Kaser- 
nierungszwecken eingeräumt. 

Seit dem Jahre 1874 begann sodann der Bau der 
stattlichen Kasernen, welche nunmehr den Höhenrand des 
rechten Eibufers krönen. 

15. Die wehrhafte Dresdner Bürgerschaft 
seit dem Jahre 1717. 

Die Dresdner Bürgerschaft wurde, nach Aufhebung 
des bisher zwischen Neu- und Alt-Dresden hinsichtlich 
der zu stellenden Mannschaft obwaltenden Unterschiedes, 
im Jahre 1719 in einem Regiment zu 1322 Mann neu 
formiert und am 22. August gedachten Jahres dem Gou- 
verneur General Grafen Wackerbarth vorgestellt. Obrist 
des Regiments war der älteste Bürgermeister Vogler, die 
Stellen als Obristiieutenant und Major bekleideten die 
beiden anderen Bürgermeister (Consules) Stefigen und 
Wörmuth, als Kapitäns fungierten Rathsmitglieder, als 
Lieutenants die Viertelsmeister und als Fähnriche die an- 
sehnlichsten Bürger. Zum Stabe gehörten ausserdem 
2 Adjutanten und 6 Hautbois. Eingetheilt war das Re- 
giixient in drei Bataillone, jedes zu 4 Kompagnien. Die 
Montur, wofür jeder Mann 5 Thaler 10 Groschen zu ent- 
richten hatte, bestand in einem weissgrauen Rock (Surtout) 

^) Vor dem siebenjährigen Kriege war monatlich 18 Groschen 
pro mille des Hauswerthes zu entrichten. Nach dem Kriege wurde 
dieser Betrag auf 1 Thaler erhöht, bald aber wieder abgemindert. 



272 A. von Minckwitz: 

mit rotlien Aufsclilägen. Die Strümjtfe waren rotli, die 
Hüte mit schwarz und gelbem Bande statüert und mit 
Gallonen eingefasst*'*). 

Der König, welcher dem Regiment sechs mit dem 
kurfürstlichen Wappen geschmückte Fahnen, sowie die 
später an das Hauptzeughaus wieder abzuliefernden Waften 
gab, besah selbst auf den Feldern zwischen der Pirna- 
schen Vorstadt und dem grossen Garten das bei dieser 
Gelegenheit vom Gouverneur General Grafen Wackerbarth 
befehligte Regiment. 

Dasselbe paradierte zunächst bei dem am 2. Sep- 
tember aus Anlass der Vermählung des Kurprinzen statt- 
findenden Einzüge. 

Später geschieht dann des Regiments in so ausführ- 
licher Weise nicht mehr Erwähnung, allein nicht nur bei 
allen in der Residenz sich ereignenden öffentlichen Fest- 
lichkeiten erschien die wehrhafte Bürgerschaft in Waffen, 
sondern es wurde deren Dienstleistung auch jederzeit in 
Anspruch genommen, wenn infolge kriegerischer Ereignisse, 
bei Mobilmachungen oder beim Ausrücken der Truppen 
ins Übungslager ein Ersatz der Garnison vollständig 
oder theilweise sich erforderlich machte*'*'). So ist es 
unter anderem bekannt, dass am 2. September 1756 nach 
dem Ausmarsche der Garnison in das Lager von Struppen, 
die Bürger die Thore und Wachten besetzten, von denen 
sie am 6. September, nach erfolgter Ablösung durch in- 
zwischen eingerückte preussische Grenadiere, mit klingen- 
dem Spiele imd fliegender Fahne wieder abzogen. 

Im Jahre 1809, als die gesamte Armee, einschliess- 
lich der in Dresden garnisonierenden Regimenter, Sachsen 
verliess, um an dem österreichisch-französischen Kriege 
an der Donau Theil zu nehmen, wurde aus der Scheiben- 
schützeugilde und dem Kerne der Dresdner Bürgerschaft 



•"*) Die statt der Gallonen vorgescblagene goldene Schnur fand 
der in die Kommission z\u- Einrichtung der ßürgermontur kom- 
mandierte Obrist von Hildebrand zu schneiderhaft. Die rothen 
Strümpfe wurden auf Wunsch der Betheiligten bewilligt , nachdem 
zuerst weisse Gamaschen in Vorschlag gekommen waren.. 

^) In den Jahren 1780 — 1792 fanden alljährlich Übungslager 
der gesamten Armee statt, meist bei Dresden, Leipzig, Riesa, Mühl- 
berg oder Grossenhain. Wenn aus solchem Anlasse auch die in 
Dresden liegenden Regimenter mit ausrückten, pflegten täglich 
5 Sergeanten, 15 Korporale, 4 Tambours und 126 Mann von der 
Bürgerschaft den Wachtdienst zu übernehmen. Ein Bürger als 
Stadtadjutant hatte die Wachten zu vertheilen und zu visitieren. 



Die Besatzung zn Dresden von der mittelalterl. Zeit etc. 273 

eine Nationalgarde gebildet, welcher sich auch eine Ab- 
theilung berittener ßürgergensdarmen anschloss*^'). Die 
Nationalgarde, deren feierliche Verpflichtung am 29. Ok- 
tober 18U9 vor dem Rathhause stattfand, leistete in den 
folgenden Kriegsjahren durch Besetzung der Wachtposten, 
Transporte von Militäreftekten, Patrouillen nnd die Über- 
nahme anderer dergleichen Obliegenheiten wesentliche 
Dienste. 

Im Verfolge der in Dresden entstandenen Unruhen 
vollzog sich im Jahre 1830 die Auflösung der National- 
garde, indem dieselbe in der neu errichteten Kommunal- 
garde aufging. 

Als letztere beim Ausbruche des Mal- Aufstandes 
1849 zur Aufrechterhaltung der Ordnung sich als unge- 
nügend erwies, wurde am 9 August, unter Suspension 
ihrer zeitherigen Dienstleistung, deren Reorganisation an- 
geordnet. Der Entwurf zu einer neuen Formation in 
5 Bataillonen, das Bataillon zu 500 Mann, war auch im 
November vollendet, allein ins Leben ist das Institut einer 
Bürgerwehr nicht wieder getreten. 



Anlage A. 



"ö* 



Die Wohnung der Stadtkommandanten. ' 

Über die Wohnungsverhältnisse des Stadtkomman- 
danten reichen die Nachrichten zurück bis zum Anfange 
des 17. Jahrhunderts. 

Einem bei Gelegenheit der Ernennung Rudolphs 
von Carlowitz zum Stadthauptmann an die Rentkammer 
unter dem 22. Oktober 1607 erlassenen Reskripte zufolge, 
sollte zwar das Quartiergeld in seiner Besoldung von 
jährlich 1000 Gülden mit inbegriffen sein, allein die vor- 
handenen Quellen ergeben, dass er trotzdem schliesslich 
doch freie Wohnung in dem Hause genass, welches jetzt 
die Nummer 1 am Jüdenhofe führt, nachdem dasselbe 



"■') In der Militär- Rangliste von 181.3 findet sich ein Bericht 
über die Errichtung der Nationalgarde, und auch die später er- 
schienenen Militär- Ranglisten enthalten bis zum Jahre 1830 jeder- 
zeit den Etat der National-Garde. 

Neues Archiv f. S. G. u. A. VII. 3.4, 18 



274 ^- ^f'n Mhickwitz: 

ohnehin der Dresdener Besatzungstnippe „zur Unter- 
bringung des Fändeis, der Waffen, Rüstungen und der 
linderen zum Regiment gehörigen Sachen", sowie zu 
Expeditionen für Erledigung der bei der Kommandantur 
vorfallenden Geschäfte überlassen worden war. 

Hundert Jahre blieb von diesem Zeit})unkte an das 
gedachte Haus, unter der Benennung Regimentshaus, die 
Dienstwohnung des jeweiligen Kommandanten, beziehent- 
lich, seit 1698, Gouverneurs der Stadt und Festung 
Dresden«^). 

Als sodann im Jahre 1712 der Generalfeldmar- 
schall Graf Flenmiing die Gouverneursstelle resignierte, 
der König ihm jedoch die Fortdauer des Genusses der 
freien Wohnung im Regimentshause bewilligte, wurde 
seinem Nachfolger, dem General Jahnus von Eberstett, 
ein Quartiergeld von monatlich 100 Kaisergulden aus- 
geworfen *"'). 

Nach des Generals Jahnus von Eberstett im Jahre 
1718 erfolgten Ableben behielt der neu ernannte Gou- 
verneur, der Ober-Land- und Hauszeugmeister General 
Graf Wackerbarth, seine bisherige Wohnung in dem von 
ihm am Zeughause erbauten Palais bei, und am 25. Sep- 
tember gedachten Jahres überbrachte dahin die Garnison 
ihre Fahnen, sowie eine Abordnung des Rathes die Thor- 
schlüssel. 

Das Regimentsliaus am Jüdenhofc betreffend, so 
Hess der König, nachdem der Generalfeldmarschall 
Graf Flemming gegen anderweite Entschädigung auf die 
freie Wohnung daselbst verzichtet hatte, einen Theil der 
Kunst- und wissenschaftlichen Sammlungen hier unter- 
bringen, und im Jahre 1729 schenkte Se. Majestät dem 
Direktor der gedachten Sammlungen und Galerien, dem 
Oberkannnerherrn General Grälen Friesen, das Haus am 
Jüdenhofe erb- und eigenthümlich. 

Infolge dessen trat dasselbe im Jahre 1734, als 
General Graf Friesen, nach dem Ableben des General- 
feldmarschalls Grafen Wackerbarth, den Gouverneurs- 



**8) Täglich stellte sich die Wachtparade auf dem Jüdenhofe 
vor dem Regimentshanse. Reilien in das Pflaster eingelassener 
heller Steine dienten zur Erleichterung des Alignements. 

^ö) General Jahnus von Eberstett ermiethete das, vermuthlich 
auf der Seegasse gelegene, Einsiedeische Haus. 



Die Besatzung zu Dresden von der mittelalterl. Zeit etc. 275 

posten übernahm, wieder in seine alten Rechte als Regi- 
mentshaus, allein nur vorübergehend'"), denn von den 
nächsten Nachfolgern des Grafen Friesen als Gouverneurs 
von Dresden wohnte Graf Rutowski in seinem eignen 
Hause auf der Kreuzgasse '^) und der Chevalier de Saxe 
in dem von den Erben des Grafen Wackerbarth erkauften 
Palais am Zeughause. 

Seit dem Jahre 1770, nach der Resignation des 
Chevaliers de Saxe auf den Gouverneursposten, erhielten 
hierauf die Gouverneurs General Graf Baudissin und 
General Riedesel Freiherr zu Eisenbach ein am Altmarkte 
neben dem Rathhause liegendes Gebäude unter der Be- 
zeichnung als Koramandantenhaus zur Dienstwohnung 
überwiesen''-^), während deren Nachfolger General von 
Pfeilitzer genannt Frank und General von Reitzenstein 
wieder das Palais am Zeughause bezogen, nachdem der 
Kurfürst dieses Palais, welches aus dem Besitze des 
Chevaliers de Saxe in den des Herzogs von Kurland über- 
gegangen war, im Jahre 1796 von der Prinzessin Marie, 
Tochter und Erbin des Herzogs von Kurland, erkauft 
und zur Wohnung des Gouverneurs bestimmt hatte. 

Nach dem im Jahre 1813 erfolgten Ableben des 
Gouverneurs General von Reitzenstein diente das Palais 
als Lazareth, und im Jahre 1815 wurde es der medizi- 
nisch-chirurgischen Akademie für ihre Zwecke überlassen. 
Der im Jahre 1815 zum Gouverneur von Dresden ernannte 



™) Die Sammlungen wurden damals meist im Zwinger unter- 
gebracht. Nach dem Tode des Grafen Friesen besass das Haus 
am Jüdenhof'e der Konl'erenzminister Graf Hennicke, später dessen 
Schwiegersohn, der Oberkonsistorialpräsident von ßerlepsch, und 
verblieb dasselbe seitdem im Privatbesitze. Während des sieben- 
jährigen Krieges wohnten sowohl der preussische, als nach ihm der 
österreichische Kommandant von Dresden im ehemaligen Regiments- 
hause. 

■'i) Das Palais des Grafen Rutowski lag an der Ecke der 
Kreuzgasse und Weissen Gasse. Dasselbe hatte elf Fenster Front 
in der Kreuzgasse und erstreckte sich durch die Hälfte der Weissen 
Gasse bis in die Frohngasse. An den Hofraum schloss sich ein 
Garten mit Orangerie, Grotten und Fontänen. In dieser Gestalt 
erbaut und hergestellt wurde das Palais nebst Zubehör im ersten 
Drittel des 18. Jahrhunderts vom Oberkammerherrn Grafen Vitzthum. 

■^2) Das Kommandantenhaus lag in der Richtung nach der 
Löwen-Apotheke zu, in einer Front und unter einem Dache mit 
dem Rathhause. Gleich letzterem besass es einen Altan mit dem 
Ausblicke auf den Altmarkt. 

18» 



276 A- ^^^ Mintkwitz: 

Kabinetsminister Generallieutenant von Cerrini erhielt 
Quartiergeld. 

Dagegen bewohnten die Gouverneurs Generallieute- 
nant von Zeschau und Generallieutenant von Gablenz 
die zweite Etage im Blockliause'^^), welche der Komman- 
dant der Neustadt bis zu der im Jahre 1809 erfolgten 
Einziehung dieser Stelle inne gehabt hatte. 

Nach des Generallicutenants von Gablenz im Jahre 
1843 erfolgten Ableben ermiethete diese Etage der Kriegs- 
minister General von Nostitz- Wallwitz, sowie nach ihm 
1846 der Kriegsminister General von Oppell. 

Im Mai 1849 befand sich das Kriegsministerium, 
sowie das Hauptquartier der zur Bekämpfung der In- 
surrektion bestimmten Truppen, daher auch die Wohnung 
des interimistischen Gouverneurs, Generalmajors von 
Schulz, im Blockhausc, und seit dem 1. Juni gedachten 
Jahres bewohnte miethweise die zweite Etage der interi- 
mistische Gouverneur, Generalmajor von Maugold. 

1851 28. April erfolgte die Verlegung des Kriegs- 
ministeriuras in das Blockhaus, worauf die interimistischen 
Gouverneurs C^uartiergeld erhielten, bis endlich am 14. Ja- 
nuar 1869 die zu diesem Behufs erkauften Quandt'schen 
Häuser No. 10 und 11 der grossen Klostergasse, nächst 
dem Generalkommando der Armee, der Stadtkomman- 
dantur zu Geschäftsräumen sowie zur Wohnung für den 
Kommandanten von Dresden überwiesen wurden. 



'^) Das Blockhaus wurde vom Kurfürsten Joluuin Georg III. 
statt eines aus der Zeit des Kurfürsten Moritz lierrülirenden, dem 
Verfalle aber entgegen gehenden Triumphbogens im Jahre 1683 
auf der Brücke angelegt. Dasselbe enthielt eine Wachtstube, sowie 
die Wohnung des Brückenzolleinnehmers und war mit fünf Kanonen 
besetzt. Nachdem sodann infolge des Umbaues der Brücke die 
Entfernung des Blockhauses nöthig geworden, übertrug sich dessen 
Name auf ein im Jahre 17:^2 an der Stelle des jetzigen Blockhauses 
auf dem Grund und Boden von zwei erkauften Bürgerhäusern auf- 
geführtes Gebäude, welches man anfänglich als Pyramiden-Gebäude 
bezeichnete, weil es nach dem Projekte des Königs eine siebenzig 
Ellen hohe Pyramide tragen sollte. Erst im Jahre 1749 nach einem 
als Neubau zu betrachtenden Umbau erfolgte die Verlegung der 
bisher auf dem Marktplatze befindlichen Hauptwache in das i5lock- 
haus und seit 17.52, wo man eine zweite Etage aufsetzte, wohnte 
daselbst der jeweilige Kommandant der Neustadt. Ausserdem be- 
fanden sich zu jener Zeit im Blockhause die Expeditionen des 
Gouvernements und der Baukommission, die Wohnungen mehrerer 
der beim Gouvernement angestellten Subalternen, die Gouvernements- 
Kriegsgerichte, sowie die Zeichnenstube der Ingenieur-Offiziere. 



Die Besatzung zu Dresden von der mittelalterl. Zeit etc. 277 

Anlage B. 

Die Hauptwachen. 

Die älteste bekannte, nur aus Holz und Facliwerk 
errichtete Haupt wache in der Altstadt stand auf dem 
Neumarkte. Im Mai 1715 wurde dieselbe durch ein 
steinernes Gebäude ersetzt und kamen aus diesem Anlass 
mehrere Schwibbogen des Frauenkirchhofes in Wegfall*). 

Bei dem Bombardement von Dresden durch die 
Preussen im Juli 1760 ging auch die Hauptwache zu 
Grunde, worauf man das neue Wachtgebäude nicht wieder 
auf der früheren Stelle, sondern in dem zwischen der 
Augustusbrücke und dem Zwinger gelegenen sogenannten 
italienischen Dörfchen aufführte. Die vordere Fagade des 
ziemlich langgestreckten zwei Gestock hohen Gebäudes 
zeigte nach Analogie der ein Jahrzehnt früher entstan- 
denen Neustädter Hauptwache eine Reihe offener Arkaden. 

In den Jahren 1830 bis 1832 erfolgte sodann zwischen 
Schloss und Zwinger die Erbauung einer neuen Haupt- 
wache, welche am 3. Dezember 1832 zum ersten Male 
bezogen wurde. 

Ausser der Schlosswache, der Hauptwache und den 
Thorwachen bestanden in der ersten Hälfte des vorigen 
Jahrhunderts in der Altstadt noch zwei Wachen: 1. die 
Wache am Taschenberge und 2. die sogenannte Galerie- 
wache, deren Wachtgebäude ungefähr an der Stelle der 
jetzigen Hauptwache lag. 

Bei dem im Jahre 1750 stattfindenden Umbau des 
Galeriewachtgebäudes wurde die Taschenbergwache mit 
der Galeriewache vereinigt und hat die letztere bestanden 
bis zur Abtragung der Festungswerke im Jahre 1810. 

In der Neustadt stand die Hauptwache auf dem 
Marktplatze, bis im Jahre 1749 das nach erfolgtem 
Umbau der Eibbrücke 1732 aufgeführte Blockhaus zur 
Hauptwache eingerichtet wurde. 



'*) Die Hauptwache hatte ausser dem rez-de-chaussee, in dem 
sich die "Wachtstuben befanden, und dem zu Gefängnissen einge- 
richteten Souterrain zwei Etagen. Die erste Etage enthielt ausser 
der "Wohnung des Platzadjutanten Verhörzimmer für die Kriegs- 
und Staudgerichte. In der zweiten Etage wurde der Gottesdienst 
für die Garnison abgehalten. Eine sehr ausführliche Beschreibung 
des Hauptwachgebäudes enthält das Werk Iccander's : Das auf 
dem höchsten Gipfel der Yollkomraenheit prangende Dresden. 



IX. 

Aus den Papieren des kur sächsischen 
Generallieutenants Hans Georg von Arnim. 

1631—1634. 

(Gräflich Arnim'sches Familienarcliiv zu Boitzenburg.) 

Von 

Arnold Gaedeke. 



Mit dem Aufschwünge, welchen in letzter Zeit die 
Wallcnsteinforschung unstreitig genommen hat, ist eine 
wesentlich modifizierte Auffassung der Schuldfrage Hand 
in Hand gegangen. Auf die werthvoUen Publikationen 
Hildebrands in Stockholm^) und die Arbeit des Ver- 
fassers dieser Zeilen'-) ist ein umfangreiches zweibändiges 
Werk Anton Gindelys gefolgt''), welches Wallensteins 
Emporkonnuen im kaiserlichen Dienste und sein erstes 
Generalat unter Aufschluss neuer Quellen behandelt. 
V^'^enn man dem gelehrten Verfasser auch vielleicht 
nicht in allen Punkten und Konsequenzen zustimmen 



1) E. Hildebrand, Wallenstein und seine Verbindungen mit 
den Sciiweden. Aktenstücke aus dem Schwedischen Reichsarchiv 
zu Stockholm. Frankfurt a. M. 1885. 

-) A. Gaedeke, Wallensteins Verhandlungen mit den Schwe- 
den und Sachsen. 1631 — 1634. Mit Akten und Urkunden aus dem 
Königl. Sachs Hauptstaatsarchiv zu Dresden. Frankfurt a. M. 1885. 

") A. Gindely, Wallenstein während seines ersten Generalats 
im Lichte der gleichzeitigen Quollen, lf.25— 16.50. Bd. 1 u. 2. 
Prag u. Leipzig 1886. 



Arnold Gaedeke: Aus den Papieren des Gen. v. Arnim. 279 

wird, in den meisten Fällen wird man sicli der Wucht 
der neuen Thatsachen und Aktenstücke nicht verschliessen 
können. 

Die Auffassung, welche ich an der Hand de;- im 
schwedischen Reichsarchiv entdeckten Dokumente über 
die Verhandlungen Wallensteins in den Jahren 1631 — 1634 
gewinnen zu müssen glaubte, ist vielfacher Anerkennung, 
daneben jedoch auch vereinzelten einschränkenden Ur- 
theilen begegnet. Ist es doch schwer, mit einer fest- 
gewurzelten Ansicht zu brechen^ noch schwerer, ein früher 
ausgesprochenes Urtheil modifizieren zu müssen. 

Mit besonderer Genugthuung begrüsse ich deshalb 
eine Mittheilung Irmers in Sybels historischer Zeitschrift 
(Band 20, Heft 2), dass wir der Publikation eines bestäti- 
genden Tagebuches und zahlreicher Konzepte aus der 
Gesandschaf tskanzelei Nicolais, des schwedischen Resi- 
denten in Dresden, entgegenzusehen haben. 

Eine von mir letzthin unternommene Durchforschung 
der Arnim'schen Familienpapiere hat dagegen für^ die 
Geschichte der Verhandlungen Wallensteins zu meinem 
Bedauern nur sehr geringe Resultate ergeben. 

Das Gräflich Arnim'sche Archiv zu Schloss Boitzen- 
burg bei Prenzlau in der Uckermark war allerdings 
anfänglich für die Geschichte des bekannten Kriegsmannes 
ein sehr reichhaltiges. 

Zwei genaue Verzeichnisse geben uns noch heute 
Kunde von dem, was die Feldkanzelei des kursächsischen 
Oberkommandierenden etwa enthalten hat. Das eine Ver- 
zeichnis entstammt der Zeit des 30jährigen Krieges selbst, 
als Arnim seine Papiere seinem Stammsitze einverleibte, 
das andere ist weit später gefertigt, als bereits einiges 
Aktenmaterial verloren gegangen, indessen das meiste 
doch noch erhalten war. 

Im Laufe dieses Jahrhunderts ist nun das Gräfliche 
Familienarchiv leider mehrmals — und wie es scheint 
auch durch Unredlichkeit niederer Beamten — werth- 
voller Bestände beraubt worden. 

Den ersten und bedeutendsten Raub hat Fr. Foerster 
seiner Zeit erworben und veröff'entlicht*). Derselbe ist 



*) Fr. Foerster, Albrechts von Wallenstein, des Herzogs 
von Friedland und Mecklenburg, ungedruckte, eigenhändige ver- 
trauliche Briefe und amtliche Schreiben aus den Jahren 1627 bis 
1634 etc. Bd. 1—3. Berlin 1828 u. 1829. 



280 Arnold Gaedeke: 

somit wenigstens der Wissenschaft erhalten und zugänglich 
gemacht worden. 

Eine zweite Veruntreuung scheint in den sechziirer 
Jahren stattgefunden zu haben, da eine Anzahl von 
Schreiben aus den ersten Monaten des Jahres 1634, 
welche im zweiten, späteren Boitzenburger Kataloge sogar 
mit Inhaltsangabe angeführt und zum Theil auch von 
Kirchner'"') benutzt und erwähnt werden, heute nicht 
mehr vorhanden sind. Es muss als ein glücklicher Zufall 
bezeichnet werden, dass wenigstens einige derselben uns 
in den Hauptsätzen durch Kirchners Sclirift erhalten 
worden sind. Es ist daher nur eine kleine Anzahl bis- 
her unbekannter, von Kirchner auch wohl nicht ver- 
standener Schreiben imd (durch Mäuse zerfressener) 
Schriftfragmente, welche hier zum Abdruck gelangen. 
Vornehmlich sind es Briefe Thurns an Arnim und einige 
Schreib n Arnims an Wallenstein, durch deren Inhalt 
die von Hildebrandt und mir gewonnene Auffassung 
lediglich bestätigt wird. 

Seiner ExccUenz dem Herrn Grafen von Arnim aul' 
Boitzenburg, diesem durch seine wissenschaftlichen In- 
teressen und wahre Liberalität allgemein bekannten hohen 
Beamten und Grundherrn, kann ich auch an dieser Stelle 
für die unermüdliche Liebenswürdigkeit und entgegen- 
kommende Bereitwilligkeit, mit welcher mir sämtliche 
Familienpapiere unterbreitet wurden, nur den verbind- 
lichsten und wärmsten Dank abstatten*^). 

1631. Aus dem Jahre 1631 ist nur ein Schreiben 
Thurns an Arnim bemerkenswerth. Thurn hatte im Herbst 
des Jahres 1631 eine gemeinsame Aktion mit Wallenstein 
in Böhmen betrieben. Zum grossen Leidwesen des alten 
böhmischen Emigranten iiatte Gustav Adolph die von 
Wallenstcin verlangte Truppenhilfe von 12 000 Mann 
seines westlichen Siegeszuges wegen ablehnen müssen. 

Graf Thurn hatte sieh alsdann von dem Schweden- 
könige, da er den Sachsen und Arnim die Besitznahme 

"') Kirchner, ßchloss Boitzenburg u. seine Besitzer. Berlin 1800. 

") Als Unikum möchte ich hier hervorheben, dass es mir ge- 
stattet war, zwei verschlossene und wohlversieselto Briefe an Arnim 
und Walleustein, welche niemals abgegeben worden sind, zu öffnen. 
Leider waren dieselben gleicligiltigen Inhalts, das Schreiben an 
Wallenstein war czechisch geschrieben und aus dem Jahre 1027. 
Wahrscheinlich sind beide Briefe aus Versehen zwischen die Akten 
der FcUlkanzelei gerathcn. 



Aus den Papieren des kursächs. Geu. Lts. von Arnim. 281 

Böhmens nicht zugestehen, sondern ihnen Schlesieii als 
Besitzobjekt zuweisen wollte, nach Dresden schicken 
lassen, mit der Vollmacht, an der böhmischen Grenze 
einen ^A'^erbeplatz zu errichten und wenn möglich beim 
Kurfürsten von Sachsen die Unterstellung einiger tausend 
Mann zu betreiben. 

Statt dessen aber schloss sich der Kurfürst der 
Ansicht Arnims an. dass man selbst die entblösste mili- 
tärische Lage Böhmens zu einem Einmärsche benutzen, 
sich Prags bemächtigen und mit Wallenstein in direkte 
Verhandluno-en treten müsse. In diese Zeit fallen dann 
die Verhandlungen Wallensteins mit Arnim unmittelbar 
vor Wiederübernahme des Generalats. 

Man liess Thurn sächsischerseits in Unkenntnis, bis 
der Einmarsch erfolgt war. Dieser war um so mehr er- 
bittert, als er sich bei Seite geschoben, zugleich aber die 
Hoffnungen der Emigranten, welche Rache zu nehmen 
gedachten, getäuscht sah. In dieser Stimmung schrieb er 
an Arnim einen überaus gereizten Brief, in welchem er 
an das „eigene Handschreiben" Gustav Adolphs erinnert, 
und dass es dem Könige obliegen werde „zu anthen, 
solt wider solche zuesag und Versicherung ain Widriges 
von E. E. Armee beschehen". (Nr. 1 der Aktenstücke.) 

1632. Im Januar 1632 fand auf Wallensteins Befehl, 
der erkrankt war, in Aussig eine Zusammenkunft Arnims 
mit Trzka statt, über deren Ergebnisse wir uns bis vor 
kurzem noch mehr wie über den Inhalt der Kaunitzer 
Entrevue vom November 1631 zwischen Arnim und 
Wallenstein im Dunkeln befanden. Aus jenem bei Hilde- 
brand veröffentlichten Berichte Nicolais vom 30. Dezember 
1631 ging nur hervor, dass der Herzog von Friedland 
Arnim von seiner Absicht, das Gcneralat von neuem zu 
übernehmen und von den Gründen, welche ihn dazu 
bewogen, unterrichtet habe. Arnim machte hierüber dem 
schwedischen Residenten die eingehendsten Mittheilungen, 
dass alles auf gutem Wege gewesen, aber durch die 
Indiskretion und Unvorsichtigkeit Thurns und der alten 
Gräfin Trzka interrumpiert worden, und der Herzog schon 
um sich zu salvieren das Generalat habe annehmen müssen, 
dass er aber obtestando per omnia sacra des Schweden- 
königs Freund bleibe und der Kaiser wohl erfahren solle, 
dass er einen Kavalier beleidigt habe, etc. Die vorlie- 
genden Aktenstücke bestätigen erstens, dass sich Wallen- 



282 Arnold Gaedeke: 

stein und Trzka vor der Kaunitzer Ziisaninienkunft sehr 
weit mit den Gegnern des Kaisers eingelassen haben 
müssen. Thurn schreibt, Trzka habe in Prag abermals 
Hoffnung gegeben, dass Wallenstein seine Zusage und 
sein Wort nicht vergessen werde. Ferner hat Trzka 
erklärt, dass Wallenstein kein anderes Mittel gehabt, als 
die Sache auf solchen Weg zu bringen, die Armee an sich 
zu bringen, er werde sich stark genug machen, ohne 
Hilfe die Sache also auszuführen, er werde später ab- 
danken und zur protestantischen Partei übertreten. 
Thurn ist, wie mau sieht, über den Ausgang empört, er 
spricht von einem Schandfleck, von Treu und Ehrver- 
gessenheit, die Gott nicht ungestraft lassen werde. (Nr. 
2, 3 und 4 der Aktenstücke.) 

Es folgt eine Attestation des Kurfürsten für Arnim. 
Arnim war der Unterhandlungen mit Wallenstein im 
Frühjahr 1632 wegen bekanntlich bei den Schweden in 
so üblen Verdacht und Misskredit gerathen, dass Gustav 
Adolph beim Kurfürsten von Sachsen durch einen eigenen 
Gesandten (Sohns) darüber bittere Beschwerde führen 
liess. Arnim rechtfertigte sich alsdann mündlich und 
sogar durch eine eigene Druckschrift. Um ganz sicher 
zu gehen, da ihm der Einmarsch in Böhmen auch als 
eine eigenmächtige, den Schweden feindliche Handlung 
vorgeworfen wurde, liess er sich vom Kurfürsten eigens 
bezeugen, dass der Einmarsch auf den ausdrücklichen 
Befehl seines kurfürstlichen Herrn erfolgt sei. (Nr. 5 
der Aktenstücke.) Wie erbittert Arnim durch die schwe- 
disclien Bemühungen, ihn zu verdächtigen, geworden war, 
zeigt ein Konzept von seiner Hand. Er gedachte mit 
Wallenstein noch einmal wegen des Friedens Verhand- 
lungen anzuknüpfen, dass dieselben den Schweden nicht 
günstig sein sollten, lehrt der Satz: „Allein ich sehe daß 
unter dem praetext anmuthige practica einer algemeinen 
freiheit in gewissens und weltlichen sachen, sich mechtige 
interponeuten finden, deren actiones von diesem scopo 
sehr weit aboriren". (Nr. 6 der Aktenstücke.) Das 
Schreiben ist wahrscheinlich nie abgesendet worden, da 
Gustav Adolph inzwischen sich bei den Erklärungen 
des Kurfürsten beruhigt und Arnim Versicherungen seines 
vollen Vertrauens hatte zugehen lassen. 

1633. Auch aus diesem Jahre liegen nur wenige 
Schreiben vor. _Am 9. Juli schreibt Gallas im Auftrage 



Ans den Papieren des kursächs. Gen.-Lts. von Arnim. 283 
Wallensteins dem sächsischen Oberkoramandierenden 



j 



dass, obwohl die Verhandlungen ihren Fortgang nicht 
erreicht, der Herzog nichtsdestoweniger Arnims guter 
Freund verbleibe, nachdem Arnim vorher dem Herzoge 
mitgetheilt hatte, dass er beim Kurfürsten nichts weiteres 
habe ausrichten können. (No. 7 und 8 der Aktenstücke.) 

Die ersten Verhandlungen hatten sich trotz aller 
Hoffnungen Thurns und der Evangelischen zerschlagen, 
da die Spanier soeben W^allenstein anscheinend sehr ent- 
gegen gekommen waren und bezüglich E'erias weitgehende 
Zugeständnisse gemacht hatten. Die gute Stimmung 
Wallensteins sollte bekanntlich nicht von langer Dauer 
sein. Sclilicks Mission ins schlesische Feldlager alterierte 
ihn aufs Höchste und veranlasste ihn, die Verhandlungen 
im August von neuem aufzunehmen. Wie ernst es ihm 
diesmal war, lehren die Aktenstücke. Der Kurfürst von 
Sachsen war über den Einfall und die Mordbren- 
nereien Plolcks überaus aufgebracht, aber die Propo- 
sitionen des Herzogs waren so weitgehend, die Trappen 
wurden aus den ei'oberten Orten so rasch zurückgezogen, 
dass es sich der Kurfürst „wohl gefallen Hess", und 
Arnim meinte, „es werde keine grosse difficultet haben, 
sondern des Herzogs Vorschläge wurden ihren effect er- 
reichen". (No. 9 der Aktenstücke.) 

Aus einem zweiten Schreiben von Gallas an Arnim 
geht hervor, dass Wallenstein schliesslich ganz mit der 
Reise Arnims zum schwedischen Reichskanzler einver- 
standen war, denn er schreibt „dass der Herzog Arnim zu 
der Reise viel Glück wünsche')". (No. 10 der Aktenstücke.) 

Es scheint aber, dass Wallenstein zuerst (im August) 
die Schweden am liebsten von den Verhandlungen aus- 
geschlossen hätte, denn Thurn schreibt bezeichnend, die 
ersten Gedanken, so der Generalissimus gehabt, sind diese 
gewesen und glaube noch in seinem Herzen, sich Frank- 
reichs und Schwedens zu entschlagen und sich nur mit 
den beiden kurfürstlichen Armeen zu vereinigen und 
das Römische Reich in seinen vorigen Zustand zu setzen, 
also die schwedische Conjunction aufzulösen und Frank- 
reich die Thür zu weisen. Thurn bezweifelt, dass auf 
diesem Wege der Frieden möglich sein werde, man werde 
aus dem Reif in den Schnee fallen, Arnim möge dem 

') Foersters Bemerkung a. a. 0., III, 67 ist mir unverständ- 
lich, da sich der Herzog am 7. September gar nicht bei Steinau, 
sondern bei Schweidnitz befand. 



284 Arnold Gaedeke: 

schwedischen Reichskanzler allen Skrupel nehmen und 
den französischen Gesandten zufrieden zu stellen suchen. 
Dann gab der Herzog nach und Thurn verhandelt, doch 
etwas verstimmt bei der Mission übergangen zu sein, mit 
den Sicbenbüroeru. Dass Wallenstein mit Schlick ein 
sehr heftiges Rencontre gehabt hat, zeigt ein Schreiben 
Thurns. (Nr. 11, 12 und 13 der Aktenstücke.) 

Erst als Wallenstein sah, dass er seines Heeres nicht 
so mächtig war, als er gemeint hatte, und als abermals 
ein Schreiben Thurns von den Kaiserlichen aufgefangen 
worden war, kam ihm der Gedanke die Vereinigung der 
Heere noch zu verschieben und sich durch einen Überfall 
des Feindes in Wien zu rehabilitieren. Er nahm zum 
Vorwande des Bruches, dass man gemeinsam die Schweden 
aus dem Lande werfen müsse. Der Sieg, den er bei 
Steinau erfocht, sollte sich indessen von den verhängnis- 
vollsten Folgen für seine eigene Zukunft erweisen. 

1634. Die Katastrophe vom 25. Februar 1634 be- 
reitete sich, wie wir genau verfolgen können, bereits im 
Dezember 1633 vor. Als Trautmannsdorff mit Wallen- 
steins ablehnender Antwort von Pilsen zurückkehrt, ist 
der Kaiser bereits entschlossen, seinen Generalissimus 
abzusetzen. Nur um einen Eklat zu vermeiden, schickt 
er Quiroga zu Wallenstein und lässt ihm die freiwillige 
Resignation nahe legen. Schon vorher aber nehmen die 
Ereignisse in Pilsen einen für das Haus Osterreich be- 
drohlichen Charakter an. Als der Kaiser trotz der Ab- 
lehnung seitens des Herzogs und seiner Obersten den 
„ernstlichen Befehl" ertheilt, gegen Regensburg und den 
Herzog von Weimar vorzurücken, womit die verschleierte 
Drohung einer Absetzung bereits verbunden wai% war 
Wallensteins Autorität und Stellung im Heere zum ersten 
Male ernstlich bedroht. Der Herzog war sofort entschlossen, 
sich einer zweiten Absetzung mit Hilfe seiner ihm, wie 
er meinte, blind ergebenen Armee im Verein mit den 
Evangelischen zu widersetzen und den Frieden sowie die 
Befriedigung seiner territorialen Ansprüche zu erzwingen. 

Mitte Dezember 1633 werden die erforderlichen 
Schritte von Trzka eingeleitet. Am 26. Dezember ergeht 
die Einladung an Arnim, am 27. knüpft Kinsky durch 
Thurn mit den Schweden an. Aber das verscherzte Ver- 
trauen ist nicht so schnell wieder hergestellt. Arnim 
war durch die üblen Erfahrungen des Vorjahres sehr 



Aus den Papieren des kursächs. Gen.-Lts. von Arnim. 285 

vorsichtig, zum Unlieile des Herzogs fast zu vorsichtig 
geworden. Die veränderte Lage in Wien war ihm nicht 
bekannt. Nur mit Mühe Hess er sich zu neuen Ver- 
handkmgen bestimmen. 

Seine Antwort an Wallenstein ist sehr kühl gehalten, 
er betont, dass man auf beiden Seiten genügend und auf 
das Genaueste instruiert sein müsse, damit ohne Aufent- 
halt abgeschlossen werden könne. (No. 14 der Aktenstücke.) 

Als die Nachrichten hnmer dringender werden und 
Oberst Schlieff wie Herzog Franz Albrecht mit gutem 
Gewissen betonen können, dass es diesmal Ernst sei, ja 
als der Kurfürst selber schreibt, jetzt sei zu sehen, was 
Wallenstein im Sinne habe, es sei hohe Nothdurft, dass 
Arnim selber komme und mit ihm schliesse, „Kombt in 
Gottes Namen, ich warte Eurer mit Verlangen^)", ver- 
langt Arnim bei der Wichtigkeit der Sache die genaueste 
Willensmeinung des Kurfürsten, um nicht etwa später 
desavouiert zu werden. Es ist von Interesse aus einem 
Entwürfe Arnims zu sehen, auf welche Vorschläge des 
Herzogs in Pilsen er gefasst sein zu müssen glaubte. 
„Da ich spühren würde, heisst es, dass etwa der Herzog 
zu Frideiand von I. Kays. Mayt. disgoustirt und die 
gentzliche resolution gefaßet, sich an denselben und dem 
Hause Österreich zu rechen und sein vohrhaben wider 
derselben und den Hauß Oesterreich gerichtet, wie ich 
mich darin erzeugen sollte^)". (No. 15 der Aktenstücke). 

Von hoher Bedeutung sind dann zwei im Original 
nicht erhaltene Schreiben des Herzogs Franz Albrecht 
von Sachsen-Lauenburg an Arnim, deren theilweise Kennt- 
nis wir Kirchner zu verdanken haben und welche bisher 
von niemand beachtet worden sind. Sie enthalten die 
schwerwiegendsten Sätze. Am 4./ 14. Januar schreibt der 
Herzog: „Rächen will er sich am Kaiser, das ist gewiß, 
die Sachen sind fiex, erfahre jetzt alleweile Mehreres von 
Schlieff, der Kaiser und C hur fu erst (von Bayern) 
sollen weg etc.^*^)". Und am 18. Januar: „Ich lobe 
alles dieses, was sie thun, wäre ich aber in 
kaiserlichem Dienst, so thäte ich es in Ewig- 

ä) Kurfürst Johann Georg von Sachsen an Arnim, 11. Jan. 1G34, 
vergl. Kirchner, S. 271. 

8) Die spätere, endgültige Fassung siehe bei Ranke, Wallen- 
stein, S. .353. 

^<*) Herzog Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg an Arnim, 
4./14. Januar 1634, bei Kirchner, S. 272. 



286 Arnold Gaedeke: 

keit nicht; die saclien stehen so fiex als zu wünschen, 
es mangelt nur E. E., dass die ihm die Anleitung geben, 
wie man dem Faß den Boden vollends einstoßen muß ; er 
ist jetzt so tief darin, als er kommen kann; mit Schweden 
und Frankreich, hat er noch nichts tractirt, will sich an 
die Churfuersten halten; zu Hofe sind sie in solchen 
Aengsten, dass unaussprechlich ist, es darf von den Offi- 
zieren nunmehr keiner nach Hofe". Und schliesslich 
etwas prahlerisch und siegesgewiss: „Der Kaiser gebe 
acht auf sich, wir haben nichts zu besorgen ^^)". 

Auftauender Weise berichtet hier Franz Albrecht 
sogar, dass man dem Herzog nicht allein die Armee habe 
aus den Händen bringen wollen, sondern „ihn gar begehrt 
zu vergeben" (vergiften). 

Wallenstein gab übrigens damals selbst zu, dass er 
es nach dem, was gewesen sei, Arnim nicht verdenken 
könne, dass er so sicher in seinen Sachen gehe ^'-). 

Als dann wider Erwarten die Offiziere vom Herzog 
abfielen und die Armee durch kaiserliches Patent an 
G alias und Piccolomini gewiesen wurde, wird die Stimm- 
ung weniger zuversichtlich. 

In dem letzten Schreiben des Herzogs Franz Albrecht 
aus Regensburg vom 24. Februar werden wir durch die 
Worte „will mich vorsehen, denn sonst möchten mich 
seine Widorwertigen ertappen^'')" eigenthümlich berührt. 

Es klingt wie eine Vorahnung. Am Tage darauf 
werden Wallenstein, Trzka, Kinsky und Ihlow ermordet, 
am 29. Avird der Herzog bei Tirschenreuth von Butlers 
Dragonern gefangen genommen und mit den Leichen 
seiner Freunde von Eger fortgeführt. 



Aktenstücke. 

No. 1. [1631.J 

H. M. Thuru an Arnim (eigenhändig). 

IIooL Edler lierr Feldtmarschalkh, vielgeliebter Herr. Zue 

dießem allen, was zue der Ehre Gottes und algemainen Wolstandt 

und Einfbirung der Armen "Verfolgten und bedrängten So Gott 

glaubn und guettes gewißen erhalten, wol der Almechtige E. E. 

1') Herzog Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg an Arnim, 
18. Januar 1634, vergl. Kirchner, S. 273. 

12) Ibidem. 

'3) Herzog Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg an Arnim, 
24. Februar 1034, vergl. Kirchner, S. 278. 



Aus den Papieren des knrsächs. Gen.-Lts. von Arnim. 287 

Hende "Werk seinen. Die gehaimnus und gedankhen meines herzen 
Sein Ihr Ghfstl. Dl. eröffnet worden, hett Ich anch Sien und Meinung 
erfüllen khuennen , wolt Ich gebürlich volzogen haben. Bien von 
Ihr Churf. Dl. gnedig tractirt worden , oder umb alles was Ich ge- 
betten, wie guett nue glich es auch fhiier Ihr Dl. Ist geweßen, war 
mir abgeschlagen und dieses Vornemen Ihn Böhem ganz hinterhalten 
worden; hett mich bedunkhen laßen. Man solt Ihr Khunigl. Mait. 
angesehen haben, die Alianz so zwischen beiden herren Brüdern 
gemacht wegen guetter vertreilich Correspondeiiz nit verhalten haben, 
zue communiciren. 

Biett mein hcrr Feldtmarschalkh, er wol Heren Obersten Leite- 
nampt Stainegkher freundlich und Lieb habendt anhören, wail man 
mir es vileich nit vergunt hatt, geheime und vertrauliche Antwort 
geben. Ob Ihr Chfstl. Dl. Vorhabens sich des Khönigkreichs Böhem 
zu bemechtigen, Oder nuer auf die Granz zu ruegkhen und der 
soldadesca Ihn Contentament zu geben sich zu bereichen. Whe 
uns Erlichen Leithen, So vor der Christlich Religion so viel auß- 
gestanden, solu auf solche Avais beraubt und das schöne Khönigk- 
reich verwist werden. Hett man mit mir In diesem, Alß wie es mir 
von Ihrer Khunigl. Mait. beuelh worden, underredung gepflogen. So 
hett man auf ain solchen Formb ghen können, der Gott gefaln hett, 
Ihr Khunigl. Mait. und Ghurfstl. Dl. zur höchsten Wolffarth. Die 
Armen und Verzagten wehren zue den Ihrigen khoinen, die Gotloßen 
Landts Verrather gestrafft und die Tironnen undergedruckt. 

E. E. Ist wißent, win weitt sich Ihr Khunigl. Mait. mit Aignen 
Handtschreiben aingelaßen und versprochen ; Solt wider solche 
zuesag und Versicherung ain Widriges von E. E. Arme beschehen, 
das wiertt den Khuenig obliegen zue anthen. 

Haldt mein herr Feldmarschalkh so fhuer Christlich Erlich 
und Redlich , Er wiertt mit seinen Willen nit ain consentiren, das 
wier Verfolgte und Verzagte, so Gott treu geblieben, soln der Hof- 
nung, so uns Gott sehen laßen, selten auf solche wais endtsezt 
werden. Alspalt Ich von den herrn Antwort hab , wiel Ich zue 
Ihrer Khunigl. Mait. meinen Allergn. Khuenig verraißen. Verblaib 
E. E. getreuer Freundt Dienstschuldig 

H. M. G. V. Thurn. 

P. S. Des herrn von Rupach schreiben hab Ich auß Irthumb, 
wail es mir geben, eröfinet. Bitt E. E. umb Verzeihung. Suplicir 
auch daneben. Es wiert der Erliche Liebe herr General Wacht- 
meister z Bubna mit E. E. etwas nöttigs und vertraulichs Reden. 
Mein herr Feldmarschalkh wiertt Ihn mit Freundlichkeit und Lieb 
hörren und wie seinen aignen Herzen trauen. 

No. 2. [1632, Jan.] 

H. M. Thurn an Arnim (eigenhändig). 

HochgeEhrtter herr Feldtmarschalkh. Agentliche und gewiße 
Zeuttung hab Ich, das der Fuerst von Walstein das Generalat an- 
genommen, welches Ich urthel das es deswegen beschehen, damit 
des Kayßers Sohn nit darzue khomnie, Feldherr zue sein. Die 
Ungern sind Ihn völligen anzueg, und leicht zue gedenkhen, nit 
werden feyern. In des Feindts Landt zue ruekhen, das Ihrige zue 
verschonen, daher der E'uerst von Walstein ain guettes theils Volkh 
auß Schlesien abfordert und denselben bies auf 20000 Maun wiel zue 



?,S8 Arnold Gaedeke: 

coniiingini, Den Ungern endtgogen zu schicklien, zue (lesen haubt 
ist Ihn Vorschlag der Oberst Kraz. Auf dies ist siech auch zue 
verlassen, das übgcdachte des Keyßers General nach Tabor den Weg 
genommen und die Versamblung des Kliriegs Volckh alda halten 
wiel, und weil Ihnen den Keyserischen vieleicht ordentlicher bewuest, 
das General Tilly geschlagen und Ehr geschoßen auch wher ge- 
blieben, alß wier alhier, wie ich aus meinen Auis hab vernomen 
und darin sehen khönnen. 

Auß solch ursach wierth der Fuerst von Walstein etlich taußent 
Man, welches resoluirt nach der Tonau schiekhen, Ihr Kunigl. 
Maytt. progress so viel muglich zue verhindern. Mit den Uelierrest, 
wie groß der Ist khan ich nit vergewißen, damit er Ihn Bobem 
blaibt, wierth mir aber Ihn khur/en unverborgeu sein. Das ver- 
sprech ich aber, das der herr Feldtmarschalkh bey den Fuersten 
von Walstein Ihn großer Lieb und Gnaden, auch ein großes vertrauen 
Ihn sein Persohn gestölt ist. 

Es khoramen ghen Jiräßen so viel abgeschmahe Zeuttungen, 
so Ich Selbsten gestern gehörtt, das einem der Magen whe thuet, 
haben Ihren Ursprung von den fuernemen verschiedenen des Feindts 
Trometer auch den gefangenen, so lautter Rodomondates von den 
Feinden hörren solches unter uns zue spargiren, darauf man nit 
zue fueßen halt. 

Dies werde ich mein Allergn. Khönig bey tag und Nacht zue 
schraiben, ain wachsames Aug zu haben auf des von Walstein Volkh, 
die verhofite Vertröstung geben, das mein liochgeEhrtter herr Feldt- 
marscdialkh nunmehr auch die Versamblung des Kriegs -Volkh ver- 
ordnet und nach Verleihung göttlicher gnaden das Ihrige thuen 
werden. Where ich gesund und wolauf wuerde Ich ein Mehreres 
und außführlicher redden. Was Icli Herrn Graf Trzka werde 
schraiben, wiel Ich mein Herrn Feldtmarschalkh, wie es siech ge- 
buertt, zu leßen geben. Verbleib dienstwilig 

H. M. G. V. Thurn. 

No. 3. [1G32, Jan.] 

H. M. Thurn an Arnim, über den Inhalt eines Briefes an Terzka 

(eigenhändig). 

Herrn Feldtmarschalkh zue ersehen schickh Ich die Wißen- 
schaft zu haben, was hern Graf Trzka Ich hochnöttig achte zu 
schreiben, mit ganz runden und khnrzen wortten. 

Dies was durch herrn Graf Trzka auß geheis und befelich 
dem herrn Raschln anbeuohlen und ohn das gebuerende Orth referirt 
worden, hab Ich zuer Verwunderung Ihn l'rag von herrn Gräften 
vermerkht sein guettes gedachtnus, das er sich nit allein zue dem- 
selben bekhent, sondern auch etlicher Sachen sich erinert, so der 
Obgedaclite Raschln vergeßen. 

Der herr Graf hat auch guette und gleichsamb gewiße Ilofnung 
geben, das .die ansehliche l'ersohn [Wallenstein] Ihrer Zusag und 
wortt nit vergeßen wiertt, sondern denselben ain geniegen thuen, 
dabei angehengt, wen da ain Mangel solte erscheinen, das doch der 
herr Graf wolte das seinige thuen; unot die außfuehrliche wortt zu 
verzellen. Nuen begher Icii nichts mher alß wahres Ja oder Nein 
zuer Nachricht; Gott wierth sein vorgesetztes Werkh außfhueren, 
das khan weder Teufel noch sein Anhang wehren, man khan zuem 
segen Gottes oder Fluech greiffen. 



Aus den Papieren des kursächs. Gen.-Lts. von Arnim. 289 

No. 4. [1632. ?] 

IL M. Timm an Arnim (eigenhändig). 

HochgeEhrter herr Feldtraarsclialkli neben Wunschung eines 
glücklichen fröhlich Morgen auch Erbittung einen freundtl. Dienst. 
Wundt mich nit, das mein herr Feldtmarschalkh sich in das ver- 
dunkelte schreiben, so an herrn Graf Terzska, siech nit baldt hett 
fienden khönnen, den es aber angeth und siech khan erinern, was 
er Ihn Namen des principals [Wallensteins] gereth und tractirt, auch 
fbuer seine Persohn selbst zu Prag muentlich versprochen In bei- 
weßen Herrn z Bubna, und herrn ßaschin. Mein herrn Feldt- 
marschalkh desto bößer darin zue helffen, ghe Ich denselben auf- 
recht und redlich untber die Augen unverborgen, das Trczka starkhe 
unzwaitiiche Hofnung geben, der principal werde Ihn seinen hohen 
Versprechungen nichts ermangeln lassen, Er bette kein anders 
mittl gehabt, derselb Herr, alß die sach auf solchen Weg zu richten, 
die Arme an sich zu bringen. Er wberde siech starkh genueg 
machen, Ohu ainige hielf die sach also außzufhueren. Auch diese 
Wortt vermeldt, wen ja der principal nianeoireu solt, So wol er 
abdankhcn bey dem Keyßer undt zue unserer Parthei tretten, unot 
alle Umbstendt zu verzellen. 

Daher hab Ichs fhuer hochnöttieg erkhendt diese verblimbte 
herrn Trczka aber m'oI bekannte Prag aufzugeben , was man siech 
zue versehen, ob sie Ihn der Warheit stehen wollen, aber Hünen 
selbst den scbandttlekh anhenkhen, der Treu und Ervergeßenheit, 
welche Gott nimmermehr ungestrafft wiertt laßen, Ohn Ehr Guett 
Leib und Leben. Sein sie Feindt, so khan man sich darnach 
richten, Bleiben sie Freundt, so werden sie es genießen. Bey dießer 
absendung hab Ich guettes Mittl von allerlei guette und gruntliche 
Anis zu bekhomen, Mein herrn Feldtmarschalkh alles treulich zue 
offenbabren. Bedankh mich auf das allerhöchste, das E. L. Ihr 
Churf. Dht. mein gnedigsten Hern wollen die gerechte und billiche 
sach des Herrn Raschln auf das püst vortragen, daher Ich nit kan 
zwaifeln, das dero hocliansebliche Autoritet und gerechte sach solte 
nit gewerlichen bescheid erlann;en, Bitte mein herrn Feldtmarschalkh 
mich damit zu Erfreuen. Verbleib mit dienstbetlißenen herzen ganz 

willig • H. M. G. V. Thurn. 

>'o. 5. [1632.J 

Kurfürstliche Attestation für Arnim (Original). 

Der Durchlauchtigste Hochgeborene Churfuerst zue Sachßen etc. 
etc. erklehrct sich hiermit, daß S. Cb. D. sich gantz woU erinnern, 
wie sie ungefehr den 12 Octobris verwichenen 16.31 Jahres Ihren 
Rittmeister Fr. Wilh. Vitzthumb von Eckstadt aufgetragen, dero 
Feldtmarschall Hans George von Arnimb zue hinterbringen, daß 
Ihr Churf. Durchl. ernste Befehlicb, daß er sich alsofort, wan er 
die öhrter in der Oberlaußnitz besetzet, mit den üeberrest der armee 
nach dem Königkreich Böhmen wenden, daßelbst aller mugklicbkeit 
nach sich bemühen soll, damit die besten päße und wollgelegene 
örter er sich lieniächtigen könne, dieselbe woll besetzen undt zue 
Ihrer Churf Durcbl. Dienst manuteniren undt erhalten, undt dießem 
allem unsaumblichen, wie einem getreuen Diener solliches woll 
anstehet, mit fleiß nachkommen soll. Weil er dan nun diesem also 

Neues Archiv f. S. G. n. A. VJI. 3. 4. 19 



290 Arnold Gaedeke: 

gehorsamblich nachgelebet und der vielgütige Gott zue seinem Vor- 
nehmen glücklichen snccess verliehen, wollen wihr ihme, so deßwegen 
ihm etwas anderes solte imputiret und beygemeßen, oder einige 
gefahren zugefüget werden, in allem gnedigsten schütz leisten, 
Uhrkundtlichen haben wihr dieses zue seinem gezeugknusse und 
Sicherheit mit eigenen banden unterschrieben. 

Johan George Churfürst. 

No. 6. [1632.1 

Arnim an Wallenstein (Concept, ei()enhändig). 
Durchlauchtigster Ilochgebohrener Fürst. E. f. gn. Seind meine 
untertenige und gehohrsambste Dienste beuohr, gnediger Her. 
Ich habe mihr nicht allein zum öfteren erinnert, Waß E. f. gn. 
(mit mihr zu Caunitz geredet, durch den heren graflf Tirtzka wider- 
holet, undt entliche auff I. Kay. May. allergnedigsten befehligk)") 
zu anfangs Selbsten persohnlicn und heruacu durch den heren Graff 
Tirtzka mit mihr vertraulich communiciren laßen, entlich ferner 
auf expressen befelig I. Kay. May. mitt mihr geredet. Sondern mich 
auch darüber erfreuet, daß dieselben zu wiederbringung einer alge- 
meinen und sicheren ruhe im hl. Römischen Reiche so sorgfeltig, 
Wodurch den auch gewiß E. f. gn. sich einen unsterblichen rühm 
bey der posteritet zu wege bringen würden. Weil den die liebe 
zum Vaterlande mich dazu dränget, anebenst den vielfeltigen gnaden, 
so zuvohr dißen von E. f. gn. Ich entpfangen mir erinnert, so be- 
zeuge Ich mitt gott, wie hoch begierig ich gewesen, E. f. gn, loeb- 
liche und tapffere Intention so wil meiner Wenigkeit nach Ich dabey 
tuhn kann, hette secundiren wollen. Wie sinistre es aber aufge- 
nommen, vleicht auch von ezlichen malitioso gedeutelt, wirdt E. f. gn. 
woll bekant sein, weßwegen ich genotdrenget, mich des Werkes 
zu eußern und durch vieleley wege der boßen nachrede und argwöhn 
zu entbrechen, daß sollte nuhn auch ferner mich billig noch zurücke 
halten, allein Ich sehe, daß unter dem praetext anmutige practica 
einer algemeinen freiheit in gewißens und weltlichen sachen sich 
mechtige interponenten finden, deren actiones von diesem Scopo 
sehr weit aboriren. Da E. f. gn. nuhr nachmalen bey ihrer vorigen 
resolution verbleihen, würde Ich mich sehr glücklich schetzen, (alle 
daßienige waß dazu undt zu E. fürstl. gn.)"). 

No. 7. [1033.1 

Arnim an Wallenstein (Concept, eigenhändig). 
E. fürstl. gn. Seindt meine untertenige gehohrsame Dienste 
bevohr. Gnediger Her. Waß E. f. gn. des Stilstandes halben 
zwischen der Kaiserlichen und Cuhr Sächsischen armee bey mihr 
vohr Erinnerung getahn, habe S. G. I). meinen gnedigsten Herrn 
Ich alsofort verlesen laßen. E. f. gn. seindt meine wenigen ge- 
dancken hirin zulir genüge bekant, vermagk dal)ey aber nichts mehr 
zu tuhn, alß so weit meinen rationibus Staat gegeben. Dieweyll den 
nuhn I. C. D. Erklerung nochmalen darauf beruhet, es bey deme, 
weßen sie gestriges tages sich kegen dero geheimbte rehte in dißen 
puncto erkleret, verbleiben zu laßen, hat voher dißmahl weiter 
nichts bey derselben können erhalten werden. Were es aber noch 

") Die eingeklammerten Worte sind durchstrichen. 



Aus den Papieren des kurfürstl. Gen.-Lts. von Arnim. 291 

müglich, daß die Kaiserlichen herrn subdelegirten zur subscription 
der abgeredten puncten zu disponiren, Ob es gleich mit dem reservat 
das es alles zu beiderseitg hohen principalen ratification außgesetzt, 
geschehe, wollte Ich hoffen, I. C. D. wurden sich doch noch entlichen 
zu einem anderen bewegen laßen, etc. 

No. 8. 1633, Jnli 9. 

Oallas an Arnim (Original). 

Wohlgeborner Herr Herr, Insonders hochgeehrter Herr General 
Lieutenant. E. E. Schreiben habe ich durch gegenwärtigen Trom- 
peter zu recht empfangen, und seines Inhalts zu Gnügen vernommen, 
auch davon I. F. Gn. Herrn Generalissimo Herzog zu Meklenburg, 
Friedland etc. gebürende unterthenigste relation gethan. So viel 
nun den Stillstand der Waffen betrifft, wollen I. F. Gn. es bei dem 
beruhen lassen, was bereits geschrieben ist, haben mir daneben in 
Gnaden aufgetragen und anbefohlen, E. E. Dero fürstlichen Gruss 
zu vermelden, und obwohl die tractateu ihren Fortgang nicht er- 
reicht, sie nichts desto weniger nach als vor dero guter Freund 
verbleiben thäten. Welches E. E. ich also hiemit zu Wiederautwort 
unangefügt nicht lassen sollen, und verbleibe Ihro daneben zu all 
angenehmer verraögsamer Diensterweisung vorderst erbötig und 
bereit. Dat. im Feldlager bei Schweidnitz den 9. Juli A, 1633. 

E. E. dienstwilliger Knecht 
M. Gallas. 
No. 9. [1633.] 

Arnim an Wallenstein (Concexit^ eigenhändig). 
Durchlauchtiger hochgebohrener Fürst. Gnediger Her. Waß 
E. f. gn. in einem und andea'n vertraulich mitt mihr communiciret, 
auch S. Ch. D. zu Sachßen meinem gnedigsten herrn untertenigst 
zu hinterbringen begeret, dehme Bin ich also nachkommen. Habe 
zwahr S. C. D. zu anfangs wegen des schleunigen Überfalles und 
übler proceduren des H. felttmahrschalcks Holeken sehr alterirt 
gespühret, Wie Ich aber derselben E. f. gn. loebliches anerbieten 
referiret, Sie auch auß den effect, daß daß Kaiserliche Volck auß 
dero lande wider zurücke gangen, den Ernst in dißen Sachen ge- 
spühret, haben Sie sich solches wolgefallen laßen, vermerke auch 
soviel, wan ich nuhr vom H. Reichs Cantzler Ochsenstirn wieder 
zurückgekommen und deßen gedancken hierin vernomen, daß es 
keine große difficultet haben werde, sondern woll deme, waß wegen 
der einigung der Armeen und sonsten von E. f gn. vohrgeschlagen, 
seinen effect auff gewiße maße erreichen mochte. Dieweil aber der 
H. Reichs Cantzler noch nicht so gahr nahe dieser örter, befürchte 
Ich meine Zurückkunft sich umb ein tagk oder etzliche langer alß 
abgeredet beverweilen dürffte, zweiffie nicht E. f. gn. sich solches 
nicht widerlich werden laßen, Insonderheit Wan meine guete Ver- 
hoffen alle Sachen zum gueten Ende gerichtet. 

No. 10. [1633 August.] 

Gallas an Arnim (Original). 

Wohlgeborener Herr Herr, Insonders hochgeehrter Herr General 

Lieutenant. E. E. Schreiben haben der herr Generalissimus zu recht 

empfangen, undt daraus dero intention sowol die zu Papier gesetzte 

Puncten alß vorhabende rayß betreffendt mit mehrerem verstanden. 

19* 



292 Arnold Gaedeke: 

Aldieweile dan liochgedachter I. F. Gn. wegen Ihres conti- 
nuirenden podagrischen Zustandts selbst zai schreiben nicht ver- 
mögen, nndt dahero mir die gehörige antwort darauf zu fertigen 
befohlen, Alß soll E. E. ich disem zn folge unangedoutet nicht 
laßen, daß so viel die vohrgeschlagene puncta anlanget I. F. Gn. 
E. E. iiitention, daß Sie dieselben zu Papier bringen wollen, auß 
angeführten motiven vor guet und löblich befinden, und versichere 
Sie hingegen, daß, waß von Ihrer Seyten theilß selbst persönlich, 
theilß durch mich abgeredet worden, demselben unfehlbar nachk- 
gekoniben und gewürige würkliche folge geleistet werden solle. 
Daß aber zu maturirung dißes hocliangelegenen Werks E. E. sich 
ohne Verzögerung auf die rayß zu begeben Vorhabens, thun I. F. Gn. 
derselben hierzu viel glück verwüntschen, undt Ich vor meine 
Persohn verbleibe E. E. zu erweisung beliebiger Dienste stets 
willig. E. E. Dienstwilligster H. M. Gallaß. 



No. 11. [1633.1 

H. M. Thtirn an Armin (eigenhändig). 

Hoch p]dler herr General Leutenanipt. Was Ich gegen Euer 
Excelenz gemelt hab, was die ührsadi das nit nominirter sthett In 
der verfasten scbrift't Kiiunigkraich Frankhraich und Schweden auch 
Holondt, das khan Ich noch in meinen Herzen nit guet noch sicher 
befinden, Es wierth aucli khunfftig übel gedait und verstanden 
werden. Den weil es aufrichtig, redlich und wol gemaint ist, sol 
man desen khein scheuch sorg und furcht haben. Die ersten ge- 
dankhen, so der General issimo Herzog von Friedlandt gehabt, seindt 
dießc geweßen und glaub noch Ihn dem Herzen, siech Frankhraich 
und Schweden zue endtschlagen, siecli mit baiden Churfürstl. Dunli- 
leichtigkheitten Armeen zue coniungirn und das Römisclie Keich 
Ihn vorigen standt zue seezen, daraus der schlnes zue machen. 
Schwedischen coniunction heraus zu waißen und Frankhraich die 
Thuer zu waißen. Ob nun das zue einem algemainen guetten 
Frieden gelangen wiertt, das wuerth die Zeit mit sich bringen, das 
wier auß den Reif Ihn Sehne fiellen. 

Was gegen Ihr F. Gn. herr Feldtmarschalkh herr Graf Schlickh 
gereth, Ist aines Tlions; Dir f. Gn, haben schön und anschlich 
geantwortet; Gott mieste strafien, wen man ain solches Scliemlmb- 
stuekh ohn Schweden erweißen wolt, deren Khnenig sein Bluedt 
hatt vergoßen, dem Römischen Reicli zu helflfen. Wie lobwirdig 
Euer Excelenz auf solchen schlag gereth, Ist unoth zu repetiren, 
laß es aucli darbai verbleiben. Es ist gar zue generaliter gesetzt. 
Die Churfuersten sampt den alienirten Ihr Churf. D. in Sachßen 
haben siech noch so dick nit verknuepft mit dem Khönigraich 
Schweden und mit Frankraich und Holondt siech nichts aingelaßen 
wen ain löblicher Herr nit wolle auf (jott das Euamgelische und 
Wolstandt des Algemainen sehen, khöntte siech wol loßwirkhen, 
desen gluekh Lol) uiul wolfarth wurde schlecht sein. 

Dießes khöntte und wurde Chur Brandenburg nit thuen wollen 
und khönnen. Die Welt lobt Ihn sospeti respeti et dispeti, Ich 
auch nit so eloquent bien, dieße sach ainzubilden das es treulich 
und ungeferlich von der andern Seithen gemaint ist. Euer Excelenz 
khienens aber durch Ihren von Gott hochbegabten verstandt, die 
sach wol Ihr Excelenz hern Reichs Cauzler allen scrupel benemen 
und on main maßgebung den herrn französischen abgesandten con- 



Aus den Papieren des kursächs. Gen.-Lts. von Arnim. 293 

tentaraent geben. Der 70jährige Man Ist außgeschloßen auß ainer 
untichtig ursach des schraibens, Ist es Ihn solcher importanz, so 
darf der 50 jährige nit schonnen ; beßer die Räch ergehen laßen, 
jez alß khuenft"tig. Herr General Wachtmeister z Bubna geschieht 
gerath so vieler und grues alß mir, der siech desen nit lamentirt. 
Ich wiel Euer Excelenz vor aller weldt mit Mundt und meinem 
leben vertheidigen, das sie es euffrig herzlich und vernuniftig die 
sach gefhirt, und das der stilstant unumbgenglich geschehen mueßen. 
Khonnen Euer Excelenz nuer in dißen, was ich monir, helffen auß 
seiner dexteritet, haldt Ichs fuer guett. Verbleib Euer Excelenz 
dienstbeflißener mit treuen H. M. G. v. Thurn. 

No. 12. [1633.] 

H. M. Thurn an Arnim (eigenhändig). 

Hoch Edler Herr General Leitenampt. Gott Segne Euer Ex- 
celenz hende Werkh. Schiekh das, was sie begert haben. Das 
Creditif Briefl, so Herr Ragozi geben, Ist khuerz doch krefftig Wortt, 
Eurer Excelenz woUens leßen, der Abgeordente wahr ain tapferer 

Soldat, auch Ihn vielen tractaten geprauchet, auch Jezundt zu , 

mit dem Kayßer vorgangen. Die üngrische hielf khombt unfelbar. 
So Gott dies Jez vorgehende Werkh versigeldt, So wher es unnott; 
doch von fragen verlirt man nichts, wie man sich darin verhalten 
sol, den Ihr Anzueg kan on Leith und Leith verderben nit abghen, 
was Ihr f. gn. d. Generalissimo darin fhier guedt ansehen. Ob 
man wol Ihrer hielf wie Ich darfier haldt nit bedai-f. So mießen sie 
doch Ersucht werden, Ansehliche gesandte sicherlich durchzubringen, 
damit sie als Confoederirte den tractaten khöntten beiwohnen, Ihr 
Gluekh und wolffardt helften zun guettem Endt zu bringen und Ihn 
die desiderirte Alianz mit Frankhreich, Schweden, Churf. Durch- 
lechtigkeiten, dem Römischen Reich siech mit ainzuverleiben. Weil 
mich alß ain Bevolmachtigung dem guetten Rath und Willen noch 
Ihn die sach zu schickhen wißen, Biett Euer Excelenz bei solcher 
presentirter ocasion mich Ihr f. d. dem Generalissimo auf das schönste 
bevelhen Euer Excelenz dienstbeflißener mit treun 

H. M. G. V. Thurn. 

No. 13. Liegnitz, 1633 Sept. 1. 

H. M. Thurn cm Arnim (Original, eigenhändig). 

Hoch Edler Herr General Leutenampt. GeEhrtter geübter herr 
und freundt. Von Euer Excelenz hab Ich 2 vertrauliche Briefl 
empfangen und alles, was Sie darin begeren, Erkehne Ich mich 
schueldich. Wen Euer Excelenz auch Ihr F. G. Paß ertheillen, so 
solen und mißens die Schwedischen nit dificultiren; was aber ain 
Capitan auf den Sandt sol gereth haben , der wierth Citirt gehört 
und judicirt werden, die execution sol folgen. 

Die Walischen haben ein Sprichwort Servir e non agradir c'e una 
cossa de morir. Wie treulich herzlich und Eifrig wolbedechtiglich 
Euer Excelenz die sach geführeth, Ist Gott bewuest, und vor der 
Weldt wiel Ich es rbuemen. Der Stilstand wierth von den Einfel- 
tigen, alß man mir gesagt, übel verstanden. Ich hette mich Euer 
Excelenz Comando ganz undterworffen und angenomen worden. 
Bekehne es mit Lieb vertrauen und gutte afection, Trost mich des. 



294 Arnold Gaedeke: 

das Gott den Sachen einen solchen anßschlag wiert geben, das der 
stilstandt wird geriral)t, das Werkh gelobt und der, so darin gcarbeit, 
gelibt werden. 

Verbleibe Euer Kxcelenz dieststhuldig mit trenn 

Lignicz den 1 September 1633. H. AI. G. v. Thurn. 



No. U. I1634.J 

Arnim au Wallcnstein (Concept, eigenhändig). 

E. fürstl. gn. Seindt meine untertenige undt gehorsame Dienste 
bevohr, gnedigster Her. Daß E. fürstl. gn. zu anfaßung eines be- 
stendigen aufi'iclitigen undt cliristlichen friden gute? vertrauen 
wiedernnib aufgerichtet uii<Uer Vohrhauung aller gefohrlichen niachi- 
nationen damit dem verderblichen Kriege gesteuert und dakegen 
das Reich wiedernnib in sicJiere Ruhe gesetzet werden mochte vorige 
fridens tractaten nicht allein zu reassutniren sondern nach muchlig- 
keit zu maturiren gemaiiiet, dcßen erfreue ich mich, undt ist nicht 
zu zweiffein, daß der vielgtitige Gott solchen getreuen eifer sich 
wirdt in gnaden gefallen lassen und dazu solchen succurs verleihen, 
daß E. fürstl. gn. zu derselben loeblichen Intention und ihrer ge- 
treuen Vohrsorge halben einen unsterbliclien rühm bey der posteritet 
davontragen werden , welches E. fürstl. gn. zu dießem angehenden 
Neuen Jahre Ich von hertzen wil gewünschet haben. 

Wie nun eines jeden getreuen patrioten Schuldigkeit erfordert, 
E. fürstl. gn. , nach muchlichkeit, liierin an der handt zu gehen, 
So wiel ich auch meines teiles daliin eußerst bemühet sein , damit 
durch keinen merklichen Verzug dießes heilsahme Wergk gesperret, 
wie denn zu dem Ende aufl' S. Cahrfstl. gn. zu Sachßen meines 
gnedigstcn Herrn P>laubnuß Ich mich alsofort auf den Wegk zu 
E. fürstl. gn. gemachet. Allein sehe ich gerne daß man beiderseitz 
Cubrfstl. mit solcher intruction erscheinen mochte, damit bey den 
tractaten keine fernere Information oder Weiter Erholungk Ihrer 
1). D. befeligk von noten, sondern ohne langen aufenthalt zu dem 
gewünschten schluß desto eher gelanget werden knnte. Weßwegen 
dem also hochnötig befunden mitt S. Cuhrf. I). zu Brandenbnrgk 
dieße sache grüntlich zu commnniciren, womit vor nichts gestehmet 
werden soll, In deßen S. fürstl. gn. herr Felltmahrschalkh vermocht 
dieße reiße zu E. fürstl. gn. auf sich zu nehmen undt hievon sat- 
sahmen bericht zu tnhn. VerhofTe K. fürstl. gn. ilirer beywonenden 
hohen discretion nacli sell)sten befinden werden, daß dießes zu 
schleunigster Vortsetzung des Wergkes gereichet, und den Verzug 
von mir nicht ungnedig vormerken werden. 

No. 15. flß34.] 

Entwurf zu einer Anfrage Arnims an den Kurfürsten von Sachsen 

f eigenhändig). 

Ob vohrdessen, ehe der anfangk zu den tractaten gemacht, Ich 
von dem herzöge begehren sollt, mihr die Volmacht von Ihrer Kays. 
Mayt. vohrzuzeigen. Da ich aber vernehme, daß dieselbe 
nicht vorhanden oder der Herzog in seinem Nahmen 
tractiren wollte, wie Ich mich in deme zu verhalten; 



Aus den Papieren des kursäclis. Gen.-Lts. von Arnim. 295 

Wan der Herzog zu Fridland limitatam potestatera tractandi, 
Er aber darüber schreiten auch edtwas anders, alß die h. Rehte 
sich vergleichen konten, mit mihr schließen weite, wie Ich mich 
darin zu verhalten; 

In Fall er aber gantz keine Vollmacht, sondern vohr seine 
persohn tractiren wollte, waß alß dan zu tuhn; 

Da ich spühren würde, daß edtwa der Herzog zu frideland von 
Ihr. Kays. Mayt. disgoustirt, (und die gentzliche resolution gefaßet 
sich an denselben und dem Hauße Oesterreich zu rechen)^'*) und 
seine vohrhaben wider denselben und den Hauß Oesterreich ge- 
richtet, Wie ich mich darin erzeugen sollte; 

(Wan ein schluss geraachet, Ob ich denselben zuforderst S. 
Cuhrf. D. zu verlesen überschicken oder wan er meiner Instruction 
gemeß erhalte Ich nuhr alßballt vollnzihen dorffte; 

Ob Ich darauflf zu bestehen daß der herzog zu fridelandt sich 
verobligiren sollte die ratification von Ihr. Kays. Mayt. und den 
Catholischen zu verschaffen) ^^); 

Wie man sich der Obligation zu vergleichen, daß beider 
parteyn consens und ratification herauß gebracht. 

ündt da er sich erbieten würde, solches, wo es anders nicht 
geschehen koute, mit Gewalt der Waffen zu erzwingen und dakegen 
S. Cuhrf. D. wider alle diejenigen, so sich dem Vergleich opponiren 
wollten, sich zu einem gleichen zu obligiren suche, wie weitt hierin 
zu gehen. 

(Wan er vleicht begehrte, daß bey den Evangelischen zufor- 
derst die Einwilligungk heraußgedrungen und, da die außwertigen 
sich opponiren würden, dieselben auß dem Reiche geschafl't werden 
sollten, Ob nicht viel mehr auf dießer seite darauff zu 
bestehen, daß der Catholische Consens zum ersten verlanget 
und alß dan) 15) 

Bei wehme zuforderst auff der approbation zu dringen und, 
da er abermahl begehren würde die frembde auszuschaffen, Ob nicht 
darauff zu bestehen, daß erstlich der Catholische Consens erfolge. 

No. 16. [1634.J 

Aus dem Verzeichnisse des handschriftlichen Nachlasses des Herrn 
Feldmarschalls in kaiserlichen Diensten Johann George von Arnim. 

B. Militaria lö). 

14. Jauuar. Franz Albrecht Herzog zu Sachsen an Arnim. 
Der Herzog von Friedland, welcher vom Kayserlichen Hofe verweise 
erhalten wegen Regeusburg, daß er solches nicht entsetzet, ist mehr 
als je geneiget des Churfürsteu Wünsche zu genügen, will sich 
an dem Kaiser rächen und beabsichtigt auf Berlin zu mars(-hieren 
um mit dem von Arnim Unterredung zu halten. Franz Albrecht 
will den Versuch macheu vom Herzoge von Friedland die Heraus- 
gabe von Frankturth und Wuerzburg zu erlangen. Schließlich wird 
dringend um die Rückkehr von Arnim gebeten. 

17. Jaunar. Abschrift eines Schreibens des Franz Albrecht 
Herzogs von Sachsen an den Churfürsten von Sachsen, üebersendet 
eine Erklärung von mehreren Kayserlichen Staabs-Officieren, welche 

15) Die eingeklammerten Worte sind durchgestrichen. 
1^) Ich füge au dieser Stelle ein kurzes Stück des zweiten 
boitzenburger luhaltsverzeichnissea des Jahrea 1634 (oben S. 279) bei. 



296 Arnold Gaedeke: Ans den Papieren des Gen. v. Arnim. 

sich vereiniget haben, sobald der Herzog von Friedland durch die 
wider ihn erliobenen Kabalen sich genöthiffet sehen sollte, das 
Commando niederzulegen, ihn nie zu verlaßen, sondern treulich 
bei ihm auszulialten. 

18. Januar. Herzog Franz Albrecht an Arnim, erzählet dem- 
selben die Vereinigung der Kayserlicheii Offiziere wider die Ab- 
setzung des Herzoges von Friedland und wie überhaupt die Sachen 
mit ihm stehen. 

29. Januar. Herzog Franz Albrecht aii Borgsdorf, giebet 
Nachricht vom guten Stand der Sachen ferner daß man den von 
Arnim sehnlichst zurück verlange und daß er selbst am Fieber 
erkranket seye. 

2. Februar. Herzoe Franz Albrecht an Arnim, berichtet wie 
er beim Herzoge von Friedland in Pilsen sehr freundlich empfangen, 
denselben Tag aber am Fieber erkranket ist. 

8. Februar, Herzog Franz Albrecht an Arnim, Yersicherungen 
wie sehnlich er in Pilsen vom Herzoge von Friedland und Grafen 
Tertzky erwartet werde, Versicherung vom guten Stande der Dinge, 
ferner -Nachrichten wie übel Wallenstein beym Kayserlichen Hofe 
angeschrieben und dringendste Bitte um schleunigste ankunft des 
Generals in Pilsen. 

18. Februar. Franz Albrecht an Arnim, Herzog von Friedlandt 
wünschet immer dringender die Ankunft des Generals; Altringer 
ist von Friedland nach Pilsen berufen, derselbe weigert sich jedoch 
zu kommen, weshalb Gallas ihm entgegen gesendet, Deodati ist 
ohne Befehl nach üesterreich mars('hierct, Friedland hegt Misstrauen 
gegen Piccolomini, Es zeiget sich, daß nicht alle es mit der Partei 
des Friedlandt halten. Friedlandt beabsichtiget sich bei Prag zu 
concentriren. Er wünschet, dass von selten Arnims einige tausend 
Pferde an der böhmischen Grenze gesammelt werden, um dem Herzog 
im Nothfall kräftig unterstützen zu können. Hatzfeld und Colloredo 
sind von Friedlandt, weil er sie nicht trauet, al)berufen und dem 
SchaÖ'gotsch das Commando übergeben und demselben befohlen 
worden, sich in der Mark und Schlesien zu überzeugen, wer es mit 
ijim hält. Friedland beabsichtiget ernste Fehde allen denen, welche 
es mit dem Altringer halten. Friedland hat Franz Albrecht be- 
stimmt zum Herzog Bernhardt zu reisen um auch diesen zu ge- 
winnen. Friedlandt bittet, daß die Sächsische Garnisonen in Schlesien 
mit Schaflfgotsch in gutes Vernehmen treten möchten. 



XII. 

Die einstigen Malereien in der Augustusburg. 

Von 

C. Freyer. 



Wer die infolge ihrer eigentliüniliclien I^age an den ver- 
schiedensten Orten des Sachsenlandes sichtbare Augustus- 
burg in ihrer leidlich erhaltenen äusseren Gestalt und 
ihrem grenzenlosen innern Verfall näher kennen gelernt 
hat, mag wohl fragen, was einst nach ihrer Erbauung 
(1568 — 72) reichlich anderthalb Jahrhundert lang Tausende 
und aber Tausende von nah und fern zu ihrer Besich- 
tigung herbeizog, warum kein gelehrter Reisender sie 
unbesucht Hess, wodurch das kurfürstliche Schloss „der- 
massen erhoben war, dass es seinesgleichen ausser Dressden 
fast nicht im Lande hat". Gewiss war der auf kahlem, von 
allen Seiten sc) i wer zugänglichem ßergesgipfel an Stelle 
der 1547 durch Blitzschlag zerstörten kursächsischen Burg 
Schelleuberg^j in noch nicht 4 Jahren errichtete Bau, der 
alle Kräfte der Gegend nordwärts bisRochlitz, südwärts bis 
Schwarzenberg angespannt"') und den geschäftlichen Ruin 
des treuverdienten, hochbetagten Meister Lotter aus Leipzig 
mit herbeigeführt hatte, an sich schon der Bewunderung 
werth. Avich der auf dem Berge befindliche, 85 Lachter 
(ca. 170 m) tiefe, grösstentheils in „überaus hartes Gestein" 
getriebene Brunnen mit seinem reichen Wasservorrath 



1) Als Reichslehen war dieselbe am 5. April 1324 an den Mark- 
grafen Friedrich von Meissen gelangt; vergl. die Lehensurknnde des 
Königs Ludwig IV. von diesem Datum, Or. im H. -St. -A. Dresden 
No. 2304. 

^) Baugeschichtc in dem unten zu erwähnenden Manuskript 
M. Hermanns und bei Wustmann, Lotter (Leipzig 1875). 



298 C- Freyer: 

und den ungeheueren Kosten seiner Herstellung — 72 000 
rhein. Gulden — forderte das Staunen der Fremden 
heraus, vollends wenn sie vernahmen, wie zwei andere 
kostspielige Versuche, das edle Nass von den nahen Wald- 
kirchener Höhen und aus der Zschopau auf den dürren 
Felskegel zu schaffen, vergeblich gewesen und auch der 
dritte nur durch die zäheste Ausdauer des Brunnen- 
meisters ■^), der schliesslicl» mit eigenem Gelde fortarbeitete, 
gelungen sei. Dazu veranlasste der patriotische Sinn und 
die Liebe zum angestammten Herrscherhause viele Sachsen, 
die Stätte zu schauen, wo ihre Fürsten, voran der all- 
verehrte „Vater August", Monate liindurch weilten, um 
sich von den Regierungsgeschäften zu erholen und dem 
edlen Waid werk obzuliegen. Bergesluft, Waldesduft, köst- 
liche Rundsicht auf die blauen Höiien und blühenden 
Thäler des Erzgebirges pflegte man damals auf dem 
Schcllenberg noch nicht zu suchen. — Aber eben die in 
der Augustusburg gehaltenen Hoflager ^), davon das längste 
und glänzendste unter Johann Ueorg I. vom 28. August 
bis 22. Oktober 1651, schon der vom Erbauer August 
im April 1567 an seinen Schösser „uffm Schellenpergk" 
erlassene Befehl, dass „zur Zierde des Landes" ein neues 
Schloss erbauet werde, lassen vermuthen, die innere Aus- 
stattung des letzteren werde der grossartigen äusseren 
Anlage entsprochen haben. Jene war es niclit zum 
wenigsten, welche weit und breit von sich reden machte 
und dem Kaiser Maximilian H. die Äusserung enth)ckt 
haben soll : er könne nicht sagen , dass dieses Haus an 
Zierden, so einem Fürsten, ja wohl Kaiser und Könige wohl 
anstehen, in etwas, auch im Geringsten, mangeln könne. 
Oft ist beklagt worden, dass keine vollständige zu- 
verlässige Beschreibung des Innern des Schlosses aus 
seiner Glanzzeit vorhanden sei. Mit Recht, denn die 
Wohnung samt ihrer P^inrichtung bildet das Kleid ihres 
Insassen, in dem sich sein Geist und seine Art, Sitte und 
Bildung seiner Zeit ausprägt, sonderlich dann, wenn er 
in der Ausschmüciiung weder durch Rücksicht auf die 
erforderlichen Geldmittel beschränkt, noch durch das stete 
Anschauen fal)rik- und schab lonenmässiger Erzeugnisse 
von Kunst und Handwerk in seinem Geschmack beein- 



3) Der Name ist nicht sicher festzustellen. 
*) Journale hierüber tuid über alle Hofgottesdieuste in einer 
Matrikel des alten Schelleübeiger Pfarrarchivs. 



Malereien in der Augustusburg. 299 

trächtigt ist. Von einem Charakter, wie Kurfürst August 
war, bei seiner Sorge für das Kleine, sogar Kleinliche, 
die den Baumeister so vielfältig hemmte, dürfte man er- 
warten, viele Züge seines Bildes in seiner toten häuslichen 
Umgebung wiederzufinden, noch dazu in jenen Tagen, wo 
das Familienleben ganz anders gefestet war denn jetzt, die 
Heimstätte eine weit höhere Bedeutung besass, das greif- 
bare Geräth und sichtbare Bild vielfältig die Stelle der 
abstrakten Schrift und des blassen Gedankens vertrat. 

Beschäftigt mit Nachsuehungen zur Geschichte Schel- 
lenbergs fand Verfasser bereits 1879 zu seiner Freude im 
alten Pfarrarchiv gedachten Ortes ein dreibändiges Manu- 
skript eines gelehrten Vorgängers, des Schlosspredigers 
M. Ernst Hermann (f 1732), betitelt: Chronicon Augusto- 
burgense, das ist Augustusburgische Chronik und Be- 
schreibung des Kurf. Sachs. Jagdhauses Augustusburg — 
sicher eine Frucht Jahrzehnte langen Fleisses, vollendet 
1725, gewidmet dem König August H., der dazu die 
Erlaubniss mündlich gegeben und die Förderung des 
Druckes versprochen hatte. Warum letzterer nicht erfolgte, 
lässt sich nicht mehr ersehen. Vielleicht erschien das 
„Büchlein" von 243 eng beschriebenen Bogen iür den 
beabsichtigten Zweck doch zu umfangreich. Genug — 
die Schrift blieb wenigstens glücklicherweise erhalten. 
Dass sie die einzige Darstellung eines Augenzeugen von 
dem ist, was einst die Räume des Schlosses während 
dessen grosser Zeit zu sehen gaben — der siebenjährige 
Krieg machte allem Glanz für immer ein Ende — ver- 
leiht der Arbeit ihren Werth'^). Unter Benutzung dieses 
Manuskripts und anderweiten Materials aus alten Akten, 
Kirchenbüchern und dergleichen entstand durch Schreiber 
dieses bald ein neues Werkchen über die Augustusburg 
und ihre Geschicke bis auf die Gegenwart, das gleich 
dem Chronicon — geschrieben blieb, im Vorjahre aber 
Herrn Prof. Dr. Steche zu bedingungs weiser Benutzung 
für die Abfassung des einschlagenden Artikels in Heft 6 
der „Bau- und Kimstdenkmäler des Königreichs Sachsen" 
überlassen ward. 

Der ehemalige Bilderschmuck im Schlosse, der hier 
lediglich in Betracht kommen soll, gewährt bei seinem 



^) J. E. V. Schütz, Histor. Ökonom. Beschreibung von dem 
Schloss und Amte Augustusburg (Leipzig 1770), kennt die Burg nur 
in ihiem verwüsteten Zustande. 



300 C. Freyer: 

Reichthuni und seiner Mannigfaltigkeit einen liochinteres- 
santen Einblick, ebenso in die Eigenart des Erbauers 
August, wie in die Kultur- und Sittengeschichte des aus- 
gehenden 16. Jahrhunderts. Des Kurfürsten kräftiges 
Selbstbewustsein, seine Anhänglichkeit an den Kaiser, 
seine Frömmigkeit, seine Gex*echtigkeitsliebe, seine haus- 
backene derbe Art, der Umgebung Anstand und Moral 
beizubringen, finden in demselben lebendigen Ausdruck. 
Aber von den bemalten Decken und Wänden herab 
sprechen auch der geschichtliche Sinn, die religiösen Be- 
wegungen, die humanistischen Bestrebungen, das Familien- 
und Volksleben, die rauhen Sitten, die naive Sittlichkeit 
und straffe Zucht, der erfrischende deutsche Humor jener 
Tage, die für unser Sachsen so gesegnete waren und un- 
vergessliche bleiben. Dem Leser sei überlassen, diese 
Einzelzüge des Gesamtbildes, das sich vor unsern Augen 
aufrollen wird, selbst aufzufinden, während wir einen 
Rundgang durch die Haupträume der Burg machen, die 
Kirche ausgeschlossen, deren Malereien noch vorhanden sind. 
Wir begeben uns durch das breite Hauptportal in 
den kreuzförmigen Hof und wenden uns links nach dem 
ersten der vier Hauptgebäude des Schlosses: dem Linden- 
hause, so genannt von der vor jenem stehenden, dieses 
beschattenden mächtigen Linde. Es enthält die Wohnung 
der kurfürstlichen Familie, im untersten Stock die des 
Kurfürsten. Die Decken des Wohn- und Schlafzimmers 
zeigen im Halbkreis Szenen, welche die Heldenthaten des 
Herzog Moritz in Ungarn verherrlichen. An einer Wand 
des zweiten Gemachs ist Augusts Bild in halber Mannes- 
grösse befestigt. Er trägt den Streithammer in der 
Rechten, vermuthlich zum Hinweis auf seinen im Auftrag 
des Kaisers und im eigenen Interesse unternommenen, 
siegreich durchgeführten Kampf gegen die „Grumbachische 
Rotte", von dem überhaupt der ganze Bau ein sichtbares 
Zeugnis sein soll.**) Sieben Wandbilder auf Siebpapier 
in Holzrahmen mit erklärenden lateinischen Inschriften 
imd der Jahreszahl 1560 versetzen in das römische Altcr- 
thum zurück. Sie stellen dar: eine Schlacht im fi'eien 
Felde, das dem Mars und der Venus geheiligt ist, ein 
Treffen der Reiterei und des Fussvolkes, ein Wettrennen 
zu Pferde bei den Circensischen Spielen, eine Hoftafel des 
römischen Kaisers, ein Tanzhaus auf der Bastei einer 



") Nach derGedächtnisschrift im Grundstein bei Hermann a. a.O. 



Malereien in der Augnstusbnrg. 30t 

Festung, eine zu Wasser und zu Lande belagerte und 
eroberte Stadt, das erste Fus&turnier bei den Marsspielen. 
Von besonderer Schönheit und hohem Alter ist das auf 
eine Holztafel geraalte Kruzifix mit Maria und Johannes. 
— Drei grössere Deckengemälde in dem nahen Wohn- 
zimmer der Kurfürstin sind wieder dem Andenken an 
Moritz's Ungarnkrieg gewidmet. In der Gemskammer 
des anderen Stockes tritt uns Meister Reinecke in ver- 
schiedenen Stellungen und Beschäftigungen entgegen. 
Das Gruppenbild: ein Fuchs im päpstlichen ürnat predigt 
salbungsvoll einer Schar begierig lauschender Gänse, reizt 
unwillkürlich zum Lachen. — Den Kurprinzen erinnert 
ein Gemälde auf Leinwand in seinem Vorgemach an 
einen Jagdtriumph seines Vaters: das Bildnis eines grossen 
Hirsches, den dieser erlegte. Eine Tafel in dem neben 
dem Thiere stehenden Baum berichtet: „Diesen Hirsch 
hat mein G. Herr Churfürst zu Sachsen geschossen auf 
der Weydenhanischen Heyden am Ditzengrunde beim 
Schwinderle, hat gewogen 7 Ctr, 5 Pfund*' u. s. w. Hinter 
den nun folgenden beiden Gemächern der Kurprinzessin 
führt eine Kammer in die Affenstube, wo wir allerhand 
närrische Aufzüge von" Affen schauen; der drolligste ist 
eine in Kostümen musizierende Affenkapelle, in ihrer Mitte 
ein ernster, kunsteifriger Vierhänder mit dem Notenblatt 
in der rechten Pfote als Dirigent. 

Der dritte Stock birgt den vielgenannten Vogel- oder 
Kaisersaal, welcher als Paradesaal dient. Ein riesiges 
Deckengemälde bewahrt das Gedächtnis einer auf dem 
Schloss zu Ehren Kaiser Maximilian H. veranstalteten 
Reiherbeize, als der hohe Herr mit vier Söhnen und zwei 
Töchtern, dem Kurfürsten von Brandenburg, Herzog von 
Brieg, Fürsten von Anhalt u. a. im April 1575 von Dres- 
den aus die Augustusburg besuchte. Dem Eingang gegen- 
über zwischen zwei Fenstern stehen Gast und Wirth als 
Zuschauer der Jagd, auf der um die Decke laufenden 
obern Tribüne Hofherren und Jäger, als Anführer der 
letzteren „Tzschopeuhans", Wildmeister von Zschopau 
(Hans Weber), einen Falken auf der Hand tragend , auf 
der untern „das Frauenzimmer", als dessen Belustiger 
„Klaus Narr", der bekannte (1515 verstorbene) Spass- 
macher'); der Falkenstoss nimmt den mittelsten Raum ein. 



') Vergl. über ihn Schnorr von Carolsfeld im Archiv für 
Litt.-Gesch. VI, 277 flg. 



302 C. Freyer: 

Den Rahmen um das Bild stellen 38 Wappen kurfürst- 
licher Besitzungen vor, mit den Namen versehen, den 
Anfang macht C. Sachsen, den Beschluss H. Leuch- 
tenburg. 

Die den Saal umgebenden Gemächer werden von 
dem „Churfürstlichen Frauenzimmer" bewohnt. Sollen 
die im Hauptraum, der Turteltaubenstube, und den an- 
stossenden Kammern aussen dicht vergitterten Fenster 
ohne „Schieblinge" einen Verkehr der Hofdamen mit den 
Kavalieren, die auf der rings um das Schloss laufenden 
„Galerie" sich ergehen, verhindern, so verfolgen die Bilder 
in den fünf Gelassen^) offenbar den Zweck, den weib- 
lichen Sinn auf Höheres zu lenken, die Moral zu fördern 
und von Untugenden abzuschrecken. Merkwürdig nur, 
dass die Stoffe dazu nicht nur der heiligen Schrift, son- 
dern auch — den Dichtungen Ovids entnommen sind. 
Die Reihenfolge ist diese: 

Das Chaos vor der Schöpfung. 

Unterschrift:*) Genesis ara Ersten thut man lesen 

Was im Anfang der Welt ist gewesen. 

Es war alles finster und löhr, 

Der Geist des Herrn schwebt darinnen her. 

Die Schöpfung der Thiere. 

Ovid. am. I. Ehe Jupiter den Menschen schuf, 

Macht ihm zuvor der Thierlein genug, 
Ueber alles der Mensch soll sein ein Herr, 
Was da ist auf Erden und im Meer. 

Die Schöpfung Adams. 

Ovid. am. I. Hie wird geschafien des Menschen Bild, 
Aufrichtig, freundlich, gut und mild, 
Dass er den Himmel soll vermehren, 
Die Thiere ihn viel Gutes lehren. 

Die Schöpfimg der Eva aus des Mannes Kippe. 

Gott nahm ein Kibbe aus Adams Leib, 

Und schuf daraus Evam, sein AVeib. 

Der Mensch sein fleisch sah gehn, that anschawen, 

Er gab sie ihm zu einer Hansfrawen. 

Das Verbot Gottes an die ersten Menschen: unter 
einem Baume steht neben Adam und Eva der Herrgott. 
(Die Unterschrift felilt.) 



8) Hiernach die Angabe Steches in „Bau- u. Kunstdenkm." VI, 
37 zu berichtigen. 

") Leider hat Hermann die alte Schreibweise bereits nach der 
seiner Zeit geändert. 



Malereien in der Augustusburg. 303 

Adam und Eva essen von der verbotenen Frucht, 

ihre Austreibung aus dem Paradies. 

Überschrift: Kein listiger Thier war, denn die Schlang, 
Darnmb kam sie zum Weib gegang, 
Sprach, solt euch diese Frucht nicht gedeyn, 
Ich weiss ihre Kraft und Tugend fein, 
Esset, sprach sie ohn allen Spott, 
So werdet ihr gleich dem ewigen Gott. 

Unterschrift: Nach solchem grossen Fall und Mord 

Hörten sie im Garten des Herren Wort, 
A'dam wolt daran keine Schuld nit han 
Und sprach: das Weib hat es gethan, 
Das Weib entschuldigt sich dieser That 
Und sprach: die Schlang gab mir diesen Kath. 

Der ersten Menschen saure Arbeit: Adam gräbt mit 

einem Spaten, Eva liest Wacken und Steine ab. 

Unterschrift: Die eiserne Zeit hereiner drang. 

Da man denn nicht mehr sang und sprang, 
Koben und Plündern war da gemein, 
Der Ackerbau gab Nutzung klein. 

Jupiter kommt in Lykaons Haus. 

Jupiter fuhr von Himmels Thron, 
Kam ins Haus zu Lykaon, 
Zu erfahrn seine grosse Untrew, 
Die er gebraucht durch Mörderey. 

Kain erschlägt seinen Bruder Abel. 

Überschrift: Zween Brüder alleine in der Welt 
Opfern dem Herrn, wie Moses meld, 
Cain brachte von Früchten der Erden, 
Abel desgleichen von seinen Heerden, 
Gott sähe Abels Opfer gnädig an 
Darumb Cain in Zorn entbrann. 

Unterschrift: Cain Zorn wuchs immer fort, 

Endlich er seinen Bruder ermordt. 
Gott sprach: wo ist der Bruder dein, 
Cain antwortt: soll ich sein Hüter seyn, 
Der Herr verflucht ihm sein Leben, 
Kein Vermögen soll ihm der Acker geben. 

Die Riesen stürmen den Himmel mit Felsstücken 

und werden vom Blitz zu Boden geschlagen. 

Zu Trotz die Riesen allgemein 
Wolten nehmen den Himmel ein, 
Jesus schlug sie herunter 
Mit einem Blitz und Donner. 

Jupiter speist bei Lykaon, der ihm Menschenfleisch 
vorsetzt, dieser wird in einen Wolf verwandelt, sein Haus 
angezündet. 

Lykaon speist Menschen Fleisch und Blut, 
Das brachte Jupiter gross Unmuth, 



304 C. Freyer: 

Sein Haus vei-brannte mit Feuer, 
Zum Wolf ward Lykaon ungeheuer. 
Deukalion und Pyrrlia knieen betend vor dem Themis- 
tempel. 

Ovid. libr. I., XITII. Deukalion und Pyra auf der Welt allein, 
Baten die (rotter säml)tli(li insgemein, 
Die Göttin Timis sie bald lehrt, 
Wodurch menschlich Geschlecht würd gemehrt. 

Noah lind seine 3 Söhne samt ihren Weibern opfern 
nach der Sintfluth (hinter ihnen kniet der «Kurfürst mit 
seiner Gemahlin). 

Als in der Sündfluth Gott ersäuft der Mensclien Kinder, 
Die aller Bosheit voll und recht verstockte Sünder, 
Hat Noah sein Gebet und Opfer zugericht. 
Auf welches Opfer Gott auch mit Gnaden sieht. 

Deukalion und Pyrrlia werfen Steine hinter sich, aus 

denen Knaben und IMäg'dlcin werden. 

Sie -würfen die Steine hinter sich ins Feld, 
Bald wird draus eine neue Welt, 
Knaben und auch Mägdlein schon. 
Wie sie droben gemahlet stobn. 

Phöbiis erschiesst mit dem Pl^^il die Scldange Python. 

Da das Wasser war vergangen. 

Wuchsen hernacher viel Wurme und Schlangen, 

Pliöbus mit seinem Bogen erschoss 

Python den Wurm lang und gross. 

Die Sodomiter wollen Lots Haus stürmen, werden 
mit Blindheit geschlagen, die Stadt geht durch Fcuor 
unter. 

Die schändliche Sodomitische und böse Rott', 

Liefen hart an den IVommen Loth, 

Gar sehr den Herren das verdross, 

Schlug sie mit Blindheit Klein nnd Gross. 

Phöbus will die Daphne erjagen, die in einen Baum 

verwandelt wird. 

IMiöbns läuft behend uml geschwind 
Nach Daphne, dem schönen Kind, 
Er trug in der Hand seinen Bogen, 
Zum Baum ward sie vor seinen Augen. 

An der Thüre zur Ti'eppe in den vierten Stock (wohl 
über der Thüre) ist eine deutliche Warnung an die Damen 
vor Verletz.ung der TIausordmmg angebracht: das Bild 
der Kurfürstin, welche auf die im Zinuner Befindlichen 
schaut, ob sie sich gut verhalten, bei ihr steht eine 
Frauensperson, die einen Pferdefuss auf der Achsel hält. 
Gleicher Strafe hat sich jede Sünderin zu gewärtigen. 



Malereien in der Augustusburg. 305 

Aus dem Lindenhause gelangen wir, durch den Thor- 
bau und an der Kurfürstin Apotheke vorübergehend, 
in das Sommerhaus, das seiner kühlen, nordwestlichen 
Lage wegen für den Aufenthalt der Herrschaft während 
der heissen Jahres- und Tageszeit bestimmt ist. Nur der 
Tanzsaal im dritten Stock trägt an der Decke über dem 
hängenden „Musikantenchor" ein grosses Bild: Phaeton 
auf dem Sonnenwagen mit dem Dreigespann daherstür- 
mend. Die ursprünglich ringsum durch Holzralimen an 
Wänden und Schwibbogen befestigten lebensgrossen Bild- 
nisse sächsischer Fürsten und Fürstinnen sind bei dem 
vorübergehenden Einfall der kaiserlichen „Crabaten" zer- 
hauen und zerstochen und deshalb entfernt worden. 

Eine Treppe führt herab in den einen Stock tiefer 
liegenden, langgestreckten Fürstensaal, der, zum 
Sommerhause gerechnet, die obere Verbindung desselben 
mit dem „Hasenhause" herstellt. Hier ist das Geschichts- 
und Ahnenbuch der Sachsenfürsten vor uns aufgeschlagen. 
In doppelten Reihen schauen 35 edle Pierren, in lialber 
Mannesgrössc gemalt, auf uns hernieder. Von ihren Be- 
sitzungen, Würden und Ehren zeugen die ihnen beige- 
gebenen Wappen und Kleinodien, von ihren Bestrebungen, 
Thaten und Leiden berichten die Unterschriften. Weit 
lebendiger prägt sich jedem Beschauer die grosse Ver- 
gangenheit der Herrscherfamilie durch die Bilder ein, als 
durch die dürren Ziffern und die trockenen Aufzählungen 
mancher Bücher, in den Landeskindern weckt die Be- 
trachtung Stolz auf ihre Fürsten und stärkt ihre Vater- 
landsliebe. Bewunderung erregen Macht und Grossthaten 
der einen, herzliches Mitleid die traurigen Geschicke der 
andern. Wie aus jener Welt herüber erzählt jeder seinen 
Lebenslauf, Und der die Züge dieser Grossen der Erde aus 
noch halb sagenhaften Zeiten bis auf August herab mit Far- 
ben auf Holztafeln festgehalten, Lukas Kranach d. J., bürgt 
dafür, dass die Gesichter derer, die er kannte, sprechend 
ähnlich, derer, die längst dahingegangen, entsprechend 
ihrem Charakter und Schicksal sind. Raum für viele 
Nachfolger ist gelassen, aber das letzte Bild, das Johann 
Georgs I., bei seinen Lebzeiten gemalt, fand nach seinem 
Tode bereits keine Unterschrift mehr. Die Augustusburg 
verlor aus verschiedenen Gründen die Gunst ihrer Besitzer. 

Der Neffe, nach anderer Meinung der Enkel Witte- 
kinds Ludoif I. wird als der Stammvater des „Hauses 
Sachsen" angesehen. 

Neues Archiv f. S. G. u. A. VII. 3. 4. 20 



300 C. Preyer: 

H. Leutolff der Erste. (Überschrift.) 

Träfijt Mütze mit Kleinod, in der Linken ein Wappen: 

weisses Rösschen im rothen Felde. 

Unterschrift:"') Hertzog zu Sachsen macht mich ehe 
Ludwig der König Germania 
Nach Gotts Geburt Acht luiudert Jahr 
Und Zwei und Viertzig, da die Schar 
Der Nortmann grossen Mord begieng. 
Zu Rom viel Ileiligthumb ich empfieng, 
Zu Gandersheini man es noch hat, 
Das Closter stifft ich mit der Stadt. 

H. Bruno. 
Wappen und Mütze wie vorher, dazu goldene Hals- 
kette, rothen Leibrock, weissen Mantel mit blauen Auf- 
schlägen. 

Ich baut von erst Brunnschweigk die Stadt, 
Die ihren Namen von mir liat. 
Den Heyden war Ich gantz gefehr, 
Bezwanngk mit macht der Dehnen beer, 
Mit mir verdarb in Wassers-Fluet 
Zween BischoS und zwelf Graven guet, 
Gar schier das ganntz beer inn gemein, 
Gott woll unns allen gnedig seyn. 

H. Otto M. 
Kleidung und Wappen wie vorher, letzteres in der 

Rechten. 

Des Reichs Beschirmer man mich nanndt, 
Die Wenden icli mit meiner handt 
Bezwanng und bracht ins Reichs Gewalt, 
Fürn halben Kayser mann mich zalt, 
Des Reiches Macht mann mir vertraut. 
Die Assen borg vorerst ich baut, 
Conradt der Rrst durch mich erwarb 
Das Reich, da Kaiser Ludwig starb. 

König Heinrich. 

Blauen Bund auf dem Haupte, Kurrock, in der Rech- 
ten das Szepter, in der Linken das Wappen: schwarzer 
Adler, auf dessen Brust das weisse Ross im rothen Felde. 

Ganntz Sachssen, Döring, Ilessen-Landt 
Am Reinstrolim stund in meiner hanndt, 
Wendt, Dehn, Sorb, Behem, Marconiann, 
Delmantz macht ich mir untherthan, 
Den Ungarn lag ich ol) mit macht, 
König Conraden ich Vorjagt, 



'ö) Die Unterschriften bei v. Schütz a. a. 0. sind aus Hermann, 
der hier die alte Schreibweise beibehält, abgeschrieben, modernisiert 
und fehlerhaft. 



Malereien in der Augustusburg. 307 

Das Reich nach ihm ich erst besass, 
Das vor kein Sachss nit würdig wass. 

H. Herman (Billung). 

Unter dem rotlien Kurhut mit Edelsteinen eine rothe 
Quastenmütze, blau und goldfarbigen Leibrock, in der 
Rechten das Wappen: weisses Ross im rothen Felde, 
daneben ein blauer Löwe inmitten zehn rother Rosen- 
blätter. 

Einn Edelmann von Stubockelhorn, 
Was ich vonn schlechten Stamm gebohrn, 
Kannst, Tugend, Redlichkeit mich bracht 
Dass Otto mich einn Fürsten macht, 
Zu Sachssen Lüneburgk vorwahr 
Das Schloss und Closter bauet ich dar, 
War Sieghafift, gestrenng in aller Thadt, 
Otto der Gross mich darumb begnadt. 



-n' 



H. Benno. 

Rothe Mütze, goldene Halskette, blauen Mantel mit 

weissem Kragen, in der Rechten das vorige Wappen. 

Zu Sachssen Grosshertzog ich wurdt, 
Alss man bald nach Gottes Geburt 
Neunhundert Drei und Achtzig dar, 
Die Wemiden umb mich alle Jahr 
Hielt ich in fried und ganntzen hüen, 
Dass keiner wieder mich dorf thüen, 
Otto der Annder mich bestedt. 
Wie der Erst meinem Vater thet. 

H. Bernhard. 

Blau und rothen Kurhut, rothen Kurrock mit weissem 

Halsgebräm, in der rechten das vorige Wappen. 

Grossfürst was ich in Sachssen, 
Der Geitz was ganntz in mich gewachsen, 
Die Wennden schätzt ich da vorwar, 
Dass sie den Christenglauben gar 
Verliessenn unnd vorkertenn sich. 
Wieder den keyser setzt ich mich. 
So bald nund ich genadt begert, 
Heinrich der heylich mich der gewert. 

H. Ortolph. 
Schwarzen Kurhut mit Edelsteinen und weisser, blauer 
und rother Feder, 2 goldene Halsketten, blauen Mantel 
mit goldbrokatenen Aufschlägen, das frühere Wappen. 

Mein Vater thet dem Reich gewalt. 
Desselben ich hernach entgalt, 
Die Wennden nahmen überhanndt, 
Verderbten Nord-Albinger Lanndt, 
Und alles was do Christen was, 

20* 



308 C. Freyer: 

Ermordten sie durch Neidt \uid Hass, 
Kein keyser mir zu hülfe kam 
Deshalb ich grossen Schaden nahm. 

H. Magnus. 

Blaue Mütze mit einer weissen und zwei gelben 

Federn, blauen Leibrock, rothen Mantel, in der Linken 

das gezogene Schwert, dabei das Wappen: weisses Ross 

im rothen Felde, dabei ein blau und weiss gefeldertes 

Quadrat. 

Bey meiner Zeit die Christenheit 
Durchs Wenndisch Lanndt liedt hertzeleidt, 
Gotschalck der Fürst empfieng den todt, 
Die Priesterschaft hett grosse Not, 
Rassborg, Hamborg und Oldenborgk, 
Bistumb Schlesswig und Meclilenborgk, 
Die theten sie in grunndt verheeren, 
Das mocht ich leider nicht erwehren. 

H. Lothar der Ander. 

Krone, Halskette, gelben Harnisch, schwarzes Schwert, 

rothen Mantel, in der Rechten das Szepter, in der Linken 

den Reichsapfel, dabei das Wappen: weisses Ross in 

rothem Felde, Hirschgeweih und Doppeladler in gelbem 

Felde. 

Zu Supplinburg einn Grave was Jch, 
Heinrich der Vierdt der würdigt mich, 
Mit Chur und Reichs Gerechtigkeit, 
Heinrich den Fünften ich bestreit, 
Beim Welphischholtz siegt ich ilim an 
Erwarb nach ihm des Reiches Krohii, 
Viel grosser That mit kleiner Macht 
Ich oft mit Gottes hülf vollbracht. 

H. Heinrich der Welph. 
Grüne Mütze mit weisser Verbrämung und drei 
Kleinodien, grünem Mantel mit gelben Aufschlägen, gol- 
denes Kleinod an der Halskette, in der Rechten ein 
Schwert, in der Linken das Wappen wie bei Magnus. 

Hertzog zu Baiern was ich geborn, 
Do Lüder Keyser ward gekorn 
, Gab er mir auch das Sachsner Lanndt, 

König Conrado thet das anndt, 
Schickt Marggraf Albrecht wieder mich, 
Doch blieb icli Herr gcwaltiglich, 
In beiden Lanndt bei meinem Lebenn, 
Zu Qvedlinburg ward mir vergeben. 

H. Heinrich der Leo. 
Weissgraue Mütze mit einem Kleinod, Panzer, rothen 
Mantel, in der Linken eine blaue Fahne, in der ein Leo- 



Malereien in der Anjfustnsburg. 309 

pard, zur Linken das Wappen des Magnus, zur Rechten 

ein zweites: zwei gelbe Leoparden in rotliem Felde. 

Vonn der Ell) biss an den Rheiun, 
Vonn Hartz biss an die See was mein, 
Zum Glauben ich die Wennden bracht, 
Bayern-Lanndt besass Ich mit Macht, 
Der Kayser mich der Ehrnn enntsetzt, 
ßraunschweig, Lüneburg blieb mir zuletzt, 
Mein Geschlecht besitzt noch heut die Lanndt, 
Reichard der König auss Enngelandt 
Zween Leopard mir zum Wappen gab, 
Da ich beraubt was Ehren und hab. 

H. Bernhard. 
Goldene Rundsclmur um das Haar, doppelte goldene 
Halskette, blauen Mantel, rothe Müffchen an den Händen, 
zur Rechten das Wappen: in schwarz-weissem Felde zwei 
rothe aufrecht gekreuzte Schwerter, in goldenem Felde 
den Rautenkranz über fünf schwarzen Balken. 

Der Erste Keyser Friederich 

Mit Chur und Schwert begäbet mich, 

Durch Ballenstedt den Krauntz mir gab^i), 

Zwey Schwert das Marschall- Ambt bedeuten. 

Die Weundischen Heyden auszureutten. 

Bei Wittenberg siegt ich Ihnn an, 

Das Lanndt zur Chur ich do gewann. 

H. Albrecht der Erste. 
Barett, Halskette, Marderschaube auf den Schultern, 
voriges Wappen in beiden Händen haltend. 

Do der Kayser zog über Meer, 

Do führt ich weisslich der Christen beer. 

Die Sonnenstadt ich do beraubt ^% 

Und bracht mit mir Sankt Barbarn Haupt, 

Zu Gommern hielt ich das in acht. 

Und ward von dann in Preussen bracht. 

Zu Wittenberg erst ich residiert, 

Mein Weib das Closter da fundiert, 

Darin man noch begraben find 

Sechs Churfürstn, die meins Gblüte sind. 

H. Albrecht der Ander. 
Kopfbund mit Federbüschen, doppelte grosse Hals- 
kette, blau und rothen Rock, in der Linken das vorige 



") Anspielung auf die bekannte Sage, dass der Kaiser auf dem 
Reichstag zu Würzburg den ßautenkranz von seiner Schulter auf 
den Askanierschild geworfen, wodurch jener in das Sachsenwappeu 
gekommen. 

1^) Heliopolis in Egypten. 



310 C. Freyer: 

Wappen, aber darin noch den einfachen Adler und drei 

rothe Zeichen. 

Keyser Rudolph die Pfaltz ran- gab, 
Die Grafschaft Brehn mit aller hab, 
Zu seiner Tochter Frau Agneten, 
Dass ich die Chur möcht bass vortreten, 
Dieweil er hett des Reiches Macht, 
Magdeburg mich von Acken jagt, 
An Ehrenn und Trew sie sich entsetzt, 
Ihren Herrn sie in todt verletzt. 

Rudolph der Erste. 
Rothen Mantel mit gelben Aufschlägen, Gürtel mit 
Quasten, in der Linken den Kurhut, zur Linken das 

vorige Wappen. 

Vor Borag ich einen Streit gewann, 
Denn von Magdeburg siegt ich an, 
Fieng Hundert Vier und Zwantzig Mann, 
Die andern blieben auf dem Plan, 
Umb Gattersleben was der Hass, 
Carle der Vierdt berichtet das. 
Zu Prag, do Er das Reich besass. 
In Gnadenn Er meinn nie Vergass. 

H. Rudolph. 
Hut mit Kleinod und Federbüschen, grün -gelben 
Leibrock, grosse goldene Halskette, im rechten Arm den 
Degen, in der Linken das vorige Wappen (drei rothe 
halbe Cirkul darin) *=0. 

Nach Ritterschaft bracht Tugend mich 

Zu Konig Philipp von F>anckreich, 

Den schwerlich zu derselben Fahrt 

Von Enngelanndt König Eckhard") 

Bekriegt, der gab mir da zu Lohn 

Einn blutigen Dorn vonn Jliesus Krön, 

Tnn eines Königs Bild vormacht, 

Den ich gen Wittenberg do bracht. 

Mit andern heiligthumb gar Vielmehr, 

Inn Gott und aller heiligen ehr. 

Den Stifft ich da von erst fundiert, 

Friedrich der drit Ihn hat eomiliert''^). 

H. Wentzeslaus. 
Weissen Kurhut, gelben Leibrock, die Rechte auf 
die Linke gelegt, zur Rechten das vorige Wappen. 
Vor Beinen ich des Stifftes Mann 
Erschlug und Weveling gewann. 



") Jedenfalls die früheren „drei rothen Zeichen", Wappen der 
Grafsch. Brene. 
") Eduard. 
1») Kumulirt? 



Malereien in der Aiigustusburg. 311 

Albrecht mein Ohm zur selben stunndt, 
Vor Rickling ward in todt Verwunndt, 
Darurab Lüneburg meinn aygen wardt 
Mit all dem, was dorzu gehört, 
Ohn Zell, das ich belegt zu hanndt, 
Dafür ward mir der todt bekanndt 

H. Rudolph der dritte. 
In ähnlicher Kleidung, neben ihm das vorige Wappen. 
Von Magdeburg Bischof Albrecht, 
Mir Boltzig, Rabenstein belegt, 
Den jagt ich davon mit unfueg, 
Ein Thurm zu Schweinitz mir erschlug 
Mein beyde Söhne zu einer fahrd, 
Vor Fritzlar ich gefangen wardt, 
Do ich inn geleyd von Frankfurt riedt, 
An mir hielt Meiutz seinn glauben nit. 

H. Albrecht der dritte. 

Goldene Haarrundschnur mit Stirnkleinod, gelben 

Rock, rothe Schärpe, in der Linken das vorige Wappen. 

Fast schwere Krieg mein Bruder hett, 
Die Er sieglich vorfüeren thet, 
Doch hat das Lanndt genommen ab, 
Dass ich selb vierd lebt kleiner habi«), 
Zur Locha bracht mich Feuersnot 
Gehlings erschreckens inn den tod, 
Und starb ohn Erben allzuhanndt, 
Ans Reich fiel da der Sachsen Lanndt. 

H. Friedrich der Erste. 
Ähnliche Kleidung wie vorher, in der Linken ein 
rothes Paternoster, zur Rechten das Kurwappen mit dem 
Rautenkranz, darin ein weisser gekrönter Löwe, unter 
dem ein schwarzer Löwe. 

Doringen, Meissen unndt Osterlanndt, 

Landssberg, Franckenn sein herrn mich nannt, 

Gen Leyptzig die Universitet 

Bracht ich, do sie Vortriebenn het 

Von Prag die Behmisch Ketzerei, 

Der wont ich stetz mit streitten bey, 

Kayser Sigmundi meinn Dienst betracht, 

Hertzog zu Sachsen Er mich macht, 

H. Friedrich der Ander. 
Rothen Kurhut, Stirn- und Brustkleinod, voriges 
Wappen neben ihm. 



") Vix igitur famulis stipatus quatuor ibat Imperii Albertus 
tanta columna sacri. (Anmerkung Hermanns, ohne Bezeichnung 
der Quelle.) 



312 C, Freyer: ] 

I 

Mit Macht behielt ich Chur und Schwerd, ] 

Auf alleiin seiteun Ich mich wehrt, 

Mit Sieg die ßehenieiin ich bestritt, 

Die Mercker ich auch iiiderleydt, 

Meiu aygen Bruder mich durchacht, 

Den ich zu Freundschaft wider bracht, 

Magdeburg besorgt meinn Sieghaft hanndt, I 

Dergleich mich furcht Lusatzer Lanudt. ' 

H. Ernst. ' 

Älmliclie Kleidung, in der Linken das vorige Wappen. ! 

Der dritte Kayser I'riederich i 

Belebend mich in Oesterreich, | 

Das Lanndt mit unntrew was geplagt, I 

Den Herrnn von Plauen ich vorjagt, ] 
Bracht Sagen, Biberstein an mich, 

Maximilian halft Krönen mich, | 

Sixtus der vierd den Kuss mir gab, | 

Die Rose unnds Creutz zum heiligen Grab. i 



'ta*^ 



H. Friedrich der Dritte. 

Ähnliclie Kleidimg wie vorher, in den gefalteten 

Händen ein Paternoster, voriges Wappen. 

Friedrich bin ich billich genanndt, 

Schönen Frieden ich erhielt im Lanndt, 

Mein Lanndt ziert ich mit viel gebew, 

Und stifit eine liohe Schul aufs Neu, 

Zu Wittenberg inn Sachssen Lanndt, 

Draus Gottes Wort wardt fern bekanndt, 

Das Bäpstlich Reich das stfirtzt es nieder, 

Und brachte rechten Glauben wieder, 

Zum Kayser ward erkohren ich, 

Des mein Alter beschweeret sich. 

Dafür ich Kayser Carbi erweit, 

Vonn dem mich nicht wandt Gunst noch Geldt. 

H. Johannes. 

Kleidung wie vorher, in der Rechten das Schwert, 
voriges Wappen. 

Nach meines lieben Bruders Enndt 

Blieb auff mir das ganntz Regiment, 

Der Bawren Aufruhr halft' ich dempfen,, 

Mehr mit Gelindigkeit, den mit Kempfen, 

Der Rottengeister feinndt ich war, 

Hielt im Lanndt das Wort rein und klar, 

Und bekanndt es frey aus herzen grunndt, 

Alss ich fürn Kayser und Fürstenn stunndt, 

Die gülden Bulle thet icli schützenu; 

Ins Kaysers Wohl wieder alles trutzen, 

Dennoch ich Gottes Hulde genoss, 

Ins Kaysers Gnade meinn Enndt beschloss. 



Malereien in der Aiigustnsbnrg. 313 

H. Hans Friedrich. 

Kleidung und Wappen wie vorher. 

Friedlich regiert Ich zehenn Jahr, 

Darnach mir zusties gross Gefahr, 

Hertzogk Heiurichen vonn Braunschweig verjagt, 

Der den Schmalkaldischen Buniidt plagt, 

Schulenn, Kirchenn unnd Gottes Wort 

Ich fördert hie unnd an anndern Ordt, 

Enndlich aber von Kayser Carl hardt 

Für Mühlbergk ich geschlagenn wardt, 

Da wardt ich auch zu h äfften bracht, 

Nach fünnf Jahren wieder ledig gemacht. 

Die Warheit Gottlob hab stets bekannt, 

Biss an mein n Enndt mich nicht gewanndt. 

H. Alb recht. 
Rothe Mütze mit schwarzer Verbrämung, Halskette 
mit dem Ritterorden, rothen Leibrock, in der Rechten 
ein Paternoster, in der Linken das Wappen: weisser und 
schwarzer Löwe, Rautenkranz, einfacher Adler. 

Hertzog Albrecht zu Sachsen ward Ich genanndt, 
Bey Freunnden und Feinden gar wohl bekanndt, 
König Matthias aus Ungarn durch bedräng 
Zum Vertrag mit Kayser Friedrich Jch Zwang, 
Er hett auch gern diese Lanndt vorherdt, 
Aus Schlesien, do ihm nicht hett gewehrt. 
Wieder Hertzog Carln vonn Burgunndt, 
Des Reichs Faue Jch führt, regiert den bund, 
Die Niederlande Kaiser Maximilian, 
Mit gewalt Ich zwang, kost manchen Man, 
Ein Kriegsfürst Ich starb in Friseii Land, 
Mein titel war, des Reichs Rechte band. 

H. Friedrich. 
Kürass, Mantel, Schwert und Wappen wie vorher. 

In Polen hat mein Thun, kein grosses Lob erworben, 
Dieweil mein Teutscher Sinn, der Freyheit nur gewohnt, 
Drumb blieb ich noch stets, von Eyd und Pflicht verschont, 
Und bin wie ich gelebt, mit Ehr und Ruhm gestorben. 

H. Georg. 

Schwarzen Rock, breite goldene Kette, Schwert und 

Wappen wie vorher. 

Mit unsers Vetters Seligen enndt 

Das Glück in Friesen Krieg sich wendt, 

Den Tham ich erobert unnd schleifft zu grund 

Mein Bruder zu Groningen gross Gefahr ausstundt, 

Darumb der Krieg vertragen wardt, 

Dabey auch gedeyn, heil unndt wolfahrt, 

Meiner treuen Land unnd Leutte betracht, 



314 C. Freyer: 

■( 

Schafft ab alssbald alles kriegs Pracht, • 

Mein Land in Fried regiert mit "Weissheit, !^ 

Mein Unterthan, unnd mit Gerechtigkeit, \ 

Meine Söhne für mir alle mit schraertzen, \ 

Ich starb hernach inn Leid meines hertzen. I 

H. Heinrich. | 

Kleidung ähnlich, Wappen wie vorher. ' 

Meins Bruders und seiner Söhne abgang 

War meines Glücks und regierung anfang, 

Bedacht ward mirs nicht, aber doch beschert, J 

Was Gott unns gan, bleibt unverwert. 

Zum Herrn Christ unnd der reinen lehr 

Hab mich bekant mit grosser Gefahr, j 

Meinn Regierung mit und von Gott ich anfing, -j 

Kirchen, Schulen thct reinigen aller Ding, ' 

Vons Bapsts greuel nach Gottes Wort, j 

Das war mein trost und trewer hört, 

Auf dem mit festem Glauben mich wanndt, 

Am End zu Christo meinem Ileylanndt. 

H. Moritz. 
Rothe Kurmütze mit weisser Verbrämung, rothen 
Kurrock, in der Rechten ein Schwert, in der Linken i 

das vorige Wappen, in dem aber die zwei rothen Schwerter. i 

Nach meines Vettern Fall und Fanck 

Kaiser Karl die Chur mir schannck, 

Eilf Züge im Feldt hab ich vorbracht, 

Wieder Franckreich unnd die türckisch macht, 

Auf teutsche Freyheit unnd Kelligion j 

Zu schützen unnd meine Lande schon, j 

Den letzten Zug, alss ich mit Sieg ! 

Marggraf Albrecht aus dem Feldt vertrieb, i 

Durch einen Schuss verwundet wardt I 

Darauf mir folget mein letzte fardt, , 

Den dritten tag bey Pein im feldt 

Mein Enndt ich schloss wie ein Christen heldt. ^ 

H. Augustus. , 

Kleidung und Wappen wie vorher. | 

Alss ich nach meines Bruders Enndt 

Die Chur erbt und das Regiment, 

Fried, Einigkeit, Gottes Ehr unndt preiss, 

Gut Policey mit allem Fleiss i 

Zu stift"ten war mein geraüet und Arbeit, 

Zu halten über des Reichs hoheit, j 

Dahero mir dan ward auferlegt, i 

Durch Krieg die Aechter räumen weg, | 

Dreier Kayscr Wahl hab ich vorriebt, 

Kirchen, Schulen, Recht und Gericht, 



Malereien in der Augustusburg. 315 

Bestallt, wie bekandt, darzu woll geben 

Gott genade, Seegen unnd ein langes Leben ^'^j. 

H. Christianus der Erste. 
Kleidung und Wappen wie vorher. 

So bald sein Leben nach Gottes Rath 
Churfürst August beschlossen hat, 
Ich alss der Erb das Regiment 
Bekommen hab in meine hendt, 
Welchs ich vorwalt durch Gottes gnad 
Sechs Jahr an meins berrn Vatters statt, 
Nach dem Pfiuid das mir Gott vertraut, 
Innerhalb Zwey Jahren ich hab erbaut 
Den Stall zu Dressden mit allen ornat, 
Die Erbe}'nnung Verneyen ich that 
Zwischen Sachsn Brandenburg und Hessen, 
Mein Altr ist dreissig und eins gewesn. 

H. Christianus der Ander. 
Kleidung und Wappen wie vorher. 

Alss mein herr Vater in Gott Verschieden, 

Das Land erhalten wurd in frieden. 

So wohl bey reiner Religion, 

In der Administration, 

Zehn Jahr drauf führt ichs Regiment, 

Des Kaysers Rudolph herz ich wandt, 

Dass durch die gantze Böhmische Krön 

Er frey Hess mein Religion, 

Gross Missverstand zu Prag half ich ^*) 

Beylegn, der Kayser belehnte mich 

Mit denen Jülischen Landen, 

Nun ruht mein Seel in Gottes banden. 

H. Johann Georg der Erste. 

Kleidung und Wappen wie vorher. 

Gleichwie in deutscher Art neben dem Ernst der 
Scherz liegt, beide im Humor sich einigend und durch 
diesen verklärt, so grenzt im Schlosse an den Fürstensaal 
oder die „Stammstube" das Hasen haus. Fordert jene 
zu ernsten Betrachtungen auf, so lächelt uns in diesem 
der Schalk an. Der beinahe völlige Untergang der be- 
rühmten, Geist und Witz sprühenden, fein ausgeführten 
„Hasenbilder" kann nicht genug beklagt werden. Dass wir 
uns durch Hermanns sorgfältige Beschreibung wenigstens 



") Die Unterschrift wurde mit dem Bilde zugleich gemacht, 
bei den folgenden Fürsten aber erst nach dem Tode den Bildern 
angefügt. 

18) Als Mittelsmann im Streit zwischen Kaiser Rudolf II. und 
seinem Bruder Matthias 1610. 



316 C. Freyer: 

noch einen Begriff davon machen können, soll diesem 
immer gedankt sein, wenn wir aucli dafür halten, dass 
seine ganz allgemeine, kurze Andeutung über den Iniialt 
der 93 Gruppenbilder die Idee, welche zur Darstellung 
gelangen soll, durchaus nicht Aviedergiebt'''). Eine Art 
verkehrter Welt nach ihrer zunächst scheinbar günstigen 
Entwickelung, aber ihrem naturgemäss folgenden traurigen 
Untergang wird vor Augen geführt. Die P]manzipation 
von gottgosetzten Ordnungen läuft nach kurzem Bestände 
in das schlimmste Verderben für diejenigen aus, welche 
sie unternahmen. Vielleicht ist das Ganze nach der lehr- 
haften, moralisierenden Weise jener Zeit eine drastische 
Auslegung der apostolischen Mahnung: jedermann sei 
uiiterthan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat, oder 
nur des Schöpferbefehls an den unter die Geschöpfe ge- 
stellten Menschen: Herrsche über sie! Wir finden drei 
Abtheilungen: 1. die erfolgreiche Erhebung des Hasen- 
volks gegen seine Feinde (Bild 1—17), 2. die Blüthe des 
Hasenreichs (Bild 18—67), 3. der Untergang desselben und 
die Wiederherstellung der alten Ordnung (B>ild 68—93). 

Gerichts- oder Reichstag der Hasen: an einer Tafel 
der Präsident, zu seiner Rechten sieben, zur Linken neun 
Beisitzer, am Tische gegenüber zwei Schreiber, rechts 
steht ein aufmerksam hoi-chender Hund. (Angeklagter 
oder Zeuge?) 

Rüstung zum Kriege: ein Zelt, darin Pulver -Säcke 
und -Haufen, zwei Kanonen, ein Hase zu Pferd, zwei 
Diener daneben, einer ladet ein „Stück", dabei ein Lanzen- 
träger, hinte^r ihnen zwei Trompeter, vornher zwei Jäger 
mit Hunden-"). 

Überfall durch Jäger: diese sitzen in dem grossen 
Hasenzelt an einem Tische, daneben ein grosser Hund bei 
einem toten Hirsch, zwei Hunde würgen Hasen, andere 
reissen aus. 

Auszug in den Krieg: das Hasenheer zieht mit Fahnen, 
Spiessen und Kanonen zu Fuss und zu Ross über eine 
lange Brücke. Sturm auf eine Stadt, ein Hase brennt 
ein „Stück" los. 



^^) Die folgende Deutung, vergl. Steche a. a. ü. S. 40, ist le- 
diglich Ansicht des Verfassers, 

..-<') Hermann scheint dieses das erste Bild zu sein, wir halten 
der Ortlichkeit nach jenes dafflr. Die Inhaltsangaben sind meist 
vom Verfasser, 



Malereien in der Augustusbiirg. 317 

Einzug in die eroberte Jägerstadt über eine steinerne 
Brücke unter Vorantritt von zwei Trompetern, die eine 
schwarze Fahne aufstecken, während die Jäger eine grüne 
führen. 

Gefangenführung der Jäger: diese auf einem Schlitten, 
zwei gefesselt, daneben Wächter mit Hellebarden und 
Morgensternen, dahinter Schalmeienbläser, voran der Hasen- 
könig mit halb weissem Kopf und weissen Pfoten, weiss 
und braunem Federbusch, auf grossem, braunem Pferde, 
von vielen Trabanten umgeben. 

Eine ähnliche Gefangenführung grün gekleideter Jäger. 

Abstrafung von Jägern: zwei Hasen in Messgewän- 
dern und Bischofshüten geleiten einen Jäger, der am 
Strick geführt wird, zum Hängen, ein Hase als Scharf- 
richter auf der Leiter am Baume, den Strick in der Hand. 

Abstrafung der Hunde: Hasen fahren einen Karren 
voll Hunde auf den Anger, einer wird gestäupt, einer ge- 
rädert, einer gehängt, zwei gespiesst, einer erstochen, zwei 
an Pfählen gepeitscht, einer mit Pech begossen, einer mit 
dem Stocke zerhauen. Unter letzterem steht George 
Schwalbe. (?) 

Halsgericht über Hunde: der Landrichter mit dem 
Schwert, neben ihm die Missethäter, ringsum viele mit 
Spiessen und Gewehren Bewaffnete. 

Jetzt beginnt auch der Kampf wider feindliche Vögel : 
Fang der Habichte und Falken mit Leimruthen und Netzen, 
Abstrafung: die in einem grossen Bauer auf einem Schlitten 
zum Richtplatz gefahrenen Vögel worden geköpft und über 
dem Feuer gebraten. 

Erneutes Streiten gegen die geflügelten Widersacher 
mit Spiessen. 

Triumphzug: die Hasen tragen Vogelköpfe auf Spiessen 
und Stangen und ziehen mit Fahnen und Pfeifen zu ihrem 
König, der auf dem Throne sitzt, 

Wiederholte Abstrafung: ein Habicht ist auf das Rad 
gelegt, einem werden die Flügel abgehauen, ein Hase 
trägt eine Leiter, ein andrer einen Habicht zu einem Pfahl. 

Larapes Geschlecht hat somit den Sieg gewonnen und 
wir sehen es nunmehr sich friedlichen Beschäftigungen 
hingeben, vorerst allerlei Spielen und Festlichkeiten, so- 
dann den verschiedenen Künsten und Handwerken. Diese 
Bilderreihe beginnt im andern Stock. 

Hasen stehen auf den Köpfen, reiten auf einander, 
hauen mit Schwertern nach einer Krone auf einer Stange, 



318 C. Freyer: 

treiben Gaukelei und Taschenspielerei, springen beim 
Klang der Querpfeife durch Reifen, führen zwei Bären 
zum Tanze, während ein Hase auf Stelzen geht, einer 
trommelt, einer Sackpfeife bläst, ein Bär auf dem Kopfe 
steht und auf den Hintertatzen einen ebenso stehenden 
Hasen trägt; sie haben sich auf einander gestellt, eine 
dreistöckige Pyramide bildend, spielen den Zeinertanz (?), 
tanzen paarweis nach der Trommel, feiern eine Hochzeit: 
einer als Bischof traut das Paar, zwei Häschen tragen 
der Braut die Scldeppe, in prächtigem Putz befinden sich 
die männlichen Gäste auf der einen, die weiblichen auf 
der andern Seite, sitzen dann in bunter Reihe an der 
Hochzeitstafel, an der der übliche leere Stuhl für den 
fremden Gast, Musikanten spielen auf, der Kredenztisch 
ist reich mit silbernen Bechern geschmückt, dann zieht 
die Gesellschaft paarweise aus dem Hochzeitshause zum 
Tanz auf das Rathhaus, sie rennen nach dem Ringel, um 
die auf dem Tische ausgestellten goldenen Becher zu ge- 
winnen, halten Turniere zu Ross und zu Fuss, eine Maske- 
rade, ein Schaufechten, einen Gottesdienst in einer Ka- 
pelle; , wobei einer ein Paternoster anhängen hat, ein 
Wettreiten vor einer grossen Zuschauermenge, schiessen 
mit Armbrüsten nach dem Blatt auf der Strohwand, mit 
Stücken und Büchsen nach der Scheibe, Erwachsene nach 
einem grossen, Kinder nach einem kleinen Vogel. Auch 
der Jagd liegen sie ob, dem Ausschiessen (Treibjagen) 
und der Hirschfeist, der Sauhatz, nach der sie die er- 
hitzten Hunde zur Abkühlung ins Wasser treiben, dem 
A\'ildcntenfang im Schilf, dem Vogelfang mit Leimruthen 
und Schlagnetz auf dem Vogclherd, dem Rebhühuerfang 
mit der gemalten Kuh auf Leinwand, dem Fischtreiben 
mit Vorsetzhamen und Wallnetzen. Die aus dem Wasser 
erlangte Beute wird gewogen, das gefrässige Wildenten- 
volk aus dem Schilf gejagt. 

Des AVeiteren erblicken wir: 

eine Wochenstube: die AVehnmuttcr badet das Neu- 
geborene, ein Kleines läuft im Rollstuhl, ein anderes, von 
der Kinderfrau geführt, trägt eine kleine Windmühle als 
Spielzeug in der Pfote; 

eine Schulstube: der Schulmeister lässt einige Schüler 
aufsagen, etliche lernen am Tische, einer bekommt die 
Ruthe, indem ihm ein Kamerad die Hosen straff zieht; 

die Universität: Studenten werden vom „Depositor 
deponirt" und ihnen die Bacchantenzähne ausgebrochen, 



Malereien in der Augustusburg. 319 

erwerben durch Disputationen die akademischen Grade 
der Magister, Licentiaten und Doktoren; 

die Betriebsamkeit des täglichen Lebens : Goldschmiede 
arbeiten an Schmuckgegenständen, Sternseher blicken 
durch Teleskope nach dem Himmel, Arzte sezieren einen 
Hasen, Apotheker setzen Klystier, destillieren und brennen 
Wasser, während einer Kräuter aufschreibt, Chemiker 
schaffen am Probierofen, wobei einer einen Glaskolben zer- 
schlagen hat; Maler fertigen Bilder, Zimmerleute bauen 
und heben ein Haus, Gärtner pflanzen und pfropfen Bäume, 
Schäfer hüten die Herde, einer schert ein Schaf, Berg- 
leute haspeln auf dem Schacht und laufen im Karren, 
Schmelzer schmelzen in den Hütten, vor denen der War- 
dein am Probierofen sitzt, Münzer schlagen Gold, der 
Mimzmeister wägt Silber und Kupfer ab, Kaufleute halten 
neben dem Brauiiaus, wo der Böttcher arbeitet, Waren 
feil, Buchdrucker, Buchhändler und Buchbinder, Bäcker, 
Schuster und Schneider sind in der Werkstatt thätig, 
Fleischer führen einen Ochsen zur Schlachtbank. 

Aber nun wendet sich das Blatt. 

Ein Jäger schiesst mit einem Blaserohr einen Hasen 
in das Hintertheil, ein zweiter mit der Armbrust nach 
dem dahinspazierenden Lampe. Ein Esel in einem Korn- 
felde wird von vier Männern mit Netzen und vier Hunden 
umstellt, d. h. die Schlesier wollen aller Hasen Mutter 
fangen. Sieben Schwaben halten an einem Spiesse, um 
dem Hasen davor den Fang zu geben. Der letzte am 
Ende spricht: „Gang aner, gang ancr!" Der erste ant- 
wortet: „Auf meyn Eyd, wenn Du solt an der Spitze 
stahn, Du würdest nicht sagen gang aner gang an." 

Die Jäger umstellen die Hasen mit Netzen, Kranken 
(Verwundeten?) wird vom Arzt eingegeben, eine Witwe 
wird geschleiert, Hasen fahren in zwei Kähnen, Wacht- 
posten, Partisanen tragend, sind ausgestellt. Unterdessen 
richten die Jäger Federlappen auf Sieben Grünröcke 
mit sechs Hunden, deren einer seine abgehauene Pfote 
vorzeigt, verklagen die Hasen vor der auf dem Throne 
sitzenden Diana, darauf ziehen acht zu Fuss und einer 
zu Ross mit einundzwanzig Hunden und einem Wagen 
voll Jagdzeug gegen die Missethäter aus. Diese, noch 
in ihren Anzügen, werden von Hunden gehetzt, erschossen, 
gewürgt und aufgehängt. 

Der Bürgermeister von Schiida, am linken schwarzen 
Sarametärmel kenntlich, trägt selbdritt einen Mann auf 



320 C. Freyer: 

einer Bahre in sein Getreidefeld, einen Hasen ausziijagen, 
jener soll ihm das Korn nicht zertreten. 

Ein Hund, auf einem andern reitend, schleppt ein 
mit den Hinterläufen ihm au den Schwanz gebundenes 
Hasenpaar mit sich fort, zwei Hunde tragen viele Hasen, 
die an einer langen Stange hängen. Jäger lassen Falken 
auf die Hasen fliegen, von diesen fasst einer dem daher- 
reitenden Hasenkönig nach der Krone. Damen zu Pferde 
jagen Häsinnen durch Habichte und Falken. Beim Hetzen 
stürzt ein Jäger mit dem Koss, ein andrer setzt einer 
Hasenschaar nach, ein dritter zu Fuss zieht ein grosses 
Netz fest zu, in dem Hasen verstrickt sind. Hasen werden 
auch von den beiden jüngsten „Herrlein des Churfürsten 
August", die unter den Jägern mit abgemalt sind, getragen. 
Dreizehn Hasen sitzen im Stocke, mau schneidet ihnen 
die Ohren und haut ihnen die Vorderpfoten ab, ihr König, 
in weissem Gewände, wird geprellt, einer seiner Unter- 
thanen ist mit einem „Stück" an den Hinterläufen aufge- 
hängt, wieder einer ausgespannt, ein Jäger betröpfelt ihn 
mit einer brennenden Pechfackel, ein dritter wird von dem 
nach ihm springenden, an den Spannstrick gebundenen 
Hunde gerissen. Sechs Jäger und eine Frau verspeisen 
einen gebratenen Hasen. Ein mit dem König in das 
Wasser getriebener Hase ersäuft, jener stürzt mit dem 
Pferde. Die Hunde halten einen Triumphzug: vorn und 
hinten Fahnen, in der Mitte, auf einem Hunde reitend, 
zwei wt issgekleidete, gebundene Hasen (Königspaar?) und 
eine Menge Gefangener. 

Drei Köche streifen Hasen und richten sie zu, fünf 
Stück haben sie als Vorrath aufgehangen, neun stecken 
an Spiessrn, die von Hunden gedreht werden, in der 
Nähe stehen fünf Kessel und ein grosser Topf — gewiss 
zum Kochen des Hasenschwarz. — 

Wir kehren jetzt, nachdem wir die Hasenbilder im 
Zusammenhang betrachtet haben, in den Saal des dritten 
Stocks zurück. Er führt den Namen Venusberg, ver- 
muthlich daher, dass er durch einen eingebauten Schwib- 
bogen eine dunkele, fensterlose Hälfte hat, deren Bilder 
auf künstliche Beleuchtung berechnet sind. Man heisst 
jene auch „ein Nachtstück". In der Mitte des grossen 
Deckengemäldes sitzt Orpheus mit der Harfe auf einem 
Eichstamra, um ihn her stehen Affe, Bär, Elephant, Hirsch 
und Füchse, seinem süssen Gesänge lauschend, von dem 
in der Nähe ein mächtiger Hirsch auf einen Felsen, in 



Malereien in der Aiifrustusburg. 321 



■e 



der Ferne ein Bär unweit eines Bienenstocks, von dessen 
Bewohnern urascliwärrat, festgebannt ist. Die '^'^andge- 
raälde sind die einzigen landscliaftliclien Schilderungen ira 
ganzen Schlosse. Der Sinn für Naturschönheiten, ein 
Eigenthum hoch entwickelter Kultur, mangelt noch. Bi- 
zarre Formen von Bäumen, Bergen und Felsen, Gegenden 
mit absonderlichen Bamverken versehen, gelangen nur 
zur Darstellung. Am auffälligsten wirkt das Bild eines 
mächtigen, hochgelegenen Schlosses, zu dem aus grünenden 
Thale eine steile Brücke emporführt. Es will scheinen, 
als hätten wir es hier mit Erzeugnissen künstlerischer 
Pbantasie zu thun. Dem Künstler selbst, Heinrich Göding 
aus Braunschweig, dem „Maler des Schlosses", begegnen 
wir, da er sein eigen Konterfei im Saale angebracht hat. 
Möglich, dass er damit überhaupt seine Arbeit auf der 
Augustusbnrg beendete. Er steht über dem Kamin, eine 
Tafel prüfend vor sich hinhaltend, unten „im Kamin" liegen 
Pinsel und Farbennäpfe, dazwischen ein Papagei in einem 
Bauer, der ihm vermuthlich in dem einsamen Gebäude, 
bei der durch das beständige Drängen des Kurfürsten 
ruhelosen Arbeit"^) Gesellschaft leistete, im Winkel eine 
angelehnte Leiter, ihres Dienstes nunmehr ledig. 

Docli wir haben noch mehr Gelegenheit, Gödings 
Geist und Geschick zu bewundern. Unter dem südlichen 
Thor, d. h. rechts im Durchgange, liegt die Amtsstube, 
denn im Thor sollen Richter und Amtleute sitzen. (Deu- 
teron. 16, 18). Die schönsten und ernstesten Aussprüche 
der Bibel, heidnischer und christlicher Weiser über die 
Pflege des Rechts predigen den Rechtsprechenden und 
Rechtsuchenden von den Wänden herab, theils in der 
Spraclie des Volkes, dessen besondere Gabe Herrschen 
und Gesetzgeben Avar, theils in deutscher Zunge. Die 
Einleitung zu den Inschriften bildet der Spruch: 

Richter, richte recht, die Herren, wie den Knecht, 
Wie du wirst richten mich, So wird Gott richten dich. 

An Schriftstellen sind angeschrieben : 2. Chron. 19,6; 
Weish. Sal. 1, 1 u. 15; 6, 1; Psalm 121, 2; 110 (bez. 111), 
10; Sprichw. Sal. 12, 19; Gal. 2, 17; dazwischen Sen- 
tenzen aus Erasmus : Sicut sol non alius est paiqjeri, alius 
diviti, ita judex personam spectare non dehet, sed rem; 
Seneka: Qui statuit aliquid parte inatidita altera, aequum 

-1) G. malte sogar beim Schein von Talglichtern. W u s t m a n n , 
Lotter, S. 64. 

Neues Archiv f. S. G. u. A. VII. 3. 4. 21 



322 C. Freyer: 

licet statuendum erit, haiid aequus erit; Hieronynms: 
Nihil est ad defendendum tutins puritate, nihil ad dicendum 
fdcilius veritate ', Plato : Scientia, quae est remota a justitia, 
calliditas potius quam sapienüa est appellanda; Cicero 
(de orat.): In rebus magnis memoria dignis consilia pn- 
rnum, deinde acta, postea eveiitus spectantur; derselbe 
(de offic.): In judicio gratia ahsit^ causae merita decernan- 
tur; Isidor: Ancipitem diu delihera senteniiam ; Veriuus: 
Quae pietate caret, sententia saeva putatur , Est pietas 
cunctis antefereiida bonis] Cassiodor: Jusiitia non novit 
patrem, non novit matrem, veritatem novit, personam non 
accipit, Dewn imitatur. 

Durch die einwrestreuteu Bilder werden die Aus- 
Sprüche noch nachdrückliclier gemacht. Wir erbHckcn 
ein Weib aus dein Volke in schwarzem Kleide, auf dem 
Rücken zwei in ein Tuch gebundene Gänse, mit der 
Hand einen Korb voll Eier vor sich hinhaltend; eins der- 
gleichen mit schwarzem Mäntelchen angetlian, in der 
Linken eine Bier- oder Schleifkanne tragend, hinter dem- 
selben ein grosses altes Weib, die Rechte über die kleinere 
Frau ausstreckend; einen alten Bauer in rothem „Röckel", 
auf der Achsel einen Stab, an dem ein Kober hängt, die 
Linke hat er dem neben ihm stehenden schwarzgekleideten 
Mann auf die Schulter gelegt, dei- sich zu ihm herabbückt 
und ihm ins Gesicht schaut, wahrscheinlich ihm zuredend; 
einen Mann, der mit der Rechten ein Kelchglas hochhält, 
mit der Linken eine Kette nachschleppt. 

Sehr bezeichnend richten all diese Bittsteller die 
Gesichter nach dem Sclilosshofe, von woher die Richter 
kommen. Im letzten Bild trägt ein altes Weib, von zwei 
Mönchen umgeben, einen Korb auf dem Rücken, ein 
anderes kniet vor dem Richter und schenkt Branntwein ein, 
Beischrift: „Ich bitt, wolt mir gnädig seyn, Schenck euch 
einen guten Branndt-Wein. — Gemach Herr Merten."") 

Durch die Thür links im Tiiordurchgang betreten wir 
das Küchenhaus. Die Räume im Erdgeschoss, ausser dem 
ersten — der Trabantenstube — , gehören zu den beiden 
grossen Küchen, der Kurfürsten- und der Ritterküche, 
die im andern Stock dienen llaushaltungsz wecken. 
(Schneiderei, Kleider- und Kastengemach, Silberkammer 
und dergleichen.) Im dritten Stock befindet sich der 
grosse Speisesaal, der reich bemalt ist. 

2-) Diese Bilder uiul Inschriften wurden bereits 1707 übertüncht. 



Malereien in der Aiigustusburg. 323 

An den Wänden lesen wir Bibelstellen; deutsch, aber 
mit grossen lateinischen Buchstaben geschrieben, auf 
Massigkeit ira Essen und Trinken sicii beziehend, als: 
Sirach 36, 21; 37, 32, 33; Sprichw. 14, 28; Sir. 31, 30, 
31, 37, 16, 19, 32 und 33, 2»; 30, 27; 31, 22; Sprichw. 
23, 20 und 21a. — Wie im Kaisersaal schmückt auch 
hier die Decke ein Wappenkranz, aber nicht zur Ehre 
des Hausherrn , sondern zur Lehre und Warnung den 
Gästen, insonderheit wohl den Edelknaben, welche „auf 
dem Saal und in den Nebenzimmern ihr logiament ge- 
habt". Die Wappen stellen nämlich allerlei Gerichte u. a. 
vor; fingierte Adelsnamcn bilden die meisten Unter- 
schriften. 

Das erste — ohne Beischrift — wird gebildet von 
zwei kreuzweis liegenden, gebratenen Hasen, umgeben von 
Brat- und Knackwürsten, einer Senmielzeile und Quark- 
käsen. Die folgenden sind: Zwei umgestürzte blaue 
Schüsseln: Der von KargendorfF. Ein gespickter Wild- 
braten mit einer Semmelzeile: Der von Fressburg. Ein 
Schweinskopf in einer Schüssel : Der von Schweins- 
Koppen. Ein Schinken, darin ein Messer steckt: Der 
von Schinckendorff. Ein Nierenbraten : Der Nierenfresser. 
Ein lebendiges Schwein, zwei Messer darin steckend: 
Die von Schlaraffen. Zwei kreuzweis liegende Hechte: 
Der von Hechtsberg. Ein gespickter Hase: Die von 
Haasenburgk. Aale an Spiessen: Der von Aleshausen. 
Ein Fischkrug mit Weissfischchen: Die von Schmerlingen. 
Eine grosse Wurst: Hans AV'orst. Ein Breitopf: Fritz 
von Brei. Ein Gänseklein in Schüssel: Die von Gänse- 
Kröse. Eine Gallerte in Schüssel: Der aus der Galradtei. 
Vogelköpfe in Schüssel: Die von Schabantzen. Ein 
Kalbsgekröse in Schüssel: Der von Gelwen-Kröse. Eine 
LöfFelgans: Heine Nimer-sadt. Zwei Hände, ein Glas 
Bier haltend: Jeckel Werms-Bier. Ein Mann, den Bart 
mit dem Löffel begiessend: Die Bart-Klecker. Ein gross- 
mäuliger, dickbackiger Mann: Die von Fülschleben. Ein 
Mann, der einen Teller ableckt: Die Tellerlecker. Ein Mann 
beisst in einen Schweinskopf: Der von Füllshausen. Ein 
spitziges Weinglas: Der von Weissen Hosen. Drei kleine 
Krüge: Der von Mostheim. Ein Mann, aus einem Glase 
in der Rechten trinkend: Der von Knebelsdorfl. Ein 
Bierkännchen : Die von Bierhagen. Zwei kreuzweiss 
liegende leere Bratspiesse, zwei Buckelgläser an Spiessen, 
ein umgestürzter Becher, dreissig Bratwürste auf beiden 

21* 



324 C. Freyer : 

Seiten, in zwei weissen Feldern zwei gespickte Wildbraten, 
in zwei rothen eine Semnielzeile und ein Butterwecken: Ob 
du gleich nicht gewapnet bist, suche hie eins, welches dir 
eben ist. Ein Kapphahn in Schüssel: Der von Kakheim. 
Zwei gebratene Fische, kreuzweis übereinander: Der von 
Fischhausen, Ein Osterstriezel in Schüssel: Der von 
der Stritzel. Zwei Butterwecken in Schüssel: Der von 
Butters- Wecken. Vier Käse in Schüssel: Der von Käse- 
berg. Sieben Quarkkäse in Schüssel: Der von Quark- 
hausen. Eine Schöpskeule in Schüssel: Der von Schöps- 
kolben. Eine gebi-atene Gans in Schüssel: Die von 
Gänseheira. Ein Eierkuclien in einem Tiegel: Der von 
Blinssenburgk. Ein Kalbskopf in Schüssel : Das Angesicht 
aus Schwaben. Ein Schweinsbraten in Schüssel: Der von 
Schweinsburgk. Zwei Messer und vier Löffel, kreuzweis 
liejrend: Die von Essbrück. Eine Schüssel voll Neun- 
äugen: Der von Neuaugendorff. Eine Pastete in Schüssel: 
Der von Pastekendorff. Eine Suppenschüssel mit zwei 
kreuzweis liegenden Löffeln: Der von Suppenheim. Zwei 
Heringe in Schüssel: Der von Herings-Nasen. Ein Krebs 
in Schüssel: Der von Krebsscheere. Ein Stockfisch in 
Schüssel: Der von Stockfisch -Walde. Neun Eier in 
Schüssel: Der von Eiersdorff". Ein Halbtisch (?) in 
Schüssel: Der Halbfischer. Drei Fische in Schüssel: 
Der von Fischersdorff*. Neun gebratene Vögel an zwei 
kreuz weis liegenden Spiessen: Der Vogelbeisser. Eine 
gekrumt»' (panierte) Bratwurst am Spiesse auf dem Rost: 
Der von Worstendorff. Ein Trinkbecher : Der von SaufFen- 
burgk. Zwei lange Buckelgläser, kreuzweise übereinander 
gelegt: Der von Weiuhausen. Ein Hofmann, ein Glas 
auf dem Kopfe, eins in jeder Hand: Fritz Nümnier- 
nüchtern. Ein grüner Buckelbecher: Der von Dursten- 
dorfF. Ein Handkorb, darauf ein Semmelzopf, darüber 
kreuz weis zwei Vogelspiesse mit elf gebratenen Vögeln, zwei 
doppelt bedeckte Schüsseln, darauf ein „Camentgen" (?), 
zwei gebratene Gänse, in denen je ein Messer: Diese 
Wappen zieren jeden wohl, sonderlich wenn Er essen soll. 
Ein Narrenkoj)!' mit Schellen: Die von Narretey. Drei 
Fuchsschwänze: Die von Fuchsschwäntzen. Ein neben 
der Scheibe vorbei fliegender Pfeil: Die von Lügenhausen. 
Eine Schüssel Salat, der von dreizehn Eiern umlegt ist: 
Die von Salatsburg. Ein zerrissener Rock: Die Lappen- 
liäuser. Ein mit aufgesperrtem Munde rülpsender Kopf: 
Der von Rültzhausen. Ein mit dem rechten Arm auf den 



Malereien in der Augustnshnrg. 325 

Tisch sich stemmender Mann : Die von faulen Pengels- 
dorff. Eine blecherne Laterne, darin ein Licht von 
Menschenkoth : Die Unflatzyaner. Dies letzte Wappen, 
welches für das Wahrzeichen der Augustusburg gehalten 
wird, bezieht sich zweifellos auf den Flazianischen, Kur- 
sachsen durchtobenden Religionsstreit "■^). 

Den Raum innerhalb des Wappenkreises nahmen 
sechs Gruppenbilder ein. 

Vier Männer an einem Tische schlagen sich paar- 
weise mit Fäusten und Gläsern, unter dem Tische Hund 
und Katze, ein altes Weib kommt herzu und will mit 
einem Besen unter die Streitenden schlagen. — Beischrift: 

Uns ist gleich alss Hund und Katzen, 
Seynd wir füll, so müssen wir Kratzen. 

Bacchus auf einem Fass reitend, mit der Rechten sich 
aufstemmend, in der Linken ein Glas, vor dem Wagen 
zwei Männer mit Epheukränzen auf den Häuptern, zwei 
bekränzte Knaben mit Krummhörnern, zwei dergleichen 
mit Geigen und Flöten, hinter dem Wagen ein Mann mit 
einem grossen Trinkhorn. 

Zwei Mönche in weissen Kutten, einer am Tische, 
auf seinem Rücken eine Tasche, aus der ein Braten 
hervorsieht, mit beiden Händen einen Schweinsbraten 
haltend, von dem er gierig abbeisst, der andere kauert 
vor einem '\\ einfass, hält den Mund unter den Hahn und 
lässt sich den Wein hinein laufen. — Beischrift: 

Ich will erfüllen meinen Kragen 
Und hätt ich eines Wolfes Magen. 

Zwei Männer sitzen vor einem Bretspiel, einer hat 

einen Wurf in der Hand, der andere eine Kanne auf dem 

Kopfe, vor sich ein grünes Buckelglas, Kelchlein und 

Stutzchen, oberhalb tanzen zwei Männer auf einem Tische, 

wozu ein geputzter Affe geigt, der bei einem auf dem 

Kopfe stehenden, ein Glas Wein austrinkenden Manne 

sitzt, auf dem Ofen sitzend trinkt ein anderer ein Glas 

Bier leer, in der Nähe treiben sich zehn Maskierte herum. 

— Beischrift: 

Beym Wein achten wir keines Pfaffen, 
Wir reissen Possen gleich den Affen. 



-^) Vergl. die betr. Kap. der Kirchen geschichten von Hase, 
Kurtz u. s. w., bes. auch Distel, Der Flacianismus u. d. Schönburgsche 
Landesschule zu Geringswalde (Leipzig 1879). 



32fi ^' Freyer: Malereien in der Augustusburg. 

Zwei Männer schlagen sich mit Degen, einer hat 
einen bhitigen Hieb auf dem Kopfe, vor sich ein ganzes 
und ein zerbrochenes Glas, zwischen die Fechter fährt 
einer mit dem Sauspiess, der hinten noch sitzende lüftet 
den Degen, unter ihnen liegt ein Lowe. — Heischrift: 

Wir sclilingen den Wein ohn einiges Käuen, 
Drunib werden wir grimniic; gleich den Leuen. 

Zu Unterst am Tische sitzt ein Mann in weissem 

Gewände und hebt die Hände auf, neben ihm liegt ein 

Schaf. — Beischrift : 

Je völler, je frömmer ich bin, 
Wie ein Schaf hab ich einen Sinn. 

Fünf Männer an und bei einem Tische, darauf zwei 
Gläser und Pokale, einer schenkt ein, der zweite jauchzt 
mit aufgehobenem Arme, der dritte trinkt, der vierte 
schläft, der fünfte übergiebt sich, dabei liegt eine Sau. — 
Beischrift: 

AVir haben getrunken viel guten Wein, 
Drumb reissen wir Possen wie ein Schwein. 



Gödings in so kurzer Zeit vollbrachte Schöpfung hat 
sich, obwohl nur auf den Kalk hingezaubert, lange er- 
halten. Nur im ersten und zweiten Stock des Linden- 
hauses brauchte 1669 der Hofmaler Paul Werner eine 
Erneuerung vorzunelnnen. Unterdess hatte jene ein Seiten- 
stück in den Malereien des 1608 unter Christian IL be- 
gonnenen, 1630 vollendeten, gänzlich verschwundenen 
Fischhauscs in den kurfürstlichen Teichen bei dem Dorfe 
Hohenfichte erhalten. — ^^'enn man jetzt mit Schmerz 
die kümmerlichen Reste der Bilder betrachtet, kann 
wenigstens der Gedanke trösten, dass ein freundliches 
Geschick es ermöglichte, den ganzen bunten Schmuck 
des Schlosses durch vorstehende Beschreibung im Geiste 
vor seinen Augen vorüberziehen zu lassen. 



Literatur. 



Stammtafeln der ernestinischeii Linien des Hauses Sachsen. 
Quellenmässig bearbeitet von C. Ä. fl. Burkhardt, Dr. ph., Grossh. 
S. Oberarchivar und Archivrath und Herzogl. S. Gemeinschaft!. 
Archivar. Festgabe zur Eröffnung des Archivgebäudes am Karl 
Alexanderplatze am 18. Mai 1885. Weimar, Druck von ß. Wagner. 
4 Bogen Querfolio. 

Der Verfasser, der bereits zur Neubearbeitung der Voigtelschen 
Stammtafeln durch L. A. Cohn eine Anzahl, allerdings nur in den 
Noten zu denselben verwandter Beiträge geliefert, hat seit einer 
langen Reihe von Jahren eifrig für das uns hier vorliegende Werk 
gesammelt. Ein Vergleich der Tafeln mit ihren Vorgängern, unter 
denen die genannten Cohn -Voigtelschen doch noch immer die am 
meisten benutzten sind, da die seitdem (1879 — 83) erschienenen 
V. Kellerschen Tafeln nur eine geringe buchhändlerische Verbreitung 
gefunden haben (auch B. scheint sie nur theilweise zu kennen), 
zeigt, dass seine mühevolle Arbeit keine erfolglose gewesen ist; die 
Genealogie des Hauses Wettin, die zweifellos in allen Theilen noch 
der kritischen Detailuntersuchung bedarf, hat durch die Burkhardt- 
schen Tafeln eine höchst dankenswerthe Bereicherung erfahren, 
doppelt dankenswerth deshalb, weil sie den compliziertesten Theil 
derselben , die verwickelte Genealogie der ernestinischen Spezial- 
linien behandelt und zwar in überaus praktischer und übersichtlicher 
Weise. Die Handlichkeit, auf die B, selbst mit Recht grosses Ge- 
wicht legt, ist hauptsächlich dadurch erreicht worden, dass nur die 
Rufnamen und die absolut nothwendigen Daten (Geburts-, Todes- und 
Vermählungstag) in die Tabellen selbst aufgenommen, alle übrigen 
Angaben aber in die Noten verwiesen wurden. Diese letzteren, die 
reichlich die Hälfte des \Verkchens füllen, legen von der archivalischen 
Findigkeit und der Belesenheit des Verfassers ein rühmliches Zeugnis 
ab, wenn man auch hie und da noch einen Nachtrag zur Literatur 
machen könnte — schon die erschöpfende Benutzung des 2. Bandes 
von B. G. Weinarts Versuch einer Literatur der sächs. Geschichte 
(Neue Auflage, Leipzig 1805) würde den Verfasser auf mancherlei auf- 
merksam gemacht haben — , an einzelnen Stellen auch eine aus- 
führlichere Begründung der gewiss durchweg auf sorglichen Er- 
wägungen beruhenden Abweichungen von den bisherigen genealogischen 
Arbeiten, die namentlich hinsichtlich der älteren Ernestiner sehr 
zahlreich sind, wünschen möchte. Jedenfalls wird man gut thun, 
sich künftig ausschliesslich an die Burkhardtschen Tafeln zu halten, 
wenn es sich um Spezialfragen der ernestinischen Genealogie handelt. 



328 Literatur. 

An die Noten schliesst sich ein Verzeichnis der hedentendsten 
deutschen Begräbnisstätten der Ernestiner und eine kurze Übersicht 
über die sächsisclien Landestlieilunfren, so weit sie für das ernesti- 
nische Hans in lietracht kommen, an; in letzterer dürfen wir wohl 
den Vorläufer der in dem Vorwort in Aussicht gestellten Darstellung 
der Territorialbildung des Grossherzogthums Weimar nnd der Her- 
zogthümer begrüssen. 

Dresden. Ermisch. 

Martin Luther, Naumlmrg a. S. und die Iteforniation. Fest- 
schrift zur Begrüssung der Versammlung vormaliger Schüler des 
Naumburger Domgymnasiums am .30. September, l.^und 2. Oktober 
1885 in Naumburg. Von Paul Mit/schke. Naumbursr a. S., Julius 
Domrich. 1885. .36 SS. 8". 

Naumburg zog während der Reformationszeit die Aufmerksamkeit 
von ganz Deutschland auf sich bei Gelegenlieit von Jul. Pflugs 
und ISiic. V. Amsdorfs verhängnisvollem Streit um das Bistlium. Aber 
auch sonst hat es mehrfache nähere Beziehung mit dem Reformator 
gehabt. Bereits 1518 berührte er wahrscheinlich auf der Reise nach 
Heidelberg die Stadt, ebenso 1521 auf der Fahrt nach Worms. Die 
Frage, wer der Geistliche war, der Luther das Bild Savonarolas 
schickte, wird S. 6 u. 7 erörtert, findet aber keinen sichern Abschluss. 
Besonders wichtig war Luthers Anwesenheit 1542. Ausserdem be- 
schäftigt er sich mehrfach in seinem Briefwechsel mit der Stadt, dem 
Bischof, dem Kanzler, dem Pastor Dr. Mcdler. Verfasser hat diesen 
Stofl' zu einem für weitere Kreise berechneten und anziehenden 
Bilde verarbeitet, dessen Hintergrund eine Schilderung des kirch- 
lichen Lebens der Stadt im 15. Jahrhundert bildet. Hoftentlich be- 
gegnet uns Verfasser, der bereits in seinen „Naumburger Inschriften" 
werthvolles Material zur Geschichte seiner Vaterstadt gesammelt 
hat, auch weiter auf diesem Gebiete. Die ungedruckten, in den An- 
merkungen angezogenen Quellen, namentlich aus dem Ernesfinischen 
Gesamtarchiv zu AVeimar, l)eweisen, wie viel dankbarer Stoff" sich 
bietet. Referent fügt noch zwei Bemerkungen bei. 

Erklärt sich Luthers Vertrauen auf Pfalzgraf Philipp, Bischof 
von Naumburg und Freisingen, vielleicht aus früheren Beziehungen 
zu demsell)en? Vergl. den Brief an Johannes Sylvius Egranus: l^ri- 
mum lAacct, qiiod ovmia suh Judicium ecciesiae, imjnimis ordinarii 
tui (ut dicitur) suhmiUis. Enders, Dr. Martin Luthers Briefwechsel 
I, 182. Ebenda I, 193 schreibt Luther an Spalatin: Literas ad 
illnstrissinmm Principem Episcopiim Noiviburf/ensem non potui 
aptitis quam per tc (lirigere. 

Die S. 22 Anm. 2 erwälinte Schulor<lnnng ist theilweise abge- 
druckt in dem Progr. über die Volksschulen und Bürgerschulen in 
Naumburg 1865: „Leges Discipulorum, abgedruckt aus: der Stadt 
Naumburg verneuerte Schul - Ordnung puldiciret Im Jahre 1656. 
Nanmi)urg, in Verlegung Martin Müllers, 1(;57.'- 

r>resden. Georg Müller. 

Die Stellung: der (wut suntortJianon in der Oborlau.sit/ zu ihren 
Gutsherrscliaften von den ältesten Zeiten bis zur Ablösung der 
Zinsen und Dienste. Von Dr. Hcrniaiin Enotlie. Von der Ober- 
lausitzischon Gesellschaft der Wisser.scbaften in Görlitz gekrönte 
Preisschrift. (Sep.-Abdr. aus dem Neuen Lausitz. Magazin Bd. LXI, 
155 flg.) Dresden, Warnatz u. Lehmann (Komm.) 1885. 150 SS. 8". 



Literatur. 329 

Das neueste Werk, mit welchem uns der unermtidliche Historiker 
der Oberlaiisitz beschenkt, ist eine überaus werthvolle Gabe, die weit 
über die zunächst interessierten Fachkreise hinaus Beachtung ver- 
dient und finden wird. Die Geschichte der bäuerlichen Verhältnisse 
in Deutscliland gehört zu den schwierigsten Aufgaben, welche die 
junge Disziplin der Wirtbschaftsgescliichte noch zu lösen hat; und 
nicht eher kann man von einem allgemeinen Werke über diesen 
Gegenstand befriedigende Ergebnisse hoflen, bevor nicht eine ganze 
Reihe bis in das Einzelne eindringender Spezialuntersuchungen das 
Terrain geebnet haben. Besonders bedarf es solcher noch für die 
Gebiete, wo die deutschen Eroberer im 10. und 11. Jahrhundert eine 
slavische Bevölkerung vorfanden. Ein persönlich freier Bauernstand 
war den Slaven völlig unbekannt; neben den mit weitem Grundbesitz 
ausgestatteten Stammeshäuptern (Königen) und einem kriegerischen 
Adel, der die ilim überlassenen Güter ebenfalls als Eigenthum be- 
sass, gab es mehrere streng geschiedene Klassen von Hörigen, über 
welche der Verfasser bereits im J. Bande dieser Zeitschrift eine er- 
schöpfende Untersuchung veröÖentlicht hat. Die Unterwerfung der 
Slavenländer unter deutsche Herrschaft schuf vollkommen neue Ver- 
hältnisse. Machte sie insofern der dinglichen Freiheit des Grund- 
besitzes ein Ende, als alles Land fortan als Eigenthum des deutschen 
Königs bez. der von ihm eingesetzten Landesherren galt und sowohl 
diejenigen slavischen Grossgrundbesitzer, welche sich der deutscheu 
Herrschaft unterwarfen, als auch die Deutschen, welche die Besitz- 
nachfolger der übrigen slavischen Edlen wurden, ihre Güter lediglich 
zu Lehn besassen, so rief sie doch anderseits einen freien Bauern- 
stand ins Land: die zahlreichen Einwanderer, welche zur Hebung 
der Landwirthschaft aus den verschiedensten Theilen I'eutschlands 
herangezogen wurden, waren persönlich frei. Doch war die Umge- 
staltung der Verhältnisse keineswegs so durchgreifend, dass nicht 
neben jenen deutschen Bauern noch eine zahlreiche altslavische Be- 
völkerung geblieben wäre, die allerdings theilweise durch Umge- 
staltung der slavischen Dörfer in deutscher Weise gleichfalls zu 
persönlicher Freiheit gelangte, theilweise aber auch in der alten 
Hörigkeit verblieb. So entwickelte sich eine bunte Mannigfaltigkeit 
der Verhältnisse. In einzelnen alten Slavenländern, z. B. in Schlesien, 
lassen sich diese Umwandlungen ziemlich klar verfolgen, weil uns 
ein reiches urkundliches Material über die Dorfaussetzungen nach 
deutschem Kechte vorliegt; wo ein solches jedoch fehlt wie in der 
Mark Meissen und insbesondere in der Oberlausitz, ist es überaus 
schwer, Klarheit in die Fragen zu bringen, und es ist sehr begreif- 
lich, dass die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften schon 
wiederholt (1821, 1822) die Geschichte der bäuerlichen Verhältnisse 
zum Gegenstaude einer Preisaufgabe gemacht hat, ohne dass dieselbe 
eine Lösung gefunden hätte. Auch jetzt würde, so zahlreiche Ur- 
kunden auch seitdem veröffentlicht worden sind, die wenigstens 
mittelbare Aufschlüsse zu geben vermögen, schwerlich ein anderer 
der 1883 von neuem gestellten Aufgabe gewachsen gewesen sein, als 
der Verfasser, der ein Menschenleben lang mit wahrhaft deutschem 
Gelehrtenfleisse das einschlagende Material im weitesten Sinne durch- 
forscht hat. Seine Schrift, eine höchst dankenswerthe Ergänzung 
seiner 1877 erschienenen Kechtsgeschichte der Oberlausitz, ist in 
ihrer Weise ein Meisterwerk. Namentlich verdient sie unsere Be- 
wunderung, so weit sie die ältesten Verhältnisse des Landes betrifft. 
Geringer waren die zu überwindenden Schwierigkeiten bei Darstellung 



330 Literatur. 

der späteren Entwicklung seit dem 15. und 16. Jahrhundert, die all- 
mählich an die Stelle der erwähnten Mannigfaltigkeit der ßeziehungen 
zwischen den ünterthaneu und der Gutsherrschaft wieder eine wenig 
erfreuliche Gleichförmigkeit setzte, indem der Zug der Zeit die per- 
sönliche Freiheit, die sich leider nicht urkundlich naclnveissen liess, 
mehr und mehr in Vergessenheit gcrathen liess und die gesamte 
häuerliche Bevölkerung zu einer schwer lastenden Leiheigenschaft 
herabdriickte, die au die altslavischen Verhältnisse erinnerte und 
von welcher erst unser Jahrhundert die Erlösung brachte; doch auch 
in diesen Abschnitten müssen wir der vollkommenen Sicherheit in 
der Beherrschung des immer mehr wachsenden Materials unsere 
vollste Anerkennung zollen. An Einzelheiten Kritik üben zu wollen, 
würde einer derartigen Arbeit gegenüber fast vermessen erscheinen. 
Fände sich doch bald die berufene Kraft, welche für die übrigen 
Theile des Königreichs Sachsen die auch liier sehr verwickelten ge- 
schichtlichen Verhältnisse der biiuerliclicn Bevölkerung in gleich 
vollendeter Weise zu bearbeiten vermöchte. 

Dresden. Ermisch. 

Album des Oymuasiuins zu Zittau. Zur Erinnerung an die drei- 
hundertjährige Jubelfeier der Bcgrüiulnng des Gymnasiums be- 
arbeitet von Prof. Dr. Oskar Friedrich, Konrektor am Gymna- 
sium zu Zittau. Zittau, Menzel. 188G. 196 SS. 8". 

Unter den verschiedenen aus Anlass des genannten Jubiläums 
erschienenen Festschriften ist die oben genannte unstreitig die für 
die Lokal- und Personalgeschichte der Stadt Zittau weitaus wichtigste, 
wie sie denn auch die allergrösste Mühe unil Arbeit verursacht hat. 
Sie enthält zuerst ein lediglich alphabetisches Verzeichnis von Schüleru 
des Zittauer Gymnasiums, soweit deren mit Sicherheit ermittelt werden 
konnten, von der Eröfl'nung der .\nstalt im Jalire 158C> an bis zum 
Jahre 178H mit nur ganz kurzen Angaben über Geburtsort. Zeit des 
Aufenthalts auf dem Gymnasium und etwaige; spätere Lebensstellung. 
Es folgt sodann ein zweites ebenfalls alphalietisches Verzeichnis 
s ä mm t Hoher Schüler von 1783 bis zur Gegenwart mit ausführ- 
licheren, wenn auch in knappester Form gehaftenen biographischen 
Notizen. Dieser Abschnitt, auch dem Umfang nach der bedeutendste, 
bildet unstreitig den Schwerpunkt der gesamten Arbeit. Daran 
schliesst sich ein blosses Nameusverzeirhnis aller seit 1798 aufge- 
nommenen Schüler auf Gruinl der Inskriptionsbücher, geordnet nach 
den einzelnen Jahren, mit .\ngabe der betreffenden Klassen. Das- 
selbe giebt zugleich einen Massstab für die jedesmalige Frequenz 
der Anstalt an die Hand. Hierauf konnnt ein Verzeichnis der jedes- 
maligen Abiturienten von 1798 bis 188G. Wie sich aus den beiden 
letzteren jeder ehemalige Zittauer Schüler diejenigen ins Gedächtnis 
zurückrufen wird, mit denen er einstmals zusamnuMi aufgenommen 
oder später zusammen abgegangen ist, so ündet zumal in dem zweiten 
Verzeichnis jeder, der daran ein Interesse hat, nicht nur über alle 
mehr oder minder berühmt gewordenen Zittauer, sondern auch über 
ganze Zittauer Familien und deren Genealogien ausführliche und 
sichere Angaben. Den Schluss bildet das Verzeichnis der „Scholarchen" 
oder Inspektoren, au deren Stelle später die „Mitglieder der Schul- 
kommission" traten, ferner der Rektoren, sowie sämtlicher Lehrer, 
sowohl der früheren „lateinischen Schule" als des daraus hervor- 
gegangenen Gymnasiums, von der ältesten Zeit bis auf die Gegenwart, 



Literatur. 331 

ebenfalls mit ausführlichen biographischen Notizen. — Wir begrüssen 
daher diese Festschrift als eine ebenso verdienstliche als mühsame 
Arbeit. 

Dresden. Hermunn Knothe. 

Bescbreibeiule Darstellung: der älteren Bau- und Kunstdenkmäler 
des Königreichs Saclisen. Auf Kosten der K. Staatsregierung 
herausgegeben vom K. Sächsischen Alterthunisverein. Sechstes 
Heft: Amtsbauptmannschaft Flöha. Siebentes Heft: Amtshaupt- 
niannschaft Chemnitz. Bearbeitet von R. Steche. Dresden, in 
Kommission bei C. C. Meinhold u. Söhne. 1886. 89 u. 62 SS. &«. 
In dem Repertoriuni für Kunstwissenschaft 1885 wurden die fünf 
ersten Hefte dieser so überaus wohlgeUmgenen Publikation schon 
eingehend besprochen, ihre Yorzüge zumal gegenüber der Monu- 
mentalstatistik der preussischen Provinz Sachsen hervorgehoben, die 
Knappheit und Klarheit der Darstellung, die Trefflichkeit der Ab- 
bildungen gerühmt. Diese Bemerkungen noch einmal hier vorzu- 
bringen ist also überflüssig: es genügt hervorzubel)en, dass auch die 
beiden zuletzt erschieneneu Hefte gleich tüchtig gearbeitet sind und 
der Kunstgeschichte wiederum ein sehr willkommenes Material zu- 
führen. In Heft c> ist das Schloss Augustusburg behandelt; Pläne 
veranschaulichen die ursprüngliche Anlage, die noch erhaltenen 
Reste der alten Pracht; das urkundliche Material ist für die Dar- 
stellung verwendet. Auch die gothische Kirche zu Ebersdorf und 
ihre Kunstdenkmäler, das interessante romanische Tympanonrelief 
aus Schloss Lichtenwalde werden dem Freunde der Kunstgeschichte 
manches Neue bieten. In dem folgenden Hefte 7 ist es besonders 
die Schlosskirche zu Chemnitz, welche die Aufmerksamkeit fesselt. 
Die merkwürdigen Formen der Spätgothik, die mit einer armseligen 
Originalitätshascherei entworfen sind, kommen grade bei diesem 
Monumente zum klarsten Ausdruck. Fein und elegant sind dann 
einige Proben deutscher Frührenaissance, gleichfalls aus Chemnitz 
entnommen. 

Es liegt auf der Hand, dass nicht alle Hefte ein gleich werth- 
volles Material bieten können, aber es ist doch sehr wichtig, dass 
eben das ganze Land systematisch durchforscht und dass mitgetheiit 
wird, ob viel, ob Avenig sich vorfindet. Dadurch werden die brauch- 
barsten Materialien zunächst zu einer Kunstgeschichte Sachsens zu- 
sammengetragen, und es wäre wohl zu wünschen, dass eine solche 
zusammenfassende Schilderung der Vollendung des hier angezeigten 
Werkes folgt; es ^ürde dies der deutschen Kunstgeschichte zum 
grössten Vortheile gereichen. 

Dem Bearbeiter der Darstellung gebührt uneingeschränkte An- 
erkennung, der K. Sächsischen Regierung aber der wärmste Dank 
aller Freunde der Kunstgeschichte für die Forderung, die sie diesem 
trefflichen W^erke angedeihen lässt. 

Prag. Alwin Schultz. 

Baugeschichte der St. Marieukii'che zu Zwickau. Von Dr. 0. 

Mothes, kgl. Baurath, Werkmeister zu St. Marien. Zwickau, 

Kouegen. 1885. 106 SS. 16«. 

Diese Schrift erweist sich als ein unzweifelhafter Fortschritt 
gegenüber den früheren, die über denselben Gegenstand geschrieben 
worden sind. Verfasser stellt auf Grund der eingehenden Unter- 
suchungen, die ihm seine augenblickliche Stellung erlaubte oder zur 
Pflicht machte, zahlreiche Angaben Hildebrandts, Herzogs u. a. richtig 



33? Literatur. 

und bringt viele neue Thatsachen vor. Er hat allerdings, wie er 
selbst zugesteht, noch keine Zeit gefunden, archivarische Forschungen 
anzustellen uiul „besitzt nicht die Anmassnng zu glauben, dass die 
Resultate seiner Untersuchungen unantastbar seien." In der That 
bleiben noch manche Punkte der Baugeschichte dunkel. Nach dem 
Befunde des jetzigen Zustandes sind nach Mothes mindestens neun 
Bauperioden zu unterscheiden. Am 1. Mai 1118 war die erste Kirche 
bereits geweiht, im Gebrauche, der Hauptsache nach vollendet und 
an die Benedictiner des Klosters Bosau übergeben. Die Erbauerin 
ist die Orilfin ßertha, deren Person noch nicht völlig klar gestellt 
ist. Auch die ursprüngliche Gestalt dieser ei'sten Anlage ist unsicher; 
nur Nachgrabungen im Fundamente könnten Klarheit schaffen, was 
ausser dem Langhause vorhanden war. Um das Jahr 1270 vermuthet 
Mothes einen Thurmbau; aus der Stiftung eines heiligen Kreuzaltars 
(2. Nov. 1291) schliesst er auf eine vorangegangene Erweiterung der 
Kirche an der Chorseite. Die dritte Bauperiode fällt nach dem 
Brande von 1327 oder 1?>28, wobei die Marienkirche kläglich ausge- 
brannt war. Der Wiederaufliau begann bereits Mitte Juni 1328, der 
Altar konnte 1336 wieder benutzt werden, der ganze Bau scheint 
1348 vollendet zu sein. Dabei wird der Thurm verstärkt und Seiten- 
liallen werden angebaut. Das Langschiff bestimmt Mothes für diesen 
Bau auf vier Joche und 8 m Weite, die Gesammtlichtenbreite der 
drei Schiffe auf 18,70 m, die Gesamnitbreite der drei Vorhallen (die 
im Westen etwas grösser als im Osten gewesen sei) auf 19,12 m. 
Über die Grösse des Chorbaues fehlen Anhaltepunkte für Vermuthungen. 
Die vierte Bauperiode fällt nacdi dem Brande vom 13. April 1383. 
Damals oder schon vorher ward das Atrium beseitigt und durch eine 
offene Vorhalle für die Büsser ersetzt. Die nach 1328 begonnene 
Quadermantelung des Thurmes wurde fortgesetzt, die Strebepfeiler 
wurden erhöht, um dem Thurme mehr Festigkeit zu verleihen, ein 
Wendeltreppenthurm wurde neu angelegt. Der Thurm muss um 
1390 vollendet gewesen sein, machte aber in der Folge mangelnder 
Festigkeit wegen mancherlei Schwierigkeiten. Die fünfte Bauperiode 
nach dem grossen Brande von 1103 endet 11.30, doch fehlte damals 
noch der Helm des Thurmes, was Mothes daraus schliesst, dass der 
Thurm bei der Belagerung durch die Hussiten als Geschützstand 
benutzt werden konnte. Ausserdem zeigte derselbe in der Folge Kisse, 
die Seitenhallen trugen Interimsdächer, um 1452 erweist sich die 
Kirche für die wachsende Einwohnerzahl und die vielen Altäre zu 
enge, der östliche Tbeil präsentiert sich nicht sehr stattlich. Die 
sechste Bauperiode führt .lobannes Capistranus durch seine begeist- 
ernden Reden (1452) herbei: man bcschliesst eineji neuen Chorbau, 
dessen Gründung im Juli 1453 beginnt. Bereits 1405 (nicht 1470) 
ist er im Mauerwerk fertig, wie aus der Stiftung des Matthiasaltars 
hervorgeht, M70 wird er geweiht, am 19. Oktober 1475 äusserlich 
vollendet durch Anl)ringung eines vergoldeten Hahns auf dem An- 
fallspunkte des Chorschlusses („uff unser Lieben Frawen Kirchspitz"). 
Mothes setzt auf diesen Tag den Schluss der sechsten Bauperiode 
und bestreitet aus stylistischen Gründen einen Thurmbau in ihr. Der 
Chor sah damals äusserlich so aus, wie jetzt, ,,nur dass einige Strebe- 
pfeiler später verändert, ja verunstaltet worden sind". Nach der Vollen- 
dung des Chorbaues nimmt Mothes einen Meisterwechsel an und setzt 
die siebente Bauperiode auf 1476— 1506. In die Jahre 1476—78 fällt 
der Bau des Kollers (colarium = der Raum, wo Öl und Wein vor der 
kirchlichen Benutzung durchgeseiht wurden); darnach entstehen die 



Literatur. 333 

zwei Hallen (die Nord- und Stidhalle) am Thurme in der "Weise, 
dass die beiden für den Bau angeworbenen Meister je zwei mächtige 
Mauermassen (von 2,28— 2,30 m Dicke) dem Schübe entgegenstemmten 
und die Räume zwischen diesen enormen Pfeilern gegen Nässe be- 
schützten. 1480 stockt der Bau, der Kölner Werkmeister scheint 
infolge des sächsischen Hüttenstreits den Bau verlassen zu haben, 
der andere, ein Regensburger, nimmt 1493 den Thurmbau in Angriff 
und vollendet ihn 1500. — Im Jahre 1505 erlangte der Rath das 
zu einzelnen Theilen schon längst von ihm ausgeübte Patronat nun 
endlich auch nominell und vollständig und benutzt sein Patronats- 
recht sofort zu einem vollständigen Neubau des eigentlichen Kirchen- 
gebäudes. Somit beginnt am Sonntag Exaudi 1506 die achte Bau- 
periode. Zunächst wurde die neue Aussenmauer an der Nordseite 
in Angriff genommen, ohne dass man an der Kirche selbst etwas 
weggerissen hätte. Dieser Bau war 1517 bis zum Anschluss an die 
Kreuzkapelle einschl. Gewölbe und Interimsdach fertig. In demselben 
Monate begann die Erweiterung nach der Südseite, 1538 war die 
Kirche fertig, „in der Hauptsache in gleicher baulicher Gestalt, wie 
jetzt, in vielen Dingen freilich weit schöner, eins der schönsten Bei- 
spiele der sächsischen Gothik, die sich mit dem Hüttenstreite heraus- 
bildete". Die neunte Bauperiode umgrenzt Mothes ziemlich weit, 
nämlich von 1539 — 1862, und sagt, sie verdiene eher eineRuinierungs- 
periode genannt zu werden. Die Mothessche Darstellung bringt für 
diese Zeit nicht viel neue Momente vor. Wir verzichten daher da- 
rauf, die Baugeschichte hier noch weiter wiederzugeben. Wir wünschen 
und hoffen aber, dass über die zehnte Bauperiode, deren Leiter Herr 
Mothes selbst ist, einst ein anerkennenderes Urtheil gefällt werden 
möge, als über die neunte, und dass die altehrwürdige Marienkirche 
unter seiner Leitung zu ihrer alten Herrlichkeit erstehe. 

Dresden. Paul Schumann. 

Briefe aus Italien von Julius Schnorr von Carolsfeld, ge- 
schrieben in den Jahren 1817 — 1827. Ein Beitrag zur Geschichte 
seines Lebens und der Kunstbestrebungen seiner Zeit. Mit Porträt. 
Gotha, Perthes. 1886. 555 SS. 8". 

Wieder haben wir einen höchst werthvollen Beitrag erhalten, 
der unser Bild einer der wichtigsten Perioden der deutscheu Kunst 
bedeutend erweitert und vervollständigt. Die grosse Zeit, die wir 
vor allem aus Cornelius' Briefen (herausgegeben von Förster) kannten, 
erfuhr erst vor kurzem ehie neue Beleuchtung durch Ludwig Richters 
gemüthsinnige Lebenserinnerungen. Aber Richter stand den Naza- 
renern, wie man sie wohl spöttisch nannte, ferner; Schnorr gehörte 
zu ihnen, als sie noch einig waren und noch nicht religiös -dogma- 
tische Tendenzen die rein künstlerische Seite ihres Strebeus beein- 
trächtigten. Dem jüngeren Künstlergeschlechte darf man freilich 
nicht von jener Zeit im 2. und 3. Zehnt unseres Jahrhunderts 
reden; den meisten derselben ist sie nur die Zeit der Verachtung 
und Unkenntnis der Technik. Indess oft genug möchte man 
diesen zurufen : Etwas weniger Technik und etwas mehr Geist und 
Begeisterung wäre euren Werken zu wünschen. Die grossen Männer, 
denen die Geschichte das Verdienst zuschreibt, die neue deutsche 
Kunst ins Leben gerufen zu haben , besassen beides. Welch' vor- 
nehme grossartige Künstlergesinnung spricht z. B. aus Schnorrs 
Urtheil über den Kunstmäeen Preuss (S. 405): „Er sieht den Künstler, 
der einmal eine gewisse Geschicklichkeit erlangt hat, wie einen Glas- 



334 liiteratnr. 

bläser au, der sein Rohr in die Masse taucht, etwas Wind macht, 
und ehe man sichs versieht, ein Gefäss fertig hat. Nun kommt es 
darauf an, dass er die Ware liefert, die am meisten verlangt wird, 
entweder Flaschen oder Gläser etc. Als ich ihm nach wiederholten 
lästigen Aufforderungen, in der kurzen Zeit, welche er hier zu- 
brachte, ein Uildchen zu malen, endlich gerade heraus sagte, ich 
könne und wolle keine .\rbeit maclien, die mir nicht im Geiste klar 
geworden sei, so erklärte er mir: dass ich ihm sehr leid thue; ich 
sei sonst ein Mensch mit hübschen .\nlagen und mein Charakter 
habe etwas Gemüthliclies und Inniges, ich leide aber an gewissen 
Ideen (insofern ich nämlich mich dagegen erkläre, ein ßild zu- 
sammenzupfuschen, das mir nicht im Innern leliendig ist), die mich 
nothwendig unglücklich machen müsstcn. . üit sind mir bestimmte 
Aulforderungen, in kurzer Zeit etwas zu liefern, sehr willkommen 
gewesen; die Aufforderung, wenn sie von einem geistreichen und 
erregten JNlanne ausgeht, erregt und begeistert leicht den Künstler, 
und es entsteht gerade auf diese Weise oft das Beste, auch habe 
ich es wahrlich nicht verschmäht, mir etwas zu verdienen. Dieser 
Mann aber, der mir viel Zeit raubte, durch sein niedriges Geschwätz 
stets den Geist der Kunst meilenweit vorscheuchte, wollte mich von 
meinem grossen Karton Linwcgreissen, um ihm ein Genrestückchen 
zu malen." — 

Es waren damals in Rom Männer versammelt, die, um ihren 
Idealen zu leben, Jahre lang um dürftigen Lohn der hohen Kunst 
pHegtcn und so sonderbar es klingen mag: Rom war damals der 
Hanptsitz deutscher Kunst. Man höre was Schnorr hierüber (S. 34.S) 
an Quandt schreibt: „Fast alle Deutschen, die nur einige Zeit sich 
hier aufhalten, schliessen einen zärtlichen üund mit Kiun, und gewiss 
selten verlässt es einer ohne Schmerzen, um so mehr, als man hier 
eigentlich erst recht in das deutsche Wesen hineinkommt, geschweige 
denn heraus (wenn man anders nicht will). Denn wo rindet man 
anders so viel treifliche Deutsche versammelt als gerade hier? und 
wo fühlt man sich mehr zu seinen Landsleuten hingezogen als in 
dem fremden Lande? Wenn man den innerlichen Zusammenhang der 
Dinge betrachtet, meine ich fast, man müsse Rom zu Deutschland 
rechnen ; sind wir auch nur hundert, und jene Hunderttausende, das 
eigentliche wahre Rom gehört doch uns," und weiter lesen wir 
(S. 351 j: „Obwohl ich die feste Überzeugung habe, es sei zu wün- 
schen, dass einst der Zeitpunkt komme, wo die deutschen Künstler 
nicht mehr scharenweise nach Rom ziehen, dass wir in unserem 
Lande ein deutsches Rom haben (wie es wohl Köln einst gewesen 
sein mag), weil dies das einzige Mittel ist, wollen wir wieder eine 
deutsche Kunst haben, so muss ich doch bekennen, dass, wie die 
Lage der Dinge jetzt nun einmal war, Rom dem Aufblühen einer 
neuen deutsehen Kunst nicht nur niciit schädlich, sondern höchst 
förderlich war. Rom war wirklich der günstigste Ort, um den deut- 
schen Künstler, dem ein anderer Sinn aufging, in diesem sonder- 
baren Zeitpunkte aufzunehmen. Das fremde Land, die fremde Sitte 
und Sinnesweise bleibt ihm darum immer fremd , der Deutsche ist 
nie deutscher gewesen, als er es jetzt hier ist" u. s. w. 

Die Jahi-e, welche Julius Schnorr v. Carolsfeld in Rom zu- 
gebracht hat, sind von höchster Wichtigkeit für seine EntwickeUuig 
geworden. Er verlebte hier die Zeit vom 24. bis 34. Jahre. Er 
kam nach Rom mit Widerwillen gegen die Auffassung der Kunst, 
wie sie in Deutschland herrschte und die vielleicht am besten durch 



Literatur. 335 

Tischbeins des Leipziger Akademiedirektors Worte charakterisiert 
wird: „Ich weiss wohl, wie ich malen soll, aber nicht, was ich 
malen soll." Er kam nach Rom, getrieben von einer Begeisterung, 
über deren Ziel er noch nicht ganz klar war, er schied davon völlig 
gereift und klar über seine Absichten und seinen Standpunkt zu 
Overbeck und Cornelius, die Mitbegründer der neuen Kunst, die 
späterhin auf theilweise anderen Pfaden wandelten als er selbst. 
Die Läuterung seiner Ansichten ist in den zahl- und gehaltreichen 
Briefen, welche in solche an seinem Vater und solche an Künstler 
und Kunstfreunde geteilt sind, deutlich zu verfolgen. Schloss er 
sich anfangs an Overbeck inniger an, so kam er allmählich zur Er- 
kenntnis, dass zwischen dessen und seinen Anschauungen eine 
Kluft bestehe. Von den Nazarenem, die schliesslich in ihrem 
liekehrungseifer mehr der katholischen Kirche als der Kunst lebten, 
schlössen sich die Capitoliner ab, deren Haupt Schnorr war und 
deren Kreisen auch Ludwig Richter , obgleich Katholik , wichtige 
Anregungen verdankt. Scharf wahrt der streng protestantische 
Schnorr seinen Standpunkt jenen Bekehrern gegenüber. Mit 
scharfen Worten tadelt er seinen Bruder Louis, dessen Kunst er 
schwindsüchtig nennt, wie deren Herrin, die Religion (wie man sie 
in Wien auffasse); und die bekehrungswuthigen Nazarener vergleicht 
er mit abgerichteten Jagdhunden. Ganz klar spricht er sich über 
den Gegensatz zwischen sich und Overbeck in einem Briefe an 
Quandt von 1826 aus: „Overbeck will, dass die Kunst unmittelbar 
zur Erbauung und Besserung wirke, dass sie eine Predigerin sei. 
Ich meine, dass die Kunst mittelbar auch dahin wirke, aber dadurch, 
dass sie den Menschen, indem sie ihm eine ganz eigene, dennoch 
in ihrem Wesen auf Wahrheit gegründete Seite des Weltwesens 
eröffnet, eine Seite seines geistigen Lebens anregt und entwickelt, 
die ihn fähig macht, noch mit grösserem Bewusstsein seine höchste 
Bestimnuinp; zu erkennen und ihr nachzustreben." Schnorr empfindet 
daher an einem Bilde Klöbers, darstellend die Toilette der Venus, 
im Geiste des Giulio Romano, ungemeines Wohlgefallen, während 
Overbeck den Gegenstand schlechthin verwirft. — Nicht minder 
interessant ist es zu beobachten, wie sich Schnorr zu den alten 
Kunstwerken stellt, die ihm in Italien entgegen treten. So sagt ihm 
z. B. Rafael anfangs nicht ganz zu (S. 32); er findet 1817 in Rafaels 
Bildern ein Sueben nach Zierlichkeit und Anmut der Geberde, 
worunter manchmal das innere Leben der Gestalten zu leiden scheine. 
Schon 1818 kommt er zu der Überzeugung, dass man Rafaels Werke 
nicht lange genug betrachten könne, um ihre Vollkommenheiten 
ganz Zu verstehen, 1824 fühlt er sich im Anschauen der Sibyllen 
in Sa. Maria della Pace tief gedeinütliigt und geht trostlos von dannen. 
Die AVerke, die Schnorr in der behandelten Zeit geschaffen hat, 
sind bekannt: es sind die Wallfahrt oder der beilige Rochus, die 
Hochzeit zu Gana, die Fresken nach Ariost in der Villa Massimi, 
die Entwürfe zu den Odyssee-Fresken in München, die ersten 
Blätter der Bilderbibel. Unter welchen Umständen sie alle ent- 
standen sind, welche Wandlungen mit ihnen und in Schnorrs An- 
sichten stattgefunden haben, erfahren wir in den zahlreichen Briefen 
in eingehendster Weise. Die Aufeinanderfolge ist charakteristisch 
genug, und Schnorr spricht sich hierüber selbst (S. 525) deutlich 
aus: „bei einer Selbstprüfiing habe ich wahrgenommen, dass die 
romantische Kunst mir immer fremder und fremder zu werden 
beginnt; dass hingegen das Interesse für die allereinfachsten Gegen- 



336 Literatur. 

stände der Urwelt, wie das alte Testament und Homer sie uns 
zeigen, bei mir immer lebendiger wird; und weil icb bierin einen 
ganz natürlicben Entwickelungsgang wabrnebme, der den Ent- 
wickelungen im einzelnen und ganzen überliaupt cntspricbt, und weil 
icb sebe, dass gerade dieser Entwii kelungsgang notbwendig mit einem 
wabren Fortgange zusammenbimgt, so bin ich sehr damit zufrieden. 
Je weniger Beiwerk, desto niebr Wesen, je mebr Ein- 
fachbeit, desto grössere Möglichkeit der Echtheit." 

Diese Andeutungen genügen vielleicht zu zeigen, wie wichtig das 
vorliegende Buch für die behandelte Periode der Kunstgeschichte 
ist. Noch sei bemerkt, dass wolil alle deutschen Künstler und Kunst- 
freunde, die gleichzeitig mit Schnorr in Italien besonders in Rom 
waren, in den zahlreichen Briefen erwähnt werden. Nicht minder 
begleitet Schnorr alle entstehenden Kunstwerke, um die er sich mit 
Eifer bekümmert, mit seinen Humerkungen und ist, was sich für die 
Nachwelt von grösster Wichtigkeit erweist, sichtlich bemüht, den 
Seinen in der Heimath ein anschauliches und vollständiges Bild der 
römischen Kunstzustände zu geben. — Erwähnen wir schliesslich, 
dass die in musterhafter Weise im vorliegenden Buche dargebotenen 
Briefe uns einen Einblick in Scbuorrs sittlichernsten und wahrhaft 
edlen Charakter gestatten, der das Lesen derselben zu einer wahren 
Feierstunde gestaltet, so wird einleuchten, dass uns in dem gehalt- 
reichen Werke ein Schatz übergeben ist, wie man ihn selten unter 
den buchhändlerischen Veröffentlichungen autriff't. 

Dresden. Paul Schumann. 



Übersicht über neuerdings erschienene Schriften und 
Aufsätze zur sächsisch - thiiringischen Geschichte und 

Alterthumskunde. 



Berlit, G. Leipziger Inuungsordnungen aus dem XV. Jahrhundert. 
Progr. des Nicolaigymnasiums in Leipzig. 1886. 4(» SS. 4"\ 

Burlhardt, C. A. IL Die Gotbesche Filialbübne in Leipzig: 
Wissenscbaftl. Beilage der Leipz. Ztg. 1886. Nr. 44. S. 261—263. 

Distel, Th. Schillers Witwe und der Buchhändler S. Tj. Crusius 
in Leipzig: Arcliiv für Litteratnrgeschichto Bd. XV (1886). 
S. 292— 2f)8. 

— Ein überaus seltener Kupferstich des Moritzmonumentes zu Frei- 
berg von Wolf Meyerpek (1568): Kunstchronik (Beiblatt zur 
Zeitschr. f. bildende Kunst) Jahrg. XXI (1886). Sp. 487. 

Edelmann. Der Rückgang des Landes Budissin aus der Branden- 
burgischen an die Böhmische Herrschaft anno 1319: Neues 
Lausitzer Magazin. Bd. LXII (1886). S. 79—87. 

Fischer, Hans. Das Freikorps des Herzogs von Braunschweig in 
Zittau, 21. Mai bis 6. Juni 1809. Aktenniässig dargestellt. 
Separatabdr. aus den „Zittauer Nachrichten". Zittau. 188.">. 
49 SS. 8". 

Friedensburg, Walter. Landgraf Hermann II. der Gelehrte von 
Hessen und Erzbischof Adolf 1. von Mainz 1373—1390: Zeit- 
schrift des Vereins f. bess. Gesch. u. Landeskunde. N. F. Bd. 
XI (1885). S. 1—311. 



Literatur. 337 

Friedrich, Osk. Album des Gymnasiums zu Zittau. Zar Erinnerung 
an die dreihundertjährige Jubelfeier der Begründung des Gym- 
nasiums. Zittau, Menzel. 1886. 196 SS. S^. 

— Über die erste Einführung und allmähliche Erweiterung des 
mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts am Gym- 
nasium zu Zittau: Festschrift zur dreihundertjährigen Jubelfeier 
des Gymnasiums zu Zittau (1886). S. 25 — 40. 

Gärtner, Th. Die Zittauer Schule bis zur Gründung des Gymnasiums: 

ebenda S. 1—21. 
Jfenner], M. Johann Georg von Arnim, Kurfürstlich Sächsischer 

General-Lieutenant: "Wissenschaftl. Beilage der Leipz. Ztg. 1886. 

Nr. 65. S. 385—389. 
Koch, Jul. Gründliche und ausführliche Geschichte Thüringens. 

Gotha, Gläser. 1886. IV, 355 SS. 8«. 
König, Clemens. Der Falkenberg bei Bischofswerda: Neues Lausitzer 

Magazin Bd. LXH (1886). S. 30—78. 
Korscheit, G. Sitten und Gebräuche in der Oberlausitz in früherer 

Zeit: ebenda S. 1—22. 

— Beiträge zur Geschichte der Oberlausitzer Leineuindustrie zur 
Zeit ihrer Blüthe: ebenda S. 23—29. 

Lenz, Max. Der Rechenschaftsbericht Philipps des Grossmüthigen 

über den Donaufeldzug 1546 und seine Quellen. Marburg, N. G. 

Elwert. 1886. 50 SS. 4«. 
V. Mandelsloh. Reise des Königs Friedrich August von Sachsen 

nach Dalmatieu im Jahre 1838: Wissenschaftl. Beilage der Leipz. 

Ztg. 1886. Nr. 36, 38, 39, 41. S. 213—216, 225—227, 233—235, 

241—244. 
Martin, M. Der Königsteiner ßierbandel und sein Niedergang: 

Über Berg und Thal. Jahrg. IX. Nr. 6. S. 41—43. 
Missbach, Jul. Mag. Wilhelm Leberecht Götzinger: ebenda Nr. 

8, S. 57 flg. 
Mitzschlce, P. Des Paulus Jovius Chronik der Grafen von Orlamünde. 

Leipzig, Robolsky. 1886. 80 SS. 8". 
MoschJcau, Älfr. Die Burg Carlsfried bei Zittau: Neues Lausitzer 

Mag. Bd. LXII (1886). S. 111—129. 
Noack, Fried. Die Exception Sachsens von der Wahl Ferdinand I. 

und ihre reichsrechtliche Begründung. Jahresbericht der Real- 
schule zu Crefeld. 1886. 31 SS. 4». 
Faul, Carl. Die Christianisierung des alten Meissnischen Landes: 

Wissenschaftl. Beilage der Leipz. Ztg. 1886. Nr. 51—53. S. 

301—305, 309—315. 
v. Pausitz, A. Bergkloster Chemnitz, Schloss Chemnitz und Schloss 

Miramar. Mittheilungen aus 7 Jahrhunderten. Mit einer Ansicht 

in Lichtdruck. Chemnitz (Focke). 1886. 29 SS. 8'^. 
Boch'ohr, Paul. Die letzten Brunonen. Ein Beitrag zur Geschichte 

des deutschen Reiches unter Heinrich IV. (Inaug.-Dissert.) Halle 

a. S. 1885. 33 SS. 8°. 
Bossmann, Wilh. Mittheilungen aus den Correspondenzen Adam 

Friedrich Oesers und seiner Tochter Friederike: Wissenschaftl. 

Beilage der Leipz. Ztg. 1886. Nr. 53, 55, 59, 61. S. 315-317, 

325—328, 350—353, 363—366. 
Bustier, Mich. Das sogenannte Chronicon universitatis Pragensis. 

Leipzig, Veit & Comp., 1886. IV, 44 SS. 8». 
Sauppe. Geschichte der Burg und des Gölestinerklosters Oybin: 

Neues Lausitzer Mag. Bd. LXII (1886). S. 88—110. 

Neues Archiv f. S. G. u. A. VII. 3. i. 22 



338 Literatur. 

[Schnorr von Carolsfeld, Frans.] Briefe aus Italien von Julius Schnorr 
von Carolsfelil, geschrieben in den Jahren 1817 bis 1827. Ein 
Beitrag zur Geschichte seines Lebens und der Kunsbestrobungen 
seiner Zeit. Mit Porträt. Gotha, F. A. Perthes. 1886. 555 SS. 8". 

Steche, E. Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunst- 
denkmäler des Königreichs Sachsen. Auf Kosten der K. Staats- 
regierung herausgegeben vom K. S. Alterthunisverein. Siebentes 
Heft: Amtehauptmannschaft Chemnitz. Dresden, C. C. Meinhold 
u. Söhne. 1886. 62 SS. 8". 

Wilisch, E. G. Zur Charakteristik von Johann Benjamin Michaelis: 
Festschrift zur dreihundertjährigen Jubelfeier des Gymnasiums 
zu Zittau (1886). S. 41— CO. 

Wolf, Beruh. Zur Geschichte der lleformation in Annaberg. Pro- 
gramm des Kgl. Realgymnasiums. Anuaberg 1886. .30 SS. 4*'. 

Wolfram, Rob. Chronik der Stadt Borna mit Berücksichtigung der 
umliegenden Ortschaften. Neu bearbeitet. Borna (Schumann). 
1866. IV, 564 SS. 8«. 

Zöllner, B. Zur Geschichte der sächsischen Baumwollenindustrie: 
Wissenschaftl. Beilage der Leipz. Ztg. 1886. Nr. 37. S. 217—220. 



Mittheüungen , Neue, aus dem Gebiete historisch- antiquarischer 
Forschungen. Im Namen des mit der k. Universität Halle- 
Wittenberg verbundenen Thüringisch -Sächsischen Vereins für 
Erforschung des vaterländischen Äiterthums und Erlialtung seiner 
Denkmale. Herausgegeben von dem Sekretär desselben J. U. Opel. 
Bd. XVIL 1. 2. Halle 1885. 1886. 8«. 

Inhalt: J. 0. Opel, Mittheilungen zur Geschichte der Familie 
des Tonkünstlers Händel nebst einigen sich auf den letzteren 
beziehenden Briefen. G. Saraii, Aus der Vergangenheit der 
Parochie Altranstädt im Kreise Merseburg. Breymann, Die 
Marienkirche zu Mühlhausen i. Th. Ilortzschansky, Aus den 
Pfarrarchiven der Provinz Sachsen. Grössler, Der Name der 
Gaue Suovon, Hassegau und Friesent'eld. Krühne, Ein Landfriede 
von 12."4 (?) und seine Benutzung im Sachsenspiegel. Perlbach, 
Fragment eines Naumburger Ani versariums. Opel, Zur deutschen 
Sittenkunde (1. Sitten und Bräuche in der Stadt Naumburg a. S. 
im 16. und 17. Jahrb.). Sclium, Urkunde über die Lösung der 
Stadt Halle vom Interdicte 1.329. E y s e 1 e i n , Mittheilung aus dem 
llalleschen Studentenleben im Anfange des 18. Jahrb. 

Mittheilum/en des Geschichts- und Alterthunisverein s zu Leisnig im 
Königreiche Sachsen. 7. Heft. (Nebst einer Ansicht von Leisnig.) 
Zusammengestellt und im .Auftrage des Vereins herausgegeben 
von Dr. med. C. M. Müller. Leisnig 1886. 8«. 

Inhalt: Hingst, Annalen des Klosters Buch. Nobbe, Die 
Ordnung des Kirchenwesens zu Leisnig durch die kursächsische 
Visitation von 1529. Hingst, Georg Kümpler, ein berühmter 
Leisniger. Anacker, Die gestiftete Erntepredigt zu Leisnig. 
Hingst, Zur Gesch. der Meline. Ders., Ein Blick in das 
städtische Verwaltungswesen Leisuigs in der Zeit vor .340 Jahren. 

Mittheilungen des Vereins für Anhaltische Geschichte und Alter- 
thimskunde. Bd. IV, Heft 7. Dessau 1886. 8». 

Inhalt: Blume, f)ie Püanzung des Christenthums in Anhalt, 



Literatur. 339 

Hos aus, Nachtrag zu den dem Fürsten Magnus von Anhalt zu- 
geschriebenen geistlichen Gedichten. Irmer, Ein Bericht über 
die Schlacht an der Eibbrücke bei Dessau 1626. Wäschke, 
Briefe der Fürstin Johanna Elisabeth von Anhalt -Zerbst an 
Fräulein Cardel. H osäus, Elise von der Recke in ihren Bezieh- 
ungen zu Dessau und Wörlitz. Dietel, Professor Heinrich 
Lindner 1800—1861. 

Dasselbe. Bd. IV, Heft 8. Dessau 1886. S». 

Inhalt: Hosäus, Die Herzogl. Sammlung vaterländischer Al- 
terthümer im Schlosse zu Grosskühnau bei Dessau. Eckstein, 
Geschichte des Amtes Gröbzig. Hosäus, Ein Glaubensbekenntnis 
der Fürstin Margarete von Anhalt. Ders., Elisa von der Recke 
in ihren Beziehungen zu Dessau und Wörlitz (Fortsetzung). 

Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Alterthuins- 
kunde. N. F. Bd. V (der ganzen Folge Bd. XIII). Heft 1 u. 2. 
Jena 1886. 8*». 

Inhalt: G. Richter, Moritz Seebeck. v. Thüna, Die Drei- 
königskapelle in Saalfeld und die Thun- (Thüna)sche Familie. 



22 ■ 



Eegister. 



Ailalbevo, Bisch, v. Würzlmrg 203. 
Adalbert, Graf von Ballenstädt 

179 f. 
Adela, Gem. Mkgr. Ottos, dann 

Mkgr. Dedis 179. 184 f. 190 ff. 
Albinus, Job., Prot', in Leipzig 115. 
Albrecht I., Herz. v. Sachsen 309. 

— IL, Herz. v. Sachsen 309. 

— III., Herz. V. Sachsen 311. 

— (d. Beherzte), Herz. v. Sach- 
sen 31.3. 

— Y., Herz, von Bayern 17. 20. 
24. 42. 46. 55. 57. 

— (Alcibiades), Mkgr. von Bran- 
denburg- Culmbach 3. 11 ff. 

— Herz. v. Preussen 10. 47. 54. 
Altenberg 99. 108. 

v. Altensee, Georg, gen. Wacht- 

. meister 2. 
Altringer, Joh., kaiserl. General 

296. 
Altzelle 82. 

— Martin, Abt 133. 135. 138. 
V. Amsdorf, Georg 31. 
Anhalt s. Georg. 
Annaberg 108. 

V. Arnim, Hans Georg, Foldniar- 
schall 156. 159. 161 f. 278 ff. 

— Wolf Chrph., Generallieute- 
nant 256. 

Arnoldus Misiensis episcopus, 
Weihbischof z. Hildesbeim 142. 

V. Auerswald, Hans, Hausmar- 
schall 241. 

Augsburg 2. 19 f. 

August, Kurf. von Sachsen 5 ff. 
47 f. 58. 64. 83 fi. 153 ff. 236 ff. 
298 ff. 

— II. s. Fried r. August. 
Augustusburg 297 ff. 
Aussig 281. 



Bachmann, Geo., Dr., in Leipzig 

116. 
Ballenstädt s. Adalbert. 
Bamberg, Bischof 11. 17. 
Bärenstein, Herrschaft u. Schloss 

99. 101 f. 
Baudissin, Graf, General, Gou- 
verneur von Dresden 275. 
Bautzen 225. 228. 232 f. 
Bayern s. Albrecht, Maximilian, 

Weif. 
Benno, Herz, von Sachsen .307. 

— Bisch, V. Meissen 131 ff'. 183. 
208. 

— Bisch. V. Osnabrück 197. 
Berka von der Duba, die, 126 f. 

— Albrecht, auf Tollenstein 12.3. 
V. Berlepsch , Oberkonsistorial- 

präsident 275. 
Berner, Claus, Obrist 47. 
Bernhard, Herz. v. Sachsen 307. 

309. 

— Herz. v. Weimar 296. 

V. Bernstein, die Herren 99. 

— Hans (d. J.) 102. 

Bertha, Gem. Kg. Heinrichs IV. 

178. 
Berthold , Herz. v. Kärnten 185. 

189. 

— Graf 213. 

V. Beust, Joachim, Dr. jur. 113. 

Beutitz, Kloster 82. 

V. Biberstein , Ulrich , auf Fried- 
land 221. 224. 

V. Birkholz, Cuno Chrph., General 
und Kommand. von Dresden 
263 ff. 

— Georg Friedr., Gen.-Maj. 265. 
Böcklin, kais. Hofmarschall 3 f. 
Bohemus (Böhm), Mich., Lehrer 

in Torgau 113 f. 



Redster, 



341 



V. Böhlau, Job. Jacob Levin, 
Oberstlieutenant, Kommand. 
von Dresden 253. 

Böhmen s. Bretislaus, Wratislaus. 

Boitzenburg, v. Arnimsches Fa- 
milienarcbiv 278 ff. 

V. Borck, General 260. 268. 

Brand, ßartel, Stadthauptm. zu 
Dresden 244. 

Brandenburg s. Albrecht Alcib., 
Georg Wilhelm, Joachim, Jo- 
hann. 

V. Brandenstein, Sigrad., Kapitän- 
lieutenant 251. 

Braunschweig s. Erich, Heinrich. 

Bremen s. Liemar. 

Breslau, Bischof 139. 

Bretislaus IL, Herz. v. Böhmen 204. 

Bruneck 33 f. 

Bruno, Herz. v. Sachsen 306. 

z Bubna, kais. Generalwacht- 
meister 287. 289. 293. 

Bucco, Bisch, v. Halberstadt 179. 
196. 199. ,206 f. 209. 

Buch, Anton, Abt 133. 135. 138. 

V. Bünau 92. 

— Heinr., zu Weesenstein 102. 
Burgsdorf, Oberst 160 f. 296. 
Burgund s. Philipp. 
Burkhard, Burggraf von Meissen 

182 f. 187. 207 f. 

— Bischof von Lausanne 213. 

— Mag. 21. 31 f. 

Calbe 148. 150. 

V. Carlowitz, Chrph. 2 ff. 23 f. 43. 

— Georg 237. 

— Rud., Stadthauptm. 244 f. 273. 
V. Cerrini, Gen.-Lieut. , Gouver- 
neur von Dresden 276. 

Chemnitz, Landtag (1539) 63. 
Christian L, Kurf. von Sachsen 
117. 236. 241. 315. 

— IL, Kurf. von Sachsen 243. 
315. 326. 

Christoph.Graf V.Oldenburg 12.53. 

— Herz. V. Württemberg 11. 47. 
Clemens IIL, Papst 197. 
Colloredo, kaiserl. Feldherr 296. 
Czyrnowsky, Sgm. 234. 

Dänemark s. Knut. 

Dedi, Mkgr. der Ostmark 178. 182. 

— Mkgr. der Niederlausitz 179 f. 
184. 



Defner, Geo., Buchdrucker in 

Leipzig 115. 
Deodati, kais. Feldherr 296. 
V. Dieskau, Hans, kurf. Rath, dann 

Ober-Zeug- u. Baumeister 2.39 f. 
Dietrich, Graf, v, Kamburg 180. 

186. 190 f. 
Döbeln 61. 79 ff. 82. 
Dohna, Graf, Obrist 263. 
V. Dohna, Jone, Burggraf, auf 

Königsbrück 229. 

— Nicol., Burggraf, auf Grafen- 
stein 229. 

Donauwörth 12. 19. 

Döring, Stadtmajor 260. 

Dresden 82. 145. 148 ff. 232. Be- 
satzung 235 ff. Landtag (1552) 
58 f. Ausschusstag (1541) 64 ff. 

Eberhardt, Job., Mag. 113. 

V. Eberstein, Philipp 46. 

Eberus, Paulus, Prof. in Witten- 
berg 112. 

V. Eckersbergk, Heinr., Amtmann 
in Sonnewalde 116. 

Ehrenberger Klause 32 f. 

Ehrenfriedersdorf 94 ff. 

Eichstädt, Bisthum 44. 

Einsiedel in Böhmen 121. 

Eisenberg, Peter 165. 

Ekbert I., Markgr. von Meissen 
177 f. 

— IL, Markgr. von Meissen 177 ff. 
V. Ende, Geschlecht 92. 
England 94. 

Erich, Herz. v. Braunschweig 47. 
Ernst, Kurf. von Sachsen 312. 

Ferdinand L, König 2. 8 f. 16. 24 ff. 

— IL, Kaiser 157 ff. 
Ferdinand Wilhelm, Herz, von 

Württemberg 264. 

Ferrara s. Herkules. 

Flarchheim, Schlacht bei 192. 

Flemming, Graf, Jac. Heinrich, 
General, Gouverneur v. Dres- 
den 266 ff. 274. 

v. Fölkersamb, Oberst, Komman- 
dant zu Altendresden 253. 260. 

Franck, Joach., Pfarrer zu Mitt- 
weida 112. 

Frankfurt 53. 

Frankreich 2 ff. s. Heinrich. 

Franz Albrecht, Herz, zu Sachsen- 
Lauenburg 161 f. 285 f, 295 f. 



342 



Register. 



Preiberg 61. 77. 81. 249. 255 f. 

— Bergrecht 94. 96 f. 104 ft. 
Fresse, Bischof v. Bayonne 30 ff. 
Friedewalde 3. 

Friedrich III., Kaiser 146 i'. 

— I., Kurf. von Sachsen ;',l]. 

— II., Kurt', von Sachsen 98 ff. 
108. 124. 14Ö ff. 31 1. 

— III., Kurf. von Sachsen 312. 

— Herz, von Sachsen 313. 

— Graf (1008) 177. 

— V. Goseck, Pfalzgraf 180. 

— Erzbischof v. Magdeburg 148. 
150. 

Friedrich August I., Kurfürst v. 
Sachsen, König v. Polen 263. 
299. 

Friedrich Wilhelm, Herzog zu 
Sachsen, Administrator 90. 

Friesen, Graf, General, Gouver- 
neur von Dresden 274 f. 

v. Gablenz, Gen.-Lieut., Gouver- 
neur von Dresden 276. 

Gallas, M., kais. General 282 f. 
291 f. 296. 

Geising 101 f. 

Georg, Herz, von Sachsen 108. 
121. 142. 230. 232. 234 f. 313. 

— Fürst V. Anhalt 3. 

— Herz. V. Mecklenburg 2. 53. 
Georg Willielm, Kurf. v. Branden- 
burg 292. 294 f. 

v. Gersdorf, Hans 231. 233. 

— Otto 231. 233. 
Gerstungen 180 ff. 185. 
Gertrud, Tochter Mkgr. Ekbert I. 

V. Meissen 177. 
Geyer 94 ff. 
Glasberg, Steffan 98. 
Gleichen bei Erfurt 211 f. 
V. Godesheim, Ulrich 184. 
Göding, Heinr. 321 ff'. 
V. Goldstein, Obrist 249. 
Görlitz 217 ff. 
Goseck s. Friedrich. 
Goslar 132. 134. 137. 139. 180 f. 
Götze, Georg, übrist, Kouiinand. 

von Dresden 251 ff. 
Granvella 4. 30. 34. 43. 
Graupen 95. 99. 
Gregor VII , Papst 185. 192 f 

195. 197. 
Greiffenberger, Albinus, Präcep- 

tor etc. 115. 



Greiffenhain, Hans, auf Schiida 
218. 233. 

Grimma 09. 113. 

Grobel, Paul, Fortmeister 154 f. 

Groitsch s. Wiprecht. 

Grossenhain 229. Kloster 61. 82. 

Gundeltingen 28 f. 

v. Günterode, Heinr., Stadthaupt- 
niann zu Dresden 243. 

Guozdek, Veste 204. 211, 

Gustav Adolph, König v. Schwe- 
den 280 ff. 

Hadrian VI., Papst 141 f. 

Halberstadt s. Bucco. 

rialler, Reichszahlrastr. 2. 

Hänichen b. Rothenl)urg a. Neisse 
227. 

V. Hanstein, Konrad 46 f. 

V. Ilarras, Joh. 71. 73. 75. 77. 

Hartwisr, Erzbisch, v. Magdeburg 
1967 199 ff. 206. 212. 

Harzburg 180 f. 

Hass, Job., Mag., Oberstadt- 
schreiber zu Görlitz 220. 223. 

Hatzfeld 296. 

Hauff, Melch., Ober-Zeug- u. Bau- 
meister 240. 

V. Haugwitz, Casp., auf Nieder- 
putzkau 231. 

Hausmann, Nicol., Oberstadt- 
schreiber von Bautzen 223. 

Haynis s. Matthäus. 

V. Heideck, Hans 11. 25. 56. 

Heinrich I., König 300. 

— IV., König 178 ff. 

— V. Eilenburg, INlkgr. v. Meissen 
193. 200 f. 213 f. 

— (d. Erl.), Mkgr. v. Meissen 104. 

— (d. Fromme), Herz. v. Sachsen 
63. 314. 

— (d. Weif), Herz. v. Sachsen 
308. 

— (d. Löwe) , Herz. v. Sachsen 
308. 

— Herz. v. Braunschweig 4. 9. 
40 ff. 56. 

— IL, König V. Frankreich 3. 12. 
14. 17. 21 ff. 

Hennig, Job., Domdechant zu 
Meissen 1.S2 ff. 

Ilennicke, Graf, Konferenzmi- 
nister 275. 

Herkules, Herz. v. Ferrara 46. 

Hermann, Graf 189. 191. 



Register. 



343 



Hermann ßillung, Herz. v. Sachsen 
179. 307. 

— Graf V. Luxemburg, König 
194 ff. 202. 204. 206 f. 

— Erzbisch, v. Köln 35. 
Hermann, Ernst, Schlossprediger 

zu Augustusburg 299 ff. 
Hersfeld, Hartwig, Abt 199. 
Hessen, s. Philipp, Wilhelm. 
V. Heynitz, Geschlecht 72. 92. 
Hezilo, Bisch, v. Hildesheim 134. 

139. 179. 190. 
Hildebrand, Obrist 268. 270. 
Hildesheim 177. 
~ Michaeliskloster 131 ff'. 

Adalbert, Abt 132. 136. 

Loeff, Joh., Abt 132. 136 ff. 

140 f. 

Hermanuus, Prior 138. 

Hermannus, Professus 133. 

138. 

Petrus, Professus 138. 

Rose, Henning, Professus 

132 ff 

— Moritzstift 134. 139. 

— s. Hezilo, Udo. 

V. Hirnheim, "Walter, kais. Ge- 
sandter 23. 29. 35. 

Hohentichte 326. 

Hohnstein b. Stolpeu 124. 126. 

Holck, kais. Feldmarschall 283. 
291. 

V. Honsberg, Geschlecht 73. 

— Hans 85. 

Höpner, Casp., Diakonus in Mitt- 

weida 112. 
Hund, bayr. Rath 24. 
Hussiten 145. 

Jahnus v. Eberstett, Leber. Gottfr., 
General, Gouverneur v. Dres- 
den 269. 274. 

Innsbruck 1 ff'. 29 &. 

Joachim L, Kurf. v. Brandenburg 
232. 

— I[., Kurf. V. Brandenburg 5 ff. 
47. 

Johann, Kurfürst v. Sachsen 62. 
312. 

— Mkgr. V. Brandeuburg-Küstrin 
10. 17. 16 ff. 

— (VI.), Bisch. V. Meissen 231 ff. 

— (VII.), Bisch. V. Meissen 141. 

— {HL), Bisch. V. Naumburg 133. 
135. 138. 



Johann Albrecht, Herz. v. Meck- 
lenburg 10. 12. 23. 35. 37. 44. 55. 

Johann Ernst, Herz. v. Sachsen- 
Koburg 58. 

Johann Friedrich, Kurf. v. Sach- 
sen 237. 313. 

(d. Mittl.), Herz. v. Sachsen 

237. 

Johann Georg I., Kurf v. Sachsen 
157 ff'. 281 ff. 298. 305. 315. 

IT., Kurf. V. Sachsen 254. 

III., Kurf. V. Sachsen 253 fi. 

IV., Kurf. V. Sachsen 260. 

Chevalier de Sa.xe, Gouver- 
neur V. Dresden 275. 

Irmgard, Gem. Ekberts I. von 
Meissen 177 ff". 

Isselgo, Komitat 203. 

Justus, Geo., Diaconus in Leipzig 
116. 

Kamenz 227 f. 

V. Karas, Geschlecht 73. 89. 

Karl V., Kaiser 1 ff. 237. 

— Herz. V. Kurland 275. 
Kärnten s. Berthold. 
Kassel 5. 8 f. 

V. Kathelenburg, Dietr. 198. 

Kaunitz 281 f. 290. 

V. Kayn, Gregor, Stadthauptmann 
zu Dresden 243. 

Khra, Karl, Stadthauptmann 246. 
250 f. 

Kinsky, kais. General 160 f. 284. 
286. 

V. Kittlitz, Liborius 234. 

Klengel, Wolf Kasp., General, 
Überkommandant v. Dresden 
259 f. 

Knoch, Obrist 260, 268. 

Knut II., König v. Dänemark 19i). 

V. Köckritz, Hans, zu Mücken- 
berg 230. 

— Jacob, auf Elsterwerde 231. 
233 f. 

Köln s. Hermann. 
Kommerstädt, Dr. 4. 81. 
Königsbrück 227. 229. 
Königsteiu 239. 245. 251. 253 ff". 

264 ff. 
Konrad, Graf 177. 

— Bischof V. Utrecht 202 f. 206. 
213. 

V. Kottwitz, Chrph. 217 ff. 

— Kaspar 219 ff. 



344 



Reffister. 



Kragen, Ernst, auf Domsdorf 
218. 225. 

— Heinrich 217 ff. 
Kram, Franz, Dr. 2. 43. 
Kranach, Lucas, d. J. 305. 
Kraz, Oherst 288. 

V. Krosigk, Hans Georg, Oberst 

2ßO. 
Kurland s. Karl, Marie. 

Lachsbach 120. 123. 
Landesdei'ensionsverfassung249ff. 
Lausanne s. Burkhard. 
Leipzig 61. 114 ff. 141. 143. 

154 f. 256. 
LengonfeUl, Kloster 82. 
Leo X., Papst 134 f. 141. 
Lichtenberg 81. 
V. Liebenau, Job. Siegui., Oberst 

251 ff 
Licmar, Erzbisch, v. Bremen 213. 
Linz 13. 16 f. 24 ff. 
Lobendau, Lobendauer Bach 1 19 ff. 
Lodron, Job. Bapt., Graf, Obrist 

237. 
vomTjOss, Cbrpb., Oberschenk 241. 
Losse, Job., Domvikar in Meissen 

133. 136. 
Lothar (H.), König 212. .308. 
Ludolf, Hrz. 306. 
Luther 150 ff. 
Luxemburg 146 f. 

Magdeburg 1 f. s. Friedrich, Hart- 
wig. 

Magdeburg, Job., Kanzler 102. 

Magnus, Hrz. von Sachsen 179. 
189. 191. 209. 308. 

Mainz, Erzbischof 139. 

V. Mangold, Generalmajor, Gou- 
verneur von Dresden 276. 

Marie, Tochter des Hrz. Karl 
v. Kurland 275. 

— Schwester Karls V. 26 f. 57. 
Marschall, Georg, zu OtzdorfSöf. 
Matthäus v. Giossenbain (Haynis) 

CoUegiat zu Leipzig 141. 143. 
V. Maxen, Hans, auf Drebkau 218. 

225 ff. 
Maximilian H., Kaiser 4. 9. 12 f. 

24. 298. 301. 

— Kurf. V. Bayern 157 ff. 
Meissen, Landesschule zu S. Afra 

60 ff. Kloster z. h. Kreuz 61. 
82. Dom 71 ff. 80 f. 



Meissen s. Adela,Ekbert, Gertrud, 
Heinrich, Irmgard, Oda, Wilh. 

— Burggrafen s.Burkhard,Plauen. 

— Bistumsmatrikel 124. 15ischöfe 
s. Benno, Burkhard, Johann, 
Schönberg. 

Mecklenburg s. Georg, Johann 

Albrecht. 
Melanchthon, Phil. 112. 152. 
Meirichstadt, Schlacht 189. 
Mergentheim 53. 
Merseburg 68 f. 
V. Milkau, Joh. Melch., Stadt- 

bauptmann zu Dresden 243 f. 
V. Miltitz, Ernst 4. 237. 
V. Minckwitz, Erasm. 31. 46. 

— Georg lludolf, Oberst 260f. 264. 

— Hans iiudolf, General, Gouv. 
V. Leipzig 260 ff. 

Mittweida 111 f. 116. 
Monhaupt, Nicol. 78. 
Mordeisen, Dr., Kanzler 2 ff. 23 f. 
Moritz, Kurfürst v. Sachsen 1 ff. 
64 ff. 236 ff. 300 f. 314. 

Naubitzer, Andr., Pfarrer 111. 

— Daniel, Pfarrer 111 ff. 

— Johannes, Pfarrer 111. 
Naumburg s. Johann. 

v. Neideck, Otto 9. 

Neitperg bei Sebnitz 126. 

Neuburg a. d. Donau 23. 

V. Neuhofen, Wilh., gen. Ley 52. 

Nicolai, schwed. Kesident in Dres- 
den 279. 281. 

Niederlausitz s. Dedi. 

Nimptschen, Kloster 61. 95. 

Nordheim ß. Otto. 

Nordmark s. Udo. 

V. Nostitz, Obrist 264. 

v. Nostitz-Wallwitz, Gen., Kriegs- 
minister 276. 

Nürnberg 2. 

Oberlausitz 216 ff. 

Oda, Gem. Ekberts II. v. Meissen 

190. 
Öder, Joh. (Memminger), Lehrer 

in Grimma 113. 
Oldenburg s. Christoph. 
V. Oppell, Gen., Kriegsmister 276. 
Ortolph, Herzog v. Sachsen 307. 
Osnabrück s. Benno. 
V. Osse, Melchior 153 f. 
Ostergo 202. 



Register. 



345 



Ostmark s. Dedi. 
Ottheinrich, Pfalzgraf 23. 44. 
Otto, Herzog v. Sachsen .^06. 
Otto V. Nordheim 179 ff. 
Otto V. Ostia, päpstl. Legat 198. 
Oxenstierna, schwed. Kanzler 
283 f. 291 f. 

Passau 26. 29 ff. 36 ff. 

Pfalz s. Ottheinrich. 

V. Pfeilitzer gen. P'rank, General, 

Gouverneur v. Dresden 275. 
Ptiug, Geschlecht 92. 

— Centurius, Obrist 243 ff. 249 ff. 
Pforta bei Naumburg 68 f. 
Philipp, Herzog V. Burgund 146 f. 

— Landgraf zu Hessen 1. 4 ff. 
Piccolomini 296. 

Pilsen 284 f 296. 

Pirgallius, Mag., in Leipzig 143. 

Pirna 249. 252, 256. 

V. Plauen, Heinr. , Burggraf v. 
Meissen, böhm. Grosskanzler 
5. 13. 23. 34. 52. 54. 57 f. 

Pleichfeld, Schlacht 203. 

Pleissenburg, Schloss 239. 245. 
254 ti. 263. 

Polen s. Friedr. Aug., Siegmund. 

Polenzbach 120. 

V. Ponickau, Hans Georg, Geh. 
Rath 241. 

Preussen s. Albrecht. 

Puchner, Paul, Zeug- und Bau- 
meister 236. 

Quedlinburg 212. 
Quiroga 284. 

V. Ragewitz, Georg 232. 

Ragozi 293. 

Raschin 288 f. 

Rauscher, Hieron., Bürgermeister 

zu Leipzig 155 f. 
Reifenberg 12. 25. 
Reitzenstein, General, Gouvern. 

V. Dresden 275. 
Reussen v. Plauen, die 97. 
Reutte 29. 32 f. 
Riedesel, Frhr., zu Eisenbach, 

Gen., Gouvein. v. Dresden 275. 
Riesa, Kloster 61. 
Rode, Friedr., Dr. 154. 
Rödelheim bei Frankfurt a. M. 55. 
V, Rodewitz, Oberst 264. 
Rom 140 ff. 



Rose s. Hildesheim. 

Rudolf L, Herzog v. Sachsen 310. 

— n., Herzog v. Sachsen 310. 

— HL, Herzog v. Sachsen 311. 
Rudolf V. Schwaben 181 ff. 
Rulcke, Dietr., z. Lindau, Hauptm. 

d. Festung Dresden 241. 
V. Rupach 287. 
Ruprecht, Casp. 218. 
Russwormb, Hans Claus, Stadt- 

hauptm. zu Dresden 243. 
Rutowski, Graf, Gouverneur von 

Dresden 275. 
V. Ruxleben,Cornel., Jägermeister 

154 f. 
V. Rye, kaiserl. Rath 24. 

Saaz 145. 

Sachsen s. Albrecht, August, 
Benno, Beruh., Bruno, Christ., 
Ernst, Friedrich, Fried. Aug., 
Heinrich, Hermann, Johann, 
Joh. Ernst., Joh. Friedrich, 
Joh. Georg, Magnus, Moritz, 
Ortolph, Otto, Rudolf, Sieg- 
mund, Wentzeslaus, Wilhelm. 

Sachsen-Lauenburg s. Franz Al- 
brecht, 

Sänitz 217 ff. 

Schaff, Ulrich, a. Greifenstein 224. 

Schaö'gotsch 296. 

Scharfenstein 98. 105. 

Schärtlin 25, 

Schaube, Lucas 111 f. 

Schellenberg 297 ff. 

Schilter, Zachar. 114 ff. 

V. Schleinitz, Hans, zu Schleinitz 
237, 

— Joh. 140, 

— Heinrich, auf Hohnsteiu 232. 
Schleswig-Holstein s, Ulrich. 
Schlick, Graf 160. 283 f. 292. 

— Albr. 4. 9. 

V, Schlieben, Obrist 249. 
Schlieff, Obrist 285. 
Schocher,Hans, Hauptm. 103. 110. 
V, Schönberg, Geschlecht 60 ff. 70 ff. 

— Andr., Gen., Kommand. V.Dres- 
den u. Königstein 252 ff. 259. 

— Beruh., zu Reichenau 237. 

— Caspar, Bisch, v. Meissen 70 ff. 
102. 

— Dietr., Bisch, v. Meissen 70 ff, 

— Hans Wolf, Hofmarschall, 
Obrist 241, 



34G 



Register. 



V. Scliönberg, Wolf, kiirf. Rath 
239. 

V. Schünburg, Willi., Amtmann 
zu Senftenberg 231. 

V. Schreibersdorf, Albr. 228. 

Sehrohr, Barbara, Priorin z. Frei- 
berg 61. 

Schubert, üeorg, StaJthauptmann 
zu Dresden 244. 

V. Schulz, üeneralmaj., Gouvern. 
V. Dresden 276. 

Schwaben s. Rudolf. 

V. Schwalbach, Job. Melch., Gen. 
240. 251. 

Schweden 156 ff. 278 ff. s. Gast. 
Adolph. 

Schweinfurt 14. 16. 

V. Schwendi, kais. Kriegskom- 
missar 2. 24 f. 

Sebnitz 118 ff". Bach 119 ff. 

Sechsstädte 217. 222 ff. 

V. Seidlitz, Adam 3. 

Seid 30. 39. 

Selneccer, Nicol. 114. 116. 

Senftenberg 231. 254 f. 

Senftleben, Konrad 98. 

Senftleben, Liborius, Münzmeister 
zu Freiberg 98 f. 

Seuslitz, Kloster 61. 82. 

V. Seyfertitz, Obrist 267. 

Siegfried, Graf (Sohn Ottos von 
Nordheim) 209 f. 

Sieguuind , Hrz. v. Sachsen 145. 

Siegmund, König von Polen 217. 
220. 223 f. 232. 

Solms, Agnes Gräfin 116. 

— Otto Graf 116. 

Sonnenstein 254 ff. 264 ff'. 

Sonne walde bei Kottbus 116 f. 

Sornzig, Kloster Ol. 

Spremberg 218. 230. 

Stainegkber, Obristlieut. 287. 

Staveren, Gau 188. 190. 

Stegman, Job., Pfarrer in Sonne- 
walde 116 f. 
Steiuau 284. 

Stolpen 73. 254 ff". 267. 
Strehlen, Schlacht 157 ff". 
Sutorius, Job., Diacon in Sonne- 
walde 116 f. 

Taube, Claus, Obrist, Kommand. 

V. Dresden 251 f. 
Thalheim, Jac, Hauptm. 240 f. 
V. d. Thanu, Eberhard 21 f. 31 f. 



Tlieler, Casp., zu Höckendorf 81. 
Thum 94 ff. 

V. Thum, Graf 159. 280 ff. 
Torgau 113 f. 250. Landtage 5 ff. 

84. 87. 
Trautmannsdorff 284. 
Trient, Konzil 2. 5 ff. 
Trott. Adam 52. 54. 
Trzka, Graf 160 f. 281 ff 

— Gräfin 281. 

Tunckel, Heinr. , Landvogt der 
Niederlausitz 230. 

Udo, Graf der Nordmark 180. 

— Bisch. V. Meissen 190. 197 ff. 
214 f. 

UUersdorf bei Zittau 219. 
Ulm 23. 28. 

Ulrich, Herzog zu Schleswig-Hol- 
stein, Generalobrist 243. 
Urban II. Papst 208. 
Utrecht 188. 190. s. Konrad. 

Villach in Kärnten 36. 51. 

de Virnberg, Kupertus 147. 

Vitzthumb von Eckstädt, Fr. "W., 
Kittmeister 289. 

Vitzthuni, Graf, Oberkammerherr 
275. 

Vogt, Casp., Ober-Zeug- u. Bau- 
meister 236. 240. 

Wackerbarth, Graf, General, Gouv. 
V. Dresden 269. 271 f. 274 f. 
V. Waidenburg, die Herren 95 ff. 

— Anarg, Unark 95. 98. 
Waldheim, Kloster 82. 
Wallenstein 156 ff'. 278 fl'. 

V. Wallwitz, Adam Adrian, Stadt- 
luiuptmann zu Dresden 251. 

V. Wartenberg, Siegmund, auf 
Tetschen, Landvogt d. Ober- 
lausitz 220 f. 226. 229. 

V. Watzdorff, Geschlecht 91 f. 

Weimar, Herzöge 5 ff. s. Bern- 
hard. 

Weistropp bei Dresden 117. 

Weif, Hrz. V.Bayern 185. 189. 203 f. 

Wentzeslaus, Hrz. v. Sachsen 310. 

Werner, Paul, Hofmaler 326. 

Westergo, Grfsch. 202. 

v. Westfalen, Arnold 148 fl'. 

Wettin siehe Dietrich, Wilhelm 
(Meissen, Sachsen). 

Wibert, Papst 208. 



Register. 



347 



Wiclebram, Dr. 112. 

Widekind 190 f. 

Wien 259 f. 

Wildenstein, Herrschaft 123. 126. 

— bei Goslar 1.34. 

Wilhelm, Graf (Sohn d. Gr. Gero 
V. Erehna) 180. 186. 
. — (L), Markgr. v. Meissen 97. 

— (III.), Hrz. V. Sachsen 146 f. 

— Landgr. v. Hessen 2 f. 5. 7 f. 
11 ff. 

Wilsdruff 81. 

Wiprecht v. Groitzsch 190 ff. 213. 
Wittenberg 111 ff". 255 f. 26.3. 
Wladislaus, König v. Böhmen u. 

Ungarn 217. 220. 222 ff. 230. 

234. 
Woldenberg, Grafen von 133 f. 139. 

— Conradus comes 139. 

V. Wolffersdorff, Hans, Ober- 
küchenmeister 241. 

Wolkenstein, Stadt u. Herrschaft 
95. 97. 

Wölmsdorf 120. 122. -er Bach 
119 f. 



Wostromirski, General, Unter- 
kommandant V. Neu-Dresden 
268. 

Wratislaus, Hrz. v. Böhmen 183 ff. 

Württemberg s. Christoph, Fer- 
dinand Wilhelm. 

Würzburg 11. 12. 17. s. Adalbero. 

Würzen 75 ff. 81. 

Zahlwasser 121 f. 125. 

Zasius, Dr. 34 f. 

Zaunmacher, Christoph, Hauptm. 
d. Festung Dresden 241. 243. 

V. Zeschau, Geuerallieuteuant, 
Gouverneur v. Dresden 276. 

V. Zetteritz, Georg, z. Lortzendorf, 
Hauptmann d. Festung Dres- 
den 241. 

V. Ziegler, Generalmajor 268. 

Zinzendorff, Otto Christian Graf, 
General, Kommandant v. Dres- 
den 265 f. 

Zschopau 97. 

Zwickau 111. 241. 255 f. 



Officio: WiHielm Baensoli. Dresden. 



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